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BASKULTUR-VIDEO (2)

“Als die Bilder laufen lernten“ war eine Sendung der 1960er Jahre im deutschen Fernsehen. 55 Jahre danach versucht nun auch BASKULTUR.INFO, Bewegung in die Bilder zu bringen. Natürlich unter ganz anderen Bedingungen, denn mittlerweile gibt es Internet und alles ist voll von Film, Animation und Video. An eigene Produktionen ist noch nicht zu denken, deshalb beschränken wir uns auf eine Mischung von “laufenden Bildern“ und kürzeren erklärenden Reportagen.

Laufende Bilder: Vorweg sei angemerkt, dass keines der an dieser Stelle vorgestellten Videos in deutscher Sprache zu hören ist. Das ist nicht weiter schlimm, denn BASKULTUR beschreibt und erklärt den Zusammenhang, um den es in jedem Beitrag geht. Statt tiefgründigen Lese-Artikeln sind hier kurze Reportagen mit größerem Bildanteil zu finden.

INHALT:

(*) Papiere für alle Migrant*innen (*) Schlägertrupps gegen Hausbesetzer (*) Gegen Kolonialismus und ultra-spanische Verherrlichung von Völkermord (*) Alarde Antifaxista, Antifaschistischer Marsch (*) Mord in El Salvador (*) Francos letzte Hinrichtungen (*) Ion Arretxe, Folteropfer

video02 8(2020-10-17)

PAPIERE FÜR ALLE!

Die Migrant*innen in Bilbao organisieren sich. Der Protagonismus der einheimisch-weißen Solidaritäts-Bewegung kann in den Hintergrund treten, die Betroffenen artikulieren sich selbst. Nach dem Lockdown wurde zum wiederholten Mal gegen Rassismus und für Legalisierung mobilisiert. Federführend sind Personen aus Zentralafrika und dem Maghreb, Männer und Frauen. Am heutigen 17. Oktober ging es zur Einwanderungs-Behörde im Stadtzentrum, um eine Legalisierung und Papiere für alle zu fordern. Circa 400 Personen versammelten sich zur Kundgebung, um der Forderung Nachdruck zu verleihen.

Die Losungen auf Transparenten und Schildern waren: “Papiere für alle – oder keine Papiere für niemand“ – “Leben, nicht überleben“ – “Das Leben der Straßenverkäufer ist uns wichtig“ – “Institutioneller Rassismus tötet“ – “Wenn du willst, dass ich gehe, dann hole deine Unternehmen aus meinem Land“ – “Das Ausländer-Gesetz ist ein Zeichen weißer Vorherrschaft“ – “Niemand ist illegal“ – “Das Mittelmeer ist das Massengrab Europas“ – “Rassismus ist der Virus, Solidarität ist die Heilung“ – “Schließung der Auffanglager“ – “Die Würde Europa ertrinkt im Mittelmeer“. (Reportage Baskultur.Info 2020-10-17) (FOTO-SERIE) (VIDEO)

 (2020-10-15)

SECURITY GEGEN HAUSBESETZER

Hausbesetzung im Baskenland hat eine lange Tradition. In erster Linie, um Raum für Sozial- oder Kommunikations-Zentren zu schaffen. Dazu werden leere Fabriken oder Lager besetzt. Die zunehmende Prekarität und Armut hat in den vergangenen Jahren gleichzeitig einerseits für viele zum Verlust der Wohnung geführt, andererseits zu einer Zunahme der Besetzungen von Wohnraum. Diese Zunahme und die spektakulärsten Fälle haben zu einem großen Medien-Interesse und zu einer regelrechten Kampagne gegen die Besetzerinnen geführt. Mit dem Tenor: “Wenn du übers Wochenende weg fährst, kann es passieren, du kommst zurück und deine Wohnung ist besetzt“.

Ein Fall in Bilbao-Enekuri hat das Besetzungs-Büro Bilbao, das für Besetzerinnen Rechtshilfe anbietet, zur Intervention gezwungen. Zwei Wochen vorher wurde ein leerstehendes Haus besetzt, das zu einem geschlossenen Restaurant gehört. Die erste Falsch-Information bestand darin, dass überall behauptet wurde, das Restaurant sei besetzt worden. Dann schickte der Besitzer eine Firma, die sich darauf spezialisiert hat, besetzte Objekte zu ent-besetzen, mit Drohungen, Gewalt und illegalen Methoden.

video02 7Am 15. Oktober stand eine Rechtsanwältin zahlreich erschienenen Medien Rede und Antwort. Sie berichtete von Drohungen der “Schlägertrupps“, die sich auch gegen sie selbst gerichtet hatten. Mehrfach wurde versucht, die Schlösser des Hauses aufzubrechen, was laut Gesetz illegal ist. Denn sobald sich Besetzer mehrere Tage in einer Immobilie aufhalten, gilt der Ort rechtlich als ihre Behausung. Geräumt werden kann nur nach einem gerichtlichen Beschluss, der seine Zeit braucht.

Eine Vertreterin des Besitzers bot Geld, damit die Besetzer das Objekt freiwillig räumen, ansonsten wurden die Bedrohungen zu einem Dauerzustand. Die anwesende Polizei verhielt sich passiv, obwohl klar war, dass sich mehrfach illegale und bedrohliche Machenschaften ereignet hatten. Die Juristin ließ die Gelegenheit nicht aus, auf die verzerrenden Daten hinzuweisen, die in den Medien kursieren. In den vergangenen Monaten war es gelegentlich zu Besetzungen von leerstehenden Privatwohnungen gekommen. Die Juristin wies erstens darauf, dass es im spanischen Staat pro Tag 33 Besetzungen gäbe, dem stehen 157 Zwangsräumungen wegen Zahlungs-Unfähigkeit gegenüber. 70% der besetzten Immobilien befinden sich im Besitz von Banken, 10% von Spekulanten und Investoren. Nur der verbleibende Rest seien Privateigentümer. (2020-10-15 / Okupazio-Bulegoa / Besetzungs-Büro / spanische Sprache) (VIDEO)

(2020-10-12)

VÖLKERMORD UND HISPANIDAD

Am 12. Oktober 1492 “entdeckte“ Kolumbus (span: Colón) in der Karibik das erste Stück Land auf seinem vermeintlichen Weg nach West-Indien. Im Auftrag der spanischen Krone folgte was wir heute als Völkermord an 70 Millionen Ureinwohner*innen bezeichnen. Weit entfernt, dieses dunkle Kapitel in humaner Weise aufzuarbeiten, feiert die “spanische Nation“ den Tag in vollkommen zynischer Weise. Könnte sich jemand einen “Tag des Deutschtums“ vorstellen (etwa zum Jahrestag der Besetzung Namibias), der nicht sofort Erinnerungen an Faschismus und Diktatur auslösen würde? Genau das geschieht jeden 12. Oktober am höchsten National-Feiertag in Spanien, am "Día de la Hispanidad", dem Tag des "Spanischtums".

video02 6Die peripheren Kulturen und kleinen Nationen des Staates haben mit diesem rücksichtslosen Ultra-Nationalismus wenig am Hut. Deren Ministerpräsidenten glänzen in Madrid durch Abwesenheit. Im Baskenland und Navarra entwickelten sich in den vergangenen Jahren eindrucksvolle Initiativen, die versuchen, den Charakter des Tages auf den Kopf zu stellen und ihn zu einer Anklage gegen die Verherrlichung der “glorreichen Eroberungen“ zu machen. Die Älteren erinnern sich noch, dass dieser fragwürdige Tag früher “Tag der Rasse“ genannt wurde!

SCHLUSS MIT KOLONIALISMUS

“Hier gibt es nichts zu feiern, hier werden Imperialismus und Kolonialismus angeprangert“. Mit dieser Sicht der Dinge waren sich die Gruppen “Mujeres del Maíz“ aus Nikaragua, “Africa United“ und “Compartiendo Raíces“ aus Ekuador mit der abertzalen Partei Sortu einig. Auf den Straßen der navarrischen Hauptstadt Iruñea (Pamplona) zeigten sie Volkstänze und ihre Kultur, die in vielen Teilen der lateinamerikanischen Gesellschaften längst ausradiert ist. Beklagt wurde zudem die Vorherrschaft und Arroganz der spanischen und französischen Sprache in jenen Kulturen, die vor 500 Jahren mit Vernichtung und Genozid überzogen wurden. Gemeinsam sprachen sich die veranstaltenden Gruppen für Akzeptanz unter Verschiedenen aus und für eine baskische Republik. Um ihrem Diskurs Nachdruck zu verleihen, kippten die Organisatorinnen zwei vorher aufgestellte Statuen, auf denen der aktuelle König Felipe II und Kolumbus nur kurz Platz nehmen durften. Mit langen Seilen wurden sie zu Boden gezogen. (Ahotsa.info 2020-10-12) (VIDEO)

KONQUISTADOREN RAUS!

Gemeint ist das Straßenverzeichnis, ebenfalls in Pamplona. Dort beschäftigte sich die “Migrantinnen-Bewegung Navarras“ mit der Ersetzung von Straßen-Namen von Eroberern durch Namen, die voller notwendiger Erinnerung sind. Der Vizekönig José de Armendáriz (1640-1740, Markgraf, Burggraf und Vizekönig von Peru) wurde ersetzt durch die senegalesische Insel Gorée, die dreihundert Jahre lang der wichtigste “Umschlagplatz“ für Sklaven gewesen war; die nach dem Konquistadoren Pedro de Ursua benannte Straße (1525-1561, auf der Suche nach dem Goldland von eigenen Soldaten ermordet) darf sich nun Chitarera-Straße nennen, nach dem kolumbianischen Urvolk, das Kolonialismus und Ermordung erfahren hatte, just durch den Ritter Ursua. (Ahotsa.info 2020-10-12) (VIDEO)

video02 5MARSCH DER BATAILLONE

In Bilbao wurde am symbolischen Tag des Völkermords an den Widerstand gegen die Besetzung des Baskenlandes durch die Faschisten erinnert, die ebenfalls in zahlreichen Massakern endete und vierzig Jahre Diktatur nach sich zog, die bis heute nicht aufgearbeitet sind. 150 Personen zogen in Bataillone verschiedener Ideologie aufgeteilt durch die Innenstadt Bilbaos, um an jene zu erinnern, die damals ihr Leben und ihre Zukunft riskierten, um das Baskenland, die Republik oder die soziale Revolution zu verteidigen. Alle Miliz-Einheiten dieser Alarde Antifaxista zogen in der seinerzeit üblichen Original-Kleidung durch die Straßen, denn Uniformen gab es damals nicht. So zog jedes Bataillon mit seinen eigenen Insignien in den Verteidigungs-Krieg. Dem historischen Umzug schloss sich eine Demonstration von drei bis vierhundert Personen an. (Ecuador Etxea, 2020-10-12) (VIDEO). Im Vergleich Szenen vom selben Aufmarsch im Vorjahr 2019. (Ecuador Etxea, 2019-10-12) (VIDEO).

video02 4TOD IN EL SALVADOR

In Gares (Navarra) wurde im September an die junge Ärztin Begoña Garcia "Alba" Arandigoyen erinnert. Sie war vor 30 Jahren nach Santa Ana, El Salvador gegangen, um als solidarische Medizinerin Kriegsverletzte zu versorgen. Bei einem Angriff der rechtsgerichteten Regierungs-Truppen wurden sie gefangen genommen und im Anschluss mit Schüssen aus nächster Nähe hingerichtet. Zu jenem Zeitpunkt war sie im siebten Monat schwanger. Ihr Fall fand Eingang in die Wahrheits-Kommission, die in El Salvador nach der Beilegung des bewaffneten Konflikts eingerichtet wurde, ihr Tod wurde als schweres Kriegsverbrechen eingestuft und als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Bei der Gedenkfeier in Gares wurde erneut gefordert, dass die Verantwortlichen für das Verbrechen endlich zur Rechenschaft gezogen werden, was bis heute nicht geschehen ist. (Ahotsa.info, 2020-09-12) (VIDEO)
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DIE LETZTEN HINRICHTUNGEN DES FRANQUISMUS

Am 27. September 1975 wurden früh morgens die letzten fünf zum Tode Verurteilten politischen Gefangenen von franquistischen Schergen hingerichtet. Das Regime hatte sich gar nicht erst die Mühe von scheinbar ordnungsgemäßen Prozessen gemacht, sondern Schnellverfahren vor Kriegsgerichten angeordnet, bei denen die Todesurteile bereits in der Schublade lagen. Trotz internationalen Protesten und Angriffen auf spanische Botschaften in Europa blieb das Regime hart. Man wollte Blut sehen, um den überall im Staat aufflammenden Protesten und Rebellionen durch Arbeiter und Studierende Einhalt zu gebieten und ihnen einen Denkzettel zu verpassen.

Hingerichtet wurden drei Mitglieder der bewaffnet kämpfenden Gruppe FRAP sowie die beiden ETA-Mitglieder Angel Otaegi und Jon Txiki Paredes. Im Baskenland wurde der 27. September seither zum Gudari Eguna erklärt, zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Franquismus und der postfranquistischen Repression. Im Video erzählt der Bruder von Txiki Paredes dessen letzte Stunden, die er miterleben konnte. Mikel Paredes war sogar Zeuge der Erschießung seines Bruders durch ein Kommando von freiwilligen Guardia Civiles. (Naiz, 2015-09-27) (VIDEO) (VIDEO)
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ION ARRETXE, FOLTEROPFER

Ion Arretxe ist eines der bekanntesten Opfer von Folter durch die spanische Guardia Civil. Der später als Schriftsteller und Drehbuch-Schreiber bekannt gewordene Arretxe wurde am selben Tag verhaftet wie Mikel Zabaza, Busfahrer aus Donostia, der fälschlicherweise der ETA-Mitgliedschaft verdächtigt wurde und an den Folgen der GC-Folter starb.

Ion Arretxe überlebte die Misshandlungen und wurde nach der Kontaktsperre-Haft ohne Anklage entlassen. Mikel Zabalzas Leiche wurde erst einen Monat nach der Verhaftung gefunden. In einem Interview erzählt Arretxe von Folter, erst im Wald und später in der Intxaurrondo-Kaserne von Donostia, zu gleicher Zeit wie Mikel Zabalza, den Arretxe nicht einmal kannte. Eine Erfahrung, die er in seinem Buch "Intxaurrondo, la sombra del nogal" (Intxaurrondo, der Schatten des Walnussbaums) niederschrieb. Ion Arretxe starb am 18. März 2017, die Verhaftung der beiden und weiterer Personen (am 26. November 1985) jährt sich in diesem Jahr zum 35. Mal. (Ahotsa.info, 2015-11-14) (VIDEO)

ABBILDUNGEN:

(1) Collage FAT

(2) Ion Arretxe (wikipedia)

(3) Otaegi – Txiki (wikipedia)

(4) Mord in El Salvador

(5) Alarde Antifaxista (FAT)

(6) Anti-Kolonialismus (diariodenavarra)

(7) Hausbesetzung in Bilbao

(8) 

(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2020-10-14)

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