ezkerraldea01Ezkerraldea, das alte Industriezentrum Bizkaias

Das „linke Ufer“ des Nervion-Flusses ist der industrielle Teil des Ballungsraums Gran Bilbao. In diesem „Ezkerraldea“ oder „Margen Izquierda“ genannten Raum mit den Städten Barakaldo, Sestao, Portugalete und Santurtzi leben ca. 250.000 Personen, fast so viele wie in Bilbo selbst. Hier begann die industrielle Revolution von Bizkaia. Trotz Krise der Stahl-Produktion sind hier nach wie vor Großbetriebe zu finden. Dennoch geht die neue Entwicklungs-Tendenz Richtung Tourismus und Dienstleistung.

Der bevölkerungsreichste Lebensraum Bizkaias ist der Ballungsraum Groß-Bilbao. Hier lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung der Autonomen Gemeinschaft Baskenland (CAV). Neben der Stadt Bilbo gehören zum Großraum drei weitere Gebiete: Ezkerraldea, Alto Nervion und Eskuinaldea. An dieser Stelle soll es um das linke, südliche Flussufer der Nervion-Flusses gehen. Vorgestellt werden in diesem Artikel die industrielle Geschichte der Zone, die Auswirkungen des Krieges von 1936/37, die Kultur der Orte, sowie Wander- und Freizeit-Möglichkeiten. (2016-05-18)

Ezkerraldea – spanisch: Margen Izquierda (linker Rand) – sind die Begriffe für die Südseite des Nervion-Flusses. Dieser Streifen beginnt an der Grenze von Kantabrien und Bizkaia und endet vor Bilbo (Bilbao). Zu dieser Zone gehört das ehemalige Minengebiet mit den Orten Zierbena (Ciérvana), Muskiz (Musques), Abanto-Zierbena (Abanto y Ciérvana), Ortuella, Trapagaran (Trápaga), Zugaztieta (La Arboleda). Im Anschluss die größeren Städte Santurtzi (Santurce), Portugalete, Sestao, Barakaldo (Baracaldo) und Alonsotegi (Alonsótegui).

Wer sich von Bilbao an der südlichen Flussseite des Nervión Richtung Meer bewegt, verlässt auf ca. 10 Kilometern in keinem Moment bebautes Gebiet. Ein Ort reiht sich an den nächsten, Industrie-Ansiedlungen und Wohngebiete liegen dicht an dicht. Diese massive und teilweise chaotische Bebauung ist eines der Erkennungszeichen des Großraums Bilbo. Sie ist eine Folge der Industrialisierung, die sich seit Mitte des 19. Jhs. entlang des Flusses abspielte. Erst waren es die Bergwerke am südlichen Hang des Nervion, dann kam die verarbeitende Industrie auf beiden Seiten des Flusses hinzu. Jeder noch so kleine Bereich wurde bebaut, genutzt und ausgebeutet, eine ehemals wilde Mischung zwischen Arbeits- und Lebensraum, mit einem hohen Grad an Umweltverschmutzung. Lange Zeit war der Fluss eine einzige Kloake ohne jedes Leben, Bilbo galt als eine der schmutzigsten Städte Europas.

Industrielle Suche nach Eisenerz

Vom Wert des Eisenerzes, dass in den Bergen am südlichen Ufer des Nervion zu finden war, wussten bereits die Römer. Technologische Entwicklungen wie die Bessemer-Birne zur effektiveren Stahlproduktion ermöglichten jedoch erst die massive Ausbeutung dieses natürlichen Reichtums. Durch die Nähe zu Fluss und Meer blieben die Transportkosten niedrig. So wurde diese Grenzgegend zur Nachbarprovinz Kantabrien zum Zentrum des Bergbaus. In den Bergen um Triano, Gallarta, La Arboleda oder Miribilla wurde die Landschaft komplett umgegraben, unten am Fluss siedelte sich verarbeitende Industrie an. Arbeitskräfte aus armen Gegenden des spanischen Staates wanderten ein und bildeten die Anfänge des baskischen Arbeiterklasse. Das Minengebiet um Zierbena (Ciérvana), Muskiz (Musques), Abanto-Zierbena (Abanto y Ciérvana), Ortuella, Trapagaran (Trápaga) und Zugaztieta (La Arboleda) begann unaufhörlich zu wachsen und wurde seit 1876 zum Fokus für die Gründung sozialistischer Organisationen, sowie zum Ausgangspunkt für die großen Generalstreiks der sich formierenden Arbeiter/innen-Bewegung. (1) (2)ezkerraldea02

Zierbena (Ciervana)

Das „linke Ufer“ beginnt unweit der kantabrischen Grenze in Zierbena. Die eher kleinen Orte vor Santurtzi werden auch Minengebiet genannt (Zona Minera). Dieser kleine Ort Zierbena liegt vor der Mündung des Nervión-Flusses, neben dem kleinen alten Hafen wurde der riesige neue Industriehafen
…. Dieser kleine Ort liegt an der Mündung des Nervión-Flusses, neben dem kleinen alten Hafen wurde der riesige neue Industriehafen Bilbaos gebaut, die ausschweifenden Anlagen ziehen sich von Zierbena bis Santurtzi. Künftig sollen dort (neben Getxo) zusätzliche Kreuzfahrt-Anleger entstehen. Die traditionellen Restaurants am alten Hafen, dier für viele ein Sonntagsziel darstellen und für ihre Fischgerichte berühmt sind, stehen in scharfem Gegensatz zu den hochmodernen Hafenanlagen. Vom Nachbarort Santurtzi hat Zierbena den internationalen Fährverkehr geerbt, als hier der neue Hafen gebaut wurde. Der Ort verfügt über ein Netz von 25 km Wanderwegen (GR-123, PR-BI-220 und Santiago-Weg) und ist Ausgangs- oder Endpunkt der Serantes-Wanderung (siehe Santurtzi).

Muskiz (Musques)

Muskiz ist neben Kobaron der vorletzte Ort Bizkaias vor der kantabrischen Grenze. Wer über die A-8 von Bilbao nach Santander fährt, überquert den Ort auf einer ausladenden Brücke und wird feststellen, dass Gegensätze kaum extremer sein können. Auf der einen Seite ein schöner Strand mit der Mündung des Barbadun-Flusses (Feuchtgebiet) – auf der anderen eine riesige Ölraffinerie, die den Küstenstreifen völlig dominiert und drei Mal größer ist als der Ort selbst. Wie nicht anders zu erwarten, ist diese Raffinerie der Ursprung starker Luftverschmutzung, nicht selten kommt es zu unerlaubten Emissionen. Das Argument der Arbeitsplätze und die enge politische Verbindung zur regierenden PNV-Partei machen jedoch eine Diskussion um den Standort unmöglich. Der Strand von La Arena- wird im Sommer dennoch gut besucht.

Nach der Privatisierung kommunalen Geländes entstand in Muskiz im Zeichen der industriellen Revolution 1859 die erste Erzmine, in den folgenden 19 Jahren folgten vier weitere. Gleichzeitig wurden Eisenbahnen gebaut, Waschanlagen für Mineralien und Seilbahnen zum Transport von gefördertem Material. Wie in vielen Orten von Groß-Bilbao, folgte eine starke und unkontrollierte Einwanderung, die zu hygienischen Missständen, Elend und Aufruhr führten. Als Sehenswürdigkeit ist die Festung Muñatones (Castillo) zu erwähnen, ein bis heute gut erhaltener Wehrturm aus dem Jahr 1260, der im 15. Jh. neu gebaut wurde. Nur wenige Kilometer von Muskiz entfernt liegt die Eisenschmiede von Pobeña (ferreria), eine mit Wassermühle ausgestattete Werkstatt zur Eisenverarbeitung, die heute als Museum funktioniert und in der regelmäßig Vorführungen angeboten werden.

In Muskiz startet über der Küste ein Wanderweg, der bis weit nach Kantabrien führt und Blicke gewährt in die alten Verladetechniken, mit denen das in den Bergen geförderte Eisenerz auf die Schiffe gebracht wurde. Die Landschaft ist voll von Ladekränen, Ruinen und alten Verhüttungs-Öfen. Dieser Weg führt über Onton (Kantabrien) und Mioño bis Castro Urdiales, er kann auch mit dem Rad zurückgelegt werden.ezkerraldea03

Abanto-Zierbena (Abanto y Ciérvana)

Wie Trapagaran zieht sich die Gemeinde Abanto-Zierbena über viele Ortsteile vom Tal bis in die Berge, seine Geschichte war ebenfalls vom Bergbau bestimmt. Von den kanpp 10.000 Ew entfällt die Hälfte auf den höher gelegenen Hauptort Gallarta, der ein besondere Geschichte hat. Die Bodovalle-Mine (Concha II) hatte Gallarta im 19. Jh. entstehen und wachsen lassen. In den 50er Jahren wurde entdeckt, dass sich die reichhaltigen Erz-Vorkommen auch unter dem Ort fortsetzten. Die franquistischen Machthaber trafen die folgenschwere Entscheidung, den Ort abzureißen und nebenan wieder aufbauen zu lassen. 1958 wurde begonnen, Kirche, Fronton, Rathaus und die Häuser von ca. 5.000 Bewohner/innen abzureißen, an der Stelle wuchs ein riesiger kreisförmiger Krater in die Tiefe hinab: Concha II (auch Bodovalle genannt), die größte Tagebau-Mine des Baskenlandes. Von ihrem tiefsten Punkt aus (der von oben nicht zu sehen ist) wurden unterirdische Stollen getrieben, die bis weit nach Kantabrien reichen. „Der Abriss von Gallarta bedeutete Fortschritt für einige wenige Kapitalisten, für die große Mehrheit jedoch den Verlust ihrer Wohnungen, Gärten und ihrer Lebensform“, urteilte der Historiker Santamaría, der die Geschichte Gallartas dokumentierte. Ganze vier Häuser des alten Ortes sind bis heute erhalten, Concha II war die letzte Mine des Gebiets, die 1993 geschlossen wurde.

Bergbau-Museum

Heute entsteht am Kraterrand von Concha II das neue Bergbau-Museum (Museo de la Minería), von einem Balkon dieses Komplexes wird der Minengrund zu sehen sein. Im Jahr 2011 wurde die Mine zum Kulturdenkmal erklärt, auf diese Weise bleibt das Andenken an den abgrissenen Ort erhalten, gleichzeitig behält Gallarta ein Stück touristischer Attraktion – die Lage des neuen Museum ist spektakulär. Im Gegensatz zur großen Mehrheit heutiger Museen entstand das alte Bergbau-Museum als Privatinitiative eines Kulturvereins, bis heute wird es von ehemaligen Minenarbeitern betreut. Das kleine Gebäude und seine Gartenumgebung sind voller historischer Gerätschaften aus dem Bergbau, alles eng gestapelt und sympathisch chaotisch geordnet. Anfang Oktober wird seit Jahren das Burdin Jaia Fest organisiert, zur Erinnerung an die Geschichte des Bergbaus und die ehemaligen Minen-Berufe, die praktisch dargestellt werden. Vor dem Hintergrund der Industriegeschichte stellen die zerklüfteten Berge zwischen La Arboleda und Gallarta ein einzigartiges Kulturdenkmal dar, das den Charakter Bizkaias beschreibt.

Dolores Ibárruri – La Pasionaria

In diesem Gallarta wurde die bekannte Kommunistin Dolores Ibárruri geboren, die den Spitznamen „La Pasionaria“ trug, Passionsblume. Die 1895 als achtes von 11 Kindern geborene Dolores wurde zu einer führenden spanischen Revolutionärin und Politikerin der Arbeiterbewegung. Sie war Abgeordnete der Kommunistischen Partei im spanischen Parlament und Protagonistin im Spanischen Krieg von 1936 bis 1939. Ibarruri wird der Ausruf „No pasarán!“ (Sie werden nicht durchkommen) zugeschrieben. Vier ihrer sechs Kinder starben wegen schlechter Lebensbedingungen und extremer Armut. Nach dem Krieg musste sie ins sowjetische Exil. Ihr einziger Sohn fiel im 2. Weltkrieg als Rotarmist bei Stalingrad. Nach Francos Tod kehrte die Pasionaria zurück und wurde für Asturien erneut ins spanische Parlament gewählt. 1989 starb sie im Alter von 93 Jahren.

Ortuella

Ortuella hat bis heute den Charakter eines Industrieortes und einen festen Platz in der Geschichte der baskischen Arbeiter/innen-Bewegung. Im 19. Jh. öffneten Konzerne wie Orconera, Luchana Mining, Franco-Belga ihre Bergwerke zum Abbau von Eisenerz, gleichzeitig wurde eine Eisenbahnlinie eingerichtet (Ferrocarril de Triano). Zu sehen sind noch die beiden Bahnhöfe der Linie. Aufsehen erregte Ortuella im Oktober 1980, als ausströmendes Gas in einer Schule zu einer Explosion führte und 48 Kinder in den Tod riss.ezkerraldea04

Trapagaran (Trápaga)

Die Gemeinde Trapagaran mit 12.000 Ew teilt sich in einen unteren Teil am Fluss und einen oberen in den Bergen von Triano mit den Bergen Mendibil (565 m), Bitarratxo (519 m), Tejera (408 m) und La Reineta (428 m). Der untere Teil von Trapagaran ist bis heute von Industrie geprägt, auch wenn in den vergangenen 30 Jahren viele Betriebe geschlossen wurden. Daneben gibt es Möbel- und chemische Industrie. Zwischen 1860 und 1920 verzehnfachte sich die Bevölkerung von Trapagaran auf 7.000 Personen, 1990 erreichte sie nach einem erneuten Industrialisierungs-Schub mit 13.500 ihren Höhepunkt.

Zugaztieta (La Arboleda)

In den Bergen liegen die Ortsteile Zugaztieta (La Arboleda) und Larreineta (La Reineta). La Arboleda (der baskische Name des Ortsteils ist nahezu unbekannt) ist aufgrund seiner Geschichte zum Inbegriff der industriellen Entwicklung in Bizkaia geworden. Dort waren die großen Bergwerke des Industriekartells La Orconera, an dem u.a. die deutsche Krupp beteiligt war. In Arboleda lebten Proletarierfamilien unter widrigsten Bedingungen, praktisch als Sklaven der Minenbetreiber, abseits des normalen Lebens im Tal. In langen Schichten von 12 und 14 Stunden musssten sie das Erz aus dem Berg holen, Frauen waren vielfach für den Abtransport zuständig. Jene Leute lebten in Elendshütten und wurden von den Kapitalisten gezwungen, in werkseigenen Läden (cantinas) teuer einzukaufen. Die Zahl der Verletzungen und tödlichen Unfälle war erheblich, insofern ist es kein Wunder, dass dort die ersten großen Generalstreiks begannen. Der erste im Jahr 1890, als Arbeiter entlassen werden sollten, die sich in der Sozialistischen Partei organisiert hatten. Spontan gingen alle Arbeiter/innen der Minen in den Streik, wenig später griff der Ausstand auf die im Tal liegende Industrie über und weitete sich aus bis Bilbo. Trotz des Einsatzes von Militär zur Sicherung der Arbeitsstätten war der Generalstreik von Erfolg gekrönt (1). Als der Erzertrag der Bergwerke Ende des 20.Jhs. erschöpft war, wanderten viele Bewohner/innen ab, Arboleda wurde langsam zum Naherholungsziel. Bis heute steht im Ortskern ein Teil der alten Arbeiterhäuser, am Dorfplatz ist am Balkon des Restaurants „La Lonja“ ein altes Metallschild zu sehen, das davon zeugt, dass hier der erste Sitz der Sozialistischen Partei und Gewerkschaft war. Verrostet sind der Name „Casa del Pueblo“ (Volkshaus) und die Jahreszahl „1889“ zu lesen.

Skulpturenpark: In der vom Erzabbau zerklüfteten und surrealistisch anmutenden Landschaft vor Zugaztieta liegen heute kleine Seen, hier hat eine Gruppe von mehr als 30 Künstler/innen auf eigene Initiative den Skulpturenpark „Meatzaldea Goikoa“ eingerichtet. Trotz minimaler Hilfe durch die Provinz-Regierung stellten die Bildhauer/innen zum Teil auf eigene Kosten ihre Werke auf, die dem Park am See einen einmalig schönen Touch verleihen. Zuletzt stellte der legendäre 2014 verstorbene Nestor Basterretxea, neben Jorge Oteiza und Eduardo Chillida der letzte große unter dem weltbekannten baskischen Künstlern, sein letztes öffentliches Werk auf. Die Besucher/innen spazieren hier zwischen Enten und Kunst, zwischen freilaufenden Kühen und Pferden und den Ruinen der ehemaligen Bergwerksanlagen. Je nach Jahreszeit und Wasserstand sind unterschiedliche Wege zugänglich. Zwei Kilometer weiter, an einem weiteren See Richtung Gallarta, wurde ein Golfplatz eröffnet. (3)

Gastronomie: Bekannt ist La Arboleda durch traditionelle Alubiada-Bohnengerichte. Am Wochenende ist der Andrang in den Restaurants so groß, dass vorbestellt werden muss. Der etwa 20 km von Stadtzentrum Bilbo entfernte und mit öffentlichem Transport gut zu erreichende Ort ist beliebtes Ausflugziel. Am Wochenende verkaufen fliegende Händler baskische Naturprodukte aller Art.

Seilbahn-Funicular: Verbunden sind die unteren und oberen Ortsteile von Trapagaran mit einer Serpentinenstraße, die sich den Berg hinaufschlängelt und stellenweise hervorragende Blicke auf das gesamte Hafen- und Küstengebiet von Groß-Bilbao liefert. Seit 1926 gibt es zur Überwindung des Höhenunterschieds auch eine Funicular genannte Bahn, die auf Schienen fährt und mit einem Stahlseil gezogen wird. Sie hat eine besondere Form, denn die Kabine hängt nicht schräg am Berg, vielmehr ist der bergabgewandte Teil mit Stelzen derart erhöht, dass die Kabine waagerecht fährt. Eingerichtet wurde dieses Transportmittel zur Beförderung von Arbeitern, Waren und Material. Die Fahrt in der regelmäßig verkehrenden Funicular ist ein Erlebnis, sie startet in Trapagaran und endet oben in Larreineta. Dabei legt sie 1.200 m Strecke zurück bei Anstiegen von teilweise 35%. Neben den Stationen erinnern faschistische Adlersymbole daran, dass die Geschichte auch hier noch nicht aufgearbeitet ist, denn per Gesetz sind solche Symbole verboten und müssten aus dem öffentlichen Blickfeld entfernt werden. Im Spanischen Krieg wurde Trapagaran am 22. Juni 1937, drei Tage nach dem Fall von Bilbao ebenfalls besetzt.

Das Naturkunde-Museum (Centro de Interpretación Ambiental Peñas Negras, das in den kommenden Jahren mit dem neuen Bergbau-Museum in Gallarta zusammengelegt wird), liegt ca. 1 km oberhalb von La Arboleda. Es erklärt die Geschichte des Bergbaus und ist Ausgangspunkt für verschiedene ausgeschilderte Wanderrouten ohne Schwierigkeitsgrad, unter anderem zur bekannten Magdalena-Höhle. 2015 erklärte die baskische Regierung das ehemalige Bergbau-Gebiet Triano um La Arboleda zum geschützten Biotop. Das Peñas Negras Museum hat diese Entscheidung zum Anlass genommen, begleitete Wanderungen anzubieten (Information: Internet Wikiloc, Info-Büros). Wander-Routen: Die Gegend um den Ort bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten zum Wandern und Radfahren.

(1) Von Arboleda nach Sodupe: 20,5 km über die Triano Berge, Anstieg 832 m, Abstieg 1.274 m, kein Rundweg, Schwierigkeitsgrad: einfach, Dauer 5,5 Stunden. Die Srecke beginnt an der Funicular-Station in Larreineta. Sie führt über Arboleda zum Naturkunde-Museum Peñas Negras. Danach über Wald- und Wiesenwege und verschiedene Gipfel: Ganeran (823 m), Pico Mayor und Pico Menor, Gasteranz (801 m), Pico de la Cruz (803 m), Berghütte Berenilla, optional Erretza Berg (887 m), schließlich über Lejarza nach Sodupe.
(2) Von Larreineta nach Cruces: 12,5 km, Anstieg 832 m, Abstieg 1.274 m, Rundweg, Schwierigkeitsgrad: einfach, Dauer 3,5 Stunden. Der Weg beginnt ebenfalls bei der Funicular-Station in Larreineta, er führt über Arboleda, am dortigen Friedhof vorbei, La Gorriaga, zum Loiola-Stausee. Danach erfolgt ein steiniger Abstieg ins El Regato Tal, am Gorostiza-Stausse entlang in den Stadtteil Cruces (bask: Gurrutzeta, Barakaldo).
(3) Arboleda – Arboleda: 5,5 km, Anstieg 54 m, Rundweg, Schwierigkeitsgrad: einfach, Dauer 1,5 Stunden, maximale Höhe 343 m. Wanderung in der direkten Umgebung von Zuhaztieta (La Arboleda), vorbei am Skulpturenpark und den Bergwerk-Seen.
(4) Von Larreineta nach Muskiz: 12 km, Anstieg 133 m, Abstieg 505 m, kein Rundweg, Schwierigkeitsgrad: einfach, Dauer 2,5 Stunden. Start an der Funicular-Station Larreineta, über Zuhaztieta/Arboleda, das Naturkundemuseum Peñas Negras, vorbei an zwei Picknick-Plätzen und einem kleinen Wasserfall, über asfaltierte und Waldwege mit teilweise schöner Aussicht nach Muskiz auf Meereshöhe.
(5) Von Larreineta zum Argalario-Berg: 7,5 km, Höhenunterschied 365 m, Rundweg, Schwierigkeitsgrad: einfach, Dauer 1,5 Stunden. Start in Larreineta, Funicular-Station. Aufstieg zum Bitarratxu-Berg (521 m), Mendibi-Berg (565 m), zum Argalario-Berg (521 m) und zurück. Diesen Weg gibt es auch über La Arboleda.
(6) Von Larreineta zum Naturkunde-Museum: Der hier vorgeschlagene Weg geht nicht direkt über Arboleda, sondern nimmt eine Route über die Berge östlich, umkreist den Skulpturenpark und die beiden Stauseen, geht in der Nähe des Arboleda-Friedhofs auf den Weg zum Museum Peñas Negras und geht erst auf dem Rückweg über Arboleda. 10,7 km, Höhenunterschied 392 m, Rundweg, Schwierigkeitsgrad: nicht ganz einfach, Dauer 2,5 Stunden.ezkerraldea05

Das alte Industriezentrum Bizkaias

Industrialisierung und Migration sind die beiden Merkmale, die dieses Gebiet am treffendsten charakterisieren. Bis Anfang des 19. Jhs. handelte es sich bei Santurtzi, Portugalete, Sestao und Barakaldo um eher kleine Gemeinden. Die beiden ersten lebten von Fischfang und Schiffbau. Doch kam es innerhalb weniger Jahrzehnte zu dramatischen Änderungen. Das Eisenerz in den Bergen von Trapagaran und Arboleda zog Tausende von Arbeitskräften aus anderen Regionen des Staates an, die Bevölkerungszahlen vervielfachten sich. Unten am Fluss wurde verarbeitende Industrie angesiedelt, Hochöfen und Metallverarbeitung. Heute zählen die vier Städte mit 230.000 fast so viele Einwohner/innen wie Bilbao selbst. Obwohl viele Industrieanlagen mittlerweile geschlossen wurden, ist in diesem Orten nach wie vor die willkürliche Mischung von Industrieansiedlungen und Wohngebieten zu beobachten, die den Großraum Bilbao 150 Jahre lang charakterisiert hat. Portugalete gilt als die Stadt mit der höchsten Einwohnerdichte des Staates, 14.600 Menschen pro qkm, die vom Fluss aus sichtbaren Wohntürme singen ein Lied davon. Politisch gesehen war hier die Hochburg der vormals sozialistischen und heute sozialdemokratischen PSOE-Partei, doch ging diese Bastion in den vergangenen zwei Jahrzehnten an die baskisch-nationalistische PNV verloren. Durch die Städte am „linken Ufer“ führt einer der Jakobswege.

Santurtzi (Santurce)

Santurtzi ist letzter Ort vor dem modernen Großhafen von Bilbao, direkt an der Flussmündung des Nervion gelegen. Dort steht am Fuße des Berges Serantes ein großes Heizkraftwerk. Die Zahl der Einwohner/innen zeugt von der industriellen Entwicklung der Stadt: 1857 waren es 1.500, 1991 waren es 51.000 (2012: 47.000). Wirtschaftlich ist Santurtzi weiterhin stark auf das Meer orientiert, es gibt eine kleine Fangflotte und Werften. Den Standort als Verbindungshafen für Fähren nach England (Portsmouth) hat Santurtzi kürzlich an Zierbena verloren. Neuerdings orientiert sich die Stadt zusehends in Richtung Tourismus. Bekannt ist der Ort für die Figur der Sardineras, der Sardinen-Verkäuferinnen, die ihre Ware traditionell in einem ausladenden Korb auf dem Kopf trugen. Vor mehr als 50 Jahren wurde den Sardineras zu Ehren ein Denkmal aufgestellt, ihr Andenken fehlt bei keiner Fiesta, ebensowenig die namensgebenden Sardinen vom Grill. Berühmt sind auch die Sirgueras, jene Frauen, die einen überaus harten Frauenberuf ausübten. Er bestand darin, Schiffe vom Ufer aus an langen Tauen in den Hafen zu ziehen, weil sie auf dem Fluss nicht manövrieren konnten. Auf Deutsch ist diese Arbeit als Treideln, Schiffsziehen oder Halferei bekannt, der russische Maler Ilja Repin hat dieser Tätigkeit ein malerisches Denkmal gesetzt (Die Wolgatreidler, 1873). Als Cargaderas waren Frauen auch für das Be- und Entladen von Schiffen zuständig, eine ebenso harte Arbeit. Bis heute arbeiten Frauen als Netzflickerinnen. Carmen, der Schutzpatronin der Fischer wird jeden 16. Juli eine Fiesta gewidmet (Virgen del Carmen), bei der eine Prozession und frisch gegrillte Sardinen die Hauptrolle spielen.

Tourismus: Die Stärke des Ortes ist das Meer, entsprechend siehen die Aktivitäten aus: angeboten werden Schiffs- und Segeltörns nach Bilbao, oder Tagesausflüge aufs Meer, mit dem besonderen Reiz, Meeresvögel und Walfische zu sichten (von Juli bis Oktober), dies erfolgt in kleinen Gruppen. Daneben gibt es Führungen durch die Hafenanlagen.
Interessant: * Wehrturm-Palast (Palacio Casa Torre) aus dem 18. Jh. mit Ausstellungen * Meeres-Museum * Museum der Fischerei-Technik Agurtza * Oriol-Palast (1902) * Krankenhaus San Juan de Dios (1920) * San Jorge Kirche * Santa Eulalia Waisenhaus (1914).

Kulturelles: Das vom Serantes Kulturverein organisierte Internationale Theaterfestival (Oktober-November) findet seit 1979 statt und ist eines der bedeutendsten in Bizkaia. Dabei werden Kömödie, Terror, Musik Oper und Flamenco auf die Bühne gebracht.
Wanderwege: Der Weg Serantes-Zierbena führt von Santurtzi über den Serantes-Berg (452 m) in den Hafenort Zierbena, vorbei an Resten einer militärischen Festung und einem Vogel-Observatorium. Der Weg startet im Stadtteil Mamariga (Vista Alegre Straße), Distanz: 9,1 km, Höhenunterschied 424 m, Steigungen ohne Schwierigkeitsgrad. Der hervorragende Überblick über die gesamte Flussmündung verlieh dem Serantes eine strategische Bedeutung, die Festungsanlage (324 m) aus dem 18. Jh. zeugt davon. Der Beobachtungsturm steht auf der Bergspitze und bietet bei gutem Wetter Aussicht auf die umliegenden Berge, bis zum Leuchtturm von Gorliz. Der Blick auf die gegenüber liegende Seite der Hafenbucht (Getxo/Guecho) ist beeindruckend. Rückweg mit dem Bus. Von Zierbena aus führt ein Wanderweg über den Höhenzug Punta Lucero (307 m) Richtung La Arena Strand (Muskiz), dabei sind auf dem Bergkamm Reste von Kanonen-Stellungen zu sehen.ezkerraldea06

Portugalete

Der Name Portugalete hat nichts mit dem südeuropäoischen Land zu tun, er erklärt sich wahrscheinlich aus der Kombination von Portu (Hafen) und dem baskischen Wort „Ugaldeta“: Hafen zwischen den Wassern. Die 1332 offiziell gegründete Stadt stand von jeher in Konkurrenz mit dem mächtigen Handelsstandort Bilbao. Dabei hatte Portugalete den Vorteil, direkt am Meer zu liegen, Bilbo hingegen 10 km im Landesinneren. Mehrfach versuchte Portugalete, einen Handels-Hafen zu gründen, verbunden mit dem Recht, Überseewaren zu verladen und zu verzollen. Doch die Stadt Bilbo warf all ihre Macht in die Waagschale, um das zu verhindern, denn Zollrecht bedeutete Einnahmen und Reichtum.

Wie andere Orte der Umgebung wuchs Portugalete zwischen 1842 und 1981 von 960 auf 58.000 Ew an. Die Industrialisierung des 19. Jhs. trieb die Wirtschaft voran, es kamen die Eisenbahn und eine Reihe mittelgroßer Betriebe, eine eiserne Kaimauer wurde gebaut. In früheren Zeiten hatte die Stadt einen Strand und Kurhotels, sodass Portugalete nicht nur Ort von Proletariern war, sondern auch reizvoll für die neue Bourgeoisie. Viele ließen sich am Flussufer Villen bauen und verlegten ihren Sommersitz hierher. Die Stadt wurde wegen ihres milden Meerklimas zu einem frühen touristischen Hit, eine Auszeichnung, die sie seit Ende des 19. Jhs. mit dem auf der anderen Flussseite aufkommenden Getxo teilen musste.

Bizkaia-Brücke: Diese auch „Colgante“ (baskisch: Bizkaiko Zubia) genannte Brücke ist heute die wichtigste touristische Attraktion. Gebaut wurde sie während der Industrialisierung (1893), Colgante (die Hängende) wird sie genannt, weil sie den Anschein einer Hängebrücke erweckt, die Portugalete mit Areeta (Las Arenas) verbindet. In Wirklichkeit steht sie links und rechts des Flusses auf eisernen Säulen, die mit einem Laufsteg verbunden sind, an dem wiederum eine Schwebefähre hängt. Insgesamt wurden weltweit nur ca. 20 dieser Brücken gebaut, die „Colgante“ von Portugalete ist die älteste, nur neun Brücken sind noch in Funktion. Sie musste 60 m hoch sein, um den Durchlass der in den Großwerften gebauten Riesenschiffe zu ermöglichen. Lange Zeit war die Colgante neben der San Anton Brücke von Bilbao die einzige Verbindung über den Fluss. Zur touristischen Attraktion wurde sie, als sie 2009 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde und seither in allen einschlägigen Katalogen erscheint. Im Krieg wurde sie 1937 von der flüchtenden baskischen Armee zerstört, um den Faschisten die Einnahme Bilbaos zu erschweren. Bis heute werden mit der Schwebefähre auch Verkehrsbusse und LKWs transportiert. Der Verbindungssteg kann gegen Entgeld zu Fuß überquert werden und bietet einen hervorragenden Blick auf das Meer und die am Fluss liegenden Orte.

Interessant die Basilika Santa Maria, das Rathaus, der ehemalige Bahnhof „La Canilla“, der gelb-blau leuchtend am Fluss den Blickfang auf sich zieht; das Gran Hotel Puente Colgante, ehemals Sommersitz eines Amerika-Heimkehrers, 1993 abgebrant und wenige Jahre später als Hotel eröffnet; das Industrie-Museum Rialia am Fluss, ein Neubau aus dem Jahr 2006. Neben dem Eingang zur Bahnstation steht ein Denkmal für die Opfer des Faschismus, eine große Eisenplatte in Blumenform. Die Promenade zwischen Denkmal, Colgante und Hafensteg neben dem Schwimmbad ist im Sommer die Flaniermeile schlechthin. Bemerkenswert der Mareograf, ein Apparat zur Messung der Gezeiten, der ebenfalls an der Promenade steht. Wegen ihres Ambientes und ihrer Konzerte haben die Fiestas von Portugalete Anfang August einen guten Ruf. Seit mehr als 35 Jahren gefeiert wird das internationale Folklore-Festival Mitte Juli. Innerhalb der spanischen Trainera-Ruder-Meisterschaft von Juli bis September werden in Portugalete unter der Hängebrücke zwei Rennen durchgeführt.ezkerraldea07

Sestao

Obwohl am selben Uferstreifen liegend und nur wenige Kilometer von Santurtzi entfernt, unterscheidet sich Sestao stark von der Sardinera-Stadt. In der Geschichte sind 200 Jahre nicht viel, doch für Sestao waren sie entscheidend. Mit 110 Ew wurde dieser kleine Flecken zum Protagonisten der industriellen Revolution und wuchs heran zu einem Komplex von 43.000 Bewohner/innen. Sestao verzeichnete wie alle Orte des „linken Ufers“ einen sprunghaften Anstieg seiner Bevölkerung während der verschiedenen Phasen der industriellen Entwicklung. Doch während andere zumindest ein zweites Standbein hatten, wurde die Industrie in Sestao zur Monokultur. Als es damit zu Ende ging, versackte die Stadt in einer Krise, deren Auswirkungen andauern.

Industrialisierung: Historisch gehörte Sestao wie andere Randgebiete Bizkaias zeitweise zu Kantabrien, den Königreichen Asturien, Leon und Navarra, bevor es definitiv von Kastilien einverleibt wurde. Die wenigen Bewohner/innen lebten als Bauern von Land- und Viehwirtschaft, vom Fischfang und der Produktion des Txakoli-Weins. Mit der Industrialisierung des 19. Jhs. wanderten viele Arbeiterfamilien ein, vor allem aus Galizien, Andalusien und Extremadura. Am Fluss liegend kam dem Ort die Funktion von Transport, Verladung und Verarbeitung zu. Englische Kapitalisten ließen Mitte des 19. Jhs. eine Eisenbahn bauen, die Provinzregierung von Bizkaia Verladestationen. Mit den Techniken von Bessemer und Siemens wurde die Stahlproduktion revolutioniert, 1879 begann die Aufbau eines Industriebetriebs, der die Geschicke der Stadt viele Jahrzehnte prägen sollte: Altos Hornos de Vizcaya (AHV, Hochöfen Bizkaia). Die Bevölkerung wuchs in einem Jahrhundert um ihr Zwanzigfaches. Daneben entstand eine Großwerft, die mit dem Bau von schweren Kriegsschiffen vom Kuba-Krieg profitierte, bei dem Spanien eine seiner letzten Kolonien verlor. 1902 wurde AHV gegründet, in ihrer besten Zeit beschäftigte sie mehr als 10.000 Personen (bei ca. 40.000 Ew). Die 1915 als Staatsbetrieb gegründete La Naval Werft ist einer der wenigen Standorte des Schiffbaus, die (nach ihrer Privatisierung im Jahr 2006) bis heute existiert. Dazu kam 1918 mit dem us-amerikanischen Babcock Wilcox ein weiteres Großunternehmen der Stahlbranche.

Im Spanischen Krieg von 1936/37 wurde Sestao mehrfach von der von der Nazi-Luftwaffe (Legion Condor) bombardiert, die den aufständischen Generälen zur Hilfe geschickt worden war. In Anbetracht der drohenden Niederlage der baskischen Armee und Regierung, die auf Seiten der spanischen Republik standen, wurden Überlegungen angestellt, die strategisch wichtige Industrie von Sestao zu sprengen, um sie nicht den feindlichen Faschisten in die Hände fallen zu lassen. Drei Tage nach Bilbao (19.6.1937) besetzten faschistische Truppen widerstandslos Sestao.
Bis in die 90er Jahre des 20. Jhs. dominierten die fünf Kamine und drei Hochöfen das gesamte Flussgebiet über Sestao hinaus. 1995 wurde der Betrieb wegen fehlender Rentabilität geschlossen, das Stahlwerk ACB trat seine Nachfolge an, mit deutlich weniger Beschäftigten. Die vergangenen Jahre Sestaos waren geprägt vom Kampf gegen eine verhältnismäßig hohe Kriminalität und für die Erneuerung des Wohnparks, ganze Straßenzüge mit baufälligen Altwohnungen mussten abgerissen werden. Der letzte der Kamine von 102 m Höhe wurde 1999 gesprengt, in letzter Minute konnte der letzte der drei Hochöfen (80 m hoch, aus dem Jahr 1959) vor dem Abriss gerettet werden. Stillgelegt wurde er 1995, im Jahr 2007 wurde mit seiner Renovierung begonnen, nachdem er unter Denkmalschutz gestellt worden war. Zwei Aufzüge sollen dieses künftige Industriemuseum zugänglich machen.

Interessante Ausstellungen werden im Kulturhaus der Stadt präsentiert. Am Fluss Nervión, neben dem ACB-Stahlwerk steht ein Denkmal für die Opfer des Krieges und der Diktatur. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude von AHV hat sich mit einer Besetzung das selbstverwaltete Sozialzentrum „Txirbilenea“ eine Heimat gesucht und leistet seither einen wichtigen kulturellen Beitrag für die Stadt. Nach Verhandlungen wurde es von der Stadtverwaltung toleriert und nutzt die beiden unteren von sechs Stockwerken. Dort finden Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Workshops statt. Seit 2005 ist Sestao (über das „linke Ufer“) per Metro mit Bilbo verbunden. Mit KAIKU hat Sestao ein erfolgreiches Ruder-Team (traineras), das bereits mehrfach die spanische Meisterschaft gewann.ezkerraldea08

Barakaldo (Baracaldo)

In den vergangenen 500 Jahren seiner Geschichte stand die Entwicklung von Barakaldo häufig im Schatten von Bilbao. Einerseits hatte die Stadt aufgrund ihrer Lage ausgezeichnete Bedingungen (Meernähe, Hafen, Minen, Schmieden, vier kleine Flüsse), zu einem wichtigen Zentrum zu werden. Doch der Einfluss Bilbaos verhinderte mehrfach eine solche Entwicklung. Dennoch wurde aus dem ursprünglich kleinen landwirtschaftlichen Flecken eines der bedeutendsten Industriezentren nicht nur des Baskenlandes, sondern des ganzen Staates. Während Bilbo (1300) und Portugalete (1322) das Stadtrecht bekamen, blieb Barakaldo immer ein Dorf (anteiglesia). Trotz der im 19. Jh. erfolgten Industrialisierung verlor der Ort nie seinen Anschluss an Grüngebiete, denn im Süden schließen sich neben den Flüssen Galindo und Cadagua ein paar Täler und Bergkuppen an, die nicht ganz von der Eisenerz-Industrie in Beschlag genommen wurden und die heute wichtige Naherholungs-Gebiete darstellen.

Der Name Barakaldo ist vermutlich baskischen Ursprungs: „baratz“ bedeutet Garten, „aldea“ steht für Zone, also Gartenzone, was zu den landwirtschaftlichen Ursprüngen passen würde. Erste menschliche Spuren fanden sich in der Moskito-Höhle (Cueva de los Mosquitos), mit geschätzten 10.000 Jahren. Die Erzvorkommen ließen schon im Mittelalter an den Flüssen Mühlen und Schmieden entstehen. Aus dieser Epoche stammt die Konkurrenz mit Bilbao, das Zoll- und Steuerrechte hatte, auch wenn es nicht direkt am Meer lag. 1794 und 1808 wurde Barakaldo (wie Bizkaia) von französischen Truppen besetzt, innerhalb des sog. Unabhängigkeits-Kriegs zwischen Frankreich und Spanien. Im 19. Jh. folgten die Karlisten-Kriege, in denen Barakaldo als karlistische Hochburg zwischen die liberalen Fronten von Bilbao und Portugalete geriet.

Industrialisierung: Mit der industriellen Revolution ab 1850 wurde Barakaldo zu einem wichtigen Zentrum. Im Hinterland die Bergwerke, am Nervion-Fluss die Stahlindustrie mit Altos Hornos Vizcaya (AHV, Hochöfen Bizkaia), an den Nebenflüssen kleinere Industriebetriebe. Die Bevölkerung wuchs mit der Einwanderung spektakulär und machte Barakaldo zur größten Nicht-Hauptstadt des spanischen Staates. 1983 bevölkerten 120.000 Personen die Stadt, heute hat sich die Zahl bei 96.000 eingependelt. Nach dem Ende des Bergbaus und der Desindustrialisierung Ende des 20. Jhs. wurden der Sektor Dienstleistung zum tragenden Element der Stadt. Heute beherbergt sie zwei der größten Einkaufszentren Bizkaias, zudem ist sie Sitz der neuen Messe Bilbaos. Weil es in Bilbo für einen Neubau keinen Platz gab wurde das neue Bilbao Exhibition Center (BEC) 2004 auf einem ehemaligen Fabrikgelände in Barakaldo gebaut, mit Bahn, Metro und Autobahn verkehrstechnisch bestens angebunden. Dieser Standort sollte Barakaldo einen wirtschaftlichen Schub geben, der jedoch ausblieb, weil sich die Messe-Besucher/innen trotz allem Richtung Bilbo orientieren. Barakaldo konnte als Messeort nie überzeugen, Millionen-Defizite jedes Jahr stellen das Projekt zudem in Frage.

Spuren des Krieges: Barakaldo wurde während des Krieges von 1936/37 mehrfach bombardiert, das erste Mal am 30. August 1936, dabei starben drei Zivilisten. Danach wurden zur Bombenwarnung auch Fabriksirenen benutzt, die Bevölkerung sollte sich in Kellern in Sicherheit bringen. Als in Bilbao jedoch die Cotorruelo-Fabrik bei einem Bombardement einstürtzte und Menschen unter sich begrub, die sich dorthin geflüchtet hatten, wurde begonnen, Bunker zu bauen. Auch Eisenbahn-Tunnels und Fabriken wurden als Schutzräume aufgesucht (unter anderem bei den AHV-Hochöfen), weil die Fabriken „seltsamerweise“ nicht bombardiert wurden, obwohl dort Kriegsmaterial hergestellt wurde. Nach der Attacke am 25. September 1936, bei der mehrere Kinder starben, war die Bevölkerung derart aufgebracht, dass die beiden im Hafenbecken liegenden Gefängnis-Schiffe „Altuna Mendi“ und „Cabo Quilates“ gestürmt und Gefangene erschossen wurden (verschiedene Quellen sprechen von 80 bis 200 Toten). Diese Gefangenen waren Sympathisanten des Militäraufstands, unter ihnen befanden sich Angehörige der baskischen Oligarchie. An diese Rache-Justiz erinnert ein Kreuz am Hafenbecken. Zwischen Oktober 1936 und Februar 1937 war es relativ ruhig, weil die Aufständischen im Osten aufgehalten wurden, danach begannen die Faschisten ihre Offensive gegen Bilbao. Eine weitere schwere Bombardierung fand am 27.April 1937 statt (ein Tag nach der Vernichtung Gernikas), am Hermanos-Park sind noch Spuren dieser Bomben zu sehen. Dort ist eine Gedenktafel zu finden für die Opfer des Krieges und der Diktatur.ezkerraldea09

Tourismus: Es spricht für sich, dass sich die Tourismus-Information nicht im Zentrum der Stadt sondern im BEC selbst befindet, in einer Gegend, in der sich ansonsten nichts abspielt, außer Messe-Besucher/innen halten sich dort keine Tourist/innen auf. Im Zentrum sind stattdessen Info-Tafeln angebracht, die das Notwendige erklären, sehenswerte Gebäude, Rundwege und den durch die Stadt gehenden Jakobsweg (Camino Santiago). Dabei bietet die Stadt Sehenswertes. Industrie-Architektur: als Reste der Epoche sind geblieben die Verladestation Franco-Belga aus dem Jahr 1886 am Nervion-Fluss unter der Rontegui-Brücke, 2000 renoviert, zugänglich über eine Flusspromenade, * verschiedene Ladekräne im Stadtteil Luchana, in dem 2015 die stark kontaminierende Chemie-Fabrik Sefanitro abgerissen wurde, * das Industrie-Monument (Monumento a la Industria).

Wanderwege: Barakaldo besitzt verschiedene Wander- und Radwege, die durch die Stadt, durch ehemalige Industriegebiete oder am Fluss entlang führen. Bei Kastrejana führt die Teufelsbrücke (Puente del Diablo, 16. Jh.) über den Cadagua-Fluss. Dort beginnt der 1 km lange steile Aufstieg zur sheneswerten Santa Agueda Kapelle. Dieser Weg führt über einen mittelalterlichen Steinweg, Camino Real, von der Kapelle geht es weiter zum Sasiburu-Berg.
* Der Dolores Ibarruri Rad- und Wanderweg zieht sich über 16 km vom BEC (Messe) am Fluss entlang bis nach Areeta (Las Arenas) auf der anderen Flussseite (Colgante-Brücke). Er verbindet sich mit Wegen nach Gallarta und Galdames. Der (schlecht ausgeschilderte) Weg bis Muskiz führt über 27 km. * Die Wanderungen ins El Regato Tal beginnen im Stadtteil Retuerto und ziehen sich am Kastaños-Fluss und am Gorostitza-Stausse entlang, auf der ehemaligen Eisenbahn-Strecke der Lutxana-Mining-Company, dort befindet sich der Tellaetxe-Park. 2013 wurde ein zweiter Weg eröffnet, sodass nun auf beiden Seiten des Flusses Wege zum entlegenen Ortsteil El Regato führen, jeweils über ca. 5 km. Der Umweg am Loiola-Stausee vorbei über den Argalario-Berg verlängert den Weg auf 12 km.
* Ebenfalls in Retuerto beginnt der La-Orconera-Weg, er führt von Barakaldo nach Ortuella auf dem alten Schienenweg der Orconera-Mine. Er ist 3 km lang, führt über schlechten Asfalt, streift Trapagaran und geht durch drei unbeleuchtete Tunnels. Der letzte Teil wird grüner Weg genannt (Vía Verde), jener Weg beginnt bei den ehemaligen Minen Ortuellas, geht nach Gallarta (Radwege) und vereinigt sich dann mit dem Barakaldo-Areeta-Weg und dem „grünen Weg von Galdames“. * Barakaldo weist eine Reihe von netten Parks auf, den Beurko-, den Skulpturen-Park und den Botanischen Garten, dazu die Parks Hermanos, Lasesarre, San Vicente, Rontegui, Munoa und Serralta, die meisten neueren Datums. * Der Sasiburu-Berg kann von El Regato/Mezpelerreka (A) oder von Gurutzeta-Cruces (B) aus erwandert werden. (A) Am Fuß des Berges befindet sich in einem engen Tal der El Regato Stausee. Von dort geht es zum Salgeta-Berg (365 m), danach links über den Teufels-Felsen (Peña del Diablo, 398 m) und zum Sasiburu (459 m). Ein weiterer Weg zum Salgeta beginnt in Alonsotegi. (B) Im Stadtteil Gurutzeta (Cruces) wird die Autobahn Richtung des Basatxu-Hügels (134 m) überquert, danach der Aufstieg zum La Llana (300 m), über den Tellitu (456 m ) weiter zum Sasiburu (459 m). * Auch der Jakobsweg führt durch Barakaldo, zwischen dem Stadtteil Las Delicias, über die Teufels-Brücke zur Santa Agueda Kapelle, Stadtteil La Paz, am Gorostitza-Stausee vorbei bis Retuerto. Weiter Richtung Mega-Park, am Botanischen Garten und der San Vicente Kirche vorbei, über den Dolores-Ibarruri-Paseo und den Beurko-Viejo-Weg am Galindo Fluss entlang Richtung Sestao.ezkerraldea10

Alonsotegi (Alonsótegui)

Alonsotegi zählt zwar zum „linken Ufer“ (margen izquierda), liegt aber als einziger Ort nicht direkt am Nervion-Fluss, sondern in einem Nebental am Cadagua-Fluss, in einer bergigen Umgebung mit Gipfeln bis zu 1.000 m Höhe (Ganekogorta, Pagasarri und Sasiburu), ein Naherholungsgebiet für den Großraum Bilbao. Von der Industrialisierung der Nachbarstädte wurde Alonsotegi nur wenig berührt, allein am Ortseingang liegt eine stillgelegte Fabrik. Eine Schnellstraße auf Stelzen führt seit wenigen Jahren durch das Tal Richtung Landreis Enkarterri (Encartaciones). Eine schwarze Stunde erlebte der Ort 1980, als in der von politischen Aktivisten besuchten Bar Aldama von spanischen Rechtsradikalen eine Bombe gelegt wurde, die vier Todesopfer forderte – ein Ereignis das bis heute auf seine Aufklärung wartet.

Wanderwege: In der bergigen Umgebung Alonsotegis sind alte Bergwerke, natürliche Eiskuhlen, Bauernhäuser, Weiden, Eichen- und Buchenwälder zu finden, mit Rotwild und Wildschwerinen. Wanderwege über kürzere Distanz bieten die Möglichkeit, die Gegend kennenzulernen. Auf halber Höhe liegt mit 459 m der Sasiburu-Berg, bis zum Ganekogorta auf 1.000 m Höhe sind es 90 Minuten Fußweg. Sehenswert: Interessant sind die Eiskuhlen des Pagasarri, die Irauregui-Brücke, die Kirche und verschiedene Kapellen. Die Umgebung verschandelt allein die umstrittene Müll-Verbrennungsanlage Zabalgarbi. Bekannte Persönlichkeiten: * Iñigo Urkullu (1961) von der christdemokratischen PNV-Partei ist seit 2012 Ministerpräsident der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, CAV. * Marcelino Bilbao Bilbao (1920-2014) war im Krieg von 1936 Kommandant des Bataillons Isaac Puente der anarchosyndikalistischen CNT (Confederación Nacional del Trabajo) und überlebte das Konzentrationslager Mauthausen.ezkerraldea11

ANMERKUNGEN:

(1) Arbeiter-Bewegung Baskenland (I) (Link)

(2) Arbeiter-Bewegung Baskenland (II) (Link)

(3) Skulpturenpark Arboleda (Link)

FOTOS:

(1) Punta Lucero, zwischen Zierbena und Santurtzi (Foto Archiv Txeng – FAT)

(2) Gallarta, im Hintergrund die Concha II Mine (FAT)

(3) Alltag in der Mine, Foto im Bergbau-Museum (FAT)

(4) Dolores Ibárruri, Bergbau-Museum (FAT)

(5) Blick auf den Super-Hafen Bilbo bei Zierbena (FAT)

(6) Gedenktafel für die von Santurtzi aus kriegs-exilierten Kinder von 1937 (FAT)

(7) Santurtzi, Hafenpanorama (FAT)

(8) Santurtzi, Denkmal für die Sardineras (FAT)

(9) „Hängebrücke“ Colgante bei Portugalete (FAT)

(10) Erz-Verlade-Station bei Barakaldo (FAT)

(11) Fabrikruine bei Burceña-Barakaldo (FAT)

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