kolu53x00Für die Sprache laufen

Alle Jahre wieder – alle zwei Jahre, wenn keine Pandemie dazwischen kommt – rennen Zehntausende von Baskinnen und Basken. Nicht um ihr Leben (oder vielleicht auch), sondern für ihre Sprache. Die ist zwar hoch-offiziell, aber dennoch im südlichen Staat wenig beliebt, wird nach wie vor diffamiert und bekämpft, sei es mit Beleidigungen oder richterlichen Entscheidungen, die verhindern, dass das Baskische den Vorsprung des Spanischen einholt, auf dem Weg zur gleichberechtigten Sprache. 10 Tage Korrika.

KORRIKA heißt rennen. Zehn Tage und Nächte lang, einmalig in Europa, im Martxoa-März, bei Regen Schnee und Sonne, für das Recht, die einheimische Sprache zu sprechen. Ohne Begrenzung, ohne Gängelung, einfach sprechen, so verrückt sich das in einem 21. Jahrhundert anhört.

(2024-03-31)

BOMBARDIERUNGS-JAHRESTAG

kolu53x31Die Bizkaia-Stadt Durango wurde im Spanienkrieg von der italienischen Luftwaffe und der nazi-deutschen Legion Condor bombardiert. Am 31. März 1937 – fast vier Wochen vor der verhängnisvollen Vernichtung der 20 Kilometer nördlich liegenden Kleinstadt Gernika – wurde die Kirche im Durango-Stadtzentrum angegriffen, in der gerade eine Messe stattfand. Im Gegensatz zu Gernika, wo bis heute um die Zahl der Opfer gestritten wird, ist die Zahl in Durango genauer bestimmt: 336 Personen verloren ihr Leben. Weil in Durango keine internationalen Pressevertreter anwesend waren, geriet dieses Kriegsverbrechen – ein Angriff auf die Zivilbevölkerung – schnell in Vergessenheit. Im Baskenland wurden Dutzende von Städten angegriffen, Eibar zum Beispiel mehr als 20 Mal. Dennoch blieb in Durango immer ein bitteres Gefühl zurück angesichts der vielen Ehrungen, die der Stadt Gernika gewidmet wurden und dem Vergessen des eigenen Schicksals.

Am heutigen 31. März 2024 wurde am 87. Jahrestag an das Kriegsverbrechen der Franquisten erinnert. An der vom Stadtrat organisierten Gedenkfeier nahmen Opfer der Kriege in Palästina und der Ukraine teil. An der Veranstaltung nahmen der Lehendakari, Iñigo Urkullu, und die Regionalministerin für Gleichheit, Justiz und Sozialpolitik, Nerea Melgosa, sowie die Bürgermeisterin von Durango, Mireia Elkoroiribe, und Stadtverordnete sowie Vertreter verschiedener Parteien teil.

Die institutionelle Veranstaltung, die nach vier Jahren wieder von der Stadtverwaltung organisiert wurde, bestand aus einer Kranzniederlegung auf dem Friedhof zum Gedenken an die Verstorbenen, zu deren Erinnerung in der Säulenhalle der Santa María Kirche Lichter entzündet wurden.

Anlässlich des Jahrestages der Bombardierung wurden auch andere Aktivitäten geplant, darunter die Premiere von Kurzfilmen über den Luftangriff sowie die Organisation von Vorträgen, Führungen und einer Ausstellung.

Am 31. März 1937 wurde Durango von der italienischen Luftwaffe in Zusammenarbeit mit der aufständischen Armee von Francisco Franco bombardiert. Dabei starben 336 Menschen, die meisten von ihnen während eines Gottesdienstes, der in den frühen Morgenstunden stattfand.

Die Bürgermeisterin von Durango, Mireia Elkoroiribe, betonte, wie wichtig es sei, der Opfer dieses Bombardements zu gedenken, die "viele Jahre lang vergessen waren und durch Angst, Scham und Interessen zum Schweigen gebracht wurden". Elkoriribe erklärte, es sei notwendig, "zu zeigen, dass wir nicht aus dem Schmerz und dem Leid unserer Vorfahren gelernt haben und dass wir heute weiterhin die gleichen Fehler machen, wie in Gaza oder der Ukraine".

(2024-03-25)

KORRIKA GEHT ZU ENDE

kolu53x25Die 23. Korrika, die am 14. März in Irun in Gipuzkoa startete, hat nun nach 11 Tagen und Nächten, sowie 2.792 zurückgelegten Kilometern ihr Ziel erreicht. Wer es nicht weiß: die Korrika ist ein Solidaritätslauf für die baskische Sprache, der alle zwei Jahre von der Euskara-Sprachschule AEK organisiert wird und durch alle sieben Provinzen des Baskenlandes führt, nördlich und südlich der Pyrenäen. Einzelne Kilometer werden “gekauft“ von Personen, Unternehmen, Organisation oder Behörden, die an der Unterstützung und Normalisierung der baskischen Sprach Euskara ein interesse haben. Wer einen Kilometer “kauft“, trägt auf diesem Kilometer das Staffelholz bis zur Übergabe an die nächste Staffel. Im Holz versteckt ist eine Botschaft, die am Ende jeder Korrika auf der Abschluss-Veranstaltung verlesen wird.

“Wie das diesjährige Lied besagt, hatten die baskischen Bürgerinnen und Bürger ein weiteres Jahr lang den Auftrag, den Staffelstab und die darin verborgene Botschaft Schritt für Schritt, Wort für Wort, von Hand zu Hand, bis zum Ziel zu tragen. Die Freundinnen und Freunde der baskischen Sprache sind ihrem Ruf als Menschen, die zu ihrem Wort stehen, treu geblieben und haben ihre Aufgabe erfüllt, wobei sie gleichermaßen gelitten und sich gefreut, auch geschwitzt, aber immer mit einem Lächeln im Gesicht.“ So kommentiert das baskische Fernsehen das Ende der Korrika am Sonntag, dem 24. März.

Die Korrika kam gegen 11:50 Uhr nach Baiona, getragen vom Bürgermeister der Stadt und Präsidenten der Euskal Hirigune Elkargoa (der Vereinigung baskischer Orte in Frankreich) Jean René Etchegaray. Nach einigen Kilometern, auf denen eine Vielzahl von Verbänden, Institutionen und Vertretern der Zivilgesellschaft den Staffelstab von Hand zu Hand trugen, haben Gure Esku, Etxerat, Sare und Bakebidean, Errigora, politische Parteien, die baskische Gewerkschafts-Mehrheit, Uema und Udalbiltza, Hekimen, die Bildungsbeauftragten, Azterketak Euskaraz (dieses Jahr von Korrika ausgezeichnet), Kontseilua, Euskal Konfederazioa und AEK haben den Staffelstab auf den letzten Kilometern getragen.

Schließlich wurde das Geheimnis bei Kilometer 2792 gelüftet, als Garazi Arrula, Verfasserin der Botschaft dieser 23. Korrika, den Staffelstab übernahm und auf die Bühne ging, umgeben von einer großen Menschenmenge und einer Menge an Emotionen.

Nach dem Verlesen der Botschaft und dem Ende des diesjährigen Rennens feierten das Korrika-Team und die Journalisten, die 11 Tage und Nächte lang gearbeitet hatten, diesen letzten Moment mit Umarmungen, Tränen und Tanz.

Freude und gute Stimmung nach der harten Arbeit

Dieses Jahr hat die Korrika das Kollektiv Azterketak Euskaraz gewürdigt und die Arbeit der Schüler anerkannt, die seit mehr als drei Jahrzehnten für ein Abitur in baskischer Sprache kämpfen. Bei der Zeremonie zur Ehrung der Gruppe wurde erklärt, dass "diese Schüler*innen in einem entscheidenden Moment ihres Lebens, wenn es darum geht, das Abitur abzulegen, eine weitere Last auferlegt bekommen, die zu derjenigen hinzukommt, die sie aufgrund des Prüfungsdrucks ohnehin schon tragen: Sie müssen eine Sprache verwenden, die sie in ihrer Schulzeit nicht benutzt haben, nämlich Französisch. Sie entscheiden sich jedoch dafür, die ihnen als baskische Bürger zustehenden sprachlichen Rechte in Anspruch zu nehmen, und zwar über die Anordnungen der französischen Regierung hinaus, und sie verwenden Baskisch, wobei sie bei ihren Noten Vorurteile in Kauf nehmen müssen". Entlang der gesamten Korrika-Route trugen Hunderte von Menschen Plakate, T-Shirts oder andere Träger mit der Aufschrift Azterketa Euskaraz zur Unterstützung und Anerkennung des Kollektivs:

“Die Korrika hat auch in diesem Jahr Momente großer Emotionen hinterlassen, als sie die Städte, Dörfer, Länder und Ecken des Baskenlandes mit Stolz, Rechtfertigung und Feier erfüllte.

Korrika 2024: eine Stimme für die baskische Sprache

Das baskische Fernsehen EITB hat das Rennen aufmerksam verfolgt und die bemerkenswertesten Nachrichten und die besten Bilder der Korrika gesammelt. Heute war Baiona das Epizentrum des großen baskischen Festes, das seit dem Vormittag in vier Hauptbereichen organisiert wurde und dem Publikum ein breites Spektrum an Konzerten und Shows sowie ein vielfältiges gastronomisches Angebot bot. Die Straßen von Baiona waren voll von Menschen, begleitet von einem außergewöhnlichen Wetter.

(2024-03-24)

TOURISMUS-WOHNUNGEN IN GIPUZKOA

kolu53x24Obwohl Gipuzkoa 400.000 Einwohner weniger hat als Bizkaia, stellt die baskische Provinz mit 2.006 Wohnungen fast die Hälfte der Touristen-Unterkünfte im Baskenland. Eine Zahl, die nahe an die 2.275 in Bizkaia heranreicht. In der Tat handelt es sich um ein Geschäft, das fast ausschließlich in diesen beiden Gebieten wuchert, denn in Araba ist das Phänomen mit nur 196 registrierten Wohnungen nur eine Randerscheinung.

Besorgniserregend ist das Problem in Gipuzkoa, wo sich die Zahl der eingeleiteten Sanktionsverfahren gegen illegale Unterkünfte in nur einem Jahr versiebenfacht hat. Den 198 Verfahren, die 2023 eingeleitet wurden, stehen 29 Verfahren gegenüber, die 2022 registriert wurden. Eine beachtliche Steigerung.

Diese in der Bevölkerung wegen ihrer fatalen Auswirkungen immer deutlicher wahrgenommene Situation der Tourismus-Wohnungen veranlasst viele Nachbarschafts-Gruppen, sich zu organisieren und die Nutzung von privaten Immobilien für touristische Zwecke in ihren Satzungen ausdrücklich zu untersagen. Zwei kürzlich ergangene Urteile des Obersten Gerichtshofs in Bezug auf zwei Gemeinden in San Sebastián belegen, dass Eigentümer dieser Praxis Einhalt gebieten können.

Auch wenn die Situation in Gipuzkoa, wo 58 der 88 Gemeinden über Ferienwohnungen verfügen, besorgniserregend ist, ist sie in San Sebastián besonders gravierend. In der Hauptstadt von Gipuzkoa sind 66% dieser Art von Wohnungen zu finden, was die lokalen Verwaltungen dazu veranlasst hat, ihre Nutzung zu regeln.

Aussetzung der Lizenzen

Im März letzten Jahres beschloss der Stadtrat von San Sebastián eine allgemeine Aussetzung der Genehmigungen für die Eröffnung neuer Hotels und Beherbergungs-Betriebe als Übergangsmaßnahme bis zur Verabschiedung eines Generalplans, der vorbereitet wird, um mehrere Gebiete der Stadt für mit T-Wohnungen überfüllt zu erklären. Es wird erwartet, dass der Stadtrat von Gipuzkoa in den kommenden Wochen ein Moratorium für diese Maßnahme beschließen wird, das bis ins Jahr 2026 in Kraft bliebe.

Kontrolle

Eneko Goia, Bürgermeister von San Sebastián, verteidigte die Maßnahme als Mittel zur "Regulierung des Tourismus und zur Begrenzung des Wildwuchses an neuen Hotels". Er erinnerte daran, dass die Stadt vor zehn Jahren einen Mangel an Hotelunterkünften verzeichnete, was ihre Fähigkeit, Besucher anzuziehen und Kongresse und Veranstaltungen zu organisieren, einschränkte. Das Ende von ETA und das sprunghafte Wachstum des Tourismus in der ganzen Welt haben das Panorama verändert und zu einem raschen Wachstum des Angebots geführt, sowohl in Bezug auf Hotels als auch auf private Touristenunterkünfte.

(2024-03-23)

BASKISCHE WAFFEN GEHEN AN …

kolu53x2380% der baskischen Militärproduktion geht nach Israel, Saudi-Arabien und in die Vereinigten Staaten. An diesem Samstag (23.3.2023) wird der sechzehnte Fahrradmarsch gegen Krieg, Ausgaben und die Militärindustrie Bilbao durchqueren. Antimilitaristische, umweltpolitische und internationalistische Gruppen haben diesen Fahrradmarsch angekündigt, um die Militärausgaben anzuprangern und die Umwandlung der Rüstungsindustrie in eine zivile Industrie zu fordern.

Der Fahrradmarsch gegen Krieg, Ausgaben und die Rüstungsindustrie startet um 10:30 Uhr am Gebäude des Provinzrats von Bilbao und wird vor den Niederlassungen von Unternehmen Halt machen, die mit den wichtigsten Rüstungsbetrieben der Stadt zusammenarbeiten: ITP Aero in Barakaldo (früher Precicast PCB) und SENER in Getxo, wo der Marsch enden wird.

Am Beispiel der Geschichte des Unternehmens Orbea, das ursprünglich Pistolen, Revolver und alle Arten von Handfeuerwaffen herstellte und heute Fahrräder produziert, die einen gesunden und umweltfreundlichen Lebensstil fördern, werden die organisierenden Kollektive ein Ende der Militärausgaben fordern, da sie diese als "Verschwendung von Ressourcen" betrachten, und die Umwandlung der Militärindustrie in eine zivile Industrie fordern.

Während der Präsentation der Bizi Martxa, die von Fahrrädern und Fahrradausrüstungen begleitet wurde, prangerten sie die Tatsache an, dass die baskische Regierung eine Subvention von 100 Millionen Euro für baskische Rüstungsunternehmen genehmigt hat, die im Baskenland einen Jahresumsatz von 750 Millionen Euro erzielen. "80 % der baskischen Rüstungsproduktion sind für die Verteidigungsministerien und die Streitkräfte Israels, Saudi-Arabiens, Marokkos, Mexikos, Brasiliens, der Vereinigten Staaten und Spaniens bestimmt, die damit Gewinne in Höhe von rund 150 Millionen Euro erzielen", so die Abgeordneten. In der Zwischenzeit werden weiterhin Kürzungen in den Bereichen Gesundheit, Renten, Gleichstellungspolitik, Sozialleistungen und beim Zugang zu angemessenem Wohnraum vorgenommen und die Lebenshaltungskosten steigen". Sie prangerten auch die Tatsache an, dass die spanische Regierung auf diese Art den Völkermord Israels in Palästina unterstützt, indem sie den Verkauf von Waffen (für mehr als 40 Millionen) genehmigt und den Kauf von SILAM-Raketenwerfern (für 576 Millionen) und Spike-Raketen (für 285 Millionen) bewilligt hat.

Aus all diesen Gründen werden die aufrufenden Gruppen bei diesem sechzehnten Marsch durch Bilbao und Umgebung fahren, der Jahr für Jahr fordert, dass die Militärausgaben gestoppt und die dafür ausgegebenen Gelder für bessere soziale Zwecke verwendet werden. Organisatoren: Biziz Bizi, Eguzki, Ekologistak Martxan, Kakitzat, KEM-MOC und Komite Internacionalistak.

(2024-03-19)

KLASSENLOSE GESELLSCHAFT

Wenn ein bescheidener Club wie Athletic Bilbao ins Finale des spanischen Fußballs kommt, ist dies eine besondere Meldung wert. Vor allem, wenn auf dem Weg in dieses Finale Schwergewichte wie Barcelona, Atletico oder Real Madrid auf der Strecke geblieben sind. Die konnten nicht einmal mit ihren Milliarden-Haushalten und Spielern aus aller Welt den Weg ins Endspiel planieren. Die Basken hingegen haben nichts als Herzblut in die Wagschale zu werfen, denn das Team besteht aus baskischen Spielern. Für die Hauptstädter aus Bizkaia ist es das sechste Finale der vergangenen 12 Jahre, fünf Mal gingen sie als Verlierer vom Platz. Was nicht besonders tragisch ist, weil es einer Kapitallogik entspricht, die das Bilbo-Team grundsätzlich zu Außenseitern deklariert.

kolu53x19Viele meinen, dass 2024 die beste Gelegenheit seit Langem sei, Grund für diesen Optimismus ist vor allem der Name des Finalgegners: Mallorca, en Team, welches das Thema Abstieg in diesem Jahr noch nicht ganz abgehakt hat. Aber die Spiele dauern 90 Minuten, wie ein berühmter deutscher Trainer einmal sagte, und Überraschungen gab es schon viele. Bilbao ist jedenfalls bereits gut beflaggt, überall hängt rot-weiß an Ampeln, Balkonen und Kneipenvordächern. Die klassenlose Gesellschaft treibt wieder einmal ihre Blüten, wie immer wenn es für die Zuri-Gorriak um etwas ganz Wichtiges geht: der schlichte Bauarbeiter träumt denselben Traum wie die Kindergärtnerin, der arbeitslose Senegalese und der Geschäftsführer der Bilbao-Bank. Wenn es nach gutem Willen ginge, wäre der Erfolg längst eingetütet.

Weil das Finale in Sevilla stattfindet, sind alle Flüge ausgebucht, desgleichen die Hotels. 400 Campingcars machen sich auf den Weg ohne zu wissen, ob sie in der Guadalquivir-Stadt einen Parkplatz ergattern können. Sevilla freut sich auf bilbainisch-mallorquinischen Massentourismus, vor allem auf die großzügige Seele der Baskinnen und Basken, für die der Preis für was auch immer in einem solchen Sonderfall keine Rolle spielt. Versteht sich von selbst, dass an dieser Stelle die klassenlose Gesellschaft ihr Ende findet, denn die Kindergärtnerin und der arbeitslose Senegalese werden sich das Spiel mit Freundinnen und Freunden in der Kneipe im Stadtteil anschauen, weil sie sich derartigen Luxus nicht leisten können. Und unser Banker kann sich entspannt in der VIP-Loge zurücklehnen und wenn es sein muss, sogar den Ton der lärmenden Rest-Zuschauer abschalten.

Im Vorfeld gefragt sind neben Trikots und Fahnen vor allem Optimismus und Enthusiasmus – egal wie blöde das daherkommt. Zum Beispiel in Form des Supercomputers des Opta-Unternehmens. Der kann nämlich voraussagen, ob Athletic erstens das Finale gewinnt und zweitens in die Champions League einzieht, was beim aktuellen Tabellenstand durchaus realistisch ist. Eine solche Vorhersage birgt natürlich dieselbe Gefahr wie ein Idiot, der uns am Kinoeingang erzählt wie der Film ausgeht. Opta könnte uns den schönsten Adrenalin-Input der letzten 20 Jahre vermiesen, wenn das Ergebnis schon vor dem Spiel bekannt gegeben wird.

Das Unternehmen Opta ist nämlich für die Erstellung der LaLiga-Statistiken zuständig, es bietet “genaue Wahrscheinlichkeiten“ (was jetzt: wahrscheinlich? oder genau?) darüber, wer den Titel gewinnt, wie der Kampf um Europa ausgeht und wer in die zweite Liga absteigt. Was die Liga betrifft, wagt Opta eine für Athletic optimistische Prognose, entgegen den Millionären von Atletico. Die Vorhersage zum Finalausgang wird allerdings zurückgehalten. Wahrscheinlich nicht, um den Athletic-Fans nicht die Spannung zu nehmen und die Laune zu verderben, sondern aus Vorsicht, die Vorhersage könnte daneben liegen. In dieser Hinsicht sind wir Fans von der Straße schlauer als jeder Supercomputer.

(2024-03-17)

BANKENPROFITE MIT BLUT BEFLECKT

kolu53x17Aktivist*innen der Antimilitarismus-Gruppe KEM-MOC haben in Bilbo eine spektakuläre Aktion durchgeführt, indem sie die Schaufenster des Unternehmenssitzes der BBVA-Bank mit roter Farbe bespritzten. Mit dieser Aktion sollte angeprangert werden, dass die enormen Gewinne der BBVA "mit Blut befleckt" seien, weil "sie von Krieg und Völkermord profitiert". Banco Bilbao Vizcaya Argentaria ist der komplette Name der weltweit operierenden Bank, die über Jahrzehnte hinweg aus dem Zusammenschluss verschiedener anderer Banken entstand und weltweit operiert. Auch im vergangenen Geschäftsjahr fuhr das Unternehmen Milliardengewinne ein.

KEM-MOC ist die in den 1990er Jahren gegründete Organisation der Kriegsdienstverweigerer, die seinerzeit nicht nur den Wehrdienst sondern auch den sozialen Ersatzdienst verweigerte. Tausende junger Männer schlossen sich damals dieser Bewegung an und nahmen Gefängnisstrafen in Kauf. Vor allem baskische Gefängnisse füllten sich so stark, dass für die staatlichen Behörden ein politisches Problem entstand. Lösung war damals die Abschaffung der Wehrpflicht und Einführung einer Berufsarmee. Das hielt die Organisation der Verweigerer aus Gewissensgründen jedoch nicht davon ab, mit ihren Kampagnen weiterzumachen, dann eben außerhalb der Gefängnisse. Seither wird die Waffenproduktion im Baskenland ins Visier genommen, der internationale Waffenhandel, an dem baskische Unternehmen beteiligt sind, sowie die Kasernen, in denen die spanische Armee ihr Unwesen treibt. Immer schon wurden die Aktionen von KEM-MOC nicht nur von Männern durchgeführt, sondern auch von Frauen. In den vergangenen Jahren wurde der Sitz der Militärregierung in Bilbo mehrfach mit Vorschlaghämmern angegriffen, die folgenden Prozesse wegen Sachbeschädigung wurden propagandistisch für antimilitaristische Themen genutzt.

In diesem Jahr 2024 näherten sich die Teilnehmer an der Protestaktion der Bank und besprühten die Fenster mit Hilfe von Feuerlöschern aus der Distanz mit roter Farbe. Anschließend entrollten sie ein Transparent mit der Aufschrift "BBVA profitiert von Krieg und Völkermord". Gemeint sind die Kriege in der Ukraine und in Palästina. Jeweils über die spanische Regierung, die den Export von Kriegsgütern kontrolliert, finden massive Lieferungen statt, die im Fall der Ukraine zu einer endlosen Verlängerung von Krieg, Zerstörung und Leiden geführt hat, im Fall Palästina zu einem in der Geschichte unvergleichbaren Völkermord an der palästinensischen Bevölkerung in Gaza.

Mit dieser Aktion wollte die die !Antimilitaristische Alternative – Bewegung der Verweigerer aus Gewissensgründen“ deutlich machen, dass "die BBVA zwischen 2021 und 2023 mit mehr als einer Milliarde Euro Unternehmen finanziert, die Waffen herstellen, die Israel derzeit bei seiner Offensive gegen Gaza einsetzt".

Betont wurde auch, dass "die BBVA Energieprojekte in den besetzten palästinensischen Gebieten finanziert, die eine Politik der Land-Beschlagnahme und Zwangsvertreibung der palästinensischen Bevölkerung beinhalten. Zu diesen Projekten gehören Solarfelder in den besetzten palästinensischen Gebieten, wie in dem Bericht 'Die Komplizenschaft des spanischen Finanzsektors bei der Besetzung Palästinas' detailliert beschrieben wird".

"Obszön"

KEM-MOC hält es für "eine Obszönität, dass die BBVA, ebenso wie ein Großteil des spanischen Finanzsystems, angeblich umweltfreundliche Projekte unterstützt, die zur Verletzung der Menschenrechte in Palästina beitragen". Laut dem Bericht der "Don't Buy Occupation Coalition" rangiert die BBVA von 2020 bis 2023 auf Platz 11 bei der Finanzierung israelischer Unternehmen in den besetzten Siedlungen und investierte insgesamt 5,861 Milliarden Dollar".

Andererseits haben die Sprecher*innen hervorgehoben, dass "die Rekordgewinne der BBVA im Jahr 2023 zu einem großen Teil auf die Finanzierung der Kriegsindustrie zurückzuführen sind und daher in Blut getränkt sind. Konkret hat diese Bank in den letzten Jahren 5,4 Milliarden Euro für die Unterstützung der Rüstungsindustrie bereitgestellt, darunter auch für die Finanzierung von Unternehmen, die an der Herstellung von Atomwaffen beteiligt sind".

Abschließend erklärten sie, dass "Krieg ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist und wir uns verpflichten, weiterhin für Gewaltlosigkeit und zivilen Ungehorsam gegen Militärausgaben, die Rüstungsindustrie und militärische Anlagen in unseren Städten einzutreten". Die eindrucksvollen Bilder von der “blutigen Aktion“ ziehen in den Medien ihre Kreise.

(2024-03-14)

VERHERRLICHUNG EINES MUSIKERS

kolu53x14Wenige Musiker werden im Baskenland so geliebt wie Fermin Muguruza aus Irun. In den 1980er Jahren gehörte er zu den Gründern der legendären Rockgruppe KORTATU (Schneiden), später wurde daraus die Gruppe Negu Gorriak (Harte Winter), bevor Muguruza sich der musikalischen Talentförderung und dem Filmgeschäft zuwandte. Weder Fermin noch seine vielen Mitmusiker*innen machten je einen Hehl daraus, dass sie sich politisch der baskischen Linken zuordnen. Die Konsequenz war, dass die Gruppen bei Auftritten im spanischen Staat entweder direkt boykottiert wurden oder, falls ein Auftritt bereits vereinbart, die Organisatoren massiv unter Druck gesetzt wurden, die entsprechenden Konzerte wieder abzusagen. Dutzende von Konzerten fielen dieser Kampagne zum Opfer oder fanden unter Polizeischutz statt. Obwohl Muguruza sich gegen Gewalt aussprach und sich mit Opfern von ETA an einen Tisch setzte, galt er spanischen Hardlinern immer als “Etarra“.

15 Jahre nach dem Ende von ETA-Aktionen dürfte sich dieser Hasse etwas gelegt haben – sollte man meinen. Ist aber nicht so, wie ein Fall aus dem Mittelmeer-Ort Valencia zeigt. Dort wurde 2023 in einer Schule ein großes Graffiti angebracht mit Fermin Muguruza in der Mitte. Zur Eröffnung des Bildes wurde Fermin persönlich eingeladen, um einen Vortrag zu halten, zu dem angeblich alle Schüler ab 12 Jahren eingeladen waren. Angeblich, weil die musikalisch-künstlerische Geschichte mittlerweile ein juristisches Nachspiel hat. Das kam so.

Den Eltern eines Schülers der besagten Schule in Bellreguart war das Muguruza-Graffiti ganz und gar nicht recht, sie wandten sich an den Verband mit dem vielsagenden Namen “Erzieher gegen Indoktrinierung“. Dahinter verbergen sich Inquisitoren, die peinlich genau darauf achten, dass in Schulen nicht von Schwulen, Lesben, Sexismus, Transpersonen und ähnlichen Schweinereien die Rede sei. Zurück ins 19. Jahrhundert könnte ihr Wahlspruch sein, so wie es die neue Faschistenpartei VOX regelmäßig vorbetet. Nach Betrachtung des Graffitis kamen die Vertreter dieser Inquisition zu dem fachmännischen Schluss, dass es sich um einen Fall von Indoktrinierung handeln musste und um einen Fall von Verherrlichung. JA, von wem oder was eigentlich? Verherrlichung von Fermin? Nein, Verherrlichung von Terrorismus.

Dass dieser „“Terrorismus“ seit 15 Jahren nicht mehr existiert dürfte den Inquisitoren nicht entgangen sein, ist aber auch egal, im Kampf um die “saubere Schule voller Zucht und Ordnung“ sind alle Mittel recht. Daraufhin beschloss der Verein, rechtliche Schritte einzuleiten und der Familie "Rechtsbeistand" zu leisten. Die Klage hat nun ein Gericht der Region akzeptiert, Fermin, oder besser sein Bild, steht vor Gericht.

Die Schulleitung wurde für den 26. März zur Aussage vorgeladen. In der Beschwerde beschuldigen die Inquisitoren das Leitungsteam der Joan Fuster Schule des Delikts der "Verherrlichung des Terrorismus". Behauptet wird, dass Minderjährige ohne die Zustimmung oder das Wissen ihrer Erziehungsberechtigten benutzt und dass zum Zweck der “Verherrlichung“ öffentliche Ressourcen und Räume genutzt wurden.

(2024-03-12)

STREIK IM ÖFFENTLICHEN DIENST

Der dritte Streik im öffentlichen Sektor in Araba, Bizkaia und Gipuzkoa innerhalb weniger Monate hat direkte Auswirkungen auf das Bildungs- und Gesundheitswesen, den öffentlichen Verkehr und die Medien. Die Gewerkschaften sind mit der Zahl der Streik-Teilnehmer*innen zufrieden und fordern die Regierung auf, sich zu bewegen. In den drei Hauptstädten haben Demonstrationen stattgefunden.

kolu53x12Der dritte Streiktag im öffentlichen Sektor in Araba, Bizkaia und Gipuzkoa wird unterstützt von den Gewerkschaften ELA, LAB, CCOO, ESK und Steilas – also nicht von der sozialdemokratischen UGT, auf spanischer Ebene immerhin zweitgrößte Gewerkschaft. Die Folgen des Streiks machen sich am 12. März seit dem frühen Morgen vor allem beim öffentlichen Verkehr bemerkbar. Der Tag begann mit Informations-Streikposten in den frühen Morgenstunden und Demonstrationen in den Straßen von Gasteiz, Bilbao und Donostia, nach Angaben der Gewerkschaften beteiligten sich rund 30.000 Menschen.

Wenige Minuten vor Beginn der Demonstration in Gasteiz prangerte eine ELA-Sprecherin gegenüber den Medien an, dass es nach wie vor "keinerlei Dialog" gebe und dass die Gewerkschaften bisher nur "Schein-Angebote" erhielten. Sie wies auch darauf hin, dass "es nicht vereinbar ist, über die Verteidigung der Autonomierechte zu sprechen und dann zu sehen, was in den Haushalten passiert, nämlich, dass die Frage der Gehälter im öffentlichen Sektor und sogar die Frage der öffentlichen Arbeitsverträge davon abhängen, was Madrid vorgibt".

Der Grund für diesen erneuten Streik ist die mangelnde Reaktion der öffentlichen Verwaltungen auf die Forderungen, die in den vorangegangenen Streiktagen im November und Dezember formuliert wurden: "Während in der Privatwirtschaft dank der Mobilisierung in verschiedenen Branchen-Tarifverträgen Verbesserungen mit Lohnerhöhungen über der Preissteigerungs-Rate erzielt werden, ist es im öffentlichen Sektor Madrid, das mit Duldung der baskischen Institutionen und politischen Parteien weiterhin den Taktstock in der Hand hält", erklärten sie bei der Ankündigung und beklagten, dass "der Kaufkraft-Verlust in den letzten zwei Jahren über 8% liegt".

Gesundheits-System

"Außerdem hat die Quote unsicheren Arbeitsverhältnisse mit 44% (in einigen Sektoren, wie z.B. Osakidetza-Gesundheit, liegt sie bei über 50%) einen historischen Höchststand erreicht und übersteigt 65.000 Beschäftigte", erklärten die Gewerkschaften. Die Proteste wirken sich auch auf den Gesundheits-Sektor aus, auch wenn sie hier durch die auferlegten Mindestdienste limitiert sind, die einen Betrieb vorsehen wie an Samstagen. So beziffert Osakidetza die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen in der Frühschicht nach dem Streik auf 4,6%. In Araba wirkte sich der Streik zu 4,88%, in Bizkaia zu 4,57% und in Gipuzkoa zu 4,45% aus, hieß es. Tatsache ist, dass in der Nachtschicht kein Arbeitnehmer streiken konnte. ELA zufolge "haben die Gewerkschaften, die zum Streik aufrufen, den Eindruck, dass das Streikrecht zunehmend eingeschränkt, mit einem Veto belegt und behindert wird".

Was den nicht-universitären und universitären öffentlichen Bildungs-Bereich betrifft, so hat der Streik nach Angaben der Gewerkschaften eine "sehr breite" Anhängerschaft. Hier die Zahlen: Im nicht-universitären Bildungswesen haben sich 65% der Beschäftigten dem Streik angeschlossen, bei den Vorschulen wurde der Streik von rund 75% der Beschäftigten unterstützt. Nach Angaben von Lakua (Regierung), mit Informationen von 89% der öffentlichen Schulen, haben sich 33,8% der Lehrkräfte am Streik beteiligt. Das öffentliche Fernsehen EiTB arbeitet ebenfalls nicht wie sonst und beschränkte seine Tätigkeit fast ausschließlich auf Nachrichten-Sendungen. Die Streikbeteiligung lag bei rund 80%, wie die Streikaufrufer mitteilten.

Auf kommunaler und regionaler Ebene werden die Streikfolgen ebenfalls als "ausgeprägt" beschrieben. "Sehr signifikant" in den größten Rathäusern der verschiedenen Bezirke, einschließlich derer in den drei Hauptstädten. Unter anderem sind Bibliotheken, Sportzentren, Bürgerzentren etc. geschlossen worden. Die Direktion für Arbeitsbeziehungen hat festgestellt, dass sich 9,83% des Personals der Allgemeinen Verwaltung der Region an dem Streik beteiligt haben. Die Organisatoren des Streiks fügten hinzu, dass sich das Baskische Symphonie-Orchester (OSE) dem Streik angeschlossen hat, was bedeutet, dass das für Dienstag geplante Konzert in Iruñea abgesagt wurde.

LAB: "Die Arbeitsplätze, die angeblich schaffen werden sollen, gibt es bereits"

Die ELA-Sprecherin räumte ein, dass "das Bild der Streikenden und das Bild, das wir auf der Straße sehen werden, eine starke Botschaft an die Institutionen und die Parteien sendet. Es ist an der Zeit, einen anderen Weg einzuschlagen", fügte sie hinzu. LAB betonte, dass "die Wahlen näher rücken und die PNV anfängt, nervös zu werden", weshalb sie "ihre Propaganda einsetzt und behauptet, dass sie Arbeitsplätze schaffen wird, aber wir wissen, dass diese Arbeitsplätze bereits existieren". Ein CCOO-Sprecher appellierte seinerseits an die Institutionen und politischen Parteien, sich daran zu erinnern, dass sie für die Menschen da sind, dass es ihre Verantwortung ist".

Streikposten

Seit den frühen Morgenstunden wurden an verschiedenen Arbeitsplätzen Streikposten durchgeführt, die Arbeitnehmer versammelten sich vor öffentlichen Gebäuden. Sie gingen unter anderem zum Eingang von Lakua, wo sie Flugblätter an die Arbeitnehmer verteilten, die das Regierungs-Gebäude betraten, dasselbe vor dem Rathaus der Hauptstadt Alava. In Bilbao konzentrierten sich die Mahnwachen auf das Rathaus, ein Gesundheits-Zentrum und den Regierungssitz. In Donostia ähnlich.

"Solidarität mit den Betroffenen"

Der Regierungs-Sprecher, Bingen Zupiria, betonte, dass seine Regierung die Ansichten über den Streik nicht teile und dass er die von den Gewerkschaften vorgebrachten Argumente über die zunehmende Privatisierung von Dienstleistungen und die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer "nicht akzeptiere".

In einer politischen Bewertung des Streiks während der Pressekonferenz im Anschluss an eine Senatoren-Sitzung brachte Zupiria seine Solidarität mit allen vom Streik Betroffenen zum Ausdruck und räumte ein, dass der Streik "einige Auswirkungen" auf den öffentlichen Verkehr und das öffentliche Bildungswesen gehabt habe. Er betonte, dass Lakua das Streikrecht der Beschäftigten respektiere und die Mindest-Dienstleistungen sowie das Recht auf Arbeit und wesentliche öffentliche Dienstleistungen garantiere.

Zupiria wies darauf hin, dass viele der von den Gewerkschaften aufgeworfenen Fragen entweder nichts mit dem öffentlichen Sektor der Region zu tun hätten oder "der Realität nicht gerecht würden". "Wir akzeptieren auf keinen Fall den Vorwurf der Privatisierung der öffentlichen Dienste, der immer wieder gegen diese Regierung erhoben wird, und auch nicht die Behauptung, dass sich die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst verschlechtern. Sie entsprechen nicht der Realität", bemerkte er.

Für die Arbeitnehmer*innen der vom Streik betroffenen Bereiche sind solche Worte ein Schlag ins Gesicht, niemand weiß besser als sie, dass tatsächlich überall privatisiert und eingespart wird, dass Stellen unbesetzt bleiben, dass ArbeitnehmerInnen jahrelang, wenn nicht Jahrzehnte, auf befristeten Arbeitsplätzen sitzen, dass in kleineren Orten überhaupt keine Gesundheits-Versorgung mehr angeboten wird. Selten hatte ein Streik so viele Gründe auf einmal.

(2024-03-04)

EIN BASKISCHER ORT SAGT NEIN

kolu53x04Eine Kleinstadt im französischen Baskenland sagt Nein zum Tourismus: "Wir sind ein Vergnügungspark für Reiche geworden". Der Quadratmeter Boden in der Nähe des Strands dieser Gemeinde kostet 20.000 Euro. Die Rede ist von Getaria (nicht zu verwechseln mit dem südbaskischen Elkano-Ort Getaria). Vorausgegangen war eine Auszeichnung, die als lebenswerteste Stadt, doch die ist zu einem “vergifteten Geschenk“ für die Einheimischen geworden. Das erklärten jetzt die Behörden der Stadt. Sie liegt in der Nähe des mondänen Biarritz und zählt 2.000 Einwohner*innen, deren Zahl während der Ferienzeit drastisch ansteigt.

Wenn eine Region diesen Ruf genießt, zieht sie viele Reisende (Touristen) an. Das treibt die Lebenshaltungskosten in die Höhe. Der Meterpreis in Strandnähe liegt bereits bei 20.000 Euro. Für den Stadtrat Benoit Lamerain bedeutet diese Situation, dass die Menschen, die hier leben, sich keinen Wohnraum mehr leisten können, er bedauert, dass der Ort "zu einem Vergnügungspark für Reiche" geworden ist.

Die Situation im Sommer wird noch komplizierter, wenn sich die Menschen auf einer Fläche von einem Quadratkilometer drängen. "Die Bewältigung eines solchen saisonalen Zustroms ist für unsere Stadtverwaltung mit hohen Kosten verbunden", erklärte der Beigeordnete für Stadtplanung, Cédric Curutchet.

Der Bürgermeister von Getaria sagt: "Um glücklich zu leben, müssen wir uns verstecken", und bezieht sich damit auf die Situation, in der die Zahl der Anwesenden in den Sommermonaten überproportional zunimmt. Die Behörden beabsichtigen, den “Verband der lebenswerten Städte und Dörfer in Frankreich“ anzuschreiben und ihn aufzufordern, ihren Ort nicht mehr in der verhängnisvollen Liste zu führen.

(2024-03-02)

PROTEST GEGEN GUGGENHEIM

kolu53x02Nicht alle sind begeistert vom Plan der Guggenheim-Führung, im Naturschutzgebiet Urdaibai ein zweites Museum bauen zu lassen, ein Doppelmuseum dazu, verbunden mit einem Weg, einer Straße oder was auch immer. Nicht alle sind einverstanden, oder besser gesagt: die Mehrheit der Bevölkerung vor Ort ist dagegen – aber gefragt werden sollen sie nicht zu ihrem Schicksal. Ebenso wenig gefragt haben zwei Aktivisten, die kürzlich das Museum in Bilbo mit roter Farbe verziert haben. Nicht als Teil einer ganz besonderen Performance, wie sie in der Kunstanstalt häufig zu sehen sind, sondern als Ausdruck von Protest gegen die versuchte Zerstörung des Biosphären-Reservats.

Anstatt einer Danksagung für die kostenlose Kreativ-Einlage nahm der Sicherheitsdienst des Museums die freischweifenden Künstler fest, um sie der baskischen Ertzaintza-Polizei zu übergeben. Die Aktivisten hatten am Eingang des Museums einen Feuerlöscher mit roter Farbe entleert. Damit hat der Trend, durch Angriffe auf Kunstwerke auf den Klimawandel aufmerksam zu machen, auch Bilbao erreicht. In diesem Fall wurde allerdings nicht die Kunst selbst in Mitleidenschaft gezogen, sondern die Hülle, um gegen die geplante Erweiterung der Kunstgalerie im Urdaibai-Gebiet zu protestieren. Der Sicherheitsdienst des Museums tat, wofür er bezahlt wird, handelte schnell und hielt die Aktivisten bis zum Eintreffen der Ertzaintza fest. Nachdem sie identifiziert worden waren, wurden sie wegen einer geringfügigen Straftat angeklagt. Die Kunstgalerie wird jedoch zusätzlich Anzeige erstatten.

Der Vorfall ereignete sich gegen 15.00 Uhr, als sich zwei Personen der Tür des Bilbo-Museums näherten und einen roten Farblöscher am Eingang entleerten. Nach Angaben des Museums schloss das Sicherheitspersonal des Museums gemäß den Vorschriften den Eingang für einige Minuten, während die Aktivisten festgehalten wurden. Die Ertzaintza (baskische Polizei) rückte an. In der Zwischenzeit räumten die Mitarbeiter des Guggenheim die Reste der Performance schnell weg.

In ihren sozialen Netzwerken rechtfertigten die Umweltschützer die Aktion und brachten ihre Ablehnung des Baus eines neuen Museums im Biosphären-Reservat Urdabai zum Ausdruck sowie die Verantwortung der Institutionen für den Klimanotstand. Die Aktivisten erklärten, "in einem Kontext der Klimakatastrophe weiterhin städtebaulichen Größenwahn über den Schutz der biologischen Vielfalt zu stellen“, führe ins Klimachaos.

Die Leitung des Guggenheim-Bilbao hat erklärt, dass es auf diese Art von Protesten "vorbereitet" sei. "Wir werden immer dafür sorgen, dass der Besuch optimal verläuft", versicherte man in der Kunstgalerie, in der sich das Bewusstsein durchgesetzt hat, dass Kunstwerke gelegentlich angegriffen werden. Die letzte derartige Aktion fand am 4. Februar im Louvre-Museum statt, als zwei Frauen Suppendosen auf die Mona Lisa warfen, die durch Glas geschützt war. Obwohl das Guggenheim-Museum Bilbao in seiner 27-jährigen Geschichte noch nie mit solchen Aktionen beglückt wurde. Zur Eröffnung, das ist noch in Erinnerung, seilten sich 1997 fünf Greenpeace-Aktivisten an der angrenzenden La-Salve-Brücke ab, um den Schutz der Ozeane zu fordern, sie nutzten dabei die auffällige Kunstgalerie als Kulisse.

(2024-03-01)

KORRIKA 2024

kolu53x01Kaum zu glauben, dass es schon zwei Jahre her ist: in 14 Tagen beginnt schon die nächste KORRIKA, konkret am 14. März, einem Donnerstag, startet der Solidaritätslauf für die baskische Sprache Euskara. Die KORRIKA wird an der Grenze in Irun (Gipuzkoa) beginnen und 10 Tage später enden. Weil das finale regelmäßig die Provinz wechselt, endete sie in diesem Jahr in Baiona (Iparralde).

Die Koordination für baskische Sprache und Alphabetisierung AEK hat kürzlich die vollständige Route der 23. Ausgabe der Korrika vorgestellt. Die wichtigste Neuerung des Tag-und-Nacht-Laufes ist die Einrichtung einer neuen App, gegenüber dem letzten Jahr deutlich verbessert, damit kann die gesamte Route abgerufen werden. Diese 23. Ausgabe steht unter dem Motto “Harro Herri“, um "den Stolz der baskisch-sprachigen Gemeinschaft auf die baskische Sprache" zu demonstrieren. Sie bietet sowohl den Teilnehmer*innen als auch den Zuschauer*innen eine im Vergleich zum Vorjahr vollständig aktualisierte Anwendung mit neuen Rubriken, wie der virtuellen Karte Laguntzaile (Helfer). Die KORRIKA-App enthält auch die wöchentlichen Verlosungen unter den Korrika-Unterstützer*innen sowie die Gewinner*innen der einzelnen Ziehungen.

Über diese Anwendung kann die Strecke eingesehen und nach dem Start der KORRIKA vor Ort verfolgt werden: Dank der Geolokalisierung des Begleitfahrzeugs können die Nutzer*innen der Anwendung jederzeit sehen, wo sich die Spitze des Laufes gerade befindet. In diesem Zusammenhang verfügt die Anwendung auch über eine moderne Suchmaschine, mit der der Standort eines Dorfes, einer Region oder eines bestimmten Kilometers ermittelt werden kann.

Schließlich informiert die App durch Benachrichtigungen über die wichtigsten kommunikativen Meilensteine rund um KORRIKA, wie z.B. die Präsentation, das Lied oder die Strecke. Die Anwendung ist sowohl für IOS- als auch für Android-Betriebssysteme verfügbar und informiert über alle Zwischenfälle, die während des Rennens auftreten können.

Ehrungen

Besonders geehrt wird in diesem Jahr das Kollektiv Azterketak Euskaraz (Prüfungen auf Baskisch), das sich aus jungen Menschen zusammensetzt, die sich in Iparralde gegen die restriktiven Sprachgesetze des französischen Staates wehren und das Recht fordern, die Baxoa- und Brebeta-Prüfungen (eine Art von Abitur) in Euskara abzulegen.

AEK, die Veranstalterin des Laufes, hat die Details der Strecke für die diesjährige Ausgabe veröffentlicht, sie wird 2.700 Kilometer lang sein. Diese einzelnen 2.700 Kilometer werden zu einem Solidaritätspreis verkauft, die Käufer*innen tragen dann auf “ihrem Kilometer“ das Staffelholz mit der geheimen Botschaft, die am Ende der KORRIKA verlesen wird. Die Kilometer können ab dem 1. Februar erworben werden. Der Tradition folgend beginnt die Korrika in der gleichen Gegend, in der die vorherige Ausgabe endete, in diesem Fall in Gipuzkoa.

ABBILDUNGEN:

(*) Tagespresse

(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-03-01)

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