bengo1Der unendliche Franquismus

Die Überreste von Ramón Bengaray Zabalza, einer bedeutenden Persönlichkeit der republikanischen Volksfront von Navarra und Vorstandsmitglied des Fußball-Clubs CF Osasuna, konnten im November 2025 über DNA-Vergleiche identifiziert werden. Das wurde vom Institut für Historische Erinnerung von Navarra mitgeteilt. Ramón Bengaray war nach dem franquistischen Militärputsch (18. Juli 1936) verhaftet und extralegal hingerichtet worden. Dasselbe Schicksal erlitt der Mechaniker Dionisio Gutiérrez Ijalba.

Auch 89 Jahre nach dem faschistischen Militärputsch gegen die spanische Republik 1936 werden Opfer gefunden, exhumiert und über DNA-Vergleiche identifiziert.

Die Überreste von Ramón Bengaray, Präsident der Volksfront von Navarra und Vorstandsmitglied von Osasuna, der 1936 von den Franco-Anhängern hingerichtet wurde, wurden identifiziert, nachdem sie im vergangenen Sommer in der Gemeinde Muniain exhumiert worden waren. Im Rahmen des Jahresplans des “Ministeriums für Erinnerung und Zusammenleben, Außenpolitik und Baskisch“ durch das Institut für Erinnerung von Navarra und die DNA-Bank mit technischer Unterstützung des staatlichen Unternehmens Nasertic exhumiert worden waren.

Zusammen mit seinen Überresten wurden die Überreste von Dionisio Gutiérrez Ijalba gefunden, einem Bewohner von Iruñea, der aus Aurizberri (span: Espinal) in Nord-Nafarroa stammt und damals ebenfalls hingerichtet worden war. Ramón Bengaray war Mitglied der Izquierda Republicana, der Republikanischen Linken, und eine der bedeutendsten republikanischen Persönlichkeiten der Region. Neben seiner politischen Tätigkeit war er auch als Musiker, Journalist, Drucker und Sportler aktiv. Sow ar er unter anderem von 1931 bis 1935 Vorstandsmitglied des Fußball-Clubs CF Osasuna.

Internationale Zusammenarbeit

bengo2Die Identifizierung der Überreste von Ramón Bengaray wurde durch genetische Proben möglich. Ein in Argentinien lebender Enkel des Ermordeten hatte seine DNA zur Verfügung gestellt, dieser Enkel war vom Forschungsteam unter der Leitung der Historikerin Esther Aldave, Autorin seiner Biografie, ausfindig gemacht worden. Im Fall von Dionisio Gutiérrez gelang die Identifizierung durch Proben, die sein Sohn José Luis zur Verfügung gestellt hatte.

Bis zu Exhumierung der beiden Skelette hatte es keine Unterlagen gegeben, die den Tod der beiden Männer in Muniain belegten. Bengaray wurde in den frühen Morgenstunden des 21. August 1936 zwischen Burutain und Olague von der Guardia Civil festgenommen, solche Verhaftungen wurden von der von Franquisten kontrollierten lokalen Presse in Ausnahmefällen berichtet. Nicht bekannt ist, ob Bengaray in ein Gefängnis gebracht oder direkt zum Ort seiner Hinrichtung geführt wurde. Ebenso wenig bekannt sind die genauen Umstände der Festnahme und Exekution von Dionisio Gutiérrez.

Keiner der beiden ist in den Strafregistern des Provinz-Gefängnisses von Iruñea oder der Gefängnis-Festung von Ezkaba (vor den Toren der Stadt Iruñea-Pamplona) aufgeführt. Die später von den beiden Witwen eingetragenen Sterbedaten (der 24. August im Fall von Bengaray und der 19. August im Fall von Gutiérrez) stimmen mit den bei der Exhumierung erzielten Daten überein.

Die Lokalisierung der Überreste wurde möglich aufgrund der Aussage eines Anwohners aus der Gegend des Fundortes und dank der Zusammenarbeit von antifaschistischen Memoria-Vereinigungen wie Txinparta und AFFNA 36. Durchgeführt wurde die Exhumierung von der Wissenschafts-Gesellschaft Aranzadi, über DNA-Vergleiche aus dem Bestand der Datenbank der Regierung von Navarra konnte die Identität der beiden Franquismus-Opfer schließlich bestätigt werden. Die Angehörigen der Opfer haben sich erleichtert gezeigt angesichts der Exhumierung und Identifizierung der Leichen. Der Enkel von Dionisio Gutiérrez erklärte: “Nach 89 Jahren der Suche und des Schweigens spüren wir drei Generationen später eine befreiende Präsenz”. Bis heute leiden viele Familien im Baskenland und in Nafarroa darunter, dass die Schicksale von einzelnen Familienangehörigen bin heute ungeklärt sind. Die alten franquistischen Garden haben 50 Jahre lang alles unternommen, eine solche Aufarbeitung zu verhindern oder zu sabotieren.

Die Facetten von Bengaray

Bengaray wurde 1896 in Garralda geboren, im navarrischen Norden nahe der Grenze zum französischen Baskenland. Seit 1905 lebte er in Iruñea (span: Pamplona). Er war Bariton-Solist des Stadtchores Orfeón Pamplonés und Gründungsmitglied verschiedener kultureller Einrichtungen wie Los Irunshemes, Los Amigos del Arte (Kunst-Freunde) und des Clubs Larraina. Außerdem spielte er sowohl Pelota wie auch Fußball.

Als Vorsitzender der republikanischen Frente Popular de Nafarroa (Volksfront Navarra) kandidierte er bei den Parlaments-Wahlen 1936 und erhielt 33.719 Stimmen. Nach dem Militärputsch war er gezwungen, unterzutauchen, bis er schließlich verhaftet wurde. Trotz seiner niemals bestätigten Hinrichtung wurde 1937 ein Verfahren zur Beschlagnahmung seines Vermögens eingeleitet, das mit einer Geldstrafe und der Pfändung seiner Druckerei endete – ein solches Vorgehen war bei den Faschisten allgemein üblich, um die Familien der Opfer extra zu bestrafen.

bengo3Seine Witwe, Ramona Zapatero, musste ins Exil gehen, wurde allerdings zur Rückkehr gezwungen und führte einen langen Rechtsstreit, um das Familienvermögen wieder zu erhalten. Das Instituto Navarro de la Memoria (Institut für Erinnerung von Navarra) betrachtet Ramona Zapatero als Beispiel für den Widerstand von Frauen gegen die Repression unter Franco. Dionisio Gutiérrez war Mechaniker, 32 Jahre alt und wohnte in Iruñea. Er stammte aus einer Familie mit linker Ideologie. Sein Bruder Zósimo wurde nach dem Krieg zu lebenslanger Haft verurteilt, und eine seiner Schwestern ging ins Exil nach Frankreich.

Nachdem die Identität der beiden Erschossenen bekannt wurde, betonte Ana Ollo, die Vizepräsidentin der Regierung Navarra und Ministerin für Erinnerung und Zusammenleben die Bedeutung dieser doppelten Identifizierung. Ihrer Meinung nach “werden durch ihre Schicksale die beiden häufigsten Profile der Unterdrückung nach dem Staatsstreich deutlich, sie richtete sich gegen die republikanische politische Elite und gegen die engagierten und sympathisierenden Basis-Aktivisten der Linken”. Ollo wies darauf hin, dass die Repression einen “Ketteneffekt” gegen die Familien hatte, und hob die grundlegende Rolle der Frauen und die dadurch entstandenen Exil-Situationen hervor. Diese Themen gehören zu den Arbeitsschwerpunkten der Abteilung. Außerdem betonte sie, dass diese Identifizierungen die Strategie des Instituts für Erinnerung in Bezug auf Exhumierungen, genetische Identifizierung, Öffentlichkeitsarbeit und Zusammenarbeit mit Memoria-Verbänden bestätigen.

Betroffenheit bei Osasuna

Nach Bekanntwerden der Identifizierung zeigte der Fußball-Club Osasuna in den sozialen Netzwerken “sein Mitgefühl über das Auffinden der Überreste unseres ehemaligen Managers Ramón Bengaray, der 1936 ermordet wurde”. Der Club bekundete “seiner Familie und seinen Angehörigen die Anerkennung und Zuneigung des Vereins”. (*)

ANMERKUNGEN:

(*) “Identifican los restos de Bengaray, líder del Frente Popular navarro y directivo de Osasuna” (Die Überreste von Bengaray, Anführer der Volksfront von Navarra und Vorstandsmitglied von Osasuna, wurden identifiziert), Tageszeitung Gara, 2025-12-13 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(*) Bengaray (katakrak)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-12-13)

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