kolu58a00Das Meer lacht sich kaputt

“Unser Sommer ist nur ein grün angestrichener Winter, sogar die Sonne muss bei uns eine Jacke von Flanell tragen, wenn sie sich nicht erkälten will“, schrieb Heinrich Heine einst über die wärmste Jahreszeit, zwischen 1797 und 1856 hatte er das Vergnügen eines Erdbewohners. Wie sich die Zeiten ändern. Heute müsste Heine schreiben: “Unser Winter ist nur ein weiß angestrichener Sommer, sogar die Schneeflocke muss bei uns in Isoliertüten gepackt werden, wenn sie nicht vor dem Niedergang schmelzen will.“

Fiestas sind zum Feiern, zum Entspannen, zum Vergnügen, am besten ausgelassen mit guten Freunden. Wenn zu viele gleichzeitig feiern, haben wir es mit Massen zu tun. Massen haben andere, übergriffige Dynamiken als Entspannen und Vergnügen.

(2024-08-31)

LEBENSRETTUNG VERHINDERN

kolu58a31aDie Regierung der spanischen Region Valencia, in den Händen der PP mit Unterstützung der Faschisten von Vox, fordert 63.000 Euro Hafengebühren für das baskische Rettungsschiff Aita Mari. Das dortige Umwelt-Ministerium versichert, dass diese Schiffe “die verschiedenen Häfen der Region ohne jede Art von Veto immer anlaufen können, aber immer unter Einhaltung der geltenden Vorschriften“. Eine kryptische Formulierung.

Die Betreiberin des Schiffes, das im Mittelmeer bereits Dutzende von Rettungsaktionen durchgeführt hat (die NGO Humanitäre Meeres-Rettung) beklagt hingegen, dass die Regierung von der 'Aita Mari', die derzeit im Hafen von Borriana / Castellón liegt, insgesamt 63.300 Euro an Hafengebühren verlangt, indem sie “die Verordnung ändert und die bisherige Gebühren-Befreiung aufhebt“. Die Organisation versichert, dass der zuständige Senator beabsichtigt, die Änderung des Gesetzes rückwirkend anzuwenden, nachdem die Gebührenbefreiung für diese Art von Schiffen im Juni 2024 aufgehoben wurde. Nun sollen Gebühren für die letzten vier Jahre kassiert werden. 63.000 Euro.

Was sich anhört wie eine bloße bürokratische Maßnahme mit unangenehmen Folgen, ist Teil einer zynischen Strategie verschiedener Behörden und Regierungen am Mittelmeer, um die Rettung von Afrika-Flüchtlingen zu be- und verhindern. Die Flüchtlinge sollen auf dem Meer bleiben und häufig dem sicheren Tod ausgesetzt. Die humanitäre Rettung, finanziert über Spenden und Schenkungen, wird dabei als eine Art von “Hochverrat“ betrachtet, weil mit ihrer Hilfe die von den ultrarechten Instanzen abgelehnten Migrant*innen aufs Festland gebracht werden und versorgt werden müssen. Weil die Arbeit der Retter*innen jedoch legal ist, werden Missionen wie die der Aita Mari mit künstlichen Hindernissen konfrontiert.

Die italienische ultrarechts-Regierung, zum Beispiel, belegt solche Schiffe mit hohen Geldstrafen für angebliche Gesetzes-Übertretungen oder hält die Schiffe fest wegen angeblicher technischer Mängel. Bloß keine neuen Rettungen, keine neuen Flüchtlinge, die sollen auf dem Meer bleiben.

Angesichts dieser Situation warnt die NGO, dass die Anwendung der Gebühren die für Oktober geplanten nächsten Rettungs-Einsätze der Aita Mari “sehr schwierig“ machen wird. Genau das ist die Absicht der migrations-feindlichen PP. Andererseits weist die NGO darauf hin, dass die vorherige Valencia-Regierung vorsah, dass „die Schiffe des Spanischen Roten Kreuzes und andere humanitäre Einrichtungen, die nicht gewinnorientiert und rechtmäßig gegründet sind, nach vorheriger Mitteilung an die Hafenverwaltung steuerliche, administrative und finanzielle Vorteile erhalten.

“In den letzten Jahren hatte die zivile Rettungsflotte in den Häfen der Generalitat Valenciana einen freundlichen Zufluchtsort gefunden. In den Häfen von Borriana und Vinaròs (Castellón) hatten die Besatzungen der Rettungsschiffe und der Schiffe für humanitäre Hilfe einen Ort, an dem sie sich ausruhen und Wartungsarbeiten durchführen konnten, um die Schiffe in einem optimalen Betriebszustand zu halten“, heißt es. Außerdem kritisiert die Organisation, dass “es eine alte Forderung (der Faschisten-Partei) Vox war, die Schiffe der humanitären Hilfe aus den valencianischen Häfen zu vertreiben, und eine ihrer ersten Maßnahmen, als sie zusammen mit der PP Teil die Regierung stellte (bevor sie letzten Monat aus allen Regional-Regierungen austrat), war es, die Vorschriften zu ändern, indem sie die Befreiung von den Gebühren abschaffte, die bis dahin existierte.“ Der Vorwurf: “Das sind die konkreten Fakten, in denen sich die rassistische und fremdenfeindliche Politik der extremen Rechten niederschlägt. Sie sind diejenigen, die entscheiden, wer lebt und wer stirbt, welche Leben geopfert werden sollen, welche humanitäre Hilfe gültig ist und welche behindert und kriminalisiert werden soll“.

Insofern ist die Versicherung der Valencia-Regierung, kein Veto auszusprechen und “immer einen offenen Hafen zu garantieren“, nichts als heiße Luft und Nebelwerfer. Das soll nun halt viel Geld kosten. Und demnächst vielleicht noch viel mehr. Bis das tödliche Ziel erreicht ist.

(2024-08-30)

PREKARITÄT AM ARBEITSPLATZ IST TÖDLICH

kolu58a30Im Baskenland kamen in 8 Monaten 38 Arbeitnehmer ums Leben, fünf mehr als im gleichen Zeitraum 2023. Die Gewerkschaft LAB registriert die Unfälle in der Regel in der Kategorie “durch Prekarität getötet“. Das jüngste Opfer war ein Leiharbeiter, der zwischen Maschinen einer Papierfabrik eingeklemmt wurde und drei Tage später starb. Die Gewerkschaft ELA verweist im Zusammenhang mit den Todesfällen auch auf den befristeten Arbeitsverhältnisse und den Stress durch intensive Arbeit.

In den ersten acht Monaten des Jahres 2024 wurden im Baskenland (Araba, Bizkaia, Gipuzkoa, Nafarroa, Lapurdi und Zuberoa) 38 Todesfälle bei Arbeitsunfällen verzeichnet. Im gleichen Zeitraum, d. h. mit Ablauf des Monats August, gab es im vergangenen Jahr 33 “Tote durch Prekarität“, wie die Gewerkschaft LAB in ihrer Gedenk-Veranstaltung betont. Bis 2022 war die Zahl auf 53 gestiegen. Der letzte “Prekaritäts-Tote“ in diesem Jahr war ein junger Leiharbeiter, der am 26. August in der Papierfabrik Aralar in Amezketa (Gipuzkoa) verunglückte und drei Tage später schwer verletzt starb. P.R.C. war 30 Jahre alt, Arbeiter bei Ibarra Argi Lanak und führte Wartungsarbeiten in der Papierfabrik Aralar durch. LAB weist auf die Verantwortung des Unternehmens am Unfallort hin. Es sei Aufgabe der Papierfabrik, “die Koordination und Sicherheit zwischen den verschiedenen Unternehmen zu gewährleisten. Die Tatsache, dass dies nicht ordnungsgemäß geschieht, ist die Ursache für den Tod des Arbeiters. Das ist inakzeptabel“, heißt es. Der von ELA und LAB gebildete Betriebsrat hat daraufhin zu einer 24-stündigen Arbeitsniederlegung aufgerufen. 

Der letzte “Prekaritäts-Mord“ ereignete sich am 26. August. ELA betont, dass die Unternehmen “heute mehr denn je“ Profit und Produktivität “über alles andere stellen und folglich Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz völlig vernachlässigen“. Im vergangenen Jahr lag die traurige Zahl bei 59 nach einem tragischen Dezember, in dem sieben Arbeitnehmer bei der Arbeit ums Leben kamen. “Prekäre Beschäftigung, weiter geleitete Aufträge, Zeitarbeit und ein hohes Arbeitstempo sind die Ursachen, die sich direkt auf die Unfallrate auswirken“, betont ELA. LAB weist außerdem darauf hin, dass bei zahlreichen Gelegenheiten die Risiken angeprangert wurden, die mit der unzureichenden Durchführung von Präventionsplänen in Unternehmen mit verschiedenen Sub-Unternehmern verbunden sind, und dieser Todesfall hat dies erneut verdeutlicht“. 

Gipuzkoa, die am stärksten betroffene Region (nach einem harten Sommer), verzeichnete im gesamten Jahr 2023 eine Unfallrate von 16 toten Arbeitnehmern. In den ersten acht Monaten des Jahres 2024 waren es 15. Neben dem verunglückten Leiharbeiter der Papierfabrik in Amezketa (Gipuzkoa) starb am 22. August, also vor knapp einer Woche, ein Forstarbeiter aus Navarra in Ataun (Gipuzkoa) im Alter von 61 Jahren. Er wurde von einem umstürzenden Baum erschlagen.

In Gipuzkoa stieg die Zahl der getöteten Arbeiter den Monaten Juni, Juli und August auf 11, einer kam auf See in der Nähe von Kantabrien ums Leben. In den gleichen drei Monaten des Jahres 2023 kamen neun Menschen bei der Arbeit ums Leben - wobei auch die Fälle auf dem Weg zur Arbeit und bei der Verschickung in andere Unternehmen mitgezählt werden. Die Gewerkschafts-Verbände haben sich an die zuständigen Institutionen gewandt. “Wir prangern die Passivität der Verwaltung angesichts aller Arten von Unregelmäßigkeiten und den Mangel an Überwachung und Kontrolle an“, betonen sie in ihrem Kommuniqué. “Die Interesselosigkeit der Behörden ist total“, schließen sie. (SALTO)

(2024-08-28)

MEISTERSCHAFT DES SCHAFE-SCHERENS

kolu58a28Den vergangenen Sonntag nutzten mehrere Schafscherer*innen aus dem Baskenland den Artzain Eguna, den Tag der Hirten in Uharte-Arakil (Nafarroa), um eine “historische Entscheidung“ zu verkünden. Das Baskenland hat offiziell die Genehmigung erhalten, an internationalen Schafschur- und Wollsortier-Wettbewerben teilzunehmen. Im Jahr 2025 will der baskische Verband die Euskal Herria-Meisterschaft ausrichten, und für 2026 ist die Gründung der Euskal Selekzioa vorgesehen, einer baskischen Auswahl, um an der Weltmeisterschaft teilzunehmen.

Die Entscheidung wurde vom Weltrat nach einer Präsentation des Präsidenten des Baskischen Schafscherer-Verbandes (EAME), Joseba Attard, getroffen. In seinem Vortrag hob er die kulturelle Bedeutung der Schafzucht und der Schafschur im Baskenland hervor sowie ihre Rolle bei der Pflege der lokalen Traditionen und dem Schutz des Primärsektors. Der Antrag auf Teilnahme an internationalen Wettbewerben wurde von den fünfzehn teilnehmenden Nationen, darunter auch Frankreich und sogar Spanien, angenommen. “Das Baskenland gehört nun zu einer prestige-trächtigen Liga von Nationen, die an international anerkannten Veranstaltungen teilnehmen“, erklärten sie.

Alle drei Jahre findet die Weltmeisterschaft statt, zu der sich normalerweise Tausende von Zuschauer*innen und Teilnehmer*innen einfinden. Die nächste Veranstaltung wird im März 2026 in Masterton, Neuseeland, stattfinden. Um daran teilnehmen zu können, sucht der baskische Schafschur-Verband Unterstützung und Hilfe, um eine baskische Auswahl bilden zu können. Um das Team zu bilden, werden zwei Maschinen-Scherer*innen, zwei Scheren-Scherer*innen, zwei Woll-Manager, eine Schiedsrichterin, ein Trainer und eine Teamleiterin benötigt. Sie erinnerten daran, dass die Regeln des Golden Shear World Council (GSWC) vorsehen, dass die Teilnehmer*innen seit mindestens 5 Jahren in ihrem Land registriert sein müssen.

Weltmeisterschaft

Das Turnier wird vom GSWC mit dem Ziel organisiert, “die Schafschur und das Woll-Management zu fördern“. Die Schafscherer*innen erklärten, dass die Verbände ihr Interesse am Thema Wolle weltweit vertreten. Zu den Ländern, die den Verband bilden, gehören Neuseeland, Australien, Südafrika, Irland, England, Schottland, Wales, Nordirland, die Isle of Man, der französische Staat, der spanische Staat, die USA, Deutschland, Norwegen und Österreich.

“Schafschuren sind für das Wohlergehen der Tiere unerlässlich, denn sie sorgen für ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit. Geschulte Fachleute schneiden die Wolle so schnell und effizient wie möglich. Der Scher-Wettbewerb ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass alle Schafscherer*innen, zum Beispiel im Finale, 20 Schafe in weniger als 15 Minuten scheren können“, wurde bei der Präsentation in Uharte-Arakil betont.

Der im Mai 2024 gegründete Verband Baskenland-Navarra seinerseits hat sich zum Ziel gesetzt, Kurse, Wettbewerbe und Vorführungen im Baskenland zu fördern und bei internationalen Meisterschaften vertreten zu sein. Andere Verbände von weit verbreiteten Sportarten, wie Fußball, Handball oder Basketball, betrachten die Zulassung des baskischen Schur-Verbandes mit Freude und Neid. Denn eine ähnliche internationale Anerkennung würden auch sie sich wünschen. Diese Anerkennung scheitert in der Regel am Veto der Hegemonial-Staaten Spanien und Frankreich. Nur in jenen Sportarten, in denen diese beiden Staaten keine Verbände aufweisen, können die baskischen Verbände teilnehmen.

(2024-08-27)

STEIGENDE MIETPREISE

kolu58a27Die Mietpreise liegen jetzt bei 20 Euro/qm in Donostia, in Gasteiz sind die Preise um 10% gestiegen. - Die Sommerpause bei den Mietpreisen hat den Preisanstieg im Baskenland nicht gebremst. Die Zahlen für Juli zeigen, dass der durchschnittliche Mietpreis in Donostia bald 20 Euro pro Quadratmeter erreichen wird. Am stärksten steigt er jedoch in Gasteiz.

Die steigenden Mietpreise im Baskenland sind vor allem für junge Leute enorm nachteilig. Sie sind gezwungen, sich für Mieten zu entscheiden, weil sie finanziell keine Möglichkeit zum Kauf haben. Die Daten des Fachportals Idealista zeigen ein jährliches Mietpreis-Wachstum zwischen 3,9% und 10,1%, einschließlich der Daten vom vergangenen Juli.

Besonders akut ist das Problem in Donostia. Obwohl in diesem Jahr der geringste Anstieg aller Hauptstädte des Baskenlandes zu verzeichnen war (die bereits erwähnten 3,9%), der Mietpreis liegt jetzt bei 19,7 Euro pro Quadratmeter. Auf staatlicher Ebene liegen nur zwei Städte, Barcelona und Madrid, über diesem Wert, wie aus der von “Expansión“ durchgeführten Erhebung hervorgeht.

Das bedeutet, dass der durchschnittliche Mietpreis für eine Wohnung von nur 50 Quadratmetern in Donostia fast 1.000 Euro erreicht. Selbst wenn zwei Personen darin wohnen, sind das noch 500 Euro pro Nase, während viele prekär Beschäftigte keine 1.000 Euro nach Hause bringen. Die zweitteuerste Hauptstadt in den vier Provinzen (Herrialde) ist Bilbo, wo der Durchschnittspreis 15,84 Euro pro Quadratmeter beträgt, nachdem er im letzten Jahr um 9,5% gestiegen ist.

In Gasteiz war der Anstieg noch größer und lag im zweistelligen Bereich: Die Miete in der Hauptstadt von Araba kostet jetzt 10,1% mehr als im August 2023 und hat einen Durchschnittspreis von 12,7 pro Quadratmeter erreicht. Das ist ähnlich wie in Iruñea: 12,11 pro Quadratmeter. In diesem Fall ist die Entwicklung positiver, da der jährliche Anstieg auf 4,2% begrenzt ist und nicht wie in Gasteiz in die Höhe geschossen ist.

Das Umland, deutlich niedriger

Ohne sich am staatlichen Durchschnitt orientieren zu müssen (der bei 12,59 Euro pro Quadratmeter liegt), fällt auf, dass in allen Provinz-Hauptstädten der umgebenden spanischen Regionen die Miete für eine Immobilie billiger oder viel billiger ist als in den baskischen Hauptstädten. So kostet der Quadratmeter in Santander im Durchschnitt 11,9 Euro, in Zaragoza 10,6, in Burgos 9,5, in Logroño 9,06 und in Huesca 8,32. All diese Städte sind billiger als Gasteiz und Iruñea, ganz zu schweigen von Bilbo und vor allem Donostia.

Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf die Miete, aber was den Kauf und Verkauf betrifft, ist die Situation im Baskenland für die an dieser Option Interessierten ähnlich oder sogar schlechter. So wurde Donostia im August letzten Jahres mit einem Durchschnittspreis von 5.326 Euro pro Quadratmeter zur teuersten Stadt des spanischen Staates, nachdem die Preise jährlich um 3,6% gestiegen waren. In diesem Jahr 2024 hat Donostia zumindest eine leichte Bremse beim Anstieg der Mieten verzeichnet, da zwischen August 2022 und dem gleichen Monat 2023 der Preis um 11,4% gestiegen ist und der Anstieg in den letzten 12 Monaten bei einem Drittel davon geblieben ist. (naiz)

(2024-08-26)

AUFRUF ZUR BESETZUNG GEGEN TOURISMUS

kolu58a26Wegen der Gestaltung ihres Fiesta-Standes (Txosna) hat die Fiesta-Gruppe Kranba (Konpartsa) eine Anzeige erhalten vom Baskischen Verband für touristische Unterkünfte (Aparture). Die Konpartsa wird beschuldigt, „Drohungen“ ausgesprochen und zur illegalen Besetzung von Touristen-Unterkünften aufgerufen zu haben.

Tatsache ist, dass Kranba aus ihrer Ablehnung von Tourismus-Wohnungen nie einen Hehl gemacht hat. Im Gegenteil, als Konpartsa der Besetzungs-Bewegung in Bilbao nutzt sie seit 10 Jahren die Gelegenheit der Bilboko Jaiak (Fiestas in Bilbao) dazu, auf die Problematik dieser Wohnungen hinzuweisen, die dem einheimischen Wohnungsmarkt fehlten und zur teilweise dramatischen Verteuerung von Mieten führen.

Um gegen die legalen wie illegalen Tourismus-Wohnungen zu protestieren, empfahl Kranba auf der Fassade seiner Txosna folgendes Vorgehen: “Such dir eine Touri-Wohnung, miete sie zwei Tage, wechsle die Schlösser aus und mache einen langen Urlaub dort.“ Diese humorvolle Aufforderung blieb den Förderern des Massen-Tourismus nicht verborgen, Anwälte wurden bemüht.

Aparture wies vor Gericht darauf hin, dass diese Botschaften, die Kranba öffentlich ausgestellt hat, völlig eindeutig sind. Auf den Plakaten heißt es laut Klage: “Haben Sie eine Touristenunterkunft? Wir werden sie besetzen“. Und dass darauf eine konkrete Handlungs-Anleitung folge, wie eine solche Besetzung ablaufen könnte“, fügt Aparture hinzu. Man ist der Meinung, dass diese Aktionen nicht nur die Eigentümer von Touristen-Unterkünften direkt bedrohen, sondern auch “zur Begehung von Straftaten verleiten und ein Klima der Unsicherheit in diesem Sektor schaffen“.

Kranba: “Wir sind erfreut“

In einer Erklärung von Kranba heißt es, dass sie die Beschwerde über die Medien erhalten haben und dass sie, obwohl sie offiziell keine Mitteilung erhalten haben, “hoch erfreut sind“, da ihrer Meinung nach der Verband anerkennt, dass “die Wohnungen die Ursache für das Elend in unseren Vierteln sind, da dieses Geschäftsmodell uns obdachlos macht“.

Sie erinnern daran, dass Kranba ein Teil der Hausbesetzer-Bewegung ist, und dass ihre Ziele die “Organisierung der Nachbarschaften und der Kampf für das Recht auf Wohnraum, auch durch Hausbesetzungen“ sind.

“Sie fordern uns auf (so steht es in der Notiz) das Schild zu entfernen. Wir wissen nicht, was sie meinen, denn unsere Txosna ist 15 Meter lang. Aber wir wollen Ihre Gefühle nicht noch mehr verletzen, also werden wir sie spätestens am Montag, dem Tag des Abbaus, entfernen“. In diesem Sinne laden sie Aparture zur Mitarbeit ein: “Wenn sie Lust haben, können Sie gerne kommen und helfen, um zu sehen, was Gemeinschaftsarbeit ist, denn sie sind sicher zu sehr daran gewöhnt, von Mieten zu leben“.

Die Frage der Unterkünfte für Touristen ist sowohl im Baskenland als auch in anderen Nachbarländern sehr strittig geworden und hat überall zahlreiche Mobilisierungen ausgelöst. Die Zunahme der Wohnungen hängt mit dem Anstieg der Mietpreise direkt zusammen. Dies trifft vor allem junge Leute sehr direkt, da die Mieten kaum mehr bezahlbar sind.

(2024-08-24)

BASKISCHES KULTURERBE IN GEFAHR

kolu58a24Die Puente Colgante, Hängebrücke von Portugalete, gehört zu den 50 am stärksten vom Klimawandel bedrohten Orten. Das geht aus einer Liste hervor, die das Unternehmen Climate X erstellt hat mit 50 Stätten des UNESCO-Welt-Kultur-Erbes. Und zwar solche, die am stärksten gefährdet sind, bis zum Jahr 2050 durch den Klimawandel beschädigt zu werden. Die Bizkaia-Brücke liegt auf Platz 43 dieser von Überschwemmungen bedrohten Orte.

Die am 18. Juli 1893 eröffnete Brücke wird nicht nur Hängebrücke genannt, sie ist die älteste Schwebefähre der Welt und eine der wenigen, die noch heute in Betrieb sind. Die Schwebefähre verbindet die Gemeinde Portugalete mit dem Stadtteil Las Arenas der Gemeinde Getxo. Die beiden Orte werden durch die Ría von Bilbao, die für Seeschiffe befahrbare Mündung des Flusses Nervión in den Golf von Bizkaia, getrennt. Die 400 Tonnen schwere Anlage besteht aus zwei 45 Meter hohen Stahl-Türmen an beiden Ufern mit einem 160 Meter langen horizontalen Traggerüst dazwischen. Mit einem Aufzug kann die Brücke erklommen werden, ein Steg am oberen Ende verbindet die beiden Seiten der Brücke. Am Traggerüst hängt eine 15 mal 10,4 Meter große Transportbarke, mit der Personen und Autos, bis zu sechs Pkw, transportiert werden können.

Das auf die Analyse von Klimarisiken spezialisierte Unternehmen Climate X hat ein Modell zur Bewertung der Auswirkungen des Klimawandels auf die 500 UNESCO-Welterbe-Stätten in der ganzen Welt erstellt und dabei die physischen Risiken wie Überschwemmungen, Küstenerosion, Erdrutsche, Stürme oder Wirbelstürme für jede dieser Stätten bewertet. Angeführt wird die Rangliste von der so genannter Kulturlandschaft auf Bali, dem Subak-System, das durch Überschwemmungen, extreme Hitze und Dürre bedroht ist, gefolgt vom australischen Kakadu-Nationalpark, der von Überschwemmungen und Bränden bedroht ist. Es folgen das Quaanzhou-Projekt, das Song-Yuan-Weltreich in China, von Trockenheit bedroht, und die Engelsberg-Schmiede in Schweden, die Überschwemmungen zum Opfer fallen könnte. Die Bizkaia-Brücke, zwischen 1887 und 1893 in Privatinitiative gebaute gebührenpflichtige Fährbrücke, die die beiden Ufer der Mündung miteinander verbindet, ist in dieser Gefährdungs-Liste auf Platz 43 enthalten.

Auf der Liste stehen auch vier der 35 UNESCO-Welterbe-Stätten im Vereinigten Königreich: die Forth Bridge, St Kilda und New Lanark in Schottland sowie der Studley Royal Park in Yorkshire. Weitere weltberühmte Stätten, die den verheerenden Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt sein könnten, sind das Opernhaus in Sydney (Australien), der Olympia-Nationalpark (USA), das Naturschutz-Gebiet Jungfrau-Aletsch in den Schweizer Alpen und die buddhistischen Sansa-Klöster in den Bergen Südkoreas.

Lukky Ahmed, CEO und Mitbegründer von Climate X, erklärte: “Die potenziellen Auswirkungen des Klimawandels auf diese Orte sind tiefgreifend, aber es ist nicht nur unser Kultur-Erbe, das in Gefahr ist. Es ist auch unsere Gegenwart. Der Verlust von Kulturschätzen wäre natürlich verheerend, aber wir dürfen nicht vergessen, dass die tatsächlichen wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen des Klimawandels hier und jetzt stattfinden“, sagte er. Er fügte hinzu, diese Ergebnisse seien eine Warnung an Regierungen, Naturschützer und die globale Gemeinschaft, dem Schutz des Planeten Priorität einzuräumen, alte Denkmäler und aktuelle Güter und Infrastrukturen zu erhalten und das Leben heute und in Zukunft zu schützen. Auch in Bilbo, Portugalete und Getxo.

(2024-08-21)

FIESTA FÜR ALLE – GEGEN POLIZEI-RASSISMUS

kolu58a21Die Fiestas im Baskenland werden nicht nur zur Ausgelassenheit benutzt, für manche sind sie auch eine wichtige Einnahmequelle. Zum Beispiel für vielen Migranten (mit und ohne Papiere), die ihre Ware auf Tüchern oder Decken zum Verkauf auf die Straße legen und deshalb Manteros genannt werden: „die mit der Decke“.

Die Fiesta-Gruppen, die mit den Manteros im Zentrum der Stadt denselben Raum teilen, pflegen ein gutes und rücksichtsvolles Miteinander. Nicht so die Polizei. Weil sich einige Geschäftsleute beschweren, weil die Manteros keine Steuern bezahlen, arm wie sie sind, kommt es regelmäßig zu Razzien, bei denen die betroffenen Manteros verhaftet und die Waren beschlagnahmt werden. So geschehen bereits während des Aufbaus der Fiesta-Stände, als einer brutal zu Boden geworfen und festgehalten wurde. Erschwerend kam hinzu, dass sich bei den konfiszierten Gegenständen auch Bargeld befand, das der Mantero dringend brauchte zur Bezahlung seiner Miete. Dieses Geld taucht noch nicht einmal im Beschlagnahme-Protokoll auf – niemand weiß, in welche Taschen es floss.

Das alles war Grund genug für die Fiesta-Gruppen (Bilboko Konpartsak), zu einer Kundgebung aufzurufen, die auch massiv befolgt wurde. Mit zwei Botschaften an die Stadtpolizei: “Niemand ist hier illegal“ und “Lasst die Manteros in Ruhe“. Kritisiert wurde das “aggressive Verhalten“ der Stadtpolizei gegenüber der Gruppe der Deckenverkäufer. Im verlesenen Kommuniqué heißt es: “Wir verurteilen das aggressive Verhalten der Stadtpolizei gegenüber der Gruppe der Manteros und das Entfernen von Transparenten zu deren Unterstützung, sowie zur Unterstützung der baskischen Sprache und des palästinensischen Volkes“.

“Das Stadtmodell von Bilbao scheint auf ein öffentliches Schaufenster für Touristen ausgerichtet zu sein und nicht auf die Bewohner von Bilbao“, so die Fiesta-Gruppen als Antwort auf die häufigen Übergriffe auf die Manteros. “Sie benutzen eine gewalttätige Sprache, identifizieren sie, beschlagnahmen ihr Verkaufsmaterial, das ihre Lebensgrundlage ist und manchmal werden zudem persönliche Gegenstände gestohlen. All dies, obwohl es sich bei den Manteros ebenfalls um Einwohner der Stadt handelt, die arbeiten und für ihre Arbeit bezahlt werden müssen. Sie müssen die gleichen Rechte und den gleichen Respekt erhalten wie andere Arbeitnehmer.

Die Föderation erinnerte daran, dass diese Menschen zu dieser prekären Arbeit gezwungen sind, weil sie keine Papiere haben und als illegal betrachtet werden. Immer auf der Straße, prekäre Arbeit, in den frühen Morgenstunden und darüber hinaus mit “aggressiven“ Verhaltensweisen der Polizei konfrontiert. „Wir wollen deutlich machen, dass das Festivalgelände ein sicherer Ort ist und dass wir sie begleiten werden, wenn sie die Gewalt, die sie erleiden, anprangern.

Die Föderation machte deutlich, dass dies nicht die einzige Gruppe ist, die in den Augen der Stadtverwaltung “stört“. Denn “es wurden nicht nur die Transparente zur Unterstützung der Manteros abgehängt, sondern auch mehrere Transparente zur Unterstützung der baskischen Sprache und des palästinensischen Volkes sowie gegen sexistische Aggressionen. Wir werden es nicht zulassen, dass man uns unter irgendeinem Vorwand zum Schweigen bringt“.

Zur Kundgebung aufgerufen wurde von der Föderation Bilboko Konpartsak, SOS Rassismus, der Verein der Manteros Mbolo Moye Doole, und Ongi Etorri Errefuxiatuak (Herzlich Willkommen Flüchtlinge). Sie versicherten, dass sie weiterhin ihre Solidarität mit den Standbetreibern bekunden werden, denn die Fiestas müssen “ein angenehmer und sicherer Ort für alle“ sein. “Wir sind uns darüber im Klaren und wir werden es so oft wie nötig wiederholen. Lasst die Straßenverkäufer in Ruhe, Bilboko Konpartsak ist auf der Seite der Straßenverkäufer!“

(2024-08-18)

VOM FOLTER-KELLER ZUM MUSEUM

kolu58a18Die Stadtverwaltung von Donostia / San Sebastián hat vorgeschlagen, den Gebäude-Komplex “La Cumbre“ in einen Ort des demokratischen Gedenkens umzuwandeln. Dieses Gebäude ist nicht irgendeines in der Stadt, seine Geschichte wurde mit Blut geschrieben. Das 17.600 m2 große Gelände im Stadtteil Aiete gehörte zur Guardia-Civil-Kaserne Intxaurrondo. Dort gab es einen berüchtigten Folterkeller. Nur wenige der Fälle von Folterpraxis wurden aufgedeckt in dem historischen Zeitraum, der sich postfranquistische spanische Demokratie nennt.

Einer der wenigen Fälle, die überhaupt im größeren Stil bekannt wurden, war der von Joxi Zabala und Josean Lasa im Jahr 1983. Diese beiden 20-jährigen mutmaßlichen ETA-Aktivisten waren über die Grenze nach Iparralde geflüchtet. Dort wurden sie von einem Kommando von Terrorschwadronen gefangen genommen, zu dem auch Guardia aus Intxaurrondo gehörten. Lasa und Zabala wurden nach Donostia ins Cumbre-Gebäude gebracht und auf Befehl des GC-Kommandanten Oberst Enrique Rodríguez Galindo bestialisch gefoltert. Dies stellte mehr als ein Jahrzehnt später ein Gerichtsurteil fest, das Galindo zu 70 Jahren Haft verurteilte (von denen er vier Jahre in exklusiver Gesellschaft verbüßte).

Nicht genug mit Folter wurden die beiden Geißeln nach Alicante gebracht und in einer wüstenähnlichen Gegend erschossen, mit Kalk bedeckt und verscharrt. Sie sollten für immer verschwinden und keine Spuren hinterlassen. Nur durch eine Reihe von Zufällen ging dieser Plan nicht auf, in den 1990er Jahren kam es zu sensationellen Strafprozessen gegen Politiker, Politiker und Faschisten, die gemeinsam die Terrorgruppe GAL aufgebaut hatten, finanziert vom spanischen Innen-Ministerium. All das ist mit dem Namen Cumbre aufs engste verbunden.

Jetzt also ein Museum. Solche Pläne sind nur im Baskenland vorstellbar, in Madrid oder Burgos hatte ein solches Museum keine Chance auch nur einen Monat zu überleben, dafür würden die real existierenden Neo-Franquisten von PP und VOX sorgen. Die Übertragung des bislang staatlichen Anwesens La Cumbre wurde von EH Bildu und der Regierung Sánchez im Jahr 2022 vereinbart, als Gegenleistung für die Zustimmung zum Staats-Haushalt. La Cumbre könnte auch zu einem Neben-Standort des Erinnerungs-Instituts Gogora der baskischen Regierung in Gipuzkoa werden.

Der Vorschlag zielt darauf ab, die künftige Nutzung zu regeln und die Übertragung des Grundstücks an die Stadtverwaltung zu erleichtern. Das erwähnte Projekt soll “die Bekräftigung der Prinzipien und Werte von Freiheit, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit und die Anprangerung der Prinzipien und Gegenwerte von Faschismus, Diktatur und Unterdrückung“ transportieren. Ohne die “Pädagogik und die kritische und ethische Reflexion“ über Menschenrechts-Verletzungen zu vergessen.

Dieser Vorschlag für La Cumbre wird es ermöglichen, Menschenrechts-Verletzungen im Zusammenhang mit dem Verschwindenlassen von Personen, Hinrichtungen im Schnellverfahren, Polizeigewalt, schmutzigem Krieg, unrechtmäßiger Repression und Folter “sichtbar zu machen“. Eine Geschichte, die “die notwendigen Elemente enthält und alle schwerwiegenden Menschenrechts-Verletzungen sichtbar macht“ - einschließlich anderer Erscheinungsformen von Gewalt wie die von ETA.

(2024-08-17)

FIESTAS UND SEXISMUS

kolu58a17Die beliebten Fiestas im Baskenland sind in den vergangenen Jahren zu einem Synonym für sexistische Übergriffe geworden. Nicht, weil die baskischen Männer besonders üble Machos wären, der Hintergrund ist, dass die von Massen besuchten Fiestas im Schutz der Dunkelheit und Anonymität ausreichend Nischen schaffen, die von Sexisten zum Ausleben ihrer perversen Phantasien geeignet sind. Eine wahrhaft tragische Geschichte, 98% der Bevölkerung genießt die Fiestas und gestaltet sie in vielen Fällen in Eigeninitiative und Nachbarschafts-Arbeit. Dennoch bleiben schwarze Löcher. Deshalb reagieren Feministinnen.

In Bilbao wird gewarnt: “Aggressoren und Komplizen, kommt nicht zu den Fiestas“! Kurz dem Beginn der Aste Nagusia, der Großen Fiesta-Woche in Bilbao, warnt die Feministische Bewegung, dass sie bereit ist, auf jede Art von Macho-Aggression zu reagieren. “Nicht mehr lange bis zum Beginn der Aste Nagusia, bis Mari Jaia auf den Balkon geht und die Fiesta losgeht. Und wieder einmal müssen sich Feministinnen organisieren, denn wir sind uns bewusst, dass es zu Übergriffen kommen wird.“

“Wir haben die Nase voll von denen, die nicht wissen, wie sie sich hier verhalten sollten. Wir haben die Nase voll von den Typen, die die Aggressoren schützen. Wir haben die Nase voll von der verständnisvollen Reaktion. Wir haben die Nase voll von den Männern, die obwohl sie ein Nein hören, keinen Abstand halten. Wir haben die Nase voll von euch, die ihr die feministische Selbstverteidigung diffamiert. Wir haben die Nase voll von denen, die unsere Körper schänden!“

“Wir sind nicht bereit, die Fiestas mit Spannung und Angst zu verbringen. Wir werden uns diesen Rucksack nicht auf die Schultern laden. Wir sind bereit zu reagieren, aber du nicht weißt, wie du dich benehmen sollst, dann bleib weg.“

Ein Nachbar erzählte von den Fiestas, die kürzlich in seinem Stadtteil stattfanden, einem Arbeiterviertel in Bilbo. Auch da kam es zu Übergriffen. Der Unterschied ist, dass bei der von einer Fiesta-Kommission organisierten Fiestas, ohne jegliche Hilfe von der Stadt, Dutzende von Personen aktiv sind. Aktiv heißt auch verantwortlich. Und bereit, sofort einzugreifen, wenn etwas passiert.

“Da war ein Typ, offensichtlich betrunken, der verschiedenen Frauen zu nahe kam. Aber sofort kam es zu Reaktionen von Nachbarinnen und Nachbarn. Der Typ wurde rausgeschmissen. Später kam er nochmal und hat Frauen belästigt, die zwischen Müllcontainern zum Pissen gegangen sind. Erneut kam es zu Reaktionen, er hat auch die Mütze bekommen und ist verschwunden.“

Die kleinen Fiestas der Stadtteile sind weniger anonym und dunkel. Hier findet ein gegenseitiger Schutz statt, weil sich viele untereinander kennen und wissen, wer von außen kommt, aus Bilbao, oder von weiter weg. Das bietet eine gewisse Sicherheit.“

Bei den Makro-Fiestas ist das nicht der Fall. Auch wenn Feministinnen ganz entschieden dagegen kämpfen. “Unsere Bündnisse werden immer stärker, wir schützen uns gegenseitig, und wenn man eine von uns angreift, empfinden wir das als einen Angriff auf uns alle. Wir verstehen uns durch komplizenhafte Blicke; wenn man uns angreift, kümmern wir uns umeinander und reagieren gemeinsam mit feministischer Selbstverteidigung. Wir dürfen nicht vergessen, dass dies alles das Ergebnis jahrelanger Arbeit ist. Von Generation zu Generation war und ist der Aufbau einer zunehmend feministischen Aste Nagusia eine feste Verpflichtung. Dank der Arbeit von Hunderten von Frauen werden die Fiestas jedes Jahr lebenswerter. WIR, die Organisatorinnen, Arbeiterinnen, Musikerinnen, Komparseras, Dantzaris und Txistularis, wir werden immer mehr und WIR KOMMEN, um uns zu amüsieren! Diese Fiesta-Woche wird feministisch sein, oder sie wird nicht sein!“

(2024-08-16)

HISTORISCHER TAG IN NAFARROA

kolu58a16Der gestrige 15. August 2024 war in der baskischen Region Nafarroa, wenn nicht im ganzen Baskenland ein historisches Datum. Erinnert wurde an verschiedene Schlachten in den Jahren 778 und 824, die aus baskischer Sicht erfolgreich waren und sehr unterschiedliche Konsequenzen hatten. So war im Jahr 778 kein Geringerer als Karl der Große (22 Jahre vor seiner Krönung zum Kaiser) im Namen des Frankenreichs auf einem Feldzug gegen die muslimischen Sarazenen in Hispanien. Nachdem er unter anderem Zaragoza zerstört und in Pamplona der Sage nach zumindest die Stadtmauern zerlegt hatte, war er auf dem Rückweg nach Bordeaux. Dieser Weg führte zwangsläufig über die Pyrenäen.

Verschiedene Geschichtsschreiber sind sich zwar nicht einig über den Ort des Angriffs, den die Nachhut des späteren Kaisers erlitt, wohl aber über das Ergebnis. Irgendwo zwischen Orreaga (Roncesvalles) und Luzaide (Valcarlos), “auf den Gipfeln“ von Pyrenäenbergen, wurde die Nachhut des Heeres von den Bergen her von baskischen Soldaten angegriffen. Von Vaskonen ist die Rede, eines der historischen Völker im Gebiet des Baskenlandes. Obwohl militärisch und waffentechnisch weit unterlegen, nutzten die Angreifer den Überraschungs-Effekt, um den hinteren Teil des mächtigen Heeres vernichtend zu schlagen. Ob tatsächlich “bis zum letzten Mann“, wie einige Schreiber behaupten, sei dahin gestellt. Die Vaskonen hatten Rache geübt für die Zerstörung ihrer Stadt Pamplona.

Für den sieges-gewohnten Karl war es ein heftiger Rückschlag. Umso mehr als er einen wichtigen Vasallen verlor, den bretonischen Ritter Roland - Hruotland, auch Hruodland, im Deutschen und Französischen traditionell Roland, im Baskischen Errolan, im Spanischen Roldán oder Orlando, im Katalanischen Rotllà und im Italienischen Orlando genannt.

Die Schlacht sollte sich an derselben Stelle, wenn auch an einem anderen Datum wiederholen. Dieses Mal war es ein Nachkomme von Karl, König Ludwig der Fromme, dem von den Vaskonen eine empfindliche Niederlage beigefügt wurde. Ein gewisser Iñigo Aristi war es, der den Auftrag zur Attacke ausführte. Derselbe Aristi wurde von einem Rat von vaskonischen Adligen im selben Jahr zum König gekrönt, was den Beginn des Königreichs Pamplona bedeutete, das später Königreich Navarra genannt wurde.

Wenn im Baskenland also der 15. August mit Erinnerungs-Kundgebungen und Festen gefeiert wird, treffen sich dreierlei Begebenheiten: der Sieg über Karl den Großen, der Beginn eines baskischen Königreichs und der Wunsch nach einem unabhängigen eigenen Staat. Am 15. August 2024 (früher oder später) waren es 1.200 Jahre.

(2024-08-13)

POLEN TRITT NACH

kolu58a13Sollte jemand erwartet haben, dass nach dem Gefangenen-Austausch zwischen Russland und den Westmächten die Sache erledigt wäre – zumindest für den baskischen Journalisten Pablo Gonzalez trifft dies nicht zu. Denn der polnische Staat hält seine Ermittlungen gegen Gonzalez aufrecht und könnte ihn in Abwesenheit verurteilen, wenn denn endlich einmal konkrete Anhaltspunkte gegen ihn auftauchen sollten. Denn das war zweieinhalb Jahre nicht der Fall.

Der Sprecher der polnischen Staatsanwaltschaft erklärte am Dienstag gegenüber Reportern, dass die Ermittlungen gegen Pablo Gonzalez trotz der Tatsache, dass er noch nicht formell angeklagt wurde, andauern und zu einem Prozess in Abwesenheit führen könnten. "Die Ermittlungen gegen Gonzalez wegen polen-feindlicher Handlungen sind noch nicht abgeschlossen", sagte er, und wies darauf hin, dass Pablo "nach dem Gesetz in Abwesenheit angeklagt werden kann". Die Staatsanwaltschaft in Lublin, die seine Untersuchungshaft zuletzt im Mai verlängert hatte, hat polnischen Medienberichten zufolge noch keine Anklage gegen Gonzalez erhoben.

Gonzalez wurde im Februar 2022 in Polen unter dem allgemeinen Vorwurf der Spionage für Russland verhaftet und befand sich bis zum 1. August in Untersuchungshaft, als er im Rahmen eines Gefangenenaustauschs zwischen Moskau und westlichen Ländern freigelassen wurde. Neun Tage nach seiner Freilassung gab der in Russland geborene Journalist einem russischen Medien-Unternehmen ein Interview, in dem er über die harten Haftbedingungen berichtete - er sprach von Folter und Anstiftung zum Selbstmord - und betonte, dass er nie formell angeklagt worden sei.

In einem weiteren Interview mit NAIZ am Tag nach seiner Freilassung erklärte sein Anwalt Gonzalo Boye, dass der Fall abgeschlossen sei und der Journalist "ein freier Mann" sei. Polnische Medien berichteten am Montag auch, dass das Verfahren gegen eine polnische Journalistin, die bei der gleichen Aktion wie Pablo González verhaftet wurde und mit der er in Verbindung stand, noch nicht abgeschlossen ist, obwohl sie später freigelassen wurde. (gara)

(2024-08-11)

IN POLEN GEFOLTERT

kolu58a11Pablo Gonzalez ist ein baskische Journalist, der mit seiner Familie in der Nähe von Gernika lebt. Geboren wurde er – als Kind von republikanischen Flüchtlingen – in Russland. Das wurde ihm spät zum Verhängnis. Denn als er für einen spanischen Fernseh-Sender aus Polen über den Krieg in der Ukraine berichtete, wurde er von jenem reaktionären Regime festgenommen und ohne Anklage eingesperrt. Gemunkelt wurde lediglich, er werde als russischer Spion verdächtigt. Im Rahmen eines groß angelegten Gefangenen-Austauschs wurde er nach mehr als zwei Jahren polnischer Haft freigelassen und befindet sich seither in Moskau.

Nun hat der freigelassene baskische Journalist sein erstes Interview in Russland gegeben. Darin beklagt er, dass er im polnischen Gefängnis gefoltert wurde, dass er 20 Kilo abgenommen hat und dass er nie offiziell angeklagt worden ist. Neun Tage nach seiner Freilassung aus dem polnischen Gefängnis, die auf Vermittlung der russischen Diplomatie zustande kam, hat der in Russland geborene baskische Journalist einem dortigen Fernsehsender sein erstes Interview gegeben. Darin hebt er zwei Punkte hervor: die harten Haftbedingungen in Polen und die objektive Tatsache, dass er nicht vor Gericht gestellt und nicht einmal formell angeklagt wurde.

Zum ersten Punkt erklärt Pavel Rubtsov, so sein Geburtsname, dass er in dem polnischen Gefängnis, in dem er zweieinhalb Jahre inhaftiert war, erst gefoltert und dann zum Selbstmord gedrängt wurde. Er gibt an, dass er als Folge der Misshandlungen 20 Kilo abgenommen hat. Bisher war bekannt, dass er kaum eine Stunde pro Tag in den Hof gehen konnte und dass er kaum Kontakt zu seinen Angehörigen hatte (nur drei Besuche während der gesamten Haftzeit). Gonzalez erzählt von seiner Verhaftung: "Acht polnische Geheimdienstler drangen in mein Hotelzimmer ein und verhafteten mich unter dem Vorwurf, mit dem russischen Geheimdienst zusammenzuarbeiten, aber die Anklage wurde nie formell erhoben", sagt er.

Im Hinblick auf die Schutzlosigkeit, die er erlitten hat, führt er aus, dass von den polnischen Behörden zu keinem Zeitpunkt eine formelle Anklage gegen ihn erhoben wurde, obwohl durchgesickert war (oder in Szene gesetzt wurde), dass er für einen russischen Spion gehalten wurde. Als er fragte, wofür er angeklagt wurde, habe man ihm gesagt: "Das wissen Sie doch".

"Ich wusste es nicht. Ich muss das betonen. Es gab falsche Informationen, dass ich verurteilt wurde und so weiter. Ich bin nicht verurteilt. Im polnischen Recht gibt es mehrere Schritte. Man wird eines Verbrechens verdächtigt, dann wird man angeklagt und dann geht man mit dieser Anklage vor Gericht. Ich war nur wegen eines Verdachts eingesperrt. Mit anderen Worten, ich wurde nicht formell angeklagt, und außerdem hatte ich keinen Prozess", sagt er. Letztendlich gab es keine konkrete Anklage und noch weniger einen Prozess. Mit dieser Vereinbarung über einen Gefangenen-Austausch ist der Fall abgeschlossen.

Gonzalez konnte erst neun Monate nach seiner Verhaftung mit seinem spanischen Anwalt sprechen, so funktioniert europäische Justiz. Das Schlimmste kam, als er in der Isolation war, als man ihn zum Selbstmord aufforderte. "Wenn sie so viel Druck auf dich ausüben, bedeutet das, dass sie keine Beweise haben", betonte Gonzalez und versicherte, dass "die polnischen Gefangenen mir geholfen haben".

Im Interview erzählt Pablo González auch von seiner Überraschung, als er den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau vor dem Flugzeug sah, der alle im Rahmen des Abkommens mit verschiedenen westlichen Mächten freigelassenen Gefangenen in Empfang nahm. Er sagt, er habe erst sein Erstaunen überwinden müssen. "Das hatte ich überhaupt nicht erwartet. Es war Präsident Putin, ich musste mich zusammenreißen, um ihm einen festen Händedruck zu geben", sagt er und fügt hinzu, er glaube, dass der Befehl zur Freilassung "aus Washington kam". Als wir von russischen Agenten übernommen wurden, wurde mir klar, dass wir keine Gefangenen mehr waren". Während des etwa zehnminütigen Interviews wurde er nicht gefragt, ob er tatsächlich ein russischer Spion sei. González versichert, dass er zu seinem Beruf, dem Journalismus, zurückkehren will. (gara)

(2024-08-09)

TRUBEL IN BARCELONA

kolu58a09Wären nicht Repression und Jahre von Gefängnis im Spiel, könnten die Vorgänge in Katalonien getrost als verrückte Kinderei abgetan werden, die mit ernsthafter Politik so viel zu tun haben wie ein Kaugummi mit der Anziehungskraft. Soll es normal sein, dass Dutzende von Politiker*innen ins Exil gehen, um nicht wegen Verrat, Veruntreuung und Terrorismus verurteilt zu werden? Und weshalb? Weil sie auf die elementaren Übungen der Demokratie zurückgriffen und mit einem Referendum die Bevölkerung befragten, was sie zu bestimmten Fragen meine. So viel Demokratie bleibt nicht unbestraft in einem spanischen Staat, der seine faschistische Diktatur-Vergangenheit nie überwunden hat.

Gestandene bürgerliche Politiker*innen wurden für ihre Auffassung von Demokratie verurteilt und verbrachten Jahre im Knast, bis sie aus opportunistischen Gründen begnadigt und entlassen wurden, unter großem Gezeter der vereinten Rechten, die Franco nachtrauert. Zu einem weiteren unterhaltsamen Bühnenstück wurde die Suche nach einer Regierungsmehrheit im vergangenen Jahr, unter Leitung des sozialdemokratischen Regisseurs Sanchez.

Wie es orientalischen Märkten nachgesagt wird, wurde um Stimmen gefeilscht – ich gebe dir, du gibst mir – um eine parlamentarische Mehrheit zu zimmern. Nicht gemäß politischen Inhalten, sondern rein funktional. Die katalanische Rechte nutzte die Gelegenheit in legitimer Weise, um das zu “erwirtschaften“, was mit nüchtern-sachlichen Argumenten in diesem Staat niemals möglich gewesen wäre. Mit ihren Stimmen als Gegenleistung erkauften sie eine Amnestie für alles, was im Zusammenhang mit dem “demokratischen Akt eines Referendums im Jahr 2017 mit Repression überzogen wurde. Ultrarechten Richtern passte das gar nicht, sie zogen die Lawfare-Karte und putschten gegen die von der Regierung beschlossenen Gesetze. Staatsfeind Nummer Eins musste im Exil bleiben, bis er sich entschloss, doch zurückzukehren in das Land, dessen Justiz nichts lieber sehen wollte, als ihn einzusperren.

Was bei der Konstitution der katalanischen Regierung nun geschah, war der Höhepunkt der postfranquistischen Sandkasten-Spiele. Der erneut ins Parlament gewählte Staatsfeind kam zurück, hielt vor Unterstützer*innen eine Rede und verschwand wieder spurlos. Obwohl eine wahre Armee von Polizisten bereitstand (übrigens im Auftrag eines ERC-Kollegen aus der Unabhängigkeits-Bewegung), um ihm öffentlichkeits-wirksam die Handschellen anzulegen. Mehrere hundert Uniformierte, legten den Verkehr lahm, kontrollierten alle Verbindungsstraßen – Ausnahmezustand. Dass auch die zweite Flucht erfolgreich war, ist an Dramatik nur mit Joseba Sarrionandias Flucht aus dem Gefängnis in Donostia 1985 zu vergleichen. Die spanische Rechte kocht vor Wut, Politik und Polizei schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Weil dieser postfranquistische Staat vorgeführt wurde wie im Bilderbuch. Nicht von irgendjemand, sondern vom Staatsfeind Nummer Eins. Der Mann verdient den Fritz-Teufel-Gedächtnis-Preis für seine Spaß-Guerrilla.

(2024-08-08)

MIGRANT*INNEN IN BIZKAIA

kolu58a08Die Bevölkerung der basksichen Provinz Bizkaia wächst weiter. Mit 1.162.054 Einwohner*innen (Stand: 1. Juli) hat sie wieder den Stand von 1990 erreicht. Der Zuwachs erfolgt schrittweise, mit einer Rate von tausend Einwohnern pro Quartal. Wie in den letzten Jahren ist dies auf die Zuwanderung zurückzuführen. Tatsächlich hat sich die Zahl der Bewohner*innen ausländischer Herkunft in weniger als einem Jahrzehnt verdoppelt und liegt nun bei 153.550. Der Anteil der in anderen Ländern geborenen Menschen beträgt somit 13,2%.

Diese Daten sind in der fortlaufenden Bevölkerungs-Statistik enthalten, die am Mittwoch vom Spanischen Statistik Institut INE veröffentlicht wurde. Im Juli 2014 lag die Zahl der in anderen Ländern geborenen Personen bei 78.967 und machte 6,9% der Einwohner*innen Bizkaias aus, verglichen mit den aktuellen 13,2%. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der im Baskenland oder im spanischen Staat Geborenen um 54.119 Personen gesunken und liegt nun bei knapp über einer Million Personen. Die Erklärung für das anhaltende Wachstum der letzten Jahre (das durch die Pandemie leicht unterbrochen wurde, als in sieben aufeinanderfolgenden Quartalen ein Rückgang zu verzeichnen war) ist in den Wanderungs-Bewegungen zu suchen, die während der Pandemie vorübergehend zum Stillstand kamen.

Am 1. Juli 2024 lebten 153.550 in anderen Ländern geborene Personen in Bizkaia, etwa 10.700 mehr als ein Jahr zuvor. Und alles deutet darauf hin, dass diese Tendenz vor dem Hintergrund einer sinkenden Geburtenrate die Demografie der Provinz weiterhin prägen werden. Der prozentuale Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist nämlich ausbaufähig. Auf staatlicher Ebene liegt der Durchschnitt bei 18,52% (9.036.416 von 48.797.875 Personen). Um auf einen größeren Anteil von Migrant*innen zu treffen, ist es nicht nötig, in touristische Provinzen wie Alicante (28,12%) oder in solche mit einem bedeutenden landwirtschaftlichen Sektor wie Almeria (24,6%) zu gehen.

In benachbarten Gebieten wie La Rioja und Navarra ist bereits fast jede fünfte Einwohnerin ein Migrantin (18,26% bzw. 19,27%). In den anderen baskischen Provinzen ist der Anteil ähnlich hoch wie in Bizkaia. In Araba (Alava) ist er mit 15,93% (54.244 Personen) etwas höher, und in Gipuzkoa ist er mit 13,28% (97.069 Personen) fast identisch mit dem von Bizkaia.

Maghreb und Lateinamerika

Obwohl der Zuzug von Migrant*innen den insgesamt starken Bevölkerungs-Rückgang verlangsamt hat – seit 2013 sterben in Bizkaia mehr Menschen als geboren werden – konnte dieser Zuzug die durchschnittliche Alterung der Bevölkerung nicht umkehren. Im Jahr 2014 waren 27,8% der Bizkainas über 60 Jahre alt, im Jahr 2024 werden es 31,9% sein.

Die Ankunft der Migrant*innen hängt stark von der politischen Situation in den Herkunftsländern ab, wobei Lateinamerika und die Maghreb-Staaten in der Regel an der Spitze liegen. In diesem Sinne zeigt die INE-Reihe über ausländische Migration die drei wichtigsten Länder, die die meisten Einwohner*innen in jede Provinz bringen. Im Fall von Bizkaia kamen in der ersten Hälfte dieses Jahres 1.770 Personen aus Kolumbien, 1.100 aus Venezuela und 1.080 aus Marokko. (elcorreo)

(2024-08-06)

TOD IN DER STIERKAMPF-ARENA

kolu58a06In Donostia wir zu einer Demonstration gegen das "Töten von Stieren" in Illunbe aufgerufen. Illunbe ist der Name der Arena, in der wieder Blut vergossen wird, seit die rechte baskische PNV wieder an die Regierung kam. Denn die Vorgänger-Regierung der baskischen Linken hatte das schmutzige Treiben zwar nicht verboten, aber die öffentlichen Zuschüsse gestrichen. Und ohne die geht gar nichts, denn die Schlächterei ist finanziell ein Minusgeschäft.

Die Anti-Stierkampf-Plattform Gipuzkoakoako Plataforma hat für den kommenden Samstag, zu Fiesta-Beginn zu einer Demonstration "gegen das Töten von Stieren" in der Stierkampfarena aufgerufen. Der Marsch beginnt um 18.00 Uhr auf dem Boulevard. Der Protest fällt mit dem Beginn der Aste Nagusia in San Sebastian zusammen, wo am 15., 16. und 17. August Stierkämpfe stattfinden. 

Die Organisatoren prangern an, dass "die Stadtverwaltung schamlos Stierkampf-Feste fördert und dabei den Willen der Bürger ignoriert". Sie erinnern daran, dass "Donostia Anti-Stierkampf Orain 2017 die in den Verordnungen zur Bürgerbeteiligung geforderten Unterschriften vorgelegt und sich damit das Recht auf eine Volksbefragung zu den Massakern von Illunbe erworben hat. Die Zentralregierung in Madrid verweigerte dieses Recht und der Stadtrat verpflichtete sich daraufhin, nach anderen Wegen zu suchen, um die Meinung der Bürger abzufragen. Nun schreiben wir das Jahr 2024, und es wurde kein Finger gerührt. Dies ist das Ergebnis der Taubheit des Bürgermeisters und seines Regierungspartners gegenüber allen denkbaren Kollektiven in der Stadt".

Die Anti-Stierkampf-Plattform Gipuzkoakoako Plataforma hat darauf hingewiesen, dass im Zusammenhang mit der Renovierung des Sportkomplexes Anoeta (Fußball-Stadion) "die komplette Reform von Illunbe in Betracht gezogen wird". Sie fordert hingegen, dass diese Pläne dazu dienen sollen, der Nutzung dieser Infrastruktur durch Stierkämpfe ein Ende zu setzen. "Es wäre der letzte Strohhalm, wenn erneut öffentliche Gelder für das Töten von Stieren verwendet würden", warnte die Organisation.

Die Polemik um die Stierkämpfe ist so alt wie die Bewegungen für Tierschutz. Zwar wurden in diesem Bereich viele, auch juristische Fortschritte gemacht, doch Stierkampf blieb immer ausgeklammert. In einigen Orten wurden Volksbefragungen gemacht, mit unterschiedlichen Ergebnissen, teilweise sprachen sich Mehrheiten für die Weiterführung aus. Andere Institutionen, wie die Regionalregierung in Katalonien, sprach ein verbot aus, worauf die damalige Rechtsregierung Rajoy mit einem neuen Gesetz antwortete, das Stierkampf zum nationalen Kulturerbe erklärte und somit nicht einfach verboten werden konnte.

Deshalb griff die baskische Linke zur Strategie der finanziellen Austrocknung. Das Spektakel ist vornehmlich ein Vergnügen reicher Leute, für das sich vor allem Rechte und Ultrarechte bemühen. Doch insgesamt sprengt die Frage das Links-Rechts-Schema. Auch Linke, wie der ehemalige Herri-Batasuna-Chef Jon Idigoras gehören zu den Verfechtern. Denn Machismus kennt bis heute keine ideologischen Grenzen.

(2024-08-02)

BASKISCHER JOURNALIST FREI NACH GEFANGENEN-AUSTAUSCH

kolu58a02Die Freilassung des baskischen Journalisten Pablo González im Rahmen eines Gefangenen-Austauschs (vielleicht besser: Geisel-Austauschs) zwischen Russland und mehreren westlichen Staaten ist eine gute Nachricht für seine Familie, für den Journalismus und für die Diplomatie. Es ist auch eine gute Nachricht für die baskische Gesellschaft, die wiederholt seine Freiheit gefordert hat. Pablo González ist frei, nachdem er 900 Tage in Polen inhaftiert war, ohne dass ihm etwas nachgewiesen werden konnte und ohne dass es einen Gerichtstermin gab. Die Bedingungen seiner Inhaftierung verstießen gegen mehrere internationale Menschenrechts-Konventionen, die in der Europäischen Union eigentlich verbindlich sind.

In diesen mehr als zwei Jahren war die Untätigkeit der baskischen, spanischen und europäischen Behörden angesichts der willkürlichen Inhaftierung eines Journalisten, der ihr eigener Bürger ist, absolut beschämend. Es wurde suggeriert, dass Diskretion Teil eines Plans sein könnte, um einen fairen Prozess oder seine Freilassung zu erreichen. Die Fakten zeigen, dass dies nicht der Fall war. Russland hat González in die Operation einbezogen, weil er dort geboren wurde und die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt – sein Vater war einer der Minderjährigen, die 1937 angesichts von Francos Staatsstreich und dem Krieg gegen die Republik und das Baskenland von der baskischen Regierung ins Ausland geschickt wurden und (unter anderem) von der UdSSR aufgenommen wurden. Pablos Staatsbürgerschaft wurde als Rechtfertigung für seine Verhaftung und den allgemeinen Vorwurf der Spionage herangezogen, für den es nicht mehr Beweise gibt als einen legalen Reisepass und den Namen, der ihm bei seiner Geburt gegeben wurde: Pavel Rubtsov.

Der baskische Journalist wurde wahrscheinlich in den Tausch einbezogen, weil es am Verhandlungstisch auch um andere Presse-Kollegen ging, wie den "Wall Street Journal"-Korrespondenten in Russland Evan Gershkovich, der wegen Spionage im Juli zu 16 Jahren Haft verurteilt worden war und zu den wichtigsten Gefangenen gehörte, die die USA befreien wollten. In der Diplomatie geht es auch darum, politische Narrative durch Parallelen, Missstände und Verdächtigungen zu untermauern.

Sicher ist nur, dass Journalisten in jedem Konflikt zur Zielscheibe der Mächte und Regierungen werden, die stets Ausnahme-Gesetze anwenden und sie der "Spionage" oder des "Terrorismus" beschuldigen. Die Freude über die Freiheit von Pablo kam genau an dem Tag, an dem Gaza die letzten von Israel getöteten palästinensischen Journalisten, Ismail Al Ghoul und Rami Al-Riffi, zu Grabe trug. Journalismus ist nicht zuletzt deshalb notwendig, um Ungerechtigkeiten, Kriegsverbrechen und Völkermorde anzuprangern, auch wenn sie von Journalisten selbst erlitten werden. Unabhängiger Journalismus ist längst tödlich geworden. In Palästina sind mehr als 100 Medienleute (Journalisten und Fotografen) umgebracht worden, weil solche Zeugen von Verbrechen lästig sind, die Welt soll keine Zeugnisse der Untaten erhalten.

(2024-08-01)

DAS BESTE SPANISCHE DORF

Hat uns gerade noch gefehlt! Nicht genug, dass Tausende und Abertausende die großen baskischen Städte überschwemmen (mit Ausnahme von Vitoria-Gasteiz, das sei zugegeben) – nun muss die renommierte und damit viel-gelesene Reise- und Kultur-Zeitschrift National Geographic auch noch die Werbetrommel rühren gegen die baskische Küste. Gegen – ist kein Formulierungsfehler, denn jede Publikation solcher Art kann fatale Folgen haben. NG hat einen baskischen Küstenort zum “besten Dorf in Spanien für einen Besuch im August“ auserkoren (der Name ist der Redaktion wohl bekannt, er wird aus nachvollziehbaren Gründen nicht genannt).

Bereits die Überschrift (bestes Dorf Spaniens) lässt tief blicken, was die geografische Orientierung des bekannten Reisemagazins anbelangt. Offenbar traut man dem lesenden Publikum nicht zu, das auserkorene Objekt zu lokalisieren, falls es als "baskisch" bezeichnet würde. Was es selbstverständlich ist. Das Dorf (nennen wir es XY) wurde ausgewählt “wegen seiner Geschichte, Landschaft, Kultur und Gastronomie“. Als “malerisches Fischerdorf“ bezeichnet, wird es zum Besuch empfohlen und damit zum Abschuss freigegeben. Dass es in diesem “Fischerdorf“ seit Jahrzehnten keine Fangflotte mehr gibt, sei dem Autoren fürs erste verziehen, nicht unwahrscheinlich, dass es sich um eine Fern-Diagnose handelt, weil die vier Charakteristika G+L+K+G für ungefähr zwei Dutzend baskische Küstenorte gelten könnte.

“Das kleine Städtchen (jetzt also schon zum Städtchen aufgestiegen) im Herzen eines Biosphären-Reservats ist bei den Basken schon lange bekannt und beliebt (wie auch nicht), doch nun haben seine legendären Geschichten, seine hervorragenden Surfwellen und seine reiche kulturelle Tradition auch die Aufmerksamkeit des renommierten Reisemagazins auf sich gezogen.“ Fatal! Zum Thema Bio und Naturschutz wäre zu sagen, dass die baskische Regierung momentan dabei ist, jenes Reservat (Basken sind Indianer) mit einem Museum zu beglücken, das Hunderttausende anziehen und der Gegend den Todesstoß geben soll. Das wiederum könnte aus der Sicht von NatGeo ein Argument mehr sein, die Gegend jetzt zu besuchen, “solange es noch nicht im Müll und Verkehrschaos untergegangen ist“ (kein Zitat).

“Am linken Ufer der gleichnamigen Flussmündung gelegen, bietet es eine unvergleichliche natürliche Umgebung. Im Biosphären-Reservat, 1984 von der UNESCO zum Schutzgebiet erklärt, beherbergt die Stadt eine erstaunliche Artenvielfalt, herrliche Strände und nahegelegene Städte von großem historischen Reichtum wie Gernika (von den Nazis plattgemacht) sowie künstlerische Enklaven wie den Oma-Wald.“ Man muss sich solche Beschreibungen auf der Zunge zergehen lassen: “kleine Fischerdorf“ mit “herrlichen Stränden“ (im Plural) und “künstlerische Enklaven“ (ebenfalls im Plural) sind ungefähr so idiotisch wie Bilbao als Architektur-Stadt zu bezeichnen.

“Die Einsiedelei Santa Catalina“ (in Wirklichkeit eine Kapelle) und der örtliche Hafen sind Sehenswürdigkeiten, die atemberaubende Aussichten und eine reiche Geschichte bieten. Der Hafen ist das Epizentrum des lokalen Lebens“, wird in der renommierten Publikation hervorgehoben, hier “können Touristen hier die lebhafte Atmosphäre der Restaurants und Tavernen genießen (wenn sie angesichts von drei Kneipen zur Auswahl zum Schlangestehen bereit sind), die alles von Pintxos bis hin zu anspruchsvolleren Gerichten anbieten. Die farbenfrohen Fischerhäuser und Boote im Hafen laden zum Flanieren und Genießen der Seefahrer-Atmosphäre ein“. Die Rede ist von einem Rundgang von 10 Minuten, der für ein größeres Publikum kaum geeignet ist.

“Der Strand von Laidatxutxu ist eine bezaubernde, vor dem Nordwind geschützte Bucht, ideal für Familien mit Kindern“, kein Wort davon, dass der Strand bei Ebbe trocken fällt. “Auch der ruhige Strand von Ondartza, der Hafen und das Gebiet von Txorropunta sind ideal zum Schwimmen. Sie können auch verschiedene Wassersportarten wie Windsurfen, Stand Up Paddle, Tauchen, Rudern und Segeln ausüben.“ Am besten alles auf einmal.

“Für Surfliebhaber ist XY das perfekte Ziel. Die berühmte linke Welle gilt als eine der besten in Europa und zieht Surfer aus aller Welt an, die in die Stadt kommen, um diesen Sport auszuüben oder einfach nur das Spektakel zu genießen.“ Erneut eine halbe Lüge, denn die “linke Welle“, die einst für einen Surf-Weltcup sorgte, wurde durch Bagger-Arbeiten für die benachbarte Großwerft “in Mitleidenschaft“ gezogen und liquidiert (im wahrsten Sinne des Wortes) und der Grand Prix gleich mit.

Als “Muss“ bezeichnet wird “ein Halt am Aussichtspunkt Portfondo“ – Moment mal, schon wieder eine Ungenauigkeit: denn der Aussichtspunkt ist kein solcher, sondern das private Restaurant eines Campingplatzes (mit Konsumzwang). “Von hier aus hat man den besten Blick auf die Flussmündung mit der Insel Irla als markante Punkte der schönen Landschaft.“ Anzufügen wäre, dass dieser hervorragende Ausblick auch den hässlichen Hochhausblock gegenüber einschließt, ein wahrer Genuss!

Wer den Ort kennt, merkt also sofort, dass sich der Schreiber der NatGeo-Publikation nicht die Mühe eines Besuches gemacht, sondern lediglich einen Blick ins Internet geworfen und da eindrucksvolle Fotos gefunden hat. Der Bürgermeister der Nachbar-Stadt YX sagte auf Anfrage, er kenne wenigstens zehn Orte “an unserer Küste“, die besser geeignet wären, Besucher*innen aufzunehmen, “sollte es sich um mehr als 50 auf einen Schub handeln“. Um schmunzelnd anzufügen: “XY ist vielleicht das schönste spanische Dorf, aber sicher nicht das schönste baskische.“ Und: “Wer weiß, ob für den Bericht nicht auch Geld geflossen ist!“

ABBILDUNGEN:

(*) Tagespresse

(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-08-01)

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