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Die Nazi-Luftwaffe in Vitoria-Gasteiz

Gleich zwei Mal ist die historische Ausstellung über die „Geschichte der Legion Condor und die Zerstörung von Gernika“ im April 2017 in der baskischen Hauptstadt Gasteiz (Vitoria) zu sehen. Zum einen in der Altstadt, in der Gaststätte des alternativen Radios Hala Bedi in der Calle Cuchilleria; zum anderen in einem städtischen Bürgerzentrum im neu gebauten Stadtteil Salburua. Dieses Barrio hat eine besondere Geschichte. Hier hatte die Luftwaffen-Truppe der Nazis ihr baskisches Hauptquartier.

Vom Hauptquartier der Legion Condor in Gasteiz-Vitoria starteten einige der Maschinen am 26.4.1937 zum tödlichen Flug nach Gernika. Von hier startete auch der Faschisten-General Mola (Kommandeur der Nordfront) zu seinem letzten Flug, der in Burgos mit Absturz endete (3.6.1937).

Salburua war nach Lakua der zweite Flugplatz in Gasteiz, er wurde 1935 von der republikanischen Regierung eröffnet für zivile Flugverbindungen zu Orten auf der Halbinsel und ins marokkanische Tetuan. Daneben befand sich hier eine private Flugschule. Erst 1979 wurde Salburua geschlossen, als der neue Flughafen Foronda am anderen Ende der Stadt fertig gestellt war. Seither wurde das Gelände nur noch für die Volksfeste der Baskisch Nationalistischen Partei PNV genutzt, bis vor 10 Jahren an seiner Stelle eine Art baskisches Manhattan gebaut wurde: der neue Stadtteil Salburua – breite Straßen und riesige Wohnblocks.

Gasteiz in der Republiksalbu02

Bei den Wahlen vor dem Militäraufstand 1936 hatten linke und republikanische Kräfte die besten Ergebnisse erzielt, sowohl die Stadtverwaltung Gasteiz als auch die Provinzregierung Araba gingen in ihre Hände. Dennoch hatte die Stadt immer den Ruf, eine Priester- und Militärstadt zu sein. Diese Kräfte waren es dann auch, die sich nach dem Putsch der Generäle im Sommer 1936 sofort auf die Seite der Aufständischen schlugen und das Schicksal der Stadt bestimmten. In Gasteiz gab es keinen Krieg, dafür hatten die Franquisten mit dem Flughafen Salburua einen ausgezeichneten Ausgangspunkt für ihre Bombenangriffe an die baskische Küste, innerhalb der Nord-Offensive ab Frühjahr 1937 (zusammen mit den Legion-Condor-Hauptquartieren auf den Flugplätzen in Logroño, Rioja und Burgos). Nach ihrer Machtergreifung gingen die Franquisten wie überall mit eisernem Besen durch die Stadt, alle Verdächtigen oder Denunzierten wurden verhaftet, der republikanische Bürgermeister und 19 Abgeordnete des Provinz-Parlaments wurden erschossen.

Nazi-Luftwaffe in Salburua

Schon einige Zeit bevor die Legion Condor als Luftwaffen-Staffel mit Bombardierungen im November 1936 direkt in das Kriegsgeschehen eintrat, waren bereits deutsche Piloten und Techniker in Salburua im Einsatz. Sie sollten die gleichgesinnten Spanier technisch ausbilden und waren Teil der Infrastruktur, die Francos Truppen überhaupt erst an die Einsatzorte brachten. (1)

Auch wenn dieser deutsche Einsatz streng geheim war, so war er für die Zivilbevölkerung dennoch offensichtlich. Die Deutschen, die offiziell als Fluglehrer anreisten, waren im Grand Hotel Fronton in der San-Prudencio-Straße einquartiert. Sie bezogen luxuriöse Quartiere und bekamen zu ihrer Unterhaltung extra Bordelle, zugesichert von einer nationalkatholischen Bewegung, die an Rückwärtsbewegung ansonsten nicht zu übertreffen war. In der Nacht zum 6. August 1936 gingen sechs Luftwaffen-Piloten und diverse Techniker im andalusischen Cadiz an Land. Auf dem deutschen Frachter aus Hamburg befanden sich zudem Flugzeuge, sechs Heinkel He-51A Doppeldecker, ordentlich zerlegt. Bei den Piloten handelte es sich um die Offiziere Herwing Knüppel, Hannes Trautloft, Ottheinrich von Houwald, Karl Eberhardl, Gerhard Klein und Ekkehard Hefter, die alle in „freiwilliger Mission“ unterwegs waren, wie dies im Nazi-Jargon hieß.

Sie waren die Vorhut dessen, was drei Monate später zur berühmt-berüchtigten Legion Condor heranwachsen sollte. Die Flugzeuge wurden von Cadiz nach Sevilla gebracht, wo sie wieder zusammengeschraubt wurden. Vorläufig durften die Deutschen noch nicht selbst fliegen und an Kriegsaktionen teilnehmen, sie mussten spanische Piloten an den Heinkel-Fliegern anlernen. Die deutsche Crew wurde schnell erweitert durch mehr Personal und neue Schiffslieferungen, teilweise über das ebenfalls faschistische Portugal des Generals Salazar, danach wurden sie verteilt auf verschiedene Standorte der Franquisten.

salbu03Das geheime Programm fiel dennoch auf. In Gasteiz-Vitoria zum Beispiel, als am 29. September 1936 eine deutsche Maschine auf den Hauptplatz im Zentrum stürzte und zwei Passanten tötete. Schnell herbei eilende Arbeiter versuchten die Trümmer als republikanische Maschine zu kennzeichnen, um den Unfall der legitimen Regierung in die Schuhe zu schieben, aber der Schaden war nicht aufzuhalten. Doch was Augenzeugen gesehen hatten, erschien nirgendwo in der Presse, nur die offizielle Version der neuen faschistischen Machthaber. Auch der deutsche Pilot kam beim Absturz ums Leben, es handelte sich um einen der sechs Flug-Pioniere bei den Franquisten: Ekkehard Hefter – Hefter ha sido el primero. (2)

Offenisve an der Nordfront

Im März 1937, als General Mola sechs Monate später zur Offenisve an der Nordfront mobilisierte, standen in Salburua auf dem Martínez-Aragón-Flughafen bereits 80 nazi-deutsche Flieger bereit, darunter hochmoderne Messerschmitt Bf 109, die im Laufe des Krieges weiter verbessert wurden. Was hier entwickelt wurde war die Basis der Luftwaffe des folgenden Zweiten Weltkrieges. Hitler hatte das beste Jagdflugzeug jener Zeit nach Spanien schicken lassen, um es dort zu testen, über den Wiesen von Salburua.

Neben den Nazis der Legion Condor war auch Mussolinis Luftwaffe vertreten mit Savoia- und Fiat-Maschinen. Die waren ebenfalls am Gernika-Angriff beteiligt, drei Wochen vorher fiel den Italienern die bizkainische Stadt Durango zum Opfer, ebenfalls in Bombardierungen, die gegen die Zivilbevölkerung gerichtet waren. All diese Angriffe wurden in Salburua ausgetüftelt, dort hatte der Condor-Chef im Norden, Wolfram von Richthofen, sein Hauptquartier. Weil sie den unzuverlässigen Spaniern nicht trauten, hatten sich die Nazis den Oberbefehl über alle Luftstreitkräfte zusichern lassen, einschließlich der franquistischen und italienischen Staffeln.

Kriegsentscheidend

In weniger als drei Monaten nach Beginn der Offensive konnten die faschistischen Bodentruppen – „schwarze Pfeile“ (flechas negras) aus Italien und marokkanische Söldner – eine Stadt nach der andern besetzen, nachdem die baskischen Städte und Milizen vorher in einem ungleichen Kampf aus der Luft „sturmreif geschossen“ worden waren. Denn die Seite der Verteidiger hatte keine Mittel sich zu wehren oder zu verteidigen, denn das republikanische Einfluss-Gebiet war geteilt. Der Nordteil (Bizkaia, Kantabrien und Asturien) war praktisch auf sich selbst gestellt und konnte keine Hilfe aus Madrid oder Barcelona erwarten.

salbu04Salburua sah die Creme de la Creme der damaligen Flugzeugtechnik: Vickers, Fiat CR-32, Savoia 79, Heinkel He-46, Heinkel H-70, Henschel HS-123, Dornier Do-17 vorbeifliegen. Und natürlich die Junker Ju-52, die zuerst dazu benutzt wurde, Francos Truppen von Marokko auf die Halbinsel zu bringen in der bis dahin größten Luftbrücke der Militärgeschichte; und die später umgerüstet und umgebaut in der Lage war, Tonnen von Bomben über den Zielorten zu entladen.

Mit Beginn des 2.Weltkriegs erhielten die Franquisten keinen Treibstoff mehr aus dem Norden, der Flugverkehr des mittlerweile nach dem Putschisten-General Mola benannten Flughafens kam zum Erliegen. Als der Betrieb auf der 900 mal 60 Meter großen Anlage 1948 wieder aufgenommen wurde, waren vor allem Privatpersonen die Nutznießer.

Heute erinnert in Salburua nur wenig an die Geschichte des Flughafens, an die Legion Condor und an die Bombenziele von damals. Allein ein kleiner durchsichtiger Flugzeugkörper aus Stahlstäben zeugt davon, dass Salburua-Manhattan-Gasteiz einst Standort des ersten großen baskischen Flughafen war. Etwas entfernt im Stadtzentrum wurde im April 2017 zum ersten Mal an den Absturz des Nazi-Fliegers Ekkehard Hefter erinnert und an die beiden Passanten, die dabei ums Leben kamen. „Hefter war der erste“ ist der Titel eines Artikels, der im Jahr 2000 die Geschichte des ersten Toten der Kriegs-Delegation der Nazis ins Licht rückte. Eine Geschichte, die wie so viele, in Vergessenheit zu geraten drohte.

ANMERKUNGEN:

(1) Information aus dem Artikel „El aeropuerto de Salburua“ (Der Flughafen Salburua) in der Tageszeitung Diario Vasco (Link)

(2) Information aus dem Artikel „Hefter fue el primero“ (Hefter war der erste) des Luftsport-Clubs in Vitoria-Gasteiz (Link)

ABBILDUNGEN:

(1) Gedenk-Veranstaltung Gasteiz (Facebook: Oroimenetik Askatasunera)

(2) Salburua gestern heute (F: Diario Vasco)

(3) Salburua Geschichte (F: Diario Vasco)

(4) Salburua Denkmal (F: Diario Vasco)

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