San Fermines
Tödliche Geschichten

Der Juli beginnt mit dem Ende der Sklaverei in niederländischen Kolonien, dem Tod Bakunins, der Entdeckung von Machu Picchu, der Auflösung des Warschauer Pakts und Arafats Rückkehr nach Palästina. Alles am 1. Juli, verteilt auf 131 Jahre. Und im Baskenland? Beginnt die Fiesta-Saison. Mit den toten Stieren der San Fermines in Iruñea, gefolgt von der Kommerz-Fiesta von Baiona. Wir erinnern an: die Schließung von EGIN, Basterretxeas Tod, Vergewaltigungen in Pamplona, den Mord an German Rodriguez.

Juli, uztaila, uzta: Das Dagelassene, das Zurückgebliebene – die Ernte. Das Sammeln der mit Hilfe von Pflanzen erzeugten Lebensmittel von den Feldern zum Zeitpunkt ihrer Reife. Uztaila, der Monat der Ernte.

(2026-07-28)

ANTIFA-PROZESS GEPLATZT

Das Landgericht von Bizkaia hat das Verfahren gegen eine der Personen eingestellt, gegen die wegen der Vorfälle bei einer Veranstaltung der faschistischen VOX-Partei in Santurtzi im Jahr 2020 ermittelt wurde. Das Gericht ist der Ansicht, die Aussage sei außerhalb der gesetzlichen Ermittlungsfrist aufgenommen worden und deshalb ungültig. Folge ist die Einstellung des Verfahrens. Ein Untersuchungsgericht von Barakaldo hatte wegen der angeblichen Beteiligung an den Vorfällen vom 3. September 2020 ermittelt, im Zusammenhang mit der Aufstellung eines Informations-Standes von VOX im Zentralpark von Santurtzi, in Anwesenheit von Javier Ortega Smith, dem damaligen Generalsekretär der spanischen rechtsextremen Partei.

Grund für die Einstellung ist, dass die von Rechtsanwalt O.S. vertretene Mandantin erst am 10. Mai 2022, ein Jahr und sieben Monate nach Einleitung der Ermittlungen als Verdächtige aussagte. Dies stellt eine Verletzung des Rechts auf Verteidigung dar. „Die Einbeziehung meiner Mandantin in das Verfahren erfolgte gegen die Fristen durch eine späte Vorladung zur Aussage. Das Ermittlungsverfahren lief vollständig hinter ihrem Rücken“, betonte die Verteidigung in ihren Ausführungen vor dem Gericht. Das Gesetz legt die maximale Frist für die Durchführung eines Ermittlungsverfahrens wie dieses auf 12 Monate fest, wobei die untersuchten Sachverhalte Straftaten wie Störung der öffentlichen Ordnung, Anschlag, Sachbeschädigung und Körperverletzung darstellen können. Die gesetzliche Frist für diesen Fall lief am 21. September 2021 ab, und erst mit dem Beschluss vom 4. April 2022 wurde die Vernehmung angeordnet. Eine mögliche Frist-Verlängerung wurde nie beschlossen. Trotz des Widerspruchs der Staatsanwaltschaft und der von VOX vertretenen Privatklage gibt die Kammer der Verteidigung Recht und stellt das Verfahren ein. Es bleibt abzuwarten, ob eines der Verfahren gegen andere Personen, gegen die wegen dieser Vorfälle ermittelt wird, ebenfalls eingestellt wird. (naiz-baskultur)

(2026-07-28)

DIE FASCHISTEN-INSCHRIFT

Die von der rechten PP-Partei geführte Stadtverwaltung von Mañueta (Provinz Araba, Rioja Alavesa) hat angekündigt, dass sie die franquistische Inschrift „Caídos por Dios y por España“ (Gefallene für Gott und Spanien), die am Rathaus prangt, „verdecken“ werde, sie jedoch nicht entfernen werde, trotz der Aufforderung der Direktion für Demokratisches Gedenken. Die postfranquistische Partei begründet dies damit, dass eine Entfernung „Schäden verursachen“ könnte. Die Generaldirektion zur Förderung der Demokratischen Erinnerung (DGPMD) hatte die Inschrift in den Katalog der Symbole und Elemente aufgenommen, die „im Widerspruch zur demokratischen Erinnerung“ stehen, und dem Stadtrat daher eine Frist von drei Monaten gesetzt, diese zu entfernen.

Es handelt sich um eine Inschrift in Stein mit dem franquistischen Motto „Gefallene für Gott und Spanien“, die sich über einem Fenster befindet. Die DGPMD kam zu dem Schluss, dass das Element „eine Verherrlichung des Militärputsches und der Franco-Diktatur darstellt“. Sie argumentiert, dass keine schützenswerten künstlerischen oder architektonischen Gründe vorliegen, die den Erhalt rechtfertigen würden, und bekräftigt, dass „die Inschrift entfernt oder unleserlich gemacht werden kann, ohne die Stabilität des Gebäudes zu beeinträchtigen“. Dies bestätigte die Delegierte der spanischen Regierung in der Region Baskenland. Der Beschluss sei „nach einem langen Verfahren zustande gekommen, in dem die verschiedenen Einsprüche der Stadtverwaltung geprüft wurden, mit denen versucht wurde, die Entfernung der Inschrift zu verhindern“. „Es ist ein Akt der historischen Gerechtigkeit, der demokratischen Erinnerung und der Anerkennung der Menschen, die unter der Repression Francos litten, weil sie die Werte der Freiheit und der Demokratie verteidigten“.

Danach hat die PP angekündigt, dass sie „die Gedenktafel abdecken“ werde, innerhalb der festgelegten Frist von drei Monaten. Diese Lösung sei „nach Einholung des fachlichen Gutachtens eines Architekten“ gewählt worden. Laut dem von der PP angeführten technischen Gutachten könnte die vollständige Entfernung der Gedenktafel „die Struktur des Gebäudes beeinträchtigen und Risse oder andere Schäden am Gebäude verursachen, weshalb die geeignetste Option darin besteht, sie abzudecken, ohne die Fassade zu beschädigen“.

Der Bürgermeister von der Partido Popular, in der sich nach der Diktatur alte Franquisten sammelten, geht nicht davon aus, dass es sich um ein franquistisches Symbol handele. In einem Interview sagte er, es sei „ein Stein, der niemanden stört“. Opfer des Franquismus sind also „niemand“. Die faschistische Inschrift nur abzudecken, anstatt sie zu entfernen, hat für die PP sicher auch den Vorteil, dass sie jederzeit wieder aufgedeckt werden kann, wenn die politischen Umstände es zulassen. Dies könnte eintreten, wenn es im kommenden Jahr zu einem Regierungswechsel kommt und die PP gemeinsam mit der Faschistenpartei VOX die Regierung übernimmt. Als eine der ersten Maßnahmen wurde versprochen, die Memoria-Gesetze zu annullieren. Dies wurde in anderen Regionen wie Kantabrien bereits praktiziert. Ohne Gesetz kein Verbot von faschistischen Slogans, also könnte die Abdeckung wieder abgenommen werden. Die Partei hat sich nie von ihrer faschistischen Vergangenheit distanziert. (naiz-baskultur)

(2026-07-27)

DIE PAELLA-BRONX VON ALGORTA

Der Wanderweg vom Stadtteil Bidezabal zur Küstenecke von Punta Galea, vorbei an der alten Windmühle Aixerrota ist normalerweise nur am Wochenende gut besucht, sonst ist es ein ruhiger Ort mit perfektem Blick auf das ehemalige Bergbau-Gebiet von Arboleda. Nur einmal im Jahr ist dort die Hölle los. Im wahrsten Sinne. Ein Paella-Wettbewerb macht der Stadtverwaltung seit Jahren Kopfzerbrechen. Dabei treffen sich viele aus ganz Bizkaia, um auf mitgebrachten Gaskochern eine Paella zu fabrizieren. Eigentlich eine der üblichen netten Gewohnheiten im Baskenland – im Freien und gemeinsam kochen - wenn da nicht 30.00 Personen auflaufen würden. Richtig: dreißigtausend, ein Stadion voll. Ein Teil davon macht richtig Dreck und Müll. Ungebremst und grenzenlos. Die Rechnung zahlt die stadt Getxo, die Reinigungsteams schätzen, dass sie 5 Tage unter Hochdruck brauchen, bis das Gelände wieder Naherholungs-würdig ist. Müllsäcke, Dosenreste, Flaschen-Bruchstücke, Markisen, Bretter und mehrere Badewannen sowie einige Autositze. Die Spuren des Paella-Wettbewerbs, an dem jedes Mal rund 30.000 Menschen teilnehmen – diesmal aufgrund des schlechten Wetters etwas weniger – waren auf den Feldern von Aixerrota in Getxo deutlich zu sehen. Jahr für Jahr wiederholt sich das gleiche widerliche Bild. Während der Wettbewerbs-Bereich fast makellos war, hatte sich der als „Bronx“ bekannte Ort in eine wilde Müllhalde verwandelt. Dort findet ein Parallel-Fest statt, das nichts mit dem Wettbewerb zu tun hat, dort versammeln sich vor allem Jüngere, es herrscht ein wildes Trinken. Jahr für Jahr ist der Ort am Morgen verwüstet, was Kritik seitens der Anwohner hervorruft. In diesem Jahr hat die Stadtverwaltung neben dem Kiefernwald-Gebiet weitere 2,4 Hektar als Schutzgebiet ausgewiesen, um einen Vorwand zur Nicht-Nutzung zu haben.

Am Vormittag haben die eingesetzten Arbeiter eine gründliche Säuberungsaktion durchgeführt. Gegen Mittag war das Festgelände praktisch aufgeräumt. Nur die Txosna der Organisation und die Bühne standen noch. Von den Markisen war keine Spur mehr zu sehen, auf dem Boden lag kein Müll. Die LKWs des Reinigungsdienstes fuhren ununterbrochen über das Gelände, nur Dutzende von Möwen, angezogen von den Essensresten, „lagerten“ dort. Der reguläre Dienst der Stadtverwaltung wurde für diese Feierlichkeiten verstärkt. Insgesamt werden 35 Personen in den nächsten Tagen im Schmutz-Bereich im Einsatz sein. „Wir haben noch mindestens eine Woche Arbeit vor uns“, stellten einige der Mitarbeiter fest. Die Abfallsammlung erfolgt selektiv, und die verschiedenen Abfälle werden bereits an der Quelle getrennt, um später recycelt zu werden. Sobald der gesamte Müll beseitigt ist, wird ein Bagger vor Ort die Überreste der Stände abreißen. Zwei große Lkw mit Kran werden die Paletten abtransportieren. Da die Jugendlichen die beim Aufbau der Stände verwendeten Materialien vor Ort zurücklassen, streiften gestern mehrere Personen durch das Gelände, um zu sehen, ob sich etwas wiederverwenden ließe. Ein Paar nahm eine Markise mit, andere Bambusplatten. Eine andere Gruppe durchsuchte das Gelände gründlich nach „interessanten“ Fundstücken. Die Regel, den Platz so zu hinterlassen, wie er angetroffen wurde, gilt hier nicht. Die Stadt findet keinen Weg gegen die brutale Sauerei zwischen Friedhof und Schutzgebiet, um die hemmungslose Umwelt-Verschmutzung zu stoppen und ein Zeichen zu setzen gegen diese Unkultur, die jeden Versuch, die Gesellschaft für das Müllproblem zu sensibilisieren, lächerlich erscheinen lässt. (ec-baskultur)

(2026-07-27)

PYRENÄEN-GLETSCHER

Es gab Zeiten, als die Gletscher der Pyrenäen noch 80 Kilometer lang waren. „Siehst du diesen hellbraunen Bereich?“, fragt Eñaut Izagirre und zeigt in Richtung Petit Vignemale, einer Art kleinerem Bruder des Vignemale, in dem Bereich, wo man nach links abbiegt, um zum Ossoue-Gletscher zu gelangen. „Diese Moräne – die von der Gletscherzunge mitgerissenen Gesteinsbrocken – markiert die Ausdehnung und Höhe, die der Gletscher in seiner Blütezeit während der Kleinen Eiszeit erreichte“, fügt der baskische Geograf hinzu. Damals lagen die Temperaturen zwischen 1 und 2 Grad unter den heutigen Werten. Viel früher, vor 40.000 Jahren, bei 6 oder 7 Grad niedrigeren Temperaturen, hatten diese Eismassen kolossale Ausmaße mit „maximalen Dicken von 800 Metern und Zungen von bis zu 80 Kilometern Länge. Das sind die Ausmaße, die heute die Gletscher im Himalaya oder die Eisfelder in Patagonien haben“.

Heute beträgt die maximale Dicke in Ossoue 35 Meter, an manchen Stellen nur noch einen Meter. Das Gespräch findet am Staudamm von Ossoue statt, im gleichnamigen Tal, das nur einen Steinwurf von Gavarnie entfernt liegt. Nachdem wir in Schlafsäcken übernachtet und die gesamte Ausrüstung, die wir hinauftragen müssen, auf die Rucksäcke verteilt haben, brechen wir um 5:30 Uhr auf. Wir gehen am linken Ufer des Stausees entlang, um tief ins Innere des Tals vorzudringen. Dieses Tal entstand, wie auch die Täler von Ordesa oder Pineta, durch das Zusammenwirken der Flüsse und der damals riesigen Gletscher.

DIE OBSESSION DES GRAFEN RUSSELL

„Die Pyrenäen entstanden vor 85 bis 25 Millionen Jahren, als die iberische Mikroplatte mit der eurasischen kollidierte, doch ein großer Teil des Materials, aus dem sie sich gebildet haben, ist älter und stammt aus der Zeit vor 300 bis 100 Millionen Jahren“, erklärt Izagirre. „Zu dieser Zeit entstanden auch die Alpen, der Himalaya und die Anden. Das nennt man alpine Orogenese“, fügt er hinzu. Gerade als das GPS der Uhr eine Höhe von 3.000 Metern anzeigt, betreten wir den Gletscher. An den Felsen lässt sich erkennen, in welche Richtung sich das Eis in der Vergangenheit ausbreitete, und man sieht sehr eigentümliche, wellenförmige Strukturen. „Man nennt sie ‚Aborregadas‘.“ Im Hintergrund, rechts, befindet sich ein weiterer der offensichtlichsten Beweise für einen unaufhaltsamen Rückzug.

Neben dem Cerbillonar-Pass sind drei Höhlen zu erkennen, deren Ausgrabung Graf Henry Russell Ende des 19. Jahrhunderts in Auftrag gab – ein französischer Aristokrat und Bergsteiger, der die Welt bereiste, um Berge zu besteigen, sich jedoch so sehr vom Vignemale faszinieren ließ, dass er ihn 33 Mal bestieg. Es heißt, er habe auf dem Gipfel einen Steinhaufen aufgeschichtet, um ihn um zwei Meter zu erhöhen, sodass er 3.300 Meter erreichte. Seine Absicht war es, dass die Höhlen Bergsteigern in Not als Zuflucht dienen sollten. Er ließ eine weitere Höhle nur wenige Meter vom Gipfel entfernt anlegen und drei weitere auf dem Weg zur heutigen Baysellance-Hütte. Damals waren die ersten Höhlen noch direkt von der Gletscheroberfläche aus zugänglich; 140 Jahre später trennen sie etwa 50 Meter vom Gletscher, was den Zugang aufgrund des unaufhaltsamen Schwunds des Eises unmöglich macht. „Es ist bekannt, dass der Gletscher des Monte Perdido Eis enthält, das vor 2.000 Jahren entstanden ist. Das Eis, das jetzt schmilzt, ist über 600 Jahre alt, da das jüngere bereits verschwunden ist. In Ossoue wurde diese Untersuchung zwar noch nicht durchgeführt, aber es könnte sich dort etwas Ähnliches abspielen“, vermutet Izagirre. (elcorreo-baskultur)

(2026-07-26)

EUSKAL HERRIA ANTIFAXISTA

Die Sanfermin-Fiestas von Pamplona sind schon zehn Tage vorbei. Zeit für einen Nachruf, der deutlich macht, dass nicht nur Stiere getrieben und getötet wurden, sondern auch ANTIFASCHISMUS ein Thema war. Am letzten Tag trug eine antifaschistische „Kalejira“-Demo den Ruf „Independentzia“ bis zur Stierkampfarena von Iruñea. Ikurriñas, eine Flagge von Nafarroa und Parolen für die Unabhängigkeit und die offizielle Anerkennung von baskischen Auswahlteams. So verlief der unter dem Motto „Euskal Herria Antifaxista“ organisierte Straßenumzug, der am letzten Tag der Sanfermines durch die Straßen von Alde Zaharra führte, von der Estafeta bis zur Stierkampfarena. An der Spitze des Umzugs wurde eine große Ikurriña mit dem Slogan „Euskal Herriak erabaki“ entfaltet (erabaki = entscheiden), zusammen mit einer Flagge von Nafarroa und zahlreichen kleineren Ikurriñas mit demselben Text, die unter den Teilnehmern verteilt waren.

Der Aufruf, der spontan über die sozialen Netzwerke verbreitet wurde, forderte dazu auf, „auf die Welle des reaktionären Spaniertums“ zu reagieren und zu zeigen, dass „hier ein Volk im Aufbruch ist“. „Wir wollen weder Spanien noch Frankreich, sondenr ein antifaschistisches Euskal Herria. Sie werden nicht durchkommen“, lautete die Botschaft in Anspielung auf die WM-Spiele der spanischen Auswahl. Der Marsch fand an einem Tag statt, an dem ein Teil der spanisch-nationalistischen Fans dazu aufgerufen hatte, mit spanischen Flaggen zur Stierkampfarena zu kommen, nachdem Tage zuvor ein Transparent gegen die spanische Auswahl Buhrufe und gegensätzliche Gesänge auf den Tribünen ausgelöst hatte. In der Stierkampfarena entfalteten viele der Besucher im Schattenbereich spanische Flaggen, während im Sonnenbereich Dutzende von Ikurriñas und Flaggen von Nafarroa auffielen. Dort fielen auch Transparente auf, auf denen zu lesen war: „Junge Arbeiter gegen spanischen Nationalismus und französischen Chauvinismus“ und „Das Baskenland ist antifaschistisch – sie werden nicht durchkommen“.

PARTIZIPATIVE“ FESTE, ZWEI VERGEWALTIGUNGEN

Die Sanfermines 2026 endeten wie immer mit dem traditionellen „Pobre de Mí“, eine Massen-Veranstaltung, die den Abschluss einer Festwoche bildete, die der Bürgermeister von Iruñea, Joseba Asiron, als „ruhig und partizipativ“ bezeichnete, obwohl er bedauerte, dass es zu zwei Vergewaltigungen gekommen sei. Ruig und Vergewaltigungen stellen einen Antagonismus dar, der schwer erklärbar ist. Obwohl alle Parteien auf den Balkonen des Rathauses anwesend waren, waren es Kenia Cordero Rus von der Plattform der Frauen gegen sexistische Gewalt und Pablo Ganuza Nuñez vom Chor „Santiago de la Txantrea“, die die traditionelle Formel wiederholten, mit der die Sanfermines 2026 beendet wurden. In einer Stellungnahme gegenüber den Medien wies er darauf hin, dass es „relativ ruhige“ Sanfermines gewesen seien, mit „sehr hoher Beteiligung“ an allen Veranstaltungen, weniger Anzeigen und mehr Festnahmen – eine positive Bilanz, in der jedoch zwei angezeigte sexistischen Übergriffe herausragen, und 22 Anzeigen wegen sexueller Belästigung.

Weniger Anzeigen und mehr Festnahmen: Was die registrierten Straftaten angeht, so handelte es sich wie üblich um Kleindiebstähle. „Die Zahl der Anzeigen ist zurückgegangen, während die Zahl der Festnahmen gestiegen ist, was einmal mehr die Effizienz der Stadtpolizei und der übrigen Polizeikräfte während der San-Fermín-Feierlichkeiten unterstreicht“, betonte Asiron. Im Bereich der Kriminalität bedauerte er „einen Aspekt, bei dem es noch viel zu tun gibt“: die registrierten sexistischen Übergriffe. „Vorläufig können wir sagen, dass es 25 Anzeigen gab“, 22 davon wegen sexueller Belästigung, die in 80% der Fälle zu Festnahmen führten. Daneben zwei Vergewaltigungen, wie aus Daten der Zivilschutzbehörde hervorgeht. Die Fraktion Geroa Bai hob den „Schandfleck“ hervor, den sexistische Übergriffe bei den Fiestas darstellen. „Solange Frauen die Feste nicht frei genießen können, solange es auch nur einen einzigen sexistischen Übergriff gibt, werden es keine Feste sein, mit denen alle zufrieden sein können.“ (naiz-baskultur)

(2026-07-25)

RÜCKSCHLAG FÜR DIE WM-BEWERBUNG

„Ein herber Rückschlag für das Image von Bilbao, das sich um die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2030 bewirbt“, titelt die baskische Rechtspresse und findet auch gleich einen Schuldigen: „Die Apathie der Institutionen, das Fortbestehen gewalttätiger Gruppen und das Fehlen polizeilicher Einsätze in Gebieten mit offensichtlichem Risiko wirken sich negativ auf die Stadt aus.“ Hintergrund der rechten Besorgnis ist, dass weder die WM 2030 noch die spanische Auswahl, die eben den größtmöglichen Titel gewonnen hat, im Baskenland besonders beliebt wären. Damit könnten die Chance, bei der nächsten WM Austragungsort zu werden, gesunken sein. Nicht wenige wären froh darüber.

Zunächst weiter im Diskurs der spanischen Rechten: „Das Image von Bilbao, das sich um die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2030 bewirbt, hat nach all den Ereignissen rund um das Finale der Weltmeisterschaft 2026 nicht gut abgeschnitten. Zunächst war da die mangelnde Bereitschaft der Institutionen, sich der Herausforderung zu stellen. Dann, am Tag des Spiels, das Wiederauftauchen dunkler gesellschaftlicher Überbleibsel in Form gewalttätiger Gruppen. Und schließlich die Unfähigkeit der Polizei, Zwischenfälle an den brisantesten Orten zu verhindern, an denen es mehr als absehbar war, dass es zu Ausschreitungen kommen würde.“ Von der anderen Seite ist wie immer nicht die Rede: von den Provokation spanischer Ultra-Fans, von der Präsenz faschistischer Medien, von Militärs im Trikot faschistischer Organisationen, von Hitler-Grüßen und mehr. Stattdessen wird mehr Polizei-Brutalität eingefordert, dabei haben die Schlägertrupps der Ertzaintza alle Hände voll zu tun, friedliche Fiestas aufzumischen (Bericht gestern bei Baskultur.info).

„Bereits im Halbfinale gegen Frankreich war in der Stadt und im Baskenland insgesamt ein Interesse an der spanischen Nationalmannschaft zu spüren, das intensiver und ungehemmter war als das, was die baskische Gesellschaft historisch gesehen bisher gezeigt hatte. Man sah mehr Trikots. Die Stadtverwaltungen von Donostia und Vitoria beschlossen, Großbildschirme im öffentlichen Raum aufzustellen, um dieser beispiellosen Begeisterung einen Ausdruck zu verleihen. Sogar Pamplona tat es ihnen gleich.“ Beispiellose Begeisterung, heißt es da – keine Übertreibung könnte extremer ausfallen. Tatsächlich haben viele baskischen Fans ein Problem damit, dass in den Reihen der „Roja“-Auswahl gleich sechs Basken spielen. Und wer wollte es den Kleinen verwehren, wenn sie von ihren Eltern das Trikot von Idolen wie Nico Williams erbitten. Auch das kratzt nicht an einer großen Mehrheit mit anderen Vorstellungen: eine eigene baskische Fußball-Auswahl.

Dass Bilbao „die einzige baskische Hauptstadt war, die sich gegen die Aufstellung von Großbildschirmen aussprach“, ist in den Augen der Españolistas eine Todsünde, denn beim Finale war Nationalismus Pflicht. Bürgermeister, Juan Mari Aburto, führte zurecht als Argument an, dass die Förderung solcher Installationen nie zuvor stattgefunden habe, und versicherte, dass es dafür keine relevante Nachfrage gebe. „Zudem erteilte die Stadtverwaltung der (rechten) PP die Genehmigung, eine Großbildleinwand aufzustellen, was indirekt dazu führte, dass die Identifikation einer Sportfan-Gruppe mit einer politischen Richtung begünstigt wurde“. Dieses Feststellung ist ein peinliches Eigentor. Denn ohne es zu wollen, trifft sie den Nagel auf den Kopf: niemand außer spanischen Kräften identifiziert sich mit der roten Auswahl. „Mit allem, was dies an Stigmatisierung mit sich bringt“ – diese Leute stigmatisieren sich selbst, indem sie jegliche abweichende Anhängerschaft verteufeln. Wenn es nach diesen beschränkten Idioten gegangen wäre, hätte im November 2025 niemals ein Freundschaftsspiel Euskadi Palästina stattgefunden, zu dem mehr als 50.000 Solidarische und Internationalist*innen kamen. In den Reihen der Selbst-Stigmatisierer wird lieber die israelische Völkermord-Flagge hochgehalten.

Die folgende Feststellung klingt nach Hochverrat: „Parallel dazu machten sowohl in Bilbao als auch im übrigen Baskenland die baskische Regierung und die Baskische Nationalistische Partei ihre Gleichgültigkeit und ihr Desinteresse gegenüber der Nationalauswahl deutlich, in der praktisch alle baskischen Fußballer spielten, die bei der Weltmeisterschaft dabei waren“ – sie spielen dort, weil ihnen die Alternative verboten wird. Es sei „widersprüchlich, Gastgeber einer Fußball-WM sein zu wollen, bei der man sich weder mit dem Gastgeberland noch mit dem Gastgeber-Team identifiziert“ – ein weiterer Fehlschuss der rechten Schreiberlinge. Denn die baskischen Behörden haben die Bewerbung nicht aus patriotischer Gefühlsduselei gestartet, sondern um kräftig Geld zu machen. Erst als die diktatorischen Details der FIFA bekannt wurden, haben die Behörden einen halben Schritt zurück gemacht. Von spanischer Begeisterung keine Spur.

„Ausbrüche von Gewalt schaden dem Image von Bilbao“. Das mag sein, ein Führergruß und das Hissen der Franco-Fahne sind sicher eine viel bessere Werbung. „All dies trübt das Image der großen baskischen Stadt im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2030.“ Von dieser Stelle aus bleibt zu hoffen, dass es noch viele diese „Image-schädigenden“ Argumente und Vorfälle gibt und dass am Ende die WM dort stattfindet, wo sie hingehört und wo niemand Widerspruch erhebt: in Spanien, und nicht im Baskenland und nicht in Katalonien. (baskultur)

(2026-07-24)

STRAF-STEUER FÜR LEERSTAND

Um den Notstand auf dem Markt für Mietwohnungen zu reduzieren, hat das Rathaus von Bilbao Strafsteuern eingeführt. Denn während Zehntausende auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung sind, stehen in der Stadt an die 10.000 Wohnungen leer. Mit der Erhöhung der Grundsteuer sollen die Eigentümer „überredet“ werden, ihre Immobilien anzubieten. Bisher hatte die Maßnahme wenig Erfolg. Wer darauf verzichtet, mit seiner Wohnung etwas Mietgeld zu verdienen, dem ist es auch egal wenn die Grundsteuer erhöht wird. Ganz nebenbei spült die Maßnahme Geld in die Stadtkassen, das selbstverständlich nicht zur Abhilfe des Problems eingesetzt wird.

Die Stadtverwaltung von Bilbao rechnet durch den Aufschlag auf die Grundsteuer für 8.808 leerstehende Wohnungen mit Einnahmen in Höhe von 1,5 Millionen. In den Steuerverordnungen von Bilbao für das Jahr 2027 sind Maßnahmen vorgesehen, durch die die kommunalen Einnahmen gesteigert werden. Die erste betrifft die Grundsteuer (IBI), der Zuschlag für leerstehende Wohnungen steigt von 25% auf 75%. Im laufenden Haushaltsjahr betraf dieser Zuschlag 8.808 Wohnungen; der Einzel-Betrag wird sich von derzeit 59 Euro auf das Dreifache, nämlich 179,14 Euro, erhöhen. Das heißt, bei einem durchschnittlichen IBI-Bescheid von 238 Euro erhöht sich der Betrag um 75%, sodass insgesamt 417 Euro zu zahlen sind. Durch diese Änderung werden die kommunalen Einnahmen von 525.000 Euro auf 1,57 Millionen Euro steigen. Eine andere Frage ist, ob die Maßnahme dazu führt, dass ein Teil dieses Bestands an ungenutzten Wohnungen auf den Markt kommt.

Außerdem werden für Wohnungen, die in öffentliche Mietprogramme wie „Bizigune“ aufgenommen werden, die Steuervergünstigungen erhöht. Ziel ist auch hier, das Angebot an Wohnungen auf dem sozialen Wohnungsmarkt zu vergrößern. Bislang beträgt die geltende Steuerermäßigung 50% und wird auf 75% angehoben. Im laufenden Geschäftsjahr profitieren 1.122 Wohnungen davon, wobei die durchschnittliche Ermäßigung von 62 Euro auf 93 Euro steigen wird. (elcorreo-baskultur)

(2026-07-24)

GEWALTTÄTIGER POLIZEI-EINSATZ BEI FIESTA

Die linke Koalition EH Bildu hat den Innensenator der baskischen Regierung zu einer Erklärung zum Vorgehen der Ertzaintza-Polizei bei den Feierlichkeiten im Hafen von Donostia aufgefordert, bei denen vier Personen verletzt und in die Notaufnahme gebracht wurden. Der Abgeordnete Gorka Ortiz bezeichnet den Polizeieinsatz als „unverhältnismäßig“. In der Initiative fragt der Abgeordnete Gorka Ortiz den Senator, ob es seiner Meinung nach „verhältnismäßig“ war, dass die Beamten mit Schlägen und gewalttätigem Auftreten in das Festgelände eindrangen, „ohne die Anweisungen der für die Sicherheit in diesem Bereich Verantwortlichen zu beachten“ und dadurch zu verursachen, dass vier Personen aufgrund der heftigen Schläge durch die Polizisten in der Notaufnahme behandelt werden mussten. Ortiz fordert den politischen Verantwortlichen der Ertzaintza auf, zu klären, was den Anlass für dieses gewalttätige Vorgehen gab, „und vor allem zu erklären, warum die Beamten das Gelände der Txosnas betraten und warum sie ein solches Maß an Gewalt anwendeten“, obwohl Mitglieder des Festkomitees versuchten, die Situation zu beruhigen. (Bilder der Verletzungen, die mehrere Personen durch das Vorgehen der Polizei erlitten haben. / naiz)

Es ist anzumerken, dass diese traditionellen Feste völlig normal verliefen, bis es am Sonntagabend, dem letzten Festtag, zu dem Einsatz der Regionalpolizei kam, nach dem die offizielle baskische Linke im Parlament von Gasteiz nun fragt. „Die Ertzainas schenkten den Worten derjenigen, die zu diesem Zeitpunkt für die Sicherheit auf dem Festgelände zuständig waren, keine Beachtung, obwohl diese sich ordnungsgemäß ausgewiesen und an sie gewandt hatten. Warum wurden sie ignoriert? Warum diese brutale Gewalt?“. Für den Abgeordneten von EH Bildu war „das Eingreifen der Ertzaintza unverhältnismäßig, und Fälle wie dieser machen erneut deutlich, dass wir ein anderes Polizeimodell brauchen, das auf Bürgernähe basiert und Vertrauen bei den Bürgern schafft“. (naiz-baskultur)

(2026-07-23)

DIE VERTEIDIGER DER REPUBLIK

Donostia würdigt diejenigen republikanischen Widerstandsgruppen, die den faschistischen Militär-Aufstand von Juli 1936 vorübergehend zurückschlugen. Die im Stadtrat vertretenen Fraktionen – PNV, EH Bildu, PSE und Elkarrekin – haben eine offizielle Erklärung unterzeichnet, in der sie daran erinnern, dass sich die Stadt „zur Verteidigung der Demokratie und der republikanischen Rechtsordnung“ positionierte und der vor allem von der anarchistischen CNT organisierte Widerstand die Putschisten dazu zwang, die Kaserne von Loiola zehn Tage später aufgeben mussten. Die reaktionäre postfranquistische PP ist die einzige Partei, die diese Erklärung nicht unterzeichnete, was nicht weiter überrascht, denn die Partei ging indirekt aus weißgewaschenen Franquisten hervor. Die Faschisten-Partei VOX ist nicht im Stadtrat vertreten, sie geht in derartigen Fragen noch über die Haltung der PP hinaus. (Anhänger der Republik im Viertel Alderdi Eder. / Kutxa Fundazioa Fototeka – Fondo Photo Carte – Agustina Zugasti)

In der institutionellen Erklärung wird der Einsatz und die Opfer „aller Menschen, die zur Verteidigung der Demokratie und der republikanischen Rechtsordnung den faschistischen Militärputsch von 1936 besiegten“ hervorgehoben. Es sei daran erinnert, dass nach dem Militärputsch vom 18. Juli in Donostia ein Rat der Behörden gebildet wurde, unter dessen Führung die Putschisten besiegt wurden, die sich schließlich am 28. Juli in der Kaserne von Loiola ergaben. Dieser Sieg war jedoch nur vorübergehend, da die Hauptstadt der Provinz Gipuzkoa nur bis zum 13. September in den Händen der Republik blieb. An diesem Tag marschierten die faschistischen Truppen ein, was eine brutale Repression auslöste, bei der vierhundert Menschen erschossen wurden.

In der verabschiedeten Erklärung verpflichtet sich der Stadtrat, „weiterhin daran zu arbeiten, die Erinnerung an die Geschehnisse wiederherzustellen, aufzubereiten und bekannt zu machen, wobei in jedem Fall das Recht auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für die Opfer des Franco-Regimes gewährleistet wird, um zu verhindern, dass sich solche Ereignisse wiederholen“. Als dritten Punkt würdigt der Stadtrat „die Rolle der politischen Organisationen und Gewerkschaften sowie der Volksmilizen, die sich aus Freiwilligen zusammensetzten und für die Verteidigung von San Sebastián von entscheidender Bedeutung waren“. Damit ist die anarcho-syndikalistische CNT gemeint, die einen wesentlichen Anteil an der Bekämpfung der Faschisten hatte. „Es war ein Erfolg der Bürgerinnen und Bürger unterschiedlicher ideologischer Ausrichtungen, die für Demokratie und die republikanische Rechtsordnung kämpften, und es ist gerecht und notwendig, vor allem für die neuen Generationen, diese Protagonisten anzuerkennen – umso mehr angesichts des derzeitigen Aufschwungs verschiedener Formen des Totalitarismus“, fügt der Text hinzu. (naiz-baskultur)

(2026-07-22)

ARBEITSZEIT-VERKÜRZUNG

Die im Allgemeinen Ausschuss für den öffentlichen Dienst der Autonomen Region Baskenland (CAV) vertretenen Gewerkschaften haben erneut Lohnerhöhungen für das gesamte Personal gefordert – in gleicher Höhe wie für das medizinische Personal – sowie eine Verkürzung der Arbeitszeit. Die Gewerkschaft ELA schlägt eine Wochenarbeitszeit von 32 Stunden vor, LAB hingegen 30. Am Dienstag fand die Sitzung des Allgemeinen Ausschusses statt, der über die Arbeitsbedingungen der 115.000 Beschäftigten der Regierung verhandelt. Bei diesem Treffen hat die Regierung laut ELA die Einführung einer 32-Stunden-Woche abgelehnt, wie sie von der Gewerkschaft gefordert worden war. In einer Erklärung bedauerte die ELA, dass „einmal mehr deutlich geworden ist, dass der Verhandlungsausschuss kein Rahmen für Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen ist, sondern ein Rahmen, in dem sich die baskische Regierung ihrer Zuständigkeit entzieht, über die Arbeitsbedingungen ihrer Beschäftigten zu entscheiden“. (Bild einer Protestaktion von LAB und ELA vor den Büros der Regierung in Bilbao. / Oskar MATXIN EDESA | FOKU)

„Nur so lässt sich verstehen, dass sich die Regierung geweigert hat, über die Vorschläge zu Wochenarbeitszeit, Löhnen, Beschäftigung, Arbeitsschutz, der Verjüngung der Belegschaft oder der baskischen Sprache zu verhandeln“, fügte sie hinzu. Nach Ansicht der Gewerkschaft würde die Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 32 Stunden die Qualität der Dienstleistungen verbessern, Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst schaffen, den Pflegebedürfnissen Vorrang einräumen und die Arbeits- und Lebensbedingungen verbessern. Was die Beschäftigung betrifft, hat die Gewerkschaft vorgeschlagen, die „missbräuchliche Befristung“ – die höchste im gesamten spanischen Staat – rückgängig zu machen. Die Regierung hat die spanische Regierung für die Situation verantwortlich gemacht, „obwohl es in ihrer Hand liegt, die Situation umzukehren, indem sie mit dem spanischen Staat die Abschaffung der Wiederbesetzungs-Quoten vereinbart“.

ELA hat zudem einen Vorschlag zur Wiederherstellung der verlorenen Kaufkraft vorgelegt, genauer gesagt zur Wiedergewinnung des 8-prozentigen Verlusts, den die Beschäftigten der Regionalregierung im Zeitraum 2022–2026 erlitten haben, da sie es für „inakzeptabel“ hält, dass bei einem Überschuss von 810 Millionen Euro der „Prozess der Verarmung der Arbeitnehmer kein Ende nimmt“. Ein Vorschlag, der von der Exekutive abgelehnt wurde. Ihrer Ansicht nach „ist es nicht hinnehmbar, außerhalb der Verhandlungstische mit bestimmten Gewerkschafts-Organisationen (die der Ärtzte) zu verhandeln und dabei die übrigen auszuschließen, noch bestimmten Gewerkschaftskräften die alleinige und ausschließliche Vertretung bestimmter Gruppen zuzugestehen. Zudem handelt es sich um Vereinbarungen, die als Minderheit unterzeichnet werden“, in klarer Anspielung auf die zwischen Osakidetza und der Ärzte-Vertretung SME geschlossene Vereinbarung. Zudem hat die Gewerkschaft den Vorschlag vorgelegt, die Kenntnisse des Baskischen und des Spanischen in allen Bereichen der Verwaltung gleichzustellen. Die Regierung hat darauf geantwortet, dass sie ausreichende Fortbildungs-Ressourcen anbietet und nicht weiß, wie das Gesetz umgesetzt werden soll.

„Seit Jahren schon hat sich die baskische Regierung ihrer Zuständigkeiten entzogen, über die Arbeitsbedingungen der Beamten zu entscheiden und diese wirksam zu verteidigen. Es kommt der baskischen Regierung sehr gelegen, sich lediglich als Mitläufer der in Madrid getroffenen Entscheidungen zu verhalten und sich so ihrer Verantwortung für die Verarmung und Prekarisierung der Beamten der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlandes zu entziehen“, warf die ELA ihr vor. Und sie kündigte an: „Angesichts der Haltung der baskischen Regierung wird die ELA weiterhin Mobilisierungen und Streiks vorantreiben, damit die bei dem Treffen vorgebrachten Forderungen kurzfristig umgesetzt werden und in Euskal Herria entschieden und ausgehandelt wird, welche Art von öffentlichen Dienstleistungen und Arbeitsbedingungen benötigt werden.“

DIE GRENZEN DER SELBSTVERWALTUNG

Die Gewerkschaft LAB hat ihrerseits darauf hingewiesen, dass die Regierung „bei Problemen im Bereich der öffentlichen Dienstleistungen improvisiert und die langfristigen Herausforderungen Madrid überlässt“. „Auf die großen Probleme, die auftreten, wird improvisiert reagiert, je nach Situation und Gruppe für Gruppe. Anstatt die Fragen der öffentlichen Dienste und des Personals strategisch zu analysieren und langfristige Lösungen im Baskenland zu suchen, begnügt man sich damit, die von Madrid auferlegten Maßnahmen umzusetzen“, fügte sie hinzu. „So hat sich bei den heute besprochenen Themen deutlich gezeigt, wie weit die Verteidigung der Selbstverwaltung reicht: In Bezug auf den Entlastungsvertrag wird die Regierung die von Madrid vorgegebenen Kriterien einhalten und vielen Beamten, Angestellten im öffentlichen Dienst und befristet Beschäftigten weiterhin den Zugang verweigern; auch bei den Nachbesetzungsquoten wird sie abwarten, was Madrid entscheidet; ebenso bei den Kriterien zur Senkung der Befristungsquote auf 8%, zu der Europa den spanischen Staat verpflichtet; die Verwaltung zieht es vor, dass Madrid auch über die Kaufkraft des öffentlichen Personals entscheidet. All dies ist weit entfernt von der Realität im Baskenland, weil es an ausreichendem Willen mangelt“, erklärte LAB. (naiz-baskultur)

(2026-07-22)

AUSZEICHUNGEN FÜR KRIEGSVERBRECHER

Am heutigen 22. Juli 2026 jährt sich zum 90. Mal der faschistische Bombenangriff auf die Gemeinde Otxandio an der Grenze zwischen Bizkaia und Araba. Vier Tage nach dem Militärputsch vom 18. Juli bombardierten zwei Breguet-XIX-Flugzeuge, die von einem Militärstützpunkt in La Rioja kamen und mit den Flaggen der Republik gekennzeichnet waren, um 9:30 Uhr morgens den zentralen Platz, während dort gerade die Feiern zu Ehren der Santa Marina stattfanden. Der Angriff verursachte 61 Tote und zahlreiche Verletzte unter der Zivilbevölkerung. Die Flugzeuge wurden von Ángel Salas Larrazábal, einem baskischen Piloten aus Orduña und dem Spanier José Muñoz Jiménez gesteuert. Beide wurden von Putschisten-General Mola beglückwünscht, der den Angriff als „tapfere Tat“ bezeichnete. Salas stieg bis zum Generaloberst der spanischen Armee auf und erhielt mehrere Auszeichnungen. (Gedenkfeier für die Opfer der Bombardierung von Otxandio. / Jaizki Fontaneda | Foku)

Zum 90. Jahrestag des Kriegsverbrechens fordert die linksliberale Koalition EH Bildu nun von der spanischen Regierung, dem Verantwortlichen für den Bombenangriff auf Otxandio, Ángel Salas Larrazábal, die Auszeichnungen abzuerkennen. Es handelt sich nicht um das erste Mal, dass diese Forderung gestellt wird. Die Regierung hatte bereits sich dazu verpflichtet, dieses Versprechen jedoch noch nicht umgesetzt. Jetzt will EH Bildu einen konkreten Termin für den Entzug der Auszeichnungen wissen. Der aus Urduña stammende faschistische Pilot wurde später vom franquistischen Staat mit Medaillen, Ehrenbeförderungen und verschiedenen offiziellen Auszeichnungen geehrt. Anlässlich des 90. Jahrestags dieses Massakers haben die Senatoren Gorka Elejabarrieta, Idurre Bideguren und Josu Estarrona zwei Anfragen an die Zentral-Regierung gerichtet, um den Umfang dieser Auszeichnungen zu ermitteln und definitiv deren Entzug zu fordern.

Konkret möchte EH Bildu wissen, wie viele Medaillen, Belohnungen, Beförderungen und sonstige offizielle Ehrungen für Larrazábal der Regierung bekannt sind. Sie wurde aufgefordert, konkret anzugeben, wann sie beabsichtigt, die noch gültigen Auszeichnungen zu überprüfen oder deren Entzug voranzutreiben, unter Anwendung der geltenden Gesetzgebung und des Gesetzes zur Demokratischen Erinnerung. Die von EH Bildu eingebrachten Anfragen und Initiativen hatten den Minister für Territorialpolitik und Demokratisches Gedenken bereits veranlasst, die Rücknahme dieser Auszeichnungen zu versprechen. Die Regierung hat ihr Versprechen jedoch noch nicht eingehalten. Die offizielle baskische Linke hält es für paradox, den Opfern des Bombenangriffs zu gedenken, während der spanische Staat „die einem seiner Hauptverantwortlichen verliehenen Ehrungen aufrechterhält“, und fordert „Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für Otxandio“. (naiz-baskultur)

(2026-07-21)

INQUISITION IN MALAGA

Weil überzeugte Bask*innen beim Fußball – und im Sport insgesamt – niemals die spanische Auswahl unterstützen können, wählten viele Argentinien als Sympathie-Träger für das WM-Finale in New Jersey. Darüber kann diskutiert werden (Milei, schmutziges Spiel, Falklands, Diktatur), doch es handelt sich um eine Tatsache. Ein baskischer Fußballspieler des Proficlub Malaga bekommt das jetzt zu spüren. Wegen seiner Unterstützung für Argentinien im Finale wird er bedroht: „ETA-Anhänger. Verräter. Anti-Spanier“ – so weit geht also die Gedankenfreiheit im spanischen Staat: im Fußball gibt es die patriotische Pflicht, die „Roten“ zu lieben, von Katalonien über Verteidiger der Diktatur bis hin zum Baskenland. Liebe oder Verrat, rot oder weiß, sonst kommt die Inquisition. Der Baske Einar Galilea kam vor drei Jahren in die Metropole der Costa del Sol, als der „Boquerones“ (Fische) genannte Club noch in der dritten Liga spielte. Bezeichnend ist auch das Klischee, das bei den Drohungen bemüht wird: alle BaskInnen, die abweichende Meinungen vertreten sind ETA-Mitglieder, selbst wenn sie die rechte PNV-Partei wählen würden. Ein Zufall ist es sicherlich, dass der baskische Kicker auch noch den Namen des legendären italienischen Wissenschaftlers trägt, Galileo Galilei, dessen Forschungsergebnisse Todesdrohungen zur Folge hatten, sodass er widerrufen musste. Wie gesagt: Inquisition.

Einar Galilea (Vitoria, 22.04.1994) wurde in den Stunden nach dem WM-Finale mit schwerwiegenden Drohungen konfrontiert, nachdem in den sozialen Netzwerken ein Bild von ihm im Trikot der argentinischen Auswahl aufgetaucht war, vermutlich (nicht sicher) am Tag des WM-Finales. Anscheinend hat der baskische Fußballer die „Albiceleste“ (Himmelblaue für Argentinien) im Spiel gegen Spanien unterstützt, was ihm eine Gruppe radikaler Ultra-Fans von Malaga nicht verzeiht. Faschisten, um es deutlich zu sagen. Am gestrigen Montag erschienen Graffitis auf den Sportanlagen des Mittelmeer-Vereins, auf denen zu lesen war: „Einar, ETA-Anhänger, raus aus Malaga“ oder „anti-spanischer Verräter“. Die Beleidigungen wurden laut Angaben der Zeitung SUR umgehend entfernt, doch Fotos des Vorfalls wurden über soziale Netzwerke verbreitet, die mit der Ultra-Szene in Verbindung stehen. Der Club Malaga hat sich bislang noch nicht zu dem Vorfall geäußert.

Einar ist ein kommt aus der Jugend von Deportivo Alavés, aus Vitoria-Gasteiz. Der Verteidiger bestritt 28 Spiele für die Profis von Malaga, bevor er an den französischen Verein Sochaux und den kroatischen Verein Istra ausgeliehen wurde. Dort trennte er sich vom Verein aus GAsteiz, ohne jemals in der spanischen Primera División debütiert zu haben. Diesen Traum könnte er nun bei Malaga verwirklichen. Die „Boquerones“ klopften im Sommer 2023 an seine Tür, als der Verein noch in der Dritten Liga spielte. Im derselben Jahr stiegen sie in die Segunda División auf, und im vergangenen Juni, nach zwei Jahren in der zweiten Liga, schaffte der Verein den Aufstieg in die Primera División. Galilea verlängerte zudem vor einigen Wochen seinen Vertrag bei den „Boquerones“ um eine Saison bis Juni 2027. Der aus Araba stammende Spieler war einer der Stammspieler im Aufstiegs-Team von Malaga. Er bestritt 24 Spiele in der Segunda División und erzielte zwei Tore. Vielleicht die letzten in Andalusien.

Erinnert sei an den baskischen Torhüter Eñaut Zubikarai aus dem bizkainischen Küsternort Ondarroa, der lange bei La Real spielte und bereits einen Vertrag bei Hercules Alicante in der Tasche hatte. Als bekannt wurde, dass sein Vater ein ETA-Gefangener war, kündigte der andalusische Verein den Vertrag wieder. Sippenhaft – ein Begriff aus der Zeit des Nationalsozialismus, der „Bestrafung aufgrund familiärer Verantwortung“ bedeutet. Gemeint ist eine repressive Strategie, bei der der Staat unschuldige Angehörige einer Person bestraft, festnimmt oder verfolgt, die einer Straftat oder politischer Dissidenz beschuldigt wird, und Angehörigen aufgrund ihrer familiären Verbindung zu dieser Person für schuldig erklärt. Dass „alle Baskinnen Terroristen sind“ ist keine literarische Erfindung, sondern bis heute eine Wahnvorstellung, die sich in kranken spanischen Hirnen hält. (baskultur)

(2026-07-20)

32-STUNDEN-WOCHE

In halb Europa stellen neoliberale und militaristische Regierungen Überlegungen an, wie sie die Arbeiterklasse schärfer ausbeuten, die Wichen-Arbeitszeit verlängern und das Rentenalter verschieben können. Die baskische Gewerkschaft ELA ist von solchen Plänen etwa so weit entfernt wie ein Schlittenhund von der Sahara. Sie hat der baskischen Regierung ein Paket von Vorschlägen für die Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen der 115.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst vorgelegt. Darin enthalten sind unter anderem die Einführung der 32-Stunden-Woche und die Wiederherstellung der verlorenen Kaufkraft. (Mitxel Lakuntza und Pello Igeregi bei einer ELA-Demonstration in Bilbo. / Oskar Matxin | FOKU)

Die Gewerkschaft ELA wird am Dienstag bei den Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten der baskischen Regierung einen Vorschlag zur Einführung der 32-Stunden-Woche im Jahr 2027 vorlegen, zusammen mit Maßnahmen zur Verringerung der befristeten Beschäftigungsverhältnisse, zur Wiederherstellung der Löhne und zur Stärkung der sprachlichen Rechte. Bei einem Treffen mit Maite Barruetabeña, der stellvertretenden Ministerin für den öffentlichen Dienst, hat die Gewerkschaft ELA ein Dokument mit verschiedenen Vorschlägen für den allgemeinen Verhandlungstisch übergeben, an dem die Arbeitsbedingungen der 115.000 Beschäftigten der Regierung von Lakua verhandelt werden.

Wie die ELA in einer Mitteilung erklärte, umfasst der Vorschlag die Abschaffung der Wiederbesetzungsquoten, die Wiederherstellung der verlorenen Kaufkraft, die Gleichstellung der Anforderungen an Baskisch und Spanisch sowie Maßnahmen zur Verjüngung der Belegschaft und zur Vermeidung von Hitzebelastung. Zu den wichtigsten Forderungen der ELA gehört die Einführung einer maximalen Wochenarbeitszeit von 32 Stunden bis zum Jahr 2027.

Im Bereich der Beschäftigung fordert die Gewerkschaft die Abschaffung der Wiederbesetzungsquoten durch eine Vereinbarung zwischen der Regionalregierung und der Zentralregierung, „damit das Baskenland selbst über seinen Einstellungsbedarf im öffentlichen Dienst entscheiden kann“. Zudem fordert sie konkrete Maßnahmen zur Senkung der Befristungsquote auf 8%, darunter die Einleitung von Konsolidierungs-Prozessen in allen Bereichen der Verwaltung sowie Initiativen zur Verjüngung der Belegschaft. ELA fordert außerdem den Ausgleich des Kaufkraftverlusts von 8%, den die Beschäftigten der Verwaltung nach eigenen Angaben seit 2022 bis heute erlitten haben. Ihrer Ansicht nach ist es „inakzeptabel“, dass dieser Lohnrückgang anhält, „während der Haushalt der Regionalregierung für das Jahr 2025 mit einem Überschuss von 810 Millionen Euro abgeschlossen wurde“.

Im Sprach-Bereich schlägt die Gewerkschaft vor, die Anforderungen für Kenntnisse des Baskischen und des Spanischen in allen Bereichen der Regierung anzugleichen. Die Initiative zielt darauf ab, die sprachlichen Rechte zu gewährleisten, und umfasst Maßnahmen und Ressourcen, um denjenigen Mitarbeitern, die die baskische Sprache noch nicht beherrschen, das Erlernen dieser Sprache zu erleichtern. Schließlich fordert die ELA die Einführung spezifischer Maßnahmen zur Bewältigung der Hitze am Arbeitsplatz, nachdem es in den letzten Wochen zu gravierenden Vorfällen gekommen ist. Die Gewerkschaft fordert Maßnahmen, die es ermöglichen, Hitzestress sowohl beim Personal als auch bei den Nutzern öffentlicher Dienstleistungen zu vermeiden. Nach Ansicht der Gewerkschaft können diese Vorschläge „nicht nur die Arbeitsbedingungen der bei der baskischen Regierung beschäftigten Mitarbeiter verbessern, sondern auch zu erheblichen Verbesserungen bei der Qualität der öffentlichen Dienstleistungen für die Bürger führen“. Daher vertraut sie darauf, dass die Exekutive diesen Vorschlägen bei der morgigen Sitzung zustimmen wird. (naiz-baskultur)

(2026-07-19)

DENKMALSCHUTZ FÜR URDAIBAI-ZIEGELEI

Die Bürgerplattform „Guggenheim Urdaibai Stop“ (GUS) wacht weiterhin über die Naturlandschaften des Urdaibai-Gebiets. Nachdem der Bau eines Guggenheim-Doppelmuseums in Gernika und Murueta verhindert wurde, betrachtet die Plattform argwöhnisch die jetzt erfolgenden bürokratischen Änderungen, die in der Zukunft zur Vereinfachung der Zulassung ökologie-feindlicher Projekte führen könnte. GUS hat angesichts des von der Küstenbehörde des Baskenlandes eingeleiteten Verfahrens zur Änderung der Abgrenzung des öffentlichen Küstengebiets den Denkmalschutz für die ehemalige Ziegelei von Murueta beantragt, die am linken Ufer des Feuchtgebietes Urdaibai liegt. Die Abteilung des Ministeriums für ökologischen Wandel überprüft derzeit die Grenzen zwischen Grundstücken, die zum öffentlichen Küstengebiet gehören, und privaten oder anderweitig im Eigentum stehenden Grundstücken, sowie ihre rechtliche Definition. Am 5. Mai fand die Vermessung statt, bei der die vorläufige Abgrenzung der neuen Grenzen festgelegt wurde. „Diese Überprüfung erfolgt, nachdem die Küstenbehörde festgestellt hatte, dass das Wasser während der höchsten Flut am 19. September 2024 praktisch das gesamte Grundstück der alten Ziegelei überflutete und bis zur Böschung der Bahngleise reichte“.

Aus den Unterlagen der zuständigen Behörde geht hervor, dass dieser Ort den Namen „Tejera“ trägt, da sich dort einst eine alte Fabrik zur Herstellung von Dachziegeln befand, von der noch der Brennofen und der Schornstein erhalten sind. Für die Bürgerinitiative ist diese Information von entscheidender Bedeutung. „Die Änderung der Flächennutzungs-Klassifizierung darf nicht als rein administrative Angelegenheit behandelt werden. Wir haben es hier mit einem Ort von historischem, industriellem, architektonischem, landschaftlichem und kulturellem Wert zu tun“, betonen sie.

KERAMIKPRODUKTION

Die ehemalige Ziegelei begleitet einen 32 Meter hohen Industrie-Schornstein aus Ziegelsteinen, einen Hoffmann-Ofen, Überreste von Fabrikgebäuden, Bereiche, die mit der Keramikproduktion in Verbindung stehen, sowie Elemente des Transportwesens wie den Bahnhaltepunkt und den Anlegesteg. „Es handelt sich nicht um einen isolierten Schornstein: Es ist eine komplette Industrielandschaft, die mit der Urdaibai-Mündung verbunden ist“, so die Bürgerinitiative. Angesichts dieser Situation hat sie Anträge bei der baskischen Regierung eingereicht, damit diese das Verfahren zur Ausweisung des Ensembles als Kulturgut unter besonderem Schutz oder, hilfsweise, als Kulturgut unter mittlerem Schutz einleitet. An die Provinzverwaltung, damit diese den Komplex unter Denkmalschutz-Aspekten bewertet und Maßnahmen zu Schutz und Erhaltung vorantreibt, sowie an die Stadtverwaltung von Murueta, damit diese den Schornstein, den Ofen und die dazugehörigen Überreste mit einem ausreichenden Schutzniveau in das kommunale Verzeichnis der geschützten Kulturgüter aufnimmt. Die Bürgerinitiative weist darauf hin, dass die mögliche Einbeziehung dieses Grundstücks in den öffentlichen Meeres- und Landbereich den rechtlichen Rahmen des Gebiets erheblich verändert. Ihrer Ansicht nach ist es „unabdingbar“, vor oder während des Abgrenzungsverfahrens zu handeln, „und nicht erst dann, wenn der Verfall, der Abriss oder ein unsachgemäßer Eingriff den Verlust bereits unumkehrbar gemacht haben“. (elcorreo-baskultur)

(2026-07-19)

FASCHISTISCHE SCHIKANEN BEI FIESTA

Polizeiliche Zensur und faschistische Schikanen bei den „Txosnas“ (Fiesta-Stände) von Barakaldo. Am Freitag entfernten etwa 20 Beamte der Ertzaintza-Polizei und der Stadtpolizei mehrere Transparente gegen Israel und Polizeigewalt. Dazu erschien die faschistische VOX-Partei vor Ort, um die politischen Forderungen zu kriminalisieren – unter Polizeischutz, versteht sich. Die Ertzaintza nahm die Personalien von zwei Personen auf. Damit stehen erneut die „Txosnas“ von Barakaldo (Bizkaia) und ihre politischen Forderungen im Fokus, in diesem Fall auf Initiative der faschistischen Partei VOX. Am Montag Nachmittag kamen sich mehrere Mitglieder von VOX Bizkaia zum Festgelände, um ein Video aufzunehmen: In der anschließend veröffentlichten Mitteilung ließen sie durchblicken, dass sie ein Video drehen wollten, um die politischen Botschaften der „Txosnas“ zu kriminalisieren. Ein junger Mann näherte sich den Faschisten und behinderte die Videoaufnahme, er sagte ihnen, dass sie dort nicht willkommen seien. Die Faschisten riefen die Polizei, und die Ertzaintza nahm die Personalien von zwei Personen auf und stellte sich damit erneut auf die Seite von VOX.

Laut der auf Instagram verbreiteten VOX-Mitteilung, hat die Partei gegen diese Personen Anzeige wegen „Nötigung“ mit dem „erschwerenden Umstand eines Hassverbrechens“ erstattet. Die Faschisten fügten hinzu, dass es ihre Absicht gewesen sei, die „Propaganda zugunsten der ETA“ zu verurteilen, ohne jedoch zu präzisieren, auf welche Propaganda sie sich beziehen. Die Carmen-Fiestas in Barakaldo begannen am vergangenen Wochenende, von Anfang an waren die politischen Forderungen auf dem Gelände der Txosnas in Gefahr. Wie Aktivistinnen von Goigorri Konpartsa und Askaberri berichteten, erschienen am Freitagabend etwa 20 Ertzainas und Stadtpolizisten in den Txosnas und entfernten gewaltsam mehrere Transparente, darunter einige gegen Israels Völkermord und gegen Polizeigewalt. Die sozialistische Gruppe Goigorri Konpartsa und Askaberri haben über die Vorfälle berichtet. Sie bezeichnen die Vorgänge als „schwerwiegend“ und betrachten es als unerlässlich, „sowohl die politische Propaganda auf dem Festgelände der Txosnas als auch die politischen Rechte der sozialen und politischen Akteure zu verteidigen, die an den Fiestas teilnehmen“. „Volksfeste waren schon immer ein Ort für politische Forderungen“. (diariosocialista-baskultur)

(2026-07-18)

90 JAHRE MILITÄRPUTSCH

An der Spitze des Militärputschs am 18. Juli 1936 – heute vor 90 Jahren – stand nicht nur der spätere Diktator Franco, sondern weitere Generäle der zweiten spanischen Republik, in der sechs Monate zuvor Wahlen durchgeführt wurden. Einer dieser Generäle war der aus Nafarroa stammende Emilio Mola, der später für die Nordfront zuständig war. Die Situation nach dem Staatstreich war im Baskenland schnell klar: die Behörden und Militärs in Araba und Nafarroa schlugen sich sofort auf die Seite der Putschisten, in Gipuzkoa wehrten die Anarchisten der CNT den Angriff kurzzeitig ab, so blieb nur Bizkaia als Sitz der baskischen Regierung auf Seiten der Republik. Mit anderen Worten, in Araba und Nafarroa gab es keinen Krieg, was die Faschisten nicht davon abhielt eine politische Säuberung brutalster Art durchzuführen.

Die mit einer neuen Autonomie versehene baskische Regierung hatte keine Soldaten und musste eine Armee – Eusko Gudarostea – aus dem Hut zaubern, Parteien und Gewerkschaften wurden mobilisiert, sie bildeten die Abwehr-Bataillone. Die Vorstellung der baskischen Politik war eine herkömmliche Vorstellung von Krieg: der Gegner wurde auf dem Boden erwartet und musste dort aufgehalten werden. Deshalb wurde in einigem Abstand um die verbliebene Hauptstadt Bilbo ein doppelter Verteidigungs-Ring gebaut, der von den Faschisten später „Eiserner Gürtel“ genannt wurde. Dieser Wall konnte nie fertig gestellt werden, weil der Krieg um Bilbo im Juni 1937, nach 11 Monaten Widerstand, verloren ging. Verantwortlich für die Niederlage war vor allem der Einsatz der nazideutschen Legion Condor, eine für die Zeit moderne Luftwaffen-Einheit, gegen die die Basken keine Gegenwehr hatten.

Am 31. März 1937 griff die Legion Durango an und zerstörte während einer Messe die Kirche; am 26. April 1937 attackierten die Nazis die vorher nicht angegriffene Kleinstadt Gernika und legten 90% in Schutt und Asche, am Markttag, die Folge waren 2.500 Tote. Der spanische Name der Stadt – Guernica – wurde als Titel gewählt für Picassos bereits fertig gestelltes Gemälde gegen den Krieg, das die republikanische Regierung beim kommunistischen Künstler für die Weltausstellung in Paris in Auftrag gegeben hatte. Am 19. Juni 1937 verließ die baskische Regierung Bilbo, die Truppen zogen sich nach Kantabrien zurück. Die Einheiten der PNV ergaben sich im August in Santoña den italienischen Faschisten, die revolutionären Bataillone zogen weiter, um Asturien zu verteidigen. Der Krieg endete zwei Jahre später nach dem Fall von Madrid, Barcelona und Almeria. General Mola erlebte nicht einmal den Fall von Bilbao, weil er vorher bei einem Flugzeug-absturz getötet wurde, von dem es heißt, Franco habe einen Macht-Konkurrenten aus dem Weg geräumt. (baskultur)

(2026-07-18)

WM-FINALE IM BASKENLAND

Mit dem Einzug des spanischen Teams ins WM-Finale erhitzen sich die Gemüter im Baskenland. Zum einen werden die baskischen Fans einmal mehr daran erinnert, dass ihre Auswahl – die Euskal Selekzioa – weiter dem Veto des spanischen Verbands zum Opfer fällt und keine Zulassung für internationale Turniere bekommt. Dem gegenüber feiern überall im Staat nationalistische und ultranationalistische Fans diesen Erfolg der „Roten“, vielleicht mit dem Unterschied, das letztere keine „Neger“ im Team haben wollen. Solche Details sind auf der Straße kaum sichtbar. Würden die Feiern in Spanien stattfinden, könnte dem mit schlichtem Ignorieren begegnet werden. Doch die Ultras feiern besonders gerne dort, wo es nicht erwünscht ist: im Baskenland zum Beispiel. Die Reaktion fällt mitunter sehr direkt aus: „Wenn du mit dem spanischen Trikot ankommst, bedienen wir dich nicht“, warnt eine Fiesta-Stand in Barakaldo ganz direkt.

Etwa fünfzig Menschen mit baskischen Ikurriña-Fahnen riefen „Scheiß-Spanien“, um gegen die Übertragung des Spiels auf einer Großbildleinwand im Ort zu protestieren. Die Txosna (Fiesta-Stand) von Nafarroakoetxea, die seit 30 Jahren die Carmen-Fiestas in Barakaldo ausrichtet, hatte in ihren sozialen Netzwerken angekündigt, eine Großbild-Leinwand aufzustellen, um ab 21 Uhr das WM-Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich verfolgen zu können. Bereits beim vorherigen Spiel gegen Portugal war der Fernseher aufgestellt worden. Auf dem Plakat lieferte sich ein Stier im Trikot der spanischen Auswahl ein Duell mit einem Hahn im Trikot der französischen Auswahl. Die Reaktion zweier weiterer Fiesta-Gruppen ließ nicht lange auf sich warten. „Wir möchten klarstellen, dass wir uns nicht mit den Werten identifizieren, für die die spanischen Auswahlen stehen. Wir fordern den offiziellen Status für eine baskische, baskisch-sprachige, feministische und sozialistische Auswahl“, antworteten die Fiesta-Gruppen Makauen und Jolindarrak auf ihrem Instagram-Profil. „Wenn du das Trikot Spaniens trägst, komm nicht her, um irgendetwas zu bestellen“, warnten sie in Fettdruck über einer Ikurriña und einer durchgestrichenen rot-gelben Flagge.

Der große Bildschirm übertrug das Spiel wie geplant auf dem Gelände der Txosnas. Die erste Halbzeit verlief normal, doch nach der Pause kam eine Gruppe von etwa 20 bis 25 Personen mit Ikurriñas und begann, „Scheiß-Spanien“ und „Scheiß-Nationalauswahl“ zu rufen. Angeblich ging niemand darauf ein“, erklärte ein Sprecher von Nafarroakoaetxea. Dann näherten sich weitere 25 Personen, die Aufkleber bei sich hatten, um sie auf die Stühle zu kleben und an der Straße. Angesichts der Möglichkeit, dass es sich um eine organisierte Aktion handelte und es zu Zwischenfällen kommen könnte, beschlossen die Leinwand-Organisatoren, die Stadtpolizei von Barakaldo zu benachrichtigen. Während der „Carmenes-Fiesta“ sind präventiv drei Streifenwagen in der Nähe des Geländes postiert. Die Beamten näherten sich, um mit ihrer Präsenz abzuschrecken, und forderten gleichzeitig die Ertzaintza-Regionalpolizei zur Unterstützung an, die sich demonstrativ zu beiden Seiten der Großbildleinwand aufstellten.

Die Protestierenden zogen ab, die Leinwand soll für das Finale am Sonntag wieder aufgestellt werden. Der Vorfall hat in den sozialen Netzwerken eine hitzige Debatte ausgelöst. „Das Ausgrenzen oder Anprangern von Menschen, weil sie andere Ideen oder Gefühle haben“, das sei Faschismus, fasste ein Kommentar zusammen. Die Forderung, die „Neger“ aus dem spanischen Team zu entfernen und ihnen gleich noch den Pass zu entziehen, wird nicht kommentiert. Denn die Faschisten stehen auf der anderen, der spanischen Seite.

Der Bürgermeister von Bilbao, ein rechter Baske, sieht keine Notwendigkeit, für das Finale eine Großleinwand aufzustellen: Das sei keine „gesellschaftliche Notwendigkeit“, es bestehe keine „allgemeine Nachfrage“. Er betont, dass er in mehr als elf Jahren Amtszeit als Bürgermeister von Bilbao „noch nie einen Großbildschirm aufgestellt habe“, auch nicht bei den Pokal-Endspielen von Athletic. Pünktlich zum Finale wird es jedoch eine Demonstration geben, für die offizielle Zulassung der Euskal Selekzioa. Dass dies möglich ist, zeigt das Beispiel Schottland, das ebenfalls kein selbständiger Staat ist; und die Tatsache, dass die baskische Pelota-auswahl – neben der spanischen – im Pelota-Weltverband aufgenommen wurde. Mit Billigung der spanischen Regierung. Wo politischer Wille vorhanden ist, eröffnen sich Wege. (baskultur)

(2026-07-18)

WILLKOMMEN AM STRAND!

Es gibt solche und solche Algen: einige sind einheimische Gewächse, die sich die Umwelt mit anderen Pflanzen teilen; andere werden als blinde Passagiere auf Schiffen von weither mitgebracht gelten als invasiv und verdrängen an den Stränden die übrige Pflanzenwelt. Nachdem die Sargassum-Alge 2015 an den Stränden von Sopela und Muskiz entdeckt wurde, bedeckt sie mittlerweile den Meeresboden und verdrängt die lokale Fauna. Die invasive japanische Alge verursacht bereits Verluste in der Fischerei, da sie die Artenvielfalt verringert und Fischernetze zerstört. Auf dem Bild: Algenansammlungen in Noja. (Juanjo Santamaría)

Schlechte Nachrichten für die baskische Küste. Die invasive japanische Alge ist bereits an der gesamten Küste verbreitet und hat Baiona erreicht. Die Rugulopteryx okamurae, die ursprünglich aus dem Chinesischen Meer stammt und vor mehr als zwei Jahrzehnten im Mittelmeer entdeckt wurde, dringt seit über zehn Jahren in die Strände Andalusiens ein. Im Norden ist sie mittlerweile besser bekannt, da sie im vergangenen Sommer an den Stränden Kantabriens auftauchte und dort große Mengen an Biomasse bildete. Tatsächlich ist sie bereits seit 2024 im Baskenland präsent, als sie im Hafen von Bilbao entdeckt wurde. Im vergangenen Jahr wurde sie zudem in Sopela und Muskiz gefunden, allerdings nicht „in großem Umfang“. Jon Hidalgo, Gründer der Stiftung Lurgaia, die Wälder mit einheimischen Baumarten renaturiert, warnte vor einigen Tagen, dass die Algen nicht nur den Hafen und den Kai von Castro Urdiales (Kantabrien) befallen, sondern auch den gesamten Meeresboden des Strandes von Meñakoz in Barrika besiedelt haben, wo es immer reichlich Fisch gab. Hidalgo stellte dies beim Schnorcheln fest und sah, dass die Alge sich ab einer Tiefe von fünf Metern fest am gesamten felsigen Meeresboden festgesetzt hatte. Er entnahm Proben und ließ sie von einem Spezialisten untersuchen.

„Das ist eine Katastrophe“, beklagte er. Die Teppiche aus einheimischen Algen seien verdrängt worden. „Während es früher verschiedene Arten von benthischen Fischen gab (die auf dem Meeresboden leben, wie Julias, Karraspios oder Cabrillas), war nun nichts mehr zu sehen. Diese Alge lässt den Meeresboden veröden, sie wirkt wie die Eukalyptuswälder“, berichtet er. Hidalgo warnte zudem vor ihrer Kolonisierungs-Fähigkeit, vor einem Jahr war sie fast nicht vorhandenen, jetzt bedeckt sie den Meeresboden vollständig. Derzeit gibt es keine spezifischen Programme zur Überwachung dieser Alge, doch die Experten von Azti konnten mehrere Proben analysieren. So ermöglichte beispielsweise die Untersuchung des ökologischen Zustands der Flussmündungen im Auftrag von URA im Gezeitenbereich die Identifizierung dieser Algen in Muskiz und in der Nähe des Nervión. Die Überwachung der Gelidum-Algen an der Küste von Gipuzkoa gab ihnen die Möglichkeit, sie zwischen Orio und Hondarribia nachzuweisen. „Es gibt eine gewisse Menge, auch wenn es noch kein Teppich ist, der den Meeresboden bedeckt, wie es im Mittelmeer der Fall ist“, berichtet Iñigo Muxika, Forscher und Experte für benthische Ökologie bei Azti.

Auf einem Kongress im Juni im Kursaal, berichteten französische Ökologinnen, dass die Algen bis nach Baiona vorgedrungen seien. Zudem ähnelt die Art morphologisch der heimischen Dictyota dichotoma, weshalb sie oft unbemerkt bleibt. Der seit Jahren zu beobachtende Rückgang der traditionellen Gelidum-Rotalgen-Wiesen im Kantabrischen Meer, der auf „die hohe Sonneneinstrahlung, den Anstieg der Meerestemperatur und die stärkere Wellenenergie“ zurückzuführen ist, wie Muxika erklärt, begünstigt es, dass die invasive Alge Möglichkeiten findet, sich anzusiedeln und die Oberhand zu gewinnen. Und laut fünfzehn Forscherinnen der Universitäten von Santiago de Compostela und A Coruña sowie der Fakultät für Wissenschaft und Technologie des Forschungszentrums für experimentelle Meeresbiologie und Biotechnologie PIE-EHU, die ihr Vorkommen im Kantabrischen Meer bestätigt haben, verursacht sie drastische Veränderungen in den Ökosystemen und verdrängt einheimische Arten, da sie, sobald sie sich einmal entwickelt hat, den Rest dezimiert. Im Hafen von Bilbao sank die Algenvielfalt von 40 bis 49 Arten auf 12 bis 16. Ihre Ausbreitung kann erhebliche sozioökonomische Folgen haben.

MEERESBODEN IN GEFAHR

Zum einen, weil sie die Fischbiomasse verringert. „Pflanzenfressende Arten mögen diese Alge nicht besonders und verschwinden nach und nach. Diese Tiere werden von anderen gefressen, die ebenfalls verschwinden, was die Artenvielfalt verringert“, bemerkt Muxika. Zudem dienen die Gelidum-Bestände den Jungfischen als Zufluchtsort; wenn sie verschwinden, verlieren auch diese ihren Lebensraum und ihre Überlebenschancen. Andalusische Fischer beklagen den drastischen Rückgang der Fanggründe, da die Algen die felsigen Meeresböden bedecken und die einheimischen Fels- und Muschelarten verdrängen. Zudem verursachen die großen Mengen an abgelösten Algen Probleme in den Netzen, da sie den Einzug von Fischen verhindern und die Netze innerhalb kürzester Zeit zerstören.

Hinzu kommt das Problem der großen Mengen an Algen, die durch Strömungen und Wellengang abgelöst werden und an den Stränden landen, wie in Noja der Fall. Sie verfaulen und riechen übel, was negative Auswirkungen auf den Tourismus hat und hohe Reinigungskosten verursacht. Der Forscher von Azti kommt zu dem Schluss, dass „es keine Möglichkeit gibt, sie auszurotten, obwohl bereits Studien durchgeführt werden, um sie als Biokunststoff zu nutzen, und nach Wirkstoffen gesucht wird, die nützlich sein könnten“. Willkommen am Strand! (elcorreo-baskultur)

(2026-07-17)

WAFFENSCHAU BEI JUGENDLAGER

Die linksbaskische Koalition EH Bildu befragte die Jugendministerin der baskischen Regierung, Nerea Melgosa, ob sie die Vorführung von Waffen durch die Guardia Civil vor Minderjährigen in Ferienlagern für angemessen hält. Genau das war geschehen bei einem Ferienlager, das vom Sportverein „Club Deportivo Las Llanas“ aus Sestao organisiert wurde und bei dem die öffentliche Verwaltung mitwirkt. Mehrere Familien hatten letzte Woche eine formelle Beschwerde gegen den „Campus Deportivo Las Llanas 2026“ eingereicht, nachdem bekannt wurde, dass Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren am 7. Juli an einer Veranstaltung mit Waffenvorführung in der Kaserne der Guardia Civil in Bilbo teilgenommen hatten. EH Bildu will nun von der Jugendministerin wissen, ob sie diese Waffenvorführung in einem Kinderferienlager, das in Zusammenarbeit mit der öffentlichen Verwaltung organisiert wird, gut findet.

Eine Bildu-Abgeordnete weist darauf hin, dass die Kinder und ihre Familien weder vorab über die geplante Aktivität mit der Guardia Civil noch über den Ort der Veranstaltung oder die dort stattfindenden Aktivitäten informiert worden seien. Zudem wurden bei diesem Besuch unter anderem Waffen ausgestellt, die in keinerlei Zusammenhang mit den Aktivitäten des Ferienlagers standen. EH Bildu möchte wissen, ob „die Organisatoren des Ferienlagers die Provinzregierung von Bizkaia oder die baskische Regierung über diese Aktivität informiert haben, wie es im Jugendgesetz oder in dessen Durchführungsbestimmungen vorgesehen ist“. Sie fragt außerdem, ob „die Ministerin der Ansicht ist, dass diese Art von Aktivitäten mit den Interessen, dem Schutz und dem Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen“ und „mit den im Jugendgesetz und im Gesetz über Kinder und Jugendliche festgelegten Grundsätzen und Zielen vereinbar sind“. Sie fordert Auskunft darüber, ob „das Ministerium Informationen oder Erklärungen zu den Geschehnissen von den Organisatoren des Camps oder den Unterzeichnern der Vereinbarung eingeholt hat“. Und ob „das Ministerium Maßnahmen in Bezug auf diese konkrete Initiative ergreifen wird, um zu verhindern, dass sich ähnliche Situationen in Zukunft wiederholen“.

ANTWORTEN DES VEREINS UND DER FAMILIEN

Am vergangenen Montag veröffentlichte der Verein eine Stellungnahme, in der er den Besuch verteidigte, und versicherte, dass dieser im Anmeldeformular und in den Teilnahmebedingungen angekündigt worden sei – er sei im fünften Absatz in Klammern und in Kleinbuchstaben aufgeführt. Zudem wies er darauf hin, dass diesbezüglich keine Beschwerden eingegangen seien. Mehrere Familien widersprechen jedoch beiden Aussagen. Sie versichern, dass sie zu keinem Zeitpunkt über den Besuch der Einrichtungen der Guardia Civil informiert worden seien. Tatsächlich erfuhren sie erst beim Abholen der Kinder von der „tatsächlichen Aktivität“. Sie erklären: „Wir gehen davon aus, dass diese Aktivität der Organisation des Sportcamps bekannt war und man uns die angeforderten Informationen hätte geben können“, und legen Screenshots vor, aus denen hervorgeht, dass die Familien zuvor Informationen vom Verein angefordert hatten, ohne eine Antwort zu erhalten.

In ihrem Schreiben fügen diese Familien hinzu: „Aus diesem Grund möchten wir den Mangel an Transparenz und die Vorenthaltung von Informationen über eine Aktivität anprangern, an der unsere Kinder teilgenommen haben, ohne dass wir als Familien Kenntnis vom tatsächlichen Ort hatten, an dem sie sich befanden, oder von den Aktivitäten, die dort stattfinden sollten.“ Sie betonen: „Hätten wir alle Einzelheiten dieser für den 7. Juli geplanten Aktivität gekannt, hätten wir im Einklang mit unseren familiären Erziehungswerten entscheiden können, ob wir unsere Töchter und Söhne dorthin schicken, ohne in die Situation zu geraten, in der wir uns derzeit befinden.“ Zudem kritisierten sie die Verbreitung von Bildern von Minderjährigen in sozialen Netzwerken ohne deren Einwilligung. (naiz-baskultur)

(2026-07-17)

PROZESSE GEGEN FEMINISTINNEN

Am 30. November 2023 organisierte die Feministische Bewegung von Euskal Herria mit Unterstützung der baskischen Gewerkschaften einen feministischen Generalstreik mit dem Ziel, ein öffentliches und gemeinschaftliches Pflegesystem einzufordern. Dieser feministische Generalstreik fand aufgrund seines Charakters weit über das Baskenland hinaus Beachtung. Bei dieser Mobilisierung wurden mehrere Streikende identifiziert und andere festgenommen. Konkret fanden diese Repressions-Maßnahmen in Gasteiz, Donostia und Zumaia statt. Erst ein Jahr später, im Juni 2024, wurden drei in Zumaia identifizierte Teilnehmerinnen aufgefordert, vor dem Richter auszusagen. Die ihnen drohenden Freiheitsstrafen und Geldstrafen seien „inakzeptabel“. Biki Pozo von der Feministischen Bewegung des Baskenlandes bekräftigte, dass der Kampf ungeachtet aller Hindernisse und Widerstände fortgesetzt werden soll. „Wir stellen schon seit langem das Leben in den Mittelpunkt und setzen uns für ein öffentliches und gemeinschaftliches System ein.“ (Kundgebung vor dem Justizpalast in Donostia, um gegen das Gerichtsverfahren zu protestieren, dem drei Teilnehmerinnen des feministischen Streiks von 2023 ausgesetzt sind. / Gorka Rubio | FOKU)

Nun drohen drei Aktivistinnen der feministischen Bewegung Haftstrafen wegen des Streiks von 2023. Aus diesem Grund hat sich die feministische Bewegung von Euskal Herria vor dem Gerichtsgebäude in Donostia versammelt, um gegen die Haftstrafen und die Auferlegung von Kosten zu protestieren, die drei ihrer Mitglieder bedrohen, die während des feministischen Generalstreiks von 2023 in Zumaia festgenommen wurden. Den Aktivistinnen droht wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen die öffentliche Ordnung eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten sowie, im Falle einer Einigung mit dem Gericht, Geldstrafen von über tausend Euro.

LANDESWEITE MOBILISIERUNG IN BILBO IM APRIL 2027

Die Aktivistinnen nutzten den Auftritt vor dem Gericht in Donostia, um auch an den Fall der Frauen aus Gasteiz zu erinnern, die während desselben Streiks festgenommen worden waren. Diese wurden wegen Ungehorsams und Widerstands gegen die Staatsgewalt verurteilt und erhielten für jede der Straftaten ebenfalls sechsmonatige Haftstrafen sowie die Verpflichtung zur Übernahme der Kosten. Laura Iparragirre, Sprecherin der Plattform, betonte, dass diese Art von „Angriffen“ und Urteilen darauf abzielen, „den Kampf“ für eine Umgestaltung des Pflegesystems „zu behindern“. „Das System selbst bürdet die Last der Pflege weiterhin den Familien auf, insbesondere den Frauen sowie Migrantinnen und von Rassismus betroffenen Frauen“, kritisierte Iparragirre. Sie fügte hinzu, dass die Entscheidung des Richters das Ergebnis des „schwierigen Kontextes“ sei, in dem sich die heutige Gesellschaft befinde: „Die Krisen nehmen zu, und wir erleben einen Prozess der allgemeinen Verarmung, begleitet von der Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen.“

Sie wiesen darauf hin, dass parallel zum Aufschwung des Faschismus und autoritärer Haltungen weltweit auch die Kriminalisierung und Unterdrückung sozialer Bewegungen zunehme. Aus all diesen Gründen riefen sie die baskische Bevölkerung dazu auf, an der nationalen Mobilisierung teilzunehmen, die am 17. April nächsten Jahres in Bilbao stattfinden wird. Sie möchten, dass dieser Tag zu einer gemeinsamen Erklärung des Engagements der Bevölkerung für eine Neugestaltung der Pflege wird. (naiz-baskultur)

(2026-07-16)

WOHNUNGS-LEERSTAND BEKÄMPFEN

Alle größeren und großen Städte im Baskenland leiden an einer enormen Wohnungsnot. Kaufpreise steigen stark, Mietpreise werden immer unerschwinglicher. Viele können die Miete nicht mehr bezahlen, Zwangsräumungen sind an der Tagesordnung, immer mehr landen auf der Straße. Die Gründe sind klar. 1. bietet die öffentliche Hand zu wenig bezahlbaren Wohnraum. 2. werden immer mehr Wohnungen für Tourismus-Zwecke missbraucht. Drittens locken attraktive Städte auch Immobilien-Geier an. 4. sind Wohnungen zum Spekulationsobjekt geworden, weit weg von einem Menschenrecht. Und 5. stehen tausende, wenn nicht zehntausende Wohnungen leer, in Bilbao wird die zahl auf 9.000 geschätzt.

Jetzt startet die Stadtverwaltung eine bescheidene Maßnahme, um wenigstens gegen den Leerstand vorzugehen. Eine Verordnung soll verabschiedet werden, die es ermöglicht, Wohnungen höher zu besteuern, die seit mehr als 24 Monaten ohne triftigen Grund unbewohnt sind. Die erste Fassung der Verordnung stammt aus dem Jahr 2021, als die baskische Regierung ein Dekret verabschiedete, das es den Stadtverwaltungen eine solche Extrazahlung ermöglichte. Das Gesetz sieht vor, Eigentümern, die ihre Wohnungen trotz gutem Zustand weder vermieten noch verkaufen wollten, einen Aufschlag von 10 Euro pro Quadratmeter zu berechnen. Bei 80 QM wären das 800 Euro, nicht besonders viel für wohlhabende Eigentümer, die es nicht nötig haben, aus ihrer Immobilie eine Geldquelle zu machen. Der Verordnungs-Text sah sogar vor, diese 10 Euro um 10% für jedes weitere Jahr zu erhöhen, in dem die Wohnung ohne triftigen Grund unbewohnt blieb.

Die Maßnahme stieß bei den Gemeinden auf großes Interesse, ihre Umsetzung im gesamten Baskenland stieß jedoch auf erwartungsgemäß auf Widerstand der Leerständler und ihrer Interessenvertretungen. Azpeitia war die erste – und einzige – Gemeinde, die die Abgabe einführte. Nun will Bilbao folgen, mit dem Ziel, den leerstehenden Wohnungsbestand zu aktivieren. 2027 soll es so weit sein. Die Abgabe könnte zu dem von Bilbao bereits erhobenen Grundsteuerzuschlag hinzukommen, der im nächsten Jahr von 25 auf 75% erhöht wird. Das Thema wurde bereits mehrfach im Plenum behandelt. Das Ziel ist, die Verordnung in den „ersten Monaten“ 2027 zu verabschieden.

Eine schwarze Liste zu erstellen ist einfach: wenn niemand gemeldet ist, steht die Wohnung leer; auch der Wasser-, Gas- und Stromverbrauch ist verräterisch. Eine entsprechende Studie ergab, dass in Bilbao 6.935 Wohnungen „Anzeichen aufweisen, dass sie leer stehen“. Das sind sage und schreibe 4,2% des Wohnungsbestands. Vorsichtig gerechnet. Fast 6% weniger als die 7.371 Wohnungen, die 2018 identifiziert wurden. Voraussetzung für die Zusatzgebühr ist jedoch nicht nur Leerstand, sondern zwei Jahre Nichtnutzung.

Zusätzlich muss die Stadtverwaltung noch den Zustand jeder einzelnen Wohnung untersuchen, bevor sie Strafgelder verhängen kann. Sie muss prüfen, ob die Objekte bewohnbar sind, oder ob sie Personen gehören, die aus beruflichen Gründen oder in ein Pflegeheim umziehen mussten. Solche Kandidaten können von der Abgabe befreit werden. „Wir wollen niemanden bestrafen, sondern überzeugen. Die Abgabe ist der letzte Schritt, wenn die Wohnungen trotz Beratung nicht auf den Markt kommen. Wohnraum ist nicht nur ein Vermögensgegenstand, sondern erfüllt auch eine soziale Funktion“. Für die rechte PP droht ein Eingriff ins Eigentums-Recht und das ist bekanntlich heilig im Kapitalismus.

Die meisten Wohnungen, die seit zwei Jahren leer stehen, befinden sich im reichen Stadtteil Abando (321) und im gemischten Barrio Ibaiondo (268), während im Stadtteil Otxarkoaga nur 59 festgestellt wurden, in diesem Armutsviertel will ohnehin niemand wohnen. Auch in Basurto (180), Uribarri (200), Deusto (198) , alle drei Mittelschicht, und im Arbeiterviertel Rekalde (216) wurde Leerstand identifiziert. Jede einzelne Wohnung soll untersucht werden, um ein genaues Bild von der Situation zu haben. Im September soll eine Informationskampagne für die Eigentümer gestartet werden, um „Orientierung und Argumente zu bieten, die die Entscheidung begünstigen, ihre Wohnungen auf den Mietmarkt zu bringen“. Der Plan sieht vor, über Sanierungsbeihilfen, Garantien und Versicherungen für die Vermietung sowie über die verfügbaren Verwaltungs-Möglichkeiten zu informieren. All dies mit dem Ziel, das Angebot zu erhöhen, zu einer Zeit, in der 32.000 Personen in der Hauptstadt eine Sozialwohnung beantragen, etwa 10% der Bevölkerung.

Die Einführung der Maßnahme wurde von der Opposition aus verschiedenen Gründen kritisiert. Für EH Bildu ist die Bestandsaufnahme „unvollständig“. Die Partei fordert, „so schnell wie möglich die Wohnungen mobilisiert werden müssen, die sich im Besitz großer Immobilien-Besitzer befinden“ – eine Zahl, die die Stadtverwaltung nicht veröffentlichen will. Podemos kritisiert, dass die Bestandsaufnahme „verspätet“ vorgelegt wurde. Der Sprecher der rechts-baskische PNV erinnerte daran, dass der Anteil leerstehender Immobilien in Bilbao „sehr gering“ sei – als wären 5% wenig! „Wir haben kein Problem mit leerstehenden Wohnungen, da die Zahlen minimal sind“, betonte er. Der Mann hat mit Sicherheit eine eigene Wohnung. Und dazu eine Zweitwohnung in Bermeo oder Lekeitio. Die alte Geschichte vom Bock und dem Gärtner. (baskultur)

(2026-07-16)

KEIN MASSEN-TOURISMUS

Die Altstadt von Bilbao quillt über. Der Parkplatz der Insel Gaztelugatxe bei Bermeo fasst die ankommenden Busse nicht mehr. Die Bewohnerinnen der Altstadt Donostia können wegen des Halligalli in den Straßen schon lange nicht mehr schlafen. In Barrios mit besonders vielen Airbnb-Wohnungen steigen die Mieten ins Unbezahlbare. Einige Städte erteilen keine neuen Lizenzen für Tourismus-Wohnungen. Doch der Tourismusminister der baskischen Regierung hat das Problem der Überlastung durch Massen-Tourismus bestritten. Großzügigerweise räumte er jedoch ein, dass in einigen Gebieten eine „Wahrnehmung“ bestehe, die seiner Meinung nach „eher auf die Tagesausflügler zurückzuführen ist“ als auf Reisemassen.

Der Minister für Tourismus, Handel und Verbraucherschutz der Regierung versicherte, die Autonome Region Baskenland (CAV) habe kein „Problem der touristischen Überlastung“, auch wenn es zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Gebieten eine „Wahrnehmung“ geben könne, die „auf Ausflügler zurückzuführen“ sei – womit er die Basken selbst meinte. In einem Radio-Interview bewertete der neoliberale sozialdemokratische Politiker die Tourismusdaten – basierend auf Zahlen bis zum Monat Mai – als „positiv“, mit einem Anstieg der Besucherzahlen um 1,2% gegenüber dem Vorjahr. Ein „Weg des moderaten Wachstums“ bewertet er die Tatsache, die die im vergangenen Jahr bereits unerträglichen Massen erneut gestiegen sind.

Der Minister sprach sich für einen „regulierten Tourismus“ aus – was immer das heißen mag, denn bekanntlich nennen solche Leute von ihnen selbst geschaffene Probleme nie direkt mit Namen. Im Gegensatz zu Modellen, die auf Deregulierung setzen oder den Tourismus „verteufeln“, urteilt der Mann. In diesem Zusammenhang verwies er auf den Gesetzentwurf zum Tourismus, die Kurtaxe, die ab 2027 erhoben wird (und das Problem nicht löst), sowie auf das mit den drei Provinzialräten unterzeichnete Abkommen für nachhaltigen Tourismus. Nachhaltig ist alles: ob sich nun 1.000, 10.000 oder 100.000 Touristen in der Altstadt von Donostia drängen: Nachhaltig. Wenn das Wort passen würde, hätte er sicher auch noch „biologisch abbaubar“ gesagt. In Bezug auf Tourismus-Wohnungen wies er darauf hin, dass deren Anteil in Araba, Bizkaia und Gipuzkoa bei 0,4% liege, gegenüber einem Durchschnitt von 1,3% in Spanien – eine ziemlich unfaire Rechnung, weil das die Hotelketten der Costa Brava und der Costa del Sol ebenso eingehen wie die Massenunterkünfte auf den Kanaren oder Balearen. Betrug durch gefälschte Zahlenspiele. Dennoch sprach er sich – wie ein Sonnenkönig gegenüber seinem rechtlosen Volk – dafür aus, weiter an der Regulierung und Kontrolle zu arbeiten. Beides soll weiter abgebaut werden, versteht sich. Bis die letzte Bewohnerin aus der Altstadt vertrieben ist. „Werdet ihr erst dann einsehn, dass ihr euer schönes Geld auf der Bank nicht essen könnt, welch Menge ihr auch nennt“, sang eine deutsche Rockband in den 1980er Jahren. (naiz-baskultur)

(2026-07-15)

DIE EGIN-SCHLIESSUNG 1998

EGIN (baskisch: Machen) war eine linksnationalistische baskische und zweisprachige Tageszeitung. Sie wurde in Hernani herausgegeben und hauptsächlich im Baskenland, in Navarra und im französischen Baskenland vertrieben. Jahrelang warfen ihr verschiedene politische Parteien aufgrund ihrer politischen Linie vor, im Dienste von ETA zu stehen, von Institutionen wurde sie deshalb wirtschaftlich ausgegrenzt. In jedem Fall stand die Zeitung der linken Koalition Herri Batasuna (Volkseinheit) nahe. EGIN wurde 1998 auf Anordnung des Madrider Richters Baltasar Garzón geschlossen. Im Jahr 2009 entschieden spanische Gerichte jedoch, dass die Tätigkeit der Tageszeitung rechtmäßig war. Aufgrund der verstrichenen 11 Jahre war es jedoch nicht mehr möglich, weder die Zeitung noch den Radiosender wieder in Betrieb zu nehmen. Die Zeitung GARA übernahm fortan den Platz von EGIN.

EGIN veröffentlichte ihre erste Ausgabe am 29. September 1977. Einer der Gründer war José Luis Elkoro: „Zehn Personen haben sich zusammengetan, um jeweils 100.000 Peseten beizusteuern: darunter ein Autoverkäufer, ein Metzger, ein Süßwaren-Händler“. Daneben gab es 24.000 Anteilseigner, „die ihren Beitrag leisteten, ob groß oder klein“. Die angebliche Verbindung zwischen EGIN, ETA und der abertzalen Linken führte dazu, dass verschiedene öffentliche Institutionen EGIN wirtschaftlich ausgrenzten und sich weigerten, institutionelle Werbung in der Zeitung zu schalten, im Gegensatz zu bürgerlichen Medien. Laut Elkoro durchlebte EGIN schwierige Zeiten: „Wir waren ständig auf der Suche nach Spenden“.

Die redaktionelle Linie von Egin drückte eine entschiedene Ablehnung von Polizeigewalt, Folter an Häftlingen oder Staatsterrorismus aus, während sie sich gleichzeitig solidarisch mit denjenigen zeigte, die der „Kale Borroka“ (Straßenkampf) oder der ETA-Mitgliedschaft beschuldigt wurden. Abgesehen von der ideologischen Übereinstimmung ihrer Inhalte mit der abertzalen Linken war EGIN meist das erste Informationsmedium, das die Kommuniqués der ETA erhielt. Während der Amtszeit von Pepe Rei als Chefredakteur untersuchte EGIN Fälle politischer, wirtschaftlicher und polizeilicher Korruption – wie den „GAL-Fall“, sowie die Aktivitäten rechtsextremer Gruppen. Investigativer Journalismus.

Die spanische Polizei untersuchte jahrelang die angeblichen Verbindungen zwischen EGIN und ETA. Den Ermittlungen der Guardia Civil zufolge betrieb EGIN „ideologische Propaganda“ und diente der internen Kommunikation von ETA-Mitgliedern. In einem Bericht der GC wurde behauptet, ETA habe 1992 einen neuen Direktor für EGIN ausgewählt. Als jedoch ein Beamter als Sachverständiger vor Gericht geladen wurde, räumte er ein, dass er dies nicht bestätigen könne. 1994 durchsuchte die Ertzaintza (baskische Regionalpolizei) den Sitz von EGIN. Im August 1994 wurde Chefredakteur Pepe Rei festgenommen, 1997 jedoch freigesprochen. In den frühen Morgenstunden des 15. Juli 1998 ordnete Richter Garzón die Schließung der Zeitung und des Radiosenders sowie die Festnahme mehrerer Redakteure an, denen er die Mitgliedschaft in einer bewaffneten Vereinigung vorwarf. Alle Festgenommenen wurden gemäß den Anti-Terror-Gesetzen in Isolationshaft genommen. In seiner Ermittlungsakte vertrat der Richter die Auffassung, dass das Unternehmen ETA unterstellt sei.

Der damalige spanische Ministerpräsident José María Aznar, ein alter Falangist, kommentierte die EGIN-Schließung: „Haben Sie etwa geglaubt, wir würden uns nicht trauen?“ Diese Äußerung wurde von der Justiz wegen Missachtung der Gewaltenteilung kritisiert. Im Februar 1999 verlängerte Richter Garzón die Schließung um weitere sechs Monate, nach Ablauf dieser neuen Frist im August 1999 genehmigte er die Wiedereröffnung der geschlossenen Zeitung und des Radiosenders, da er die Aktivitäten der ETA als „praktisch erloschen“ betrachtete. Am 18. Oktober bestätigte der Insolvenzverwalter, dass die Verlagsgruppe wirtschaftlich nicht mehr lebensfähig sei und ihre Schulden nicht begleichen könne. Zum Zeitpunkt der von Garzón angeordneten Schließung verkaufte EGIN täglich 52.311 Exemplare, beschäftigte 210 Mitarbeiter und verfügte über eine Zentrale in Hernani sowie Niederlassungen in Vitoria, Pamplona und Bilbao. Die Schließung von EGIN löste Proteste aus, insbesondere unter der abertzalen Linkent. Am Morgen nach der EGIN-Schließung erschien als Ersatz die Tageszeitung „Euskadi Información“, deren Erscheinen wieder eingestellt wurde, als die Nachfolge-Tageszeitung GARA (baskisch: Wir sind) ihren Betrieb aufnahm. (baskultur)

(2026-07-14)

IMMOBILIEN-KAPITALISMUS

245 Großgrundbesitzer und Unternehmen kontrollieren 13.070 Wohnungen in Bizkaia. Die Provinzverwaltung schätzt, dass Eigentümer von mehr als zehn Wohnungen 2,34% des Immobilienbestands der Region besitzen. - Das im Mai 2023 vom spanischen Parlament verabschiedete Gesetz über das Recht auf Wohnen definiert einen Großgrundbesitzer als „natürliche oder juristische Person, die Eigentümer von zehn oder mehr städtischen Immobilien zu Wohnzwecken oder mit einer bebauten Wohnfläche von mehr als 1.500 Quadratmetern ist, wobei Garagen und Abstellräume nicht mitgerechnet werden“. Es wird hinzugefügt, dass diese Definition in Gebieten mit angespannter Wohnungslage – wie Bilbao, Barakaldo oder einem Stadtteil von Galdakao – geändert werden kann, sodass der Begriff auf Eigentümer angewendet werden kann, die fünf oder mehr Wohnungen besitzen, wenn die Stadtverwaltung dies für angemessen hält. Es handelt sich in jedem Fall um Personen, die bestimmten Einschränkungen unterliegen. Sie unterliegen höheren steuerlichen Auflagen, und das Gesetz verbietet ihnen, die Mieten für ihre vermieteten Wohnungen nach Belieben zu erhöhen, sondern verpflichtet sie, sich an den Referenz-Preisindex zu halten.

Die Provinzverwaltung versichert, mit der baskischen Regierung zusammengearbeitet zu haben, um „die Kriterien zu vereinheitlichen“, und beziffert die Zahl der natürlichen und juristischen Personen, die mehr als zehn Wohnungen besitzen oder Eigentümer einer bebauten Fläche von mehr als 1.500 Quadratmetern für Wohnzwecke sind, auf 245. Sie alle kontrollieren insgesamt 13.070 Wohnungen, was 2,34% des Wohnungsbestands des Gebiets entspricht. „In Bizkaia befinden sich fast 98% des Wohnungsbestands in den Händen von Kleinvermietern“. Rechnet man zu diesen Eigentümern diejenigen hinzu, die fünf oder mehr Wohnungen besitzen, steigt die Zahl auf 713, die insgesamt 15.539 Wohnungen kontrollieren, was 2,79% des Bestands entspricht.

Und wie sieht es schließlich mit den Bauernhöfen aus? Berrojalbiz argumentiert, dass „es nicht sinnvoll ist, einen Bauernhof mit 1.500 Quadratmetern als Großgrundbesitzer einzustufen, angesichts der möglichen Auswirkungen, die dies in Zukunft haben könnte“. Damit bezieht sie sich auf mögliche Aufschläge oder Preisbeschränkungen, die das Wohnungsgesetz vorsieht. „Sie sind Teil unserer Identität“, betont sie. Die Leiterin der Finanzbehörde von Biskaya versichert, dass es elf natürliche und zwölf juristische Personen gibt, die Bauernhöfe mit mehr als 1.500 Quadratmetern bebauter Wohnfläche besitzen, räumt jedoch ein, dass viele davon keine Wohnsitze sind, obwohl sie als Bauernhöfe katalogisiert sind. Einige sind Schulbauernhöfe, andere befinden sich im Besitz von Gemeinden. Daher ist die Provinzregierung der Ansicht, dass diese Objekte, obwohl sie die Voraussetzungen erfüllen, „ausgeschlossen werden sollten“. „Sie stehen auf der Liste, aber in einer Sonderkategorie“, präzisiert sie.

Die Erhebung, die durchgeführt wurde, nachdem Podemos bei der Provinzregierung die Offenlegung der Zahlen beantragt hatte, bestätigt, was viele Experten schon seit Jahren angemerkt hatten: dass Bizkaia kein Gebiet großer Investmentfonds ist, sondern dass der Großteil der Wohnungen in den Händen kleiner Vermieter liegt. Deshalb weist die Provinzregierung inmitten der Krise beim Zugang zu Wohnraum darauf hin, dass die Herausforderung darin besteht, diejenigen zu mobilisieren, die „98% der Wohnungen kontrollieren“. Wie? „Indem man ihnen Rechtssicherheit bietet und in Gebieten mit angespannter Wohnungslage Vergünstigungen von bis zu 70% der Rendite gewährt.

SORGE UM DEN WOHNUNGSMARKT

Die Sorge um den Wohnungsmarkt in Bizkaia ist in den letzten Jahren aufgrund der hohen Immobilienpreise und des Mangels an verfügbarem Angebot stark gestiegen. Tatsächlich betrachten 60% der Bevölkerung den Zugang zu einer Wohnung als das größte Problem der Region. Dies gilt für 66% der jungen Menschen, aber auch für ihre Eltern, die sich der Schwierigkeiten bewusst sind, die ihre Kinder beim Ausziehen aus dem Elternhaus haben werden. Studien zeigen, dass das Durchschnittsalter, in dem Basken ausziehen, bei 29,8 Jahren liegt, während es laut der baskischen Regierung „idealerweise“ bei 23,3 Jahren liegen sollte. Die jüngste Umfrage zur Lebensqualität, die die Provinzregierung halbjährlich durchführt, zeigt, dass die Wohnsituation für 62% der Einwohner von Bizkaia im Alter zwischen 55 und 64 Jahren das größte Problem darstellt.

Da die Zahlen je nach herangezogener Quelle von Jahr zu Jahr schwanken, bezifferte Bilbao die Zahl der Eigentümer, die elf oder mehr Wohnungen in der Hauptstadt besitzen, auf 112, und die der natürlichen oder juristischen Personen mit fünf bis zehn Wohnungen auf 618. Die Daten, die dem „Kataster“ entnommen wurden, wurden von der Wohnungsbau-Stadträtin Yolanda Díez bekannt gegeben, kurz bevor die Hauptstadt zum Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt erklärt wurde. Die Stadträtin versicherte, dass die Stadtverwaltung diese Eigentümer dazu drängen werde, ihre Wohnungen auf den Mietmarkt zu bringen, ohne die Möglichkeit auszuschließen, denjenigen, die sich weigern, eine Leerstands-Abgabe aufzuerlegen – dabei handelt es sich um eine Abgabe von 10 Euro pro Quadratmeter, die die Regionalregierung 2021 per Dekret verabschiedet hat und die es den Stadtverwaltungen ermöglicht, Eigentümer steuerlich zu bestrafen, deren Wohnungen seit mehr als zwei Jahren unbewohnt sind. Bislang wurde dieser Schritt jedoch noch nicht unternommen. Der Stadtrat von Bilbao hat vor einigen Monaten jedoch beschlossen, dass Eigentümer mit fünf oder mehr Wohnungen ebenfalls als Großvermieter gelten, was es ermöglicht, die Mieten für alle von ihnen verwalteten Wohnungen zu deckeln. (elcorreo-baskultur)

(2026-07-14)

OVIDIO: VON DER POLIZEI GETÖTET

Geben wir „Ovidio Ferreira Martin“ in eine beliebige Internet-Suchmaschine ein, erscheint zunächst die „Karte des Terrors“ von COVITE und anschließend die Website „Memoria de Vida“ des spanischen Fernsehens RTVE. Sein Name taucht in den Listen der Verstorbenen auf, der Opfer der ETA. Heute jährt sich zum fünfundvierzigsten Mal der Todestag des jungen Mannes, der in dem Kiosk aushalf, den seine Mutter an der Ecke der Calle Torre und der Plaza Santiago im Altstadtviertel Casco Viejo von Bilbo betrieb. Zwei Schüsse ins Gesicht ließen ihn vier Tage lang im Koma, bis er im Krankenhaus Basurto starb. Die Familie war Jahre zuvor aus Espeja bei Salamanca nach Bizkaia gekommen, eine bescheidene Familie, die in diesem Viertel voller Eisenwaren-Geschäfte und Kneipen sehr beliebt war. Ovidio arbeitete bei Tresa als Speditions-Mitarbeiter. Damit seine Mutter Urlaub machen konnte, übernahm er in jenem Sommer auch den Kiosk. Ovidio Ferreira Martin: 45 Jahre lang wurde die Wahrheit verschwiegen.

In den frühen Morgenstunden des 10. Juli 1981 hielten Polizisten zwei ETA-Aktivisten in der Straße Barrenkale Barrena an und begannen zu schießen. Ovidio trat gerade aus einem Hauseingang dieser Straße, als ihn eine der Pistolen-Salven ins Gesicht traf. Die Verfolgungsjagd ging weiter, der Körper des jungen Mannes blieb auf der Straße und eine Spur von Einschusslöchern an den Wänden zurück, eine wichtige Tatsache für spätere Berichte. Einige Meter weiter auf dem Plaza Santiago wurde die 48-jährige Aurora Mugika Mugika von denselben Kugeln getroffen, die Ovidio dem Tod nahe brachten.

Ausgehend ausschließlich von der Version der Polizei und unter Verschleierung der Wahrheit der Ereignisse erschien Ovidio Ferreira Martín von Anfang an als Opfer der ETA. Doch nach 45 Jahren ist es an der Zeit, aufzuklären, was wirklich geschehen ist. Die Einschusslöcher aus einer Richtung bestätigten dies bereits am selben Tag. Es gab keine Auseinandersetzung, die Bevölkerung wusste das. Hunderte aus dem Barrio Alde Zaharra strömten zur Beerdigung, die „Gestoras Pro Amnistia“ riefen zu einer Demonstration auf, die unter dem Ruf „Polizei, Mörder!“ in Auseinandersetzungen mündete. Der Nachbarschaftsverein Bihotzean (Im Herzen) prangerte den Mord in der Presse an und forderte den Abzug der Besatzungstruppen. Anwohner, die die kriminellen Polizei-Schüsse gesehen und gehört hatten, zögerten nicht mit Erklärungen, dass die Polizei Ovidio getötet habe. Die Arbeiter der Etxebarria-Fabrik, in der Ovidios Vater beschäftigt war, beklagten Ovidios Tod, ohne an der Täterschaft zu zweifeln. Die ETA-Aktivisten selbst berichteten Jahre später, dass nur einer von ihnen eine Pistole bei sich hatte und diese nicht benutzt hatte … doch die Straflosigkeit dominiert weiter ungehindert.

1981 war ein hartes Jahr im Baskenland. Über tausend Festnahmen, Folter als Kriegswaffe, Prügel durch paramilitärische Gruppen, Straflosigkeit und Staats-Terrorismus, der aus den Untiefen der Macht inszeniert wurde. Über hundert bewaffnete Aktionen der ETA. Das vorgetäuschte Ende des Franco-Regimes in seiner ganzen Brutalität. Im Februar wurde Joxe Arregi zu Tode gefoltert, eine Woche später versetzte sich das Regime mit dem Tejero-Putsch selbst einen Schlag, um den Übergang zur Demokratie in Frage zu stellen. Bruch oder Reform. Das Kräftemessen brachte Tod, Unterdrückung, Gefängnis und einen faschistischen Staat, der versuchte, Militäruniformen gegen Krawatten auszutauschen. In diesem Kontext wurde Ovidio getötet, in völliger Straffreiheit. Die Schuld sollten dem inneren Feind in die Schuhe geschoben werden.

Die Nachbarschaft weiß, dass die Polizei ihn getötet hat. Ein Jahr nach seiner Ermordung wurde am Tatort eine Gedenktafel mit der Aufschrift „FOPek eraila“ angebracht: „Repressions-Kräfte Mörder“. Diese Tafel hängt noch immer dort und wird Jahr für Jahr mit roten Nelken geschmückt. Wäre Ovidio wirklich ein Opfer der ETA gewesen, warum hat dann keine Institution jemals an ihn erinnert? Die Aufklärung der Geschehnisse und das Gedenken an Ovidio bedeutet auch, an Tausende Opfer von Polizeigewalt und Staatsterrorismus zu erinnern. Das Baskenland will in eine Zukunft ohne Unterdrückung, Lügen und Demütigungen durch staatliche Strukturen voranschreiten, die kein demokratisches Angebot für unser Land bereithalten. Deshalb versuchen sie mit aller Macht, eine einheitliche Erzählung durchzusetzen, die immer mehr Widersprüche aufweist. Die Zukunft braucht Erinnerung, Wahrheit und Gerechtigkeit. (Julen Orbea / Etxebarrieta Memoria Elkartea) (nuevarevolucion-baskultur)

(2026-07-13)

PYRENÄEN-TRADITION

Jedes Jahr am 13. Juli am Ort „Stein von San Martín“, auf dem Ernaz-Pass, versammeln sich Viehzüchter der Täler von Baretous (Béarn, Frankreich) und Roncal (Navarra). Dabei gehen drei Kühe aus den Händen der Bearnesen an die aus Navarra. Diese Zeremonie wird „Tribut der drei Kühe“ genannt und ist eine der ältesten, die in den Pyrenäen bis heute gefeiert wird. Der Tribut gilt als der älteste noch geltende Vertrag Europas. Es ist nicht genau bekannt, seit wann diese Zeremonie stattfindet; sie geht jedoch auf jeden Fall auf ein Urteil von 1375 zurück, auf dem ihre heutige Durchführung basiert. Dieses Urteil bestätigt seine Existenz seit 650 Jahren, wobei die Zeremonie seit 450 Jahren ununterbrochen stattfindet. Lediglich im 17. Jahrhundert kam es zu ernsthaften Problemen hinsichtlich ihrer Fortführung, später traten kleinere Zwischenfälle oder Verzögerungen im Zusammenhang mit kriegerischen Ereignissen in der Region auf. Obwohl er traditionell als Tribut bezeichnet wird, handelt es sich nicht um einen solchen, da keine Lehnspflicht besteht. Vielmehr handelt es sich um eine Vereinbarung zwischen Gleichen, einen bilateralen Vertrag mit beiderseitigen Rechten und Pflichten. Am 24. Januar 2011 erklärte die Regierung von Navarra ihn zum immateriellen Kulturgut.

DER SCHIEDSSPRUCH VON 1375

Beim Streit ging es um Weiderechte der beiden Seiten und um unklare Grenzverläufe. Der „willkürliche“ Schiedsspruch (so die damalige Bezeichnung) vom 16. Oktober 1375 ist bis heute unter der Bezeichnung „Friedensurkunde“ in Kraft. In der Präambel wird berichtet, dass sich die Bevollmächtigten der Ronkal-Räte und die von den Städten ernannten „guten Männer“ aus Baretous nach vorheriger Genehmigung durch den König von Navarra (Karl II.) und den Vize-Herzog von Béarn (Gaston III. von Foix) vom 28. Juli bis zum 18. August in Ansó versammelt hatten. Sie verpflichteten sich, ihre Streitigkeiten dem Bürgermeister von Ansó, Sancho García, und fünf Einwohnern zur Schlichtung vorzulegen, die als Schiedsrichter und gütliche Schlichter entscheiden sollten. Ebenfalls anwesend waren zahlreiche angesehene Männer der beteiligten Parteien und aus anderen Orten. Unter diesen befanden sich auch Vertreter des Sola-Tals, die ebenfalls als Schlichter fungierten. Nachdem sie Zeugen angehört und Dokumente geprüft hatten, traten sie in der Rolle von Richtern auf. Der Versammlungsort war die Kirche Sant Per oder San Pedro, ihre Absicht wurde wie folgt formuliert: „...zum Wohle des Friedens und der Eintracht und zur Beseitigung von Hass, Groll, Feindseligkeiten, Schäden, Mühen, Kosten, Zinsen, Verletzungen, Todesfällen, Wunden, Schlägen, Kämpfen, Auseinandersetzungen, Plünderungen, Kriegen und Zwistigkeiten zwischen den genannten Parteien.“

Die Schlichter erkannten das Scheitern der Versöhnungsversuche an, an denen Bischöfe, Ritter und Beauftragte des Königs von Navarra sowie des Grafen von Foix beteiligt waren. Ihre erste Maßnahme bestand darin, den Pass von Arlas zu besteigen, einen beeindruckenden Aussichtspunkt in 2.062 Metern Höhe, um in Anwesenheit von jeweils fünf Männern aus jedem Tal die Grenzen festzulegen, wobei erklärt wurde, dass der „Stein von San Martín“ die Grenze zwischen Ronkal im Süden und dem Gemeindegebiet von Aramitz im Norden darstelle. Die Quellen und Grenzverläufe, wegen denen Meinungsverschiedenheiten bestanden, wurden geprüft, auf dieser Grundlage wurden die übrigen Pässe und Hügel abgegrenzt. Es folgte die Regelung zur Nutzung der Weiden durch die Bewohner des nördlichen Arette, deren Groß- und Kleinvieh-Herden am 10. Juli für 28 Tage kamen, um an den Quellen dieser Orte zu trinken. Anschließend weideten die Herden aus Ronkal bis zum Weihnachtstag. Das Wasser durfte frei zum Trinken oder zum Backen von Brot verwendet werden.

DIE ZEREMONIE

Die Vertreter des Ronkal-Tals – in traditioneller Tracht, mit Roncal-Hut, schwarzem Umhang, Kragen und kurzen Hosen – und die von Baretous – in Sonntagskleidung und mit der dreifarbigen französischen Schärpe quer über der Brust – versammeln sich um den Grenzstein 262, der den 1858 verschwundenen „Piedra de San Martín“ ersetzt, jede Partei auf ihrem eigenen Gebiet, auf dem Grenzpass von Ernaz in 1721 m Höhe. Der Bürgermeister von Izaba führt den Vorsitz der Zeremonie, erfragt die Einwohner von Baretous dreimal, ob sie bereit sind, wie in den vergangenen Jahren den Tribut der drei Kühe zu entrichten: zwei Jahre alte Kühe derselben Fellfarbe und mit gleichem Gehörn, ohne Makel oder Verletzungen. Die Befragten antworten dreimal mit „Ja“.

Anschließend legt einer der Bürgermeister von Baretous seine rechte Hand auf den Stein oder Grenzstein, ein Vertreter aus Ronkal legt seine Hand darauf, die übrigen Vertreter wechseln sich ab. Als Letzter legt der Bürgermeister von Izaba seine Hand darauf und spricht die Worte: „Pax avant, pax avant, pax avant“ - „Frieden von nun an“. Darauf antworten die Bewohner des benachbarten Tals mit denselben Worten. Anschließend nimmt der Tierarzt von Izaba die Untersuchung der Kühe vor; sobald diese für gesund und einwandfrei befunden wurden, werden zwei davon an die Ortschaft Izaba verteilt, während die dritte jedes Jahr abwechselnd an die Dörfer Uztarroz, Urzainki und Garde geht. Anschließend übergibt der Stadtrat von Izaba die entsprechende Quittung, es folgt die jährliche Ernennung von vier Wächtern für die Bewachung der Weideflächen von Ernaz und Leja, die ihren Eid ablegen. Danach fordert er diejenigen, die etwas vorzubringen haben, auf, einen Schritt nach vorne zu treten und dies zu tun. Das Protokoll wird vom Sekretär formalisiert, beglaubigt und von den Vertretern unterzeichnet, zuerst von denen aus Ronkal, gefolgt von jenen aus Baretous. Anwesende Persönlichkeiten unterzeichnen als Zeugen, anschließend findet ein gemeinsames Mahl statt, bei dem Lamm nach Chilindrón-Art als Hauptgericht serviert wird. Heutzutage kehren die Kühe nach der Zeremonie auf dem Pass von Ernaz in ihr Gebiet zurück, und der „Tribut“ wird in Höhe ihres aktuellen Marktwerts gezahlt. In den letzten Jahren hat sich dieser Akt, der nur wenige Minuten dauert, großer Beliebtheit erfreut und zieht Tausende von Menschen an. (wikipedia-baskultur)

(2026-07-13)

BLANCO: WEISS UND ZIEL

Die Untergrund-Organisation ETA hat im Laufe ihrer Existenz Aktionen mit unterschiedlicher Reputation durchgeführt. Einerseits solche, die in der Bevölkerung (nicht nur der basksichen) zu großer Zustimmung führten. Dazu gehörte sicher die Autobombe gegen den designierten Nachfolger Francos, den faschistischen Admiral Carrero Blanco im Jahr 1973; oder die Ermordung des verhassten Folterers und Gestapo-Kollaborateurs Meliton Manzanas. Andererseits konnte es niemand gefallen, wenn an einer gezielten Bombe vorbeikommende Arbeiter zu Opfer wurden; oder die Falle der spanischen Polizei, die die Warnung vor der ETA-Bombe im Hypercor-Kaufhaus in den Wind schlug, was zu 20 Toten führte. In die zweite Kategorie gehört auch die Entführung und Ermordung des rechten Lokalpolitikers Miguel Angel Blanco im Jahr 1997. Der war Stadtrat in Ermua (Bizkaia), von Beruf Maurer. 1995 trat er der reaktionären Partido Popular bei und wurde noch im selben Jahr zum Stadtrat gewählt, weil den Job sonst niemand haben wollte.

Am 10. Juli 1997, wurde Blanco von ETA-Aktivisten entführt, als Gegenleistung für seine Freilassung wurde die Verlegung aller ETA-Häftlinge in Gefängnisse im Baskenland gefordert – sicher keine maximalistische Forderung, zudem war die Verteilung der Gefangenen auf den ganzen Staat (bis zu den Kanaren) eine äußerst fragwürdige Schikane, die weniger die Gefangenen selbst als deren Angehörigen traf. Die Entführung des unbekannten Stadtrats löste eine starke gesellschaftliche Reaktion gegen die ETA aus. Zwei Tage später wurde in Bilbao eine Demonstration gegen die Entführung durchgeführt, die größte Demonstration gegen die ETA in der Geschichte, an der mehr als 100.000 Menschen teilnahmen, insgesamt rund 2,5 Millionen. Doch die Zentralregierung unter dem Ex-Faschisten Aznar blieb hart, verhandelte nicht. Noch am Tag der Demonstrationen wurde Blanco angeschossen in der Nähe von Lasarte aufgefunden, er starb jedoch am Morgen des 13. Juli 1997.

Der Tod von Blanco löste eine bedeutende Mobilisierung gegen die ETA aus. Nach seinem Tod wurde der Begriff „Geist von Ermua“ geprägt, im Dezember 1997 die Stiftung „Miguel Ángel Blanco“ gegründet. Seine Entführung und Ermordung lösten in weiten Teilen der Bevölkerung Ablehnung aus. Vereinigungen wie „Gesto por la Paz“ hatten bereits 1986 ihre Mobilisierungen gegen politische Gewalt im Allgemeinen begonnen, doch nach Blancos Tod wurden die Mobilisierungen deutlich stärker. 2006 wurden die angeblich Verantwortlichen für Blancos Tod zu 50 Jahren Haft verurteilt. Die Angehörigen von Blanco wurden aus dem Gerichtssaal verwiesen, weil sie sich mit den Angeklagten und deren Angehörigen gestritten und die Verhandlung unterbrochen hatten. Das spanische Wort bedeutet übersetzt „weiß“ und gleichzeitig „Ziel“. (wikipedia-baskultur)

(2026-07-13)

SANFERMIN MULTIKULTI

Nach Tagen von Stierläufen, sexistischen Übergriffen und Toreros in der Arena entdeckt das feiernde Pamplona eine andere Seite der Fiestas. San Fermín feiert seine Multikulturalität mit einem farbenfrohen und vielfältigen Straßenumzug. Trommeln, Tänze und traditionelle Trachten aus Dutzenden von Ländern haben am Sonntag die Straßen der Altstadt beim achten „Mazedonia-Fest“ gefüllt. Der Umzug der Kulturen hat rund tausend Menschen zusammengebracht, um die Vielfalt zu feiern, die Iruñea während der Sanfermines häufig vermissen lässt, denn wer sich die Bilder der morgendlichen Stierläufe anschaut sieht nur Männer, Männer und abermals Männer. Weiße Männer. Wenig Abwechslung in der Stierkampf-Arena, wo aufgemotzte Damen in rot-weiß die Szenerie etwas veränderten.

In diesem Jahr fiel der Umzug zum ersten Mal mit dem „Tag der Vielfalt“ zusammen und wurde von Dutzenden kultureller Gruppen aus verschiedenen Ländern und Regionen begleitet. So versammelten sich am Nachmittag Hunderte an der Kreuzung der Calle Mayor und der Calle San Lorenzo. Obwohl das Thermometer in diesem Moment in der Sonne 40 Grad anzeigte, wartete eine Menschenmenge an den Wänden der Straßen, durch die der Umzug ziehen würde, um das Spektakel aus der ersten Reihe zu verfolgen und sich gleichzeitig im schmalen Schatten der Gebäude vor der Sonne zu schützen. Als sich die 34 Gruppen hinter dem Transparent aufstellten, um den Umzug zu beginnen, erklangen Musik, Trommeln und Trillerpfeifen mit voller Kraft. Das reichte aus, um die Teilnehmer zu animieren, die im Rhythmus der Lieder tanzend die Calle Mayor entlangzogen. Auf ihrem Weg von einem Ende der Straße zum anderen führte die „Kalejira“ durch San Saturnino, überquerte die Plaza Consistorial in Richtung Mercaderes und stieg die Chapitela hinauf, bis sie den Castillo Platz erreichte.

Entlang der Strecke standen Einwohner*innen von Iruñea und Besucher*innen aller Altersgruppen und aus vielen Teilen der Welt, die den Umzug in verschiedenen Sprachen und mit unterschiedlichen Akzenten die Details kommentierten, die ihre Aufmerksamkeit auf sich zogen. „Beeindruckend, vor allem die Kleidung“, sagte ein US-amerikanischer Tourist zu seinem Freund. „Schau dir das Kleid an, Mama, es ist so schön“, meinte ein kleines Mädchen, während es an der Hand seiner Mutter zupfte und auf eine der Tänzerinnen zeigte.

RÜSCHEN, MASKEN UND PAILLETTEN

Es ist offensichtlich, dass die Kostüme zu den Aspekten gehörten, die das Publikum am meisten beeindrucken, insbesondere die Kleider, Röcke und Masken. Mehrere Tänzerinnen aus Kolumbien ließen ihre farbenfrohen Rüschenkleider flattern, und andere aus Ecuador taten dasselbe mit ihren auffälligen Plisseeröcken. Auch die Kostüme einiger bolivianischer Tänzer und Tänzerinnen sorgten für Aufsehen; übersät mit bunten Pailletten reflektierten sie jeden Lichtstrahl. An der Veranstaltung nahmen Kulturgruppen aus Gambia, der Sahara, der Ukraine, Peru, Kolumbien, Chile, Ecuador und Bolivien teil, um nur einige zu nennen. Hinzu kamen einheimische Gruppen mit Jotas, Dantzaris und Dudelsackspielern, die die lokale Kultur von Nafarroa repräsentierten. Die Mischung dieser Kulturen führte zu etwa tausend Personen, die sich auf der Plaza del Castillo versammelten, um den Abschluss der Kalejira mitzuerleben. Auf dem Platz angekommen, schloss sich die Gruppe „Duguna Iruñeko Dantzariak“ den Feierlichkeiten an und tanzte gemeinsam mit allen Teilnehmern des Umzugs einen „Sokadantza“. Anschließend wurden an die Anwesenden Portionen Mazedonia-Obstsalat verteilt, um nach der „Kalejira“ wieder zu Kräften zu kommen. (naiz-baskultur)

(2026-07-12)

DREHTÜREN DER MACHT

„Drehtüren“ wird im Baskenland der Vorgang genannt, wenn Politiker*innen nach Ende ihrer Wahlfunktionen in private Unternehmen oder öffentliche Sub-Unternehmen wechseln. Denn Ex-Politiker*innen sind aufgrund ihrer Kenntnis der Strukturen in Politik und Verwaltung sehr gefragt. Sie sind bekannt dafür, dass sie ihre Kenntnisse – in Lobby-Funktion – für ihre neuen Arbeitgeber in die Waagschale werfen. Bestes Anti-Beispiel ist der ehemalige PNV-Vorsitzende Josu Jon Imaz, der in kurzer Zeit zum Geschäftsführer des Repsol-Energie-Konzerns aufgestiegen ist und mittlerweile neben Trump am Verhandlungstisch sitzt, wenn es darum geht, den Venezuela-Kuchen aufzuteilen. Die enge Verquickung Politik-Industrie ist verpönt, weil es zu einer zu viel zu engen Verflechtung führt an einer Stelle, die besser sauber getrennt bleiben sollte. Die baskischen Parteien haben deshalb einen Ethik-Katalog beschlossen, der Empfehlungen für „gutes Verhalten“ beinhaltet. Die Einhaltung der Empfehlungen ist jedoch freiwillig. Deshalb drehen sich die Drehtüren bis die Gewinde heiß werden – immer nur bei Politikern, die aus irgendeiner Regierungspartei kommen, der rechten PNV und der sozialdemokratischen PSOE.

Zum Beispiel Itxaso Atutxa, PNV. Sie trat am 23. November 2024 ihr Amt als Bizkaia Vorsitzende (BBB) ab und war bereits im Januar 2025 Generaldirektorin von Prime Time Media, dem Unternehmen, das zwei der wichtigsten Nachrichten-Sendungen des baskisch-öffentlichen Fernsehkanals ETB2 produziert: „En Jake“ und „Euskadi Quédate“. Das heißt: In nur wenigen Wochen wechselte Itxaso Atutxa vom Vorsitz des Bizkai Buru Batzar – „die mächtigste Frau der PNV“, wie es hieß – in die Position der Geschäftsführerin einer Fernseh-Produktionsfirma, die erheblichen Einfluss auf die Berichterstattung von ETB2 hat.

Wie sie selbst auf dem beruflichen Netzwerk LinkedIn angibt, bekleidet sie diese Position bei Prime Time Media SL seit Januar 2025. Darüber hinaus wurde sie am 9. Dezember desselben Jahres zur Bevollmächtigten der Produktionsfirma ernannt, also zur Person, die befugt ist, im Namen des Unternehmens Entscheidungen zu treffen. Und am 30. März dieses Jahres 2026 gründete sie gemeinsam mit Prime Time Media ein weiteres Unternehmen, Kalandra Servicios Audiovisuales SL. Die Produktionsfirma Prime Time Media SL ist verantwortlich für die Sendung „En Jake“ (Schachspiel), die einen Großteil des Vormittags auf ETB2 mit Debatten, Gesprächsrunden und politischen Nachrichten ausfüllt.

Abseits der Fernseh-Verantwortlichen entscheidet das Unternehmen, wer eingeladen wird und wer nicht. Laut eigener Beschreibung „analysieren Leire Torre und Xabier Lapitz das gesamte politische und gesellschaftliche Zeitgeschehen aus der Perspektive des Baskenlandes mit Debatten, aktuellen Nachrichten und Interviews“, wobei es nach dem Sommer zu Änderungen kommen kann. Das Unternehmen produziert auch die Sendung „Euskadi Quédate“ (Euskadi, bleib hier), die nachmittags auf ETB2 ausgestrahlt wird und als „bürgernahe Informationen aus dem Baskenland, die unverzichtbaren Fakten für deinen Alltag, die neuesten Nachrichten aus unserer Region, die Geschichten, die uns tief im Herzen berühren“ beworben wird. „Auf freundliche und positive Weise erzählt, jeden Nachmittag, montags bis freitags“.

NEUBESETZUNG IM PARTEIVORSTAND

Nach dem Alderdi Eguna 2024 (Parteitag) leitete die PNV einen Erneuerungsprozess ihrer regionalen Führungsgremien ein, in dessen Rahmen die Vorsitzenden von Gipuzkoa, Araba und Bizkaia ihre Ämter niederlegten. In einem Radiointerview am 9. Oktober 2024 kündigte Atutxa an, dass sie sich im Rahmen des internen Verfahrens, nicht erneut um den Bizkaia-Vorsitz ihrer Partei bewerben werde, da sie, diese „Lebensphase“ als „abgeschlossen“ betrachte und sich aus dem „öffentlichen politischen Leben“ zurückzuziehen gedenke. Am 23. November 2024 übergab sie die BBB-Leitung an ihren Nachfolger.

Itxaso Autxa ist nicht irgendwer. Sie ist die Ehefrau des derzeitigen PNV-Vorsitzenden Aitor Esteban, und die Tochter des historischen PNV-Politikers und ebenfalls Bizkaia-Vorsitzenden, Javier Atutxa – also weiterhin dem Zentrum der Macht nahestehend. Deshalb witzelt sie, ihre Beziehung zur PNV habe praktisch schon in der Wiege begonnen. „Ich habe die Partei schon erlebt, seit meine Mutter mich in Schulkleidung gesteckt hat“. 1984 trat sie der Partei bei. Anschließend war sie Schirmherrin des Ethnografischen Museums von Bilbao, Vizepräsidentin der Sabino-Arana-Partei-Stiftung, Mitglied des Vorstands der Frauen-Organisation Emakunde, stellvertretende Bürgermeisterin von Zeberio und Mitglied der Nationalversammlung der PNV. Am 21. Februar 2013 wurde sie von ihrer Partei zur Vorsitzenden der BBB (Bizkai Buru Batzar) – als erste Frau in diesem Amt.

ERFAHRUNG IM AUDIOVISUELLEN BEREICH

Als sie den Vorsitz der BBB übernahm, war Itxaso Atutxa bereits seit 25 Jahren in der audiovisuellen Branche tätig. Ihre erste Anstellung hatte sie 1987 als Redakteurin bei den Nachrichtendiensten von ETB. Zwei Jahre später wechselte sie in die Abteilung für Programme und Unterhaltung, zunächst als Redakteurin, später als Programm-Koordinatorin. Von Ende 1990 bis 1993 war sie als Programm-Direktorin und Produzentin tätig. 1996 trat sie der Produktionsfirma 3Koma bei, wo sie gleichzeitig Aufgaben in der Regie und Produktion wahrnahm, und wurde bereits ein Jahr später Teilhaberin des Unternehmens. Unter ihrer Leitung entstanden Sendungen für Fernsehsender wie das baskische Fernsehen ETB, das spanisch-öffentliche TVE, die Privatsender Cuatro oder Canal Sur. Als sie das BBB verließ, kündigte sie ihren Wunsch an, in die audiovisuelle Branche zurückzukehren.

Eine andere Geschichte ist jedoch, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen zwei maßgebliche Nachrichten-Sendungen in die Hände einer Produktionsfirma legt, die derart eng mit einer politischen Partei verbunden ist – und zwar ausgerechnet mit der Regierungspartei. Atutxa war nicht die erste, deren politisch-industrielle Karriere von Vetternwirtschaft (Korruption) geprägt ist; sie wird auch nicht die letzte sein. Denn die Verquickung hat System. Das baskische öffentliche Fernsehen ist berüchtigt dafür. Atutxa hat maßgeblichen Einfluss darauf, wie und von wem ihre eigene Partei im Fernsehen dargestellt wird. Einschließlich aller Partei-Skandale. Und das sind nicht wenige. (naiz-baskultur)

(2026-07-12)

BASKISCHE NEANDERTALER

Die Fundstätte von Axlor, in der Gemeinde Dima in der Provinz Bizkaia, steht dank einer von der Universität Kantabrien (UC) geleiteten Studie erneut im Mittelpunkt der prähistorischen Forschung. Diese liefert neue Erkenntnisse über die Anpassungsfähigkeit der Neandertaler an die Wald-Ökosysteme im Norden der Iberischen Halbinsel. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Quaternary Science Reviews“ veröffentlicht. Die Untersuchung basiert auf der Analyse von 33 Sedimentproben, die seit 2019 in Axlor entnommen wurden, einer Enklave, die vor 100.000 bis 50.000 Jahren von Neandertaler-Gruppen besiedelt war. Die Studie ermöglichte es, fast 9.000 pflanzliche Mikroreste zu identifizieren und die Landschaft, die die Fundstätte in diesem Zeitraum umgab, mit großer Genauigkeit zu rekonstruieren. Den Forschern zufolge liefert diese Arbeit eine vollständige und detaillierte paläoökologische Abfolge für den Südwesten Europas im Mittelpaläolithikum. (Foto: Iñaki Berasaluce)

ÜBER KALTE UMGEBUNGEN HINAUS

Aus historischer und evolutionärer Sicht betont Talía Lazuen, Forscherin der PALEO-Gruppe der UC und Co-Leiterin der Ausgrabungen in Axlor, dass die Studie traditionelle Modelle in Frage stellt, welche die Neandertaler als Populationen betrachten, die ausschließlich an kalte und offene Umgebungen angepasst waren. „Die Ergebnisse zeigen, dass sie in der Lage waren, bewaldete, bergige und gemäßigtere Ökosysteme mit einer großen Verfügbarkeit an Ressourcen zu bewohnen“, versicherte sie. Basierend auf diesen Thesen wurde die Umgebung von Axlor von einem atlantischen Wald dominiert, dessen Dichte und Ausdehnung je nach klimatischen Veränderungen variierten.

Trotz der kalten und trockenen Phasen verschwand die Waldvegetation nie vollständig, und es blieben Laubbaum-Gruppen wie Eichen, Haselnusssträucher, Birken oder Linden erhalten. Diese Beständigkeit belegen nach Ansicht der Forscher den Charakter dieser Umgebung als Rückzugsgebiet und ihre ökologische Widerstandsfähigkeit. Darüber hinaus hätte das anhaltende Vorhandensein von Luftfeuchtigkeit und Wasserläufen eine langfristige Besiedlung durch den Menschen begünstigt. Denn die Landschaft bot reichlich pflanzliche und tierische Ressourcen, die von den Neandertaler-Gruppen intensiv genutzt wurden.

EINE „SCHLÜSSEL“-FUNDSTELLE

Für die Forscher der UC festigt sich Axlor als einer der „Schlüsselfunde“ für die Erforschung des Mittelpaläolithikums in Europa. Sein „außergewöhnlicher“ Erhaltungszustand und die Qualität des paläoökologischen Datensatzes machen ihn, wie sie betonen, zu einer Referenz für künftige Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Klima, Umwelt und prähistorischen Gesellschaften. So argumentiert insbesondere Sebastián Pérez-Díaz, Professor am Institut für Geographie, Stadtplanung und Raumordnung der UC, dass „es nur wenige palynologische Datensätze dieser Länge, Qualität und Dichte in archäologischen Kontexten gibt“.

NEANDERTALER IM BASKENLAND

Die Neandertaler – oder Homo neanderthalensis – sind eine ausgestorbene Hominidenart, die vor 250.000 bis 40.000 Jahren in Europa und Teilen Westasiens lebte. Die Untersuchung der Knochenfossilien beschreibt den Neandertaler als ein Wesen mit einem robusten und breiten Körperbau, aber kurzen Gliedmaßen und einem Gesicht, das trotz seines großen Schädelvolumens durch das Fehlen eines Kinns, stark ausgeprägte Augenbrauen und eine niedrige Stirn gekennzeichnet war. Sie waren Jäger und Sammler und verfügten – entgegen ursprünglicher Annahmen – über die Fähigkeit, sich an unterschiedliche Lebensbedingungen anzupassen und fortschrittliche Steinwerkzeug-Techniken zu entwickeln. Der Bedarf an Nahrung und Rohstoffen für ihre Werkzeuge trieb diese Menschengruppen dazu, sich fortzubewegen und weite geografische Gebiete zu besiedeln. Die bisherigen archäologischen Funde deuten darauf hin, dass die Neandertaler vor 200.000 bis 250.000 Jahren ins Baskenland kamen und dort bis zu ihrem Aussterben vor 40.000 Jahren lebten.

Die Gruppen, die dieses reiche und abwechslungsreiche Gebiet bewohnten, hinterließen Zeugnisse ihrer großen Anpassungsfähigkeit: von Fundstätten an der Küste bis hin zu Stätten in Bergregionen, darunter auch einige in großer Höhe. Sie nutzten Felsüberhänge wie Axlor in Dima oder Abri Olha in Kanbo; Eingänge zu großen Höhlen wie Amalda in Zestoa; oder zu kleineren Höhlen wie Arrillor in Zigoitia, Arlanpe in Lemoa, Lezetxiki in Arrasate, Venta Laperra in Karrantza oder Gatzarria in Ozaze-Zühara. Zudem lebten sie sowohl in warmen Perioden, ähnlich der heutigen, als auch in sehr kalten Zeiten. Einer der bislang bedeutendsten Funde war die Entdeckung von menschlichen Überresten, die mehr als 150.000 Jahre alt sind und aus der Höhle El Polvorín in Karrantza stammen. Es handelt sich um die ältesten Funde, die bisher in Bizkaia entdeckt wurden, sie könnten von einer Neandertalerin oder einer Prä-Neandertalerin stammen. (naiz-baskultur)

(2026-07-11)

ANTIFASCHISTISCHE AUFARBEITUNG

Die Provinzverwaltung von Gipuzkoa würdigt das Lebenswerk von Lourdes Herrasti und Paco Etxeberria im Rahmen der demokratischen Erinnerung, der Aufarbeitung der franquistischen Diktatur. Lourdes und Paco sind die bekannten Gesichter der Wissenschafts-Gesellschaft Aranzadi. Die offizielle Feier findet am 17. Juli in den Gärten des Aiete-Palasts statt, zeitgleich mit dem Jahrestag des faschistischen Putsches von 1936. Die Provinzregierung betrachtet die beiden Personen als „Vorbilder“ bei der Erforschung der Opfer des Franco-Regimes sowie bei der Suche, Bergung und Identifizierung von Vermissten, die Aranzadi leistet. Diese Arbeit hat ihrer Ansicht nach „entscheidend zum Fortschritt des demokratischen Gedächtnisses, der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Wiedergutmachung beigetragen“. (Foto: (Paco Etxeberria und Lourdes Herrasti bei der Arbeit. / Idoia Zabaleta | Foku)

Diese Auszeichnung, initiiert von der Generaldirektion für Menschenrechte und demokratische Kultur, entspricht dem Engagement der Institution für die Bewahrung des demokratischen Gedächtnisses und für die Anerkennung jener, die durch wissenschaftliche Genauigkeit, historische Forschung und die Verteidigung der Menschenrechte jahrzehntelang dazu beigetragen haben, die Identität und Würde der Opfer wiederherzustellen und ihren Familien Antworten zu geben. Es sei daran erinnert, dass Paco Etxeberria seinerzeit bereits den Menschenrechts-Preis der Provinzregierung von Gipuzkoa erhalten hatte. Lourdes Herrasti hingegen erhält mit dieser Veranstaltung ihre erste Auszeichnung der Provinzregierung für ihr herausragendes Lebenswerk im Bereich der forensischen Archäologie und der Wiederherstellung des historischen Gedächtnisses.

DIE ZEREMONIE

Die Feier wird verschiedene künstlerische und institutionelle Darbietungen vereinen, um den Opfern des Krieges von 1936 sowie all jenen Tribut zu zollen, die aus unterschiedlichen Bereichen dazu beigetragen haben, deren Andenken zu bewahren. Die Veranstaltung beginnt mit einer szenischen Darbietung, die Zirkus und Theater rund um verschiedene Episoden im Zusammenhang mit dem Krieg verbindet. Anschließend wird der Chor Easo mehrere Musikstücke vortragen. Anschließend werden verschiedene Briefe verlesen, die baskische Soldaten am Vorabend ihrer Erschießung an ihre Familien geschrieben haben – ein Zeugnis, das es ermöglicht, sich der menschlichen Dimension des Konflikts zu nähern. Die Historikerin Queralt Solé, Spezialistin für demokratisches Gedächtnis und Forscherin zum Tal von Cuelgamuros, wird die Würdigung von Lourdes Herrasti vortragen. Der Gerichtsmediziner Fernando Serrulla, langjähriger Mitarbeiter von Etxeberria und einer der führenden Experten für die Untersuchung und Identifizierung menschlicher Überreste, wird seinerseits die Würdigung von Paco vornehmen. Nach der Verleihung der Auszeichnungen werden Lourdes Herrasti und Paco Etxeberria einige Worte an die Anwesenden richten. (naiz-baskultur)

(2026-07-11)

ERSTE SOZIALISTEN-PARTEI IN BILBO

Vor 140 Jahren, am 11. Juli 1886, wurde in Bilbao der erste sozialistische Verein des Baskenlandes gegründet. Sein Initiator war der in Toledo geborene Arbeiterführer Facundo Perezagua (1860-1935), ein Wegbereiter und herausragender Führer des baskischen Sozialismus. Im Jahr 1890 führte er den ersten großen Generalstreik im Baskenland an. Facundo Perezagua wurde 1914 aus der PSOE ausgeschlossen, da er mit den Bündnissen der gemäßigten Partei PSOE nicht einverstanden war, mit anderen zusammen gründete er in Bilbao die Kommunistische Partei Spaniens. (Quelle: Iñaki Egaña, Kurze Geschichte des Baskenlandes) (argia-baskultur)

(2026-07-10)

MENSCHENZOO DONOSTIA

Vor 100 Jahren, am 10. Juli 1926, wurde in Donostia / San Sebastián im Vergnügungspark Igeldo ein „Menschenzoo“ eröffnet. Dort wurden 102 Menschen aus drei senegalesischen Stämmen vorgeführt, darunter fünfzehn Kinder. Innerhalb von neun Tagen wurden sie in eigens für sie errichteten Hütten untergebracht, um den Besuchern ihre Lebensweise und Bräuche zu vermitteln. Der Unternehmer Fournier war der Hauptorganisator. In Europa war es in jenen Jahren üblich, solche Menschenzoos mit Einheimischen aus den Kolonien zu organisieren, um deren stereotype Bilder zu verbreiten und die kolonialistische Praxis zu rechtfertigen. Spott und Demütigungen durch die Besucher der „Menschenzoos“ waren an solchen Orten an der Tagesordnung. (Quelle: Xalba Ramírez, „Senegalesen im Menschenzoo von Monte Igeldo“, Irutxuloko Hitza, 2. Februar 2024). (argia-baskultur)

(2026-07-10)

DER DIKTATOREN-PLATZ

Der Flughafen von Bilbao liegt 20 Kilometer außerhalb der Stadt. Wer – wie alle Touristinnen – mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus der Bizkaia-Hauptstadt zum Flughafen kommen will, steht sich am Moyua-Platz die Beine in den Bauch, vor dem Sitz des spanischen Finanzamtes und des historischen Carlton-Hotels. Schon immer war “Moyua” ein umstrittener Name für das Verkehrszentrum der Stadt, weshalb viele lieber von “Eliptica” sprachen. Dieser Vorzug unter den Gemütern der Bevölkerung erhält nun einen offiziellen Status: “Moyua” muss sich verabschieden von dem Ort, der fast neun Jahrzehnte lang sein Zuhause war.

Die Stadtverwaltung hat kürzlich die vier Namensschilder des zentralen Kreisverkehrs-Platzes ausgetauscht, der fortan „Plaza Elíptica“ heißen wird. Anfang März war es angekündigt worden, vier Monate später trat die Änderung in Kraft. Der bisher als „Plaza Moyua“ bekannte Platz wird offiziell nicht mehr Moyua heißen, sondern „Elíptica“ – eine historische Bezeichnung, die von unterschiedlichen politischen Gruppen schon länger gefordert worden war. Fast neun Jahrzehnte, nachdem der ehemalige franquistische Bürgermeister von Bilbao, der Faschist José María de Areilza, diesen Platz in “Federico Moyua” umbenannt hatte, setzt die Stadtverwaltung nun darauf, dem berühmten Platz seinen traditionellen Namen zurückzugeben. Die Änderung, unter anderem von der linken Koalition EH Bildu gefordert, hat historische Gründe und steht in Zusammenhang mit dem „Gesetz der Historischen Erinnerung”, welches die Tilgung von Namen und Symbolen aus der Zeit des spanischen Faschismus fordert.

Daran erinnerte der Bürgermeister bei seinem öffentlichen Erscheinen. „Federico Moyua (1873–1939) stand in Verbindung mit zwei Diktaturen. Er wurde 1924 unter der (im Ausland wenig bekannten) Diktatur von Miguel Primo de Rivera zum Bürgermeister ernannt. 1937, nach dem Fall von Bilbao in die Hände der putschenden Franquisten, erfolgte die Benennung des Platzes 1937 durch den ersten franquistischen Bürgermeister von Bilbao, José María de Areilza“, erklärte er. Ziel sei, „den Einwohnern von Bilbao jene Vorstellung zurückzugeben, die schon immer existiert hat“. Oder im Klartext: ein mit dem Faschismus in Verbindung stehender Name wird aus dem Register gestrichen. Die Umbenennung zieht weitreichende Konsequenzen nach sich. So kann die Änderung der Verkehrs-, Tourismus- und ähnlicher Beschilderungen aufgrund ihrer hohen Zahl nur schrittweise erfolgen. Auch die Beschriftung in der U-Bahn wird nicht von heute auf morgen erneuert. Der Bürgermeister bestätigt, dass die Änderungen aufgrund der damit verbundenen Kosten – neben dem Namen der Bus- und Metro-Haltestelle muss auch der Name im Inneren aller U-Bahn-Wagen angepasst werden – „nach und nach“ erfolgen werden.

BEFÜRWORTER UND GEGNER

Die Stadtverwaltung hatte sich bereits seit längerer Zeit mit der Frage der Umbenennung beschäftigt. In den vergangenen Monaten habe man „einen Kontaktprozess mit den verschiedenen Einrichtungen und Gruppen gepflegt, die von der Umbenennung des Platzes betroffen sind“. Wie immer gab es Befürworter und Gegner der Änderung. Auf der einen Seite Vertreterinnen der Änderung, auf der anderen Seite jene, die die Verdienste eines Bürgermeisters mit Faschismus-Vergangenheit würdigten, der die Annexion der unabhängigen Orte Begoña und Deusto in die Wege geleitet, den Markt von La Ribera oder die beweglichen Brücken über den Fluss vorangetrieben hat. „Im kommenden Jahr jährt sich der Fall von Bilbao zum 90. Mal – ein Moment, der es umso notwendiger macht, die antifaschistischen Werte in die Zukunft zu tragen“, freute sich die Sprecherin der Partei EH Bildu.

Die spanisch-reaktionäre PP hingegen erklärte, dass diese Änderung vorgenommen werde, „um den Wünschen des baskischen Nationalismus nachzukommen“. „Wir hatten den Plaza España und den Plaza Moyua – jetzt haben wir den Plaza Circular und den Plaza Elíptica”. Für spanische Ultranationalisten unerträglich, in den vergangenen 50 Jahren haben sie sich überall gegen die Tilgung des Namens “Franco” gewehrt. Die Umbenennung sei “Nationalistische Geometrie“, kritisierte die PP-Sprecherin. Und wer war dieser Moyua, den die Diktatoren so verehrten? Federico de Moyúa y Salazar (Bilbao, 17. Juli 1873 – Bilbao, 7. März 1939) war Rechtsanwalt und Unternehmer, versichert Wikipedia. Und Faschistenfreund. (elcorreo-baskultur)

(2026-07-10)

AN HITZE STERBEN

An der Hitze zu sterben ist kein Unfall, sondern eine Frage der sozialen Schicht und der Ungleichheit, so eine aktuelle Studie. Ein Bericht des IDRA-Observatoriums untersucht reale Daten aus 311 katalanischen Gemeinden und kommt zu dem Schluss, dass die Sterblichkeit und das Leiden aufgrund von Hitze „das Ergebnis von Ungleichheiten sind, die durch das Klima verstärkt, aber nicht verursacht werden“. – An der Hitze zu sterben ist nicht nur eine Redewendung, sondern eine durch statistische Daten belegte Realität. Weltweit sterben laut Lancet Countdown jedes Jahr 560.000 Menschen an den Folgen hoher Temperaturen, davon 180.000 in Europa. Die durch Hitze verursachte Sterblichkeit hat zugenommen, da die Temperaturen aufgrund der Klimakrise Jahr für Jahr neue Rekorde brechen. Seit den 1990er Jahren ist die Zahl der hitzebedingten Todesfälle um 23% gestiegen.

Entgegen den Argumenten der politischen und medialen Rechten widerlegt der vom IDRA-Observatorium erstellte Bericht „Wer kann sich vor der Hitze schützen?“ die von den liberalen Leugnern am häufigsten vorgebrachten Argumente: Die mit der Klimakrise verbundene steigende Sterblichkeit ist eine bereits feststehende Tatsache und es handelt sich nicht um „Wetterunfälle“. Vielmehr handelt es sich um eine Frage der sozialen Schicht und der Ungleichheit – darum, wer Zugang zu Kühlmöglichkeiten hat, welche Arbeit man verrichtet, in welchem Zustand die Wohnung ist und in welchem Gebiet man lebt, wie diese Studie verdeutlicht. Hitzetote sind „das Ergebnis eines Systems mangelnder sozialer Absicherung“, das dieses Szenario einer Klimakrise nie berücksichtigt hat.

Die Todesfälle verteilen sich laut dieser IDRA-Studie weder willkürlich noch zufällig. Sie treten in einkommens-schwachen Stadtvierteln auf, in denen es keine Klimaanlagen gibt und die Wohnungen schlecht isoliert sind; ältere Menschen sind stärker betroffen, wobei Frauen häufiger zu den Opfern zählen. Die am 9. Juli veröffentlichte Untersuchung, die auf realen Daten aus 311 Gemeinden der Provinz Barcelona basiert, deckt eine große Kluft beim Zugang zu Klimaanlagen auf. Der Anteil der Wohnungen mit Kühlsystem steigt von 38,9% bei Haushalten mit einem Einkommen von weniger als 1.000 Euro pro Monat auf 71,2% bei Familien mit einem Einkommen von mehr als 3.000 Euro. Diese Kluft von 32 Prozentpunkten wiederholt sich ausnahmslos in den 16 Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern, für die eine ausreichende Stichprobe vorliegt. Es handelt sich um eine Frage der sozialen Schicht: „Das Einkommen entscheidet darüber, wer die Hitze in den eigenen vier Wänden bekämpfen kann.“

Das ist nichts Neues. Bei der Hitzewelle im Juli 1995 in Chicago, als innerhalb einer einzigen Woche 739 Menschen starben, stimmen die Karten zur Sterblichkeit und zur Armut Punkt für Punkt überein. Die afro-amerikanischen Stadtteile, die jahrzehntelang von Investitionen vernachlässigt wurden und in denen das nachbarschaftliche Gefüge zerfallen war, verzeichneten die meisten Opfer. „Wer bei einer Hitzewelle stirbt, tut dies eher aus sozialen als aus meteorologischen Gründen“, erklären sie. Dasselbe gilt für die untersuchten Gemeinden in der Provinz Barcelona: In den einkommensschwächsten Gemeinden ist die Zahl der Todesfälle am höchsten. (...) (elsalto-baskultur)

(2026-07-09)

SANFERMIN BEKLAGT POLIZEIMORDE

Die Organisationen Sanfermin 78 und Martxoak 3 fordern bei einer groß angelegten Gedenkfeier „Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung“. Vor dem Denkmal für Germán Rodríguez haben die Vereinigungen aus Pamplona und Gasteiz eine Gedenkfeier zu den Verbrechen von 1978 und 1976 organisiert, die sich vor einem halben Jahrhundert ereignet haben. Sie gedachten der Opfer und betonten, wie wichtig es sei, den Kampf fortzusetzen, um „weiterhin eine bessere Zukunft zu gestalten“. Dutzende Menschen aller Altersgruppen kamen gestern zum Denkmal für Germán Rodríguez, um „Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung“ für die „beiden Staatsverbrechen“ zu fordern, die sowohl in Gasteiz am 3. März 1976 als auch in Iruñea am 8. Juli 1978 begangen wurden. (Der Aurresku zu Ehren der Opfer während der Gedenkveranstaltung von Sanfermines 78 und Martxoak 3. Jon URBE | FOKU)

Die hohen Temperaturen haben die Teilnehmer nicht abgeschreckt, die in San-Fermin-Tracht um 13:00 Uhr zur Veranstaltung gekommen sind und den Riesen von Alde Zaharra folgten, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feierten. Die Sprecher der Vereinigungen „Martxoak 3“ und „San Fermines 78 gogoan“, José Luis Martínez und Begoña Zabala, erinnerten das Publikum an die Ereignisse, die sich vor nunmehr einem halben Jahrhundert zugetragen haben. „In diesem Jahr jährt sich zum 50. Mal das von der Polizei in Gasteiz verübte Massaker; zwei Jahre später gab es weitere Tote in Iruñea“, begann Zabala. Martínez sprach seinerseits über den Werdegang des Kampfes beider Vereine, die sich dafür eingesetzt haben, „an diese Massaker zu erinnern, damit sie nicht im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten, und den neuen Generationen die Realität dieser Verbrechen sowie die Notwendigkeit zu vermitteln, nicht nachzulassen, bis die vollständige Wahrheit ans Licht kommt, die verweigerte Gerechtigkeit hergestellt ist und alle Opfer interne Wiedergutmachung erfahren“.

Nach den Reden betonten sie, wie wichtig es sei, den Kampf fortzusetzen und gemeinsam mit der Jugend eine bessere Zukunft zu gestalten. „Wir sind nicht nur hier, um über die Vergangenheit zu sprechen. Wir müssen auch weiterhin eine bessere Zukunft gestalten. Jetzt werden jüngere Menschen einbezogen, um den Kampf fortzusetzen“, erklärten sie. Die Anwesenden skandierten „herriak ez du barkatuko“ („Das Volk wird nicht vergeben“) und forderten ein Ende der Straflosigkeit; sie applaudierten den Organisatoren, als diese ihre Ablehnung des zionistischen Völkermords zum Ausdruck brachten und ihre Unterstützung für Palästina bekundeten. Neben der erneuten Beteiligung der Blaskapelle „Jarauta 69“ nahmen an der massiven Kundgebung auch die Bertsolaris Ander Elortegi und Onintza Enbeita, die Band „Streetwise“ sowie der Liedermacher Fermin Balentzia teil. Sie alle unterstützten die Mitglieder sowohl von „Martxoak 3“ als auch von „San Fermines 78 gogoan“durch kurze Auftritte vor dem Publikum, um die zuvor von den Sprechern erwähnte Botschaft zu unterstreichen: wie wichtig es ist, die Vergangenheit nicht zu vergessen, Geschichte zu schreiben und durch den fortgesetzten Kampf zu verhindern, dass sich diese wiederholt. (naiz-baskultur)

(2026-07-09)

SANFERMIN OHNE ZIONISMUS

Die palästinensische Flagge hat sich bei den Sanfermines in der Vergangenheit einen Platz erobert, und dieses Jahr beansprucht sie einen weiteren: den der Kneipen. Aske, Yala Nafarroa und das Txosnagune von Herri Sanferminak haben Marke für Marke recherchiert, was getrunken werden kann, ohne auch nur einen Euro in die Hände von Komplizen des Völkermords zu geben. – Ein Gläschen trinken, ein gutes Festmahl genießen oder einfach nur auf den Sanfermines feiern, ohne auch nur einen einzigen Euro an Unternehmen zu zahlen, die sich mitschuldig am Völkermord gemacht haben – das ist komplizierter, als es scheint. Ein Bier, ein Mixgetränk, ein Erfrischungsgetränk gegen das Nachmittagstief und zur Bekämpfung von Hitze und Kater … Hinter fast jedem Getränk steht eine Marke, die auf den Boykottlisten der BDS-Bewegung steht. Es ist mühsam, aber machbar, und manche haben den Weg bereits zu einem guten Teil geebnet. (Foto: foku)

Aske, das Festival in Atarrabia, das das Erbe des Hatortxu Rock übernommen hat, wurde bereits bei seiner ersten Ausgabe zu einem der Vorreiter bei der Umsetzung einer Bar mit vollständigem Boykott Israels, ohne ein einziges Getränk, das mit dem Zionismus in Verbindung steht. Ein Unterfangen, so erzählt Maider Auza, Mitglied des Bar-Komitees, das dazu zwang, die Produkte einzeln zu überprüfen. Der erste Schritt, erinnert sie sich, bestand darin, einzusehen, dass sie den vollständigen Boykott nicht von heute auf morgen gewährleisten konnten. „Anfangs wollten wir einen absoluten Boykott bei allen Produkten, aber wir haben schnell erkannt, dass wir das nicht einfach so garantieren konnten“, erklärt sie. An einer Bar eines Solidaritätsfestivals spielt die finanzielle Seite eine große Rolle, und jedes Getränk bringt Lieferanten, Preise und Logistik mit sich.

Also setzten sie sich ein klares Ziel: möglichst geringe wirtschaftliche Verbindungen zu Israel. Sie wandten sich an die BDS-Bewegung, um zu erfahren, wo sie anfangen sollten. Das erste Ziel waren Erfrischungsgetränke, angefangen bei den großen Unternehmen Coca-Cola Company und PepsiCo, die beide wegen ihrer Verbindungen zu Israel in der Kritik stehen und fast das gesamte Barangebot dominieren. Als Alternative stießen sie auf Frixen, einen Getränkehersteller aus Zaragoza, der Cola, Orangen-, Zitronen- und Tonic-Getränke herstellt. Doch es tauchte ein Problem mit dem Recycling auf. Frixen verwendete keine Mehrwegflaschen, sodass jedes ausgeschenkte Getränk eine Einweg-Glasverpackung hinterließ und sich Berge von Glas ansammeln könnten. Die Alternative wäre gewesen, die Getränke in Dosen zu bestellen, die leichter zu recyceln sind, aber Aske wollte den Abfall so weit wie möglich reduzieren. Sie berieten sich mit dem Gemeindeverband, der lieber Glas als Dosen entsorgte, und so wurden die meisten Erfrischungsgetränke schließlich in Flaschen serviert und nur das Tonic in Dosen.

Nachdem die Frage der Erfrischungsgetränke geklärt war, blieb noch das heikelste Thema für jeden, der heutzutage an einer Theke etwas bestellen möchte: der Alkohol. Hier hat Aske Marke für Marke unter die Lupe genommen, und das Ergebnis ist ein Spickzettel, der für eine „Txosna“ genauso nützlich ist wie für die Eckkneipe. Ein Gin Tonic, ohne Israel zu unterstützen? Mit Master Gin. Ein Wodka? Moskovskaya. Whisky? Bold. Rum? Barceló. Vier Namen, die seiner Recherche zufolge den Boykott einhalten, während der Rest der Theke voller markierter Marken ist. Auch wenn das Problem manchmal nicht die Marke ist, sondern das dahinterstehende Unternehmen, das bei einem Produkt den Boykott einhält, bei einem anderen jedoch umgeht, lautet sein Rat daher, auf die kleinste und nächstgelegene Brennerei zurückzugreifen, die man finden kann. Was den Patxaran angeht, musste zur Beruhigung der Gemeinde gar nicht erst recherchiert werden. Er stammt von hier, also wird er kaum irgendetwas in Tel Aviv finanzieren, ebenso wenig wie die heimischen Spirituosen, das Bier oder der Wein.

KEIN PLATZ FÜR VÖLKERMORD

In dieselbe Richtung geht auch die Initiative „Yala Nafarroa con Palestina“, die die BDS-Kampagne „No Room for Genocide“ in die Region gebracht hat, die speziell für das Gastgewerbe und den Tourismus konzipiert wurde. Die Idee dahinter ist, denjenigen, die am Völkermord in Gaza beteiligt waren, den Zugang zu verwehren und gleichzeitig Palästinenser und Flüchtlinge mit offenen Armen zu empfangen. Um sich anzuschließen, genügt es, die beiden Plakate aufzuhängen – das mit der Wassermelone und das mit dem Zutrittsvorbehalt. Wer jedoch noch einen Schritt weiter gehen möchte, kann die Theke von Produkten fragwürdiger Marken leerräumen und sie stattdessen mit lokalen Erzeugnissen füllen.

Mittlerweile haben sich bereits mehr als fünfzig Lokale in Navarra angeschlossen, und von Yala wird betont, dass es sich nicht um eine Sommerkampagne handelt. Doch die Sanfermines haben Vorrang, und die Initiative, die im vergangenen Jahr den Txupinazo vom Balkon des Rathauses aus gezündet hat, will diese Tage, an denen sich Iruñea mit Touristen füllt, auf keinen Fall verpassen. Die Idee sei, „die Theke in ein Boykott-Terrain zu verwandeln, damit bei diesen Festen von internationaler Bedeutung auch deutlich wird, dass es keinen Platz für Völkermord gibt“.

HERRI SANFERMINAK

Auch im Txosnagune von Herri Sanferminak steht der Boykott im Mittelpunkt. „Er ist umfassend, in jeder Hinsicht“, fasst Zuberoa von der Gruppe zusammen, der auch das Verbot von Spotify mit einbezieht. Es sei nicht einfach gewesen, gibt er zu, denn die Unternehmen, die mit Israel zusammenarbeiten, seien zahlreich, doch man habe sich auf die Kontakte gestützt, die die Kampagne vermittelt, sowie auf das Beispiel der Festgruppen aus Bilbao, die diesen Schritt bereits gegangen waren. An der Theke gibt es keine Coca-Cola, Pepsi, Kas und Fanta mehr, sondern Nabarcola und Euskola in den Geschmacksrichtungen Cola, Zitrone, Orange und Tonic. Bei den alkoholischen Getränken wurde nach dem gleichen Kriterium vorgegangen: Marken mit Verbindungen wie Seagram wurden weggelassen, um bei Tanqueray-Gin, Añejo-Rum und Moskovskaya-Wodka zu bleiben.

Für alle, die diese Auswahl selbst treffen möchten, gibt es ein Tool, das mittlerweile fast unverzichtbar geworden ist: die App „No Thanks“, mit der man ein Produkt scannen und sofort erfahren kann, ob die Marke vom Boykott betroffen ist. Doch bei den Herri Sanferminak beschränkt sich diese Geste nicht nur auf das, was ausgeschenkt wird. Das Txosnagune hat sie auch auf die Kommunikation ausgeweitet und deutlich gemacht, dass Zionisten nicht willkommen sind und dass „Euskal Herria mit Palästina steht“, betont Zuberoa. In diesem Sinne und wie bereits im letzten Jahr haben sie sich der von „Palestinarekin Elkartasuna“ organisierten Demonstration angeschlossen, die am 10. Juli ab 18:00 Uhr durch Iruñea ziehen wird, mit Start an der Plaza de la O. (naiz-baskultur)

(2026-07-08)

EINE KRIEGS-TROPHÄE

Der ehemalige ETA-Führer Josu Urrutikoetxea, Spitzname Ternera (76 Jahre), wurde diese Woche in Frankreich von einer Anklage wegen ETA-Mitgliedschaft freigesprochen. Das eröffnet gleichzeitig die Möglichkeit, dass er an den spanischen Staat ausgeliefert wird, denn seit Jahren läuft ein Auslieferungs-Antrag, der durch das Verfahren in Frankreich gebremst wurde. Urrutikoetxea selbst geht davon aus, dass er ausgeliefert wird, um der Geschichte vom Ende der bewaffneten Organisation ETA „die Krone auszusetzen“. Urrutikoetxea: „Spanien braucht mich, um seinen Sieg zu demonstrieren – für die bin ich eine Kriegstrophäe.“

Der Freispruch, den ihm das Pariser Berufungsgericht diese Woche erteilt hat, bedeutet für José Antonio Urrutikoetxea keine Erleichterung. Im Gegenteil. Der langjährige ETA-Führer geht davon aus, dass die Einstellung der gegen ihn in Frankreich anhängigen Gerichtsverfahren den Weg für seine sofortige Auslieferung an Spanien ebnet – ein Szenario, das er als so gut wie sicher ansieht und als letzten Schritt interpretiert, um die Geschichte vom Ende der ETA „abzuschließen“. „Spanien braucht mich, um seinen Sieg zu verkörpern – ich bin eine Kriegstrophäe“, versichert er in einem Interview, das am Sonntag in der Zeitung „Berria“ veröffentlicht wurde.

Am Donnerstag hatte Richterin Schoonwater seinen Freispruch wegen „mangelnder Beweise“ verkündet, es ging darum, ob er zwischen 2002 und 2005 an der Spitze der ETA stand. Ein Urteil, das zu einem früheren Urteil hinzukommt, das sich auf den Zeitraum von 2009 bis 2011 bezog und mit denselben Gründen abgelehnt wurde. Das Urteil bedeutet einen Sieg für „Ternera“ und seine Verteidigungsstrategie, bringt jedoch gleichzeitig seine Auslieferung an Spanien näher – einen Schritt, den er seit Jahren zu verhindern versucht. Denn dasselbe Gericht hatte Anfang Juni den von der Audiencia Nacional erlassenen Europäischen Haftbefehl angenommen, in Erwartung des Abschlusses dieses Verfahrens.

Die einzige Möglichkeit, diese Auslieferung hinauszuzögern, besteht nun darin, dass die Staatsanwaltschaft beschließt, innerhalb der nächsten zehn Tage beim französischen Kassationsgericht Berufung gegen das Urteil einzulegen. Urrutikoetxea glaubt jedoch nicht, dass dies geschehen wird, da es seiner Meinung nach „nicht in ihrem Interesse liegt“. Er sagt, er hege noch etwas „Hoffnung“, die Auslieferung zu verhindern, räumt jedoch ein, dass dies „angesichts des jüngsten Vorgehens der französischen Gerichte“ unwahrscheinlich sei. „Zwischen Spaniern und Franzosen läuft es so: Du tust dies für mich, und ich tue jenes für dich“, erklärt er.

Im Laufe des Interviews stellt Urrutikoetxea fest, dass die gegen ihn in Spanien anhängigen Verfahren Teil einer Strategie seien, um die konstruierte Erzählung über das Ende der ETA zu vollenden. „Sie haben mich zu diesem Symbol gemacht“, erklärt er, bevor er betont, dass die spanischen Institutionen seine Inhaftierung „brauchen“, um den „Sieg“ zu inszenieren. „In ihrer Darstellung bin ich genau das: eine Kriegstrophäe“, fügt er hinzu. Und seiner Ansicht nach hat sich Frankreich an dieser Dynamik beteiligt, obwohl das sogenannte „baskische Problem“ für die französischen Behörden seiner Aussage nach bereits gelöst ist und sie keinen Nutzen daraus ziehen, diese Verfahren weiterzuführen.

Das langjährige ETA-Mitglied kritisiert insbesondere den jüngsten Europäischen Haftbefehl, in dem ihm vorgeworfen wird, bis zur endgültigen Auflösung der ETA Teil der Führung der Organisation gewesen zu sein. Er weist diesen Vorwurf zurück und versichert, dass er auf „Manövern“ beruhe, die von Opferverbänden vorangetrieben würden – die Gruppe „Dignidad y Justicia“ bezeichnet er zurecht als „faschistisch“ – sowie auf der Identifizierung seiner Stimme als die der Person, die das Kommuniqué von 2018 verlas, in dem die ETA ihr Ende ankündigte. Er räumt ein, dass er es war, behauptet jedoch, dass diese Tatsache bereits öffentlich bekannt war und nicht als Beweis dafür dienen könne, dass er der Führung der Organisation angehörte.

Was die Verfahren betrifft, denen er sich in Spanien stellen müsste, bestreitet er erneut seine Beteiligung am Anschlag auf die Kaserne in Zaragoza und am sogenannten Fall der „Herriko Tabernas“. Er bekräftigt zudem die Rolle, die er bei den Kontakten zur Auflösung der ETA gespielt hat, und vertritt die Ansicht, dass seine Arbeit in den letzten Jahren der Organisation mit den Dialogprozessen verbunden war. Und obwohl er seine Auslieferung als beschlossene Sache betrachtet, versichert er, dass er diesem Szenario mit der Gelassenheit entgegenblickt, in den letzten sechs Jahren die Beziehung zu seinen Kindern und Enkelkindern wiederhergestellt zu haben: „Sie werden mich ins Gefängnis stecken, aber sie werden es niemals schaffen, mir das zu nehmen, was ich in dieser Zeit erreicht habe.“ (ec-baskultur)

(2026-07-08)

ERINNERUNG AN GERMÁN RODRÍGUEZ

Es geschah am 8. Juli 1978, heute vor 48 Jahren. Germán Rodríguez Saiz war ein baskischer Aktivist der linken Organisation LKI (Liga Comunista Revolucionaria), der während der Sanfermines-Feierlichkeiten 1978 in Pamplona durch einen Schuss der bewaffneten Polizei getötet wurde. Germán starb, als er an der Kreuzung der Avenida Carlos III mit der Calle Roncesvalles von einem Polizeischuss in den Kopf getroffen wurde.

In den Jahren 1977 und 1978 durchlief das postfranquistische Spanien den Übergang von der Diktatur zur Demokratie, alle faschistischen Repressionskräfte (Polizei, Militär, Justiz) waren noch fest in der Hand der alten Garde des Regimes. Ultrarechte wie linke Gruppierungen, die sich gegen den Übergang bzw. falschen Übergang zur Demokratie stellten, lieferten sich regelmäßig Auseinandersetzungen. In Iruñea-Pamplona waren es turbulente Monate: die „Pro-Amnestie-Woche“ von 1977, in der die Freilassung politischer Gefangener gefordert wurde, häufige Unruhen und Angriffe beider Seiten.

Unter diesen Umständen begannen die San-Fermín-Fiestas von 1978. Am 8. Juli stiegen nach Ende des Stierkampfs mehrere Gruppen mit Transparenten zugunsten der Amnestie in die Arena hinab. Dies führte zu einer Auseinandersetzung (mit lautstarken Rufen, dann mit Schlägen) mit Teilen des rechten Publikums, die gegen die Amnestie waren. Die bewaffnete Polizei stürmte die Arena und setzte Rauchgranaten und Gummigeschosse ein, um die Protestierenden zu vertreiben. Die bewaffnete Polizei setzte scharfe Munition ein, wodurch 7 Personen Schussverletzungen erlitten (von insgesamt 55 versorgten Verletzten).

STRASSENKÄMPFE

Die Schüsse in der Arena führten zu mehreren Verletzten, es kam zu gewalttätigen Ausschreitungen in der Stadt. Die Linken errichteten Barrikaden und warfen Steine und Molotowcocktails gegen die bewaffnete Polizei, die erneut mit scharfer Munition reagierte. Nach Angaben des damaligen faschistischen Innenministers Rodolfo Martín Villa wurden an diesem Tag insgesamt 130 Schüsse mit scharfer Munition und 7.000 Schüsse mit Einsatzmitteln abgefeuert. Nach der Aussage des rechten Politikers Jaime Ignacio del Burgo geriet ein kleiner Bus, der Polizei aufgrund von Manövrierproblemen in einen Hinterhalt und wurde angegriffen von einer Gruppe, zu der angeblich auch Germán Rodríguez gehörte. Die Beamten reagierten mit Rauchgranaten und Schüssen, von denen einer Germán Rogdriguez traf. Diese Darstellung steht jedoch im Widerspruch zu der des linken Anwalts Sabino Cuadra, in der der Tod von Rodríguez als Mord bezeichnet wird. Cuadra berichtet:

„In den zu diesen Vorfällen eingeleiteten Ermittlungen wird die Existenz von mehr als 30 Einschusslöchern in Bäumen, Autos und Gebäuden in der Nähe der Stelle, an der Germán zu Boden ging, nachgewiesen, wobei die meisten in einer Höhe zwischen 0,9 und 2,3 Metern auftraten“, erklärte Cuadra in seinem Artikel. „Darüber hinaus bestätigten ein Dutzend Zeugen, die die Ereignisse von der Straße sowie von Balkonen und Fenstern aus beobachteten, dass dort ein Bus und fünf Polizeikleinbusse standen und dass zwei Beamte, die waagerecht schossen, mehrere Minuten lang eine Pistole und eine Maschinenpistole einsetzten. Es ist also offensichtlich, dass dort geschossen wurde, und zwar mit der Absicht zu töten“, bekräftigt er. Cuadra weist zudem darauf hin, dass ein Tag nach dem Tod von Rodríguez, am 9. Juli, ein Funkamateur vom Polizeifunk einen Befehl an eine Einheit aufgezeichnet habe: „Schießt mit aller Kraft! Es ist euch egal, ob ihr tötet!“, lautete dieser. Diese Audioaufnahme ist in einem Bericht des baskischen öffentlichen Radios EITB zu hören“ Insgesamt forderten die Zusammenstöße mehr als 150 Verletzte, darunter 11 mit Schussverletzungen, sowie den Tod des 23-jährigen Germán Rodríguez. Das Ereignis hatte erhebliche Auswirkungen auf Navarra, bei den Protesten gegen den Polizeimord kam wenige Tage später in Donostia ein junger Mann aus Astigarraga, Joseba Barandiaran, ums Leben.

Linke Organisationen beklagten den Tod von Germán als Mord im Rahmen der postfranquistischen Repression. Die Mehrheit der politischen Gruppierungen betrachtet den bewaffneten Einsatz in der Arena als bedauerlichen Fehler der Polizei, niemand wurde zur Verantwortung gezogen, niemand verurteilt. Der Zivilgouverneur Ignacio Llano wurde seines Amtes enthoben, die Polizeikommandanten wurden lediglich versetzt. Organisiert vom Verband der Fiestagruppen von Pamplona und verschiedenen Vereinen findet jedes Jahr am 8. Juli eine Gedenkfeier für Germán Rodríguez am Denkmal zu seinem Gedenken an der Stelle statt, an der er starb. Dort befindet sich eine Gedenktafel, die an das Ereignis erinnert. Die Tafel wurde von Neofaschisten mehrfach beschädigt und zwischenzeitlich von einer rechten Stadtregierung entfernt. Von Anwohner*innen und Jahre später von einer linksliberalen Stadtverwaltung wurde sie wieder aufgestellt. (wikipedia-baskultur)

(2026-07-07)

SARRI, SARRI – DAS LIED ZUR FLUCHT

Sarri – zwei Silben, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Joseba Sarrionandia und Iñaki Pikabea, lieferten 1985 mit ihrer Flucht aus dem Martutene-Gefängnis von Donostia den Stoff für ein legendäres Lied, das weit über das Baskenland hinaus bekannt wurde. Vertont wurde das Stück von Fermin Muguruzas Band Kortatu. – Fluchten haben in der Regel eine epische, romantische Komponente und verspotten die etablierte Ordnung, was dazu führt, dass sie mit Sympathie betrachtet werden. Nur wenige Fluchtversuche in der Geschichte dürften jedoch so gefeiert worden sein wie der von Joseba Sarrionandia und Iñaki Pikabea. Dies ist nur der öffentlich bekannte Teil einer Geschichte, die noch nicht niedergeschrieben wurde. Am 7. Juli 1985, zur Mittagszeit, als ganz Euskal Herria seinen Blick auf die Sanfermines in Iruñea richtete, inszenierten zwei baskische Häftlinge nur wenige Kilometer entfernt eine der meistdiskutierten Fluchtgeschichten der baskischen Geschichte – und zweifellos diejenige, zu der am meisten getanzt wurde.

Es geschah in Martutene, wo zu jener Zeit der aus Errenteria stammende Iñaki Pikabea und der bekannte Schriftsteller Joseba Sarrionandia aus Iurreta inhaftiert waren. Beide verbüßten Haftstrafen als ETA-Aktivisten und waren kurz zuvor aus Herrera de la Mancha (Madrid) verlegt worden. An jenem Tag gab der Sänger Imanol Larzabal – 2004 verstorben – ein Konzert im Gefängnis. Als der Auftritt zu Ende war, beschlossen zwei der Zuhörer, dass auch sie sich mit der Musik auf den Weg in andere Gefilde machen wollten. Den Berichten jener Tage zufolge durchfuhren die Fahrzeuge, die den Künstler begleiteten, um 12:15 Uhr die Gefängnismauern, doch erst zwei Stunden später, als man sich um 14 Uhr zur Zählung bereit machte, bemerkten die Beamten, dass zwei Häftlinge fehlten.

Da waren Sarri und Piti bereits weit entfernt. Sie hatten sich, bis ins Unendliche zusammengekauert, in den beim Konzert verwendeten Lautsprechern versteckt, die für diesen Zweck ordnungsgemäß vorbereitet und hergerichtet worden waren. Die Nachricht von der Flucht verbreitete sich wie ein Lauffeuer im gesamten Baskenland und hatte große Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft, insbesondere auf die Straßen von Iruñea. Dabei spielte die öffentliche Bekanntheit von Joseba Sarrionandia eine große Rolle, der trotz seiner Jugend bereits damals ein renommierter Schriftsteller und eine Leitfigur der baskischen Literatur war. Auch die Reaktion der Polizei ließ nicht lange auf sich warten und konzentrierte sich fast ausschließlich auf die literarischen und kulturellen Kreise des Landes. So wurde Imanol selbst festgenommen, zusammen mit fünf weiteren Personen, darunter der Schriftsteller und Journalist Josu Landa.

Landa arbeitete bei der Wochenzeitung „Argia“, war außerdem Mitarbeiter bei „Egin“ und hatte mit 24 Jahren bereits fünf Bücher verfasst. Wie er anlässlich des 20. Jahrestags der Flucht erklärte, erfolgte die Festnahme am Tag nach den Ereignissen, als er gerade bei „Argia“ arbeitete und benachrichtigt wurde, dass man zu Hause nach ihm gesucht hatte. „Das hat mich geprägt“, erklärte er, als er sich daran erinnerte. Landa war der Einzige, der inhaftiert wurde, und aus Protest dagegen wurde ein Komitee aus Persönlichkeiten der baskischen Kulturszene gegründet.

Dieses Komitee initiierte eine Unterschriftenaktion, um seine Freilassung zu fordern, und unter den Unterzeichnern befanden sich der Anthropologe Joxe Miel Barandiaran; Schriftsteller wie Alfonso Sastre, Eva Forest, Bernardo Atxaga, Anjel Lertxundi und Xabier Mendiguren; Musiker wie Benito Lertxundi, Ruper Ordorika, Txomin Artola und Erramun Martikorena; sowie Bertsolaris wie Xabier Amuriza, Sebastián Lizaso und Jon Lopategi. Auch Politiker, Vertreter von Institutionen, Medien und gesellschaftliche Akteure aus dem Baskenland, Katalonien und dem übrigen Spanien schlossen sich an. Für Landa war diese Unterstützung entscheidend für seine Freilassung zehn Tage später. (gara-baskultur)

(2026-07-07)

KEIN STIERBLUT MEHR

Wie jedes Jahr zu Beginn der Fiestas gingen in Pamplona-Iruñea Stierkampfgegner auf die Straße. In diesem Fall mit einem ganz speziellen Argument: sie prangern an, dass der Stierkampf bei den Sanfermines „eine Verhöhnung katholischer Werte“ sei. Fraglich, ob sie selbst sich als Katholiken sehen. Überhaupt: was sollen katholische Werte denn bitte sein? Etwa die Unterstützung für eine blutige Diktatur wie sie Spanien mit Unterstützung der katholischen Kirche erlebt hat? Die Organisationen PETA und AnimaNaturalis haben am vergangenen Sonntag in Iruñea eine Veranstaltung organisiert, mit der sie beklagen, dass der Stierkampf bei den Sanfermines „eine Verhöhnung katholischer Werte“ sei. Sie haben die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich der Kampagne anzuschließen, um dieser Art von Spektakeln ein Ende zu setzen. (Foto: Jesus Christus, umgeben von toten Stieren auf der Plaza Consistorial in Iruñea. / FOKU)

Zu sehen gab es dieses Mal nicht ganz so viel nackte Haut, auch nicht von Frauen, wie es bei Anti-Stierkampf-Protesten üblich ist. Denn der Protest gegen das liebste Kind der Stadt (die Corridas) ist unpopulär, aber nackte Frauenhaut macht das in den Augen der Presse wieder wett. Mehrere halbnackte Personen, deren Körper mit roter Farbe bespritzt waren, um Blut zu simulieren, und die Hörner auf dem Kopf trugen, stellten sich in Formation in der Mitte des Platzes auf. Sie trugen Plakate mit den Aufschriften „Stierkämpfe sind eine Sünde“ und „Du sollst nicht töten“ in verschiedenen Sprachen. Anschließend stellte sich ein Mann, ein blutüberströmter Jesus Christus, neben die Aktivisten auf eine erhöhte Plattform. Danach wurde eine Erklärung verlesen und es wurden Parolen wie „San Fermín ohne Grausamkeit“ oder „Abschaffung der Stierkämpfe“ skandiert.

PETA-Sprecherin Daniela Hernández hat Menschen „mit Gewissen und Leidenschaft“ dazu aufgerufen, weder an den Stierläufen noch an anderen Stierkampf-Veranstaltungen der Sanfermines teilzunehmen, sie forderte Papst Leo XIV. auf, den Stierkampf öffentlich zu verurteilen, da er ihrer Ansicht nach im Widerspruch zur Lehre der katholischen Kirche stehe. Dies erklärte die Sprecherin vor der Protestaktion, bei der die Organisation, wie sie erklärte, den Widerspruch zwischen dem Stierkampf und den christlichen Werten verdeutlicht habe. Hernández argumentiert, dass die Lehre der katholischen Kirche selbst das Quälen von Tieren als Sünde betrachtet, und betont, dass jedoch während der zu Ehren von San Fermín gefeierten Feste „die Stiere allein zur Unterhaltung brutal getötet werden“. Das mag sein, daran schließt sich jedoch die Frage: Wenn Tierqualen Sünde sind, was ist dann mit Menschenfolter? Bei vielen stierblut-kritischen Moral-Aposteln hört die Kritik vorher auf. Die Guardia Civil ist eine Folter-Bande, die keine Gelegenheit zur christlichen Fahnenehre und zum Gottesdienst auslässt. Ultra-Katholen. Sollen die etwas als Kampfgenossen gegen den Stierkampf gewonnen werden?

DER PAPST SOLL ES RICHTEN

Die Sprecherin erklärte, die Inszenierung solle zeigen, dass „christliche Werte gegen Tierquälerei sind“ – wie gesagt, da gab es schon bessere Argumente. Sie versicherte, es gebe „mehr als 18.000 Feste“, bei denen Tiere auf unterschiedliche Weise misshandelt würden. Aus diesem Grund hat PETA den Papst Leo XIV. aufgefordert, den Stierkampf ausdrücklich zu verurteilen, um – wie Hernández betonte – zu verhindern, dass der christliche Glaube weiterhin mit Spektakeln in Verbindung gebracht wird, die sie als „archaisch“ betrachtet und deren Abschaffung sie fordert. Zur Erinnerung: bei seinem kürzlichen Besuch im spanischen Staat verurteilte das katholische Oberhaupt mehrfach die rücksichtlose Behandlung von Migranten, eine Botschaft, die gerade in seinem Klientel ziemlich schlecht ankommt. Denn viele Katholen sind stramme Ausländerfeinde, die Fascho-Katholen von VOX wollen alle Nicht-Weißen ausweisen, „Remigration“ nennen sie das. Es gibt gute Gründe gegen Stierkampf, Machismus und Männergewalt zum Beispiel. Aber bitte lasst die katholische Moral aus dem Spiel, der Schuss geht nach hinten los. (naiz-baskultur)

(2026-07-07)

NAGORE LAFFAGE ERMORDET

7. Juli 2008, Pamplona vor 18 Jahren, erster Tag der Sanfermin-Fiestas. An diesen Tag soll erinnert werden bis ans Ende der Zeitrechnung. Eine hässliche Geschichte, die wenig mit festlicher ausgelassenheit zu tun hat. An jenem tag wurde eine junge Frau aus Irun von einem angehenden Arzt ermordet. Der Mord an Nagore Laffage durch José Diego Yllanes Vizcay löste ein großes Medieninteresse sowie heftige gesellschaftliche Reaktionen aus.

Nagore Laffage wurde 1988 in Irún geboren. Sie studierte Krankenpflege in Pamplona, wo sie José Diego Yllanes Vizcay kennenlernte, einen 27-jährigen Arzt, der gerade seine Facharzt-Ausbildung in Psychiatrie an der Universitätsklinik von Pamplona absolvierte, wo sie ihr Praktikum absolvierte. Beide trafen sich am Abend des Montags, dem 7. Juli 2008, zur San-Fermín-Fiesta. Nach einer Weile des Plauderns verabschiedete sich Nagore von ihren Freundinnen und begleitete José Diego zu seiner Wohnung. Er versuchte, sie zu vergewaltigen, und als Nagore sich wehrte, schlug er heftig auf sie ein. Die Obduktion ergab, dass Diego Yllanes sie brutal zusammengeschlagen hatte, da ihre Leiche 36 Schläge aufwies, einen gebrochenen Kiefer und einen Schädelbruch. Am Ende starb sie durch Erwürgen.

Der später geständige Mörder von Nagore rief am 8. Juli um 13 Uhr einen Freund an und erzählte ihm, was geschehen war. Er bat ihn um Hilfe, die Leiche zu beseitigen. Diese Person meldete den Vorfall der Polizei und ermöglichte die Festnahme des Mörders. Vorher hatte José Diego Yllanes Vizcay versucht, die Leiche zu zerstückeln. Er sammelte ihre Habseligkeiten ein, reinigte die Wohnung und ließ Nagores Leiche in einem 45 Minuten vom Tatort entfernten Ort zurück.

GERICHTSVERFAHREN

Die Geschworenen, die über José Diego Yllanes Vizcay urteilten, sahen seine Schuld als erwiesen an, sahen jedoch nicht den Tatbestand des Mordes, sondern stuften die Tat als Totschlag ein (6 Geschworene stuften die Tat als Mord ein, 3 als Totschlag; für Mord wären 7 Stimmen erforderlich gewesen). Yllanes Vizcay wurde zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Ein billiges Urteil für einen derart brutalen Mord. Am 3. Juli 2017, kurz vor dem neunten Jahrestag von Nagores Tod, erreichte Yllanes, dass ihm die dritte Haftstufe gewährt wurde: Freigang. Seither arbeitet er als Psychiater in einer privaten Einrichtung und kehrt nur zum Schlafen ins Gefängnis zurück. Dabei half ihm, dass er der ultrakatholischen Sekte Opus Dei nahesteht oder zu ihr gehört. Seit 2020 dürfte er im öffentlichen Gesundheitswesen tätig sein.

Im Jahr 2024 wies die Verwaltungskammer der Audiencia Nacional die von José Diego Yllanes Vizcay eingereichte Klage ab, in der er sich auf sein Recht auf Vergessenwerden berief und forderte, dass Google die Nachrichten im Zusammenhang mit den Taten, für die er verurteilt wurde, entfernen solle. Die Kammer ist der Ansicht, dass die Informations- und Meinungsfreiheit Vorrang vor dem Recht auf Vergessenwerden hat.

GESELLSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN

Der Mord an Nagore Laffage und die öffentliche Rolle ihrer Mutter Asun Casasola markierten den Beginn eines gesellschaftlichen Bewusstseins für Nulltoleranz, nicht nur gegenüber Verbrechen, sondern auch gegenüber jeder Form sexistischer Gewalt. Nagore Laffage ist aufgrund der öffentlichen Reaktion auf den Mord, auf das Urteil gegen ihren Mörder und vor allem aufgrund der öffentlichen Haltung und Reaktion ihrer Mutter zu einem Symbol dieses gesellschaftlichen Kampfes und der Anprangerung der mangelnden Gender-Sensibilisierung auch innerhalb der spanischen Justiz geworden. Im Jahr 2011 drehte Helena Taberna einen Dokumentarfilm über den Mord an Nagore Laffage mit dem Titel „Nagore“. Der Dokumentarfilm schildert den Mord an Nagore und den Prozess. Mit dabei ist Asun Casasola, eine wahre „Mutter Courage“, die den roten Faden der Erzählung bildet. (wikipedia-baskultur)

Als wären die Sanfermines ein besonderes Pflaster für Morde und Vergewaltigungen … am selben Tag im Jahr 2016 (vor genau zehn Jahren) führten fünf Männer aus Sevilla eine geplante Gruppenvergewaltigung durch. Auch sie wurden umgehend festgenommen und in einem skandalösen Verfahren verurteilt. Obwohl sie das Opfer nicht ermordeten, wurden sie zu Haftstrafen zwischen 14 und 19 Jahren verurteilt, keiner von ihnen wurde bisher entlassen. Ein Baskultur-Artikel beschreibt die Geschichte dieser Gruppen-Vergewaltigung, die unter dem Titel „Manada“ iun die Geschichte einging. (baskultur)

(2026-07-06)

ROTE KARTE FÜR MACHOS

In Iruñea-Pamplona haben heute die Sanfermin-Fiestas begonnen. Zehn Jahre nach der Gruppen-Vergewaltigung der „Manada“-Gang aus Sevilla und 18 Jahre nach dem Vergewaltigungs-Mord an Nagore Laffage warnen Feministinnen in Iruñea: „Matxirulo, du bist überflüssig“ – In der Nacht vor Fiesta-Beginn fand in Iruñea der traditionelle nächtliche Marsch der feministischen Bewegung im Vorfeld der Sanfermines statt. Da sich am morgigen 7. Juli die Gruppen-Vergewaltigung durch „La Manada“ (deutsch: das Rudel, Selbstbenennung der Vergewaltiger-Gang) zum zehnten Mal jährt, fand gestern Abend der traditionelle nächtliche Marsch der feministischen Bewegung von Iruñea im Vorfeld der Sanfermines unter dem Motto „Matxirulo, du bist der Überflüssige“ statt, um Männer zur Rede zu stellen und das Recht auf feministische Selbstverteidigung einzufordern.

Der Marsch begann gegen 23:00 Uhr auf der Plaza de los Ajos und führte durch mehrere Straßen von Alde Zaharra, wobei die Teilnehmer*innen schwarz gekleidet und vermummt waren, Fackeln trugen und Trommeln erklangen. Am Ende des Marsches wurde eine Erklärung verlesen, in der daran erinnert wurde, dass die Fiestas bevorstehen und dass Männer nicht denken sollen, dass „neun Tage lang im Namen des Ausflippens alles erlaubt ist. Wir sagen ganz klar: Nein“. Es wurde betont, dass „wir Feministinnen organisiert sind und dieses Jahr gekommen sind, um eurer Straffreiheit ein Ende zu setzen. Schluss mit Belehrungen, Schuldzuweisungen, Geduld und Erklärungen. Schluss mit Rechtfertigungen, Ängsten und der Kontrolle über uns.“

„WIR WERDEN ZURÜCKSCHLAGEN“

Sie warnten: „Ihr zwingt uns dazu, aktive politische Akteure zu sein, um das System zu revolutionieren, und zweifelt nicht daran: Wir werden aktiv und gemeinsam zurückschlagen. Wir sind bereit, alles zu tun, was nötig ist, und für die diesjährigen Sanfermines haben wir Feministinnen eine klare Entscheidung getroffen: Wir Feministinnen sind gekommen, um Spaß zu haben!“ Sie haben deutlich gemacht, dass „hier ihr, die Männer, diejenigen seid, die überflüssig sind. Ihr und eure schleimigen, machistischen Einstellungen. Wir haben keinerlei Zweifel. Und wir sind bereit, uns ihnen zu stellen. Ihr werdet es mit uns zu tun bekommen.“

Die feministische Bewegung von Iruñea hat betont: „Wir sind gekommen, um uns Raum zu erobern, denn wir sind gekommen, um Spaß zu haben. Sowohl tagsüber als auch nachts.Dafür haben wir genügend Bündnisse untereinander – Bündnisse, die so stark sind, dass ihr Angst habt. Feministische Bündnisse, die wir im Laufe des Jahres aufgebaut und gefestigt haben.“ Abschließend wiesen sie darauf hin, dass die Sanfermines „entweder feministisch sein werden oder nicht. Und am 11. Juli, dem feministischen Tag, wird klar werden, dass auch die Feste, die Straßen, die Bars, die Txoznagunes und die Bühnen uns gehören. Das werden wir durch den feministischen Kampf erreichen. Wir Feministinnen sind gekommen, um Spaß zu haben!“ Die Gruppenvergewaltigung durch die „Manada“ jährt sich zum zehnten Mal. Dieser Fall markierte einen Wendepunkt im Umgang mit sexistischen Übergriffen, nicht nur in Iruñea und Navarra, er ist zu einem Paradebeispiel geworden, wie es sein soll und wie nicht, was getan werden muss und was nicht. (naiz-baskultur)

(2026-07-05)

POLIZEI-SCHIKANEN

In Bilbao wird angeprangert, dass die polizeilichen Schikanen gegen Straßenhändler „die großen Marken bereichern“. Bei einer Kundgebung wurde angeprangert, dass die Repressions-Kampagne gegen Straßenhändler nicht nur zu Festnahmen und der Beschlagnahmung von Waren führt, sondern auch zu Freiheitsstrafen und Schadenersatzforderungen, während sich „die großen Marken bereichern“. Straßenhändler und ihre Unterstützer haben sich auf der Plaza Circular in Bilbao versammelt, um anzuzeigen, dass die Kampagne der Stadtpolizei gegen diese Gruppe – abgesehen von der Beschlagnahmung der Waren – dazu führt, dass sie sich Strafverfahren gegenübersehen, die mit Haftstrafen und Geldbußen enden, während sich die großen Marken „reich machen“. (Kundgebung zur Unterstützung der Straßenverkäufer. Aritz Loiola | Foku)

Auf Aufruf der Straßenhändler-Gruppe „Mbolo Moye“ und „Manteroekin Bat“, einer Plattform zur Unterstützung der Straßenverkäufer, versammelten sich mehrere Dutzend Menschen hinter einem Transparent mit der Aufschrift „Manteroen aurkako jazarpenik ez! Gegen Repression gegen Straßenhändler“ versammelt und skandierten Parolen wie „Niemand ist illegal“, „Alle Rechte für alle Menschen“ oder „Verfolgt den Banker, nicht den Straßenverkäufer“. Die Mobilisierung fand nach Monaten verstärkter Einsätze der Stadtpolizei statt, in einer Dynamik, die sich bereits seit Jahren fortsetzt. Im Jahr 2025 wurden nach Angaben der Stadträtin für öffentliche Sicherheit 804 Einsätze verzeichnet, davon 43 während der Fiestawoche.

Diese Einsätze führten zu fast 200 Verfahren, die von der Behörde eingeleitet wurden. Nach der Festnahme des Verkäufers und der Beschlagnahmung der Waren, so warnen sie, beginne ein Strafverfahren „mit äußerst harten Konsequenzen“ für Menschen, die von dieser Tätigkeit leben. „Wir sprechen hier nicht von einem Bußgeld, weil man den Eingang versperrt hat, sondern von Gefängnisstrafen und Schadenersatz in Höhe von Tausenden von Euro“, betonten sie. Bekannt wurde, dass die großen Marken finanzielle Entschädigungen in Höhe des Marktpreises der beschlagnahmten Produkte fordern, Gutachten vorlegen und sogar Privatklage erheben. So fordern sie 95 Euro für ein T-Shirt, „oder, was auf dasselbe hinausläuft, etwa 5.700 Euro pro Deckenangebot“.

„DIE GROSSEN MARKEN STELLEN RECHNUNGEN“

„Die Stadtpolizei beschlagnahmt, die großen Marken stellen Rechnungen und die Straßenhändler kommen ins Gefängnis – so geraten sie in eine Spirale, aus der sie ihre Situation niemals legalisieren können“, prangerten sie an. „Wir halten es für unanständig, dass die Schwächsten, die diese Arbeit aus Not verrichten, die Schuld für das Geschäft mit Fälschungen tragen müssen, an dem wir alle mitschuldig sind, während sich die vermeintlichen Geschädigten die Taschen füllen“, erklärten sie. Angesichts dieser Situation haben sie deutlich gemacht, dass sie nicht schweigen werden, weshalb sie ihre öffentlichen Klagen fortsetzen und gleichzeitig diejenigen begleiten werden, die vor Gericht erscheinen müssen. Darüber hinaus haben sie dazu aufgerufen, sich dem Unterstützungsnetzwerk für diese Gruppe anzuschließen. (naiz-baskultur)

(2026-07-06)

VOM FASCHISMUS BEDROHT

Die reaktionäre Bedrohung für Navarra gilt auch 90 Jahre später. Es ist bekannt, dass in der Zweiten Spanischen Republik (1931 bis 1939) der Entwurf für ein Statut für vier Provinzen, die damals als „baskisch“ und/oder „baskisch-navarrisch“ bezeichnet wurden, sabotiert wurde. Die spanische Rechte – darunter auch eine sich gerade im Prozess der Faschisierung befindliche karlistische Bewegung in Navarra selbst – zogen es vor, die republikanische Legitimität in Frage zu stellen und so den Weg für die Verfolgung und Zerschlagung zu ebnen, die Jahre später nach dem Militärputsch von 1936 zu Massakern und Jahrzehnten der Diktatur führen sollte. Aber auch einige linke Kräfte auf staatlicher Ebene blockierten das Statut-Vorhaben, sie versteckten sich zwar hinter religiösen Fragen, waren aber auch gegen eine Dezentralisierung des Staates im Sinne einer baskischen institutionellen Autonomie-Struktur. Die schmutzigen Spielchen der einen und der anderen verstärkten sich gegenseitig, und Navarra blieb von dem Projekt ausgeschlossen.

Weniger bekannt ist, dass einige dieser linken Kräfte, die in der Volksfront des Spanienkrieges zusammengeschlossen waren, 1936 ihre Meinung änderten und ihre Haltung revidierten. Im Juni jenes schicksalhaften Jahres unterzeichneten die Spanische Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE) und die Baskische Nationalistische Aktion (ANV) gemeinsam mit anderen Kräften einen Text, in dem die Wiederaufnahme des Projekts für alle vier Gebiete gefordert wurde, da sie erkannten, dass die Ausgrenzung Navarras nur der reaktionären Rechten zugutekam. Es war zu spät, denn Navarra, Araba und Gipuzkoa waren nach dem Juli-Putsch schnell unter faschistischer Kontrolle. Nur Bizkaia blieb asf der republikanischen Seite, Präsident Agirre wurde als erste baskischer Ministerpräsident einer baskischen Autonomie-Regierung vereidigt.

Seitdem hat sich vieles geändert, doch sowohl in Nafarroa als auch im spanischen Staat verachten die autoritären Kräfte weiterhin die Demokratie und halten sich für die einzigen, die fähig und legitimiert sind, die Macht auszuüben. Heute regiert zwar nicht mehr die Volksfront, doch die Rechte stigmatisiert alles, was vom Drehbuch abweicht, das sie durchsetzen will. Neunzig Jahre sind eine lange Zeit, aber es ist unklar, ob sie ausreichen, damit manche begreifen, was es damals bedeutete und heute bedeutet, die Beziehungen zwischen den vier baskischen Gebieten als angebliche „Gefahr“ für Navarra darzustellen. Hoffentlich dienen diese neunzig Jahre dazu, die wahren Gefahren zu erkennen, die nie ihren putschistischen Beigeschmack verloren haben. (naiz-baskultur)

(2026-07-05)

PROTOKOLL GEGEN POLIZEIGEWALT

Die NGOs SOS Rassismus und Salhaketa veröffentlichen einen antirassistischen Leitfaden zum Umgang mit Polizei-Gewalt und Polizei-Missbrauch während der Sanfermin-Fiestas. Der Leitfaden, der aus der Zusammenarbeit beider Organisationen hervorgegangen ist, soll „eine kollektive Antwort auf die Polizeigewalt bieten, unter der Migrant*innen und rassistisch diskriminierte Menschen leiden“. Sie zeigen sich besorgt darüber, wie die Sicherheitskräfte „Migrant*innen und rassistisch diskriminierte Menschen unter dem Deckmantel eines rassistischen Sicherheits-Diskurses verfolgen, überwachen, unter Druck setzen und Gewalt gegen sie ausüben“. (aus „xauerri“ vom 4. Juli 2026 / Ahotsa.info)

„Auch wenn es in Navarra keine CIEs (Abschiebelager) gibt, waren wir in den letzten Jahren Zeugen zahlreicher Polizeirazzien, Identitätskontrollen aufgrund von rassistischer Profilierung (Kontrollen nach Hautfarben) und sofortigen Abschiebungen. Diese Praktiken belegen das Fortbestehen von Migrations-Kontrollmaßnahmen, die Grundrechte verletzen und Migrant*innen sowie rassistisch diskriminierte Menschen unverhältnismäßig stark treffen“, erklärten sie auf einer Pressekonferenz in Iruñea.

Salhaketa Nafarroa beklagt, dass „der repressive, sicherheits-orientierte und strafende Kurs“ die Art und Weise sei, mit Konflikten umzugehen, „die aus dem Alltag unter der kapitalistischen Gesellschaftsordnung selbst hervorgehen“, und erinnert daran, dass seit der Verabschiedung des „Knebelgesetzes“ durch die reaktionäre spanische Regierung Rajoy bereits elf Jahre vergangen sind – „ein rechtlicher Rahmen, der den Polizeikräften Rückhalt und Macht verleiht, Gewalt gegen die am stärksten verarmten Bevölkerungs-Gruppen auszuüben und die politischen und sozialen Rechte der Arbeiterklasse anzugreifen“.

Die NGOs prangern an, dass sich im Rahmen der Sanfermines die Polizeieinsätze gegen Straßenverkäufer*innen und gegen von Rassismus betroffene Personen verschärfen. Dieser Leitfaden soll jedoch eine längerfristige Wirkung entfalten, sie kündigen Schulungen mit verschiedenen Gruppen sowie einen umfassenden, ergänzenden Leitfaden an, der über die jetzt veröffentlichte Ausgabe hinausgeht. Bislang haben sie Infografiken in mehreren Sprachen erstellt, um nützliche und leicht zugängliche Informationen über die Rechte von Menschen bei einer Identitätskontrolle oder einem Polizeieinsatz bereitzustellen. Außerdem sollen Werkzeuge und Vorschläge bereitgestellt werden, damit Zeugen eines Einsatzes wissen, wie sie sicher vorgehen können, um die Vorfälle zu dokumentieren, die betroffene Person zu unterstützen und zur Verteidigung ihrer Rechte beizutragen.

„Unser Ziel ist es, dass dieser Leitfaden ein Instrument zur Prävention und Begleitung wird. Die Kenntnis unserer Rechte ist eine Möglichkeit, diese zu schützen und diskriminierenden Praktiken entgegenzutreten, die in einer demokratischen Gesellschaft nicht normalisiert werden dürfen. Wir hoffen, dass dieses Material für Migrant*innen und rassistisch diskriminierte Menschen, für die soziale Bewegung und für alle Bürger*innen, die sich für die Verteidigung der Menschenrechte engagieren, von Nutzen sein wird. Denn der Kampf gegen institutionellen Rassismus und Polizeigewalt ist eine kollektive Verantwortung“. (borreruak2-baskultur)

(2026-07-04)

RADIOAKTIVER FRIEDHOF VOR DER BASKISCHEN KÜSTE

Radioaktive Isotope auf einem Atommüllfriedhof mit 200.000 Fässern im Atlantik: Wissenschaftler konnten den „fortgeschrittenen Verfallszustand“ mehrerer Fässer auf einem großen Atommüllfriedhof im Atlantik, etwa 700 Kilometer vor der baskischen Küste, nachweisen. Sie wurden dort zwischen 1946 und 1990 versenkt. – Ein Team französischer Wissenschaftler hat am Grund des Atlantiks, etwa 700 Kilometer nordwestlich der baskischen Küste, radioaktive Isotope nachgewiesen. Dort befindet sich ein Atommüllfriedhof mit rund 200.000 Fässern mit Abfällen aus dem 20. Jahrhundert, die mit der Biodiversität des Meeresbodens in Wechselwirkung getreten sind. In einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung erklärte das französische Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS), dass dieser Atommüll-Friedhof, der zwischen 1946 und 1990 durch die massenhafte Versenkung von Atommüll-Fässern entstanden ist, in diesem Gebiet „höhere als erwartete“ Radioaktivitätswerte aufweist. (Foto: Eines der Fässer dieses Atommülllagers aus dem 20. Jahrhundert. (Flotte Oceanigraphique Francaise via AFP)

Diese Feststellung erfolgte im Rahmen des NODSSUM-Projekts (engl. Abkürzung für „Überwachung und Untersuchung des ozeanischen Atommülllagers“), einer Kampagne, die darauf abzielt, die Strahlungsrückstände auf dem Meeresboden und deren Auswirkungen auf die marine Artenvielfalt zu analysieren. Zu diesem Zweck entnahmen rund dreißig Wissenschaftler des CNRS zwischen dem 27. Mai und dem 28. Juni bei 20 Tauchgängen in einer Tiefe von etwa 4.700 Metern in internationalen Gewässern des Atlantiks Proben von Wasser, Sedimenten und lebenden Organismen. „Die Wissenschaftler konnten den fortgeschrittenen Verfallszustand mehrerer Fässer dokumentieren, bei einigen von ihnen ein Auslaufen des Inhalts beobachten und die verschiedenen Materialien identifizieren, die zur Ummantelung der Abfälle verwendet wurden (Harz, Bitumen oder Zement)“, erklärte das CNRS in seiner Pressemitteilung. Die Teams haben zudem die Biodiversität an den Fässern, in deren unmittelbarer Umgebung und in den umliegenden Lebensräumen dokumentiert und kartiert.

Anhand der entnommenen Proben, die in den kommenden Monaten aufgrund ihrer „begrenzten“ Strahlung ohne nennenswerte Schutzmaßnahmen verarbeitet werden, sollen die Mechanismen der Ausbreitung und des Transfers von Radioaktivität in der Umwelt untersucht und die nachgewiesenen radioaktiven Isotope oder „Radionuklide“ genau quantifiziert werden. „Ziel ist es, die Mechanismen des Transfers und Transports von Radionukliden in den Tiefen des Ozeans sowie deren Wechselwirkungen mit den Ökosystemen der Tiefsee besser zu verstehen“, fügte das Zentrum hinzu. Dies ist die zweite Mission dieser Art, nachdem im Jahr 2025, vom 15. Juni bis zum 11. Juli, das Haupttauchgebiet kartiert und die ersten Wechselwirkungen mit der marinen Biodiversität untersucht worden waren. Die NODSSUM-Kampagne wird in Zusammenarbeit mit mehreren französischen Universitäten und zahlreichen internationalen Institutionen durchgeführt, darunter das spanische Nationale Beschleunigerzentrum und die Universität Girona. (naiz-baskultur)

(2026-07-04)

STREIK DER ÄRTZTINNEN

Die von den Ärzt*innen organisierten Streiks gegen das vom spanischen Gesundheits-Ministerium vorgeschlagene Rahmengesetz haben im baskischen Gesundheitsbereich Osakidetza zu Verzögerungen bei 15.000 Operationen und rund 400.000 Konsultationen geführt, davon mehr als 195.000 in der Primärversorgung und 200.000 bei Fachärzten. Infolgedessen hat Lehendakari-Ministerpräsident Imanol Pradales die Rücknahme des vom Ministerium entworfenen Rahmenstatuts gefordert, das die Mobilisierung der Ärztinnen ausgelöst hat. Dies erklärte der baskische Lehendakari bei einem vom spanischen Fernsehen und der Nachrichtenagentur Efe in Madrid organisierten Informationsfrühstück. Pradales betonte die Notwendigkeit, den Entwurf zurückzuziehen, der „von vornherein zum Scheitern verurteilt war“.

Er bekräftigte, dass der Entwurf ohne die Beteiligung der Ärzte und der Regionen ausgearbeitet wurde, die für das Gesundheitswesen zuständig sind. „Alle haben einen Brief unterzeichnet, in dem sie die Rücknahme fordern. Das ist unerhört“, erklärte er. Er warnte, falls die Ministerin García das Rahmengesetz nicht zurückziehe, „Präsident Sánchez eingreifen“ müsse, denn das Rahmengesetz habe „eine teuflische Situation“ hervorgerufen. „Wenn sie das Rahmengesetz zurückzieht, sind wir bereit, bei der Ausarbeitung eines neuen Statuts mitzuwirken, aber auf der Grundlage von Verhandlungen und nicht durch Auferlegung“. Er wies darauf hin, dass das Rahmengesetz ausschließlich in die Zuständigkeit der spanischen Regierung falle und bedauerte: „Wenn wir doch nur die Zuständigkeit hätten.“ In der vergangenen Woche hat das Ministerium vorgeschlagen, die 24-Stunden-Bereitschaftsdienste der Ärztinnen (MIR) und anderer Fachkräfte auf maximal 17 Stunden zu reduzieren, nicht mehr als vier pro Monat, sowie eine reguläre Wochenarbeitszeit von 35 Stunden festzulegen und die Ausbildungs-Zulage zu verbessern. Die baskische Regierung schiebt die Verantwortung ausschließlich auf Madrid, obwohl baskische Ärztinnen insistieren, dass auch Osakidetza selbst Verbesserungen vornehmen kann, die vom baskischen Senator Martínez im Rahmen dieses Streiks angekündigten zusätzlichen 70 Millionen Euro seien völlig unzureichend.

KAMPFMASSNAHMEN IM HERBST

Im Baskenland plant die Gewerkschaft ELA zudem für September einen Generalstreik bei Osakidetza, der alle Bereiche – nicht nur die Ärzte – betreffen soll. In ähnlicher Weise hat sich die Gewerkschaft LAB in einer Erklärung geäußert, in der sie prognostiziert, dass „im Herbst eine Welle von Mobilisierungen in Gang gesetzt werden muss, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und den öffentlichen Dienst zu stärken“.

Derzeit verhandelt die baskische Ärzte-Gewerkschaft mit der Leitung von Osakidetza, dabei sind andere Bereiche ausgeschlosssen. Die Gewerkschaften fordern deshalb, die Verhandlungen in den Branchendialog zu verlagern – aus Respekt vor dem übrigen Personal und im Interesse der Transparenz“. LAB fordert die baskische Abteilung auf, die 18 Jahren alte Rahmenvereinbarung zu aktualisieren, und kritisiert, dass „die Leitung von Osakidetza den Branchendialog ignoriert, anstatt dort die bestehenden Konflikte anzugehen, obwohl sie die Möglichkeit hätte, die von Madrid auferlegten Einschränkungen zu überwinden“.

Die Gewerkschaft wirft dem Senator vor, die Spaltung zwischen medizinischem und technischem Personal, Hebammen und anderen Berufsgruppen zu fördern, die Arbeiterklasse zu schwächen und zu verschleiern, dass die Probleme des öffentlichen Gesundheitswesens struktureller Natur sind“. LAB teilt die Einschätzungen und Forderungen der verschiedenen Berufsgruppen, ist jedoch der Ansicht, dass „die Branche größere Fortschritte erzielen kann, wenn sie geschlossen auftritt“. LAB will die Arbeitsbedingungen des gesamten Personals und die Versorgung der Bürger verbessern, das öffentlichen Gesundheits-System stärken und privatisierte Dienstleistungen in die öffentliche Hand“ zurückführen.

AUCH GESUNDHEITS-GEWERKSCHAFT WARNT

In die gleiche Richtung äußerte sich die Pflege-Gewerkschaft SATSE. Sie warnt den Minister, dass „es zu einem Herbst mit heftigen Arbeitskonflikten bei Osakidetza kommen könnte“, da er „wöchentliche bilaterale Treffen mit der Ärztegewerkschaft des Baskenlandes (SME) abhält, abseits des einzigen legitimen Gremiums für Tarifverhandlungen“. Für SATSE „stellt diese Vorgehensweise einen Angriff auf die Tarifverhandlungen dar und bedeutet zudem eine Bevorzugung einer einzigen Berufsgruppe zum Nachteil der übrigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die das baskische Gesundheitssystem täglich am Laufen halten“.

„Der Minister muss für das gesamte Personal von Osakidetza arbeiten und darf nicht als privilegierter Gesprächspartner einer einzigen Berufsgruppe auftreten. Das öffentliche Gesundheitswesen wird durch die Arbeit multidisziplinärer Teams getragen und kann nicht dadurch aufgebaut werden, dass einigen wenigen, wie der Ärztegewerkschaft oder neu entstehenden Verbänden, die keine legitime Vertretung darstellen, Privilegien gewährt werden, während die Forderungen der übrigen ignoriert werden“, kritisiert SATSE. Es sei besorgniserregend, dass parallele Verhandlungen stattfinden, während der Sektorial-Ausschuss seit fast einem Jahr darauf wartet, grundlegende Fragen wie die Vergütung des Personals anzugehen. (naiz-baskultur)

(2026-07-03)

ARBEITEN UM ZU LEBEN

So lautet das Motto des Teils der Menschheit, die keine Kapitalisten sind. Arbeiten um zu leben. Ohne Einschränkungen. Dabei stellen sich verschiedenen Frage: Handelt es sich um würdige Arbeitsbedingungen? Werde ich angemessen bezahlt? Kann ich von Resultat der Arbeit leben? Wo arbeite ich? Zum Beispiel im Baskenland. Auch wenn viel gekämpft und gestreikt wird, sind die Antworten auf die Fragen nicht positiv. Arbeit zu haben und ein regelmäßiges Einkommen ist heutzutage schon lange keine Garantie mehr, vom daraus resultierenden Einkommen zu leben. Konsequenz: Die Zahl der Personen mit mehreren Jobs steigt auf historische Höchststände und betrifft mittlerweile 35.000 baskische Arbeitnehmer*innen. Innerhalb von vier Jahren ist die Zahl um 50% gestiegen, da die Menschen angesichts steigender Wohnkosten ihr Einkommen aufbessern müssen

Der Arbeitsmarkt im Baskenland mit mehr als einer Million Versicherten – was fast einem Rekord entspricht – verzeichnet gleichzeitig beispiellose Zahlen bei der Mehrfachbeschäftigung, die den wachsenden wirtschaftlichen Druck auf die Familien widerspiegeln. Die Zahl der Basken, die mehr als einen Job ausüben, hat im Jahr 2025 laut Daten der vom Nationalen Institut für Statistik (INE) durchgeführten Arbeitskräfte-Erhebung einen historischen Höchststand von 34.900 Personen erreicht. Dieser Trend bedeutet einen Anstieg um 50% in nur vier Jahren und festigt die Entscheidung, mehrere Arbeiten auszuführen, als notwendigen Weg für Tausende von Bürgern, die ihr monatliches Einkommen aufbessern müssen, um über die Runden zu kommen.

Dieses Phänomen erscheint vor dem Hintergrund eines allgemeinen Anstiegs der Lebenshaltungskosten. Angesichts der auf einem Höchststand befindlichen Immobilienpreise und einer Inflation, die die Kosten für den Warenkorb in den letzten fünf Jahren um mehr als 30% in die Höhe getrieben hat, sowie des Drucks durch steigende Kraftstoff- und Energiepreise ist die Sparfähigkeit der Haushalte erheblich eingeschränkt worden. Eine Situation, die nicht ausschließlich auf das Baskenland beschränkt ist. In ganz Spanien erreicht die Mehrfachbeschäftigung ebenfalls Rekordwerte. Nach derselben Quelle sind es mehr als 600.000 Menschen, die mehr als ein Gehalt benötigen, um über die Runden zu kommen.

Der Anstieg der Mehrfachbeschäftigung lässt sich nicht ohne eine weitere Realität verstehen: die der Teilzeitarbeit. Laut der Arbeitskräfteerhebung (EPA) haben 13,6% der Erwerbstätigen in Spanien einen Teilzeit- oder Stundenvertrag; im Baskenland steigt dieser Anteil sogar auf 17%. Doch mehr als die Hälfte der Teilzeit-Beschäftigten ist nicht freiwillig in Teilzeit tätig: 45% nehmen diese Beschäftigung an, weil sie keine Vollzeitstelle finden konnten; hinzu kommen weitere 20%, die Kinder oder Angehörige betreuen müssen, was es ihnen erschwert, ihre Arbeitszeit zu verlängern.

„PREKARISIERUNG DES ARBEITSMARKTES“

Aus gewerkschaftlicher Sicht werden die aktuellen Zahlen zur Mehrfachbeschäftigung im Baskenland mit „Sorge“ betrachtet, da sie auf eine deutliche „Prekarisierung des Arbeitsmarktes“ hindeuten. Einer der entscheidenden Faktoren hinter diesem Phänomen liegt in der Verbreitung von Teilzeitarbeit, die „viele Arbeitnehmer dazu zwingt, mehrere Jobs anzunehmen, um ein existenzsicherndes Einkommen zu erzielen“. Diese Notwendigkeit, mehrere Einkommensquellen anzuzapfen, wird durch die Struktur des baskischen Arbeitsmarktes noch verschärft: das „hohe Volumen an unbezahlten Überstunden“, das „109.000 Stunden pro Woche“ erreicht. Nach Ansicht der Gewerkschaften haben die steigenden Lebenshaltungskosten und die instabile Beschäftigungslage zu einer alarmierenden Situation geführt, in der „einen Arbeitsplatz zu haben nicht bedeutet, davon leben zu können“.

Die Gewerkschaften rücken zudem die Geschlechterkluft in den Fokus und weisen darauf hin, dass Mehrfachbeschäftigung insbesondere „frauenlastige Branchen“ betrifft und dass Frauen die Mehrheit unter denjenigen bilden, die auf Zusatzleistungen wie Sozialhilfe zurückgreifen müssen, um über die Runden zu kommen. Ebenso führen sie die territorialen Unterschiede zwischen den Provinzen auf die unterschiedliche „Beschäftigungsqualität“ und die Art der jeweiligen Schlüsselbranchen zurück. Wichtiges Argument ist der direkte Zusammenhang zwischen dem Immobilienmarkt und der Notwendigkeit von Mehrfachbeschäftigung. Denn die Wohnkosten sind einer der Hauptgründe, die die Arbeiterklasse dazu zwingen, sich einen Zweitjob zu suchen. Der „anhaltende Anstieg der Mieten und Hypotheken“ übt direkten Druck auf die Löhne aus und führt dazu, dass „ein wachsender Teil des Lohns vollständig für die Deckung der Kosten für eine Wohnung aufgewendet wird“. Wohnen ist zu einem Arbeitsproblem geworden.

Wenn Lohnerhöhungen vollständig von den Wohnkosten aufgezehrt werden, verlieren sie ihre tatsächliche Wirkung auf das Leben der Arbeitnehmer*innen. Deshalb ist eine Beschäftigung keine Garantie für wirtschaftliche Existenzsicherheit mehr.
Ein weiteres strukturelles Problem ist, dass Spanien lediglich 0,1% seines BIP für die Wohnungspolitik aufwendet (bei 2% für die Rüstung) – einer der niedrigsten Anteile im gesamten europäischen Raum. Angesichts dieser Situation sollten öffentliche Interventionsinstrumente ausgeweitet werden, die Festlegung von Mietobergrenzen in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt und die Schaffung eines öffentlichen Bestands an bezahlbaren, ausreichenden und tatsächlich verfügbaren Mietwohnungen sind unverzichtbar. Aus der Sicht der Gewerkschaften muss die Wohnungspolitik als „zentrales Thema der sozialen Gerechtigkeit“ verstanden werden, dieses Grundrecht dürfe „nicht länger ein Geschäft bleiben“. Ein kapitalistisches Geschäft. Aus „Arbeiten um zu leben“ wird „Leben um zu arbeiten“. (elcorreo-baskultur)

(2026-07-02)

HEMINGWAY’S ENDE

Der zweite Juli ist für Pamplona (baskisch: iruñea) nicht nur von Bedeutung, weil es nur noch vier Tage bis zur Eröffnung der weltbekannten Sanfermin-Fiestas ist, sondern weil es der Todestag ist von Ernest Hemingway. 2026 sind es genau 65 Jahre, seit der Nobelpreis-Träger sich in Idaho das Leben genommen hat. Hemingway ist wie keine andere Persönlichkeit mit der Fiesta verbunden, was nicht zuletzt die Tatsache bezeugt, dass einer seiner bekannten Romane den Titel „Fiesta“ trägt.

Ernest Hemingway wurde 1899 in den Vereinigten Staaten, in Oak Park (Illinois), geboren und starb am 2. Juli 1961 in Ketchum (Idaho), mit den Eintrittskarten für die Stierkampf-Fiestas von Sanfermin auf seinem Nachttisch. Hemingway kam 1923 zum ersten Mal nach Pamplona und 1959 zum letzten Mal. Tage vor seinem Tod rief er persönlich im Hotel La Perla an, um seine Reservierung für dieses Jahr zu stornieren. 1953 hatte er den renommierten Pulitzer-Preis gewonnen und im folgenden Jahr, 1954, erhielt er den Nobelpreis für Literatur für seinen Roman „Der alte Mann und das Meer“. Als er starb – er beging Selbstmord – hinterließ er fünf unveröffentlichte Werke und 3.000 Seiten Manuskripte.

Hemingway wählte den Journalismus als Berufung und Beruf und veröffentlichte seine ersten Texte in der Zeitung „Kansas City Star“. Er war ein junger Mann, der sein Alter fälschte, um von zu Hause wegzulaufen und sich so im Ersten Weltkrieg freiwillig als Krankenwagen-Fahrer zu melden. Er wurde verwundet und kehrte in sein Land zurück. 1923 besuchte er Pamplona zum ersten Mal und kehrte danach weitere neun Male dorthin zurück. Ein erfahrener Stierläufer, Freund und Saufkumpanen Hemingways sagt über ihn: „Es wird nie der Tag kommen, an dem Pamplona fähig sein wird, das Gute, das Hemingway für Pamplona getan hat, anzuerkennen und zu würdigen. Hier kommen die Ausländer nicht, um uns zu kolonisieren, wie es an anderen Orten der Fall ist, sondern um sich in unsere Feste zu integrieren; das sehen wir jedes Jahr, auch wenn es immer Ausnahmen geben wird.“

1923 BIS 1929: SUCHE NACH INSPIRATION

1923 besuchte er Pamplona zum ersten Mal: Er war Redakteur bei der Tageszeitung „Toronto Star“ und lebte zu dieser Zeit in Paris, wo er unter anderem Picasso und den Schriftsteller James Joyce kennen lernte. Bei seinem ersten Besuch in Pamplona suchte Ernest Hemingway nach Material, um eine Reihe von zwölf Kurzreportagen fertigzustellen. Der Eindruck, den die Sanfermin-Fiestas, insbesondere der Stierlauf am 13. Juli, auf ihn machten, war tiefgehend, was sich in seiner Reportage für den „Toronto Star“, die am 23. Oktober 1923 erschien, sowie in seinem eigenen literarischen Werk widerspiegelt. Sanfermin 2026 – 65 Jahre ohne Ernest Hemingway. (baskultur)

(2026-07-02)

ERKLÄRUNG FÜR DIE HITZEWELLE

Hier erfolgt eine Erklärung für den bisher unbekannten meteorologischen Effekt, der die lange Hitzewelle im Baskenland ausgelöst hat. Die Tatsache, dass alle historischen Rekorde gebrochen wurden, ist auf globale Klimatrends zurückzuführen und birgt erhebliche Veränderungen. Im Laufe der vergangenen Woche hat das Baskenland eine außergewöhnliche Situation erlebt, in der historische Temperatur-Rekorde gebrochen und das Alltags-Leben beeinträchtigt wurde. Von ausverkauften Ventilatoren in Geschäften bis zu schlaflosen Stunden in schwülen Nächten. Diese mehrere Tage andauernde Situation hat eine Erklärung.

Der Schlüssel zum Verständnis die Omega-Blockade. Laut Enric Armengol (Barcelona: Telekommunikations-Ingenieur, Meteorologe, staatliche Wetterbehörde im Baskenland) handelt es sich bei diesem Phänomen um ein Blockademuster, also eine Situation, in der die Atmosphäre für unbestimmte Zeit zum Stillstand kommt. Im als „Omega“ bezeichneten Fall bilden sich zwei Tiefdruckgebiete, zwischen denen sich ein Hochdruckgebiet befindet. Da die beiden Tiefdruckgebiete die Bewegung behindern, halten die für die Hitze verantwortlichen Hochdruckgebiete über einen längeren Zeitraum an.

HOCHDRUCK-GEBIET

Während der einwöchigen Hitzewelle, unter der das Baskenland litt, blieb die Omega-Blockade stabil, das Hoch hatte sich über England festgesetzt. „Das Problem dieses Musters ist, dass sich das Hochdruckgebiet sehr weit im Norden befand, weshalb sich seine Auswirkungen ebenfalls auf den Norden Spaniens und den Süden Frankreichs konzentrierten“, erklärt Armengol. „Während im Rest der Halbinsel die für diese Jahreszeit üblichen Wetterbedingungen herrschten, trat die Anomalie gerade an der kantabrischen Küste auf“, sagt der Meteorologe. Ein weiterer Faktor, der Blockade-Systeme wie das Omega-Muster kennzeichnet: sie können „über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben“, wie es im Laufe dieser Woche der Fall war. „Es gibt keine festgelegte Dauer.“

DURCHSCHNITTLICHE ANOMALIE

Wovon hängt es ab, dass die Blockadesituation verschwindet? Laut Armengol sorgt die Dynamik der Atmosphäre selbst dafür, dass sie sich auflöst. „Die Bedingungen ändern sich, da diese Phänomene nicht statisch sind. Was wir jedoch wissen: dass sie sich dieses Mal über einen in den historischen Aufzeichnungen unbekannten Zeitraum hinweg stabil gehalten haben.“ Der Kontext dieses Omega-Hochs hängt jedoch mit Faktoren zusammen, die von den Experten noch untersucht werden. Ángel Rivera, Physiker und Meteorologe, ehemaliger Sprecher der Wetterbehörde AEMET und Erfinder des Begriffs „DANA“ zur besseren Erklärung von Kaltlufttropfen, hat wichtige Daten hervorgehoben. „Der 22. und 23. Juni waren in Spanien die wärmsten Tage dieses Monats seit mindestens 1950, mit einer durchschnittlichen Abweichung auf der Halbinsel von +7,1°C. Drei Tage dieser Hitzewelle gehörten zu den zehn wärmsten Tagen in der historischen Junireihe“, schrieb er in seinem Blog.

„Am auffälligsten ist jedoch nicht der Süden, wo solche Extreme die Regel sind, sondern der Norden der Halbinsel. Am 23. Juni wurde in Kantabrien (Hauptstadt Santander) der absolute Höchst-Temperatur-Rekord gemessen: mit 43,7°C in Tama im Liébana-Tal. Am Flughafen Bilbao wurden während der Hitzewelle dreimal Werte über 40°C gemessen, was in der gesamten Aufzeichnungsreihe seit 1947 noch nie in einem einzigen Monat vorgekommen war. An der kantabrischen Küste selbst, praktisch direkt am Meer, wurden Temperaturen gemessen, die in jedem anderen Juni völlig ungewöhnlich gewesen wären“.

TROPISCHE LUFT

Seiner Einschätzung nach lassen sich diese Werte nicht auf den Südwind aus der Sahara zurückführen, da keine Messwerte vorliegen, die diese Behauptung stützen. Ángel Rivera hebt jedoch hervor, dass in Santander die Temperatur in 1.500 Metern Höhe seit 1989 um 2,7 Grad gestiegen ist. Zudem ist die tropische Luft wärmer, wenn sie Spanien erreicht. „Sie kommt häufiger vor, hält sich länger, und das Zirkulationsmuster, das sie mit sich bringt, neigt dazu, sich stärker als früher zu verfestigen. Ursache und Wirkung verstärken sich gegenseitig.“ Für den Meteorologen „fügen sich einige Puzzle-Teile solide zusammen. Wir registrieren keine Anomalien. Vielmehr messen wir vielleicht einen Wandel.“ (elcorreo-baskultur)

(2026-07-01)

MEHR ARBEIT, GLEICHES GEHALT

Wenn der Auto- und Rüstungs-Konzern Daimler-Benz schwerwiegende Entscheidungen trifft, geschieht dies weit entfernt vom Baskenland. Nach der zuletzt erfolgten Ankündigung der Mercedes-Geschäftsführung stehen allerdings alle baskischen Antennen auf Alarm, denn in Vitoria-Gasteiz steht ebenfalls eine Mercedes-Produktionsstätte, in der etwa 5.000 Personen arbeiten. Was ist passiert? Mercedes Stuttgart verlangt von seinen Mitarbeitern, bei gleichem Gehalt mehr zu arbeiten. In einem Schreiben kündigt die Unternehmens-Leitung des Automobil-Herstellers an, dass eine für Juli tariflich vorgesehene Sonderzahlung verschoben und die 35-Stunden-Woche verlängert wird. Eine unilaterale Entscheidung, ohne Zustimmung der Betroffenen, ohne die Gewerkschaften. Das ist Kapitalismus. (Foto: Hitler bei einer Kundgebung in einem Mercedes)

Die Geschäftsführung des deutschen Automobil-Herstellers Mercedes hat von ihren Mitarbeitern in Deutschland offiziell eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne entsprechende Gehalts-Erhöhung gefordert. Dies wurde mit der Notwendigkeit begründet, „die gravierenden strukturellen und finanziellen Herausforderungen zu bewältigen, denen sich das Unternehmen gegenübersieht“. Dies geht aus einem internen Schreiben an die Belegschaft in Deutschland hervor, das am Freitag von der Nachrichten-Agentur DPA veröffentlicht wurde. In dem Schreiben vertritt der Vorstand des Automobil-Herstellers die Auffassung, dass „längere Arbeitszeiten bei gleichem Gehalt in allen Bereichen des Unternehmens den direktesten und gerechtesten Weg zur Überwindung der aktuellen Lage darstellen“. Eine interessante Definition von „Gerechtigkeit“.

Als erste Sparmaßnahme hat die Unternehmens-Leitung angekündigt, eine Sonderzahlung, die laut geltendem Tarifvertrag für Juli vorgesehen war, auf das nächste Jahr zu verschieben. Diese „vorübergehende Aussetzung“ betrifft etwa 90.000 der rund 108.000 Mitarbeiter*innen, die der Konzern in Deutschland beschäftigt. Obwohl die Gesamtsumme der Einbehaltung nicht näher angegeben wurde, handelt es sich bei der Zulage um die sogenannte „jährliche Transformations-Komponente“, einen Bonus, der 18,4% des individuellen Monatsgehalts jedes Mitarbeiters ausmacht. Parallel dazu beabsichtigt die Geschäftsführung, in den kommenden Wochen formelle Gespräche mit dem Betriebsrat aufzunehmen, um eine Verlängerung der Arbeitszeit zu diskutieren, die gemäß den branchenüblichen Rahmenbedingungen derzeit bei 35 Wochenstunden liegt, ohne dass dafür eine zusätzliche finanzielle Entschädigung gewährt wird. Im Baskenland würde eine solche Kapitalisten-Unverschämtheit direkt in einem Streik münden.

Um diese Forderungen gegenüber den Beschäftigten zu rechtfertigen, verwies der Vorstand auf „drei große globale Herausforderungen, die die Stabilität des Unternehmens bedrohen, darunter insbesondere die zunehmenden Einschränkungen des internationalen Freihandels (sprich: Trumps Zölle), die komplexen Handelsbedingungen auf dem chinesischen Markt und die Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Zentrum der Wirtschaftstätigkeit“. Ist dafür etwa die Mercedes-Belegschaft verantwortlich? Sicher nicht, aber sie sollen die Rechnung zahlen. Ein Umstand fehlt in der Aufzählung: die zunehmende Militarisierung der deutschen Industrie und Gesellschaft. Um die zu finanzieren, muss an anderer Stelle eingespart werden, bei den Rechten der arbeitenden Bevölkerung. Das sollten die Gewerkschaften wissen, wenn sie vor das Mercedes-Gericht geladen werden. Ein Blick in die Nazi-Geschichte reicht aus, um sich ein Bild zu machen, wohin massive Rüstung führt und wie die Folgen aussehen. Der übernächste Schritt ist Arbeitspflicht, zu der jene einbestellt werden, die bisher aussortiert waren. Die Kolleg*innen in Vitoria-Gasteiz werden genau beobachten, was in Stuttgart weiter passiert. (diariosocialista-baskultur)

ABBILDUNGEN:

(*) Tagespresse

(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-07-01)

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