
Historischer Abtreibungs-Streit
Vor genau 50 Jahren hob der Oberste Gerichtshof ein historisches Urteil auf, mit dem mehrere Frauen wegen Abtreibung freigesprochen worden waren, nachdem sie ihre Schwangerschaft freiwillig abgebrochen hatten. Das Landgericht Bilbao hatte in seinem Urteil ihre prekäre wirtschaftliche Lage und ihren mangelnden Zugang zu Verhütungsmitteln berücksichtigt, die Ärzte der Sozialversicherung hatten sie verweigert. Der Staatsanwalt legte Berufung ein und beantragte Strafen für die „Elf von Basauri“.
Während der Franco-Diktatur galt Abtreibung als schweres Verbrechen, ohne medizinische Ausnahmen. Das Regime hob die republikanischen Errungenschaften auf und verbot den Schwangerschafts-Abbruch. 1941 wurde ein faschistisches Gesetz verabschiedet, um „die Geburtenrate zu schützen“. Es sah Freiheitsstrafen für Frauen sowie Berufsentzug für Ärzte vor, die eine Abtreibung ermöglichten.
Der Name der „11 von Basauri“ wurde von der feministischen Bewegung als eine Art ikonischer Slogan gewählt, um all jenen Frauen ein Gesicht zu geben, die in Spanien gezwungen waren, eine illegale Abtreibung vornehmen zu lassen und dabei ihr eigenes Leben zu riskieren. Die Frauen von Basauri stammten aus der Arbeiterklasse, waren zwischen 33 und 46 Jahre alt, verheiratet, hatten ihre Arbeit aufgegeben, um sich um ihre Kinder zu kümmern, und konnten sich kein weiteres Kind leisten.
Acht von ihnen wurden beschuldigt, eine Abtreibung vorgenommen zu haben, und die neunte, dies versucht zu haben – die einzige Unverheiratete, die schließlich ein Kind zur Welt brachte. Für sie forderte der Staatsanwalt sechs Monate und einen Tag Haft sowie elf Jahre besondere Rechtsunfähigkeit. Für diejenige, die die Schwangerschafts-Abbrüche durchgeführt hatte, forderte er sechzig Jahre Haft. Auf der Anklagebank saß auch ihre Tochter, die der Beihilfe und der Abtreibung beschuldigt wurde und daher mit 55 Jahren Haft rechnen musste.
Alle wohnten im Stadtteil El Kalero in Basauri, einer Vorstadt der Hauptstadt, weshalb sie auch als die „Elf von Bilbao“ bekannt waren. Ein Hinweis führte zur Entlarvung der Abtreibungs-Ärztin, die die Namen der neun Frauen nannte, die von der Polizei festgenommen und anschließend in einem Prozess angeklagt wurden, dessen Durchführung für 1979 vorgesehen war, der jedoch dreimal ausgesetzt wurde. Das erste Mal wegen des Nichterscheinens einer der Angeklagten, die in Abwesenheit verurteilt wurde. Man nannte sie weiterhin die „Elf von Bilbao“. Sie wünschten sich, dass der Prozess endlich stattfände und an einem einzigen Tag abgehalten würde, da ihre Ehemänner sonst zwei Arbeitstage verlieren würden. Die feministische Bewegung hingegen interpretierte die Vertagungen als Sieg, da die Richter befürchteten, sie inmitten einer Welle der Solidarität verurteilen zu müssen.

Die Frauenversammlung von Bizkaia, die Feministische Koordinierungs-Stelle des Baskenlandes und Organisationen aus dem ganzen spanischen Staat mobilisierten und organisierten Proteste und Solidaritäts-Kampagnen für ihre Freilassung. Hunderte von Frauen unterzeichneten einen Brief, in dem sie erklärten, dass sie freiwillig abgetrieben hätten. Parallel dazu taten ebenso viele Männer dasselbe und versicherten, dass sie bei der Abtreibung geholfen hätten.
Obwohl die „Elf von Basauri“ zunächst das Gegenteil forderten, akzeptierten sie, als die Verhandlung schließlich 1982 stattfand, dass sie nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollte: Das Ziel bestand darin, das Recht auf Abtreibung, das bis dahin in den privaten Bereich verbannt worden war, in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte zu rücken. Es war kein Prozess gegen elf Frauen, sondern gegen alle.
Neun wurden freigesprochen, verurteilt wurde lediglich die Abtreibungsärztin sowie ein Mann, dem vorgeworfen wurde, eine Frau zur Abtreibung angestiftet zu haben. Oihane López Grande betont in ihrer Abschlussarbeit „Die Verteidigung des Rechts auf den eigenen Körper und die Entstehung der feministischen Bewegung. Abtreibungs-Prozesse gegen 11 Frauen aus Basauri. 1976–1985“, dass „das Wichtigste und Bedeutendste das Urteil war, das zwei fortschrittliche Präzedenzfälle enthielt“.
„Erstens die Anwendung des Notstands im Rahmen der Verfassung und zweitens die Anwendung des Grundsatzes der Unmöglichkeit der Straftat auf sechs der Angeklagten“. Das heißt, „zum ersten Mal wurde die Annahme außer Acht gelassen, dass die Frauen bereits beim ersten Verstoß schwanger waren“, erklärt Oihane López. „Da es keine Beweise dafür gab, dass die Frauen vor der Durchführung der Abtreibungen schwanger waren, wurden sechs der Angeklagten freigesprochen.“
Nach der Berufung des Staatsanwalts sprach der Oberste Gerichtshof vier von ihnen frei und verurteilte die übrigen zu Geld- und Freiheits-Strafen, wobei sie jedoch von den Amnestien von 1977 und 1979 profitieren konnten. Das Urteil wurde 1985 vom Verfassungsgericht bestätigt – im selben Jahr, in dem von der mittlerweile amtierenden sozialdemokratischen Regierung das Abtreibungs-Gesetz verabschiedet wurde, das durch die mediale und gesellschaftliche Resonanz des Falls der „Elf von Basauri“ vorangetrieben worden war. Das Urteil schuf zwar keinen Präzedenzfall, lieferte aber feministischen Anwältinnen in anderen Verfahren Argumente. Außerdem, wie Oihane López in dem von Euskal Telebista produzierten und von Begoña Atín und Maite Ibáñez inszenierten Dokumentarfilm „Las 11 de Bilbao“ erinnert, „ebnete das Urteil von 1982 den Weg für die Legalisierung der Abtreibung“.
„Sie schämten sich und wurden stigmatisiert, aber heute betrachten viele Frauen sie als Heldinnen“, versichert Oihane López im Film, der Jahrzehnte später die „Elf von Basauri“ würdigt – die Protagonistinnen von „Eine Gedenktafel in meinem Ort“ (Una placa en mi pueblo), einem Podcast von Isabel Cadenas Cañón, der mit dem X. Internationalen Colombine-Journalismus-Preis ausgezeichnet wurde.
„Sie wurden aufgrund sexistischer und patriarchalischer Gesetze vor Gericht gestellt“, erklärte die Autorin der Abschluss-Arbeit „Die Verteidigung des Rechts auf den eigenen Körper und die Entstehung der feministischen Bewegung“ in der Sendung „En Jake“ (EITB). Abtreibungs-Prozesse gegen elf Frauen aus Basauri. „Es ist jetzt sehr wichtig, dass wir wissen, was es gekostet hat, so weit zu kommen“, mahnte die Anwältin und ehemalige sozialdemokratische Ministerin Cristina Alberdi in dem Dokumentarfilm. „Und dass es Rückschläge geben kann.“
ANMERKUNGEN:
(*) „Die 11 von Basauri: der historische Fall, der das Abtreibungsgesetz vorantrieb“ (Originaltitel: Las 11 de Basauri: El histórico caso que impulsó la ley del aborto), Tageszeitung Publico, 2023-01-03 (LINK)
ABBILDUNGEN:
(1) Kampf für Abtreibung (nueva españa)
(2) Kampf für Abtreibungs (nodo 50
(PUBLIKATION ABSKULTUR.INFO 2026-09-09)
