chilli01Verschwiegene Jugendsünden

Am 10. Januar 1924 wurde der bekannte Bildhauer Eduardo Chillida in Donostia (San Sebastian, Gipuzkoa) geboren. Vor wenigen Tagen war somit sein 100ster Geburtstag. Grund genug für die baskisch-spanische Presse, Nachrufe und Loblieder anzustimmen, und sein Leben Revue passieren zu lassen. In der ehrengeschichtlichen Schreiberei und in Zeitungs-Beilagen wird alles Mögliche erwähnt und breitgetreten, nur nicht seine jugendliche Überzeugung als "radikaler Franquist“. Ein Idol schwankt auf dem Sockel.

Der Schriftsteller und Journalist Hedoi Etxarte holt im kritischen Internet-Portal CTXT nach, was Dutzende von Kolleg*innen zum 100. Geburtstag von Eduardo Chillida verpasst haben: er wirft einen Blick auf die unrühmliche Familiengeschichte von Eduardo Chillida und seinem Vater, beide überzeugte und aktive Franquisten.

Am 10. Januar 2024 jährt sich der Geburtstag von Eduardo Chillida zum 100. Mal. Er wird, wie die Presse in den letzten Dezembertagen 2023 voraussagte, eine der Hauptfiguren dieses laufenden Jahres 2024 sein. Am ersten Januar-Wochenende veröffentlichte die Diario Vasco – die zur Vocento-Gruppe gehörende gipuzkoanische Tageszeitung – eine mehr als 80-seitige Sonderbeilage (u.a. mit Texten des Regierungspräsidenten, des Lehendakari und des Bürgermeisters von Donostia-San Sebastián). Am folgenden Tag widmete ihm El País Semanal seine Titelseite und seinen zentralen Bericht. Und Zazpika – die Sonntagsbeilage der linken baskischen Tageszeitung Gara – vollzog denselben Vorgang. Zur Verblüffung von nicht wenigen Beobachter*innen gibt es jedoch zwei zentrale Themen im Leben des Bildhauers aus San Sebastián, die, obwohl sie öffentlich sind, in diesen drei Heiligen-Erzählungen und in den Berichten über den Autor verborgen bleiben.

Gegenbeispiele

chilli02Im Jahr 2023 wurde an den 50. Todestag von Pablo Neruda erinnert. In den Berichten über diesen Jahrestag vergaß kaum ein Journalist, neben der Würdigung seiner literarischen Werke und seiner politischen Positionen, zwei grundlegende Fragen über den Dichter zu erwähnen: Er vergewaltigte eine Hausangestellte und verließ seine Tochter.

Ebenfalls im Jahr 2023 wurde der 50. Todestag von Pablo Picasso begangen. Wie im Fall von Neruda betonten die Journalisten in allen längeren Berichten, dass dieser großartige Maler und engagierte Gegner des Nazismus und der Barbarei der imperialistischen Kriege sich Frauen gegenüber machistisch und ausbeuterisch verhielt.

Im Namen des Vaters

Am Samstag, dem 6. Januar 2024, brachte die Tageszeitung Diario Vasco eine 84-seitige Farbbeilage mit dem Titel "Eduardo Chillida 100 Jahre". Pedro Sánchez, Präsident der spanischen Regierung (PSOE), steuerte einen Text zum Sonderdruck bei, in dem er an eine Anekdote über die Anfänge des Bildhauers erinnerte: "Der junge Eduardo brach sein Architekturstudium in Madrid ab, um 1942 als Torhüter bei Real einzusteigen, dem Jahr, in dem sein Vater, Pedro Chillida, zum Präsidenten des Vereins Txuri Urdin (Real Sociedad) ernannt wurde. Seine Karriere als Torhüter wurde durch eine schwere Verletzung beendet: Nach fünf Operationen musste er seine Karriere als Fußballer aufgeben. Zum Glück für alle nahm er die künstlerische Tätigkeit wieder auf und fand seinen natürlichen Ausdruck in der Bildhauerei".

Diese Geschichte wird in der Propaganda über Chillida immer wieder erzählt. Obwohl man von einem PSOE-Vorsitzenden erwarten würde, dass er weiß, welche Ideologie der Präsident eines Fußballvereins der ersten spanischen Liga im Jahr 1942 haben musste – mitten im Franquismus – lässt Sánchez dieses Detail außer Acht. Wer also war der Vater von Eduardo Chillida. Und wie schaffte er es, von 1942 bis 1945 Präsident von Real zu werden?

Nun, dieser “aita“, Pedro Chillida Aramburu, war seit 1909 beim Militär und gehörte zu den vier Männern, die im Auftrag der Putschgeneräle (Mola, Sanjurjo und Franco) den Staatsstreich vom 18. Juli 1936 in San Sebastian organisierten. Er gehörte der ultrakatholischen Gruppe “Derecha Vasca“ (DVA – Baskische Rechte) an, die seit der Gründung der Zweiten Spanischen Republik 1931 für die Rückkehr der Monarchie eintrat. Infanteriehauptmann Pedro Chillida war einer der Anführer, die paramilitärische Gruppen für den Putsch organisierten.

Ein Bild zeigt eine Verdienst-Urkunde, die Pedro Chillida (dem Vater des Künstlers) für die Organisation des Staatsstreichs von 1936 und die Teilnahme am Krieg verliehen wurde. Ausgerechnet 1943, im Jahr, in dem er Präsident von Real Sociedad wurde und sein Sohn Eduardo Torwart.

Putschisten-Geschichte

Der Putsch in Donostia wurde von der anarchistischen CNT neutralisiert, der Aufstand drohte zu scheitern. Chillidas Gruppe, die sich aus Aktivisten von DVA und Renovación Española (Spanische Erneuerung) zusammensetzte, löste sich bis zum Mittag des 18. Juli auf, ihre Milizionäre versuchten, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren, um nicht als Putschisten identifiziert zu werden. Am 20. Juli wurde Pedro Chillida jedoch von den Republikanern gefangen genommen. Er wurde bis zum 9. September im Gefängnis von Ondarreta festgehalten und dann an Bord des Gefängnis-Schiffs Arantzazu-Mendi nach Bilbao überführt. Dort blieb er bis zum 14. Dezember, als er in das Carmelo-Gefängnis in Bilbao-Santutxu verlegt wurde. Am 19. Juni 1937 wurde Bilbao von den "glorreichen Truppen" Francos “befreit“ und Pedro Chillida ergab sich den Militärbehörden in San Sebastián bzw. Burgos. Chillida Senior nahm auf der Seite der Franquisten weiterhin am Krieg teil bis zu seinem Ende 1939 und darüber hinaus.

chilli03Pedro Chillida als Präsident des Fußball-Clubs Real Sociedad war ein überzeugter Anhänger des Militärputsches, wie aus seinem Dienstbuch hervorgeht, dem detaillierten Lebenslauf seiner Armeekarriere, den die Infanterie-Armee selbst aufbewahrt und der im Militärarchiv von Segovia eingesehen werden kann. Pedro Chillida jagte bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1951 sogenannte “Rote“ (Republikverteidiger) und wurde sogar Militärrichter in ohne Rechtsgrundlagen geführten Prozessen, in denen er darüber entschied, ob Angeklagte zum Tode verurteilt werden sollten oder nicht. Trotz der überraschenden Undurchlässigkeit des Internets in Bezug auf diese Informationen existieren die monumentalen Werke von Vicente Talón (Memoria de la guerra de Euskadi 1936 / Erinnerung an den Krieg in Euskadi 1936, Verlag Plaza&Janés, 1988); von Manuel Chiapuso (Los anarquistas y la guerra en Euskadi / Die Anarchisten und der Krieg in Euskadi, Verlag Txertoa, 2009); oder Germán Ruiz Llano (Militares y Guerra Civil en el País Vasco. Leales, sublevados y geográficos / Militär und Bürgerkrieg im Baskenland. Loyalisten, Rebellen und Geografien, Verlag Beta, 2019). Darin wird der den Lebensweg jenes Fußballvereins-Präsidenten geschildert, der wie alle in jener Zeit im spanischen Staat glühender Franco-Anhänger war.

Die Fahne im Wind

Niemand sucht sich seine Eltern aus, deshalb sollte auch niemand nach den Taten seiner Eltern beurteilt werden. Das ist weder ein Verdienst noch das Gegenteil. Tatsache ist, dass Eduardo Chillida Junior, immer wenn er seinen Vater erwähnt (z.B. in Conversaciones / Konversationen, herausgegeben von der Tochter des Bildhauers, Verlag La Fábrica, 2021), sich nie von den militärischen Taten seines Vaters distanziert, sondern sehr dankbar für die Unterstützung ist, die er von ihm erhielt.

Alle Schilderungen des Bildhauer-Lebens neigen dazu, verschiedene Momente einzubeziehen, die "sein ethisches und ästhetisches Engagement" sowie sein "staatsbürgerliches Engagement" zeigen (Borja Hermoso, El País Semanal). Auf diese Weise wird versucht, ein politisches Engagement zu zeigen, das den Entwurf des Logos der nach-franquistischen Pro-Amnestie-Kampagne im Jahr 1977 in den Mittelpunkt stellt. Im selben Jahr schrieb Chillida einen Brief an König Juan Carlos I., in dem es heißt: "Die baskischen politischen Gefangenen, die immer noch im Gefängnis sind, werden von einer großen Mehrheit unseres Volkes als Männer betrachtet, die gegen eine unerträgliche Unterdrückung durch den Staat gekämpft haben [...] Ich denke, es wäre von großer Bedeutung, wenn Eure Majestät das Problem der totalen Amnestie mit baskischen Augen sehen könnten". Bis zu ihrem Verbot im Jahr 2001 blieb Chillidas Logo das bis heute wohlbekannte Zeichen der Organisation “Gestoras Pro Amnistia“.

Fast zwanzig Jahre später, im Jahr 1996, wandte sich Chillida an die ETA, um die Freilassung des seit fast einem Jahr entführten Geschäftsmannes José María Aldaya zu fordern, wie sich der baskische Ministerpräsident Iñigo Urkullu erinnert: "Zeigt uns, dass ihr zu einer guten Tat fähig seid. Lasst Aldaya frei und arbeitet mit uns zusammen, um Frieden für alle zu schaffen". Im darauf folgenden Jahr tat er dasselbe angesichts der Entführung und der Morddrohung gegen Miguel Ángel Blanco: "Euer Verhalten schadet dieser Stadt und jedem wohldenkenden Menschen. Lasst Miguel Ángel frei und mit allen zusammen lösen wir die Probleme in Frieden und im Dialog."

Gewaltsamer Zwischenfall

Eine Anekdote jedoch zieht sich durch das Leben von Eduardo Chillida, Xavier Valls (Maler und Vater des ehemaligen französischen Premierministers Manuel Valls) hat sie in seinen Memoiren aufgezeichnet (La meva capsa de Pandora, geschrieben mit Julià de Jòdar, Quaderns Crema, 2003). Sie taucht jedoch in keiner politischen Analyse auf, die Medien über den Bildhauer zeichnen. Diese düstere Anekdote wurde 2011 von Mikel Iturria in seinem Blog Pedradas (Steinwürfe) verbreitet (Übersetzung aus dem Katalanischen, S. 59-61):

chilli04"Am 26. Juni 1949 fand in der Cité Universitaire (in Paris, beim Studienaufenthalt) das traditionelle Gartenfest zum Semesterende statt. Wie jedes Jahr hissten die Pavillons der verschiedenen Staaten ihre Fahnen. Ich erinnere mich an jenen Sonntagmorgen, an dem einige Klassenkameraden im Park auf dem Rasen lagen und zusahen, wie zum ersten Mal seit Jahren die 'Nationalflagge' am spanischen Pavillon gehisst wurde. Oriol Palà war zu Recht wütend, aber wir rieten ihm, nicht so laut zu sprechen, denn ein paar Meter weiter saßen Eduardo Chillida und Pablo Palazuelo (spanischer Maler), die eine eigene Party feierten und kurz zuvor gedroht hatten, dass Franco nicht alle ‘roten Separatisten‘ liquidiert habe. Am Nachmittag begannen die Feierlichkeiten in den Pavillons, und im spanischen servierte die Direktorin Maravall ein Milchshake, dessen Zutaten sie selbst aus Valencia mitgebracht hatte.“

“Plötzlich gab es einen lauten Knall, gefolgt von Schreien, die aus dem Zimmer eines Studenten namens Peres im ersten Stock kamen, der seine Tür nicht abgeschlossen hatte. Jaume Sunyer, Lamote, Perich und ich rannten die Treppe hinauf und fanden Jordi Anguera am Boden liegend vor, der von Palazuelo getreten wurde und blutete, weil ein Zahn seine Unterlippe durchbohrt hatte. Glücklicherweise verhinderten die Ärzte Lamote und Perich, die groß und stark waren, dass Chillida Oriol Palà einen Stoß versetzte, um ihn aus dem Fenster zu werfen, als dieser bereits mit einem Fuß auf der Fensterbank stand, um die spanische Flagge zu erreichen und sie von der Stange zu reißen. Als er am Boden lag, trat Chillida weiter am ganzen Körper auf Oriol ein.“

“Weitere Kollegen kamen hinzu und die beiden finsteren "Kreuzritter des Christenkönigs" verschwanden in der Wohnung der Maravalls, die ihnen Unterschlupf gewährten. Mehr tot als lebendig verbrachte Jordi Anguera die Nacht in meinem Bett und ich schlief auf dem Boden, die Tür fest verschlossen. Oriol Palà, dessen Gesicht so angeschwollen war, dass seine Augen verschwanden, verbrachte die Nacht im Zimmer – er weiß wahrscheinlich selbst nicht mehr, wo – von Sunyer oder August Puig. Der Vorfall erregte große Aufmerksamkeit in der Cité Universitaire, und viele Studenten verschiedener Schulen versuchten abwechselnd, Chillida und Palazuelo daran zu hindern, sich hinauszuschleichen.“

"Lange Zeit hörten wir nichts von den beiden Angreifern, aber jedes Mal, wenn einer von ihnen in der Galerie Maeght ausstellte, ging ich kurz danach dorthin und schrieb, wie in Paris üblich, in das Gästebuch: 'Ich erinnere mich noch an die Gartenparty von 1949'. Es war nutzlos, aber ich war zufrieden, dass ich mein Gedächtnis nicht verloren hatte, wie so viele andere.“

Zweifelhaftes Wiedersehen

Fast dreißig Jahre später, im Jahr 1977 (nach dem Tod Francos und dem Beginn der spanischen Transition) erzählt Xavier Valls die Fortsetzung der Geschichte:

"Anfang März fuhren wir eines Tages mit Pierrette und Théo nach Madrid, um an einem Abendessen teilzunehmen, das die Familie Mignoni anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Galería Theo gab. Nach dem Essen gingen alle von Tisch zu Tisch und Jaime del Valle-Inclán und ich setzten uns an den Tisch des Malers Pepe Caballero und des Kritikers José María Moreno Galván. Während wir mit ihnen etwas tranken, kamen Eduardo Chillida und seine Frau auf uns zu. Pepe Caballero wollte sie uns vorstellen, und Jaime sagte ihm, dass er die beiden über Valls kenne. Ich fügte hinzu, dass ich mich immer an die Ereignisse im spanischen Pavillon in der Cité Universitaire in Paris während der Gartenparty im Jahr 1949 erinnerte.“

“Chillidas Frau wollte mit der Ausrede gehen, dass wir ‘betrunken‘ seien, aber er sagte, es mache ihm nichts aus, wenn ich erkläre, was passiert sei. Die Frau bestand darauf, ich sei besoffen“, aber er bewegte sich nicht weg. Jaime bestand darauf, dass ich Moreno Galván und Pepe Caballero alles erzählte, während er sich vom Tisch entfernte. Ich schilderte die brutale Aggression im Detail, und Eduardo Chillida hörte schweigend zu. In der darauf folgenden Stille erwiderte der Bildhauer, dass es ihm sehr leid tue, dass er unter dem Einfluss seines familiären Umfelds gehandelt habe, weil sein Vater beim Militär war. Ich schlug mit der Faust auf den Tisch und sagte, es sei ziemlich zynisch, als damals 26-Jähriger dem ‘Papa die Schuld zu geben‘. Und dass, wenn alle Kinder von Militärs so gewesen wären wie er, es nur noch wenige Spanier gäbe. Während er mir weiter zuhörte, zog ihn seine Frau am Arm, um ihn wegzuführen, bis sie zu mir sagte, ich solle endlich die Klappe halten, denn ‘sie stamme aus Estella‘ (Lizarra, Stadt in Navarra). Ich entgegnete ihr, dass Estella zu Recht die ärmste und faschistischste Stadt sei, die ich kenne. So verließen sie unseren Tisch mit eingezogenem Schwanz. Jaime, der uns aus der Ferne beobachtete, kam zurück und setzte sich neben mich. Nachdem ich das schon so viele Jahre mit mit herumgeschleppt hatte, war ich ganz ruhig und zufrieden – viele Leute und Freunde, die in jenem Colegio de España wohnten, wussten von der Haltung von Chillida und Palazuelo, hatten aber alle geschwiegen" (S. 186-188).

Was fehlt

chilli05Der 100. Geburtstag von Eduardo Chillida könnte Anlass zu endlosen Forschungen und interessanten kulturpolitischen Debatten geben. Im Falle Spaniens wäre dies der Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Akkumulation, die der Staatsstreich von 1936 für bestimmte Eliten bedeutete, und ihrer Beziehung zu bestimmten Künstlern und kulturellen Initiativen. Im baskischen Raum wäre es natürlich nicht nur notwendig, den Fall Chillida zu untersuchen.

Sowohl Chillida als auch seine Frau Pilar Belzunce, die Verwalterin seines Vermögens, hatten immer ein großes Talent dafür, sich zugunsten der Macht zu positionieren. Sei es die national-katholische Macht in den fünfziger Jahren, die franquistische Macht in den sechziger Jahren oder die der PSOE und der spanischen Monarchie ab den achtziger Jahren. Sie unterhielten ausgezeichnete Beziehungen zur baskischen PNV und der baskischen Regierung. Es gelang ihnen, die Gunst der deutschen Sozialdemokratie zu gewinnen (kein Ort mit wirtschaftlicher oder politischer Macht in der Bundesrepublik Deutschland, der nicht sein großes oder kleines Chillida-Kunstwerk hat: von Berlin bis Bonn, über Münster, München und Düsseldorf).

Trotz Versuchen der Presse, ihn zum Schweigen zu bringen, antwortete der Bildhauer, Maler und Filmregisseur Nestor Basterretxea (eine Art Dritter im Bunde zwischen Chillida und Oteiza) im Jahr 2006 in einem langen Interview mit Irune Barro von der Tageszeitung Berria folgendes:

"Eines Tages wird jemand ‘Der andere Chillida‘ schreiben. Er war zu allem fähig, um sich von den anderen abzuheben. Er tat alles, um uns aus dem Weg zu räumen. Er war ein Faschist. Sein Vater war einer der Männer von Emilio Mola in Gipuzkoa. Die Leute kannten den echten Chillida nicht, sie wissen nicht, wer er war. Oder vielleicht wissen sie es, aber es gibt keine historische Erinnerung. Das ist schade, denn ohne Erinnerung sind wir nichts. Ohne Erinnerung sind die ehemaligen Faschisten die Demokraten von heute".

Unter Kollegen

Sechs Jahre später äußerte er sich in derselben Zeitung gegenüber der Journalistin Irune Lasa wie folgt: "Die Geschichte mit Chillida-Leku ist ein Missbrauch. Das ist ein Familien-Unternehmen. Als würde ich dafür kassieren, wenn die Leute hierher kommen. Und wenn das Geschäft schlecht läuft, fragen sie bei der baskischen Regierung nach Geld. Chillidas Vater war einer von Molas engsten Vertrauten. Sein faschistischer Junge wurde plötzlich ein baskischer Patriot, als wäre er eine Tortilla. Und zu seinem Glück glauben ihm die Idioten der baskischen Regierung auch noch. Er erscheint bei Demonstrationen ... Die Leute fragen mich, warum ich nicht auf Demonstrationen gehe. Ich muss nicht auf Demonstrationen gehen, um deutlich zu machen, dass ich ein Patriot bin."

Berria ist nicht die einzige Zeitung, die über derartige Aussagen berichtet. Im April 2014 unterzeichnete Juan Pedro Quiñonero in ABC einen Artikel über Manuel Valls, der wie folgt lautete:

"Valls-Vater hatte eine Zeit lang am Collège d'Espagne in Paris gelebt, in der Cité Universitaire. Valls-Sohn hörte sich bei unzähligen Gelegenheiten die Geschichten seines Vaters von jenem Ort an, an dem ein grausamer ideologischer 'Bürgerkrieg' herrschte. Berühmt ist die Geschichte des Bildhauers Eduardo Chillida, der in seiner Jugend ein ultra-radikaler Falangist war und einen jungen Katalanen verprügelte, einen Freund von Valls Vater und den zukünftigen Ehemann von Pierrette Gargallo, der Tochter und Erbin von Pablo Gargallo, einem der großen spanischen Bildhauer des 20. Als Valls-Vater sich in der französischen Hauptstadt niederließ, spiegelten seine Freunde und gesellschaftlichen Zusammenkünfte (u. a. im Café Mabillon) diesen traumatischen 'Bürgerkrieg' gut wider.

Warum das Schweigen

Die Frage ist: Warum werden diese politisch motivierten Prügel von Eduardo Chillida verschwiegen? Warum wird verschwiegen, wie Pedro Chillida es geschafft hat, Präsident von Real und sein Sohn Eduardo Torhüter des Teams zu werden? Welche Einschüchterungsmacht haben die Verwalter seines künstlerischen Erbes? Warum sind die Verwalter des vom Bildhauer geschaffenen Vermögens davon besessen, einen Chillida zu zeigen, der mit den Menschenrechten und dem Dialog zwischen den verschiedenen Völkern verbunden ist, während "seine ultra-radikale falangistische Jugend" immer verschwiegen wird?

Folgen wir, wie es Kunsthistoriker empfehlen, der Spur des Geldes: auf Verkehrsinseln, in Museen und Gärten reicher Institutionen, von Jerusalem bis Gernika. Eine Frage für jeden vorgefundenen Stahlklotz.

ANMERKUNGEN:

(1) ”La importancia de llamarse Chillida” (Voin der Bedeutung, Chillidas zu heißen), Internet-Portal CTXT, Autor: Hedoi Etxarte, 10/01/2024 (LINK)

(2) Pilar Belzunce: Ihre Familie stammt ursprünglich aus Estella / Lizarra in Navarra. Ihr Vater besaß Zuckerplantagen auf den Philippinen, kehrte nach Spanien zurück und ließ sich in San Sebastian in einem Haus gegenüber dem der Familie Chillida nieder. Dort lernte Pilar Belzunce Eduardo Chillida kennen, als sie vierzehn und er sechzehn Jahre alt war. Von da an verbrachten sie ihr Leben gemeinsam, verlobten sich, als sie achtzehn war, und heirateten, als sie 25 war. Schon früh kamen sie überein, dass er sich ganz der Entwicklung seiner künstlerischen Seite widmen und sie sich um alle praktischen Angelegenheiten kümmern würde. So lebten sie 60 Jahre lang zusammen, bis zu seinem Tod. (LINK)

ABBILDUNGEN:

(*) Eduardo Chillida (ctxt)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-01-15)

Für den Betrieb unserer Webseite benutzen wir Cookies. Wenn Sie unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, akzeptieren Sie unseren Einsatz von Cookies. Mehr Information