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Eisenspuren in La Arboleda

Erzminen gibt es in La Arboleda bereits seit der Zeit der Römer. In der Zeit der Industriellen Revolution im Baskenland wurden die Minen zum ersten Mal massiv ausgebeutet, die aus allen Teilen des Staates eingewanderten Arbeiterfamilien lebten in unvorstellbarer Armut. In den 70er Jahren war der Erzabbau vorbei. Seither wächst Gras auf den übrigenFelsen, die offenen Gruben füllen sich mit Wasser. Dazwischen siedelt sich Kunst an, Skulpturen baskischer Künstler/innen.

Die Landschaft hoch über Bilbao ist bizarr, so als hätten Kinder mit riesigen Schaufeln wild gebuddelt und wären mitten im meatzaldea talde1Spiel weggelaufen. In Wirklichkeit waren dies Berge mit den üblichen runden Formen, die im Laufe der Jahrhunderte ausgehöhlt und teilweise ganz abgetragen wurden, um wertvolle Mineralien zu gewinnen. Zwischendrin bleiben einzelne Felsen, deren Beschaffenheit den Abbau offenbar nicht lohnte, an den tiefsten Stellen haben sich Seen gebildet. La Arboleda heißt der Ort über dem Hafen von Bilbao, baskisch Zugaztieta. Diese Landschaft hat den einheimischen Künstler Guillermo Olmo vor Jahren inspiriert, aus dem mittlerweile zum Ausflugsziel gewordenen Bergbaugebiet zusätzlich einen Skulpturenpark zu machen. Zu einem Ort, an dem zeitgenössische Künstler/innen ihre eisernen Spuren hinterlassen sollten. Gemeinde und Kreisverwaltung hatten als Grundeigentümer nichts dagegen, eine erste Gruppe von Kreativen fand sich zusammen und begann Skulturen aufzustellen. Im Jahr 2012 erfolgte ein Schub, der die Zahl auf nunmehr 23 Objekte erhöhte. Meatzaldea Goikoa Park, Oberes Minengebiet auf baskisch, heißt das zerklüftete Gelände, der Ort La Arboleda ist als industrielles Kulturerbe ausgezeichnet.

Geschichte des Skulpturen-Parks

Von der Industrie-Gemeinde Trapagaran führt eine Serpentinenstrecke hinauf nach La Reineta (bsk. Larreineta) und La Arboleda. Wer auf das Auto verzichten will, kann den Höhenunterschied auch mit einer Funicular-Seilbahn bewältigen, die vor Jahrzehnten für Materialtransport gebaut wurde und heute insbesondere touristischen Zwecken dient. Die Sicht auf die Bucht vor Bilbao während der Fahrt ist bestens. Als Naturmuseum darf sich Meatzaldea nun messen mit dem Chillida Leku Park in Hernani, Santxotena im Baztan-Tal oder dem bemalten Wald von Oma bei Gernika. Im Gegensatz zu diesen meatzaldea5Parks sollte das neue Projekt jedoch nicht auf einen Schöpfer konzentriert sein, sondern pluralen Charakter haben.

"Es war nicht nur die Tatsache, dass ich hier geboren wurde, sondern vor allem die Kraft, die diese Landschaft ausstrahlt, die mich zur Idee eines Skulpturen-Parks im Freien inspiriert hat," erzählt der Initiator Guillermo Olmo. Ausgehend von vereinzelten Skulpturen wurde langsam eine Kunstlandschaft geschaffen, die bereits aus der Distanz Aufmerksamkeit erregt. Mit "Zutik" (bsk. Aufrecht) von Juanjo Novella aus dem nahen Portugalete ging es los, vier Jahre später wurde eine Sammlung mit zwölf Objekten eröffnet, eine Zahl, die mittlerweile auf 23 angewachsen ist.
Olmos Idee war es, dem Beispiel des englischen Salisbury oder des holländischen Kröller-Müller-Parks zu folgen. Es ging um die Vorstellung, die Beziehung zwischen Kunst und Natur zu suchen, ohne die Umwelt zu beeinträchtigen, um der Betrachterin den Dialog zwischen dem künstlich Geschaffenen und dem authentisch Wilden vor Augen zu führen. Das war auch die Absicht junger Künstler/innen der Sechziger-Generation, die auf der Suche nach Orten für ihre avantgardistischen Werke in Berge und Wälder gingen, um gegen die Rationalität der Museen zu provozieren.

Erinnerung an den Bergbau
Meatzalde Goikoa als Skulpturenpark ist bestimmt von der Geschichte des Orts, an dem er sich befindet. "Der Behälter bestimmt den Inhalt," schreibt der Verein auf seiner Webseite, "ein Gelände mit derart ausgeprägtem Charakter verändert und bestimmt jedes Werk. Die Landschaft ist so stark und wild, dass die Skulptur nicht mit der Umgebung in Gegensatz treten kann, sie würde das Duell verlieren. Das Werk muss sich seinen Ort suchen, sich anpassen und integrieren, auf bescheidene Weise die künstlerische Aussage vermitteln, die es in sich trägt". Teil des kunst-philosophischen Diskurses. "Auf dem Parkgelände gibt es zahlreiche Überreste des Bergbaus, die eine eigene Bedeutung erhalten und an denen Konservierungsarbeiten durchgeführt werden müssen. Nur mit Hilfe dieser Überreste kann das Interesse am Skulpturenpark mit didaktischen Inhalten verbunden werden, die den Besuch interessant machen".

Der Park liegt zwischen den Städten Larreineta und La Arboleda, als Teil der Gemeinde Trapagaran (bsk. Trapaga). Die drei Seen Hustión, Parkotxa und Blondis sowie der Ort der Handlung sind das Ergebnis des extensiven Bergbaus in der gesamten Region, mit steilen Hängen und Steinbrüchen, die dem Gelände seinen wilden Charakter verleihen. Derzeit werden begleitete Besuche durch den Park angeboten, angeleitet von Personal des naheliegenden Umwelt-Museums Peñas Negras.
"Wir dürfen nicht vergessen, dass wir es mit einer künstlichen Landschaft zu tun haben, die von Menschenhand manipuliert wurde. Die Natur hat versucht, sich das Terrain wiederzuholen und hat die durch den Menschen verursachten Wunden mit einem grünen Mantel überzogen. Zwischen drei Seen recken sich unzählige Kalksteine, deren bizarre Schönheit unmöglich übersehen werden kann. Deshalb ist die Installation von Skulpturen, die aus dem selben Material bestehen wie das Terrain selbt, Eisen und Stein, eine Art von Rückgabe der ausgebeuteten Materialien. Zusammen mit der Natur werden die Wunden verschönert."

Kulturtourismus
Für den Meatzalde-Verein ist der Park auch eine Gelegenheit, den aktuellen Zustand der baskischen Bildhauerei darzustellen, gemeinsam mit der Gastronomie, für die das Baskenland international bekannt ist. Doch während die Welt der Küche reichlich Unterstützung der Institutionen erfährt, galt dies für die Bildhauerei weniger. Dieser Kunstbereich lebte nur vom Vermächtnis der großen Bildhauer der 60er und 70er Jahre, kreatives Nachwuchs-Potential wurde verschwendet.
Ziel von Meatzalde Elkartea ist auch die wirtschaftliche Stärkung der Region. Der Strom von Besucher/innen aus dem Großraum Bilbao soll auch im Ort selbst seine Auswirkungen haben. Der Park werde vom traditionell einheimischen Besuch von Arboleda profitieren und umgekehrt Besucher/innen zugunsten des Ortes anziehen. Deshalb sei es notwendig, eine Verbindung herzustellen zu den übrigen Sehenswürdigkeiten der Gegend, zum Beispiel zur Hängebrücke von Portugalete, um die Zone attraktiv zu machen.

Der Trägerverein des Parks, Meatzalde Goikoa Kultur Elkartea, ist eine künstlerische Vereinigung von Künstler/innen zummeatzaldea6 Betrieb einer Dauerausstellung. Dessen erklärtes Ziel ist ehrgeizig: den Park überregional bekannt und zu einer Referenz unter den Skulpturenparks in Europa zu machen. Ganz einmütig ist die Begeisterung über die künstlerische Gestaltung in der Minengegend allerdings nicht. Bereits vor Jahren meldete sich eine Initiative von Bürger/innen aus Larreineta (spn. La Reineta) mit der Forderung, die Skulpturen wieder zu entfernen und das Gelände in seiner alten Gestalt zu belassen. Oder wenn schon Kunst, dann solle sie doch wenigstens einen direkten Bezug zum Bergbau haben. Nicht ganz nachvollziehbar, warum sich diese Gruppe den Leckerbissen eines derart einmaligen Kunstevents entgehen lassen will, gleichzeitig ist es unwahrscheinlich, dass der Protest dem Skulpturen-Park den Wind aus den Segeln nimmt.

Die Gruppe der Kreativen
Der Meatzalde Goikoa Park zeigt Werke von Künstlern von lokalem, nationalen und teilweise internationalem Prestige. Folgende Künstler/innen haben zu der kollektiven Initiative beigetragen: Iñigo Arregi, Guillermo Olmo, Karmelo Gañán, Nestor Basterretxea, Jose A.Legorburu, Mariemi Otaola, Victor Arrizabalaga, Alex Morlote, Pablo Juarros, Iñaki Olazabal, Jasone Irigoien, Luis Fernandez, German de los Rios, Egoitz Iñurrita, Efren, Alberto Torres, Adolfo Cuevas, Dora Salazar, Txemi Novoa, Juanjo Novella, Kris Castellon sowie die Brüder Roscubas.
Der bekannteste in der Gruppe ist sicher Nestor Basterretxea. Mit seinen 90 Jahren ist der Bildhauer, Maler, Designer und Filmdirektor ein Klassiker in der baskischen Kunstszene. Seine Familie musste 1937 nach der Kriegsniederlage aus politischen Gründen ins Exil, erst ins französische Baskenland und nach der Besetzung durch die Nazis nach Argentinien. Zurück im Baskenland wird er zusammen mit Jorge Oteiza mit der umstrittenen Gestaltung der Basilika in Arantzazu (Gipuzkoa) beauftragt. Er nimmt Teil an verschiedenen internationalen Ausstellungen avantgardistischer Kunst, ist neben Augustín Ibarrola Mitgründer der experimentellen Kunstgruppe "Equipo 57" und später der Gruppe "Gaur" (Heute), wegweisend für die Entwicklung der baskischen Kunst. In den 60er Jahren macht er sich ans Filmschaffen, sein bekanntestes Werk ist "Ama Lur" (Mutter Erde), ein Dokumentarfilm, der die franquistische Zensur überwand und wortlos aber eindrucksvoll baskische Tradition und Lebensweise schildert. Basterretxeas Arbeiten stehen überall im Baskenland, u.a. in Gernika, Bakio, Gasteiz, Bilbao und seiner Heimatstadt Bermeo. Auch in USA, Argentinien und Frankreich.

Die Park-Umgebung
Was zu Beginn 2014 hinsichtlich des Park noch fehlt, sind Erklärungsschilder auf den Wegen, um die Künstler/innen vorzustellen und die Titel ihrer Werke zu nennen. Eine kürzlich gemachte Erfahrung war, dass einige der Installationen – sofern sie nicht durch ihre Höhe auffallen – der Betrachterin selbst bei einem ausführlichen Besuch im unübersichtlichen Gelände verloren gehen. Die Herausgabe von Begleitmaterial steht ebenfalls noch aus. So bleibt momentan nur Internet.

Nicht nur das historische Dorf La Arboleda und der Kunstpark machen den Besuch der Gegend lohnenswert. Oberhalb des Ortes ist ein Museum zu finden, das den Bergbau erklärt und eine Gesteinssammlung bietet. Gut ausgeschilderte Wanderwege führen auf die runden Gipfel, mehrere Höhlen sind begehbar. Bei einer Ausgrabung in der Höhle Gorriga VI wurden Keramiken aus der Bronzezeit gefunden. Im Cuadro-Tal, heute teilweise im See versunken, fanden sich verschiedene Keramik-Reste sowie Anzeichen früher Eisenverhüttung von 400 bis 300 v.C. Im Ortsteil La Caseria wurde ein Grabstein gefunden, der im Ethnografischen Museum Bilbao ausgestellt ist.

meatzaldea8Ein paar Kilometer weiter, neben dem Ort Gallarta beeindruckt eine der größten und tiefsten Tagebaugruben des Baskenlandes, Concha II. Zu seiner Ausdehnung musste vor fast 60 Jahren der Ort verlegt werden. Gleich daneben findet sich das von ehemaligen Minenarbeiter liebevoll gepflegte Bergbau-Museum. 

In La Arboleda sind zwar die Baracken verschwunden, in denen die Arbeiter-Familien mehr schlecht als recht leben mussten, jedoch ist die Baustruktur in Ansätzen noch zu erkennen. Als traditioneller Wochenends-Ausflugsort hat sich in dem Ort eine üppige traditionelle Gastronomie entwickelt. Etwas verwittert ist am Dorfplatz noch ein Balkon-Schild zu sehen, das auf die Gründung des ersten Volkshauses der Sozialistischen Partei im Jahr 1888 hinweist. La Arboleda hat Kapitel der proletarischen Bewegung des Baskenlandes geschrieben.

ANMERKUNGEN:

> Tageszeitung El Correo 6.4.2012, Originaltitel "Semillas de hierro en La Arboleda" (Eisensamen in La Arboleda)

> Webseite des Vereins Meatzalde Goikoa (Link)

> Skulpturen-Park La Arboleda (Fotoserie)

> Gruppenfoto: Meatzaldea Web

> Übrige Fotos: Foto Archiv Txeng /FAT)

Begleitete Exkursion: Innerhalb seiner kulturellen Aktivitäten bietet der Kulturverein Baskale begleitete Exkursionen an, unter anderem nach Arboleda in Bizkaia. Technische Daten: Ausgangspunkt ist Bilbao, maximal sieben Teilnehmerinnen, genaues Tagesprogramm gemäß konkreter Absprache. Die Optionen für den Tagesausflug ergeben sich aus den im obigen Artikel beschriebenen Orten und Aktivitäten. Der Ausflug bietet mehrere interessante Besuchs-Optionen, die in einer Fahrt nicht alle durchführbar sind. Je nach Interessenlage sind wird eine Auswahl vorgenommen.
Geschätzte Dauer der einzelnen Aktivitäten: Anfahrt 2 x 40min, Funicular-Fahrt 30min, Skulpturenpark 120min, Stadtrundgang La Arboleda 60min, Naturkunde-Museum Arboleda 60min, Höhlenbesuch 180min, Bergbau-Museum Gallarta 120min, Wanderung Aussichtspunkt San Pedro 120min.
Ausgehend von einer Dauer von 10 Stunden (Abfahrt 9h, Rückkehr 19h) betragen die Kosten für den Ausflug 325€ (300€ Begleitung + 25€ Fahrtkosten). Dazu kommen ggf. Eintritte für das Bergbau-Museum Gallarta (2€ pP), die Funicular-Bahn (1€ pP), sowie ein eventuelles Mittagessen (ca. 15€ pP). Kontakt: baskale.elkarte (at) gmail.com oder baskultur.info (at) gmail.com.

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