artzi1Bei Auritz durch die Vor-Pyrenäen

Artzi (span: Arce) ist ein kleiner Ort in den navarrischen Vorpyrenäen, im Irati-Tal südlich von Auritzberri (Burguete). Nach der Konsolidierung der Überreste und der Umzäunung des Geländes können hier die Reste der römischen Artzi-Bäder besichtigt werden. Diese 2.000 Jahre alte Erholungseinrichtung lag an einer Römerstraße, die Zaragoza über die Pyrenäen mit Bordeaux verband. Informationstafeln erklären, wie diese von der Wissenschafts-Gesellschaft Aranzadi freigelegte Infrastruktur ausgesehen haben mag.

Die Fahrt von Saint-Jean-Pie-de-Port nach Pamplona führt über Vor-Pyrenäen und eine Reihe interessanter Orte mit Geschichte: Roncesvalles, die Roland-Sage, Auritz. Dazu kommen nun ausgegrabene römische Bäder im Artzi-Tal. Abseits des Massentourismus.

Wer die an dieser Stelle noch nicht so hohen Pyrenäen zwischen Iparralde und Nafarroa – von Frankreich nach Spanien – in südlicher Richtung überquert, kann in jedem der durchfahrenen Orte ein Kapitel baskischer Geschichte erleben. Ausgehend von Donibane Garazi (frz: Saint-Jean-Pie-de-Port), der ummauerten und heute von Tourismus geprägten Hauptstadt der Provinz Nieder-Navarra in Iparralde, dem französischen Baskenland. Über Arneguy geht es über die Grenze in den am Hang liegenden Ort Luzaide (Valcarlos), der für seinen bunten Karneval bekannt ist. Im Tal unterhalb der Kleinstadt verläuft der heutige Pilgerweg, den einst die Römer angelegt haben könnten auf ihrem Vormarsch in den iberischen Süden.

Vom höchsten Punkt Ibaneta, erkennbar an einer kleinen Kapelle am Straßenrand, erzählt die Geschichte, dass baskische Bauern im Jahr 778, wohl in Kooperation mit maurischen Kriegern, die Nachhut von Karl dem Großen überfallen und geschlagen haben. Jene Armee kam gerade von einem Feldzug gegen Zaragoza zurück und hatte vorher Pamplona gebrandschatzt. Beim baskischen Hinterhalt wurde der Ritter Roldan aus dem Tross des Kaisers getötet, auf ihn geht das mittelalterliche Rolandslied zurück. Zwei Kilometer weiter bildet der Klosterort Orreaga (span: Roncesvalles) mit seinen Erinnerungs-Bauwerken die nächste interessante Station, im Sommer von hunderten von Pilger*innen belagert, die aus den Pyrenäen kommen oder dahin wollen.

Vier Kilometer weiter liegt der Bauern- und Erholungsort Auritz (span: Burguete), an dessen Hauptstraße links und rechts schmale altertümliche Wasserkanäle laufen. Am südlichen Ortsende, hinter dem Campingplatz Urrobi, beginnt das Artzi- oder Arce-Tal, das sich durch besondere landschaftliche Schönheit auszeichnet und über dem Fluss noch einige Hängebrücken vorzuweisen hat. Der Ort Artzibar besteht aus 14 bewohnten und einer Reihe von nicht mehr bewohnten Orten, die durch das meist schmale Tal am Fluss entlang Richtung Süden aufeinander folgen.

artzi2Im nord-navarrischen Ort Artzi können seit Kurzem die Überreste von römischen Thermalbädern besichtigt werden, nachdem sie gefestigt und eingezäunt wurden. Die alten Bäder zeigen die Ergebnisse der Arbeiten, die von der Wissenschafts-Gesellschaft Aranzadi durchgeführt wurden, mit Unterstützung der Stadtverwaltung von Artzibar und der Regional-Regierung von Nafarroa. (1)

Der Thermalkomplex befindet sich in der Nähe der Kapelle Santa María, des Eremitenhauses und des Artzi-Palastes, der derzeit restauriert wird, in der Nähe des Ortes Nagore. Die verlor einen Großteil ihrer Ländereien, als der Itoiz-Stausee gebaut wurde. Der Komplex war Teil der Römerstraße Iter XXXIV (34), die die Pyrenäen überquerte, um Zaragoza mit Bordeaux zu verbinden. Wie Oihane Mendizabal, die Leiterin der Ausgrabungen, den Medien vor Ort erklärte, handelte es sich um ein Gebäude, dessen Bau im 1. Jahrhundert vor Christus begann und das bis zum 4. Jahrhundert nach Christus in Betrieb war, wobei sich seine Funktionen im Laufe der Zeit veränderten.

Was den Besucher*innen heute geboten wird, ist das Ergebnis der von Aranzadi in den Jahren 2011-2012 begonnenen Arbeiten, nachdem die Überreste entdeckt wurden. Geophysikalische Prospektionen ermöglichten “den Beginn der Ausgrabungen, die in sieben Durchgängen bis 2022 andauerten". Dank dieser Arbeiten kamen die Überreste einiger Bäder ans Licht, sie "dienten den Nutzern der römischen Straßen, die die lokale Welt mit dem Rest der römischen Welt verbanden".

Es handelt sich nicht um einen besonders großen Komplex, er nimmt lediglich eine rechteckige Fläche von etwa 150 Quadratmetern ein, "weist aber alle Merkmale der Bäder jener Zeit auf", so Mendizabal. Im Inneren der Infrastruktur wurden die verschiedenen Räume nacheinander angeordnet: Frigidarium (kalt), Tepidarium (warm) und Caldarium (heiß). Der gleiche Weg wurde dann in umgekehrter Richtung beschritten, um das Gebäude wieder zu verlassen.

Die beheizten Räume wurden mit Hilfe des Hypokaustum-Systems erwärmt, da sie über den Unterboden mit dem Ofen verbunden waren. Der Begriff Hypokaustum setzt sich zusammen aus "hypo", was übersetzt "unten", und "causto", was "verbrannt" bedeutet. Im Grunde handelte es sich um ein System, das schlicht darin bestand, im Inneren von Häusern einen Doppelboden zu errichten, der auf mehreren Ziegelstapeln lag, darunter der Ofen.

Wie die Archäolog*innen von Aranzadi dank der geophysikalischen Untersuchungen feststellen konnten, befanden sich in der Nähe der Thermen drei oder vier weitere Gebäude, die "einen kleinen Komplex zur Versorgung der Personen bildeten, die die Straße nutzten". Die Arbeiten haben sich im Laufe der Jahre jedoch "auf ein Gebäude konzentriert, weil es das repräsentativste war und dasjenige, das archäologisch die meisten Phasen aufwies", erklärte der Leiterin der Ausgrabungen.

Zu Beginn hatte das Gebäude die Funktion, für die es gebaut worden war: ein Thermalbad. Doch im 3. und 4. Jahrhundert wurde diese Funktion aufgegeben. “Das Gebäude wurde umgewandelt in eine Werkstatt für Eisenverarbeitung, obwohl wir auch Reste von Blei gefunden haben". Mit anderen Worten, während dieser letzten Nutzungsperiode "wurde der Ofen, der die Einrichtungen beheizte, wiederverwendet als kleine Schmiede, die mehr als hundert Jahre lang recht aktiv war. Er wurde als metallurgischer Ofen genutzt, was uns eine Vorstellung von der Bedeutung des Bergbaus in dieser Umgebung der Pyrenäen gibt".

Zusätzlich zu diesen Entdeckungen haben die Arbeiten "Baumaterialien in Verbindung mit den Bädern, Keramikreste, Fauna und andere Dinge, die dem täglichen Leben in dieser Infrastruktur entsprechen" ans Licht gebracht.

Informationen über die Stätte

All diese und weitere Details über den Thermal-Komplex werden den Besucher*innen in Artzi durch "Tafeln vermittelt, mit grundlegenden Informationen zum Verständnis der Ruinen, der einzelnen Räume und ihrer wichtigsten Merkmale", so Mendizabal. Darüber hinaus werden QR-Codes mit Audios in Spanisch, Baskisch, Französisch und Englisch angeboten, sowie 3D-Nachbildungen über verschiedene Links.

Das Ziel von Aranzadi und den Institutionen, die die Ausgrabung gefördert haben, geht jedoch darüber hinaus. Es ist geplant, in der Osterzeit geführte Besichtigungen anzubieten, "um das Gebiet aufzuwerten, um die archäologischen Bemühungen sichtbar und die alten Einrichtungen verstehbar zu machen". Darüber hinaus sind für dieses Jahr Aktivitäten geplant wie Vorträge und die Veröffentlichung einer Monographie über die Thermalbäder und ihr archäologisches Material, die sich derzeit in der Studienphase befindet.

artzi3Dies kündigte auch Jesús María Rodríguez an, Generaldirektor für lokale Verwaltung und bevölkerungsarme Gebiete der Regierung von Nafarroa, der darauf hinwies, dass "die Enklave einen Komplex von großem historischem Wert beherbergt, mit Elementen wie der Kapelle, dem Eremitenhaus und dem Palast". Gleichzeitig setzte er die Forschungs-Arbeiten in Verbindung mit dem "Kampf gegen die Entvölkerung“ ländlicher Gebiete, die Nafarroa seit Jahrzehnten erleidet. Die Wiederherstellung und Aufwertung des archäologischen und kulturellen Erbes soll den Tourismus-Sektor antreiben, als Generator für Wirtschaftstätigkeit und als Verstärker zur Bindung der Bevölkerung" wirken. Susana Herreros, Leiterin des Amtes für historisches Erbe der Regierung von Navarra, betonte ihrerseits, dass "unsere Archäologen dieses Projekt sehr genau verfolgt haben, sowohl in Bezug auf technische Beratung sowie mit finanziellen Beiträgen".

Neben den Vertretern der Regierung von Nafarroa waren auch mehrere Bürgermeister*innen der Gegend anwesend, aus Agoitz, Auritz, Erro und Luzaide. Der Bürgermeister von Artzibar erinnerte daran, dass die öffentlichen Institutionen "zusammen mit Aranzadi die Kooperations-Vereinbarung im August 2015 unterzeichnet haben, um das historische, kulturelle und natürliche Erbe der Gegend aufzuwerten, die uns über die Römerstraße mit dem Gebiet der Vaskonen verbindet". Eine Aufgabe, die "zusammen mit der Regierung von Navarra durchgeführt wird, ein wichtiger Aktivposten, um das Ziel zu erreichen, das wir uns mit der Unterzeichnung der Vereinbarung gesetzt haben".

Das Ergebnis ist dieser Thermalkomplex, der ab sofort besichtigt werden kann und der uns durch seine Überreste und die erklärenden Informationen eine Epoche näherbringt. Denn Straßen wie jene, die über den Ibañeta-Pass die Pyrenäen überquerte, waren "der Schlüssel zum Vormarsch Roms" und ermöglichten es dem Imperium, "einen großen Teil Europas und Nordafrikas zu kontrollieren", erinnerte Mendizabal.

Zugänglichkeit

Ibañeta, der Klosterkomplex Roncesvalles oder das Arce-Tal sind nur bedingt für Kurzausflüge geeignet. Zeitlich ist die Anreise kein Problem, doch zum Genuss des Sehenswerten reicht ein Tag nicht aus. Zu erreichen sind die Orte über einfache Landstraßen, teilweise in Serpentinenform gezeichnet. Orte wie Auritz oder der moderne Campingplatz Urrobi am Ortseingang bieten ausreichend Unterkunft für einen Tag oder zwei, die mit Besichtigungen und Wanderungen gefüllt werden können. Eine knappe Fahrstunde von Iruñea-Pamplona aus, etwas mehr aus der Richtung Donibane Garazi. Hier hat jeder Ort seinen Reiz, mit kleinen, aber feinen Details aus der baskischen Geschichte und Kultur. Zum Beispiel die speziell eingerichteten und immer geöffneten Pelota-Frontons in Auritzberri (Espinal) und Auritz. Oder, ein Stück weiter, die offen zugängliche alte Waffenfabrik bei Orbaizeta. Und das Grab von Mikel Zabalza.

ANMERKUNGEN:

(1) “Ya se pueden visitar las termas de Artzi, estación viaria de la calzada romana del Pirineo” (Es ist jetzt möglich, die Thermen von Artzi zu besuchen, eine Station der Römerstraße in den Pyrenäen), Tageszeitung Gara, 2024-02-07 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) Artzibar (naiz)

(2) Artzibar (naiz)

(3) Nagore (artzibar)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-02-09)

Für den Betrieb unserer Webseite benutzen wir Cookies. Wenn Sie unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, akzeptieren Sie unseren Einsatz von Cookies. Mehr Information