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Mörderische Erfolge der Nazi-Luftwaffe

Vor 82 Jahren flog die nazideutsche Legion Condor einen Luftangriff auf die baskische Stadt Gernika. Der Ort lag weder direkt an der Front,noch hatte er eine besondere militärische Funktion. Einzig interessant für die Faschisten hätte die Waffenfabrik Astra sein können. Doch ausgerechnet sie blieb verschont von der Zerstörung, die 90% des Ortes betraf. Gernika gilt als der erste Luftangriff in der Militärgeschichte auf Zivilbevölkerung. Drei Wochen vorher war bereits Durango bombardiert worden.

Stefanie Schüler-Springorum publizierte 2010 die erste kritische Gesamtdarstellung der Legion Condor, aus der hohe und höchste Offiziere von Hitlers Luftwaffe hervorgingen. Ein spannendes Buch.

Im Klappentext zum Buch heißt es: Die Legion hatte entscheidenden Anteil am Sieg Francos. Hitlers "fliegende Bruderhilfe" griff in alle bedeutenden Schlachten ein, mehr noch, sie führte den ersten massiven Luftkrieg der Geschichte gegen die Zivilbevölkerung. Das von ihr zerstörte Gernika ist zu einem weltweiten Symbol für die Gräuel des Krieges geworden.

Auf breitester Quellenbasis beschreibt die Autorin die Erfahrungen der deutschen Flieger: ihren sozialen und familiären Hintergrund, ihre Motivationen und Vorbilder, ihren Aufbruch nach Spanien, die erste Konfrontation mit einem fremden Land, das Alltagsleben dort, ihren Blick auf die "Anderen", die spezifischen Kampferfahrungen der Jagd- und Bomberpiloten sowie das Erleben der "Nachtseiten" des Krieges: Repression, Gefangenschaft und Tod. Ein abschließendes Kapitel widmet sich den späteren Lebensläufen der Legionäre im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit sowie der privaten und öffentlichen Erinnerung an den Krieg.

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Das hervorragend geschriebene Buch schärft den Blick für die gesamte deutsche Kriegstätigkeit in Spanien 1936-1939 und für die Realität des Luftkriegs, ohne gleichzeitig den Mythos der "faschistischen Elitetruppe" fortzuschreiben. Ein bedeutender Beitrag zur Alltagsgeschichte der deutsch-spanischen Beziehungen und zur kulturgeschichtlich orientierten "Neuen Militärgeschichte".

Süddeutsche Zeitung – Rezension 20.09.2010

Streng geheim: Das „Unternehmen Feuerzauber“ – Stefanie Schüler-Springorum hat die Geschichte der Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg geschrieben. Den Führer Adolf Hitler stöberte sein Stellvertreter Rudolf Heß in der Nacht des 25. Juli 1936 in Bayreuth auf. Dort ließ sich der Reichskanzler erst mal durch Richard Wagner in Stimmung bringen. Dann monologisierte er stundenlang über Spanien und den General Francisco Franco. Dessen Putsch ging nicht voran, er ließ den Führer dringend um Hilfe bitten.

Über Bayreuth dämmerte schon der neue Tag, als Hitler seinen drei konspirativen Besuchern Beistand versprach: Flugzeuge, Waffen, Munition und Männer für den Bürgerkrieg. Das ganze Programm werde „Unternehmen Feuerzauber“ heißen. Hermann Göring, im Ersten Weltkrieg Jagdflieger und nun Chef der neuen Luftwaffe, war begeistert. Im November 1936 taufte er die streng geheime Interventionstruppe, rekrutiert aus „Freiwilligen“ in Räuberzivil, die vorher schmucke deutsche Fliegeruniformen getragen hatten, in „Legion Condor“. Ohnehin wollte der Rosenheimer aus den Deutschen „ein Volk von Fliegern“ machen und Mann und Material „im scharfen Schuss erproben“.

Die Legion Condor war entscheidend für Francos Sieg im blutigen Bürgerkrieg. Die spanischen Zivilisten fürchteten die deutschen „Gespenster der Luft“. Aus ihren Jagdflugzeugen schossen die Deutschen auf regierungstreue, republikanische Berufskollegen (das galt als „ritterlich“), auf die schlecht ausgebildeten Bodentruppen ohne Flak und Unterstände (darüber redete man nicht ganz so gern) und zerbombten aus großer Höhe Metropolen, Kleinstädte und Dörfer. So ging 1937 Gernika zugrunde, die religiöse Hauptstadt des Baskenlandes. Es war der erste flächendeckende Terrorangriff, ein Menetekel für die Bombennächte des heraufziehenden Zweiten Weltkrieges. Dass deutsche „Freiwillige“ der Legion Condor es waren, die mit der Barbarei begannen, wurde seinerzeit verheimlicht und vehement bestritten.

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Ohnehin verlief die ganze völkerrechtswidrige Militäraktion unter strengster Geheimhaltung, bis 1939. Auch deshalb gab es bisher keine umfassende Darstellung der Geschichte der Legion Condor, die wissenschaftlichen Kriterien standhält. Diese Lücke hat die Hamburger Historikerin Stefanie Schüler-Springorum nun geschlossen. Sie legt ihre Habilitationsschrift unter dem griffigen Titel „Krieg und Fliegen“ vor. Es ist ein streng nach den Regeln der akademischen Historiker verfasstes Werk. Solide, umfassend, allen Pointierungen abgeneigt, nahezu exzessiv mit Belegstellen gesichert: Allein das vierte Kapitel enthält 842 Fußnoten.

Von Zeitzeugen hält Stefanie Schüler-Springorum nichts, „oral history“ sei „wenig ergiebig“. Deshalb hat sie in den elf Jahren, in denen sie an diesem Buch gearbeitet hat, nur mit zwei Menschen, die wirklich damals dabei waren, ein Gespräch geführt. Weshalb die verdienstvolle Untersuchung nach Ansicht der Professorin eine „geschlechterspezifische Perspektive“ hat und weshalb es sich um „Neue Militärgeschichte“ handeln soll – „Neue“ schreibt sie groß – bleibt völlig rätselhaft.

Im Übrigen ist das „verschriftlichte Kriegserleben“ – „verschriftlicht“ ist ein Lieblingswort der Autorin, sie kennt sogar „verschriftlichte Seufzer“ – ein tragfähiges Fundament für alle, welche für ihre spanischen Bürgerkriegsemotionen Fakten als Unterfutter suchen. Fakten, die Wahrheit: Das war das Letzte, was die Deutschen – „Auf nach Spanien!“ –, die vor 74 Jahren dem Faschisten Franco an die Macht halfen, interessierte. Wolfram Freiherr von Richthofen, verwandt mit dem „Roten Baron“ des Ersten Weltkriegs und Stabschef der Legion Condor, später, auch wegen dieser Verdienste der jüngste Generalfeldmarschall der Deutschen Luftwaffe, schrieb seiner Frau aus Spanien, das er gerade zusammenbomben ließ: „Leben, Umgebung, Essen, Leute, Land, alles scheußlich.“ (2)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension 15.11.2010

gernika04Schöner fliegen? Die deutsche "Legion Condor" im Spanischen Bürgerkrieg – Jeder historisch Interessierte kennt sie, die Legion Condor, jenen Luftwaffenverband, mit dem das nationalsozialistische Deutschland maßgeblich zum Sieg der aufständischen Generäle im Spanischen Bürgerkrieg beitrug. Doch was weiß man über diese "faschistische Elitetruppe"? So gut die deutsche Intervention in Spanien inzwischen erforscht ist, so wenig gilt dies für die militärischen Akteure selbst, die insgesamt über 20.000, "vor Ort" aber nie mehr als 5600 Legionäre. Der ambitionierten Darstellung von Stefanie Schüler-Springorum kommt der doppelte Verdienst zu, die reichhaltige Literatur über Hitlers Waffenhilfe für Franco zusammenzufassen und erstmals den Blick auf die Lebenswelten und Vorstellungen von Angehörigen der Legion Condor zu lenken.

Die Autorin konzentriert sich auf das fliegende Personal, über das auch die meisten Quellen vorliegen. Der methodische Anspruch ist hoch und wird in der Einleitung so vollmundig ausgebreitet, wie es im Wettstreit akademischer Selbstvergewisserungen leider üblich geworden ist. Da werden Noten verteilt und Gemeinplätze codiert, alles im Sinne einer "neuen Kulturgeschichte", die natürlich ihren "Siegeszug" durch die Militärgeschichte angetreten hat. Auch hier wäre es interessant, einmal ganz kulturalistisch nach der sprachlichen Verfasstheit solcher Wissenschaftstexte zu fragen. (2)

ANMERKUNGEN:

(1) „Krieg und Fliegen. Die Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg“. Stefanie Schüler-Springorum, Ferdinand Schöningh Verlag, 2010. Rezensionen im Perlentaucher Kulturmagazin (Link)

(2) Rezensionen FAZ und SZ (Link)

ABBILDUNGEN:

(*) Erinnerungs-Veranstaltung Gernika (FAT)

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