reisebuch11Land der sieben Provinzen

Zu Beginn des Jahres 2025 hat der Berliner Trescher-Verlag ein bemerkenswertes Reisebuch herausgegeben: “Baskenland“. Wer ein reines Reisebuch erwartet, wird überrascht werden, denn Autor Jens Wiegand legt interessierten Leser*innen nicht nur Reise-Nützliches vor, sondern gleichzeitig eine Portion Wissen über Geschichte und Kultur. Einzigartig am Buch ist auch, dass die spanisch-französische Staats-Grenze überschritten wird und von Euskal Herria als kulturell-historischer Einheit die Rede ist.

Das Reisebuch “Baskenland“ wurde vom Baskenland-Kenner Jens Wiegand verfasst und vom Trescher-Verlag in Berlin Anfang 2025 herausgegeben. Der Verlag stellte der Redaktion baskultur.info freundlicherweise ein Rezensions-Exemplar zur Verfügung.

Keine leichte Aufgabe, eine Reisebuch-Rezension zu schreiben in Zeiten, in denen in halb Europa die von Massen-Tourismus Heimgesuchten auf die Straßen gehen, um ihr Privatleben, ihre Umwelt und ihr Recht auf Wohnen zu verteidigen. Diese Rezension ist insofern eine Ausnahme, geschuldet der Qualität des zu besprechenden Reisebuchs, das seit wenigen Wochen zum Kauf bereitsteht. Der komplette Titel des Reisebuchs lautet: “Baskenland – Golf von Biskaya, Bilbao, San Sebastian, Vitoria-Gasteiz. Mit Rioja Alavesa, Pamplona, Biarritz und Bayonne“. Damit ist grob umrissen, was die Leserin erwartet. Versteht sich von selbst, dass 360 Buchseiten ausreichend Raum bieten, neben den genannten Städten und Gegenden weitere interessante Orte, Geschichten und Geschichte vorzustellen.

reisebuch22Formal betrachtet ist das Reisebuch in acht Kapitel aufgeteilt. Es beginnt schwungvoll mit einer Zusammenfassung, was die Leserin erwartet: Reisehöhepunkte, Wichtiges in Kürze, eine Orientierung zum Reisebuch, Zahlen und Fakten und ein Mini-Wörterbuch Deutsch-Baskisch-Spanisch. Es folgt das umfangreiche Kapitel “Land und Leute“, welches nach einer geografischen Orientierung plus Gastronomie und Kunst-Kultur eine ausführliche Reise durch die spanisch-baskische Geschichte bietet, von der Römerzeit über die Entstehung des baskischen Nationalismus bis zur Auflösung von ETA (81 Seiten).

Aus dieser Geschichtsstunde sind einige Aspekte deshalb hervorzuheben, weil sie sich von den üblichen oberflächlichen Reisebuch-Darstellungen unterscheiden. Die wenigsten Reisefreudigen wissen, dass die Iberische Halbinsel einst von maurischen Armeen erobert wurde, die bis zu den Pyrenäen vordrangen und ihrem damaligen Herrschaftsgebiet zu einer kulturellen Blüte verhalfen, bevor sie ab dem 8. Jahrhundert über die kastilische “Rückeroberung“ (Reconquista) wieder zurückgedrängt wurden. Was schließlich zum “Schlüsseljahr 1492“ führte und Auslöser wurde für die mörderische imperiale Ausdehnung des kastilischen Reichs auf dem amerikanischen Kontinent.

Den Napoleonischen und Karlisten-Kriegen folgen ausführliche Beschreibungen der Industrialisierung der baskischen Provinz Bizkaia, ohne die das heutige Baskenland gar nicht zu verstehen wäre. Erwähnenswert ist auch, dass die Geschichte der Untergrund-Organisation ETA (Euskadi ta Askatasuna) in zwei Etappen aufgeteilt wird (bis 1975 und danach), ein Fakt, an dem sich die aktuelle spanische Geschichtsschreibung eine Scheibe abschneiden könnte. Denn dass die Organisation 1978 ihren Kampf fortführte, geht nicht zuletzt auf die Tatsache zurück, dass beim allseits “gefeierten Übergang zur Demokratie“ die “alten Macht- und Besitz-Strukturen der Diktatur nicht angetastet“ wurden, alle Verbrechen wurden amnestiert – ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der Unabhängigkeits-Bewegung des heutigen Baskenlandes. “Eine Säuberung der Justiz nach dem Vorbild der Entnazifizierung ist niemals auch nur ansatzweise versucht worden (…) Nur vor diesem Hintergrund lässt sich verstehen, dass die ETA nach dem Ende Francos die Waffen nicht niederlegte“ (63-64).

Highlights: Besondere historisch-kulturelle Leckerbissen stellen siebzehn über das Buch verteilte (beige unterlegte) “Extras“ dar, die auf charakteristische Begebenheiten und gastronomische Besonderheiten eingehen wie Ursprünge, Walfänger, Identitäts-Symbole, Bauernhäuser, Athletic, Kalimotxo, Urdaibai, Diaspora, Sagardo, Txakoli, die Jesuiten, Stierrennen und Hexenjagd. Diese “Sahnehäubchen“ vermitteln besondere Eindrücke von den Eigenarten der baskischen Gesellschaft und ihren Traditionen. “Die Ursprünge der Basken“, die “Hexenjagd in Zugarramurdi“, das “Baskische Bauernhaus“, “Loyola und die Jesuiten“ oder die “Baskische Dispora“ mit der Geschichte der meist von historischen Zwängen motivierten baskischen Auswanderung sind Themen, die im Bewusstsein der baskischen Bevölkerung eine wichtige Rolle spielen, die jedoch bei oberflächlichen Reise-Empfehlungen meist zu kurz kommen, wenn nicht ganz unterschlagen werden.

Sprachen: Das Insistieren auf der Existenz der baskischen Sprache Euskara (71, 88), die durch politische Machtspiele Kastiliens / Spaniens immer wieder bedroht wurde, ist ein weiterer Verdienst des Reisebuchs. Von Baskenland-Reisenden wird die Zweisprachigkeit auf Hinweis-Schildern (selbst bei Unkenntnis der spanischen Sprache) in der Regel als lästig oder verwirrend empfunden. Dabei wird ignoriert, dass die Fortexistenz des Euskara eine Jahrhunderte andauernde enorme Leistung war, gegen Diffamierung und Verbote. “Dass Euskara überhaupt als Literatursprache existiert, liegt allein an der Liebe zur eigenen Kultur“ – diese gut gemeinte Feststellung greift allerdings zu kurz. Denn die Grund-Voraussetzung für eine Euskara-Literatur war die Einführung eines einheitlichen “Hoch-Baskisch“, dem Batua, an dem bereits während der Franco-Diktatur verschiedene Schriftsteller und Euskara-Aktivisten arbeiteten. Denn bis dahin gab es unterschiedliche Dialekte, die das Entstehen einer zusammenhängenden Literaturwelt unmöglich machte.

reisebuch33Um unter Reisenden und Reise-Interessierten Verwirrung zu vermeiden, ist es bei Publikationen hilfreich, die Sprachen klar zu unterscheiden: an dieser Stelle hat Autor Jens Wiegand einige Unklarheiten hinterlassen, indem er ohne entsprechenden Hinweis von Baskisch zu Spanisch springt und wieder zurück. Ein Beispiel (26): “Die Autonome Region Baskenland ist in die drei Provinzen Bizkaia, Gipuzkoa und Araba aufgeteilt. Die Hauptstädte Bilbao, San Sebastian und Vitoria-Gasteiz bilden jeweils das Bevölkerungszentrum. Navarra mit der Hauptstadt Pamplona besteht nur aus einer Provinz. Jenseits der Grenze definieren die Basken die drei historischen Provinzen Lapurdi, Nafarroa Beherea und Zuberoa“ – die dabei erfolgte Sprachbenutzung (B=Baskisch, S=Spanisch) lautet: B B B S S BS S S B B B. Eine deutliche Zuordnung, zweisprachig, mit Präferenz, inklusive Französisch wäre hier angemessener; etwa Baiona-Bayonne-Bayona (B-F-S).

Fünf Reisekapitel: Die auf die Reisebuch-Einführung folgenden fünf Kapitel handeln von den baskischen Regionen und ihren Hauptstädten: Bizkaia (66 S.), Araba (30 S.), Gipuzkoa (60 S.), Nafarroa (50 S.) und Iparralde (38 S.) – bereits der jeweilige Seitenumfang macht die inhaltliche Schwerpunktsetzung deutlich. Die beiden abschließenden Kapitel (21 S.) behandeln Reisetipps und technische Details. Ein Rundgang in umgekehrter Reihenfolge, beginnend mit Iparralde, dem “französischen Baskenland“.

Iparralde / Pays Basque

Viele Reisebücher stellen das Baskenland vor, ohne die nördlichen baskischen Gebiete, Iparralde, überhaupt nur zu erwähnen, oft ist nur vom “spanischen Norden“ die Rede. Die kulturell-historische Darstellung des vorliegenden Werks ist deshalb positiv hervorzuheben. Ipar-Alde ist Baskisch und bedeutet Nord-Seite (so wie die vier Süd-Provinzen Hego-Alde genannt werden: Süd-Seite). Das kleine, in drei Mini-Provinzen aufgeteilte Iparralde (zur besseren phonetischen Verbindung ein zweites r) teilt sich entsprechend seiner Wirtschafts-Struktur in “Küste“ und “Hinterland“. Iparralde ist innerhalb des Staates keine eigenständige Verwaltungseinheit, sondern gehört zum Departement Pyrénées-Atlantiques. Um ein Minimum an gemeinsamer Struktur im zentralistischen Staat zu schaffen, wurde 2016 ein Verband baskischer Gemeinden kreiert, die “Communauté d'agglomération Pays Basque“, der alle 158 Gemeinden von Iparralde angehören.

Iparralde eilt der Ruf hinterher, wegen seines angenehmen Klimas das Altersheim des französischen Staates zu sein, für jene, “die nicht mehr auf Lohnarbeit angewiesen sind“. Entsprechend ging “der Anteil der Baskisch-Sprecher bis 2010 stetig zurück, trotz der Bemühungen, Baskisch zumindest als Wahlfach in den Schulen anzubieten“ (312). Denn im Gegensatz zum offiziell zwei-sprachigen Hegoalde gilt in Iparralde allein Französisch. Was viele Gemeinde-Verwaltungen nicht davon abhält, zweisprachige Verkehrsschilder aufzustellen und am Rathaus die süd-baskische Flagge aufzuziehen.

Küste bedeutet Feriengebiet, dabei stechen das touristische Hendaia (frz: Hendaye), das wehrhafte Baiona (Bayonne), das mondäne Miarritze (Biarritz) und verschiedene kleinere Hafenorte wie Ziburu (Ciboure) und Donibane Lohizune (Saint-Jean-de-Luz) hervor, im Winter verschlafen, im Sommer von sonnenhungrigen Massen heimgesucht. Am erträglichsten in dieser Aufzählung ist Baiona, “die kulturelle und ökonomische Hauptstadt des französischen Baskenlandes“. Eine Zitadelle und zwei Festungen machen die alte Römerstadt (Lapurdum) überaus interessant, ebenso die beiden historischen Museen und nette Altstädte links und rechts des Adur-Flusses. Das Reisebuch informiert, dass dort im 17. Jahrhundert in Kriegsnot das nach der Stadt benannte Bajonett erfunden wurde (325) und dass es in den 1980er Jahren als bevorzugter Unterschlupf von ETA-Aktivist*innen galt, bevor der spanische Ministerpräsident Gonzalez Todesschwadronen schickte und um die 20 Morde begehen ließ.

Zum Hinterland zählen das verschlafene Maule (f: Mauleon), das mittelalterliche Donibane Garazi (Saint-Jean-Pie-de Port), das pittoreske Sara (Sare), das geschäftige Kanbo (Cambo-les-Bains) und das ur-baskische Baigorri (Saint-Etienne-de Baigorry). Reise-technisch empfohlen werden die Grotten von Sara, die Bergbahn von Larrun (La Rhune) in den Vorpyrenäen, das hübsche Ainhoa und Ezpeleta (Espelette), das als “meistbesuchter Ort“ dieses Hinterlandes gilt und bekannt ist für seine “an den Haus-Fassaden aufgehängten roten Chilli-Schoten“, die Ezpeletako Biperrak, einem “essentiellen Bestandteil der lokalen Küche und Kultur“ (335).

In Senpere (Saint-Pée-sur Nivelle), wo der Korb für das Pelota-Spiel erfunden worden sein soll, gibt es aus diesem Grund ein Museum. Senpere galt als “Zentrum der geradezu hysterischen Hexenverfolgung, der “Hunderte von Frauen und einige Männer“ auf dem Scheiterhaufen zum Opfer gefallen sind. Zudem erhält Senpere am zweiten Mai-Sonntag den Besuch von 100.000 Euskara-Freund*innen, wenn am Stausee der Herri Urrats (Schritt des Volkes) gefeiert wird, der Tag der Baskisch-Schulen. Dieses große Fest dient dem Sammeln von Geld für den Ausbau von Ikastola-Schulen, um der französischen Sprach-Hegemonie zu trotzen (letzteres steht leider nicht im Reisebuch).

Schade ist, dass im Buch kein Hinweis auf das Konzentrationslager in Gurs zu finden ist. Zugegeben, der Mini-Ort gehört faktisch nicht zu Iparralde, sondern zur Region Bearne, ist aber nur 2 Kilometer entfernt und hat eine eminent wichtige Bedeutung für baskische Flüchtlinge. Gurs war 1939 erst das Auffanglager für Republik-Flüchtlinge nach dem Spanienkrieg, später wurden nach der Nazi-Besetzung aus Süddeutschland Tausende von Jüdinnen und Juden deportiert, die im Anschluss in die Vernichtungslager kamen. Vor seiner Schließung 1945 waren dort schließlich deutsche Kriegsgefangene inhaftiert – ein Teil des Lagers wurde zur Veranschaulichung wieder aufgebaut, der jüdische Friedhof mit hunderten von Gräbern und eine Gedenkstätte sind erhalten.

Nafarroa / Navarra

reisebuch44Unterhalb der Pyrenäen-Grenze im Süden liegt Nafarroa (sp: Navarra), das als historisches Herz des Baskenlandes gilt, weil dort von 825 bis 1522 siebenhundert Jahre lang ein Königreich existierte, erst unter dem Namen Königreich Pamplona, später als Nafarroa. Nafarroa ist eine Region mit erstaunlicher Bandbreite unterschiedlicher Landschaften, teilweise wüstenhafte Ebenen kontrastieren mit dem fruchtbaren Ebro-Tal im Süden. Sprachlich ist es in drei Zonen aufgeteilt, entsprechend der Verbreitung des Euskara – der Norden ist euskaldun (baskisch-sprachig), Richtung Süden nimmt der Anteil ab. “Abseits überlaufener Meeresküsten finden sich natürliche, historische und kulturelle Kleinode ohne Warteschlangen oder Zerstörung der Idylle“ (263) – Nafarroa gilt als Paradies für Wanderfreund*innen. Das bescheidene Weingebiet im Süden weist eine geschützte Herkunfts-Bezeichnung auf, produziert wird Rotwein und Rosé, ein Teil des bekannten Rioja-Gebiets gehört zu Nafarroa.

Die Region gehört zum historischen Baskenland, viele wollen das heute jedoch nicht mehr wahrhaben, die baskische Fahne (Ikurriña) wird nicht gerne gesehen. In zwei Etappen (1200 und 1512 verleibte sich das aufkommende Königreich Kastilien Teile des Königreichs Nafarroa ein, mit militärischer Gewalt. Die Hauptstadt Iruñea / Pamplona wurde einst von den Römern gegründet, als Pomplaeo oder Pompeio. Nach der kastilischen Eroberung wurde sie zur Festungs-Stadt ausgebaut, was bis heute deutlich sichtbar ist. Bekannt ist die Hauptstadt wegen der Stiere des San-Fermin-Festes und durch den Schriftsteller Ernest Hemingway, der seinen ersten großen Roman “Fiesta“ in Pamplona verortete (270) und selbst einen Stierläufer abgab: “Pamplona war in den USA lange Zeit bekannter als Madrid oder Barcelona“. Folgerichtig ist die Stadt Anfang Juli von einem unverdaulichen Massen-Tourismus geprägt, ansonsten ist es rund ums Jahr besuchbar.

Im navarrischen Süden beschränkt sich das Reisebuch auf Erriberri (Olite), Lizarra (Estella) und Gares (Puente la Reina). Diese Orte weisen eine Vielzahl von Palästen, Kirchen und Spuren von jüdischer Bevölkerung auf. Im kleinen Erriberri-Olite dominiert der alte Palast die Altstadt, Gares beeindruckt mit einer 110 Meter langen Brücke aus dem 11. Jahrhundert. In Lizarra sind neben dem Karlismus- und dem Trüffel-Museum deutliche Spuren des jüdischen Viertels erkennbar, aus der Zeit vor 1492, als sie auf Befehl der kastilischen Krone des Landes verwiesen wurden, ihr Hab und Gut jedoch zurücklassen mussten. Was fehlt sind Tafalla (eine überaus lebendige Stadt mit beachtlich schöner Altstadt) und Tutera (Tudela), die Hauptstadt der drei Religionen, in der Friedrich Schiller sein Stück “Nathan den Weise“ sicher bevorzugt angesiedelt hätte: in keinem anderen baskischen Ort waren und sind Islam, Christentum und Judentum so präsent wie hier.

Im Osten der Region wird der Urbasa-Naturpark empfohlen, ein Wanderparadies ohne Massengefahr, mit Höhlen, dem Urederra-Wasserfall sowie Hügelgräbern und Cromlech-Steinkreisen aus der vorrömischen Keltenzeit. Zwischen Urbasa und dem Aralar-Bergmassiv liegt das (nicht erwähnte) Sakana-Tal, das für kämpferische Bewegungen und den Einsatz für die baskische Sprache bekannt ist. Aralar, an der Grenze zu Gipuzkoa, wird gekrönt durch einen Klosterkomplex mit Besichtigungs-Möglichkeit und Restaurant-Betrieb. Unerwähnt bleiben interessante Orte wie Lekunberri und der Steinheber- und Pelota-Ort Leitza.

Für den navarrischen Norden werden wir im Reisebuch verwiesen auf Lesaka, Etxalar, Urdazubi, Amaiur, Elizondo, Orbaizeta, Orreaga und Zugarramurdi. Letzteres ist das süd-navarrische Gegenstück zu Senpere in Iparralde: der Hexenort, mit riesiger Akelarre-Höhle und Museum. Lesaka und Etxalar sind typisch nord-navarrische Dörfer mit hervorragend erhaltener Hausstruktur in lilaroter Farbe. Urdazubi weist eine vor 20.000 Jahren bewohnte Tropfstein-Höhle auf, Amaiur ist eines der letzten Relikte des navarrischen Königreichs. Die wieder ausgegrabene Burg war 1521 die letzte Bastion der navarrischen Verteidiger und ist bis heute ein Symbol für den unermüdlichen Selbstbehauptungs-Willen der Baskinnen und Basken. Elizondo (bask: neben der Kirche) verbreitet durch seinen Fluss-Standort Leben und einen Hauch von Venedig, in Orbaizeta ist eine alte Waffenfabrik aus dem 18. Jahrhundert zu ergründen. Bliebe der legendäre Pilgerort Orreaga (Roncesvalles) vor dem letzten Aufstieg zu den Vorpyrenäen.

Nahe der Grenze am Ibañeta-Pass soll im Jahr 778 die Nachhut Karls des Großen nach ihrer Plünderung Pamplonas von schlecht bewaffneten aber äußerst motivierten Basken überfallen und aufgerieben worden sein, bis heute ein Hit in der baskischen Geschichte. Karls Gefolgsmann Roldan fand hier sein Ende und ist der Ursprung des bekannten Roland-Liedes über “den christlichen Märtyrer und fränkischen Volkshelden“ (302). Orreaga ist voller Kirchen, Klöster, Hospize und Pilger-Einrichtungen, einer der wenigen Punkte im Pyrenäen-Relief, der sich durch Massen auszeichnet. Ansonsten warnte bereits 1127 der Bischof von Pamplona: “Tausende von Wallfahrern sind gestorben, von Schneestürmen überrascht oder von Wölfen zerfleischt.“ Unerwähnt aus Nord-Navarra bleiben das ruhige malerische Izaba (Isaba) und mit seinen alten Gebäuden am Fluss das unvergleichbare Otsagabia (Otsagavia), bevor es über das Schneegebiet Belagua zur Grenze auf 1.700 Meter geht.

Araba / Alava

reisebuch55Der etwas kurzen Beschreibung der Hauptstadt Vitoria-Gasteiz (VG, spanisch-baskisch) folgen die Darstellungen Wasserfälle des Nervion und in Gujuli, des Salzgebiets Añana, der Hügelgräber Sorginetxe (Haus der Hexe) und Aizkomendi (Steinberg) aus der Zeit der keltischen Kultur, sowie der Leze-Höhle mit Wandertipps. Südlich der Hauptstadt werden die Eremiten-Höhlen beschrieben und die irrationale Geschichte des Herzogtums Trebiñu (Treviño), das als Burgos-Enklave von Araba-Gebiet umschlossen ist. Weshalb die baskische Südprovinz Araba laut Buch ab 1332 zu Kastilien gehört haben soll, ist unklar. Auch Wikipedia führt das Jahr 1199 als Moment der militärischen Eroberung der drei baskischen West-Provinzen (auch Bizkaia und Gipuzkoa) durch das immer mächtiger werdende Königreich Kastilien.

Vitoria-Gasteiz: Dass es im baskischen Regional-Parlament in VG eine 50%ige Frauenquote geben soll ist reine Utopie, dieser Irrtum ist möglicherweise auf eine falsch verstandene Information des Parlaments selbst zurückzuführen. Auf der Webseite ist von einer “paritätischen Zusammensetzung“ der Kammer zu lesen: “La composición es paritaria”. Diese Parität bezieht sich jedoch nicht auf Geschlechter, sondern auf die drei baskischen Provinzen Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, die unterschiedlich viele Bewohner*innen haben, jedoch von der jeweils gleichen Zahl von Abgeordneten in VG vertreten werden (Zitat: “es decir, que el número de representantes de cada uno de los tres territorios históricos de Araba, Bizkaia y Gipuzkoa es el mismo”).

Die Kathedrale Santa Maria (179) kommt im Reisebuch kürzer weg als sie das verdient. Ihre Neugestaltung aufgrund von Baumängeln hat nicht nur technische Facetten, sondern wurde auch zu umfangreichen archäologischen Ausgrabungen genutzt, durch die bislang unbekannte Aspekte der Stadtgeschichte ans Licht kommen. Wo andere im Umbau befindliche Gebäude Jahre oder Jahrzehnte lang dem öffentlichen Auge verschlossen bleiben (Wegen Bauarbeiten geschlossen), wurde bei der “alten Kathedrale“ ein entgegengesetztes Motto gewählt: “Wegen Umbau geöffnet“. Über Baugerüste kann der Tempel besucht werden, wissenschaftliche Führungen eröffnen den Besucher*innen hochinteressante Einblicke in die Geschichte und Architektur nicht nur der Kathedrale, sondern der ganzen Stadt, also unbedingt empfehlenswert (und ein Ergänzungs-Vorschlag für die zweite Auflage).

Zur Spanienkriegs-Anekdote über den Absturz eines Heinkel-Flugzeugs der nazi-deutschen Luftwaffe (177) hätte gepasst, dass die Bomber der Legion Condor, Francos Helfer im “Bürgerkrieg“, die Gernika in Schutt und Asche legten, unter anderem vom Flugplatz Salburua in Vitoria-Gasteiz aus gestartet waren, dort war neben Logroño und Soria eines der Nazi-Hauptquartiere im Norden.

Vitoria-Gasteiz wurde in den vergangenen 15 Jahren zu einer renommierten Graffiti-Stadt. In der Altstadt, in den Stadtteilen Zaramaga und Lakua gibt es teilweise riesige haushohe Wandgemälde aller Art, die in den vergangenen 20 Jahren angefertigt wurden und der Stadt einen bunten und lebendigen Charakter verleihen. Zudem ist VG als Besetzungs-Stadt bekannt, in der Altstadt ist das mit 40 Jahren älteste Gaztetxe des Baskenlandes zu finden (gaztetxe bedeutet Jugend-Haus). Weil die außerhalb liegenden Häuserblocks Errekaleor abgerissen werden sollten, wurden die 18 Gebäude als Wohnprojekt besetzt. Daran änderte auch ein massiver Polizeieinsatz im Jahr 2017 nichts, bei dem der Strom gekappt wurde. Ebenfalls nicht erwähnt wird die interessante Geschichte der jüdischen Gemeinde in VG. Als sie nach der vollendeten “Wiedereroberung“ aus Kastilien verwiesen wurden, wurde in VG eine einvernehmliche Abschieds-Absprache getroffen: das Gelände des jüdischen Friedhofs sollte ungenutzt und unbebaut bleiben, dieses Wort wurde erstaunlicherweise 450 Jahre lang gehalten.

Arabako Errioxa / Rioja Alavesa: Auf sieben Seiten wird die Rioja Alavesa beschrieben, der südliche Teil der Provinz am Ufer des Ebro-Flusses. Das berühmte Weingebiet Rioja ohne La erstreckt sich über drei spanische Regionen / Provinzen: La Rioja, Araba und Nafarroa. Das Reisebuch streift die Orte Laguardia, Eltziego, ein paar herausragende Kellereien und den Qualitätsstreit, der zwischen den Bodegas südlich und nördlich des Ebro herrscht. Um die historische Bedeutung des Weingebiets mit geschützter Herkunfts-Bezeichnung DOC zu begreifen, wäre ein Hinweis hilfreich gewesen, dass in den französischen Weingebieten im 19. Jahrhundert die Reblaus Einzug hielt und das Rioja-Gebiet als Produktions-Alternative ausgeguckt wurde – der Beginn des heutigen Ruhms.

Gipuzkoa / Guipuzcoa

reisebuch66Nach Iparralde, Nafarroa und Araba bleiben jene beiden baskischen Provinzen, die in Reisebüchern üblicherweise den größten Raum einnehmen. Nicht weil sie interessanter als die anderen wären, sondern weil hier die Massenziele zu finden sind, die sich touristisch am besten verkaufen lassen. Folglich treten Gipuzkoa und Bizkaia in dieser Rezension etwas kürzer.

Zur Hauptstadt Donostia (San Sebastian) ist eigentlich schon alles Denkbare gesagt, außer dem Hinweis, dass sich die Besucher*innen der netten Altstadt darüber bewusst sein sollten, dass die dort Lebenden seit Jahren unter Schlaflosigkeit leiden und von “ihrem” Rathaus eine Beschränkung der touristischen Tätigkeit fordern. Leider ist die Altstadt zum Inbegriff des baskischen Massen-Tourismus geworden. Die Menschen nennen sich Donostiarra (Donostierra wäre zu erdverbunden). Ob die Stadt tatsächlich “die Hauptstadt des radikalen baskischen Nationalismus” war (205), sei einmal dahingestellt.

Westlich von Donostia finden Surf-Interessierte den längsten Strand der baskischen Küste, das benachbarte Getaria lebt vom Andenken an den Seefahrer Juan Sebastian Elkano. Der hatte unter Kapitän Magellan einen Weg zu den berühmten Gewürzinseln gesucht und kam zwei Jahre später als erster Erd-Umrunder zurück. Die Küste bei Zumaia beeindruckt durch die Flysch-Formationen und leidet seit einem Game-of-Throne-Dreh ebenfalls an Massen-Besuchen. Auf den Sonderseiten ist von Sidra, Txakoli-Wein, dem blutrünstigen Konquistadoren Lope de Agirre und Ignatius Loyola die Rede, dem Gründer des Jesuiten-Ordens, der immerhin den letzten Papst stellte. Astigarraga ist (mit Museum) die Sidra-Stadt schlechthin, Hernani wurde bekannt durch das Freilicht-Museum Chillida-Leku, mit dem sich der weltbekannte Bildhauer selbst ein Denkmal setzte, weniger bekannt ist, dass er zumindest zeitweise mit den spanischen Faschisten gemeinsame Sache machte.

Im Süd-Westen der Provinz ist die Industrie- und Waffenstadt Eibar zu finden. In Azpeitia ist das Eisenbahn-Museum, in Zumarraga steht die eindrucksvolle Kirche La Antigua, die nagelfrei aus Holz gebaut wurde. Der Legazpi-Palast erinnert an den Mexiko-Konquistadoren und Manila-Gründer Miguel Lopez de Legazpi, nach dem auch der Nachbarort benannt ist. Als Standort der gigantischen Kooperative Mondragon Corporation, inzwischen ein multinationaler Konzern, ist Arrasate-Mondragon weit über Europa hinaus bekannt. Im Nachbarort Oñati existierte seit 1540 die erste baskische Universität, daneben auf dem Berg steht das Franziskaner-Kloster Arantzazu, mit hervorragender Aussicht und einer spektakulären Kirchengestaltung durch die Altmeister Nestor Basterretxea und Jorge Oteiza. Tolosa war als wichtige Durchgangs-Stadt einst Provinz-Hauptstadt und ist Geburtsort des künftigen Real-Madrid-Trainers Xabi Alonso.

Von Donostia sind es noch ca. 20 Kilometer zur inner-baskischen (französischen) Grenze. Gleich nebenan Pasaia (Pasajes), neben Bilbo der größte baskische Industriehafen. Sehenswert ist nur der Buchtausgang (San Pedro; San Juan, bask: Donibane), wo in einer Museums-Werft ein Walfängerboot aus dem 16. Jahrhundert nachgebaut wird. Hier beginnt ein Wanderweg zum Jaizkibel-Berg, der in der Grenzstadt Hondarribia (Fuenterrabia) endet. “Fluch und Segen zugleich“: eines der “schönsten Dörfer Spaniens“ mit gut erhaltener Stadtmauer und Fischerviertel ist aufgrund der Frankreich-Nähe im Sommer völlig überlaufen. Die Messestadt Irun beschließt das Baskenland im Osten, über die Santiago-Brücke geht’s in einen anderen Staat, dort grüßt Hendaia (Hendaye).

Bizkaia / Vizcaya (dt: Biskaya)

Die Provinz war “gemeinsam mit Katalonien der Motor der Industriellen Revolution in Spanien“ und ist als zweit-kleinste im Staat die mit der “dritt-höchsten Einwohnerdichte“ (106). Das erzählt bereits viel über die Vergangenheit – und die Zukunft? “Bilbao galt als unheilbar düster, schmutzig und heruntergekommen, doch der Strukturwandel gelang hier im Schnelldurchlauf“. Wenn wir jetzt noch den “Guggenheim-Effekt“ hinzufügen, wäre fast schon alles gesagt über die Provinz und ihre Hauptstadt, im Guten wie im Schlechten. Denn eingespielte Dynamiken lassen sich nur schwer korrigieren. Im 17. Jahrhundert löste Bilbo (sp: Bilbao) Santander “als führenden Exporthafen kastilischer Schafwolle ab“, bis dahin hatte sich das Handel treibende Bürgertum bereits Reichtum erwirtschaftet, bevor “mitten in der Stadt Erz abgebaut wurde“: das “winzige Baskenland förderte zeitweise ein Zehntel des globalen Outputs“. Rohstoffe wurden ohne große Kosten aus der Erde geholt: “Ende des 19. Jahrhunderts begann Bilbao (oder besser: die aufkommende Oligarchie) seine Erze selbst zu verarbeiten und durchlebte eine rasante industrielle Entwicklung“. Sprich: einige wurden reich, andere hingegen, die eingewanderten Bergarbeiter aus allen Teilen des Staates, lebten in bitterer Armut, gründeten Gewerkschaften und Parteien, und gingen zum Klassenkampf über.

reisebuch77Bilbo: Nach dem Ende dieser Industrie- und Bergbau-Ära wurde “das 1997 eröffnete Guggenheim-Museum zum Aushängeschild des radikalen Strukturwandels zur Kultur- und Dienstleistungs-Stadt“. Die Stadt wurde “nach dem Richtungswechsel in Rekordzeit“ zum “Vorbild und Forschungsgegenstand“. “Der Touristenstrom ist in ständigem Wachstum begriffen, hält sich aber noch in sozialverträglichen Grenzen“. Moment mal, immer mehr Bilbainos und Bilbainas würden dieser These heftig widersprechen, wenn sie diese Zeilen zu lesen bekämen. Denn sozialverträglich war Massen-Tourismus noch nie und nirgends. Zwar ist die Lage noch nicht so dramatisch wie in Barcelona oder Donostia, doch ist Bilbo auf dem besten Weg dahin. Bestes Beispiel dafür ist das Mitte Mai 2025 stattgefundene Europa-League-Finale zweier englischer Teams, die die Stadt zwei Tage lang ins absolute Preis- und Alkohol-Chaos stürzten. Nirgendwo sonst steigen die Preise für Lebenshaltung und Immobilien wie in Bilbo, “sozialverträglich“ ist was anderes, wie Briefmarken sammeln die Bürgermeister internationale Abzeichen in Form von Musik-Awards, Weltmeisterschaften, Tour de France und Champions-League.

Dass die Hauptstadt nicht so gesättigt ist wie Donostia, liegt daran, dass sich die Reiseströme auf das Kunstmuseum und die Altstadt konzentrieren, für das kleine Casco-Viejo-Viertel ist das im Sommer der Todesstoß. Weil dort Airbnb die Herrschaft über den Miet-Wohnungs-Markt übernommen hat, ergreifen viele Reisende die Flucht in billigere Barrios, doch auch dort dringen die VP (Vivienda Turistica) unnachgiebig ein. Auch in San Francisco, der “Bronx Bilbaos“, an der sich “die Sensationspresse mit Schlagzeilen ergötzt“. Im alten Arbeiterviertel lebten früher schon die Ärmsten, daran hat sich wenig geändert, denn “die billige Wohngegend mutierte zur Anlaufstelle der Einwanderer, zuerst aus Marokko, dann aus Lateinamerika, in jüngerer Zeit aus Schwarzafrika“ (117).

Schmutzig ist Bilbo heute nur noch in der Peripherie, wo die städtischen Putztrupps wenig Präsenz zeigen. Das Zentrum wird mittlerweile mit Werbe-Attributen wie “Architektur-Stadt“ bezeichnet, was jedoch nicht an der Architektur selbst liegt, sondern an der Tatsache, dass für jedes Projekt (Museen, Kulturzentren, Hochhäuser, Metro) so genannte Star-Architekten an Land gezogen wurden, Pritzker-Preisträger, die sich für Millionen-Gagen austoben durften. Aktuell am Museum der Schönen Künste (Arte Ederrak, Bellas Artes), das zu einer Art von Guggenheim 2.0 aufgemotzt werden soll. Nicht umsonst geht Bilbo der Ruf voraus, die Stadt der Großkotzigen und Übertreiber zu sein: “Somos de Bilbao“.

Bei so viel Hauptstadt geht leicht der Blick für den Rest verloren, zum Beispiel die Bizkaia-Brücke in der Arbeiterstadt Portugalete, die Hängebrücke mit Gondel ist immerhin Welt-Kulturerbe. In das südliche Hinterland, Enkarterri-Encartaciones, verlieren sich die wenigsten, obwohl es dort mit Cueva de Pozalagua eine bemerkenswerte Höhle mit wundersamen Kringeln gibt. Attraktiver, wenn auch nicht leicht zugänglich die Atlantik-Küste, der Surf-Strand Sopela (Sopelana), die Hafenstadt Bermeo. Oder das Städtchen Armintza, wo es im Ortsteil Lemoiz (Lemoniz) Reste eines Atomkraftwerks zu bewundern gibt, ein franquistisches Projekt, das trotz Fertigstellung nie in Betrieb genommen wurde, weil der Widerstand dagegen zu groß war. Lemoiz wurde zur Geburtsstunde der spanischen Anti-AKW-Bewegung. Zum Paradebeispiel für die Folgen von Massen-Tourismus wurde die Kapelleninsel Gaztelugatxe, bis vor zehn Jahren ein beliebtes Ausflugsziel der Einheimischen. Doch “seit der Felsen in der Serie ‘Game of Thrones‘ als Insel Drachenstein brillierte, ist der Besucheransturm kaum noch in den Griff zu bekommen“ (151). Ein verlorenes Juwel.

Ein weiteres könnte unweit davon gleichfalls verloren gehen, denn: “Seit nunmehr 15 Jahren verfolgt die Provinzregierung Bizkaias Pläne, im einzigen Biosphären-Reservat des Baskenlandes einen Ableger des Guggenheim-Museums zu errichten. Der eklatante Widerspruch ist offensichtlich, die Gegnerschaft lautstark“ (156). Hunderttausende von Besuchern wären das Ende von Vogel- und Naturschutz. Von einem Doppel-Museum ist die Rede, ein Standort mitten im Feuchtgebiet Urdaibai, der zweite, verbunden mit einem Laufsteg, der dem Projekt einen ökologischen Touch verleihen soll, in Gernika – als wäre die Stadt wegen ihrer Vernichtung durch die nazideutsche Legion Condor und Picassos Gemälde nicht schon weltberühmt genug.

Das Bizkaia-Kapitel wird abgeschlossen mit der schönen Küstenstadt Lekeitio (Leuchtturm), dem bunten Oma-Wald, der Santimamiñe-Höhle (Malereien), der Simon-Bolivar-Stadt Bolibar und Durango, das 1937 ebenfalls einem deutschen Kriegsverbrechen zum Opfer fiel. Über allem erhebt sich der Naturpark Urkiola, ein Wanderparadies, das gekrönt wird vom Anboto-Berg, in dem die Dame Mari haust, eine der animistischen Göttinnen der baskischen Mythologie.

Übrigens: Ebenfalls zu Bizkaia gehört das Städtchen Urduña (sp: Orduña) beim Nervion-Wasserfall. Tatsächlich handelt es sich um eine Enklave, die allerdings nicht “von der (spanischen) Provinz Burgos verwaltet wird“, sondern von der baskischen Süd-Provinz Araba (Alava) umschlossen ist (188) und somit eine inner-baskische Provinz-Enklave darstellt, nicht vergleichbar mit Trebiñu (Treviño). Ob sich bei der fälschlichen Schreibweise Orduño um ein Werk des Textteufels handelt oder um einen Recherchefehler, weiß nur der Autor, dem generell eine ausgezeichnete Arbeit am Buch zu bescheinigen ist.

Bilanz

In Zeiten von Massen-Tourismus, der längst auch im Baskenland Einzug gehalten hat, ist jedes Reisebuch eine Animation für weitere Reisende. Die Besprechung von Reisebüchern trägt gleichfalls dazu bei. Trotz dieser Bedenken haben wir uns für diese Rezension entschieden und empfehlen dieses Baskenland-Buch. In der Hoffnung, dass die Besucher*innen in Pensionen oder Hotels Unterkunft suchen, oder im leider nicht erwähnten, weit verbreiteten Netz von Land- und Bauernhäusern (Nekaturismoa, Turismo Rural). Und stattdessen Airbnb und andere Plattformen vermeiden, denn jede T-Wohnung fehlt den Einheimischen. Wir empfehlen, sich in kleinen Gruppen auf den Weg durch die Orte zu machen, und gelegentlich auf das Selfie oder Paparazzi-Foto zu verzichten (Markt-Verkäuferinnen sind keine Models, fühlen sich aber oft so). Denn viele der “Eingeborenen“ (wie der Schreiber dieser Zeilen) fühlen sich auf den eigentlich vertrauten Straßen und Plätzen oft wie im Zoo oder im Erlebnispark. Das Buch darf gerne weiter empfohlen werden, Gaztelugatxe, Bilbo oder Donostia besser nicht. Mehr wissen, respektvoller reisen.

ABBILDUNGEN:

(*) Baskenland (trescher verlag)

PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-05-30)

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