(1) Studierende in Bilbao (riadeocio)
Auslands-Studium Bilbo

Erasmus ist das weltweit größte Förder-Programm der Europäischen Union für Auslands-Aufenthalte an Universitäten. Seit dem Jahr 2003 wurde es über Europa hinaus erweitert durch das Zusatzprogramm Erasmus Mundus, und finanzierte in seinen ersten 15 Jahren etwa 1 Million Stipendien. An Erasmus nehmen alle 27 Mitgliedsstaaten der EU sowie fünf weitere europäische Länder teil: Norwegen, Island, Liechtenstein, Schweiz, Türkei. Die Universität Bilbao empfängt jedes Semester auswärtige 1.500 Studierende.

Erasmus von Rotterdam (1466-1536) war ein niederländischer Universal-Gelehrter: Theologe, Philosoph, Philologe, Priester, Autor und Herausgeber von 444 Büchern und Schriften. Bedeutendster Vertreter des europäischen Humanismus, einflussreicher Kirchenreformer.

Günter aus Kiel war ein halbes Jahr zum Auslandsstudium in Bilbao. Einer von mehr als tausend, die jedes Semester die bizkainische Hauptstadt besuchen, zum Studieren, um andere Lebensumstände kennenzulernen und im besten Fall auch das Land kennenzulernen. Letzteres ist schwierig, weil meist die Sprachkenntnisse fehlen, kein Spanisch, von Euskara ganz zu schweigen. Die Weltsprache Englisch muss herhalten. Für den Lehrsaal, aber auch, um sich in der Erasmus-Gemeinde zu verständigen. Baskultur-Interview über die Erfahrungen beim Auslands-Studium.

Was ist Erasmus für Studierende in Deutschland?

Erasmus ist ein Programm der Europäischen Union, das Studierenden in Deutschland die Möglichkeit eröffnet, für ein Semester oder auch zwei ins europäische Ausland zu gehen. Für viele in Deutschland ist das eine große Chance, eine andere Kultur kennenzulernen und zum ersten Mal aus Deutschland rauszukommen. Deswegen hat es einen sehr guten Ruf unter Studierenden. Viele erwägen diese Option und machen es am Ende auch.

Wie viele tun das anteilmäßig?

An der Universität Kiel waren es in meinem Jahrgang circa 300 Leute, die ein Erasmus-Semester gemacht haben. Das sind pro Studiengang zwei bis drei Leute. Es gibt eine begrenzte Zahl von Plätzen. In der Regel ein bis zwei pro Studiengang. Aber weil es heutzutage eine Vielzahl an Studiengängen gibt, sind es am Ende doch viele.

Wie studierst du in Deutschland? Mit einer Gruppe von Leuten, die du mehr oder weniger kennst? Oder Vorlesungen, bei denen sich unterschiedliche Jahrgänge mischen?

Die Jahrgänge mischen sich auf jeden Fall. Vorlesungen in Deutschland sind immer relativ groß. Bei den Einführungs-Vorlesungen in meinem Fall – also VWL und Sozialwissenschaften – waren wir teilweise 200 Leute. Man kennt da nicht alle. Viele vom Sehen, man hat seine Freundesgruppe. Aus meiner Kieler Freundesgruppe haben diesen Winter noch weitere ein Erasmus-Semester gemacht.

Aber du weißt, wer mit dir zusammen angefangen hat?

Das weiß ich, aber im Verlauf der Jahre – ich bin mittlerweile im fünften Semester – kann sich das aufteilen. Weil nicht alle in derselben Geschwindigkeit studieren. In Deutschland ist es ja relativ frei, wie viel man pro Semester macht. Entsprechend sind von denen, mit denen du angefangen hast, am Ende nicht mehr alle da. Das verläuft sich. Dazu kommt, je weiter man fortgeschritten ist im Studiengang, desto größer werden die Wahlmöglichkeiten. Das heißt, man kann sich bestimmte Fächer aussuchen und jeder wählt - je nach Interesse - anders. Dadurch verläuft es sich noch mehr.

Warum hast du für Erasmus Bilbao ausgewählt?

Aus einer Vielzahl von Gründen. Ein entscheidender Grund, ich war relativ eingeschränkt durch die Partner-Universitäten, die zur Verfügung stehen. In meinem Fachgebiet – VWL – über das ich nach Bilbao gekommen bin, gab es ungefähr 20 Partner-Universitäten in ganz Europa, die als erste Option zur Verfügung standen. Dadurch ergibt sich schonmal eine erste Vorauswahl. Im nächsten Schritt habe ich geschaut, in welcher Universität werden überhaupt Lehrveranstaltungen auf Englisch angeboten. Das war nicht bei allen der Fall. Die einzige Fremdsprache, die ich neben Englisch noch ein bisschen in der Schule gelernt hatte, ist Spanisch. Das war ein weiterer Grund, weshalb ich mich relativ schnell für den spanischsprachigen Raum entschieden habe. Meine Optionen waren dann Madrid, Bilbao und La Coruña. Bilbao hat mich von Beginn an sehr interessiert, weil ich schon viel Positives gehört hatte. Auch in den Erfahrungs-Berichten von Studierenden meiner Uni, die mal ein Erasmus-Semester in Bilbao gemacht hatten , konnte ich viel Interessantes über die Stadt und die Region lesen. Die haben alle sehr positiv berichtet. Hinzu kam, dass ich vor ein paar Jahren einmal mit dem Auto durchs Baskenland gefahren war. Das hat mich landschaftlich fasziniert. Ohne weitere Städte gesehen zu haben, fand ich die Region beeindruckend. Vor allem eben landschaftlich, weil ich gerne in der Natur bin, Wandern gehe und Rennrad fahre. Das war ein weiterer Grund: hier kann man vieles draußen unternehmen. Von dem baskischen Regenwetter wusste ich da noch nichts. (lacht)

Wie hast du eine Wohnung gefunden?

Das lief über eine Instagram-Seite, also Social Media. Wir jungen Leute sind ja heutzutage viel in Social Media unterwegs. Da fand ich einen Link der zentralen Studenten-Vereinigung hier in Bilbao, da werden unter Studierenden Wohnungen weitergegeben. Meist Wohnungen, in denen vorher auch schon Erasmus-Studierende wohnten und die dann weitergegeben werden. In meinem Fall waren das drei einheimische Studierende aus Bilbao, die für ein Semester selbst Erasmus machen. Entsprechend war deren WG für ein halbes Jahr frei. Die haben über diesen Social-Media-Account ihre Wohnung angeboten. Mit den Jungs nahm ich Kontakt auf. Die Konditionen waren relativ gut. Die Bilder haben mir auch zugesagt. So hat das schnell geklappt. Ich hatte ein bisschen Glück. Bei anderen, von denen ich hörte, hat das länger gedauert, bis sie eine Wohnung gefunden haben. Bei mir war es der erste Griff. Ich brauchte nicht lange suchen. Wir haben das innerhalb von einer Woche festgemacht.

Wo wohnen die Erasmus-Leute: in öffentlichen Wohnungen oder privat?

Es gibt ein paar Studenten-Wohnheime in Bilbao. Wie viele es davon gibt, weiß ich nicht. Aber ich weiß von ein paar anderen Erasmus-Studierenden aus meinem Semester, dass sie in Wohnheimen gewohnt haben. Teilweise günstiger als die privaten Wohnungen in der Stadt. Aber häufig dann auch deutlich kleiner, die Küche wird von 25 bis 30 Leuten genutzt. Eine Wohnung hat da schon Vorteile.

Wie war die Aufnahme, in Bilbao, an der Uni? Wie war das organisiert?

Sehr positiv! Erst einmal zur Uni, da haben wir vorab viel Informationen zugeschickt bekommen. Bevor ich hierher kam, hatte ich ausreichend Mails bekommen, mit denen die Fakultäten in Bilbao lokalisiert wurden, das meiste auf Englisch. Auch auf Spanisch. Für die Spanisch-Sprechenden sind die Mails auf Spanisch, für die anderen auf Englisch, also leicht zu verstehen. Ein weiterer wichtiger Punkt war das so genannte Buddy-Programm. Das heißt, da wird dir ein einheimischer Studierender an die Seite gestellt, für die ersten Tage hier an der Uni. Der hatte mich schon vorher per Mail angeschrieben. Danach haben wir uns über Whatsapp ausgetauscht. Die wichtigsten Informationen zur Stadt hat er mir vorab mitgegeben.

(2) Radwege Baskenland (revista oxigeno)

Eine ganz konkrete Person?

Richtig. Das war ein Einheimischer, auch ein Wirtschafts-Student. Ich bekam viele Infos von ihm – schon vor der Anreise. Zum Beispiel, wie man am einfachsten vom Flughafen in die Stadt kommt oder wie man die Barik-Card für die Metro erhält, solche Sachen. In den ersten Tagen nach meiner Ankunft haben wir uns dann auch persönlich getroffen. Er hat mit mir einen kleinen Stadtrundgang gemacht und stand mir bei der zentralen Einführungs-Veranstaltung der Fakultät zur Seite. Das war eine Einführung für alle Erasmus-Studierenden, die in diesem Semester kamen. Es gab Infos, wie die Lehrveranstaltungen organisiert sind, zu den Möglichkeiten außerhalb der Universität und weiteren Aktivitäten der Uni. Im Anschluss an die Veranstaltung wurde uns das Uni-Gelände vorgestellt. Wir haben eine Führung über den Campus erhalten. Die verschiedenen Räumlichkeiten wurden uns gezeigt – Cafeteria, Bibliothek, Sekretariat etc . Ich war in der ersten Woche schnell sehr gut informiert, wo was zu finden ist, wo es Ansprechpersonen gibt. Ich habe mich schnell eingelebt und kann nur ein positives Fazit ziehen, wie die „Universidad del País Vasco“ das organisiert hat und wie sie Hilfe zur Seite gestellt haben.

Was heißt Buddy?

Das ist ein englisches Wort für Kumpel oder Freund. So könnte man das übersetzen. Das ist Jugendsprache. Junge Leute benutzen das heutzutage auch im Deutschen: das ist mein Buddy – das ist ein guter Bekannter von mir, ein guter Kumpel.

Wie viele Erasmus-Studierende kamen im vergangenen Semester an die Uni?

Ungefähr 1.500 würde ich schätzen. Eine genaue Zahl haben wir nie gehört. Es gab eine Whatsapp-Gruppe, weil die meisten heutzutage mit Whatsapp unterwegs sind, von der zentralen Studenten-Vereinigung in Bilbao. In diese WA-Gruppe sind nicht alle beigetreten. Manche meinten, sie wollten nicht so viel zu tun haben mit dieser riesigen Menge an Leuten. Sie wollten eher kleinere Gruppen suchen. Ungefähr 1.500 dürften das insgesamt gewesen sein – also ziemlich viele. Von Studierenden aus Bilbao habe ich gehört, dass in Bilbao und auch in Spanien vergleichsweise viele Erasmus-Studierende sind im Vergleich zu anderen Ländern. An meiner Universität in Deutschland sind bei Weitem nicht so viele Erasmus-Studis wie hier. Ich denke, das hängt mit klimatischen Faktoren zusammen. Wer im Winter Erasmus macht, will dem schlechten Wetter im Norden Europas entfliehen. Viele zieht es in den Süden. Wahrscheinlich hat es auch kulturelle Gründe, dass der südliche Raum Europas für seinen fröhlichen und ausgelassenen Lebensstil bekannt ist, der gut zu jungen Leuten passt. So würde ich denken. Draußen sein, wo vieles stattfindet, wo es viele Bars gibt, viele Diskotheken, viele Clubs, wo man die Abende und Nächte verbringen kann. Das ist sicher ein Punkt für viele Erasmus-Studierende - also die Möglichkeit zu haben, draußen etwas zu unternehmen und nicht im kalten Deutschland in der kalten Wohnung zu hocken.

In welcher Sprache waren deine Vorlesungen?

Auf Englisch. Wobei das nicht heißt, dass man alle Veranstaltungen in Englisch besuchen müsste.

Das ist meine nächste Frage: Gab es auch Studierende, die auf Spanisch studiert haben?

Die gab es. Ich würde sagen, der große Teil der Erasmus-Studierenden hat auf Englisch studiert, aber viele haben zumindest mal eine Veranstaltung auf Spanisch besucht. Von einigen habe ich gehört, die sprechen zwar kein perfektes Spanisch, sind aber zumindest in der Lage, der Vorlesung zu folgen. Nur wenn es darum geht, im Unterricht Wortbeiträge zu formulieren, dann wird es doch schwierig. Wenn viele einheimischen Studierende dabei sind, da wird es schwierig, ins Gespräch zu kommen, in die Diskussionen oder in den Austausch zu gehen. Anfügen muss ich, dass es auch viele Austausch-Studierende aus Südamerika gibt. Ich bin mir nicht sicher, ob das auch Erasmus heißt. Viele haben das so genannt, wahrscheinlich der Einfachheit halber. Die meisten von denen haben die Kurse und Vorlesungen auf Spanisch besucht.

Aus welchen Ländern Südamerikas?

Viele aus Mexiko. Beim Rennradfahren habe ich einen aus Kolumbien kennengelernt. Peru, Chile auch – das sind die, denen ich begegnet bin. Aber ich würde davon ausgehen, dass nahezu alle Länder vertreten waren.

Du hast Referate geschrieben und gehalten. Zu welchen Themen?

In Deutschland studiere ich Sozio-Ökonomik, eine Verbindung von VWL und Sozialwissenschaften. Doch für Erasmus im europäischen Ausland musste ich mich für VWL entscheiden, weil die Angebote hier größer waren als in den Sozialwissenschaften. Entsprechend habe ich hier drei Kurse besucht, an der Fakultät für Economics in Sarriko / San Ignazio. Dann noch einen Spanisch-Kurs, um meine Schul-Kenntnisse zu vertiefen und gut durch den Alltag zu kommen. Die Kurse an der Fakultät in Sarriko waren in der Regel recht klein, deutlich verschulter als in Deutschland und durchaus vom Austausch geprägt, was ich gut fand. Ein Kurs, den ich besucht habe, war beispielsweise „Regional Economics“. Da haben wir eine große Projektarbeit gemacht. Sehr spannend: Eine Analyse der wirtschaftlichen Gegebenheiten in Enkarterriak, einem Landkreis hier in der Provinz Bizkaia. In einer Dreier-Gruppe aus Deutschland und Italien haben wir uns über 10 Wochen die wirtschaftliche Situation in Enkarterriak angeschaut und einen Report von 40 Seiten geschrieben. Das hat viele Infos über das Baskenland geliefert. Ich habe dadurch viel erfahren über die ganze Region.

Als du dich für Bilbao entschieden hast: wusstest du, dass dich zwei offizielle Sprachen erwarten? Spanisch und Baskisch …

Das wusste ich. Bevor ich kam, wusste ich, dass es das Baskenland an sich gibt und dass es kulturelle Eigenheiten mit sich bringt. Wie stark das Unabhängigkeits-Bewusstsein ausgeprägt ist und was mich konkret erwartet, davon hatte ich keine Ahnung. Aber ich wusste zumindest, dass es eine eigene Sprache gibt. Auch, dass es eine Unabhängigkeits-Bewegung gibt, von der man in Deutschland nicht viel hört. Was man hört, sind vielleicht noch die drei Buchstaben ETA. Viel mehr aber auch nicht. Katalonien ist da bei vielen in der Unabhängigkeitsfrage schon deutlich präsenter.

Wussten alle aus dem Kurs, dass es eine zweite Sprache gibt? Oder war es für manche eine Überraschung?

Der große Teil wusste es. Die meisten haben sich so wie ich informiert und vorher im Internet recherchiert: Wo liegt Bilbao? Was gibt es für Eigenheiten? Die Mehrheit wusste das. Kann sein, dass einige wenige blind gekommen sind und es für die dann eine Überraschung war. Aber im Verlauf des Semesters haben natürlich alle mitgekriegt, dass das hier eine eigene Kultur ist. Das ist nicht zu übersehen, wenn man in der Stadt unterwegs ist. Ein Großteil der Orte hat baskische Eigenbezeichnungen. Das kriegt man schnell mit, dass die Schilder nichts mit dem Spanischen zu tun haben, weil viele Begriffe auftauchen, in denen TX oder andere Buchstaben auftauchen als im Spanischen.

Wie war deine Begegnung mit der baskischen Sprache Euskara im Alltag?

Ich würde sagen, sehr begrenzt. Der Großteil der Leute, so meine Wahrnehmung, spricht Spanisch. In meinem Wohn-Stadtteil, in Indautxu, wird im Alltag in den Cafés und auf der Straße durchweg Castellano gesprochen. Mit der Beschränkung, dass die Begrüßung und Verabschiedung auf Baskisch erfolgt. (lacht)

… ein Klassiker!

Aupa oder Kaixo hört man öfter und Agur ebenfalls, aber dazwischen ist alles Spanisch. Im Alltag habe ich wenig Euskara gehört, außer in anderen Gebieten der Stadt. Der Kontakt mit dem Kulturverein Baskale (1) hat mich da herangeführt. Da habe ich mitgekriegt, dass in Bilbao La Vieja mehr Euskara gesprochen wird. Ich habe auch das Gefühl, dass unter jungen Leuten, gerade Studenten, wieder mehr Baskisch gesprochen wird. Wir haben im Rahmen unseres Spanisch-Kurses ein paar Straßen-Interviews an der Technischen Fakultät nahe San Mamés durchgeführt. Einfach um unser Sprechen im Spanischen ein bisschen zu erproben. Eine Frage war unter anderem, wie viele Sprachen und welche die Interviewten so sprechen. Da haben fast alle Studierenden mit 3 geantwortet – also Spanisch, Englisch und Euskara. Einige wenige auch mit 4 – da kam dann noch eine Schul-Sprache wie Französisch oder Deutsch hinzu. An der Uni, würde ich sagen, besuchen die meisten auch spanische Vorlesungen, aber für die einheimischen Studierenden gibt es ja die Möglichkeit, sein Studium vollständig auf Baskisch zu absolvieren. Viele, mit denen ich gesprochen habe, haben gesagt, dass sie das auch gerne wahrnehmen. Einige haben in den Familien schon etwas vom Baskischen mitbekommen oder aus dem Schulunterricht, aber häufig wird dann im Alltag doch Spanisch gesprochen. Insofern ist für viele das Baskische noch ausbaufähig und so nehmen sie die Gelegenheit war, in Euskara zu studieren.

Wie viel hast du von der politischen Situation im Baskenland mitbekommen?

Relativ viel, aber auch nur, weil mich das nach einer gewissen Zeit mehr und mehr interessiert hat. Wenn man im Alltag unterwegs ist, in Casco Viejo (Altstadt) oder in anderen Teilen der Stadt oder an der Universität, kriegt man über die vielen Transparente und Plakate recht schnell mit, dass es hier eine politische Auseinandersetzung gibt. Wenn man sich daran macht, die politischen Botschaften vom Baskischen oder Spanischen ins Deutsche zu übersetzen, merkt man, worum es politisch geht. Ich würde das mal vereinfacht so beschreiben. Dadurch, dass man die Ikurriña an nahezu jeder Straßenecke sieht und die einzige spanische Flagge in ganz Bilbao wahrscheinlich auf dem Rathaus weht, merkt man ziemlich schnell, dass es dieses Unabhängigkeits-Bewusstsein gibt. Wenn man sich dann fragt, warum eine derartige Bestrebung überhaupt existiert, und was die zentralen Forderungen im baskisch-spanischen Konflikt sind, dann landet man mitten drin in der Auseinandersetzung, also Historie des Baskenlandes, Krieg von 1936/37 , Franco-Diktatur, Transición, Verfassung von 1978 und Autonomie-Statut von 1979 – solche Themen eben, die die politische Gegenwart noch heute prägen. An der Geschichte mit ETA kommt man dann auch nicht vorbei. Dass das ein Thema ist, was noch nicht so lange zurückliegt und die Bevölkerung noch immer umtreibt, sieht man ja auch an der Gefangenen-Frage, also den Mobilisierungen hierzu oder den „Etxera“-Plakaten.

Es soll jetzt aber nicht der Eindruck entstehen, die meisten Baskinnen seien nur an ihren „eigenen“ politischen Fragen interessiert. Das nehme ich nicht so wahr. Internationale Fragen spielen eine große Rolle. Der Völkermord in Gaza treibt die Menschen in Massen auf die Straße. Einen ganzen Generalstreik im Zuge der Solidarisierung mit den Palästinenserinnen und Palästinensern hat es in meiner Zeit hier im Baskenland gegeben. Ich habe aber auch in anderen Fragen eine Solidarisierung verspürt, insbesondere dort, wo Ungerechtigkeiten zu Tage treten und Unterdrückung besteht. Plakate mit „Ongi Etorri Errefuxiatuak“ – „Herzlich Willkommen Flüchtlinge“ – sieht man in anderen europäischen Ländern nicht gerade häufig. Insgesamt ist die Streik- und Protestkultur sehr ausgeprägt, das muss man einfach sagen. Dass die Universität einen Tag lang den Unterricht aussetzt, um für Klimaschutz zu mobilisieren, würde es in Deutschland wahrscheinlich nicht geben.

(3) Bilbao (erasmusu)

Was hast du außerhalb der Uni gemacht und erlebt?

Ich war abends viel draußen in der Stadt unterwegs, hatte viele Begegnungen mit Erasmus-Studierenden. Es gab eine Menge Angebote von den zwei größten Studierenden-Vereinigungen. Da ist einmal das Erasmus-Student-Network Bilbao (ESN). Da wird alles von einheimischen Volunteers organisiert. Die bieten Unterschiedliches an. Einfache Bar-Abende, wo man sich draußen trifft, um einen netten Plausch zu haben oder auch sportliche Aktivitäten wie Wanderungen, Volleyball am Strand oder Fußball und Basketball, an denen ich teilgenommen habe. Dann gab es Quizabende, Spiele- oder Karaoke-Abende. Das war immer lustig und unterhaltsam. Durch die vielen Nationen, die da vertreten waren, wurde auch in allen Sprachen was gesungen. Unabhängig von den Aktivitäten, die so angeboten wurden, waren es auch tolle Gelegenheiten, mit anderen Erasmus-Studierenden in den Austausch zu kommen. Man lernt viele nette Leute kennen.

Dann gibt es noch eine zweite Erasmus-Organisation. Die heißen „Happy Erasmus Bilbao“ und sind auf größere Veranstaltungen ausgerichtet, auch profitorientiert. Wenn es um die großen Erasmus-Partys ging, dann lief vieles über die. Große Clubs wurden da angemietet und häufig nur für Erasmus-Studis. Dreimal die Woche hätte man theoretisch dort feiern gehen können – also Donnerstag, Freitag, Samstag. Das war recht viel. Mit der Zeit habe ich dann doch eher den ruhigen Bar-Abend präferiert. Um vom Feiern wieder wegzukommen: Ansonsten bin ich auch viel gereist in meiner Zeit hier. Anfangs haben wir viele Reisen in der Region selbst gemacht, kleine Tagestrips. Zu Beginn organisierte Reisen über die Studenten-Vereinigung, wie ESN – mit Zielen im Baskenland. Meine erste Erasmus-Tour nach der Ankunft ging nach San Juan de Gaztelugatxe, nach Bermeo, Gernika und zur Puente de Bizkaia. Alles an einem Tag, das war viel. Man hatte dadurch aber die Möglichkeit, Leute kennenzulernen. Schon nach drei, vier Wochen kannte ich viele Erasmus-Leute. Danach haben wir unsere Wochenendausflüge und Aktivitäten selbst organisiert. Wir waren Wandern - nahe gelegene Ziele wie Monte Pagasarri oder an der Küste entlang. Später habe ich in Spanien die Städte Valencia und Sevilla besucht. Im französischen Baskenland habe ich mir Bayonne, Biarritz und Saint-Jean-de-Luz angeschaut. Dann hatten wir noch verschiedene Trips in der Nähe, zum Beispiel haben wir den Nervion-Wasserfall besucht. Dann die Hauptstadt des Baskenlandes Vitoria-Gasteiz und natürlich Donosti – also San Sebastian, wie man außerhalb des Baskenlandes sagt. Auch Santander (Kantabrien) und Pamplona (Navarra) habe ich besichtigt. Das waren tolle Reisen, mit viel Austausch unter den Studierenden und mit vielen Erkenntnissen über Geschichte und Kultur im Baskenland.

Hast du Leute von hier kennengelenrt?

Ja, aber insgesamt wenig. Um nochmal an die vorige Frage anzuschließen: Meine große Leidenschaft ist das Rennradfahren. Deswegen war ich am Nachmittag oder auch am Wochenende außerhalb der Universität mit dem Rennrad unterwegs und konnte die tolle Landschaft des Baskenlandes hautnah erleben. Viele Ecken, wohin man sonst nicht kommt. Das war toll. Über das Rennradfahren habe ich einen Studenten aus Bilbao kennengelernt, er wohnt in Artziniega. Mit dem war ich häufiger unterwegs. Er hat mir Vieles über die Region erzählt. Ansonsten muss ich feststellen, dass der Austausch zu einheimischen Studierenden und Leuten aus der Region insgesamt eher gering war. Von Uni-Seite wird da nicht viel gefördert. Man ist auf sich allein gestellt, muss alleine Kontakte suchen, wenn man das überhaupt will. Weil es in der Erasmus-Community viele Bekanntschaften gibt, besteht für die meisten kein Interesse mehr, noch Leute aus der Region kennenzulernen. Man ist ziemlich eingebunden. Es bleibt wenig Zeit. Im Studienalltag wird ebenfalls kein Austausch zwischen Erasmus- und einheimischen Studierenden gefördert. Die Englisch-Vorlesungen und Kurse werden zum großen Teil von Erasmus-Studis belegt. Das heißt, man ist wieder in seiner Community. Das ist ein Mangel, dass es selten zum Austausch mit Einheimischen kommt. Was nicht einfach ist, weil die Leute hier natürlich auch in ihre Freundesgruppen eingebunden sind. Und weil es keine außer-universitären Angebote gibt, um mit Leuten außerhalb der Uni in Kontakt zu kommen. Nur die Erasmus-Student-Network-Community wird von einheimischen Studierenden geführt. Die machen ihre Angebote in freiwilliger Arbeit. Das sind 30 bis 40 Leute, die sich da engagieren. Sie sind die Haupt-Ansprechpartner, um mit Leuten von hier in Kontakt zu kommen.

Du hattest über Internet auf eigene Faust schon vorher Kontakte geknüpft mit dem Verein Baskale, das heißt, du warst einen Schritt voraus.

Das hat sich in den ersten Wochen ergeben, weil ich vorher wenig wusste über die baskische Kultur und die Geschichte. Aus Interesse bin ich auf die Webseite baskultur.info gestoßen und habe da vieles gelesen. Irgendwann fand ich die Anzeige für das Reisebuch Bilbao-Bizkaia und dachte, das wäre vielleicht eine spannende Lektüre, um mehr zu erfahren über Bilbao als Stadt und über das Baskenland insgesamt. Über diesen Weg kamen wir in den Austausch. Ich hatte das Glück, auf den Kulturverein Baskale zu treffen. Darüber habe ich außerhalb der Uni und außerhalb von Erasmus viele Infos darüber erhalten, was die baskische Bevölkerung umtreibt. Von politischen Fragen bis zu kulturellen.

Du warst in Gernika. Dein Eindruck?

Gernika ist eindrucksvoll. Von dem Bombardement der Legion Condor im April 1937 hatte ich vorher schon gehört. Deswegen war für mich schnell klar, dass ich die Stadt besuchen wollte. Ziemlich interessant. Ich hatte dort eine geführte Tour der Studenten-Vereinigung. Die haben uns die zentralen Orte in der Stadt gezeigt, vom Picasso-Bild bis zu der Eiche. Was ich nicht besucht habe, ist das Museum. Ich hatte von anderen Studierenden gehört, dass die Information im Inneren auf Baskisch und Spanisch begrenzt sind. Die da waren, meinten, es sei schwierig, etwas zu verstehen, man könne sich nur die Bilder anschauen.

Gab es herausragende Ereignisse oder Erlebnisse in deiner Zeit hier?

Insgesamt herausheben würde ich die Begegnungen, die ich hatte. Mit Leuten hier vor Ort und mit anderen Erasmus-Studierenden. Das hat für mich Erasmus ausgemacht. Dass man viel erfahren hat, viele Gespräche hatte, draußen tolle Abende zusammen verbracht hat. Für mich der interessanteste Punkt an Erasmus, diese Möglichkeit, abseits der Universität mit vielen anderen Studierenden aus ganz Europa und aus Südamerika in Kontakt zu kommen, auch aus Afrika. Ich hatte zum Beispiel eine Bekanntschaft aus Nigeria. Viele Gespräche waren sehr interessant. Es gab neue Freundschaften, wovon die eine oder andere vielleicht auch über Erasmus hinaus besteht. Mit einigen bin ich noch in Kontakt, auch wenn man die meisten in näherer Zukunft wahrscheinlich nicht mehr sehen wird. Aber im 21. Jahrhundert sind die Kommunikations-Möglichkeiten über Social Media und andere Formen ja weiterhin da.

Ein herausragendes Erlebnis war natürlich das Fußball-Länderspiel Baskenland-Palästina. Das Spiel selbst fand ich eher langweilig, ich war auch bei anderen Spielen von Athletic im Stadion und habe viele Spiele live in Bars geguckt, die waren deutlich spannender als das zwischen Palästina und dem baskischen Nationalteam. Aber das ganze Drumherum des Spiels, die große Demonstration vorher, die Leute auf der Straße, die ihre Solidarität mit Palästina kundgetan haben, bis hin zu der friedlichen Atmosphäre im Stadion, das war schon eine besondere Stimmung. Da wurden die eigenen Interessen hintenan gestellt. Im Mittelpunkt stand nicht die eigene Auswahl, sondern die palästinensische Bevölkerung, die in Gaza einen grausamen Völkermord erleiden musste. Die Baskinnen haben da ein großes Gespür gezeigt.

Ein negativer Eindruck?

Ich muss kurz überlegen, vieles ist positiv. Es gab keine schockierenden Ereignisse. Ein Punkt, den ich ja schon erwähnt habe, dass ich mir mehr Austausch mit Einheimischen gewünscht hätte, mehr Anstöße in dieser Richtung von den Studierenden-Vereinigungen. Bilbao ist für mich eine tolle Stadt, weil viel draußen stattfindet. Das ist der große Unterschied zur deutschen Kultur. Das soziale Leben findet viel stärker draußen statt. Die Cafés sind gut gefüllt, Fußballplätze sind belegt, die Bars sind immer voll. Das hat auch klimatische Gründe. Wer stellt sich in Deutschland schon im Winter auf die offene Straße, um einen Wein zu trinken.
Gerade für junge Menschen ist das in Bilbao was Anderes. Von Bar zu Bar zu gehen und die Abende zu verbringen, ist schon attraktiv.

Haben alle Erasmus-Studis ernsthaft studiert oder ein Party-Semester eingelegt?

Ich weiß nicht, ob ich das Klischee jetzt widerlegen kann. Ich versuche es mal. Da gibt es die Einschränkung, dass alle verpflichtet sind, einen gewissen Teil auch zu studieren, um am Ende finanzielle Unterstützung zu erhalten. Niemand ist verpflichtet, diese Unterstützung in Anspruch zu nehmen, aber viele der Studierenden sind darauf angewiesen, wenn sie ein halbes Jahr in Bilbao leben, denn die Mietwohnungen sind nicht gerade billig. Auch das Alltagsleben ist nicht umsonst, vor allem wenn man so viel unterwegs ist wie viele Erasmus-Studenten. Deshalb ist die finanzielle Unterstützung wichtig. Um sie zu erhalten, muss man Prüfungen absolvieren. Prüfungen im Mindest-Umfang eines halben regulären Uni-Semesters in Deutschland. Um für mich zu sprechen: Ich habe in Bilbao etwas weniger studiert als ich das in Deutschland gemacht hätte. Es wurde schon viel gefeiert und man ist auf Partys gegangen, aber man hat trotzdem nebenbei studiert. Ich würde sagen, dass die meisten, die ich kennengelernt habe, ernsthaft studiert haben. Wo man sich eingeschrieben hat, das hat man am Ende auch mit Ernsthaftigkeit absolviert. Schließlich möchte man ja auch einen Eindruck gewinnen, wie das Studium in einem anderen Land so vonstattengeht. Und ich denke, dass kann man nur, wenn man die Sachen auch ernsthaft angeht. Nicht zuletzt kann man sich die Prüfungsergebnisse in Deutschland anrechnen lassen. Also zweierlei: ernsthaftes Studium ja, aber nebenbei auch eine tolle Zeit haben, viel unterwegs sein.

Dein genereller Eindruck von Bilbao?

Wie gesagt, eine interessante und lebendige Stadt. Es gibt immer was zu sehen. Ob Stadtteil-Fest, Athletic-Spiel oder Kundgebung, irgendwo ist immer was los. Die Mobilität funktioniert super. Es gibt weniger Radverkehr als in deutschen Städten, dafür sind alle zu Fuß und mit Metro unterwegs. In einer halben Stunde von Casco Viejo nach Portugalete oder Getxo an den Strand zu kommen, das funktioniert schon gut. Was Bilbao sonst noch ausmacht, dass sich die Leute hier sehr viel engagieren und für ihre Überzeugung auch auf die Straße gehen. Dass es ein hohes zivilgesellschaftliches Engagement gibt, sich auch politisch zu äußern.

Dein Eindruck von Hegoalde, dem südlichen Baskenland, einschließlich Navarra?

Ich will mal zwei Punkte aufmachen. Einmal war das landschaftlich ein Erlebnis. Was ich vorher gesehen hatte, kommt nicht an die Realität heran. Alles ist grün, viele Berglandschaften, viele Möglichkeiten für Aktivitäten, vom Wandern über Radfahren. Eine tolle Küstenlandschaft, wo die Möglichkeit besteht, aus Bilbao in einer halben Stunde oben an der Küste ans Wasser zu kommen und den Atlantik zu genießen. Für alle Liebhaber von Natur und Landschaft ist das ein zentrales Merkmal des Baskenlandes. Darüber hinaus die kulturelle und politische Dimension. Ich habe viel gelernt. Vieles, was ich vorher nicht wusste. Über Traditionen, Sprichwörter, Kulinarisches. Welche Gerichte gibt es? Welche Getränke gibt es hier im Baskenland? Auch im Vergleich zu Spanien – Kalimotxo statt Tinto de Verano, Pintxos statt Tapas – sowas eben. Dann gab es aber auch eine Reihe von Fiestas, die ich besucht habe. Angefangen beim Stadtteil-Fest in Urribarri bis zum Santo Tomas-Fest vor Weihnachten. Auch die Aste Nagusia, die ich selbst nicht habe erleben können, über die ich aber viel erfahren habe. Wo baskische Besonderheiten angeboten werden, wo baskische Kultur zelebriert wird.

Noch mal zurück zum Empfang: Wie könnte der für Erasmus-Studierende besser organisiert werden?

Wie gesagt, immer noch alles positiv, mit der Einschränkung, dass der Kontakt zu Einheimischen gestärkt werden könnte. Vielleicht noch, dass vorweg mehr Informationen zum Baskenland hätten geschickt werden können. Das war schon ausgesprochen wenig. Da habe ich viele Sachen erst über Gespräche und das Reisebuch Bilbao-Bizkaia erfahren. Zur Universität gab es ausreichend Informationen, aber wenig über die Region, was einen hier erwartet. Geschichte, Kultur, Traditionen – in diese Richtung. Das Positive ist, dass man dann vor Ort Überraschungen erleben kann.

Würdest du wieder Bilbo auswählen für Erasmus?

Auf jeden Fall. Immer wieder.

Viele Baskinnen interessieren sich stark für Deutschland – ein kurzer Eindruck davon, was politisch derzeit in Deutschland los ist?

Ich würde unterscheiden zwischen dem, was viele Leute vor allem im Alltag umtreibt und dem, was öffentlich diskutiert wird. Die öffentlich diskutierten Themen in Talkshows, im öffentlichen Rundfunk und in der Presse beziehen sich häufig auf internationale Fragen. Der erste große Themen-Komplex ist der Ukraine-Konflikt, zu dem es eine große mediale Auseinandersetzung gibt. Daraus folgt ein zweites großes Thema: Die damit verbundene wahrgenommene Bedrohungs-Situation und eine allgemeine Aufrüstungs-Politik. Gerade in meinem Freundeskreis und unter jungen Leuten ist das ein Thema. Wird die Wehrpflicht wieder eingeführt und wohin steuert die Welt insgesamt bei all den Krisen und Kriegen? Ein dritte große Diskussion findet rund um das Thema Migration statt. Das ist, meinem Eindruck nach, in den letzten zwei, drei Jahren zum öffentlichen Thema gemacht worden. Ein Großteil der politischen Diskurse des letzten Bundestags-Wahlkampfs hat sich um die Migrations-Frage gedreht. Obwohl Umfragen zufolge andere Themen bei vielen in der Bevölkerung eine viel größere Rolle spielen. Also zum Beispiel die Mietpreis-Problematik in deutschen Städten. Was insgesamt weniger diskutiert wird, was aber trotzdem viele besorgt, sind Fragen des täglichen Lebens, also steigende Mietpreise, steigende Lebensmittel-Preise. Für nicht wenige Teile der Bevölkerung in Deutschland stellt sich die Frage, wie kann ich mein tägliches Leben finanzieren und wie wird meine Rente in Zukunft noch sichergestellt. Zwangsläufig landet man da in politischer Hinsicht bei Fragen der Chancengerechtigkeit und Vermögensverteilung. Das wird aus meiner Sicht zu wenig diskutiert. Auch der Klimaschutz scheint in Anbetracht der gegenwärtigen globalen Krisen- und Kriegslage kaum noch Thema zu sein. Vielleicht noch ein letzter Punkt: der rasante Aufstieg der rechtspopulistischen Partei der AfD in den letzten zehn Jahren. Auch das treibt viele um. Was sind die Gründe hierfür und wie sollte darauf reagiert werden? Da gibt es zunehmend gespaltene Meinungen in Deutschland.

Wir danken für das Gespräch!

ANMERKUNGEN:

(1) Der baskisch-deutsche Kulturverein Baskale (LINK) arbeitet zu den Themen Migration, Memoria Historica, Euskara, Antifaschismus und bietet alternative Stadtrundgänge in Bilbao, Gernika, Gasteiz, Donostia. Baskale gab das Reisebuch Bilbao-Bizkaia heraus (LINK) (INTERVIEW) und unterhält die Webseite baskultur.info (LINK), auf der in deutscher, baskischer und spanischer Sprache Informationen zu finden sind zu internationalen Themen, vor allem jedoch zu baskischer Kultur und Geschichte (LINK).

ABBILDUNGEN:

(1) Studierende in Bilbao (riadeocio)
(2) Radwege Baskenland (revista oxigeno)
(3) Bilbao (erasmusu)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-09-15)

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