Erinnerungen an 1937
Eine fünf Kilometer lange Wanderung zwischen dem Gipuzkoa-Ort Elgeta und den Intxorta-Bergen gibt einen Einblick in die Bewegungen und Kämpfe, die sich im Westen der baskischen Provinz abspielten, als baskische und republikanische Kräfte versuchten, den Vormarsch der aufständischen Faschisten aufzuhalten. Die Intxorta-Berge mit der Urkiola-Hochebene und dem Amboto-Berg im Hintergrund waren ein gut bewachtes natürliches Hindernis, zu dessen Überwindung die Franco-Truppen 9 Monate brauchten.
Elgeta ist ein kleiner Ort mit etwas mehr als 1.000 EinwohnerInnen, an der Grenze zwischen den baskischen Provinzen Gipuzkoa und Bizkaia. Bekannt wurden Elgeta (460m) und die Intxorta-Berge (737m) im Krieg 1937, als der übermächtige faschistische Vormarsch dort 9 Monate lang aufgehalten wurde.
Die Wanderung entlang der Kriegsfront und der Schlachtenplätze zwischen Elgeta und den Intxorta-Bergen führen vorbei an wieder ausgehobenen Schützengräben und Unterständen, wo sich baskische Bataillone, republikanische Kämpfer und Francos Truppen gegenüberstanden. Die langjährige Informations- und Materialsuche führte schließlich zum Konzept einer begleiteten Führung, bei der Geschichte und Geschichten vermittelt werden und bei der ein lebendiger Eindruck entsteht von den Ereignissen des Jahres 1937. (1)
Ziel der 5 Kilometer langen Wanderung, die auf eigene Faust gemacht werden kann oder im Rahmen einer Führung, ist es, die Kriegsschauplätze aus den Jahren 1936 und 1937 kennenzulernen, mit vielen Details der Front am Fuße des Berges Intxorta im äußersten Westen der baskischen Provinz Gipuzkoa. Der Rundgang startet am Baskischen Zentrum für historische Erinnerung in Elgeta (Memoria-Museum neben dem Elgeta Antzokia) und endet an der Kapelle von Salvador etwas oberhalb der Gemeinde Elgeta. Entlang des Weges befinden sich mehrere Informationstafeln an wichtigen historischen und landschaftlichen Punkten.
Geschichte
Nach den erfolglosen Versuchen, Madrid einzunehmen, beschlossen die Generäle der Putschisten-Armee, erneut die geografisch isolierte Nordfront anzugreifen (tatsächlich gab es von der Nordfront keine Landverbindungen zu Katalonien und Madrid, weil dazwischen franquistische besetzte oder umkämpfte Regionen lagen). Der Sektor um Elgeta begann in den Höhen von Basalgo, zwischen Elgeta und dem tiefer liegenden Bergara, wo sich die faschistischen truppen eingenistet hatten. Er führte weiter nach Azkonabieta und zum Pass von Karabieta. Vom Dorf Elgeta aus führte er über die heutige Straße nach Kanpazar bis nach Asentzio. Später verlief er durch die Weiler Arrota und die Schlucht Gaztelumendi bis nach Zabaleta. Die baskischen Bataillone hatten nur wenige Waffen und Kämpfer, um dieses wichtige Gebiet zu verteidigen, das mehrfach dazu beitrug, verschiedene Offensiven des für die Nordfront zuständigen Putschisten-Generals Emilio Mola aufzuhalten.
Auf der Wanderroute wird vermittelt, wie die baskischen Republikaner die von den italienischen “Flechas Negras” (Mussolinis Schwarze Pfeile) unterstützten Faschisten-Truppen aufhielten. Die Putschisten wollten das Gebiet wegen seiner Höhe und seiner dominanten Grenzlage so bald wie möglich einnehmen, wie bereits vom Maala-Platz aus übersehen werden kann. Für die Aufständischen war Intxorta das letzte Hindernis auf dem Vormarsch Richtung Bizkaia, dort waren auf der Flucht vor den faschistischen Mörderbanden bereits Tausende von Flüchtlingen angelangt, ganze Familien, die zu Fuß unterwegs waren und ihre Habseligkeiten mit sich schleppten.
Der Rundgang bietet Einblicke in gut erhaltene (und wieder ausgegrabene) Überreste von Schützengräben, die mit Verbindungswegen, Schützenlöchern und Mörserstellungen kombiniert waren. Die Wanderung bietet Gelegenheit, an viele der damals geschehenen Tragödien zu erinnern, wie die vom 15. April 1937, als angesichts der Bewegungen der Aufständischen-Truppen in Bergara die baskischen Batterien von Elgeta aus auf das Unternehmen La Algodonera feuerten. Dort waren Truppen der faschistischen navarrischen Requeté-Verbände stationiert. Bei diesem Beschuss wurden acht Arbeiterinnen getötet, darunter zwei Mütter von baskischen Soldaten (Gudaris), die gerade in Elgeta kämpften. Oder die massiven Bombardements der Faschisten am 20. April, begleitet von Tieffliegern der Legion Condor, die diese Aktion mit Angriffen auf die Intxortas kombinierten.
Auf der Tafel neben den Schützengräben von 1937 ist die Geschichte des “Metrallero” dokumentiert, einer in Italien hergestellten Granate, die mit Bleikugeln geladen war, die vor dem Aufprall auf den Boden beim Explodieren herausgeschleudert wurden, um möglichst viele Gegner zu treffen (heute bekannt als Streu-Munition und in Kriegen offiziell verboten). Es wird nachvollziehbar, dass der Bau von Schutzräumen intensiviert wurde, als die Luftwaffe der deutschen Legion Condor und der italienischen Aviazione Legionaria sowie die immer zahlreichere Putschisten-Luftwaffe auftauchten, die für den Fall des Baskenlandes entscheidend waren.
Kriegsverbrechen
Für diese Schutzräume wurde der Hang genutzt, um sich einzugraben und gleichzeitig im Gelände nicht aufzufallen. Reihen von Baumstämmen bedeckten die Öffnungen, das Dach wurde mit Sandsäcken oder verdichteter Erde verstärkt, auf die Vegetation gelegt wurde. Im Besuch enthalten ist ein Besuch der Gefechts-Stellung La Belga, benannt nach einer Gruppe junger Kämpfer aus Belgien, darunter zwei Frauen, die sich der Verteidigung der Intxortas anschlossen und später ebenso spurlos verschwanden, wie sie aufgetaucht waren. Eine entsprechende Tafel informiert über die Arbeit der Milizionärinnen, die nicht am Kampf teilnahmen, bei der Krankenversorgung hinter der Front jedoch eine tragende Rolle spielten. Das Maschinengewehr, das die Belgier*innen mit sich führten, und ihre gute Position gegenüber der Kapelle von Asentzio (wo sich gegen Ende des Krieges die Aufständischen in Sichtweite eingegraben hatten) setzten der Putschisten-Armee enorm zu.
Die Route führt vorbei am Ehrendenkmal für die Intxorta-Gefallenen auf der Ebene von Asentzio, und am Monolithen zum Gedenken an die in Elgeta ermordeten Zivilist*innen. Kämpfer und Zivilist*innen wurden ohne Gnade ermordet, einigen wurde mit dem Gewehrkolben der Kopf eingeschlagen. Augenzeugen-Berichte erzählen von Vergewaltigungen von Nachbarinnen und anderen schrecklichen Taten, die die Bevölkerung zu erleiden hatte. Ereignisse, die durch die antifaschistische Erinnerung bewahrt werden müssen und die zum Gegenstand einer historische Wanderung geworden sind.
Begleitung
Der Kulturverein BASKALE (Herausgeber der Webseite baskultur.info) bietet neben Stadt-Rundgängen in Bilbo, Donostia, Gernika und Besuchen in der Wein-Region Rioja auch in Elgeta und den Intxorta-Bergen informative Begleitungen an für kleine Gruppen. Entsprechende Informationen über die Mail-Kontakte von Baskale und Baskultur.info.
Mehr Infos
Ein Baskultur.info-Artikel aus dem Jahr 2016 (“Krieg in Elgeta. Vorbildliche Erinnerungsarbeit“) (2) liefert eine Menge an Informationen über die Ereignisse der Jahre 1936 und 1937, die Zeit, in der das Baskenland vom Spanienkrieg betroffen war. Am 20. April 1937 brach der baskisch-republikanische Widerstand in den Intxorta-Bergen, am 26. April 1937 wurde Gernika (Bizkaia) von der nazideutschen Legion Condor vernichtet und zwei Monate später, am 19. Juni 1937 fiel die baskische Hauptstadt Bilbao in die Hände der aufständischen Faschisten. Die baskische Armee zog sich Richtung Santander (Kantabrien) zurück, die bürgerlichen Bataillone kapitulierten im August in Santoña, die revolutionären Bataillone zogen weiter nach Asturien, um dort den Kampf für die Republik weiterzuführen. Offiziell wurde der Krieg am 1. April 1939 für beendet erklärt, nachdem nacheinander Madrid, Katalonien und Almeria gefallen waren.
ANMERKUNGEN:
(1) Information aus dem Artikel “Paseo entre los restos bélicos de Elgeta” (Ein Spaziergang durch die Überreste des Krieges in Elgeta), Tageszeitung El Correo, 2021-12-16 (LINK)
(2) Führungen: jeden ersten Sonntag im Monat auf Baskisch, jeden letzten Sonntag im Monat zweisprachig Spanisch-Baskisch. Telefon 0034-943796463. Webseite elgetamemoria.com (LINK)
(3) “Krieg in Elgeta, Gipuzkoa. Vorbildliche Erinnerungsarbeit“, baskultur.info, 2016-12-16 (LINK)
ABBILDUNGEN:
(*) Elgeta (FAT)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-09-13)
