herbst01nagelKunst aktuell in Bilbao

Die Museen in Bilbo ändern aktuell das Angebot ihrer Ausstellungen. Nach den Sommer-Themen, die in erster Linie auf Tourismus und ausländisches Publikum zugeschnitten waren (darunter der unsägliche Jeff Koons), werden nun wieder kleinere Brötchen gebacken. Um eigene Archive zu entstauben widmet sich Bellas Artes der Plakatkunst. Der silberne Klotz am Fluss hingegen wirft seine Blicke nach Übersee, erst nach Afrika mit zeitgenössischem Design, dann nach USA mit dem Popartisten Alex Katz.

Afrika schaffen

„Making Africa“ ist der Titel der Ausstellung, die den Anspruch hat das zeitgenössische Design eines Kontinents darzustellen. „Die Welt wie wir sie kennen ist politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, kulturell und technologisch in einem Veränderungsprozess“, erklärt der Austellungs-Katalog. „Wer wissen will, die dieser Prozess ermöglicht oder gar beschleunigt wird, muss in den Süden schaune, konkret nach Afrika, wo die Änderungen offensichtlich sind. 2012 zum Beispiel wurden in Afrika ca. 650 Millionen Handy-Telefone registriert, mehr als in Auropa oder den Vereinigten Staaten. Dieser Wechsel wird angeführt von einer neuen Generation von Denkern und Kreativen, deren multidisziplinäre Vorschläge innovative Lösungen für den Kontinent beinhalten und für die ganze Welt, gleichzeitig wird unser traditionelles Verständnis des Designs revolutioniert“. (1) Nun ja, das Problem der Kirege, des Hungers und der Armut werden mit Sicherheit nicht mit Design gelöst, es bleibt abzuwarten, inwieweit dieser Teil der afrikanischen Realität ebenfalls Platz findet in der Designschau.

„Making Africa - Un continente de diseño contemporáneo” zeigt Arbeiten aus ganz unterschiedlichen Kreativbereichen: Design von Möbeln und Objekten, grafische Kunst, Illustration, Mode, Architektur, Urbanismus, Kunst, Kunsthandwerk, Kino, Fotografie. Gezeigt werden neue Wege der Nutzung von Material, im Vordergrund steht die Kreation und weniger das Produkt. „Diese zeitgenössischen Kreationen sind direkt mit der Mitte des 20 Jhs. verbunden, als eine junge Generation die Befreiung vom Kolonialismus feierte und verbissen ihren Platz in der Welt und eine vielversprechende Zukunft einforderte“. (1) Daneben stehen aktuelle Arbeiten. “DieAusstellung will jedoch kein vollständiges Bild Afrikas darstellen, ein Kontinent mit 54 Nationen, mehr als 2000 Sprachen und Kulturen und einer Milliarde von Bewohnerinnen. … Stattdessen zeigt die Ausstellung eine vielleicht unbekannte Geschichte, eine der vielen, die beim Anblick Afrikas entstehen“. Diese „völlig neue Perspektive” Afrikas ist vom 30. Oktober 2015 bis 21. Februar 2016 im Guggenheim Museum Bilbao zu sehen.herbst02afrika

Nachrichten von der Wand

Bei dieser Ausstellung ist von Plakaten die Rede, die Teil einer Kollektion des Museums der Schönen Künste in Bilbao sind. Der Zeitraum der Entstehung der Plakate umfasst die Epoche von 1886 bis 1975. Der Ursprung der Plakatkunst geht auf die zweite Hälfte des 19. Jh. zurück, einem Moment großer wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Veränderungen, die zu einem neuen Handelssystem führten. Es entstanden die Marken, der Konsum veränderte sich oder wurde in neue Bahnen gelenkt. In diesem Kontext erfüllten Plakate 100 Jahre lang die Notwendigkeit der Verbreitung von Ereignissen oder politischer Ideen, oder die Werbung für bestimmte Produkte oder Reiseziele“. (2)

Die Ausstellung „Mensajes desde la pared. Carteles en la colección del Museo de Bellas Artes de Bilbao (1886-1975)” zeigt mehr als 200 Stücke aus dem großen und wenig bekannten Fundus des Museums. Zusammengestellt wurde sie von Mikel Bilbao Salsidua, Professor die Kunst- und Musikgeschichte der Universität Baskenland. Gezeigt werden Pionierstücke der modernen Plkatakunst von Jules Chéret, Théophile Alexandre Steinlen oder Eugène Grasset, daneben große Designer von internationalem Renommée wie Leonetto Cappiello, Paul Colin, Jean Carlu, Charles Loupot, Ludwig Hohlwein, Raymond Savignac, Saul Bass, Milton Glaser, Roiman Cieslewicz, Giovanni Pintori, Jan Lenica, Armando Testa oder Shigeo Fukuda. Teil der Ausstellung ist auch eine Sammlung baskischer Plakate, in der sich die Arbeit von Adolfo Guiard, Aurelio Arteta, Antonio de Guezala und Elías Salaverría niederschlug. Vertreten sind ebenfalls große Zeichner wie Rafael de Penagos, Federico Ribas, Emilio Ferrer, Josep Morell, Manolo Prieto oder Josep Artigas.

Das älteste Plakat ist aus dem Jahr 1886 und wurde geschaffen von Adolfo Guiard, der 1860 bis 1916 in Bilbao lebte. Die neuesten sind aus dem Jahr 1975, darunter das Plakat mit dem Titel „Victory 1945“ des bekannten Grafikdesigners Shigeo Fukuda (Tokio, 1932-2009). Unterteilt ist das Ganze in verschiedene Themenschwerpunkte: Tourismus, Stiere, Handel, Sport, Politik und Krieg, Messen, Ausstellungen und Kongresse, sowie Kultur und Unterhaltung. Sie werfen einen Blick auf die Entwicklung der Plakatkultur. Zu sehen im Museum der Schönen Künste Bilbo (Bilboko Arte Ederren Museoa), vom 6. Oktober 2015 bis 18. Januar 2016.herbst03plakat

Hier und heute

… ist der Titel der Ausstellung, bei der vom 23. Oktober 2015 bis 7. Februar 2016 in Bilbao das künstlerische Werk von Alex Katz zu sehen ist (Aquí y ahora). Mit seiner Naturdarstellung gilt er als exotischer Vertreter us-amerikanischer Malerei. Die Ausstellung zeigt seine verschiedenen Schaffens-Etappen, darunter Werke aus den 80er Jahren und die aktuellen monumentalen Naturbilder. „Darin zeigt Katz seine virtuose Kontrolle der Materialien, sowie die Kraft und absolute Klarheit seiner Vision“, heißt es im Ausstellungs-Katalog. Von der Poesie der Werke ist die Rede, von ihrem Einfluss auf Wahrnehmung und Bewusstsein, sowie der Beziehung zwischen Kunst und Natur.

Der 1927 in Brooklyn geborene Alex Katz ist dem modernen Realismus und der Pop Art zuzuordnen. Ein Großteil seiner Bilder besteht aus Porträts, gleichzeitig schuf er auch viele Landschaften und Architekturbilder. „Katz wurde als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer geboren und wuchs im Wohnviertel St. Albans im New Yorker Stadtteil Queens auf. Sein Vater war ein Kaufmann, seine Mutter Theater-Schauspielerin. Von 1946 bis 1949 studierte Alex Katz an der Cooper Union Art School in New York, einer Kunstakademie, die der französischen Avantgarde nacheiferte. Anschließend ging er bis 1950 an die Skowhegan School of Painting and Sculpture in Skowhegan, Maine. Seine erste Einzel-Ausstellung 1954 in der Roko Gallery in New York war ein Misserfolg. 1960 und 1964 entwarf er Bühnenbilder und Kostüme für die Auftritte der Paul Taylor Dance Company beim Spoleto-Festival. 1972 erhielt er ein Guggenheim-Stipendium für Malerei. 1994 wurde Alex Katz zum Mitglied der National Academy of Design gewählt. Im selben Jahr richtete die Cooper Union Art School eine Gastprofessur ein, finanziert mit dem Verkaufserlös aus zehn von Katz gespendeten Bildern. Im April 2001 war Alex Katz Gaststipendiat der American Academy in Berlin. Er lebt in New York und Maine“. (3) Alex Katz, bis Februar 2016 im Guggenheim-Museum Bilbo.herbst04katz

Schenkung Andrés Nagel

José Tasende ist in Bilbao geboren, lebt aber in den USA und ist Kunstsammler. Offenbar wurde sein Archiv zu klein, denn im Mai 2015 schenkte er dem Museum der Schönen Künste in Bilbo eine seiner Kollektionen, die nun als Ausstellung seinen Namen trägt. Es handelt sich um 34 Werke von Andrés Nagel (1947 San Sebastián / Donostia) aus den 80er und 90er Jahren des 20. Jhs. Nagel wurde von Eduardo Chillida beeinflusst und bildete mit anderen Künstern zusammen eine Gruppe: Vicente Ameztoy, Ramón Zuriarrain, Marta Cárdenas. Sie arbeiteten daran, die baskische Skulptur zu erneuern, indem sie Elemente aus Popart, Surrealismus und Expressionismus einsetzten. Im Laufe seiner Arbeit wechselte Nagel von der Malerei zur Bildhauerei und setzte alle erdenklichen Materialien ein, auch existierende Gegenstände. Sein bevorzugter Arbeitsstoff war Glasfieber, die Werke der geschenkten Sammlung - Skulpturen und Collagen - sind aus diesem Material. Die Ausstellung „Donación José Tasende“: vom 25. September 2015 bis 11. Januar 2016 im Bilboko Arte Ederren Museoa.herbst05nagel

ANMERKUNGEN:

(1) Ausstellungs-Katalog
(2) Ausstellungs-Katalog
(3) Alex Katz, Wikipedia

FOTOS:

(1) Andrés Nagel, Official Website
(2) Afrika-Ausstellung Guggenheim. Webseite Museum
(3) Plakat-Ausstellung Bellas Artes. Webseite Museum
(4) Alex Katz Ausstellung Guggenheim. Webseite Museum
(5) Skulptur Andrés Nagel: Der Drache. Wikimedia Commons

Für den Betrieb unserer Webseite benutzen wir Cookies. Wenn Sie unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, akzeptieren Sie unseren Einsatz von Cookies. Mehr Information