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Mit dem EUSKO zum Einkauf in Baiona

Der EUSKO ist ein regionales Alternativ-Zahlungsmittel in Iparralde, dem nördlichen Baskenland. Nach 5 Jahren Benutzung hat sich der EUSKO zum meistbenutzten Regionalgeld Europas entwickelt. In der besagten Region sind nunmehr 1 Million EUSKO im Umlauf. Geholfen hat dabei, dass auch Institutionen auf dieses System setzen und sogar Gehälter und Diäten in EUSKO ausgezahlt werden. Ziel dieser Alternativ-Währung ist die Belebung der regionalen Wirtschaft und die Förderung von „Handel ohne Entfernungen“.

Regionalgeld (auch Regional- oder Lokalwährung genannt) ist eine lokale Komplementär-Währung, die innerhalb einer bestimmten Region als Zahlungsmittel zwischen Verbraucher*innen, Produzent*innen und Institutionen verwendet wird. Im nord-baskischen Iparralde hat der EUSKO großen Erfolg.

Gerade mal fünf Jahre alt ist die Regionalwährung EUSKO in Ipar Euskal Herria, dem zum französischen Staat gehörenden nördlichen Baskenland. Im vergangenen Monat Oktober (2018) konnte das EUSKO-Projekt einen Rekord verbuchen. Mit einer Million EUSKO-Einheiten im Umlauf ist es das meistbenutzte Regionalgeld Europas. Dahinter liegen der Chiemgauer aus dem Gebiet Rosenheim-Traunstein mit umgerechnet 648.000 Euro Wert und das Bristol Pound mit einem Gegenwert von 78.000 Euro. (1)

Der reale Zahlungswert des EUSKO wird gemessen am Euro, bezahlt werden kann mit Scheinen oder der sogenannten EUSKO-Karte in all jenen lokalen Geschäften, die sich dem Projekt angeschlossen haben und diese Zahlungsform akzeptieren. Sogar EUSKO-Bankkonten können mittlerweile eingerichtet werden. Um den Regionalgeldern einen Wert zu geben, sind diese generell durch hinterlegte Währungen oder durch Leistungsversprechen gedeckt. In Frankreich oder Deutschland geschieht die Deckung durch den offiziellen Euro, in der Schweiz durch staatliche Schweizer Franken. (2)

Das Konzept der Regionalwährung

eusko02Die Betreiber*innen des EUSKO haben sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele Konsument*innen dazu zu bewegen, bei lokalen Händler*innen zu kaufen. Konsum ohne Entfernung“ – also der Verbrauch von Produkten, die in nächster Nähe hergestellt oder angebaut werden – ist weit über Geldprojekte wie EUSKO hinaus zu einem wichtigen Kriterium geworden. Denn bei vielen Menschen setzt sich immer mehr das Bewusstsein durch, dass Tomaten aus Marokko oder Erdbeeren aus Murcia nicht nur weniger lecker sind und teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert werden. Die langen Transportwege bedeuten gleichzeitig zusätzlichen Energieverbrauch, was sich in Emissionen ausdrückt und antiökologisch ist. Selbst Hotels in Bilbao legen Wert auf die öffentliche Feststellung, dass in ihrer Küche ortsnahe Lebensmittel verarbeitet werden. Zu wissen, wo die Produkte angebaut werden, wer sie anbaut und wie wird zu einem immer wichtigeren Kriterium für den Kauf. Der „nahe“ Konsum stärkt somit die lokale Wirtschaft, reduziert ökologische Schäden und verstärkt die sozialen Beziehungen zwischen Produzent*innen und Konsument*innen. Er schafft Solidarität.

„Ein Ziel von Regiogeld-Systemen ist es, die regionale Wirtschaft zu fördern und zu stabilisieren. Durch den kleinen Raum, in dem das Regiogeld verwendet wird, bleibt die Kaufkraft für damit getätigte Geschäfte in der Region, statt ins Ausland oder in Finanzmärkte abzuwandern. Dadurch soll (u.a.) der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland entgegengewirkt werden. Das Geldsystem ist ein bedeutender Bestandteil der sozialen Umwelt der Menschen. Die Konditionen dieser Umwelt in ihren wesentlichen Aspekten innerhalb möglichst überschaubarer Strukturen selbst beeinflussen zu können, ist eine Grundvoraussetzung für demokratisches Engagement. In diesem Sinn entsprechen regionale Geldsysteme dem Prinzip der Subsidiarität. Sie stehen der Behauptung politischer Alternativlosigkeit entgegen und sollen die Behauptung globaler finanzpolitischer Sachzwänge widerlegen, indem sie den demokratischen Handlungsspielraum der Menschen erweitern. Die Befürworter*innen erhoffen sich die Stärkung der regionalen Vernetzung und einen direkteren Kontakt zwischen Herstellern und Endverkäufern“. (2)

Sechs Merkmale der Regionalwährungen

eusko03Erstens: Die Regionalbindung des Zahlungsmittels; eine überregionale Verwendung ist nicht oder nur bei fortgeschrittenen Devisen-Systemen begrenzt möglich. Zweitens: Regionalwährungen sind komplementär zum gesetzlichen Zahlungsmittel, ohne Annahmeverpflichtung seitens der Unternehmen und der Konsument*innen. Drittens: Alternative Zahlungssysteme stellen bewusst eine Konkurrenz zu anderen Zahlungsmedien dar wie Bargeld, Girocard, Kreditkarte, Gutschein, Bonuskarte, etc. Viertens: Die jeweilige Staatswährung ist in der Regel der Bezugsrahmen für die Wertmessung (z.B. 1 EUSKO = 1 Euro), wobei im Falle einer hohen Inflation Alternativen diskutiert und im Einzelfall erprobt werden. Fünftens: Die Regionalwährungen werden geldpolitisch gesteuert, sowohl über die ausgegebene Menge als auch über die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, mit Hilfe von Instrumenten wie Negativzins, Ablaufdatum oder sozialer Kontrolle. Sechstens: Regionale Geldsysteme erzielen relativ geringe Umsätze im Vergleich zu den Umsätzen, die in derselben Region mit der Landes- bzw. Staatswährung getätigt werden. (2)

Der Erfolg des EUSKO

Der Erfolg der Zahlungsform EUSKO liegt darin begründet, dass er die Menschen zusammenbringt, so Dante Edme-Sanjurjo, der Vorsitzende des Vereins „Euskal Moneta“ (baskisches Geld), der vor fünf Jahren mit der Verbreitung dieser Devisen begann. Mit dem EUSKO wird das Ziel verfolgt, die lokale oder regionale Wirtschaft anzukurbeln. Was durch den Tausch von Euro in EUSKO abfällt, wird in die Förderung und Finanzierung von ökologischen und landwirtschaftlich interessanten Projekten investiert, sogenannte „Projekte ohne Entfernung“ oder lokale Vereine. Es dient aber auch zum Schutz der baskischen Sprache, des Euskara.

eusko04„Einer meiner Bierlieferanten wollte gerne in EUSKO bezahlt werden, das hat mich auf die Idee gebracht”, erzählt Xina Dulong, Besitzer einer Gaststätte von seiner Geschichte mit dem EUSKO. Mittlerweile laufen die meisten seiner Geschäfte über diese Alternativ-Währung. „Wenn bei mir jemand mit EUSKO bezahlt, spreche ich automatisch Baskisch, das schafft einen anderen Bezug“, beschreibt Pantxika Heguiaphal. Sie ist Angestellte in einer Bäckerei von Baiona (frz: Bayonne). (1)

„Mehr als 40.000 EUSKO liegen auf Konten von Privatpersonen“, sagt der Vorsitzende von Euskal Moneta. Die Million EUSKO, die in Umlauf sind, sind 400.000 in Scheinen und 600.000 digital. Benutzt wird das Zahlungsmittel von 3.000 Privatpersonen, 770 Unternehmen, 16 Gemeinden und von Euskal Hirigune Elkargoa, dem fast ein Jahre alten Verband der baskischen Gemeinden, in dem 158 nordbaskische Orte und Städte vertreten sind. Zum kleinen Teil wird der EUSKO übrigens auch südlich der Staatsgrenze in Navarra benutzt. „Unser nächstes Ziel ist, bis 2021 eine finanzielle Autonomie zu erreichen“, fügt er hinzu.

Scheine, Karten, Konten

Der kleinste Wert des Regionalgeldes ist ein EUSKO, geringere Beträge oder Wechselgeld werden mit Euro-Cents abgewickelt. Der Wert eines EUSKO entspricht einem Euro. Der Ein-EUSKO-Schein ist blau und wird von einer Txalaparta geziert, dem legendären baskischen Trommelinstrument. Der Zwei-EUSKO-Schein ist rot und zeigt baskischen Tanz, der Fünf-EUSKO-Schein ist grün und zeigt eine Landschaft; der Zehn-EUSKO-Schein ist gelb und mit einer baskischen Grammatik-Form geschmückt: Nor-Nori-Nork bedeutet ungefähr Wer-Wem-Was. Der Zwanzig-EUSKO-Schein ist purpurfarben, auf ihm ist ein Hafen mit Kränen zu sehen. Verschiedene Sicherheitssysteme schützen die Scheine vor Fälschung, außerdem sind sie mit Blindenschrift versehen. Motto des Geldprojekts ist „Euskoa denen esku”, das ist Baskisch und bedeutet „Eusko in den Händen von allen“. (3)

eusko05Die Idee zum EUSKO entstand bei AMBES, einer französischen Organisation zur Förderung von Landwirtschaft, Ökologie und Solidarität, nach dem Beispiel eines Alternativgeld-Projektes in einer anderen Region. Der Name EUSKO wurde von den Nutzer*innen per Abstimmung selbst gewählt. Am 31. Januar 2013 war der Startschuss für das Projekt, ausgegeben wurden 126.000 Scheine. Von Beginn an war die Akzeptanz unter den Konsument*innen und Betrieben sehr hoch, was zum einen für die gute Vorbereitung des Projektes spricht, zum anderen vom hohen Grad an Engagement in der Bevölkerung für Nachbarschaftsarbeit und soziale Anliegen.

Eigenfinanzierung und öffentliche Unterstützung

Die Verwaltung des EUSKO kostet natürlich ebenfalls Geld. 50% wird derzeit über die Mitglieder des Geldsystems finanziert, der Rest über öffentliche Subventionen. Ein juristischer Erfolg hat der Alternativ-Währung einen zusätzlichen Schub verliehen. Die Stadtverwaltung Baiona klagte gegen die Sub-Präfektur, die dem Innenministerium unterstellt ist. Letztere wollte nicht zulassen, dass die Stadt ihre Rechnungen, die Diäten für Abgeordnete und Subventionen für Vereine in EUSKO bezahlt bzw. überweist. Das hatte der Stadtrat nämlich beschlossen, und bekam vor Gericht Recht – sehr zur Freude der EUSKO-Betreiber*innen. Danach konnte die Stadt mit Euskal Moneta einen Vertrag abschließen. „Ich hatte beantragt, dass mir ein Teil meiner Sitzungsgelder in EUSKO ausbezahlt wird“, berichtet die Stadträtin Martine Bisauta. Die Stadtverwaltung von Hendaia (frz: Hendaye) folgte dem Beispiel von Baiona, verschiedene lokale Abgeordnete beantragten, in EUSKO bezahlt zu werden. Somit sind die Verwaltungen von zwei der vier großen Städte in Iparralde am Projekt beteiligt, fehlen noch Angelu (frz: Anglet) und Miarritze (frz: Biarritz).

Regionalgeld-Projekte weltweit

In Brasilien gibt es mehrere Regiogeldprojekte. Der Palmas ist die Währung einer von dem Gemeindepfarrer Joaqin de Melo gegründeten Bank in einem Ghetto am Rand der Großstadt Fortaleza. Des Weiteren gibt es eine ganze Reihe von Projekten in Deutschland, das bekannteste ist der Chiemgauer in der Region Chiemgau (Bayern) mit ca. 500.000 Einwohner*innen. Auch in Frankreich, Griechenland, auf Kreta, in Großbritannien, Italien, Österreich, Ungarn, der Schweiz und den USA existieren Projekte.

eusko06Als Ursprung der Freigeld-Idee wird häufig das österreichische Wörgl genannt: Schwundgeld wurden die Scheine genannt, die 1932 in der Not herausgegeben wurden. „Die örtliche Zement- und Zellulosefabrikation war stark zurückgegangen und die Arbeitslosenquote bedrohlich angestiegen. Die Gemeinde hatte beträchtliche Steuerausfälle und hohe Lasten durch Arbeitslose. Die Kasse war leer, ein Wohlfahrtsausschuss gab Notgeld heraus. Ab Juli 1932 gab die Gemeindeverwaltung als Lohn der Gemeindeangestellten eigene Arbeitswertscheine aus, den Wörgler Schilling. Insgesamt 32.000 Not-Schilling. Es wird angenommen, dass der Geldumlauf innerhalb von vierzehn Monaten über 400 Mal stattfand. (4)

Die Arbeitswertscheine waren umlaufgesichertes Freigeld. Ideenlieferant war die Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell. Monatlich musste eine Marke zu einem Prozent des Nennwertes der Note gekauft und in ein dafür vorgesehenes Feld auf der Vorderseite des Geldscheins geklebt werden, um ihn gültig zu erhalten. Das Geld war durch Hinterlegung von Bargeld der Gemeinde bei der Raiffeisenkasse gedeckt und an den Schilling gekoppelt. Mit diesen Scheinen konnten Gemeindesteuern bezahlt werden. Einheimische Geschäftsleute nahmen Freigeld in Zahlung. Das Experiment war erfolgreich. Geldkreislauf und Wirtschaftstätigkeit wurden wiederbelebt, während das übrige Land tief in der Wirtschaftskrise steckte. Die Erfolge des Projektes konnten sich sehen lassen: Der Einnahmenrückstand wurde um 34% verringert, der Abgabenrückstand konnte um über 60% abgebaut werden. Die Erträge aus Gemeindesteuern stiegen um 34%, die Investitionsausgaben der Gemeinde um 220%. In den 14 Monaten des Experiments sank die Arbeitslosenquote in Wörgl von 21 auf 15%, während sie im übrigen Land weiter anstieg. (4)

Die positiven Auswirkungen führten dazu, dass der Modellversuch in der Presse als „Wunder von Wörgl“ gepriesen wurde. Das Interesse stieg derart, dass über hundert weitere Gemeinden im Umkreis von Wörgl dem Beispiel folgen wollten. Auch im Ausland und in Übersee fand die Aktion starke Beachtung und Nachahmung. Aus Frankreich reiste der Finanzminister und spätere Ministerpräsident Édouard Daladier nach Wörgl, in den USA schlug der Wirtschaftswissenschaftler Irving Fisher der amerikanischen Regierung – wenn auch vergeblich – vor, ein Wörgl-ähnliches Geld mit dem Namen Stamp Scrip zur Überwindung der Wirtschaftskrise einzuführen. Allerdings erhob die Österreichische Nationalbank gegen die Wörgler Freigeld-Aktion vor Gericht erfolgreich Einspruch, weil allein ihr das Recht auf Ausgabe von Münzen und Banknoten zustand. Das Experiment von Wörgl und alle weiteren Planungen wurden verboten. Nach Androhung eines Armeeeinsatzes beendete Wörgl das Experiment im September 1933. (4)

(Publikation Baskultur.info 2018-11-02)

ANMERKUNGEN:

(1) Information aus dem Artikel El Eusko es la moneda local más utilizada en Europa” (Der Eusko ist das meistbenutzte Lokalgeld in Europa), Tageszeitung Gara 2018-10-28 (Link)

(2) Regionalwährung, Wikipedia (Link)

(3) Eusko, Wikipedia (Link)

(4) Wörgl: Schwundgeld-Projekt 1932 (Link)

ABBILDUNGEN:

(1) Eusko-Regionalgeld (eitb)

(2) Eusko-Regionalgeld (eitb)

(3) Eusko (elikaherria)

(4) Eusko (donostiaentremundos)

(5) Eusko-Schein (eusko)

(6) Eusko-Regionalgeld (eitb)

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