kolu73x00Zehn Jahre Besetzung

Highlight des Monats ist zweifellos das Freundschafts-Länderspiel der baskischen Fußball-Auswahl (Euskal Selekzioa) und des Palästina-Nationalteams im Stadion San Mames von Bilbao. Dabei geht es nicht um ein Ergebnis, sondern um den Ausdruck beispielloser baskischer Solidarität. Drei Wochen vor Anstoß ist das Stadion ausverkauft, der Erlös geht an das UNO-Hilfswerk Palästina. Im Schatten des Sport-Ereignisses steht das 10-jährige Jubiläum der Besetzung eines Schulgebäudes in Bilbao: Karmela.

Azaroa ist das baskische Wort für November. Es wird mit der Aussaat-Zeit in Verbindung gebracht, da es aufgrund günstiger Wetter-Bedingungen eine gute Zeit zum Säen ist.

(2025-11-30)

DAS UNVOLLSTÄNDIGE AUTONOMIE-STATUT

kolu73x30Am 18. Dezember 1979 ratifizierte das spanische Parlament das Autonomiestatut der Autonomen Gemeinschaft Baskenland. Von diesem Jahr bis 1987 fanden die ersten Kompetenzübertragungen statt, es gab eine neue Phase zwischen 1994 und 1996, eine weitere 1999 und dann von 2009 bis 2011. Bis zum Amtsantritt von Pedro Sanchez war es noch eine Menge Kompetenzen, die im Autonomie-Statut vereinbart waren, die der Staat jedoch ohne konkrete Angabe von Gründen nicht vollzog. Generell schauen viele mit Achtung und Neid auf das von baskischen Politikern ausgehandelte Statut, das weiter geht als die Statute aller spanischen Regionen. Doch was vertraglich und über die Verfassung festgelegt wurde, darüber setzen sich spanische Regierungen, egal ob sozialdemokratisch oder postfranquistisch, mit Leichtigkeit hinweg. Dass es mit Sanchez zu neuer Übertragungs-Dynamik kam, lag daran, dass dessen Minderheits-Regierung dringend die baskischen Stimmen brauchte, um politikfähig zu sein.

In einem Monat sind es nun 46 Jahre der Nichteinhaltung des Statuts. Am 31. Dezember 2025 läuft die Frist ab, innerhalb derer die spanische Regierung fest zusagte, die Kompetenzen des Autonomie-Statuts von 1979 vollständig umzusetzen. Die Daten zeigen, dass die baskische Regierung noch fünfzehn fordert, nachdem in den letzten zwei Jahren dreizehn Übertragungen politisch vereinbart wurden, aber nur fünf offiziell umgesetzt wurden.

Mit dem Amtsantritt von Pedro Sánchez war es im Jahr 2018 zu einem neuen Impuls gekommen. Am 10. November 2023 unterzeichneten der spanische Ministerpräsident und der damalige PNV-Präsident Andoni Ortuzar eine Vereinbarung, in der sie sich verpflichteten, “die derzeitige Selbstverwaltung mit der Übertragung der noch ausstehenden Kompetenzen an das Baskenland innerhalb einer nicht verlängerbaren Frist von zwei Jahren abzuschließen”. Später wurde diese “nicht verlängerbare Frist” offiziell auf den 31. Dezember 2025 festgelegt.

Jetzt bleibt noch ein Monat Zeit. Die baskische Regierung legte Sanchez am 8. Oktober konkrete Vorschläge vor zum Abschluss der noch ausstehenden 15 Übertragungen. Zu Recht stellt sich die Frage, ob es möglich sein wird, das zu erledigen, wenn man bedenkt, dass Madrid einigen davon wenig aufgeschlossen gegenübersteht. Denn seit der Unterzeichnung des Amtseinführungs-Abkommens im November 2023 wurden nur fünf Übertragungen abgeschlossen.

In der Gemischten Transfer-Kommission vom 11. März 2024, mit Iñigo Urkullu im Amt, wurden die Nahverkehrszüge und das System der internationalen Aufnahme und sozialen Integration übertragen. Am 16. Dezember 2024, bereits mit Pradales als Ministerpräsident, wurden die Planung und Verwaltung der baskischen Küste sowie die Film- und audiovisuelle Tätigkeit übertragen. Und am 30. Mai 2025 wurde die Übertragung von Funktionen und Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Erteilung von Erst-Arbeits-Genehmigungen (selbstständig oder unselbstständig) für Migrantinnen genehmigt, die ihre berufliche Tätigkeit in der Autonomen Gemeinschaft Baskenland ausüben wollen.

Über die Zuständigkeiten in den Bereichen Meteorologie und Klimatologie, Seenotrettung, das Nationale Zentrum für Maschinenprüfung in Bizkaia, die beitragsfreien Leistungen der Sozialversicherung, die Verwaltung der Schulversicherung, das Arbeitslosengeld und die Arbeitslosen-Unterstützung besteht politische Einigung, aber sie wurden noch nicht in der Gemischten Kommission diskutiert, die voraussichtlich Mitte Dezember zusammentreten wird. Die erforderlichen technischen Arbeiten verzögern sich.

Lehendakari Pradales besteht wo immer er kann darauf, den spanischen Ministerpräsidenten daran zu erinnern, dass Vereinbarungen einzuhalten sind, dass die Arbeiten nicht wie vorgesehen vorankommen, dass es „unverständlichen” Widerstand gibt und dass “Vertrauen schwer aufzubauen, aber leicht zu verlieren ist”. Allerdings ist die Position nicht einstimmig, denn die PSE-Sozialdemokraten als PNV-Koalitionspartner stehen Sanchez näher als dem Baskenland. Sie akzeptieren beispielsweise nicht die Forderung, dass dem Hafen von Pasaia die Einstufung als Objekt “von nationalem Interesse” entzogen wird, damit er übertragen werden kann. Ähnliches gilt für einige andere Fälle. Der PSE-Generalsekretär erklärte, die Übertragungen würden kommen, aber “wahrscheinlich nicht zu dem Zeitpunkt und in der Form, wie es ein Teil der Regierung (die PNV) vorgeschlagen hat”, wobei er die von der PSOE unterzeichnete Vereinbarung außer Acht ließ. (baskultur)

(2025-11-29)

BIZKAIA ERINNERT AN ERMORDETE GAZA-KINDER

kolu73x29Bizkaia “erhebt seine Stimme” für die 20.000 in Gaza ermordeten Kinder. Mehr als 200 Menschen gedenken der Namen aller Kinder, die durch den von Israel verursachten Völkermord ums Leben gekommen sind. Ahmed Farid Mahmoud Abu al-Ros, 9 Jahre; Ibrahim Hassan Khalil Obeid, 4 Jahre; Mai Ibraihim Labad, 0 Jahre ... das sind die Namen von drei der mehr als 20.000 Kinder, die seit Beginn des Völkermords in Gaza ums Leben gekommen sind. Heute wird auf der Plaza Circular in Bilbao ihrer gedacht. Mehr als 200 Menschen lesen die Vor- und Nachnamen dieser Kinder vor, um sie nicht zu vergessen und damit die Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuprangern, die in Palästina begangen wurden und werden.

“Dies ist eine bewegende Gedenkfeier. Wir erinnern an Unschuldige, die für eine Sache starben, die sie nicht einmal kannten. Es ist eine Schande, dass so viele Kinder, die jetzt eigentlich in der Schule sein sollten, ermordet worden sind”, erklärte Juan Luis Ibarra, ehemaliger Präsident des Obersten Gerichtshofs des Baskenlandes. Der Richter war einer derjenigen, die die Namen dieser toten Kinder verlasen, er hob die “weltweite Empörung” hervor, die der von Israel begangene Völkermord ausgelöst hat, und zeigte sich “stolz” auf die Reaktionen im Baskenland. “Immer mehr Menschen schließen sich diesen Mobilisierungen an, die das Geschehen in Palästina anprangern“, betonte Ibarra.

Manuel Lezertua, bis vor einigen Monaten von der baskischen Regierung bestellter Friedensrichter, war eine weitere Person, die die Namen der im Gazastreifen verstorbenen Kinder vorlas. “Das Gefühl der Ohnmacht, das uns angesichts der Ereignisse in Gaza zerfrisst, ist brutal. Mit Aktionen wie dieser erheben wir zumindest unsere Stimme“, reflektierte er. Lezertua räumte ein, dass es ihm weiterhin “schwerfällt, zu begreifen, was in Palästina geschehen ist“: die Verwüstung und der Tod so vieler Tausender Zivilisten durch das Vorgehen der israelischen Armee.

Der Boden war mit kleinen roten Blättern bedeckt, von Mohnblumen, der offiziellen Blume Palästinas. Jedes dieser Blätter enthält einen Samen. “Auf diese Weise können wir eine Erinnerung an diese Kinder mit nach Hause nehmen und so ihrer gedenken“, erklärte CEAR, eine der neun Organisationen, die diese Lesung organisiert hatten. Jedes dieser Blätter enthielt einen Samen, der “für Palästina“ gepflanzt werden sollte, und einen Vers von Mahmoud Darwish, einem Dichter aus diesem Land: “Sie wollen unsere Blumen zerstören, aber sie werden wieder blühen.“

An der Lesung, die bis 22 Uhr dauert und an der verschiedene Gruppen teilnehmen, sind auch palästinensische Flüchtlinge beteiligt. Einer von ihnen ist Fouad Baker, der sich für die Unterstützung seines Volkes durch das Baskenland bedankt. “Israel sagte, man würde nur bewaffnete Männer töten, aber keines dieser mehr als 20.000 ermordeten Kinder war bewaffnet“, betonte er. Baker weist darauf hin, dass der 29. November, das Datum, das für diese Veranstaltung gewählt wurde, kein Zufall ist. „An diesem Tag im Jahr 1947 verabschiedete die UNO die Teilung Palästinas. Die aktuelle Situation ist das Erbe dieser Entscheidung. Seitdem hat der Zionismus die Rechte des palästinensischen Volkes zunehmend verletzt, bis hin zum aktuellen Völkermord.“ (baskultur)

(2025-11-28)

DER MÜLL AUF DER STRASSE

kolu73x28“In vielen Orten Navarras ist das Abstellen von Sperrmüll neben Müllcontainern oder an anderen ziemlich ungeeigneten Orten zu einem fast normalen Anblick geworden. Matratzen, Waschmaschinen, Stühle oder Mikrowellen tauchen Tag für Tag auf Gehwegen oder an Straßenecken auf und verursachen Probleme bezüglich Hygiene, Sicherheit und Verschandelung des Stadtbildes und der Natur. Gesundheit und Umwelt der Bevölkerung und Orte werden beeinträchtigt“, erklärte die Müllbeseitigung Nafarroa bei der Vorstellung einer phantasievollen Initiative.

Die Kampagne an 47 Standorten in Navarra steht unter dem Motto “Wer Sperrmüll illegal entsorgt, begeht eine Straftat“. Für diese Kampagne wurden kleine Müllberge vor historischen Gebäuden aufgebaut – Burgen, Schlössern, Denkmälern – um die Widersinnigkeit von illegaler Müllablage zu demonstrieren. Bislang waren die demonstrativen Müllberge bereits an der Stadtmauer des historischen Artaxoa, in der Nähe des Palasts von Erriberri, neben den Befestigungs-Anlagen von Uxue, gegenüber dem Schloss von Xabier oder neben dem Denkmal von Amaiur zu sehen.

Oscar Rubio, verantwortlich für die Kommunikations-Strategie, betont, dass fiktive Namen wie „die Matratze von Luis“, „der Stuhl von Javi“, „die Waschmaschine von Tere“ und „das Sofa von Ane“ vergeben wurden, um zu unterstreichen, dass dieses Problem konkrete Verantwortliche hat. Wie er sagt, wurden im Jahr 2024 in allen Gemeinden von Navarra rund 13.000 Tonnen dieser Art von Abfällen gesammelt; davon werden etwa 10% auf öffentlichen Straßen hinterlassen, rund 1.300 Tonnen. Das Problem besteht lange nicht nur in Navarra.

Von den sperrigen Gegenständen, die unsachgemäß auf der Straße entsorgt werden, kann nichts wiederverwendet werden, keine einzige Tonne, alles landet auf der Deponie, 30% davon wären als Holz verwertbar. „“Dagegen können wir feststellten, dass bei der Haus-zu-Haus-Sammlung 80% wiederverwendet oder verwertet werden. In Navarra führt die Initiative Emaus 45.000 Haushalteinsätze durch. Trotz dieser Bemühungen betragen die jährlichen Mehrkosten für die Entfernung von Müllsäcken und Sperrmüll von öffentlichen Straßen etwa 220.000 Euro.

Die Kampagne soll nicht nur diejenigen ansprechen, die Sperrmüll einfach irgendwo liegen lassen, sondern auch daran erinnern, dass die Entsorgung dieser Art von Material einfach und zudem kostenlos ist, aber eben mit Vorbestellung und das ist offenbar vielen schon zu viel. Interessierte müssen sich lediglich “an ihre zuständige Stelle wenden, die sie über die verschiedenen Möglichkeiten in ihrer Region informiert, wie die Abholung auf Anfrage zu Hause, die Abholung durch soziale Einrichtungen oder die Abgabe von Sperrmüll an Recyclinghöfen“.

“Was nicht verwertbar ist, ist das, was einfach irgendwo zurückgelassen wird, mit den daraus resultierenden Gefahren für Mensch und Umwelt”, erklärt der Müll-Verantwortliche. Er betont, dass “in Navarra alle Einrichtungen über ausreichende Mittel verfügen, um diese Art von Abfällen ordnungsgemäß zu sammeln, da wir über mehr als 100 feste und betreute Recyclinghöfe, mobile Recyclinghöfe, Recycling-Häuschen und insbesondere den Haus-zu-Haus-Service der Einrichtungen selbst oder von Emaus verfügen”. (naiz-baskultur)

(2025-11-27)

WILLKOMMEN STEINMEIER!

kolu73x27Die baskische Linksfraktion EH Bildu freut sich auf das Kommen des BRD-Präsidenten Steinmeier, wird aber dennoch nicht am Empfang in Gernika teilnehmen. Aber nicht, weil Steinmeier ein enger Freund israelischer Zionisten ist, Netanjahu allen voran, oder weil er in Litauen alte Judenmörder und Nazi-Kollaborateure ehrt – nein! Dieser komplette Steinmeier scheint erträglich, nicht aber die Anwesenheit des Bourbonen Felipe, die als “verletzend“ empfunden wird. EH Bildu hat die Anwesenheit des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier ausdrücklich begrüßt, kritisiert jedoch die Anwesenheit von Felipe de Borbón in Gernika, der als “ ein von Franco installiertes Staats-Oberhaupt“ betrachtet wird.

Die Anwesenheit von Steinmeier „begrüßen“ ...

Womöglich nicht bekannt ist bei EH Bildu, was während Steinmeiers Besuch in Litauen im Juli 2025 geschah. Zusammen mit Premierminister Paluckas legte er einen Kranz am Holocaust-Denkmal in Paneriai nieder (120.000 Menschen wurden von Nazis und litauischen Kollaborateuren ermordet, darunter  70.000 Juden), nachdem die beiden Politiker zuvor auch einen Kranz am Nationaldenkmal für die Opfer des Kampfes um die Unabhängigkeit Litauens niedergelegt hatten, darunter ehemalige Nazi-Kollaborateure, die am deutschen Vernichtungskrieg und am Holocaust teilgenommen hatten. Das heißt, Steinmeier ehrte alte Nazis, bevor er nach Gernika kam. Ganz zu schweigen von seinen ausgezeichneten Beziehungen zu den israelischen Zionisten …

Dass die Unabhängigkeits-Formation kritisiert, dass der spanische Staat “weiterhin nicht die Verantwortung übernimmt, die ihm als Nachfolge-Staat für den Bombenangriff auf Gernika zukommt”, ist keine Überraschung und muss begrüßt werden. Dass hingegen in Bezug auf Steinmeier nur die Geste des deutschen Präsidenten begrüßt wird, da “sie ein Schritt in die richtige Richtung“ sei und diese Zeichen der Nähe zu den Opfern des Bombenangriffs in unserem Land willkommen sind”, zeugt von einer sehr eingeschränkten Sichtweise, wenn gleichzeitig dessen Befürwortung des Völkermords an den Palästinensern und die gleichgültige Haltung zu den Nazis-Opfern in Litauen ausgeblendet wird.

“Diejenigen, die Gernika bombardiert haben, trugen zum Aufbau des Franco-Regimes bei, das wiederum die bourbonische Monarchie wiederherstellte, deren Erbe König Felipe VI. ist“, kritisierte EH Bildu. „Die Stadt Gernika wurde 1937 von der deutschen Legion Condor in Absprache mit dem Franco-Regime und mit Zustimmung von Francisco Franco bombardiert, dem Diktator, der vor fünfzig Jahren in seinem Bett starb und alles ‘gut gesichert‘ hinterließ. Die Wunden dieses Bombenangriffs, dessen letztendliches Ziel die Demütigung des baskischen Volkes und der Angriff auf sein symbolisches Herz war, sind noch immer offen“, erklärte EH Bildu in einer Mitteilung. Zu Steinmeier nichts weiter.

Für die Partei sind die Übernahme von Verantwortung und die Vergebung nach wie vor “eine ausstehende Aufgabe des spanischen Staates, der versucht, seine eigene Verantwortung zu verschleiern: König Felipe VI. hat die Möglichkeit, das Volk von Gernika um Vergebung zu bitten; tut er dies nicht, bedeutet dies, dass er sich weiterhin seiner Verantwortung als Oberhaupt eines von Franco wieder hergestellten Staates entzieht“. (baskultur)

(2025-11-26)

MIKEL ZABALZA, DER BUSFAHRER

kolu73x26Heute ist einer dieser schwer verdaulichen Jahrestage. Schwer verdaulich, weil es nicht nur um eine Erinnerung geht. Denn was vor 40 Jahren geschah ist nicht vorbei, nicht aufgearbeitet, nicht beendet, es liegt allen Betroffenen schwer im Magen. Auch nach so langer Zeit. Die Geschichte spielt zwischen dem nord-navarrischen Ort Orbaizeta und Donostia, San Sebastian. Im ersteren wurde Mikel geboren, im letzteren arbeitete er. Als Busfahrer, der eines Tages nicht an seinen Arbeitsplatz zurückkehrte. Das hatte schwer wiegende Gründe: denn Mikel wurde von der Guardia Civil verhaftet.

Wie diese Paramilitärs auf Mikel kamen, ist bis heute nicht klar. Es handelte sich um eine Fahndung nach ETA-Aktivisten. Mikel war keiner, ebenso wenig die drei anderen, die mit ihm zusammen verhaftet wurden. Mehr als einmal verwechselten die Fahnder Personen, mit brutalen Folgen. Die vier Verhafteten, Mikel, seine Freundin Izaskun, Cousin Manuel und Freund Jon, wurden brutal gefoltert. Wer keine Aussagen machte, wurde gefoltert. Sie hatten nichts auszusagen, was auch. Drei wurden nach Tagen wieder entlassen, ohne Auflagen, ohne Anklagen. Sie waren ja nicht von ETA. Was war mit Mikel? Der sei geflüchtet, hieß es bei den Folterknechten. Bei einem Ortstermin am Bidasoa-Fluss sei er abgehauen, umgeben von GC-Polizisten, in unwegsamem Gebiet. Das glaubte niemand. Es begann eine Suche gegen die Uhr.

Taucher, Rotes Kreuz, Angehörige, viele machten sich auf zum Fluss mit einem Funken Hoffnung. Die wurde nach drei Wochen zerschmettert. Mikels Leiche wurde gefunden an einem Ort am Fluss, der vorher mehrfach abgesucht worden war. Die Folter und der seltsame Fundort ließen nur eine Erklärung zu: Mikel war in der Intxaurrondo-Kaserne der Guardia Civil zu Tode gefoltert worden, danach wurde seine Leiche zum Bidasoa zurück gebracht, heimlich. Die GC blieb bei ihrer Version, gedeckt von der sozialdemokratischen Regierung in Madrid. Der Fall wurde nie aufgeklärt, nie wurden die Verantwortlichen vor Gericht gestellt. Deshalb ist dieser Tag schwer verdaulich geblieben. Insbesondere für die Angehörigen. Bis heute verweigert die – progressive – spanische Regierung die Herausgabe der Akten.

Abgesehen davon sind vierzig Jahre vergangen, und die Wunde ist aufgrund der mangelnden Anerkennung immer noch nicht verheilt. “Es waren Parteien an der Macht, die sich als links bezeichnen, darunter Podemos, Sumar. Das ist ein Staatsgeheimnis, sie können es veröffentlichen, wann immer sie wollen, und wir alle können davon erfahren. Früher haben wir gefragt: Wo ist Mikel? Aber wo ist derjenige, der all das ans Licht bringen muss? Denn es ist das Einfachste, was es gibt, er ist ein Opfer staatlicher Gewalt, warum bringen sie nicht alle Unterlagen aus Intxaurrondo ans Licht, denn dort steht alles geschrieben. Man kann es herausfinden, aber sie wollen es nicht. Warum? Das ist die Frage. Warum haben sie ihn mitgenommen? Warum haben sie ihn getötet? Wie ist ihnen das aus den Händen geglitten? Warum haben sie gefoltert? “Mikel war 32 Jahre alt, als es passierte, jetzt wäre er 72. Wir wissen es bereits, aber wir wollen, dass es uns bestätigt wird. Wir alle wissen es, das Volk weiß es, wir wollen, dass sie es anerkennen”, urteilt ein ehemaliger Arbeitskollege. (baskultur)

(2025-11-24)

DER LANGSAMSTE SCHNELLZUG DER WELT

kolu73x24Eigentlich soll das Eisenbahnprojekt Hochgeschwindigkeits-Zug heißen, doch der Bau bewegt sich eher wie ein Bummelzug aus dem 20. Jahrhundert. Das Hochgeschwindigkeits-Projekt im Baskenland ist gekennzeichnet durch 20 Jahre Verzögerung und eine Investition von 2 Milliarden Euro, seit 2006 mit dem Bau des „baskischen Y” begonnen wurde. Der Name rührt vom Streckenverlauf her, Beginn in Donostia, Abzweigung nach Gasteiz und Bilbo – das ergibt die Form eines Ypsilon.

Als wichtiger Geldgeber drängt die Europäische Union die Staaten Spanien und Frankreich, die Eisenbahn-Verbindung zwischen beiden Ländern zu „beschleunigen”, also auf Hochgeschwindigkeit zu bringen. Dafür ist es unerlässlich, die geplante Infrastruktur im Baskenland fertigzustellen. Das meiste ist gebaut, jetzt vergibt das Verkehrsministerium den Auftrag für die Verlegung der Oberleitung des „baskischen Y” für 86,5 Millionen an eine Unternehmens-Gemeinschaft.

Doch der Hochgeschwindigkeits-Zug ist im Baskenland nach wie vor ein Wunschtraum. Seit Beginn der Bauarbeiten im Oktober 2006, also vor fast zwanzig Jahren, haben die verschiedenen Bauanteile nicht weniger als 2 Milliarden Euro verschlungen und eine Verzögerung von 20 Jahren gegenüber dem ursprünglich geplanten Termin verursacht. Die spanischen und baskischen Behörden geben nicht auf und wollen die Hochgeschwindigkeits-Bahn bis 2030 ins Baskenland bringen.

Dabei müssen nicht nur technische Probleme gemeistert werden, auch mit der Legitimation des Projekts ist es schlecht bestellt. Denn Der AHT-Zug wird im Baskenland kein Verkehrsproblem lösen sondern wie ein Überflieger in Höchstgeschwindigkeit über das Land hinwegfliegen. Denn von Beginn an ging es nur um die Verbindung zwischen Paris und Madrid, oder Paris-Lissabon, und nicht um baskische Lösungen. Dort verlangen viele einen neuen Zug, aber nicht diesen. Denn wie der Name schon sagt, Hochgeschwindigkeit wird nur erreicht, wenn nicht alle 20 Kilometer angehalten werden muss. Das heißt, die Hauptstädte werden bedient, der Rest darf in Zeitlupe zuschauen wie der Zug vorbeirauscht und sich wie seit jeher ins Auto setzen.

„Wir arbeiten intensiv und koordiniert mit der spanischen Zentralregierung und der baskischen Regierung zusammen, was wir auch von Frankreich fordern, damit die baskische Y-Verbindung mit Europa verbunden wird“, wird betont. Die Europäische Union hat gegen Frankreich eine Rüge ausgesprochen, weil sich dort ebenfalls nicht genug tut, denn die Gleise sind nicht kompatibel, eine zweite TGV-Strecke müsste gebaut werden – ein Irrsinn. Dennoch soll die Verbindung Lissabon-Madrid-Paris bis 2035 fertiggestellt und in Betrieb genommen werden.

Während die Verantwortlichen von „nachhaltiger Mobilität“ schwafeln, und von „einem tiefgreifenden Wandel hin zu einer nachhaltigeren Mobilität auf Strecken zu anderen Regionen oder zum übrigen Europa“, ist der Geländeverbrauch enorm. Wer das Baskenland kennt, weiß, dass es weitgehend aus Bergen und Tälern besteht – entsprechend besteht das Ypsilon vor allem aus Tunnels und Brücken, das macht die Sache teuer. Schon lange geplatzt ist die Illusion (oder Lüge), dass der Zug den LKW-Transport entlasten werde, indem Lasten auf die Schienen verlagert werden. So hieß es zu Beginn, um der Bevölkerung die Sache schmackhaft zu machen. Pfeifendeckel, irgendwann wurde zugegeben, dass das nicht funktioniert. Also wirklich nur noch für den westeuropäischen Tourismus. Der Hochgeschwindigkeits-Zug ist nicht nur unnütz, er ist auch der langsamste der Welt. (baskultur)

(2025-11-23)

VÖLKERMORD-GEHILFEN IN GERNIKA

kolu73x23Eine Woche vor dem Besuch des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Gernika, der einen hohen symbolischen Wert hat und als Wiedergutmachung für die Bombardierung der baskischen Stadt durch die Legion Condor im Jahr 1937 gilt, hat Imanol Pradales eine Forderung wieder aufgegriffen, die in den letzten Jahren regelmäßig von nationalistischer Seite gestellt wurde: Wie Berlin vor einigen Jahren sollte die spanische Regierung sich für den Angriff entschuldigen, den die Stadt mitten im Bürgerkrieg erlitten hatte.

Die Debatte ist nicht neu. Während seiner Zeit als Ministerpräsident hatte Iñigo Urkullu (2012-2024) bereits einen Brief an Pedro Sánchez geschickt, in dem er ihn aufforderte, diesen Schritt zu tun. Moncloa lehnte mit der Begründung ab, dass die „Barbarei” nicht vom „Staat” begangen worden sei, dessen legitimer Vertreter die republikanische Regierung war, sondern von „Putschisten”. Dennoch machte er 2022 eine Geste, indem er die Bombardierung zum ersten Mal „verurteilte”.

Drei Jahre später ist die Kontroverse mit ähnlichen Argumenten erneut im Parlament aufgeflammt. Pradales erinnerte in seiner Antwort auf eine Frage der PNV zu seiner „Sicht auf das Baskenland 50 Jahre nach Francos Tod” daran, dass Steinmeier vor einigen Jahren betont hatte, dass „die deutsche Demokratie im Schatten von Diktatur, Krieg und Völkermord entstanden ist“ und dass er dafür eintrat, „die Lehren aus der Vergangenheit lebendig zu halten, um Fehler zu vermeiden, die die Freiheit schwächen“. Das ist angesichts der massiven Militarisierung nichts als heiße Luft.

Nicht für Pradales. „Einige sollten sich das tiefe demokratische Empfinden des deutschen Bundes-Präsidenten zu Herzen nehmen, der in Gernika zu einer Gedenkfeier erscheinen wird, um Wiedergutmachung zu leisten und das begangene Unrecht anzuerkennen“, fügte der baskische Ministerpräsident hinzu, der der Meinung ist, dass die spanischen Institutionen dieselbe Haltung einnehmen sollten.

Denn laut Pradales „fordert das baskische Volk genau dieses Verhalten von denen, die heute die Vertretung dessen übernehmen, was diejenigen, die dieses Unrecht begangen haben, so viele Jahre lang symbolisiert haben“. Pradales: „Niemand zweifelt daran, dass der damalige spanische Staat nichts mit dem heutigen zu tun hat“. Es gehe darum, „Wahrheit und Gerechtigkeit im Sinne von Freiheit und Demokratie zu vertreten“, als Motivation für jegliches Handeln. „Wir fordern vom spanischen Staat nicht mehr und nicht weniger als das, was der deutsche Bundespräsident tun wird“, fügte Pradales hinzu. Damit ist Pradales äußerst schlecht beraten. Neben Gernika wird Steinmeier auch Vitoria besuchen, wo er im Regierungs-Sitz empfangen wird. In Gernika wird Steinmeier angesichts seiner Kriegstreiberei und Unterstützung für den Völkermord in Gaza sicher nicht mit offenen Armen empfangen. (baskultur)

(2025-11-22)

SPIELVERLEGUNG WEGEN VÖLKERMORD

kolu73x22Der zionistische Völkermord in Gaza zieht immer weitere Kreise. Auch und vor allem im Baskenland. Immer mehr Organisationen schließen sich der BDS-Kampagne an. Dass Handels- und Militär-Verbindungen abgebrochen werden sollen ist längst klar. Gleiches gilt für den Sport. Doch da spielen die internationalen Verbände eine missliche Rolle. Russland wurde wegegen seines Krieges in der Ukraine generell von allem ausgeschlossen, Israel kann noch so viele Zivilisten umbringen und es passiert nichts. In der Folge werden die Sport-Veranstaltungen einerseits beklagt und (wie die Spanien-Rad-Rundfahrt) sabotiert. Andererseits haben auch Vereine politische Ansichten und äußern sich mehr oder weniger klar gegen den Genozid. Wäre der baskische Fußballverband nicht eindeutig gegen den israelischen Krieg eingestellt, hätte das viel beachtete Länderspiel mit Palästina in San Mames nicht stattgefunden, Athletic Bilbao ist auf einer Linie.

Auslosungen entscheiden, wen es trifft. Israel gehört geografisch zu Asien, ist aber sportlich Europa angeschlossen, die Zwangs-Begegnungen multiplizieren sich. Die Basketball-Spiele von Gasteiz wurden schon lange vor dem Gaza-Krieg mit Protesten überzogen. Jetzt trifft es die Frauen von Gernika in einem Europa-Cup. Die Vorstellung ist surrealistisch, dass Vertreter eines völkermordenden Staates in der Friedensstadt auflaufen, von Geheimagenten begleitet! Der Verein selbst, ein kleiner Fisch im internationalen Sport-Gefüge ist überfordert. Das Spiel auszutragen würde das Team weithin bekannt machen, eine große Mobilisierung und sicher einen Skandal verursachen. Aus Protest nicht anzutreten hätten Sanktionen zur Folge, ausgerechnet durch den Verband, der zu einem Ausschluss der Israel-Teams nicht in der Lage ist.

Israelische Teams aller Art spielen ihre „Heimspiele“ seit zwei Jahren an wechselnden Orten in Osteuropa. Deshalb hat der Basketball-Club Gernika nun beschlossen, die beiden Spiele des Frauen-Teams gegen das israelische Team in Bulgarien hinter verschlossenen Türen auszutragen. Das bedeutet, ohne Fans zu spielen. Der Vorstand betonte, die Zukunft des Vereins sei in Frage gestellt, wenn die Spiele nicht ausgetragen würden. „Wir möchten klarstellen, dass das Überleben des Vereins aufgrund der damit verbundenen sportlichen und wirtschaftlichen Sanktionen und Konsequenzen ernsthaft gefährdet ist”, erklärten sie. Aus ihrer Sicht macht sie dieser Umstand auch „zu indirekten Opfern eines Kontextes, der sich unserem Willen entzieht, insbesondere wenn man die strukturelle Fragilität des Frauensports und die begrenzten Ressourcen berücksichtigt, mit denen wir tagtäglich arbeiten”.

In ihrem Schreiben machen sie auch deutlich, dass sie ein Sportverein sind, der gegründet wurde, um den Frauenbasketball, die Gleichberechtigung und die Werte der Anstrengung und des Zusammenlebens zu fördern. „Wir befinden uns jedoch in einer Situation, die unseren Handlungsspielraum völlig übersteigt und uns in den Mittelpunkt eines Konflikts stellt, den wir nicht zu lösen haben.“ Der Verein bekräftigt seine „absolute Ablehnung jeder Form von Gewalt“, unabhängig von ihrer Ursache oder Rechtfertigung, „insbesondere in ungerechten und grausamen Situationen, in denen Gewalt gegen die Zivilbevölkerung angewendet wird, wie es derzeit das palästinensische Volk erlebt“.

„Gernika hat eine Geschichte und eine Erinnerung”, fügten sie hinzu, weshalb sie es für sinnlos halten, das Spiel in der Stadt zu austragen, „angesichts der tiefen symbolischen und historischen Bedeutung der Gemeinde und der allgemeinen Stimmung in unserer Gesellschaft”. Ihrer Meinung nach wäre es „moralisch inkonsequent, dass in einer Stadt, die ein universelles Symbol für Frieden und ziviles Leiden in Konflikten ist, ein Spiel stattfindet, das im aktuellen Kontext so viel Sensibilität hervorruft”.

Sozialer Druck

Im Club waren sie sich bewusst, dass sie sich mit dieser Situation auseinandersetzen mussten seit sie Ende Juli bei der Auslosung des EuroCup Women in derselben Gruppe wie die Israelis gelandet waren. Zunächst gab es eine Qualifikationsrunde, nachdem der Qualifikation lehnte der Präsident ab, gegen Elitzur Ramla zu spielen. „Wir sind absolut gegen den brutalen Völkermord in Gaza. Ich würde diese Spiele nicht bestreiten, aber wir werden das im Vorstand analysieren und eine endgültige Entscheidung treffen“. Einige Wochen später hat der Vorstand eine andere Entscheidung getroffen.

Die israelische Mannschaft hatte zu Beginn des Wettbewerbs beantragt, die Spiele als Gastgeber auf dem Platz ihrer Gegner auszutragen, und hat dies bisher sowohl in Ungarn als auch in Portugal ohne Probleme getan. Angesichts des möglichen Szenarios, das sich ergeben könnte, wenn sie zu den ursprünglich festgelegten Terminen in Gernika spielen würden, hat die FIBA die beiden Spiele von Gernika gegen Elitzur Ramla auf Ende November verlegt.

Diese Verzögerung hat Gernika Zeit gegeben, eine komplizierte Situation zu bewältigen, die durch den sozialen Druck in einer Stadt mit kaum mehr als 17.000 Einwohnern noch verschärft wurde. Seit Wochen hängen in den Straßen Plakate, auf denen darauf hingewiesen wird, dass man es nicht akzeptiere, dass eine israelische Mannschaft in der Stadt spiele. Eine Demonstration ist geplant, auch an den Spieltagen 25. und 27. November wird es Mobilisierungen geben.

Gernika ist der Ansicht, dass die Austragung an einem neutralen Ort wie Sofia „die verantwortungsvollste Option“ ist. „Diese Alternative ermöglicht es uns, die reglementarischen Verpflichtungen des Wettbewerbs zu erfüllen, ohne den Werten, für die wir stehen, zu widersprechen.” Die Lösung bedeutet jedoch einen erheblichen finanziellen Aufwand für den Verein. Aus diesem Grund bittet er um die Unterstützung öffentlicher und sportlicher Institutionen, um „die zusätzlichen Kosten zu tragen” und so die Kontinuität eines Projekts zu gewährleisten, das eine „Referenz” im Frauensport ist. (baskultur)

(2025-11-20)

TODESTAG 20. NOVEMBER

kolu73x20Quer über das 20. Jahrhundert verteilt war der 20. November Todestag einer Reihe von Politikern. Kurz nach dem Militärputsch von 1936 starb der Anarchist Durruti durch eine Kugel. Der faschistische Falange-Führer Primo de Rivera wurde von der Republik legal hingerichtet, der spanische Diktator Franco hingegen starb 1975 im Bett. Sicher nicht zufällig wurde am selben Novembertag 1984 der baskische Politiker Santi Brouard in seiner Arztpraxis erschossen. Den ebenfalls baskischen Parlaments-Abgeordneten Josu Muguruza ereilte 1989 dasselbe Schicksal. Denn  Faschisten haben einen Kalender mit roten Kreuzen für überflüssige Zeitgenossen.

Dass der General, Massenmörder und Diktator Franco gerade an einem 20. November abtreten würde, war Zufall. Es hätte auch der 19. sein können oder der 22. Fällig war er allemal. Unter den hier Erwähnten war er der einzige, der keines gewaltsamen Todes starb. Sein Ableben war eine Frage der Zeit, die Diktatur wies schon seit einiger Zeit sichtbare Risse auf. Seit den 1960er Jahren trauten sich viele Arbeiter wieder zu streiken, der von ihm designierte Nachfolger Carrero Blanco war von ETA zwei Jahre zuvor beseitigt worden.

Am heutigen 50. Todestag des Faschistenführers lässt kein Blatt die Gelegenheit aus, etwas Historisches auf die Halbinsel zu blasen. Dabei könnten die politischen Orientierungen unterschiedlicher kaum sein. Für die Linke eine Gelegenheit, auf den unvollständigen oder gescheiterten „demokratischen Übergang“ hinzuweisen. Für die Rechte ein Anlass, sich einmal mehr nicht vom Franquismus zu distanzieren und der Republik selbst die Schuld für den Putsch zu geben. Die klarste Haltung zeigt die Ultrarechte mit VOX an der Spitze, die wollen genau dahin zurück. Zu einem Staat ohne Wahlen, ohne baskische Parteien und Autonomie-Statut, ohne Frauenrechte, ohne Abtreibung, ohne Trans, Gay und Lesben und ohne dieses Gefasel von Klimakatastrophe und Erderhitzung.

Weil seines ein rundes Jubiläum ist, ist Diktator Franco der Star der Stunde. 50 Jahre tot und immer noch aktuell. Die spanische Bevölkerung lässt sich diesbezüglich in drei Gruppen einteilen. Für die erste war Franco der beste Staatschef der spanischen Geschichte. Die zweite Gruppe weiß immer noch nicht, wohin der Opa 1937 verschwunden ist und warum Oma 5 Jahre im Gefängnis war, sie wissen nur, dass Franco daran Schuld hatte. Und die dritte Gruppe weiß nicht, ob Franco ein Fußballer von Real Madrid, ein schlechter Stierkämpfer oder ein beliebter Nachrichtensprecher war (die Jugend). Die ersten beiden Gruppen sind verfeindet, ein wenig Unterricht in Geschichte deshalb nur für die dritte.

Franco (1892 – 1975) war zusammen mit den Generälen Mola (ein Baske aus Navarra) und Sanjurjo einer der Drahtzieher des Militärputsches vom 18. Juli 1936. Seine ersten militärischen Sporen verdiente sich der Galicier als junger Befehlshaber in der spanischen Kolonie Marokko, im Rif-Krieg gegen den Berber-Fürsten Abd el-Krim. Franco zeichnete sich durch Disziplin und Brutalität aus, in ultrarechten und militärischen Kreisen fand er dafür Beachtung und wurde zum jüngsten General Europas befördert.

Dass der militärische Sieg gegen die Berber mit deutschem Giftgas erreicht wurde, steht in keiner Franco-Biografie. „Nach der ersten Niederlage in Marokko bemühten sich spanische Rüstungsexperten um Giftgas aus Deutschland. 1922 schlossen spanische und deutsche Dienststellen einen geheimen Vertrag zum Bau einer Giftgasfabrik bei Madrid“, heißt es in der Broschüre „Ein voller Erfolg der Luftwaffe“ des Arbeitskreises Regionalgeschichte Neustadt. „Die Kabylen waren dem Giftgas wehrlos ausgeliefert. Zehntausende starben unter unbeschreiblichen Qualen. Felder und Trinkwasser wurden verseucht. Der bis dahin erfolgreiche Aufstand brach zusammen.“

Elf Jahre später putschte Franco mit den ihm unterstellten Truppen gegen die spanische Republik (deren Angestellter er war). Auch zu Beginn des Spanienkrieges setzte das putschende Militär Giftgas ein. Anders als die Kabylen verfügten die Republikaner jedoch über einen effektiven Gasschutz“. Franco stand jeweils Pate. Sollte nun jemand fragen, was Giftgas sei … dazu in 10 Jahren zum 60. Jahrestag. – falls dann öffentlich über spanisches Giftgas überhaupt noch gesprochen oder geschrieben werden darf. (baskultur)

(2025-11-19)

ELGOIBAR ERWACHT OHNE FASCHISTEN-KREUZ

kolu73x19Auch im Baskenland stehen auf verschiedenen Bergen noch immer weithin sichtbare Kreuze, die die Franquisten erbauen ließen. Der Streit um Abriss dreht sich um die Frage, ob es sich um religiöse Symbole handelt oder um die Verherrlichung der Diktatur. Weil die Diskussion in der Sackgasse steckt, bleiben die Faschisten-Symbole stehen. Nicht mehr in Elgoibar (nahe Eibar). Nicht zum ersten Mal haben sich Personen aus der Bevölkerung mit Trennschleifern ans Werk gemacht. Die Landschaft um Elgoibar hat sich verändert. Das dortige Kreuz auf dem Morkaiko-Berg wurde zwei Tage vor dem 20. November (Francos Todestag) in den frühen Morgenstunden gestürzt. Dort stand das Kreuz zum Gedenken an Carlos de Borbón y Orleáns. Laut Tagespresse wurden zwei Personen von der Polizei identifiziert.

Das Kreuz wurde nach dem Ende des Krieges in Elgoibar bereits 1936 zum Gedenken an den Fähnrich Carlos de Borbón y Orleáns, einen Onkel des spanischen Ex-Königs Juan Carlos de Borbón errichtet, der nahe Morkaiko starb, er war Teil der Truppen der navarrischen Requetés war, die den Militärputsch unterstützten. Der Memoria-Verein Elgoibar 1936 betonte, dass “die Entfernung dieses Symbols eigentlich eine Pflicht der Stadtverwaltung war” und dass “es sich nicht um einen Angriff auf ein religiöses Symbol handelt”. Im Jahr 2014 hatte die Stadtverwaltung von Elgoibar die Entfernung der Franco-Symbole aus der Stadt angekündigt, verteidigte jedoch die Beibehaltung des Kreuzes mit der Begründung, dass “die Bürger dieses Denkmal anders interpretieren und es nicht mit dem Franco-Regime in Verbindung bringen, weshalb wir es nicht für notwendig halten, es zu entfernen”. Die üblichen Ausreden zur Nicht-Intervention.

Im Jahr 2019 nahm Gogora das Kreuz ebenfalls in seinen Bericht über die Entfernung der Franco-Symbole aus Araba, Bizkaia und Gipuzkoa auf und betonte, dass man “auf eine Neudeutung wartet”. Tatsächlich war Diktator Francisco Franco von 1949 bis 2020 “Ehrenbürgermeister“ der Stadt, bis der Stadtrat ihm einstimmig dieses Amt aberkannte. “Wir arbeiten weiter und haben noch viel vor uns. Da ist Pedro Muguruza, Chefarchitekt der Falange und franquistischer Abgeordneter, der weiterhin der Ehrenbürger von Elgoibar ist und nach dem noch immer eine Allee benannt ist. Da ist das Kreuz von Morkaiko, das zum Gedenken und zur Würdigung der Requetés und der Bourbonen errichtet wurde, die in der Schlacht um diesen Berg gefallen sind”, hieß es damals von Seiten des Memoria-Vereins.

Das Kreuz wurde nämlich vom Architekten Pedro Muguruza entworfen, der in seiner Karriere das Sagrado Corazón von Bilbo, den Cristo de Urgull oder das Valle de los Caídos de Cuelgamuros stehen hat. Muguruza hatte jahrelang eine Allee in der Stadt in Guipúzcoa, und die Umbenennung war jahrelang Gegenstand von Streitigkeiten. Die endgültige Namens-Änderung erfolgte 2022.

Der Stadtrat will eine Neudefinition

In einer Erklärung erinnerte der Stadtrat von Elgoibar daran, dass “seit Jahren historisches und demokratisches Gedächtnis“ betrieben werde und dass es “immer Absicht war, die Interpretation dieses Kreuzes zu ändern“. Aus diesem Grund sei das Schild entfernt und das Kreuz als einfacher Zeuge der damaligen Ereignisse belassen worden, um an die Opfer von damals zu erinnern. Ein faschistisches Kreuz als Erinnerung an wen?

Der Stadtrat wies darauf hin, dass Experten empfohlen hätten, das Kreuz nicht abzureißen, „weil dies angemessener sei, um das demokratische Gedächtnis von Elgoibar zu beleben”. Vorgeschlagen wurde stattdessen, eine Tafel anzubringen, die „dem Kreuz eine neue Bedeutung gibt”. Daneben sollte es in die Route der Erinnerung aufgenommen werden, um „die Geschichte und das demokratische Gedächtnis” der Stadt zu verbreiten. Eine ziemlich seltsame Auffassung von Erinnerung an die blutige Diktatur.

Doch für die rechte Stadtverwaltung „vermittelt das Kreuz mit seiner Größe und seiner Lage gegenüber den Massengräbern von Zirardamendi ein Bild vom Ausmaß des Grauens des Krieges und vom totalitären Charakter des Franco-Regimes“, seine Entfernung bedeute „die Auslöschung dieser Realität“. Tatsächlich war und blieb es (bis gestern) ein Ausdruck der Verherrlichung dieser Diktatur und seiner Opfer. Bekräftigt wurde zudem, das Kreuz von Morkaiku sei für die Einwohner von Elgoibar “kein Ort der Verherrlichung des Franco-Regimes“, es habe seine ursprüngliche Bedeutung verloren (einfach so) und werde mit Bergsteigen und als “Symbol unseres Dorfes identifiziert”.

PNV: “Eine Niederlage der Erinnerung“

Folgerichtig ist die Beseitigungs-Aktion für die rechtsbaskische PNV von Elgoibar reiner “Vandalismus“. Eine Gruppe von Menschen habe “ein Element aus unserer Landschaft entfernt, das Teil unserer gemeinsamen Geschichte ist”, wurde erklärte. Nach dieser Logik müssten alle Symbole der Diktatur erhalten bleiben, um an deren schrecklichen Charakter zu erinnern – und ganz nebenbei den Faschisten von heute die Gelegenheit zu bieten, vor diesen Symbolen ihre Verherrlichungs-Feiern durchzuführen.

Für die PNV jedoch war der “Wert” des Kreuzes “Teil eines größeren historischen Weges, eines Erbes, das nicht durch einseitige Entscheidungen oder Handlungen, die den demokratischen Weg des Dialogs meiden, amputiert werden darf”. Niemand dürfe sich zum Sprachrohr der Bürger erheben, um seine Meinung mit Gewalt durchzusetzen”. Eine überraschende Argumentation, denn bisher hatte die PNV ihrerseits alle anderen Meinungen blockiert. Für die PNV hat „heute die Erinnerung verloren”, da das Kreuz von Morkaiko „von franquistischen Symbolen befreit“ war und kurz davor stand, “eine neue Bedeutung zu erhalten”. Aus diesem Grund forderte sie Aufklärung und Bestrafung. (naiz-baskultur)

(2025-11-18)

9.100 LEERSTEHENDE WOHNUNGEN

kolu73x18Die Rede ist nicht von einem Land oder einer Region, sondern von einer Stadt: Bilbao, Hauptstadt der baskischen Provinz Bizkaia, mit 350.000 Einwohnerinnen. 9.100 leerstehende Wohnungen ist eine stattliche Zahl, vor allem angesichts des Wohnungs-Notstands, der seit Jahren herrscht. Es handelt sich um eine offizielle Zahl, und wie bei offiziellen Zahlen üblich, steht dahinter eine Dunkelziffer ´, die höher ist, vielleicht sogar deutlich höher. Ein wahre Katastrophe! Leute leben auf der Straße, finden keine bezahlbaren Mietwohnungen, können ihre Mieten nicht mehr bezahlen, werden zwangsgeräumt. Im Hintergrund: Spekulation, Tourismus, Passivität der öffentlichen Hand und eine Hausbesitzer-Mentalität, die besagt, dass Vermieten immer Probleme bringt und deshalb gerne auf diese Nebeneinnahme verzichtet wird. Wohnungen sind zum gesellschaftlichen Problem Nummer Eins geworden. Dass Eigentum auch verpflichtet, ist zum schlechten Witz geworden.

Während viele darauf warten, dass die Stadtverwaltung ermittelt, wie viele dieser 9.100 Wohnungen in einem bewohnbaren Zustand sind, um auf den Markt zu kommen, ist die Zahl bedrohlich: an die Zehntausend Wohnungen wurden in den vergangenen zwei Jahren in der Hauptstadt als leerstehend ermittelt. Die Feststellung ist einfach: wo niemand registriert ist, oder wo kein Wasser oder Strom verbaucht wird, lebt auch niemand. Aber wo befinden sich dieser Leerstand? 56% der ungenutzten Immobilien befinden sich in den Stadtteilen Abando (Innenstadt), Deusto (Universität) und Ibaiondo (wo die Not am Sschlimmsten ist). In den Nobel-Stadtteilen Indautxu und Abando, dem Gebiet mit dem höchsten Familien-Einkommen der Stadt, befinden sich 2.460 Wohnungen ohne Bewohner. Ihre Eigentümer ziehen es vor, sie geschlossen zu halten, anstatt sie auf den Markt zu bringen, selbst wenn die Mietpreise 1.000 Euro pro Monat übersteigen. Wer auf 12.000 Euro pro Jahr verzichtet, hat Geld, zu viel Geld.

Die Stadt versucht zu reagieren: ab 2027 soll die Grundsteuer für diesen Leerstand erhöht werden von 25 % auf 75 %. Wer bisher eine durchschnittliche Grundsteuer von 500 Euro bezahlt hat, soll künftig bis zu 375 Euro Steuern mehr zahlen, weil die Wohnung leer steht. Prozentual scheint die Erhöhung deftig zu sein, aber wer auf 12.000 Euro verzichtet, zahlt gerne noch 400 drauf, um seine Ruhe vor Mietern zu haben.

Die Gründe für die Nicht-Nutzung sind laut Rathaus unterschiedlich. „Es gibt Leute, die warten, bis ihre Kinder groß sind und dort einziehen, andere, die sich nicht über Erbschaften einigen können, in Zentrumsnähe handelt es sich um große Wohnungen, die sie aufteilen möchten.“ Der Grundsteuer-Aufschlag gilt für alle, obwohl es Ausnahmen und Vergünstigungen gibt, beispielsweise, wenn die Eigentümer in ein Pflegeheim gezogen sind.

Am wenigsten betroffen Txurdinaga

Ibaiondo und Deusto sind die beiden nächsten Bezirke mit den meisten leer stehenden Wohnungen: 1.525 bzw. 1.210 Immobilien. Es folgt das Arbeiter-Viertel Rekalde mit 1.086 ungenutzten Wohnungen. In Uribarri wurden 971 Immobilien ohne Mieter ausfindig gemacht, in Begoña 847, in Basurto-Zorroza 834 und an letzter Stelle steht Otxarkoaga-Txurdinaga (wo niemand hin will) mit 258 Wohnungen, die seit mindestens zwei Jahren leer stehen. So viel Leerstand ist ein als direkter Aufruf zu verstehen, Leerstand zu besetzen – was immer mehr Leute gezwungenermaßen auch machen.

Nach Berechnungen der Stadtverwaltung bedeutet die Erhöhung des Zuschlags, dass für eine leerstehende Wohnung „durchschnittlich 180 Euro” mehr Grundsteuer zu zahlen sind – ein Witz. Wenn 2027 damit begonnen wird, werden wir im Folgejahr oder 2029 wissen, ob die Maßnahme einen Effekt hatte. Bis dahin bitte Geduld unter allen Wohnungs-Suchenden. Die endgültige Erhöhung hängt vom Katasterwert der Immobilie ab. Im Jahr 2025 zahlten die Besitzer von leer stehenden Wohnungen in Otxarkoaga durchschnittlich 225 Euro, die in Abando 537 Euro.

Die Verordnung über die Erhöhung der Grundsteuer für Leerstand enthält übrigens eine weitere mögliche Maßnahme: die zeitweise Enteignung von Wohnungen, wenn die Eigentümer sich hartnäckig zeigen. Das klingt revolutionär und ist nichts als heiße Luft, es passt aber nicht zu einer Politik, die hartnäckig neoliberal daherkommt und deren oberstes Gebot der Schutz von Privateigentum ist. Ob das verpflichtet oder nicht, war schon immer scheißegal. Schließlich leben wir im Kapitalismus. (baskultur)

(2025-11-17)

SOLIDARISCHES FREUNDSCHAFTS-SPIEL

kolu73x17Dass die Fußball-Auswahl Palästinas ihr erstes Länderspiel ausgerechnet im Baskenland austrug, war sicher kein Zufall. Nirgendwo sonst wird der zionistische Völkermord in Gaza mit so viel Empathie beobachtet und beklagt, nirgendwo sonst gibt es ähnliche viel Ausdruck von Solidarität mit den Unterdrückten in Palästina. Dabei hatte das baskische Publikum neben der Solidarität mit den Palästinensern noch einen zweiten Grund, erst auf die Straße zu gehen und dann im Stadion beide teams anzufeuern: die Euskal Selekzioa, die baskische Auswahl soll einen offiziellen Status erhalten und bei internationalen Turnieren mitspielen dürfen, so die Forderung der Fans, des Verbandes und der baskischen Regierung. Deshalb werden jährlich „Länderspiele“ ausgetragen gegen namhafte Gegner wie Uruguay, Rumänien oder Venezuela, Bolivien und Tunesien.

Dass die Basken spielerisch das Format dazu hätten, wurde zeitgleich deutlich beim Sieg der spanischen Auswahl gegen Georgien, bei dem die WM-Teilnahme gesichert wurde. Von vier erzielten Toren gingen drei auf das Konto baskischer Spieler, bis zu sechs gehören zur Stammelf. So gesehen spielte am Samstag im Athletic-Stadion San Mames nur das B-Team. Doch das war egal, ohnehin ging es nicht gegen, sondern mit Palästina. Dass sich zu einem solchen Schau-Spiel mehr als 50.000 Menschen aufmachen aus dem gesamten Baskenland, ist eindrucksvoll und symptomatisch, denn Fußball muss nicht immer das sein, als was es gewöhnlich gilt – wichtigste Nebensache der Welt, Opium fürs Volk – es kann auch ein Ausdruck von Solidarität und politischer Forderung darstellen. Wie es der Club Athletic Bilbao bei einem Spiel der Championsleague bereits deutlich machte, als auf der Gegentribüne ein riesiges Transparent in den palästinensischen Farben erschien mit der Aufschrift: An eurer Seite von heute Nacht bis zum letzten Tag. Die UEFA will den Club dafür bestrafen, aber egal.

Weil wichtige Ereignisse ihre Schatten vorauswerfen, begann das Spiel auch nicht erst um 20:30 im Stadion, sondern bereits Stunden zuvor auf der Straße. Gleich zwei Groß-Demonstrationen bahnten sich ihren Weg von der Altstadt zum Fußball-Platz. Erst die institutionalisierte baskische Linke zusammen mit der Organisation Gure Esku Dago, die das Selbstbestimmungsrecht der baskischen Bevölkerung einfordert, eine Stunde später die radikale Linke, von der Solidaritäts-Bewegung über die außerparlamentarisch Gesinnten bis zu den baskischen Ultras, bei denen Faschisten keinen Platz haben, weil sie durchweg links-orientiert sind. Homophobie, Xenophobie oder Anti-Islamismus haben da keine Chance.

Viele Nicht-Fußball-Fans waren zum ersten Mal im neuen Stadion, das noch keine zehn Jahre hinter sich hat. Auf der Gegentribüne waren bunte Blätter ausgelegt, die eine palästinensische Flagge bildeten, vor Anpfiff gab es eine eindrucksvolle Schweigeminute, bei der die baskischen Zuschauer*innen beweisen konnten, dass sie sich nicht nur laut unterhalten können: 50.000 hielten den Mund. Die Palästina-Auswahl zeigte ein Transparent mit „Stop Genocide!“, dazu gab es interkulturelle Musik. Das Spiel selbst war eher langweilig, weil selbst das baskische B-Team ziemlich überlegen war.

Das Publikum, darunter viele Kinder mit ihren Großeltern, brauchte keine Aufforderung, nach dem Spiel noch zu bleiben, weil klar war, dass nun erst richtig gefeiert wurde. Die palästinensischen Spieler trugen ein Transparent über das Feld mit der Aufschrift „Danke ans Baskenland“. Danach verabschiedeten sich die Spieler beider Teams zusammen vor dem Animations-Block der baskischen Ultras, die das ganze Spiel über für Stimmung und die Welle gesorgt hatten (von einigen auf den Platz geworfenen Leuchtfeuern abgesehen). Ein solidarisches Fußball-Fest, das weit über das Baskenland hinaus zur Kenntnis genommen wurde, mit verächtlichen Kommentaren auch in Deutschland und seiner kriegerischen Presse, die bis heute vom „angeblichen Völkermord“ spricht. Der Erlös aus dem Spiel geht an eine palästinensische Menschenrechts-Organisation, auch das soll nicht unerwähnt bleiben. Was folgt ist ein weiteres Länderspiel in Katalonien, unter ähnlichen Vorzeichen: gegen Völkermord, für offizielle Anerkennung. Gora Palestina! (baskultur)

(2025-11-16)

ABTREIBUNGS-GEGNER VOR GERICHT

kolu73x16Einundzwanzig Abtreibungsgegner werden am Montag (17.11.2025) zum ersten Mal in Europa vor dem Richter sitzen. Anti-Abtreibungs-Gruppen, die sich im Rahmen der weltweiten Kampagne „40 Tage für das Leben” organisieren, versammeln sich seit Jahren vor den Askabide-Kliniken in Donostia und Gasteiz, die Schwangerschafts-Abbrüche durchführen, dort belästigen sie Frauen. Am Montag beginnt der Prozess gegen 21 von ihnen wegen „Nötigung”.

Die Abtreibungsgegner, die sich vor der Askabide-Klinik in Gasteiz versammelt hatten, um „Hilfe” anzubieten und Frauen zu belästigen, die 2022 einen freiwilligen Schwangerschafts-Abbruch vornehmen ließen, steht ab Montag vor Gericht. Konkret werden diejenigen vor dem Richter erscheinen, die an den Versammlungen zwischen dem 28. September und dem 4. November teilgenommen haben.

Dieses Verfahren ist möglich nach der Reform des spanischen Strafgesetzbuches. Danach können ultra-katholische Pro-Life-Gruppen, die in der Umgebung von Kliniken aktiv sind, und Ärzte oder Mitarbeiter, die in ähnlicher Weise Schwangerschafts-Abbrüche zu verhindern suchen, mit Freiheitsstrafen belegt werden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass eine „Nötigung” vorliegt, sie fordert fünf Monate Haft, gemeinnützige Arbeit und ein dreijähriges Verbot, sich der Klinik auf weniger als hundert Meter zu nähern.

Zur Erinnerung: diese Personen näherten sich den Kliniken, nachdem sie sich über die Website von „40 Días por la Vida“ organisiert hatten, einer ultrakatholischen Bewegung, die sich als „der Anfang vom Ende der Abtreibung” definiert und ihren Ursprung in den Vereinigten Staaten hat, wo sie sich rühmt, „25.800 Leben gerettet” zu haben.

In einer Pressemitteilung der Vereinigung der akkreditierten Kliniken für Schwangerschafts-Abbrüche (ACAI) und Askabide wird gefordert, dass beim Verfahren festgestellt wird, dass die Mitglieder dieser Bewegung unter anderem „versuchten, das Recht auf Abtreibung zu beeinträchtigen und zu behindern”. Die Direktorin der Klinik Askabide in Donostia hofft, dass mit diesem Verfahren in Gasteiz ein Präzedenzfall geschaffen wird, da es das erste Mal in Europa ist, dass so viele Abtreibungsgegner vor Gericht stehen. „Das allein ist schon ein Sieg für uns”. Sie erinnert daran, dass Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden und die Abtreibungsgegner mindestens 100 Meter Abstand zu den Kliniken einhalten müssen. Im Fall der Klinik in Bilbao wurde dieser Mindestabstand „nicht eingehalten”.

„Sie sind ser gut organisiert“, obwohl der Anführer der Bewegung in Spanien nicht derselbe ist wie in den Vereinigten Staaten, „sind sie ziemlich bekannt“. Hinter dieser Website, auf der man sich für eine Versammlung vor den Kliniken anmelden kann, stehen die katholische Kirche und Personen, die der extremen Rechten nahestehen, erklärt die Direktorin. Darüber hinaus werden die Kliniken in den sozialen Netzwerken als „Völkermörder” bezeichnet.

Die Verteidigung argumentiert, dass die Angeklagten nur beten und dass „das keine Belästigung ist”. Laut der Klinik-Direktorin „wissen sie selbst, dass sie nicht nur beten, dass sie ein Ziel haben und dass sie Plakate zeigen und den Frauen und uns Dinge zurufen. Sich mit Rosenkranz und erhobenem Arm“ zu versammeln, sei kein Beten. „Das Gesetz sagt, dass es sich um Nötigung handelt und sie das nicht tun dürfen“, fasst sie zusammen.

Angstattacken und Wutausbrüche

Infolge der Ereignisse, die am Montag, Mittwoch und Donnerstag dieser Woche vor Gericht verhandelt werden, hatten die Mitarbeiter der Kliniken mit Angstattacken und Wutausbrüchen der von Abtreibungsgegnern aufgehaltenen Frauen zu kämpfen, einige Operationen mussten ausgesetzt werden. „Man muss bedenken, dass es nicht gerade einfach ist, eine Klinik aufzusuchen, um eine Schwangerschaft abzubrechen“. „Für manche ist eine Abtreibung beruhigend, für andere ist es überhaupt nicht einfach.” Sie ist der Ansicht, dass es tatsächlich Zwang ist, einer Frau zu sagen, was sie mit ihrem Körper tun soll: „Frauen dürfen nicht infantilisiert werden.” Wie Askabide in einer Erklärung darlegt, „wird ein universelles Recht der Frauen verhandelt, ob es respektiert wird oder nicht. Die Frauen müssen sich sicher und frei fühlen“. (naiz-baskultur)

(2025-11-15)

ENTLASSEN UND ZURÜCK IN DEN KNAST

kolu73x15Vor vier Jahren wurde die Verwaltung der baskischen Gefängnisse von der Zentralregierung an die baskische Regierung übertragen. Die versucht seither, aus der im Staat üblichen Sonder- oder Rache-Justiz gegenüber den baskischen politischen Gefangenen eine normalisierte Resozialisierung zu praktizieren. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass ETA vor 14 Jahren ihren Widerstand eingestellt, vor 9 Jahren die Waffen übergeben und vor sieben Jahren sich aufgelöst hat. Doch all das ist nicht genug für die spanische Audiencia Nacional, das politische Sondergericht, das alle Urteile gesprochen hat, die AN mischt sich immer wieder in die baskische Praxis ein.

Erneut hat die Staatsanwaltschaft der Audiencia Nacional Berufung eingelegt gegen die Haftverschonung von drei Gefangenen: Agirresarobe, Alberdi und Narváez, die unter Auflagen entlassen worden waren und nun zurück ins Gefängnis müssen. Die baskische Strafvollzugs-Verwaltung hatte auf den Vorschlag der Behandlungs-Ausschüsse für die drei Gefangenen den offenen Vollzug genehmigt. Der wurde von der Staatsanwaltschaft der AN angefochten und ausgesetzt, sodass sie wieder ins Gefängnis zurückkehren müssen.

„Wieder einmal wird 400 Kilometer entfernt gegen die Kriterien entschieden, die die Fachleute der baskischen Strafvollzugs-Anstalten für Häftlinge festlegen, deren Entwicklung im Strafvollzug sie kennen und auf deren Grundlage sie ihre Entscheidung über die Einstufung treffen“, heißt es in einer Mitteilung von SARE, einer Menschenrechts-Organisation, die sich um die Belange der politischen Gefangenen kümmert.

„Leider trifft die Staatsanwaltschaft erneut eine Entscheidung, die nicht auf rechtlichen Kriterien, sondern auf politischen Willensbekundungen basiert. Auf diese Weise wird der Weg zum Zusammenleben, an dem wir von SARE arbeiten, weiterhin behindert“, heißt es. SARE organisiert für Januar erneut die traditionelle Massen-Demonstration in Bilbao für die Rechte der noch etwa 100 verbliebenen Gefangenen, zu der einmal mehr Zehntausende aus dem ganzen Baskenland erwartet werden. (baskultur.info)

(2025-11-14)

ANTIFASCHISTISCHER HEXENTANZ

kolu73x14aFermin Muguruza veröffentlicht “Akelarre Antifascista”, Antifaschistischer Hexentanz, ein Live-Album, das bei seinem Konzert 2025 in Madrid aufgenommen wurde. Der Musiker aus Irun feiert sein vierzig-jähriges Karriere-Jubiläum mit einem Doppelalbum, das das Konzert vor 15.000 Zuschauern im Februar dieses Jahres im Wizink Center enthält. Fermin Muguruza feiert sein vierzig-jähriges Karrierejubiläum mit der Veröffentlichung von “Akelarre Antifascista”. Live in Madrid, ein Album, das am 15. Februar 2025 vor 15.000 Zuschauern im Palacio de los Deportes der Hauptstadt aufgenommen wurde. Das Album, das am 3. Dezember bei Talka Records & Films und Elkar erscheinen wird, fängt die Energie und den Geist einer Nacht ein, die als Begegnung zwischen Generationen, Sprachen und Kämpfen konzipiert war.

Unter einem Titel, der seine Laufbahn zusammenfasst, verdichtet “Akelarre Antifascista” das Repertoire, das den Musiker seit seinen Anfängen bei Kortatu und Negu Gorriak bis zu seiner Solokarriere geprägt hat. Das Werk erscheint in digitaler Form, als Doppel-CD und Dreifach-Vinyl und ist das akustische Zeugnis des Konzerts, mit dem der Künstler aus Irun sein vierzig-jähriges Bühnenjubiläum feierte.

Muguruza bezeichnete diesen Auftritt nach Jahren der Zensur und Hindernissen in der Hauptstadt als “eine Notwendigkeit und einen Akt poetischer Gerechtigkeit”. “Nach Madrid zurückzukehren und dieses Konzert aufzunehmen, bedeutete, einen Kreis zu schließen”, erklärte er. „Dieses Album ist ein Schrei der Liebe und des Widerstands”. Das Album enthält Kollaborationen mit Künstlern, die den Musiker während seiner gesamten Karriere begleitet haben. Darunter die Madriderin guineischer Herkunft Begoña Bang-Matú, die Gruppe Tremenda Jauría, Karlitos Animal (Non Servium), die Tänzerinnen Quinndy und Kuma, die Schauspielerin Itziar Ituño, die palästinensische Gruppe Watani Group und der Bertsolari Jon Maia, der der Stadt Madrid improvisierte Verse auf Spanisch widmete.

Von Ska bis Palästina-Dabke

Das Repertoire umfasst Klassiker aus allen Phasen seiner Karriere. Von “Hay algo aquí que va mal” oder “Sarri, Sarri” von Kortatu bis hin zu “Radio Rahim” und “Euskal Herria Jamaika Clash”. Auch neuere Titel wie “Black is Beltza” und “Yalah, Yalah, Ramallah” sind dabei, die zusammen mit der palästinensischen Gruppe in einer symbolischen Verbindung zwischen dem Baskenland und dem Nahen Osten interpretiert wurden. “Akelarre Antifascista” ist eine Feier der Vermischung, des Engagements und des kulturellen Widerstands, die die Laufbahn von Fermin Muguruza prägen. (baskultur)

(2025-11-13)

PALÄSTINA IST NICHT ISRAEL

kolu73x13Dass die Fußballverbände des Baskenlandes und von Katalonien Freundschaftsspiele mit Palästina austragen ist nicht nur eine Frage von Sport, sondern vor allem eine Frage von Respekt, Anerkennung von Palästina als Volk und Land, sowie ein ausdrücklicher Protest gegen das völkermörderische Vorgehen der zionistischen Staates Israel. Dass beide Spiele ausverkauft sein werden – wovon in der spanischen Profiliga sicher viele Clubs träumen – ist gesichert, in Bilbao bleiben 500 von 54.000 Plätzen. Im Baskenland wird das Spiel zum Highlight der Woche werden.

Negativ überrascht hat jedoch die Ankündigung der beiden Spiele durch den Palästina-Verband. Auf seiner Webseite publizierte der Verband ein Bild mit den Terminen und Uhrzeiten der Freundschaftsspiele sowie die Stadien, in denen sie stattfinden werden, in spanischer Sprache. So weit so gut. Doch im selben Bild werden beide Spiele unter der spanischen Flagge angekündigt. Das führte selbstverständlich sofort zu energischen Protesten, denn Respekt ist bekanntermaßen von Gegenseitigkeit geprägt.

Nun sitzen die Macher der palästinensischen Verbands-Webseite mit Sicherheit nicht in einem Bunker, in dem der Staub aus der Decke bröselt, sondern in einem bequemen Büro in Ägypten oder Jordanien. Unbekannt ist auch die historische Bildung des Autoren der fragwürdigen Bild-Montage, zumindest nachfragen wäre angesagt gewesen. Doch warum soll es diesem Designer anders gehen als Millionen von Touristen aus aller Welt oder auch Migrant*innen aus Lateinamerika oder Afrika, die keine Vorstellung haben, dass sie sich im Baskenland befinden, wenn sie nach Bilbao oder Gernika kommen, und nicht in Spanien. Offenbar wusste dieser Designer nicht, dass die Einladung zum Spiel nicht von einem anerkannten Staat kommt, sondern aus zwei Regionen mit jeweils eigener Sprache und Kultur, die wie Palästina um ihre nationale und internationale Anerkennung ringen.

Schwamm drüber, im Baskenland sind viele einen solchen Umgang gewohnt und schließlich geht es darum, sich den Spaß am Spiel und die Lust am Protest nicht vermiesen zu lassen. Weder von der baskischen Polizei, die Drohgebärden aussendet gegen die Straßenumzüge vor dem Spiel, noch von einem unwissenden Designer. “This is not Spain nor France, you are just entering in the Basque Country“ – mit diesen Worten werden seit Jahrzehnten im Baskenland Tourist*innen empfangen, um sie historisch, politisch und kulturell aufzuklären. Dem Designer in Ägypten wird ein solcher Fehler sicher nicht wieder passieren, etwa bei einem möglichen Spiel in Schottland oder Asturien. (baskultur)

(2025-11-11)

ROSA ZARRA: OPFER-VERLEUGNUNG

kolu73x11In der Ertzaintza herrscht weiterhin Ignoranz in Bezug auf den Fall Rosa Zarra, trotz der offiziellen Anerkennung – mit 30 Jahren Verspätung –, dass sie Opfer eines Ertzaintza-Geschosses war. ESAN, die zweitgrößte Gewerkschaft bei den letzten Wahlen, „fordert” die Entfernung der am Samstag in Donostia angebrachten Gedenktafel. Erneute Herausforderung der Ertzaintza gegenüber ihren politischen Vorgesetzten, im Zusammenhang mit einer tödlichen Aktion. Was hatte 1995 in Donostia zum Tod von Rosa Zarra geführt? Im Rahmen einer Demonstration hatte die Ertzaintza wie so oft wild um sich geschossen. An diesem Tag wurden nicht nur Demonstranten getroffen, sondern eine unbeteiligte Frau, die im falschen Moment am falschen Platz war. Sie wurde durch ein Polizeigeschoss getroffen und starb wenig später an den Folgen.

30 Jahre lang hatten die politisch Verantwortlichen geleugnet, dass Rosas Tod mit der Ertzaintza zu tun hätte. Bis vergangenen März 2025, als die Entscheidung der baskischen Regierung bekannt wurde, Rosa Zarra als Opfer von Polizeigewalt anzuerkennen. Das hatte zur Anbringung einer Gedenktafel durch die Stadtverwaltung von Donostia geführt. Spät, aber immerhin, so die Angehörigen. Doch die Reaktion ließ nicht auf sich warten. Diesmal war es die Polizei-Gewerkschaft ESAN, die ihre Ablehnung zum Ausdruck brachte, die zweitstärkste Gewerkschaft, die die Ertzaintza bei den letzten Wahlen vertrat (32% der Stimmen). In einer Erklärung kritisiert Esan „die beschämende und ungerechtfertigte Entscheidung des Justiz-Ministeriums, Zarra ohne gerichtliches Urteil und ohne neue Beweise als Opfer anzuerkennen”. Folgerichtig fordert ESAN die „die sofortige Aufhebung der Anerkennung” und „die Entfernung der am 8. November angebrachten Gedenktafel”. Bei der Zeremonie hatte der Bürgermeister von Donostia, Jon Insausti, eingeräumt, dass es für das Rathaus „an der Zeit ist, die Schulden” gegenüber der Familie von Rosa Zarra zu begleichen.

Doch ESAN hält an der offiziellen Version fest, die damals erfunden wurde, um die tatsächlichen Ereignisse zu verschleiern, und die sich auf eine frühere Erkrankung von Rosa Zarra bezog. Sie sind der Ansicht, dass „der damalige Innenminister Atutxa öffentlich bestätigt hat, dass kein Zusammenhang zwischen dem Polizeieinsatz und dem Tod bestand”, und argumentiert, dass das Landgericht von Gipuzkoa dies durch die Einstellung des Verfahrens bestätigt habe. „Jetzt, drei Jahrzehnte später das Gegenteil zu behaupten, bedeutet, die Geschichte aus ideologischen Gründen umzuschreiben”. ESAN wirft der Regierung von Lakua vor, „ihre institutionelle Neutralität gebrochen“ und „die Ertzaintza verraten“ zu haben. Bei der Veranstaltung am Samstag bewertete eine der Töchter von Rosa Zarra diese unhaltbare offizielle Version in radikal anderen Worten: „Sie haben gelogen. Atutxa sagte, meine Mutter wäre mit oder ohne Schuss gestorben, und das war gelogen. Die Ärzte schwiegen aus Angst, und die Gerichtsmediziner gaben an, sie habe etwas am Herzen gehabt, wie es bei vielen Frauen ab einem bestimmten Alter der Fall ist“, kritisierte sie. Doch in der Ertzaintza erträgt man nicht die geringste Verantwortung für Polizei-Brutalität. Besonders deutlich wurde dies im Fall von Iñigo Cabacas. (naiz-baskultur)

(2025-11-10)

FUSSBALL GEGEN VÖLKERMORD

kolu73x10San Mames heißt das Fußball-Stadion in Bilbao, im Volksmund „Die Kathedrale“ genannt. Diese Kathedrale wird am Ende dieser Woche ins Blickfeld des Baskenlandes rücken, vielleicht auch in Europa, in jedem Fall jedoch in Israel. Denn was am Samstag als Fußballspiel angekündigt wird, ist viel mehr als das. Auf dem Rasen begegnen werden sich zwei Teams, die baskische Auswahl (Euskal Selekzioa) und die offizielle Auswahl des palästinensischen Fußball-Verbandes. Ein so genanntes Freundschaftsspiel – und gleichzeitig ein Ruf, der durchs ganze Baskenland geht: gegen den fortgesetzten Völkermord in Gaza und im West-Jordanland, für ein freies und selbstbestimmtes Palästina, vom Fluss bis zum Meer. Fußball-Fans und Internationalistinnen aus dem Baskenland haben sich Eintrittskarten ergattert, der Erlös geht an eine humanitäre Organisation, bei mehr als 50.000 Plätzen eine beachtliche Summe.

Doch nicht nur im Stadion soll für die Rechte der Palästinenserinnen demonstriert werden, auch vorher auf den Straßen Bilbaos. Mehrere Gruppen haben zur Teilnahme an einem festlichen Solidaritätsmarsch aufgerufen, um „der Welt zu zeigen, dass das palästinensische Volk ebenso wie das baskische Volk ein Recht auf Freiheit hat” und um „die Stimme für alle ermordeten Menschen zu erheben”. Darunter die Ultragruppen von allen wichtigen baskischen Team aus der ersten, zweiten und dritten Liga, die in Euskal Herria alle links-orientiert sind und nicht wie anderswo wie Neonazis funktionieren. Im Aufruf heißt es, dass „durch den Sport auch die grundlegendsten Prinzipien von unterdrückten Völkern wie dem Baskenland und Palästina vermittelt werden können”. Auf dem Spielfeld San Mames soll es nicht die übliche Trennung geben zwischen Heim- und Auswärts-Team, beide Teams spielen zu Hause.

„Sichtbarkeit, Würde und Hoffnung“

Mohamed Farajallah sprach im Namen der palästinensischen Gemeinschaft in Euskal Herria. Er betonte, dass „das Spiel am Samstag nicht nur ein Fußballspiel ist, sondern eine Umarmung zwischen zwei Völkern, die wissen, was es bedeutet, zu träumen, Widerstand zu leisten und ihre Identität zu bewahren“. Für Farajallah bedeutet es „Sichtbarkeit, Würde und Hoffnung“, das palästinensische Team in San Mamés spielen zu sehen, und eine Gelegenheit, „der Welt zu sagen, dass Palästina existiert und sein Volk weiterhin besteht“. Er fügte hinzu, Sport könne „eine gemeinsame Sprache“ sein und „Brücken bauen kann, wo die Politik versagt“, und erklärte, dass beide Gemeinschaften, die baskische und die palästinensische, „an Gerechtigkeit, Solidarität, den Wert des menschlichen Lebens und Freiheit glauben“. (naiz-baskultur)

(2025-11-09)

DER HEXENORT ZUGARRAMURDI

kolu73x09aDie Rioja-Stadt Logroño hat der Einwohner des baskischen Dorfes Zugarramurdi gedacht, die 1610 vom Inquisitions-Gericht zum Tode verurteilt worden waren. Zwölf Menschen wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil sie der Hexerei schuldig befunden worden waren. Deshalb versammelten sich verschiedene Personen aus Logroño im so genannten Wald der Erinnerung, wo den Opfern des Inquisitions-Prozesses eine symbolische Ehrung zuteil wurde. Zugarramurdi ist ein kleines Dorf im Norden Navarras, dort ist eine große und einfach zugängliche Höhle zu finden, in der sich im Mittelalter Hexentänze und anderes abgespielt haben soll. Weil der kastilische Inquisitor in Logroño (heute Region La Rioja) ansässig war, wurden die Beschuldigten dorthin gebracht, um gefoltert, verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden.

Maßgeblich durchgeführt wurde die Feier vom Historisch-Kulturellen Verein Guardias de Santiago aus Logroño in der 10. Ausgabe der Tagung Die Hexen von Zugarramurdi. An zwölf Ulmen dieses Waldes wurden 12 Figuren aufgestellt, für die ermordeten Personen. Bei diesem Autodafé handelte es sich um einen Prozess der Inquisition, der am 7. und 8. November 1610 stattfand und in dem 53 Personen vor Gericht gestellt und elf zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurden, die meisten von ihnen aus Zugarramurdi und Urdazubi in Navarra, denen Hexerei vorgeworfen wurde. An der Veranstaltung nahm auch ein Dutzend Personen aus Zugarramurdi teil, darunter die Bürgermeisterin und der Bürgermeister von Logroño.

Nach einer poetischen Rede wurde in Form einer Theateraufführung eine Bitte um Vergebung übermittelt, von Logroño an Zugarramurdi und Urdazubi, für „das Unrecht, das diesen Menschen angetan wurde”. Die Rede war von Handlungen, die sich nicht wiederholen dürfen, berichtete ein Mitglied des Kulturvereins. „Historischen Aufzeichnungen zufolge nahmen mehr als 30.000 Menschen an dem Autodafé von 1610 teil, in einer Stadt mit damals nur 6.000 Einwohnern.“ Das Spektakel war gesichert. Überliefert ist auch, dass es ausgerechnet der Inquisitor Alonso de Salazar y Frías war, der dafür sorgte, dass die Hexenprozesse in den folgenden Jahren reduziert wurden. Die Veranstaltung endete mit Tanz und der Darbietung eines Liedes in baskischer Sprache durch einen Logroño-Chor. Damit wurde der Gesang erwidert, den Sängerinnen von Zugarramurdi in vorigen Jahren bei dieser Veranstaltung in Logroño vorgetragen hatten. (baskultur)

(2025-11-08)

BÜSSERGANG NACH GERNIKA

kolu73x08aNa, das kann ja heiter werden! Der deutsche Bundespräsident Steinmeier wird noch diesen Monat nicht nur nach Spanien reisen, sondern auch nach Gernika (wobei das für ihn sicher dasselbe ist). Die rechte Presse berichtet, er werde “nach Gernika reisen, um den Opfern des Bombenangriffs während des Bürgerkriegs zu gedenken“. Anders ausgedrückt: Der Präsident jenes Staates, der momentan in aller Eile einen Krieg mit Russland vorbereitet, Grundrechte einschränkt, den Sozialstaat bis zur Unkenntlichkeit reduziert, Migranten rausekelt und den Antifaschismus als Staatsfeind Nummer eins definiert hat (gleichauf mit „den Russen“) kommt in friedlicher Absicht, in einem Moment größer internationaler Kriegs-Propaganda, um das zu tun, was die Politik in der BRD seit 1945 versäumt hat: sich billig zu entschuldigen.

Frank-Walter Steinmeier wird der erste deutsche Staatschef sein, der die von den Nazis und der Legion Cóndor zerstörte Stadt besucht, eine Tatsache, die seine nicht entnazifizierte Bundesrepublik Jahrzehnte lang zu verheimlichen suchte, bis Historiker-Nachforschungen (in Wunstorf zum Beispiel) keine andere Wahl mehr ließen, als die Verbrechen doch einzugestehen. Anstatt erleichtert „endlich“ zu rufen und sich erfreut zu zeigen über den Gesinnungswandel, werden sich im Baskenland nicht wenige fragen, ob der alemannische Staatschef bei seinem Besuch wohl erzählen wird, dass sein demokratisches Vorzeige-Land bis in die 1970er Jahre emotionslos zugesehen hat, wie die Condor-Kriegsverbrecher ihre jährlichen Treffen veranstalten konnten, um sich an ihren Heldentaten in Coventry, Antwerpen und Gernika zu berauschen. Ihnen sei geantwortet, dass solche Enthüllungen nach wie vor der geächteten deutschen Linken vorbehalten bleiben (falls sie nicht gerade dabei ist, den zionistischen Völkermord in Gaza schön zu reden).

Die Teilnahme eines israelischen Rad-Teams bei internationalen Wettbewerben wird als Sports-Washing bezeichnet – Pink-Washing ist eine Strategie, um Schwule und Lesben dafür zu benutzen, den Ruf einer Stadt oder Marke schönzureden. Für den Auftritt von Steinmeier in Gernika muss ein entsprechender Begriff noch gesucht werden – wie wäre es mit …. Nazi-Washing. In solcher Mission ist der Mann unterwegs, um bei seiner Rückkehr ins Rüstungsland Fotos vorzulegen, die ihn vor einem der weltbekanntesten Friedens-Symbolen zeigt. Um den Schein zu erwecken, dass er und sein Land sich dem “Frieden“ verpflichtet haben, und so die eigenen Landsleute an der Nase herumzuführen und sie von der germanischen Kriegsrhetorik abzulenken.

Nicht wenige werden den Besuch des Hitler-Nachfolgers (als Staatschef ist er das) begrüßen und denken, dass Gernika endlich doch auf einem guten Weg zur Anerkennung durch die Täter ist. Darunter werden auch Linke sein, die seit 50 Jahren – häufig vergeblich – für die Aufarbeitung der Kriegsverbrechen gekämpft haben. Sie werden sagen, dass noch nie ein spanischer Staatschef einen solchen Canossa-Gang nach Gernika unternommen hat und des Steiners Besuch deshlab Vorbild-Charakter habe. Dabei vergessen sie hoffentlich nicht, dass der Mann nicht nur das Gernika-Andenken missbrauchen wird, sondern auch der oberste Heerführer der Genozid-Leugner ist, die Israel ohne wenn und aber unterstützen und den Ukraine-Krieg zu verlängern versuchen, solange es nur geht.

Apopos Ukraine. Jener Krieg in Süd-Ost-Europa hat eine auffällige Parallele zu Gernika und dem Spanienkrieg. Denn den Nazis ging es vor 90 Jahren nur bedingt um die Unterstützung der spanischen Putschisten. In erster Linie wollten sie ihr Kriegsgerät für den geplanten Weltkrieg testen. Dasselbe praktiziert die EU derzeit in der Ukraine, bezogen auf die tödlichen Feldversuche mit Drohnen aller Art.

Gernika wird sich füllen mit Ertzaintza-Schlägern und deutschen Geheimdienstlern, vielleicht lässt sich der eine oder andere Mossad-Agent die Gelegenheit ebenfalls nicht entgehen. Jeglicher Protest wird verboten oder marginalisiert werden – in bester deutscher Tradition. Möglicherweise werden an den Ortseinfahrten Kontrollen eingerichtet, um unerwünschte Besucher*innen fernzuhalten. Kriegsmaßnahmen eben. Bleibt zu hoffen, dass die Bewohner*innen Gernikas ihre Fenster und Balkone schmücken mit dem, was den Deutschen am meisten den Appetit verdirbt: Palästina-Fahnen. Steineier – willkommen bist du auf keinen Fall! (baskultur)

(2025-11-07)

WER HAT DIE DESOKUPA-FASCHISTEN BEAUFTRAGT?

kolu73x07Vor wenigen Tagen gab es aus dem Bilbo-Viertel San Francisco alarm, weil eine faschistische Räumungs-Truppe aufgetaucht war, um die Bewohner eines Hauses einzuschüchtern, die der Eigentümer gerne los werden würde. Dahinter steckt schlichter Terror, der den ehemaligen Türstehern und Beinahe-Bullen gut zu Gesicht steht, sie pflegen enge Verbindungen zu spanischen Neonazis. Die Praxis ist illegal, wird aber von den Behörden geduldet: SA-Methoden. Der Alarm führte schnell zur Mobilisierung, spontan fanden sich Protestler*innen ein, die für eine Situation sorgten, dass die Faschisten-Drohung nicht umgesetzt werden konnte. Von Beginn an anwesend war selbstverständlich auch die baskische Polizei, der ebenfalls kontinuierliche Kontakte zu Ultrarechten nachgesagt wird. Bevor es zu schlimmerem kam, zog der Auftraggeber der Faschisten seinen Auftrag zurück, sodass die Desokupa-Schläger abziehen mussten, unter Polizeischutz versteht sich.

Nicht genannt wurde in den ersten Meldungen der Name des Auftraggebers, den die Sorge um seine Immobilie umtreibt. Diese Lücke füllte nun die größte rechte Tageszeitung der Stadt mit dem Aufmacher: „Ein ehemaliges ETA-Mitglied beauftragt Desokupa, um seine Wohnung in Bilbao zurückzukriegen“. Während sich rechte Leser ins Fäustchen lachten, rieben sich linke Leserinnen die Augen und fragten sich, ob es sich um eine Fake News handelte, oder – wie so oft – um eine Halbwahrheit, deren Inhalt zur Unkenntlichkeit verzerrt war. Tatsache ist, dass es sich tatsächlich um einen ehemaligen politischen Gefangenen handelt, der in Verbindung mit ETA-Aktivitäten einsaß. Doch nicht alle ETA-Gefangenen waren bei ETA. Der Betreffende wurde wegen Unterstützung (nicht Mitgliedschaft) verurteilt, ein kleiner aber feiner Unterschied, auf den die Rechte noch nie besonderen Wert gelegt hat.

Auch solche Leute können Hausbesitzer sein und Helfer rufen, die sie besser nicht gerufen hätten. Der Auftraggeber in diesem Fall sagte zu seiner Verteidigung angeblich, solche „Räumungs-Dienste“ gäbe es im Baskenland nicht, deshalb hätte er eine spanische Firma beauftragt. Ohne zu wissen, dass es sich um Faschisten handele. Das glaubt er sicher selbst nicht. Solche Firmen im Baskenland – das wäre ja noch schöner! Deren Ideologie nicht zu kennen, erfordert derart viel Ignoranz, dass es sich schlicht um eine Lüge handeln muss. Jeder Polizist und Bürgermeister kennt sie, jeder Hausbesetzer und Rechtsanwalt. Dass dieser Auftraggeber psychisch labil ist, entschuldigt ihn ebenso wenig. Denn für bedrohte Mieter ist es dasselbe, von einem Faschisten geschlagen zu werden oder von einem zufälligen Einbrecher. Terror bleibt Terror. (baskultur)

(2025-11-06)

SAUFEN UND KIFFEN

kolu73x06Botellon ist ein Zauberwort in der baskischen Jugend, botella bedeutet Flasche und botellon ist die große Flasche – dahinter steckt das Konzept der Freizeit-Beschäftigung bei Fiestas und am Wochenende. Die Jugendlichen kaufen sich billigen Wein oder Schnapps, mischen das Ganze in großen Flaschen mit Limo, setzen sich in Parks oder auf Plätzen im Kreis und saufen sich den Kragen ab. Das Ganze ist bei Strafe verboten, wird aber derart massiv betrieben, dass die Polizei überfordert ist, ebenso die Eltern. Grundproblem ist, dass es keine adäquaten Treffpunkte für Jugendliche gibt. Die heute 50-Jährigen haben sich noch in Kneipen getroffen, als die Getränke noch nicht so teuer waren, das ist Schnee von gestern. Die „Drogen- und Alkohol-Gesellschaft“ verändert ihre Formen.

Wenn es um Alkohol- und Cannabis-Konsum geht, ist die baskische Jugend Spitzenklasse. Jugendliche beginnen schon im Alter von 13 Jahren mit dem Alkoholkonsum und mit 14 Jahren mit dem Kiffen. Vielleicht nach dem Motto: Jung kaputt spart Altersheime. So jedenfalls ist die neueste Umfrage zum Drogenkonsum in Sekundarschulen zu interpretieren. Sie bringt zwei wichtige Neuigkeiten für das Baskenland. Die erste ist, dass der Konsum psychoaktiver Substanzen bei baskischen Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren weiter zurückgeht. Der Konsum vieler der in diesem Bericht gemessenen Stimulanzien, Beruhiger oder Halluzinogene war noch nie so niedrig. Er befindet sich auf einem historischen Tiefstand, seit das Gesundheitsministerium 1996 mit dieser Umfrage begann. Mit anderen Worten: Die heutige Jugend im Baskenland hat gesündere Gewohnheiten als ihre Vorgänger.

Das ist der positive Aspekt der gestern vorgestellten Umfrage. Der negative Aspekt ist, dass baskische Jugendliche nach wie vor die meisten Joints im ganzen Staat rauchen. Hinzu kommt, dass sie sich am häufigsten betrinken, in der Rangliste vor der Jugend aus Navarra, Aragon und La Rioja, die traditionell ein höheres Alkoholkonsumverhalten hatten als die baskischen Jugendlichen. Bis jetzt.

Im Baskenland konsumieren drei von fünf Jugendlichen regelmäßig alkoholische Getränke. Die Rede ist von einmal im Monat. 23% betrinken sich regelmäßig. Alkohol ist die am weitesten verbreitete psychoaktive Substanz unter Schülern der Sekundarstufe I und II. Die Region zeichnet sich auch dadurch aus, dass die baskische Jugend die ersten in ganzen Staat sind, die Alkohol probieren. Sie beginnen im Alter von 13,7 Jahren mit dem Konsum, ebenso wie Jugendliche in Kantabrien, Navarra und Aragon. Der landesweite Durchschnitt liegt laut der letzten Ausgabe dieser Umfrage namens ESTUDES, die vom Gesundheits-Ministerium veröffentlicht wurde, bei 13,9 Jahren.

Die baskischen Jugendlichen rauchen am meisten Cannabis im ganzen Land. 16,7% konsumieren diese Droge monatlich, fünf Prozentpunkte mehr als der nationale Durchschnitt. Der Unterschied ist noch größer, wenn man sich auf die Jungen und Mädchen konzentriert, die mindestens einmal einen Joint probiert haben. 27% der befragten Jugendlichen geben an, dies getan zu haben. Auf nationaler Ebene liegt diese Quote bei 21%. Diese Daten spiegeln jedoch auch einen positiven Trend wider. Weniger Schüler im Baskenland zwischen 14 und 18 Jahren konsumieren diese Droge regelmäßig. Im Jahr 2019 waren es 21,5% gegenüber derzeit 16,7%. Das Durchschnittsalter für den Beginn des Konsums dieser psychoaktiven Substanz liegt bei 14,8 Jahren.

Tabak

Auch beim Tabakkonsum ist ein rückläufiger Trend zu beobachten. 18,5% der Jugendlichen rauchen regelmäßig einmal im Monat, gegenüber 27% vor sechs Jahren. In diesem Bereich gehört das Baskenland nicht zu den Regionen mit dem höchsten Anteil. Diese Plätze belegen Galicien, Kantabrien und Aragon, obwohl das Baskenland noch drei Punkte über dem staatlichen Durchschnitt liegt. Was den Konsum nach Geschlechtern betrachtet angeht, so hat sich dieser in den letzten Jahren zwar angeglichen, dennoch ist der Konsum von Cannabis und das Trinken bis zur Trunkenheit bei den 14- bis 18-jährigen Jungen im Baskenland weiterhin höher als bei den Mädchen gleichen Alters, während der Konsum von Tabak oder Alkohol in Maßen bei den Mädchen höher ist.

Was Hypnotika (Beruhigungs- und Schlafmittel, mit oder ohne Rezept) auf staatlicher Ebene betrifft – ohne Daten für einzelne Regionen –, geben 17,9% an, diese Substanzen schon einmal probiert zu haben, was den ersten Rückgang beim Freizeitkonsum dieser Substanzen seit 2014 darstellt. Der Konsum ohne ärztliche Verschreibung betrifft 9,5%. Das durchschnittliche Alter, in dem mit dem Konsum dieser Medikamente zu Freizeitzwecken begonnen wird, liegt bei 14 Jahren. Das Gesundheits-Ministerium hebt außerdem hervor, dass das Risikobewusstsein der Jugendlichen hinsichtlich der Auswirkungen von Drogen gestiegen ist.

Zunahme von E-Zigaretten

Eine wichtige Erkenntnis aus der letzten Ausgabe dieser vom Nationalen Drogenplan geförderten Umfrage ist der Anstieg des Konsums von E-Zigaretten und elektronischen Zigaretten im Baskenland. Im letzten Jahr haben 33,9% der baskischen Jugendlichen diese Geräte verwendet. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als in der vorherigen Ausgabe dieser Umfrage, die 2023 durchgeführt wurde. Der steigende Anteil von Jugendlichen, die dampfen, bereitet dem Gesundheits-Ministerium seit Jahren Sorge, da die Ansicht vorherrscht, dass E-Zigaretten den Einstieg junger Menschen in den Konsum anderer Substanzen wie Tabak oder Cannabis erleichtern können. (elco-baskultur)

(2025-11-05)

PELOTA-WANDBILD IN MARKINA

kolu73x05Ein Wandbild in Markina, einer Kleinstadt in Bizkaia, soll das beste der Welt sein, zumindest im Monat Oktober. Es handelt sich um eine Hommage an einen typisch baskischen Sport, das Pelota Vasca, auf Baskisch Euskal Pilota. Geschaffen wurde es von einer argentinischen Künstlerin aus der baskischen Diaspora mit Namen Mikele Irazusta. Dass das Wandbild gerade in Markina angefertigt wurde, ist kein Zufall, denn Markina gilt als die „Universität des Pelota“, zumindest der Version Jai Alai oder Punta Cesta, das mit den gekrümmten und an der Hand festgezurrten Körben gespielt wird und als das schnellste Ballspiel der Welt betrachtet wird. Weswegen die Spielerinnen und Spieler zum Schutz Helme tragen.

Die Straßenkunst des Landkreises Lea Artibai zieht erneut die Blicke der ganzen Welt auf sich. Diesmal hat die Community „Street Art Cities”, eine der größten Plattformen für Straßenkunst weltweit, ein Wandbild in Markina, das von der baskischen Künstlerin und Architektin Mikele Irazusta zu Ehren des Pelota-Spiels geschaffen wurde, zum besten Wandbild des Monats Oktober gekürt.

Das Wandbild wurde von der baskischen Regierung anlässlich des Tages der Diaspora in Auftrag gegeben – hiinter Dispora verbirgt sich die andauernde Verbinundung des Baskenlandes mit den vielen Communities baskischer Auswanderer in der ganzen Welt. Für die aus der Stadt Bahía Blanca in Argentinien stammende Künstlerin ist das Werk „eine Hommage an alle Cesta-Punta-Spieler aus Markina, der Wiege bedeutender Pelotaris (Pelota-Spieler), eines traditionellen Sports, der die baskische Kultur in die Fronton-Spielplätze der ganzen Welt getragen hat”.

Das farbenfrohe Wandbild mit den Maßen 15 x 9 Meter basiert auf dem Entwurf eines alten Fotos, „auf dessen Grundlage ich eine Neugestaltung vorgenommen habe, mit einer Technik, um die Zeichnung zu skalieren und an dieses sechsstöckige Gebäude anzupassen”, erklärte sie. Bei der Auswahl unter den verschiedenen Bewerbungen für die Prämierung hob die Kunst-Plattform sowohl die Hommage an die Pelotaris als auch „die Bedeutung des Sports als Mittel zur Vermittlung von Werten an die neuen Generationen“ hervor. Auf dem Wandbild zu sehen sind zwei Cesta-Körbe, ein von Hand genähter Pilota-Ball vor dem hinteren Teil eines Fronton-Spielplatzes. Dies Frontons bestehen aus einer jeweils kurzen Vorder- und Hinterwand, sowie aus einer langen linken seitenwand, im Fall von Jai Alai (baskisch: das fröhliche Spiel) ist die Seitenwand wegen der enormen Ball-Geschwindigkeit besonders lang. Die rechte Seite der Frontons ist zum Zuschauen geöffnet. (elcorreo-baskultur)

(2025-11-03)

FASCHISTISCHER RÄUMUNGS-VERSUCH

kolu73x03Horus Desokupa hat versucht, eine Familie in Bilbao im Stadtteil San Francisco illegal zu räumen. Dank der Mobilisierung der Nachbarschaft und des Drucks der Bevölkerung musste das faschistische Unternehmen das Haus verlassen. – Am frühen Nachmittag des 3. November erhielten Anwohner einen Hinweis auf die Anwesenheit eines ultrarechten Räumungs-Unternehmens, das versuchte, eine illegale Räumung in einem Gebäude in der Calle Mena in San Francisco durchzuführen. Das von einer Privatperson beauftragte Unternehmen hatte vier Mitarbeiter in schwarzen Poloshirts entsandt, um die Bewohner der Wohnung zu bedrohen. Dank des organisierten Widerstands der Nachbarschaft konnte die Räumung schließlich verhindert werden.

Das Räumungs-Unternehmen wurde in dem beliebten Stadtteil von Bilbao ständig von Einheiten der Ertzaintza-Polizei begleitet. Letztendlich konnte die Räumung nicht durchgeführt werden. Der private Eigentümer des Hauses, der die Räumungsfirma beauftragt hatte, beendete nach Verhandlungen mit den Anwälten der Bewohner den Räumungsversuch. Daraufhin verließ die Firma Horus den Ort.

Sowohl zum Zeitpunkt des Räumungsversuchs als auch bei der Begleitung der Mitarbeiter des Unternehmens zu ihren Fahrzeugen in Zabalburu genossen die Faschisten von Desokupa die Unterstützung der autonomen Polizei. Aufgrund des anhaltenden Drucks der Bevölkerung und der öffentlichen Appelle der Wohnungs-Gewerkschaft AZET, die die Anwesenheit des Unternehmens im Viertel anprangerte, musste das Personal von Horus Desokupa schließlich abziehen.

Horus Desokupa und sein Geschäftsführer

Dank der sichtbaren Kennzeichen auf den Uniformen der Räumer war klar, dass das Unternehmen, das es sich um Horus Desokupa SL mit Sitz in Talavera de la Reina handelt. Die einzige Person, die öffentlich als Bevollmächtigter des Unternehmens auftritt, ist Rafael González Romero, ein alter Bekannter in der Räumungsbranche. Wie in diesem Bereich üblich, begann seine berufliche Laufbahn als Türsteher in einer Diskothek und im Bereich der privaten Sicherheit.

Nach Recherchen von Sistema 161 hat Rafael zuvor für DIO Express 24H gearbeitet und ist neben seiner Tätigkeit als Eigentümer von Horus Desokupa auch bei der Firma D&S beschäftigt. Letzteres wurde im Juni 2024 aus Antsoain (Navarra) ausgewiesen, als es versuchte, eine ältere Frau aus einem Gebäude zu vertreiben, das abgerissen werden sollte.

Hinzu kommt, dass Rafael in seinen sozialen Netzwerken Beiträge geteilt hat, die ihn mit faschistisch geprägten Fußball-Fanclubs in Valencia und Andalusien in Verbindung bringen. Nach öffentlichen Informationen, die im Oktober 2025 an die Medien gelangten, wurde Rafael González Romero in Toledo wegen Drogenhandels verurteilt. Das Urteil lautete auf eine Geldstrafe von 70.000 Euro und eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten.

San Francisco, unter Druck

Das Viertel San Francisco, Epizentrum dieses Räumungsversuchs, ist das Gebiet mit der höchsten Zahl an Zwangsräumungen in Bilbao. Es hat am stärksten unter dem Anstieg der Immobilienpreise gelitten hat und ist am stärksten von der Verbreitung von Touristen-Wohnungen betroffen. Derzeit gibt es in Bilbao mehr als 1.500 Ferienwohnungen, von denen fast die Hälfte in San Francisco und den angrenzenden Stadtvierteln Bilbao la Vieja, Atxuri und Siete Calles konzentriert sind. Dies erklärt auch, warum das Gebiet zu einem der attraktivsten für Investment-Fonds und Banken geworden ist: aufgrund der städtebaulichen Veränderungen, der Gentrifizierung, der Untertunnelung der Eisenbahnschienen und der Einführung des Hochgeschwindigkeits-Zugs.

Da San Francisco außerdem das Viertel ist, in dem am häufigsten Nicht-EU-Ausländer leben, wird es in den öffentlichen Medien oft durch Sicherheits-Diskurse kriminalisiert. Diese Darstellung ging einher mit einer Verschärfung der Kontrollmaßnahmen und Beschwerden über illegale Räumungen, die von der Stadtpolizei mit Gewalt und ohne richterliche Anordnung durchgeführt wurden, insbesondere wenn es sich bei den Mietern um junge Migranten handelte. All dies hat San Francisco zu einem der Gebiete mit der höchsten Polizeipräsenz und der höchsten Dichte an Überwachungskameras im gesamten Großraum gemacht. (elsalto-baskultur)

(2025-11-02)

ANTIFA-PROTEST IN PAMPLONA

kolu73x02Dutzende Personen haben sich am Freitag Nachmittag in Iruñea (Pamplona) versammelt, um gegen die Festnahme von zwei Personen am Vortag während der Protestaktion auf dem Campus der Faschisten-Universität Opus Dei zu protestieren. Zu den Festnahmen war es gekommen bei einer Demonstration gegen die Performance des Ultrarechten Vito Quiles, die schließlich abgesagt wurde. Die Teilnehmer der Kundgebung forderten nicht nur die Freilassung der Festgenommenen, die sich weiterhin in Polizeigewahrsam befinden, sondern nutzten die Gelegenheit auch, um den Faschismus abzulehnen. Sowohl die Jugend-Organisation der offiziellen baskischen Linken, Ernai, als auch die sozialistischen Jugensorganisation GKS hatten aufgerufen. Sie betonten die antifaschistische Haltung im Baskenland und antworteten auf den Faschisten Vito Quiles mit der Feststellung, dass „die Faschisten die Terroristen sind”. Die Mobilisierung verlief ohne Zwischenfälle, im Gegensatz zur vorausgehenden Kundgebung auf dem Campus. Die beiden von der Nationalpolizei festgenommenen Personen wurden nach ihrer Aussage vor dem Bereitschaftsgericht wieder freigelassen.

Reaktionen

Nach dem Medieninteresse wegen der Zwischenfälle distanzierte sich Bürgermeister Asiron (baskische Linke). Dies sei eine Stadt des Zusammenlebens, in der alle Platz haben müssen”. Inklusive Faschisten etwa? Asiron analysierte, die nicht stattgefundene Veranstaltung von Vito Quiles habe zwei Facetten: „Einerseits gibt es Provokateure, andererseits auch Leute, die auf diese Provokationen eingehen”. Ambivalenz ist kein Rezept gegen Faschismus.

Die sozialdemokratische PSN zeigte sich empört über die rechten Gruppierungen, die „versucht haben, ihre Partei mit den Vorfällen in Verbindung zu bringen”. Die Partei bekräftigt ihr Engagement „für das Zusammenleben und den Respekt“ und lehnt „jede Art von Gewalt oder Konfrontation“ ab. Sie erinnert daran, dass die Partei gewarnt hatte, dass der Besuch von Vito Quiles „das Zusammenleben in unserer Stadt zerstören“ könnte.

Zuvor hatte die ehemalige Bürgermeisterin der rechten UPN, Ibarrola, die PSN beschuldigt, „mitschuldig an der Rückkehr des Straßenterrorismus zu sein und der faschistischen Gewalt der Linken“. Im Gegensatz dazu dankte die Europa-Abgeordnete und Nummer zwei von Podemos, Irene Montero, der antifaschistischen Bewegung dafür, dass sie „sich der wichtigsten Aufgabe der Bürger unserer Zeit annimmt, nämlich dafür zu sorgen, dass Universitäten und Straßen sichere Orte sind, frei von Faschismus”.

Quiles bricht seine Tour ab

Der rechtsextreme Agitator hat seinerseits seine Tour durch die Universitäten des ganzen Landes nach den Ereignissen in Iruñea für eine Woche ausgesetzt. Auch an anderen Orten war er auf Widerstand gestoßen, aber nicht so stark wie bei seinem ersten Halt im Baskenland, wo die öffentliche Universität von Navarra ihm den Zutritt verwehrte. Die nächste Station dieser von Hassbotschaften geprägten Tournee waren die Kanarischen Inseln. Quiles hat angekündigt, eine Woche lang die Sicherheit dieser Veranstaltungen zu prüfen. (baskultur)

(2025-11-01)

DIE UMSTRITTENEN STIER-FIESTAS

kolu73x01Wenn es um die Limitierung von Stier-Kämpfen oder Stier-Festen geht, hört der spaß auf. Nicht nur in spanien, auch im Baskenland, Tierschützer*innen machen immer mehr Druck, dem blutigen Spektakeln ein Ende zu setzen und Tierschutz groß zu schreiben. Um Verboten vorzubeugen, deklarierte die spanische Rechte den Stierkampf irrsinnigerweise als Kulturgut, die kleine elitäre Fangemeinde dankt es. Wenn Stierkampf einst ein Geschäft war, so ist es heutzutage ein Subventionsgeschäft, die Arenen füllen sich nicht mehr, nur in Pamplona läuft alles noch auf Hochtouren, dank des internationalen Widerhalls. Das Treiben mit den Gehörnten beschränkt sich bei Weitem nicht nur auf die Stecherei, daneben gibt es allerlei andere Arten von Spielchen mit weniger heftigen Quälereien, die unblutig daherkommen und von männlichen Jugendlichen als Mutproben und Feuertaufen zum Machotum verstanden werden.

Dem will die baskische Regierungs-Koalition (PNV, PSE) per Gesetz Regeln vorschreiben. Geschaffen werden soll ein Rechtsrahmen zur Regulierung populärer Stier-Veranstaltungen, Misshandlung von Tieren soll verhindert und die Teilnahme von Minderjährigen geregelt werden. Bei Nichteinhaltung drohen in den schwersten Fällen Geldstrafen von bis zu 150.000 Euro. Anstatt Verboten wurde im Parlament einen Gesetzesentwurf eingebracht, um den Volksfesten (Freilassung von Jungstieren, Stiere an der Leine) einen "angemessenen, sicheren und garantierten" Rechtsrahmen zu geben, mit dem Ziel, "ihren kulturellen Wert und ihre sozialen Wurzeln zu schützen" – als ob patriarchalische Auswüchse ein besonders schützenswertes Kulturgut wären. Der Text sieht Geldstrafen und mögliche Berufsverbote von bis zu fünf Jahren für diejenigen vor, die gegen die Regeln.

In Araba, Bizkaia und Gipuzkoa finden jedes Jahr etwa tausend Feste dieser Art statt, an denen oft auch Minderjährige beteiligt sind. Bisher gab es keine spezifischen Regelungen. Mit der neuen Verordnung sollen die Sicherheit der Teilnehmer und Tierschutz gewährleistet und die Veranstaltungen mit mehr Rechtssicherheit ausgestattet werden. Der Text verbietet ausdrücklich jede Art von Misshandlung oder Schädigung der Tiere (nicht aber das Töten in der Arena) und legt unter anderem fest, dass weniger als 18 Monate alte Tiere jederzeit geschützt werden müssen.

Der Vorschlag sieht außerdem vor, dass alle Veranstaltungen einer vorherigen Genehmigung durch die Abteilung für Glücksspiele und Veranstaltungen von Lakua bedürfen, und enthält eine Reihe verbindlicher Anforderungen: Versicherungs-Pflicht, tierärztliche Bescheinigungen, Sicherheits-Maßnahmen, Schutzzäune, Identifizierung der für die Veranstaltung Verantwortlichen und Evakuierungspläne.

Darüber hinaus schreibt das Gesetz vor, dass Minderjährige eine schriftliche Genehmigung der Erziehungsberechtigten vorlegen müssen. Minderjährige unter 14 Jahren müssen von Erwachsenen begleitet werden.

Gleichzeitig führt der Text ein Sanktionssystem mit Geldstrafen von bis zu 150.000 Euro und Verboten bis zu fünf Jahren für diejenigen ein, die gegen die schwere Verstöße begehen, insbesondere Tiermissbrauch oder Gefährdung von Teilnehmern. Mit dem Gesetz soll sichergestellt werden, dass die Feste "weiterhin Teil der lokalen Feste im Baskenland sind, aber in geordneter Weise, sicher für die Teilnehmer und mit Garantien für die Tiere". Ein Ding der Unmöglichkeit, sagen nicht nur Tierschützer*innen. Denn jeder Euro Subvention kommt einer Aufforderung zu männlicher Gewalt gleich. (naiz-baskultur)

FOTOS:

(*) Tagespresse

(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-11-01)

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