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Zurück in den Wüsten Westen

Das Gerede von der “Neuen Normalität“ hat nach einem Jahr wieder an Bedeutung gewonnen, angeblich ist die Pandemie Schnee von gestern. Alles wie gehabt, soll uns weißgemacht werden, doch nichts ist wie es war. Verändert haben sich die Wirtschaftsprozesse, das Homeoffice, die Armutsverhältnisse und – last not least – unsere physische und psychische Gesundheit. Wir sitzen auf dem Vulkan, der jederzeit wieder ausbrechen kann. Kritiker sagen der Impfung Nutzlosigkeit nach und sprechen von Plandemie.

Das Ende der Schutzmaßnahmen ist noch lange nicht das Ende der Corona-Pandemie. Nach dem politischen Versagen gegen Covid steht die Welt in den Startblöcken zur nächsten Katastrophe. Denn an den Ursachen des Übels wurde nichts geändert. Der Brachial-Kapitalismus wildert weiter.

(2021-10-07)

FRAGWÜRDIGE FREIHEITEN

Hurra! Wir dürfen wieder! Der Coronavirus-Krisenstab in Euskadi hat heute beschlossen, dass alle wegen der Pandemie beschlossenen Restriktionen aufgehoben werden, mit Ausnahme der Maskenpflicht in geschlossenen Räumen. Endlich dürfen wir wieder – fast alles! Wieder auf der Straße trinken, wieder an der Theke stehen und mit der Wirtin quatschen, Zeitung lesen oder Fußball schauen. Das Stadion darf sich wieder füllen, ebenso die Diskotheken und Bibliotheken, nur eben mit Masken. Die Ruheständlerinnen dürfen wieder Familienbesuch einbestellen und sich auf den Rundgang durchs Quartier machen. Wir dürfen uns auch weiterhin anstecken, wenn wir unbedingt wollen. Die Quote liegt zwar so niedrig wie seit 19 Monaten nicht, 49 auf 100.000 in zwei Wochen, aber 2.500 Fälle sind keine Kleinigkeit, auch wenn sie für den ganzen Staat gelten.

kolu32a07Die WHO diskutiert noch, ob die ansteckenden Tierchen weiter den Namen Pandemie verdienen oder nun Epidemie genannt werden müssen – hier hat alles sein Recht auf korrekte Bezeichnung. Pünktlich mit der Entwarnung kommen die Festankündigungen aus den Schubladen: das Sidra-Fest in Bilbao (Santo Tomas) wurde umgehend freigegeben. Das erste große Massenbesäufnis ist somit unter Dach und Fach, seine Dimension wird als uneinholbar in die Geschichte eingehen. Hunderttausende von Litern des Apfelweins werden die Sinne erheitern und verwirren, gegossen aus Tausenden von Tonnen von Glas. Hunderttausende von Plastikbechern werden nach zwei Jahren endlich wieder einmal ins Meer gespült und könnten mit den Meeresströmungen Mitte 2023 an jenem schwimmenden Plastikkontinent im Atlantik ankommen, der zu einem weiteren Todesstoß für die Meereswelt wurde.

Wer heute von Normalität oder Freiheit spricht, meint die des grenzenlosen Konsums, die Freiheit, auf organisierten Wegen den Planeten zu zerstören und unbewohnbar zu machen. Mit Plastik und der fahrlässigen Produktion von Killerviren, in Laboren und Fleischfabriken. Ihre Grenze findet diese Freiheit lediglich in den baskischen Fußball-Stadien: in der Halbzeit das geliebte mitgebrachte Baguette zu essen, bleibt verboten, statt Bier gibt es Wasser – aus ebenso naheliegenden wie unerfindlichen Gründen. Jedem das Seine.

UND SONST … Der Anführer der Vergewaltigungstruppe, die vor fünf Jahren bei den Fiestas in Pamplona ihre frauenverachtenden Spuren hinterließ, hat nach jahrelangem Leugnen und Lügen die Vergewaltigung eingeräumt und sich beim Opfer formal entschuldigt. Dafür erhofft er sich Hafterleichterungen und bessere Voraussetzungen für Ausgangs-Anträge.

ABBILDUNGEN:

(06-10) Collage FAT

(07-10) Neue Normalität

 

(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2021-10-07)

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