kolu67x00Für Frieden oder gegen Krieg

Die Rüstungs-Debatte ist definitiv auch im spanischen Staat und im Baskenland angekommen. Auf unterschiedliche Art, doch wurde beiderseits schnell entschiedener Widerstand deutlich. Die baskische Anti-Kriegs-Bewegung hat drei Ziele fixiert: die einheimische Kriegs-Industrie, die erneut drohende Wehrpflicht, den Völkermord in Gaza und die anstehenden Sozialkürzungen. Dass der Kicker-Club Athletic in diesem Monat noch Europa-Cup-Sieger werden könnte wird angesichts dessen zum historischen Detail.

Der baskische Gernika-April endete mit emotionalen, aber heuchlerischen Bekenntnissen zum Thema Frieden, der Mai beginnt mit kämpferischen Parolen und von der Jugend mitgebrachten roten Fahnen.

(2025-05-31)

BASKISCHE NAMENSGEBUNG

kolu67x31Die Hits unter den Namen für Babys, die im Jahr 2023 im Baskenland geboren wurden, haben sich laut den Daten des spanischen Statistik-Instituts geändert: Oihan und Malen sind jetzt die meistgewählten Namen, gefolgt von Martin und Aimar bei Jungs und Laia, Ane und Nora für Mädchen. Die Rangliste der bei Eltern im Baskenland beliebtesten Namen wird bei Jungen vervollständigt durch Markel, Ibai, Jon, Luka, Julen und Izei. Bei den Mädchen sind die am häufigsten gewählten Namen June, Alaia, Lucía, Maddi, Nahia und Martina. Die Mehrheit dieser Namen sind echt Baskisch, nicht alle.

Die Vorlieben der baskischen Eltern unterscheiden sich deutlich von denen der Eltern im übrigen Spanien, da die meisten der gewählten Namen ausdrücklich baskischer Natur sind. Allerdings gehören die am häufigsten gewählten kastilischen Namen im Baskenland auch zu den beliebtesten in Spanien. So wurden 2023 im Staat die Namen Hugo und Lucía am häufigsten gewählt, vor Mateo, Martín und Leo für Jungen und Sofía, Martina und María für Mädchen, so die kürzlich veröffentlichten Statistiken. So viel zum legalen teil der Namensgebung.

Verbote: Die Behörden legen eine Reihe von Beschränkungen fest, die die Eintragung bestimmter Namen verhindern, die als unpassend oder anstößig gelten oder den kommenden Staatsbürger*innen Schaden zufügen könnten. Im Staat besteht zwar eine große Freiheit bei der Namenswahl, aber nicht absolut. Die Regeln sollen Würde, Integrität und rechtliche Klarheit der Kinder schützen. Deshalb gilt: 1. keine Namen, die die Würde des Kindes verletzen oder Anlass zu Spott, Demütigung oder Verhöhnung geben könnten. Beispiele: Hitler, Osama Bin Laden, Judas, Loco, Caca, Tonto oder Engendro sind ausdrücklich verboten. Kinder sollen nicht wegen eines historisch, politisch oder moralisch negativ besetzten Namens gesellschaftlich abgelehnt oder schikaniert werden. 2. Markennamen, Namen von Gegenständen oder Früchten. Beispiele: Chanel, Adidas, Obstnamen wie Mandarine, Zitrone, oder Städte und Länder wie Tokio, Mailand, Italien dürfen verwendet werden, weil ihre Verwendung das Kind entmenschlichen oder lächerlich machen könnte. 3. Vollständige Namen berühmter Personen. Also nichts mit Rafa Nadal, Indiana Jones, Freddie Mercury oder Iker Casillas.

Viertens. Wiederholung zwischen Geschwistern und Übersetzungen, mit bürokratischer Begründung. 5. Namen von geschlechtlicher Mehrdeutigkeit. Obwohl Unisex-Namen in verschiedenen Kulturen immer beliebter werden, sind Namen, die das Geschlecht des Kindes verraten, im Staat verboten. So kann beispielsweise ein Mädchen nicht als Unai und ein Junge nicht als Ane registriert werden. Ziel ist es, eine eindeutige rechtliche Identifizierung zu gewährleisten und Missverständnisse in Bezug auf das Geschlecht der Person zu vermeiden. Ausnahmen gibt es bei baskischen Namen wie Hodei (Wolke) und anderen Naturnamen, die sich bei Mädchen und Jungs finden. 6. Verbot von Diminutiven und Akronymen. Keine Chance für Carlitos, Pedrito oder Manolito. 7. Maximal zulässige Anzahl von Namen: Francisco José Javier oder Ana María Luisa sind nicht zulässig, in baskischer Tradition hat an diesen religiös angehauchten Kombinationen ohnehin niemand Interesse. (baskultur.info)

(2025-05-30)

UNO KRITISIERT SPANIEN WEGEN FOLTERFALL

kolu67x30Der UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) hat eine positive Stellungnahme zur Beschwerde des baskischen Häftlings Raúl Fuentes Villota abgegeben in Bezug auf die Folter, die er 1991 in Bilbao erlitten hat. Der CAT stellt fest, dass "begründete Anhaltspunkte vorlagen" und erinnert daran, dass es sich bei Folter um ein Verbrechen handelt, das nicht verjährt. Das berichtet die Beobachtungsstelle für Menschenrechte, GEBehatokia.

Der politische Aktivist Raúl Fuentes war 1991 in Bilbao von der spanischen Polizei festgenommen worden, er verbüsst derzeit eine Haftstrafe im Gefängnis Martutene, Donostia und hatte bereits vor dem spanischen Verfassungsgericht geklagt. Wie Giza Eskubideen Behatokia (GEB) berichtet, stellt das CAT fest, dass "begründete Anzeichen" für Folter "bestanden" und kritisiert den spanischen Staat, weil die Folter-Anzeige nicht untersucht und geklärt wurde. Deshalb gab das CAT eine positive Stellungnahme zu Fuentes' Beschwerde ab. Nach Ansicht der internationalen Experten wurden die Anzeichen von Folter "von staatlichen Organen nicht ausgeräumt", die fehlende Untersuchung sei unvereinbar mit der in Artikel 112 des Europäischen Vertrags vorgesehenen Verpflichtung zu einer sofortigen Untersuchung.

Der Fall ist auch ein Novum im Vergleich zu früheren Fällen, erklärt GEB. Der CAT-Ausschuss kritisiert Madrid dafür, dass "die Behörden die Anzeige des Beschwerdeführers wegen Folter und Misshandlung" mit der Begründung eingestellt haben, dass "der Straftatbestand der Folter verjährt sei". CAT erinnert daran, dass dieses Verbrechen nach internationalem Recht aufgrund der dauerhaften Folgen, die Folter bei einer Person hinterlässt, nicht verjährt. Dies ist ein Punkt, de der ehemalige UN-Berichterstatter Fabián Salvioli bei seinem jüngsten Besuch im Baskenland hervorgehoben hat.

Der Fall von Raúl Fuentes ist einer der wenigen, in denen die von der Polizei praktizierte Folter gerichtsmedizinisch bestätigt wurden, und zwar fünf Mal. Dennoch wurde die Klage auf Eis gelegt. Der Fall erinnert an den von Iratxe Sorzabal, bei der Misshandlungen ebenfalls von Gerichtsmedizinern bestätigt wurden, die Folter wurde aber erst 24 Jahre danach durch das jüngste Urteil der Audiencia Nacional offiziell anerkannt.

Fünf Gerichtsmediziner bestätigten

So erklärte ein Gerichtsmediziner aus Bilbo noch am Tag der Verhaftung von Fuentes, dass der Verhaftete "starke Angstzustände" zeige und angab, "Schläge mit der offenen Hand und mit dem Fuß erhalten zu haben". Er berichtete auch von Quetschungen mit einer Faust auf dem Bauch und dass dem Gefangenen mit Bleistiften in seine linke Hand gebohrt worden sei". Dabei handelt es sich um die berühmte "Bleistiftfolter", die damals auf dem Polizeirevier von Bilbo angewandt wurde, wie aus zahlreichen Zeugenaussagen hervorgeht, auch von anderen, die bei der gleichen Razzia festgenommen wurden. Es handelte sich um eine scheinbar "sanfte" Praxis, die kaum körperliche Spuren hinterließ, aber enorme Schmerzen verursachte.

Einen Tag später erklärte ein anderer Gerichtsmediziner, dass Raúl Fuentes von Schlägen auf den Kopf berichtete und außerdem eine Markierung an zwei Fingern hatte, die mit der durch die Stifte verursachten Quälerei vereinbar sei. Ein dritter Arzt bestätigte später diese Verletzung; der vierte (am vierten Tag der Isolationshaft) bestätigte ebenfalls; und der fünfte, bereits vor dem Nationalen Gericht (Audiencia Nacional), bestätigte erneut.

Bei seiner Vorführung vor Richter Baltasar Garzón gab Fuentes ebenfalls an, gefoltert worden zu sein, er schilderte die Schläge, die Platzierung eines Maschinengewehrs an seiner Schläfe und die Folter mit den Bleistiften. Garzón (ein international bekannter Richter, der bekannt wurde, weil er Pinochet verhaften ließ) unternahm nichts dagegen, auch nicht, als sich herausstellte, dass andere Gefangene der gleichen Festnahme-Operation (Germán Urizar, Jon Mirena Sampedro und Asier Kintana) ähnliche Verletzungen aufwiesen wie er. Diese Untätigkeit war der Auslöser für die spätere Erklärung, dass die Verjährungsfrist abgelaufen sei. (naiz-baskultur)

(2025-05-29)

DER EHRENBÜRGER VON BEASAIN

kolu67x29Der kürzlich verstorbene uruguayische Ex-Präsident Pepe Mujica wurde an diesem Donnerstag vom Plenum der Stadt Beasain in Gipuzkoa zum " Ehrenbürger" der Stadt ernannt. Damit wurden sowohl seine familiäre Herkunft als auch die Werte, die er verkörperte, und seine Referenz in Euskal Herria gewürdigt. Es wurde beschlossen, eine Straße oder einen Platz in der Stadt nach ihm zu benennen. (Foto: Mujica und Topolansky während ihres Besuchs im Baskenland im Jahr 2015. Aritz Loiola, Foku)

Trotz vorheriger Zweifel wurde der Antrag ausnahmslos von allen Stadträten unterstützt, wobei jede Partei ihre eigenen Beweggründe bezüglich der Figur des ehemaligen Präsidenten deutlich machte. Das Konsistorium besteht aus neun Abgeordneten der rechten PNV, fünf der linken EH Bildu, zwei von der sozialdemokratischen PSE und einem von Elkarrekin Podemos. Von letzterem Ratsmitglied war die Initiative in die Plenarsitzung eingebracht worden, nachdem EH Bildu ebenfalls seine Absicht dazu bekundet hatte. Nachdem das Thema aufgerufen wurde, unterstützte Eh Bildu den Antrag und fügte den Vorschlag hinzu, eine Straße oder einen Platz in der Stadt nach ihm zu benennen. Mit Unterstützung des gesamten Rates wurde beschlossen, die entsprechenden Verfahren einzuleiten.

Familiäre Wurzeln

Der uruguayische Staatschef besuchte Beasain sowie andere Städte wie Muxika, Bilbo und Donostia im Jahr 2015. Bei diesem Besuch erfuhr er, dass seine familiären Wurzeln in der Nähe von Astigarreta liegen, einer Stadt im Landkreis Goierri, und nicht in Busturialdea (bei Gernika), wie zunächst aufgrund der Übereinstimmung zwischen dem Namen der Stadt und seinem Nachnamen angenommen wurde. Seine ausgewanderten Vorfahren kamen in Wirklichkeit aus dem Bauerngut Muxika in Beasain.

Für Elkarrekin Podemos, die den heutigen Antrag eingebracht hat, bedeutet die Anerkennung von Persönlichkeiten wie Mujica "in einem globalen Moment, der durch das Aufkommen autoritärer Diskurse und die Entmenschlichung der Politik gekennzeichnet ist, auch eine Bekräftigung der Werte, die Beasain als Gemeinschaft vertreten will: Solidarität, soziale Gerechtigkeit, Verteidigung der Schwächsten und Einsatz für die Menschenwürde". (naiz-baskultur)

(2025-05-28)

DAS HAFENARBEITER-MASSAKER VON 1931

kolu67x28Am 27. Mai 2025 war der 94. Jahrestag des Ategorrieta-Massakers der Guardia Civil. Sieben Arbeiter wurden nach einem Protest-Marsch von Trintxerpe-Pasaia in dieses Donostia-Barrio erschossen, mehr als 30 verletzt. Der Beginn des Konflikts mit den Seeleuten ist nicht ganz klar, aber bereits am 19. April 1931 präzisierten die Hafenarbeiter und Fischer in der nationalistischen Zeitung "El Día" (Der Tag) ihre Forderungen: Ruhetage, bessere Löhne und bessere Arbeits-Bedingungen. Im Laufe des Monats Mai kam es zu mehreren Streikaufrufen und direkten Konflikten. Es waren Tage voller Aktionen und Spannungen, denn die Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und die Verhandlungen blieben erfolglos, so ging der Streik weiter. Die Ereignisse überschlugen sich, es kam zu den ersten Verhaftungen. Deshalb riefen die Seeleute von San Pedro und Trintxerpe (in Pasaia) zu einem Generalstreik auf und organisierten am 27. Mai 1931 eine Demonstration nach Donostia, San Sebastian. (Ategorrieta ist baskisch und bedeutet Ort der roten Tür).

Eine unbequeme Vergangenheit".

Am selben Tag bewachten Polizeikräfte auf Anweisung des Zivilgouverneurs von Gipuzkoa öffentliche Gebäude, die Sicherheitskräfte stellten Truppen in der Stadt auf, Soldaten überwachten die öffentlichen Dienste. Um 10 Uhr verließ eine Demonstration von etwa 4.000 Arbeitern Trintxerpe in Richtung Donostia. Die Parolen lauteten: "Wir wollen Brot für unsere Kinder" und "Freiheit für unsere verhafteten Kameraden". Der Zivilgouverneur Aldasoro genehmigte die Demonstration nicht und setzte Armee und Sicherheitskräfte ein, um den Marsch zu verhindern.

Bei der Miracruz-Anhöhe traf der Marsch auf ein Armeekommando, die Demonstranten teilten mit, dass sie in friedlicher Absicht gekommen seien. Die Soldaten ließen sie passieren, warnten aber, dass gleich dahinter die Guardia Civil wartete. Als sie Ategorrieta erreichten, sprach die Guardia Civil einige Warnungen aus, aber die Demonstranten wollten weitergehen. Als Reaktion fielen Schüsse. Das Massaker war enorm, viele aus der Gegend versuchten, sich in den Hauseingängen um die Verwundeten zu kümmern, teilweise wurden sie in privaten Autos und später eintreffenden Krankenwagen ins Krankenhaus und zu Hilfseinrichtungen gebracht.

7 tote Arbeiter und 30 Verletzte

Die Zahl der Toten und Verletzten ist nicht genau bekannt, aber nach den gesammelten Daten hat die Guardia Civil bei dem Angriff an diesem Tag 7 Arbeiter getötet und mehr als 30 verletzt. Als Folge der Morde kam es in Donostia zu mehreren Demonstrationen. Auch bei diesen Mobilisierungen verletzten die Sicherheitskräfte weitere Arbeiter und verhafteten viele andere. Den ganzen Tag über gab es einen ständigen Strom von Verwundeten in der Casa de Socorro, der Krankenstation. Auch Tage nach dem Massaker kam es noch zu Verhaftungen unter den Fischern. Ohne dass der Konflikt gelöst worden wäre, hinterließ das Massaker von Ategorrieta seine Spuren. Obwohl Ategorrieta das schlimmste Massaker an Arbeitern in Donostia war und die dabei getöteten Arbeiter aus Pasaia stammten, ist es bemerkenswert, dass diesen Opfern lange Zeit keine institutionelle Anerkennung zuteil wurde. Erst in diesem Jahr (2025) wurde von der Stadtverwaltung Pasaia eine Gedenktafel aufgestellt, bei einer Veranstaltung wurden Blumen niedergelegt. Bei Ategorrieta handelt es sich um das schlimmste Massaker an Arbeitern in der Geschichte des Baskenlandes, mit mehr Toten als in Vitoria-Gasteiz im Jahr 1976. "Mit dieser Gedenktafel, die sich am Ausgangspunkt der Ereignisse befindet, wollen wir die Toten, die Verwundeten und ihre Angehörigen und Freunde ehren", sagte der Bürgermeister von Pasaia. (baskultur)

(2025-05-27)

BASKISCHER SPINOSAURUS-FUND IN SORIA

kolu67x27Baskische Wissenschaftler haben in Soria Reste eines Raubtiers von der Größe eines Tyrannosaurus gefunden. Mit einer Länge von 12 Metern ist es das größte Raubtier der Oberkreide-Zeit auf der Halbinsel, vor 125 bis 66 Millionen Jahren. - Einer der Höhepunkte des dritten Teils von "Jurassic Park" ist das Aufeinandertreffen von Tyrannosaurus Rex und einem anderen Riesen. Nach einem Eröffnungskampf, aus dem der bis zu 13 Meter lange T-Rex als Sieger hervorzugehen scheint, versetzt sein bis zu 14 Meter langer Rivale seinem Gegner einen tödlichen Biss in den Nacken und beendet sein Leben. Eine großartige Szene, die sich in der Realität aber nicht ereignen konnte, denn der Spinosaurus, der Sieger des Kampfes, existierte zwar, aber er fraß keine Tyrannosaurier. Er lebte auch nicht in der gleichen Umgebung.

Ein Exemplar eines dieser Titanen wurde in Soria von einem internationalen Team unter der Leitung der Paläontologen der Universität des Baskenlandes, Erik Isasmendi und Xabier Pereda, gefunden. Es handelt sich um ein 10 bis 12 Meter langes Individuum, das vor 125 Millionen Jahren in der Oberkreide, der Nachfolgephase des Jura, gelebt haben muss. "Spinosaurier waren fleischfressende Dinosaurier, die sich von anderen Theropoden wie auch von Tyrannosauriern durch ihren niedrigen, langgestreckten Schädel mit einem Kiefer mit konischen Zähnen, die denen moderner Krokodile ähneln, leicht unterscheiden ließen. Sie hatten lange, kräftige Arme mit drei-fingrigen Händen, die in kräftigen Klauen endeten, wobei die mittlere Klaue größer war, sie konnte bis zu 31 Zentimeter lang werden. Sie lebten in der Nähe von Seen und Flüssen und ernährten sich hauptsächlich von Fischen, obwohl sie auch andere Tiere jagen konnten", erklärt Isasmendi. Zu diesen anderen Tieren gehörten kleinere Dinosaurier und fliegende Reptilien (Pterosaurier). Es ist nicht klar, ob sie Schildkröten und Krokodile fressen konnten, da die Panzer der Schildkröten und die Haut der Krokodile sehr hart sind.

Bei den neu gefundenen Fossilien handelt es sich um mehrere Zähne, Wirbel, Schädel- und Gliederknochen, die an den Fundorten Los Caños und Zorralbo in der Nähe der Hauptstadt Soria gefunden wurden. Sie alle wurden vor 25 Jahren von einer Familie von Amateur-Paläontologen gefunden, die seit Jahren Ausgrabungen in dieser Gegend durchführt. Sie wurden im Numantinischen Museum hinterlegt und von Isasmendi für seine Doktorarbeit untersucht. Es wäre der größte fleischfressende Dinosaurier, der zu diesem Zeitpunkt auf der Iberischen Halbinsel bekannt ist.

Eine neue Art?

Bisher wurden bis zu 15 Arten von Spinosauriden, der großen Familie, zu der diese Riesen gehören, beschrieben. Fünf davon wurden auf der Iberischen Halbinsel gefunden. Der große Spinosaurier aus Soria könnte einer noch nicht beschriebenen Form entsprechen, auch wenn weitere Überreste geborgen werden müssen, um zu bestätigen, dass es sich um eine andere Art als die bereits bekannten handelt", so Isasmendi.

In den letzten Jahren sind mehrere fossile Überreste dieser Tiere gefunden worden. Im Februar letzten Jahres (2024) wurde der "Riojavenatris lacustris", der erste in La Rioja gefundene Dinosaurier vorgestellt. Er wurde Britney genannt, war zwischen 7 und 8 Meter lang und wog 1,5 Tonnen. "Die neue Art besteht aus Überresten der hinteren Gliedmaßen (Oberschenkel-Knochen, Schienbein, Wadenbein, Knöchelknochen und Fußglieder) und des Beckens (Schambein und Sitzbein) sowie aus einem Wirbelrest.

Er weist eine Kombination von anatomischen Merkmalen auf, die ihn einzigartig machen und es erlauben, ihn von anderen Spinosauriern zu unterscheiden", so der baskische Paläontologe, der damals an seiner Katalogisierung arbeitete. Fast ein Jahr zuvor, im März 2023, wurde die Existenz von "Protathlitis cinctorrensis" bekannt gegeben, so etwas wie der "Champion von Cinctorres" - wegen der Gemeinde in Castellón, in der er gefunden wurde. Anhand eines Knochens des rechten Kiefers, eines Zahns und fünf Wirbeln wurde auf eine Größe von 10 bis 11 Metern geschlossen, also weniger als bei den Funden in Soria. Neben den Überresten des großen Fleischfressers haben die Forscher auch mehrere Zähne gefunden, die zu einem zweiten Theropoden passen, der nicht zu den Spinosauriern gehört. (elcorreo-baskultur)

(2025-05-26)

OPFER-EHRUNG IM FRANCO-GEFÄNGNIS EZKABA

Vor dem ehemaligen Gefängnis von San Cristóbal auf dem Ezkaba-Berg wurde gestern wie jedes Jahr um den 28. Mai der Opfer des Franquismus gedacht. Die Festung ist bekannt für eine Massenflucht im Jahr 1938, die für die meisten der Beteiligten tragisch endete. In dieser Festung, die während des Franco-Regimes in ein Gefängnis umgewandelt wurde, fand auch 87 Jahre nach der Flucht eine Gedenkfeier statt, mit der die navarrischen Memoria-Gruppen an die 7.400 Gefangenen erinnern, die dort inhaftiert waren und von denen viele durch Erschießungs-Kommando hingerichtet wurden.

Das in den Berg eingelassene Fort wurde nie wie geplant zu Verteidigungszwecken genutzt, da das Aufkommen der Flugzeuge diese Art von Bauwerk obsolet machte. Es wurde jedoch von 1934 bis 1945 als Militärgefängnis genutzt, wofür es nicht konzipiert war. Dafür war es notwendig, Mauern zu errichten, um die Gefangenenquartiere von denen der Wachen zu trennen. Nach der Oktober-Revolution von 1934 in Asturien wurden Hunderte von Gefangenen aus Asturien und Eibar in diesen Galerien eingesperrt. Die katastrophalen hygienischen Verhältnisse führten von Anfang an zu Forderungen nach einer Verlegung der Gefangenen und der Schließung des Gebäudes als Gefängnis. Im Jahr 1938 waren 2.487 Häftlinge inhaftiert, die meisten von ihnen politische Aktivisten und Gewerkschafter sowie revolutionäre und republikanische Aktivisten. Sie wurden misshandelt und gedemütigt durch Schläge, extremen Hunger und Läuse, es gibt Belege für den Tod von 305 Gefangenen zwischen dem 1. Januar 1937 und dem 6. Juli 1945, dem Datum der Schließung des Gefängnisses.

Die Flucht wurde von etwa dreißig Häftlingen vorbereitet, die sich der Sprache Esperanto bedienten, um sich zu verständigen, ohne von anderen verstanden zu werden. Von den 795 Ausbrechern wurden 585 wieder eingefangen, viele wurden an Ort und Stelle ihrer Entdeckung erschossen. Nur drei der Geflüchteten erreichten die rettende französische Grenze.

2025 ist insofern ein besonderes Jahr, weil die ehemalige Gefängnis-Festung von der navarrischen Regierung offiziell zum antifranquistischen Gedenkort erklärt wurde. Gleichzeitig wurde bei der Veranstaltung mehrfach auf die Entscheidung verwiesen, das unter dem Namen Los Caidos (Die Gefallenen) bekannte Mausoleums-Denkmal im Herzen Pamplonas nicht abzureißen, wie von vielen Memoria-Verbänden gefordert. Nach Vereinbarung der Regierungs-Parteien (PSN, EH Bildu und Geroa Bai) soll darin ein antifaschistisches Zentrum der Erinnerung eingerichtet werden.

Mehrere hundert Personen, einige mit republikanischen Fahnen, fanden sich in der Festung ein, wo am Tor eine große Trikolore zu Ehren derjenigen aufgestellt wurde, die die Zweite Republik verteidigten und dafür inhaftiert wurden. Deutlich sichtbar waren die roten Nelken und die Flaschen, die einige der Anwesenden am Eingang des Geländes hinterließen, als Erinnerung an den so genannten Flaschen-Friedhof unterhalb der Festung. Dort waren verstorbenen Häftlinge begraben worden. Weil Grabkreuze mit Namen nicht erlaubt waren, wurden heimlich Flaschen dazugelegt, mit Zetteln mit den Daten der Toten. Erst vor etwa 10 Jahren war dieser sonderliche Friedhof entdeckt worden.

Es war ein emotionaler Akt, bei dem die Nachkommen einiger der in San Cristóbal Verfolgten, die aus verschiedenen Teilen des spanischen Staates stammten, anwesend waren. Einige von ihnen ergriffen das Wort, um an ihre Verwandten und Genossen zu erinnern, die heftige Repressionen zu erleiden hatten, in vielen Fällen wussten die Angehörigen nicht einmal, wo sie gefangen gehalten wurden.

Dies passierte auch der Familie von Rafael Viyuela, dessen Großneffe, der Schauspieler Pepe Viyuela aus La Rioja, einen Brief schickte, der auf der Veranstaltung verlesen wurde und in dem er warnte vor dem "Schweigen, das der Franquismus auferlegt hat, um die Schande und die Massaker zu verbergen", die das Franco-Regime begangen hat. Es war für die Familie "eine Leerstelle voller Schmerz und Geheimnisse", die bis zum Tod Francos andauerte, und die Pepe Viyuela kommentierte: "Wir werden nicht zulassen, dass du in Schweigen begraben wirst". Tänzer von Antsoain mit einer Vorstellung und Musik von der Rockband Marea bildeten den künstlerischen und emotionalen Teil der Veranstaltung. (baskultur)

(2025-05-25)

UNBEWOHNTE WOHNUNGEN IN NAVARRA

kolu67x25Am 6. Mai fand im Parlament von Navarra eine Anhörung statt, um die Entwicklung des Registers der unbewohnten Wohnungen in Navarra zu analysieren. Dabei behauptete der Sprecher der regionalistischen Rechten UPN, dass "die Wohnungen in Navarra praktisch vollständig belegt" seien. Rechte Propaganda, Fake News im Parlament. Nach Angaben von Nastat (Navarra Statistik) stehen 21,2% der Wohnungen in der Region leer oder werden als Zweitwohnungen, Wochenend- oder Ferien-Wohnungen genutzt. Während der Wohnungsbestand in Navarra etwa 330.000 Einheiten umfasst, ergibt sich aus diesem Prozentsatz die beachtliche Zahl von 70.000 leeren oder nicht regelmäßig genutzten Wohnungen. Tausende hingegen leben auf der Straße oder können nur mit Mühe ihre Miete bezahlen.

Nicht alle leeren Wohnungen können als unbewohnte Wohnungen bezeichnet werden. Rechtlich gesehen handelt es sich um unterschiedliche Begriffe. Das Gesetz definiert als unbewohnt nur die leeren Wohnungen, die ein Dritt-Eigentum desselben Eigentümers darstellen: die erste wird bewohnt, die zweite, dritte und … sind Besitzanhäufung, Spekulation, Erbe. Ausgeschlossen sind die Lebens-Wohnung, Zweitwohnungen, solche, die zur Vermietung oder für touristische Zwecke bestimmt sind, sowie Immobilien außerhalb Navarras. Das Register der unbewohnten Wohnungen in Navarra wurde im Jahr 2020 begonnen, seither wurden etwa 1.800 unbewohnte Wohnungen gemeldet. Die Zahl der Meldungen ist jedoch von Jahr zu Jahr gesunken und erreichte im Jahr 2024 einen Tiefstand von 86 Wohnungen.

Die Regierung von Navarra verfügt über Instrumente zur Ermittlung leerstehender Wohnungen. Eines davon besteht darin, die Katasterdaten mit den Aufzeichnungen über den Wasser-, Strom- und Gasverbrauch abzugleichen. Mit dieser Methode können Verfahren für jene Wohnungen eingeleitet werden, die keinen Verbrauch aufweisen, um festzustellen, ob sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, um als unbewohnt definiert zu werden. Gleichzeitig sieht das Gesetz die jährliche Verpflichtung der Finanzinstitute und ihrer Immobilien-Zweigstellen vor, unbewohnte Wohnungen in ihrem Besitz zu melden.

Mit Ausnahme einiger Aufdeckungsaktionen, die vor fünf Jahren und nur in einigen Gemeinden durchgeführt wurden, beschränkte sich die Verwaltung bisher auf Informationen, die von den Finanzinstituten und ihren Immobilien-Agenturen bereitgestellt wurden. Mit anderen Worten, der direkte Weg der Informationsbeschaffung bleib offen. Es ist bezeichnend, dass in allen Jahresberichten der Regierung dieselbe Schlussfolgerung wörtlich wiederholt wird: "Die erhaltenen Informationen sind unvollständig, da der sich verändernde Finanzmarkt zur Übernahme von Finanzinstituten und Immobilien-Agenturen durch andere geführt hat und eine Reihe von Wohnungsbaugesellschaften sich ihrer Verpflichtung zur Bereitstellung von Informationen über leerstehende Immobilien nicht bewusst sind. Dies erfordert eine sorgfältige Überwachung, es ist notwendig, diese Informationen einzufordern".

Mit anderen Worten: Die Regierung erkennt an, dass selbst die Informationen, die die Finanzinstitute erhalten, unvollständig sind, und dass es notwendig ist, diejenigen zu überwachen, zu überprüfen und einzufordern, die ihrer Verpflichtung nicht nachkommen. Empfehlungen, die die Exekutive jährlich wiederholt und jährlich selbst nicht befolgt. Oder anders formuliert: Wer kein Interesse daran hat, dass eine Wohnung im eigenen besitz als ungenutzt entdeckt wird, tut alles, um die Information zu verstecken. Kapitalismus beruht auf Privateigentum, angeblich verpflichtet Eigentum zu sozialer Funktion, solange Eigentum auch noch versteckt wird, wird aus der sozialen Verantwortung – die Lösung des Problems der Wohnungsnot und Obdachlosigkeit – eine Farce.

Denn sobald eine Immobilie für unbewohnt erklärt wird, wird sie der zuständigen Gemeinde-Verwaltung gemeldet, die nach Verabschiedung der entsprechenden Verordnung befugt ist, eine spezifische Sonder-Steuer auf diese Immobilie zu erheben. Die Regierung von Navarra ist zwar auch befugt, Sanktionen zu verhängen, doch ist dies auf juristische Personen beschränkt. Das Hauptziel sollte nicht in der reinen Steuererhebung bestehen, sondern darin, eine abschreckende Wirkung zu erzielen, um die Eingliederung dieser leerstehenden Wohnungen in den Mietmarkt zu fördern. Diese Maßnahme zusammen mit angebotenen Steuernachlässen die Mobilisierung eines Teils des derzeit ungenutzten Wohnungsbestands für die öffentliche Wohnungs-Börse erleichtern. Dies könnte Tausenden von Menschen den Zugang zu angemessenem und erschwinglichem Wohnraum erleichtern.

Doch erfüllt das Register der unbewohnten Wohnungen nicht seinen Zweck. Diese Feststellung wiederholt die Regierung selbst in jedem Jahresbericht, ohne Konsequenzen. Vor drei Monaten beschloss das Parlament, das Register bis zum 30. Juni dieses Jahres zu aktualisieren. Derzeit wird an einem Computerprogramm zur automatischen Erkennung leerstehender Wohnungen gearbeitet, das die Stromverbrauchs-Daten erfasst. Durch die Straßen zu gehen und verschlossene Fenster und Türen zu beobachten wäre die direkte Methode, die von vielen Nachbarschafts-Verbänden praktiziert wird. Der Wohnungsmarkt funktioniert nach kapitalistischen Kriterien, Computerprogramme sind Augenwischerei, die nur den Eindruck vermitteln, Elemente zur Problemlösung zu sein. Denn es bleibt das Paradox, dass zu viele Wohnungen leer stehen, während zu viele Menschen obdachlos sind. Der Kapitalismus ist das Problem, die Nichtnutzung von Wohneigentum ist die Folge. (naiz-baskultur)

(2025-05-24)

DIE FLUCHT VON SEGOVIA

kolu67x24Die Flucht von Segovia ist nicht nur ein Film von Imanol Uribe von 1981, es ist auch und vor allem die Geschichte eines Ausbruchs aus dem Gefängnis von Segovia, an dem 29 Gefangene teilnahmen, 24 ETA-Aktivisten und fünf Katalanen der Organisationen FRAP, FAC, MIL und PCE. Sie verließen das Gefängnis am 5. April 1976 auf unkonventionelle Art durch die Kanalisation, nachdem sie sechs Monate lang einen Tunnel gegraben hatten. Die Flucht endete mit der Verhaftung von 24 der Ausbrecher, dem Tod von Oriol Solé Sugranyes bei einer Begegnung mit der Guardia Civil in Auritz-Burguete (Nord-Navarra) und dem Grenzübertritt von vier von ihnen nach Frankreich.

Der Ausbruch war bereits 1975 geplant worden, dem Jahr, in dem der Massenmörder Franco friedlich im Bett starb. Aber die Pläne und Fotos des Abwassersystems des Gefängnisses von Segovia, die die Häftlinge erhalten hatten, fielen dank der Hilfe des Polizeispitzels Mikel Lejarza in die Hände der Polizei. Die Planung für den erneuten Versuch wurde hauptsächlich von ETA-Gefangenen durchgeführt, die innerhalb des Gefängnisses am besten organisiert waren. Die anderen hatten die Aufgabe, Informationen zu sammeln. Luis Lucio Lobato (PCE) wurde ebenfalls zur Teilnahme eingeladen, lehnte jedoch ab, da er (richtigerweise) davon ausging, dass er kurz vor seiner Entlassung aus dem Gefängnis stand.

Einige Monate vor dem tatsächlichen Ausbruch nutzten sie die Tatsache, dass die Toiletten doppelwandig waren, um den Tunnel zu graben, der durch eine Kachel-Abdeckung verdeckt war. Der Tunnel führte in die Kanalisation von Segovia, die nach etwa 800 Metern in ein Industriegebiet führte, wo die Ausbrecher mit einem von Miren Amilibia organisierten Außenkommando in Kontakt kamen. Sie versteckten sich im Anhänger eines Lastwagens, der Holz geladen hatte, und fuhren von dort nach Auritzberri-Espinal, einem Dorf in Nord-Navarra in der Nähe der Grenze, wo sie sich in einer Hütte versteckten, und auf einen Grenzführer warteten, eine Kontaktperson, die sie über die Berge nach Frankreich führen sollte. Doch jemand machte einen Fehler beim Passwort, und der Führer erschien nicht. Die Ausbrecher wurden nervös und beschlossen, mitten in der Nacht durch den Wald zu gehen, ohne Hilfe gingen sie im dichten Nebel verloren. Die Tatsache, dass sie als große Gruppe auf einer Schmugglerroute unterwegs waren, führte zu ihrer Entdeckung. Sie wurden von einer Patrouille der Guardia Civil abgefangen, es kam zu einem Feuergefecht, obwohl sich die Gruppe in kleine Gruppen auflöste. Innerhalb von 24 Stunden wurde Oriol Solé Sugranyes durch Schüsse im Wald von Sorogain getötet, und die 21-köpfige Gruppe, die ihn begleitet hatte, beschloss, sich zu stellen. Am 7. und 8. April wurden drei ETA-Mitglieder in Aoiz und Itoiz verhaftet. Die übrigen vier (Carles García Solé, Mikel Laskurain, Koldo Aizpurua und Jesús María Muñoa) versteckten sich in einem Haus in Espinal, bis sie die Grenze problemlos passieren konnten. In Frankreich angekommen, wurden sie von der französischen Regierung auf der Gefängnis-Insel Yeu festgehalten, von der sie ebenfalls fliehen konnten, bis 1977 die erste postfranquistischen Regierung nach zwei Jahren starker Mobilisierung auf der Straße eine Amnestie erlassen musste und sie zurückkehren konnten.

Die Flucht hatte ein internationales Echo; Le Monde veröffentlichte die Nachricht auf der Titelseite unter dem Titel "La Grande Évasion". Obwohl die überwiegende Mehrheit der Ausbrecher wieder eingefangen wurde, war dies ein schwerer Schlag für die Glaubwürdigkeit des repressiven Systems nach Francos Tod. (baskultur)

(2025-05-23)

FASCHISTISCHES SYMBOL UMWIDMEN

kolu67x23Die Diskussion um das ehemalige franquistische Denkmal in Iruñea (Pamplona) geht weiter. Zur Erinnerung: dabei handelt es sich um ein Prachtgebäude im Zentrum, welches die im Bürgerkrieg siegreichen Faschisten für ihre Gefallenen bauen ließen, mitten im Zentrum der Stadt. Die enthaltenen Gräber von Generälen und anderen Faschisten sind entfernt, die Zukunft des Gebäudes ist offen. Viele antifaschistischen Erinnerungsgruppen sind für Abriss, weil sie der Ansicht sind, dass der Charakter des Gebäudes “Los Caídos“ unwiderruflich ein faschistischer sei. Doch das Rathaus mit der sozialdemokratischen Koalition EH Bildu an der Spitze will umwidmen, das heißt, dem Projekt einen neuen Sinn geben.

Dafür wurde nun ein Komitee aus 14 lokalen und internationalen Fachleuten vorgeschlagen, die die Inhalte, die in dem künftigen Zentrum der Erinnerung und gegen den Faschismus in Iruñea ihren Platz finden sollen, wie es in der Vereinbarung im vergangenen November festgelegt wurde.

Dies gaben der Bürgermeister der Hauptstadt Navarras und der Stadtrat für Stadtplanung auf einer Pressekonferenz bekannt. Sie wiesen darauf hin, dass der Regierungsrat den Schutzgrad des Gebäudes ändern wird, um die Umgestaltung voranzutreiben und Rechtssicherheit zu schaffen.

Der Bürgermeister erläuterte, dass die von der Expertenkommission vorzuschlagenden Inhalte zweierlei sein sollten. Zum einen "wird die Geschichte im Mittelpunkt stehen, die sich mit den Tätern befasst, mit der Frage, wer sie waren, wie sie handelten und wie die Unterdrückung während des Bürgerkriegs und des nachfolgenden Franco-Regimes strukturiert war". Eine Vision, die "die Perspektive der Opfer, die an verschiedenen Orten gesammelt und ausgestellt wird, ergänzt und mit dem Institut der Erinnerung koordiniert wird".

Zweitens soll sie "eine zeitgenössische Perspektive einnehmen, die darauf abzielt, kritische Überlegungen über die aktuellen Gefahren neuer Formen des Faschismus, seine Auswirkungen auf die Demokratie und die Notwendigkeit, Koexistenz, Vielfalt und Menschenrechte zu verteidigen, anzuregen und zu fördern".

Hochkarätige Spezialisten

Unter diesen Voraussetzungen müssen die Inhalte des künftigen Zentrums von 14 Fachleuten "auf höchstem Niveau" festgelegt werden, die aus dem Inland wie auch aus dem Ausland stammen und aus Bereichen wie historische Erinnerung, Menschenrechte, Pädagogik und Museums-Management kommen. Herausragend sind dabei Fernanda García Iribarren, Direktorin des Museums für Erinnerung und Menschenrechte in Chile, und Nora Hochbaum, Generaldirektorin des Memoria-Parks und Denkmal für die Opfer des Staatsterrorismus in Buenos Aires, sowie der Philosoph und Historiker Cristian Dürr, der für die Gedenkstätte Mauthausen in Österreich arbeitet.

Asiron betonte, dass das Rathaus bei diesem Prozess auf die Verbände und Angehörigen der Opfer des Krieges von 1936 und des Franquismus zählen möchte, "immer unter Berücksichtigung ihres Willens und ihrer Zeit". Doch gerade sie hatten sich für Abriss ausgesprochen. Aus diesem Grund kündigte er an, dass "geplant ist, diese Verbände einzuladen, sich an der Arbeit des Expertenausschusses zu beteiligen und ihre Erfahrungen, und Ansichten zur Gestaltung des Inhalts des künftigen Zentrums einzubringen". Die Vorarbeiten des Ausschusses haben bereits begonnen. Der Fahrplan, mit dem der Stadtrat arbeitet, sieht vor, dass dieser Ausschuss bis Mitte September einen Vorschlag für den Inhalt vorlegen kann. Das daraus resultierende Dokument wird in die Grundlagen des internationalen Architektur-Wettbewerbs einfließen, der das endgültige Projekt hervorbringen soll. (baskultur)

(2025-05-22)

NACH DEM EVENT IST VOR DEM EVENT

kolu67x22Die Fans, Spieler und Verantwortlichen von Athletic Bilbao können sich einen Tag nach dem “schlechtesten Euro-Finale der Geschichte“ in den A… beißen, oder sonstwo hin, denn nie war die Chance größer, sich endlich einen internationalen Pokal in die Vitrinen zu stellen. Auch mit einem Reserveteam hätten die Bilbainos beide englischen Teams gestern in den Schrank gestellt. Doch ein Schiedsrichter aus Skandinavien hat dies verhindert, aber egal. Thema soll ein anderes sein an dieser Stelle, so kurz nach zwei Tagen Ausnahmezustand, und nachdem sich die Bevölkerung an den andauernden Hubschrauberlärm gewöhnt hatte wie an das Surren einer Mücke. Die Presse ist voll des Lobes über die großartige Organisations-Leitung der Behörden und der Repressivkräfte, die “nur“ sieben englische Fans festgenommen haben.

Niemand macht sich was vor, nicht alle englischen Fans sind gleich, nicht alle sind Hooligans, aber auch so genannte Normal-Fans benehmen sich häufig so. Den gestrigen Massen in den Straßen nach zu urteilen, besteht die Bevölkerung von London und Manchester zu 95% aus Männern, bevorzugt Glatzköpfe (nicht umsonst wurde Skinhead-Kultur in England erfunden). Massenschlägereien gab es nicht nur in Bilbo, sondern auch in den “Ausweich-Ankunfts-Orten“ Santander und Donostia. So manches Kneipen-Mobiliar wurde zerlegt, dazu eine komplette Ampelanlage, auf Video festgehalten zur Verschickung in die Welt der Blödsinnigen. Sogar Container haben gebrannt, eigentlich naheliegend, auf die bei solchen Taten im Baskenland übliche Beschreibung “kale borroka“ wurde als allerdings verzichtet. Jungen-Streiche eben, da ist man im bürgerlichen Lager großzügig. Erwähnung finden muss hingegen, dass linke Ultras aus Bilbao ManU-Fans angegriffen haben sollen (das kann abgehakt werden mit dem im Baskenland üblichen “einen guten Grund wird das schon gehabt haben“).

Von all der Hooligan-Randale wollen die Verantwortlichen im Rathaus Bilbo nichts (mehr) wissen, die Stadt habe “ ihr Meisterwerk“ abgeliefert in Sachen internationale Events. Die meistgelesene, ehemals franquistische Tageszeitung titelt “Bilbao und Bizkaia haben ihre Grenzen bei der Organisation von Makro-Veranstaltungen noch nicht erreicht“, das lässt Schlimmes erwarten. Längst nicht alle sind dieser Meinung, deshalb wurde für den Tag danach eine Demonstration anberaumt, um dagegen zu protestieren, “dass Bilbao nicht zum Verkauf steht“ und dass “die Barrios nicht in Geschäfte verwandelt werden können“. Auch die mitgebrachten Israel-Fahnen wurden alles andere als willkommen betrachtet. Völkermord ist Völkermord, Symbole dafür sind im Baskenland völlig unangebracht und im Übrigen auch nicht üblich.

“Der Bürgermeister hat Tausende von Blödfans nach Bilbao gebracht und die Straßen mit Machismo, Homophobie und Zionismus gefüllt. Die Gewalt gegen die Nachbarn war sehr unterschiedlich, sie haben diejenigen von uns beleidigt und bedroht, die palästina-freundliche Symbole aufgehängt haben oder die T-Shirts trugen, während sie den Völkermord verherrlichten. Dieses erlebte Stadtmodell ist widerwärtig. Die Unternehmen, die diese Art von faschistischen Elementen nach Bilbao bringen und dem Zionismus einen roten Teppich auslegen, stellen sich über die Nachbarschaft.“ Der Demonstrations-Aufruf lässt wenig Zweifel. Der Kampf gegen Wohnungsnot, Gentrifizierung und Massen-Tourismus geht in eine neue Phase.

Im Rathaus wird Sekt gesoffen, in den Restaurants und Hotels wird Geld gezählt, die Bewohner der peripheren Barrios trauen sich für Alltags-Angelegenheiten wieder ins Zentrum, die Fan-Zonen werden abgeräumt. Das Spiel wurde nach einer eisernen Abwehrleistung per Eigentor entschieden und soll so unattraktiv wie Friedrich Merz bei einem Miss-World-Wettbewerb gewesen sein. (baskultur)

(2025-05-21)

DER REIFENSTREIK IST ZU ENDE

kolu67x21Mit der Unterzeichnung von 232 Entlassungen wurde der Konflikt beim multinationalen japanischen Unternehmen Bridgestone in Basauri (nahe Bilbao) beendet. Die Belegschaft ging am Montag normal zur Arbeit, während sich die Gewerkschaften nach dem Referendum mit der Unternehmens-Leitung getroffen haben. Die Beschäftigten dieser Werke hatten mit großer Mehrheit den letzten Vorschlag des Unternehmens angenommen: 232 Arbeitsplätze weniger. Nun darf interpretiert werden: ist dies ein Erfolg oder eine Niederlage.

In ihrem letzten Vorschlag reduzierte das Unternehmen die Zahl der ursprünglich vorgeschlagenen Entlassungen in den Werken Basauri und Pue Kantabrien von 546 auf 420. Die endgültige Zahl bedeutet 103 weniger Entlassungen im Werk Basauri, also 232; und 23 weniger Entlassungen Kantabrien, am Ende 188.

Die Vereinbarung wurde von der Mehrheit der im Unternehmen vertretenen Gewerkschaften unterstützt. CCOO, UGT und BUB haben unterzeichnet, während ELA und SITB den Inhalt der Vereinbarung als nicht ausreichend kritisieren. Bemerkenswert ist vor allem das Nein der mit rund 105.000 Mitgliedern größten baskischen Gewerkschaft ELA. Ihre Position fand weder bei der Bridgestone-Belegschaft, noch beim Streik im öffentlichen Bildungswesen, noch vor einem Monat bei der Guardian-Fabrik in Amurrio eine Mehrheit. Die Gewerkschaft hat nicht nur viele Mitglieder, sie zeichnet sich auch aus durch einen soliden Widerstands-Fonds, mit dem sie streikende Mitglieder finanziell unterstützt – für viele Beobachter ist dies das wichtigste Instrument zur Bewältigung längerer Streiks. ELA verfolgt (nicht immer, aber durchaus) eine konfrontative Strategie, die billige Absprachen blockiert, wenn ihre Postulate nicht akzeptiert werden. An den drei genannten Fällen haben jedoch entweder die Belegschaften oder die anderen Gewerkschaften, die auf Sozialpartnerschaft setzen, ELA den Rücken gekehrt.

Für ihre kämpferische (um nicht zu sagen klassenkämpferische Position wird ELA von den bürgerlichen Medien, der baskischen Regierung und natürlich den Unternehmern heftig kritisiert: “ELA hat im Gegensatz zu dem konzertierten Vorgehen, das von anderen Gewerkschaften praktiziert wird, die anhaltende Konfrontation nicht nur zu einer Strategie, sondern zu einem Markenzeichen ihrer Identität gemacht. Eine Eigenschaft, die sie in Bridgestone bis zur letzten Konsequenz durchsetzen wollte, obwohl sie die am wenigsten vertretene Organisation war. Während die übrigen Gewerkschaften den Vorschlag des japanischen multinationalen Unternehmens als vernünftig genug ansahen, um ihn der Belegschaft zur Abstimmung vorzulegen (die ihn schließlich mit 69% der Stimmen befürwortete), wollte die von Mitxel Lakuntza geführte Gewerkschaft den Weg der aktiven Mobilisierung durch weitere Arbeitsniederlegungen und Streiks fortsetzen, bis die Entlassungspläne vollständig zurückgezogen würden“.

Jedenfalls ist der Arbeitskonflikt der Bridgestone-Beschäftigten beendet, die in den letzten Wochen elf Tage lang gestreikt und durch ihre Mobilisierung die Unterstützung ihrer Nachbarn, Institutionen und politischen Vertreter für sich gewonnen hatten. Von nun an werden die notwendigen Schritte zur Umsetzung des so genannten Sozialplans unternommen: erst freiwillig, dann mit Fußtritt. Es wird ein Zeitraum eröffnet, in dem Arbeitnehmer, die die Voraussetzungen erfüllen und dies wünschen, in den Vorruhestand gehen oder freiwillig eine Entlassung unterschreiben, gegen entsprechendes Kleingled versteht sich. Es wird davon ausgegangen, dass der Entlassungsplan bis zum 23. Juni beendet ist. Die Zahl der “betriebsbedingten Kündigungen“ (Fußtritte) wird letztlich von der Zahl der Arbeitnehmer abhängen, die freiwillig in den Vorruhestand gehen oder die vom Unternehmen angebotenen freiwilligen Kündigungen annehmen.

Zwangsentlassungen werden mit einer Abfindung von 45 bezahlten Tagen pro Arbeitsjahr abgegolten, wobei es keine Obergrenze für die Anzahl der Dienstjahre gibt, wer also fünf Jahre gearbeitet hat, erhält ein Jahr lang Lohnfortzahlung (5x45=225). Diese Entschädigung wird auf freiwillige Entlassungen ausgedehnt, wobei ein zusätzlicher finanzieller Anreiz von 30.000 Euro geboten wird. Vorruhestandsregelungen gelten für Arbeitnehmer, die am 30. Juni dieses Jahres 55 Jahre alt sind. Sie erhalten 80% des Nettogehalts und eine jährliche Aufwertung von 2% bis zum Alter von 64 Jahren. Nach Schätzungen der Gewerkschaften könnten hundert Beschäftigte im Werk Basauri und dreißig bis vierzig im Werk Puente San Miguel in den Vorruhestand gehen.

In seinem jüngsten Vorschlag versprach das Unternehmen auch eine höhere Auslastung des Werks in Basauri und eine Ausweitung der Produktpalette im Werk in Kantabrien. Bridgestone würdigte die Vereinbarung. In einer Mitteilung erklärte Bridgestone Hispania Manufacturing, dass die Vereinbarung das Engagement des Unternehmens "für die Wettbewerbsfähigkeit seiner Werke in Spanien und die nachhaltige Entwicklung seiner industriellen Tätigkeit in einem Markt mit tiefgreifenden Veränderungen und ständigem Wandel" widerspiegelt – große Worte, klingt fast wie Caritas. Die Vereinbarung zeige auch "das Engagement des Unternehmens für einen offenen Dialog in Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmer-Vertretern und im Einklang mit seinen Werten der Integrität und sozialen Verantwortung". Hört, hört. Dank des Dialogs (das Messer auf der Brust) und der Zusammenarbeit während der Verhandlungen konnte die Zahl der ursprünglich geplanten Kündigungen deutlich reduziert werden", sagte er – der alte Trick, den auch Gewerkschaften zur Genüge kennen: wenn du 5% mehr haben willst, dann fordere zehn, oder, wenn du 500 entlassen willst, dann beginne mit 1.000.

Das Unternehmen hat auch die vereinbarten wirtschaftlichen Bedingungen und die vereinbarte Beschäftigungsgarantie "von zwei Jahren ohne Massenentlassungen" gewürdigt, danach beginnt erneut der Wilde Westen. Sie hat betont, dass ein Re-Industrialisierungs-Programm mit Unterstützung der Institutionen durchgeführt wird, um das Aktivitäts- und Beschäftigungs-Niveau in dem betroffenen Gebiet wiederherzustellen. Letzteres glaubt nun wirklich kein Schwein mehr. (naiz-baskultur)

(2025-05-20)

DER RASSISMUS DES MINISTERPRÄSIDENTEN

kolu67x20Bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion zusammen mit dem galicischen Amtskollegen (von der rechten PP) hat der baskische Ministerpräsident das Thema Migration angesprochen, seine Worte haben starken Widerspruch provoziert. Sinngemäß sagte der Lehendakari Pradales von der Baskisch Nationalistischen Partei PNV, Euskadi brauche die Migration, aber nicht die Migration, die derzeit tatsächlich komme, sondern eine andere Migration. In anderen Worten: die erwünschte Migration seien Leute, die zum Arbeiten kommen, am besten mit einem Vertrag in der Tasche, Leute mit Ausbildung, vor allem solche, die die Lücken im öffentlichen Leben schließen, die aufgrund der fehlerhaften Politik der PNV entstanden sind: zum Beispiel das Fehlen von 200 Kinderärztinnen in der öffentlichen Gesundheits-Versorgung.

Im Hintergrund steht der Geburten-Rückgang in der “weißen, katholischen“ baskischen Bevölkerung, die lieber die Welt bereist als Kinder erzieht. Kein Politiker (außer bei Vox) stellt in Euskadi in Frage, dass die aktuelle Gesellschaft nur auf dem Rücken der Migration funktioniert, die Renten, die Pflege, die Fischerei, das Baugewerbe, die Sozialversicherung. Umgekehrt lässt sich ziemlich einfach deduzieren, welche Migration in Pradales Augen nicht erwünscht ist, allen voran die der Boatpeople, die ohne Papiere, ohne Sprachkenntnisse und Ausbildung kommen.

Die neoliberale Basken-Partei, die sich zu Unrecht nationalistisch nennt, bestätigte die Worte des Regierungschefs in Person des Parlaments-Sprechers. Migration müsse Kriterium haben, sprich, da müsse vorher eine Auswahl getroffen werden. Das hört sich an wie Sahra Wagenknecht: Asylanträge bitte in Drittländern vor Eintritt stellen. Von Migrant*innen einen Arbeitsvertrag in der Tasche zu fordern ist völlig zynisch, denn gerade das ist mit Sicherheit der Traum der Mehrheit jener Leute, die jahrelang durch die Wüste irren, um sich dann in unsicheren Booten über das Meer zu trauen. Mit Handkuss würden sie Verträge unterschreiben – wenn sie nur dürften. Denn tatsächlich ist ihnen gerade das verboten, was sie wiederum in die illegale Arbeit treibt, womöglich sogar in die Kriminalität.

Ausgerechnet die Sozialdemokraten, Pradales Koalitionspartner, nicht gerade als Migrations-Freunde bekannt, intervenierten gegen seine Worte. Pradales Worte hörten sich an, wie aus dem Munde der PP oder von Vox. Deren Rauswurf-Phantasien gegenüber Migrant*innen sind allgemein bekannt. Was Pradales praktiziert, erleben wir in ganz Europa: dass die angeblich liberale demokratische Mitte die Argumente der Rassisten kopiert und so deren Argumenten Vorschub leistet. Der Rassisten-Diskurs wird hoffähig gemacht. Otegi von der baskischen Parlaments-Linken lehnt es kategorisch ab, eine Debatte über Einwanderung und Sicherheit gleichzeitig zu führen, sie müssten getrennt erfolgen. Klarer haben sich Sumar und Podemos geäußert, die dem PNV-Politiker direkt Rassismus vorwerfen. Sie haben recht. Der Generalkoordinator von Podemos Euskadi, Richar Vaquero, kritisierte in den sozialen Netzwerken die "rechtsradikale und rassistische Botschaft" des Regierungschefs. "Die Menschen werden nicht ausgewählt, als wären sie eine Ware. Sie sind willkommen, weil sie Rechte haben, nicht weil sie uns nützlich sind", fügte er hinzu. (baskultur)

(2025-05-19)

FASCHISTISCHE STRASSEN-NAMEN ENTFERNT

kolu67x19Die baskische Hauptstadt Gasteiz revidiert ihren ehemaligen Bürgermeister Gorka Urtaran und wird die Straßennamen von fünf Franquisten aus dem Stadtplan entfernen. Was hätte einfach sein können, hat fünf Jahrzehnte gedauert. Letzte Woche schließlich genehmigte das Plenum der Stadt gegen die Stimmen der postfranquistischen PP die Entfernung der fünf Franquisten-Namen (diese Partei hätte sicher noch nicht einmal eine Franco-Straße vom Verzeichnis getilgt. Eine ähnliche Forderung lag bereits im Jahr 2017 auf dem Tisch, aber Bürgermeister Urtaran weigerte sich, sie umzusetzen, mit dem Hinweis, dass José Lejarreta, Bürgermeister zwischen 1941 und 1944, "ein guter Mensch" gewesen sei (ein liebender Familienvater … das Übliche).

Dieser Argumentation folgte das neu gewählte Plenum jetzt nicht mehr, auf Antrag des Republikanischen Athenäums billigte das Plenum des Stadtrats die Tilgung von fünf Namen aus der zeit der Diktatur: Vicente Abreu, Juan de la Cierva y Codorníu, Carmelo Ballester, Carlos Sáenz de Tejada y Lezama und José Lejarreta. Abreu war ein Oberst der Artillerie, der am Militäraufstand von 1936 teilnahm (ein echter Putschist also) und der bis 1943 das Amt des Militär-Gouverneurs von Araba innehatte. Er führte die Repression an und gleichzeitig den Vorsitz bei Kriegsgerichten.

De la Cierva y Codorníu erwarb Rüstungsgüter für die Franquisten in Italien und Deutschland sowie das Flugzeug, mit dem Franco von den Kanaren nach Tetuán reiste, um das Kommando der Putschisten zu übernehmen. Ballester, dessen Name in die Obispo Ballester Straße eingeflossen ist, war zwischen 1943 und 1948 Prälat von Gasteiz. Dieses Amt verband er mit dem Amt des Prokurators in Francos Schein-Parlament. Er war auch Mitglied des Staatsrats. Sáenz de Tejada y Lezama war Illustrator für den Presse- und Propaganda-Dienst der franquistischen Seite und Autor der Illustrationen für 'La Historia de la Cruzada Española' (Die Geschichte des spanischen Kreuzzugs). Und José Lejarreta Salterain war zwischen 1941 und 1944 Bürgermeister von Gasteiz, eine Zeit, in der er seine "unerschütterliche Unterstützung" für das faschistische Regime bekräftigte. Er hatte den Vorschlag gemacht, ein "Mausoleum" zu Ehren derjenigen zu errichten, die "im glorreichen Kreuzzug der spanischen Erlöser-Bewegung zur Verteidigung der Prinzipien des Vaterlandes" gefallen sind.

"Ein guter Mensch"

Es war nicht das erste Mal, dass die Entfernung des Namens von Lejarreta aus dem Stadtplan der Hauptstadt von Alava gefordert wurde. Im Jahr 2017 forderten antifaschistische Erinnerungs-Gruppen, die Namen einiger der genannten Franquisten zu tilgen, doch Gorka Urtaran, damaliger Bürgermeister von Gasteiz, lehnte dies ab. "Als Bürgermeister werde ich in keiner Straße der Stadt den Namen ändern. Schon gar nicht die Straßen, die Menschen wie José Lejarreta würdigen. Obwohl er zu Francos Zeiten Bürgermeister war, war er ein guter Mensch, der viel für die Stadt und die Menschen in Vitoria getan hat", sagte er damals. Die linke Jugend-Organisation Ernai reagierte auf Urtaran und entfernte die franquistischen Namens-Plaketten und legte sie vor der PNV-Partei-Zentrale ab. "Wir werden nicht zulassen, dass der Franquismus geschützt wird, weder in Gasteiz noch anderswo. Es gibt keinerlei Rechtfertigung dafür, weiterhin an diejenigen zu erinnern, die den Franquismus unterstützt haben", erklärte die Jugendorganisation. (naiz-baskultur)

(2025-05-18)

DER UNIVERSELLE BASKE

kolu67x18Pepe Mujica, der Ex-Präsident der Ost-Republik Uruguay, ist tot und die Welt trägt Trauer. Ein einziges Mal scheint es nicht zu stören, dass dieser Politiker einst Politik mit der Waffe praktizierte und dennoch nicht als “Terrorist“ zu Grabe getragen wurde. Besonders intensiv war die Trauer im Baskenland, mit guten Gründen. Zum einen weist Mujicas Biografie gewisse Ähnlichkeiten mit führenden Figuren der baskischen Linken auf, zum anderen wanderten Mujicas Vorfahren einst aus dem Baskenland aus. Kein Zufall somit, dass im gipuzkoanischen Beasain umgehend vorgeschlagen wurde, Pepe Mujica zum Ehrenbürger zu ernennen. Ein Thema für die nächste Plenarsitzung des Stadtrats, mit dem Ziel, Mujica und "seinen Werdegang im Dienste der sozialen Gerechtigkeit" zu würdigen.

Der derzeit sicher berühmteste Baske ist wahrscheinlich Xabi Alonso, Meistermacher in Leverkusen und nächster Coach des erfolgreichsten Clubs der Welt. Pepe Mujica hingegen reiht sich ein in die kleine Reihe von Nachfahren baskischer Emigranten, die vom Cono Sur bis Idaho und den Philippinen ihre kulturellen Spuren hinterlassen haben. Diese Geschichte vereint Ernesto Che Guevara, Simon Bolivar mit Pepe Mujica, alle drei haben im amerikanischen Sub-Kontinent die Geschichte geprägt.

Der 1935 in Montevideo geborene Mujica hat "bei zahlreichen Gelegenheiten öffentlich sein Interesse bekundet hat, seine baskische Herkunft aus dem 19. Jahrhundert zu kennenzulernen. Baskische Historiker*innen halfen bei diesem Unterfangen, das über Umwege zur Identifizierung des Herkunftsortes der Familie Mujica führte. Pepe Mujica hat sein ganzes Leben lang mit seiner baskischen Herkunft gespielt. Er bezeichnete sich selbst als "ein bisschen baskisch" und besuchte Euskal Herria zweimal (2013 und 2015) und entdeckte, dass seine Vorfahren nicht den kleinen Ort Muxika bei Gernika, sondern Goierri in Gipuzkoa auf der Suche nach einem besseren Leben in Uruguay verlassen hatten.

Die erste Reise im Mai 2013war eine von politischen Verpflichtungen geprägte, bei dem Mujica neben Treffen mit führenden Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Institutionen auch die Gelegenheit hatte, Muxika zu besuchen, das Dorf in Bizkaia, das im Verdacht stand, Ausgangspunkt seiner Vorfahren auf der Suche nach einem besseren Leben in Amerika gewesen zu sein: Muxika-Mujica, die Ähnlichkeit lag auf der Hand, stellte sich aber als Irrtum heraus. Der konnte bis zur zweiten Reise geklärt werden. Denn als Ursprung wurde statt des Dorfes Muxika ein Bauernhaus mit demselben Namen in der Nähe von Beasain identifiziert.

Der zweite, diesmal persönliche Besuch, fand im Mai 2015 statt, kurz vor seinem 80. Geburtstag, als sich José Mujica in Begleitung seiner Lebensgefährtin Lucía Topolansky seinen Wunsch erfüllte, das Land seiner Vorfahren zu besuchen. Dieser Besuch war etwas ganz Besonderes für einen Mann, der stets betonte, dass es in seinem Kampf für soziale Gerechtigkeit wichtig gewesen sei, "ein bisschen Baske" zu sein, um die Widrigkeiten des Lebens zu meistern. Während dieses zweiten Aufenthalts im Baskenland gestand der uruguayische Ex-Präsident, dass er sich vorgenommen hatte, das Baskenland wieder zu besuchen. "Wir werden wahrscheinlich nie wieder hierher kommen", prophezeite er. Nach Besuchen in Bilbo, Muxika, Bermeo, Donostia und Beasain betonte er, dass er das Gefühl habe, "dass sie Basken sind, und dass man Basken nicht mit Spaniern verwechseln darf". Solche Worte kommen im Baskenland gut an, zumindest unter Euskaldunen.

Nun soll die Ehrenbürgerschaft folgen. Ausgerechnet auf Vorschlag von Elkarrekin Podemos, wenig berühmt für baskischen Nationalismus. Der Vorschlag beruht auf dem "Wunsch, sowohl den herausragenden politischen als auch den menschlichen Werdegang von Mujica zu würdigen, der auf internationaler Ebene weithin anerkannt ist". Mujica sei ein "globales Symbol für Integrität, Bescheidenheit und soziales Engagement“. Während seiner Amtszeit als Präsident Uruguays zwischen 2010 und 2015 habe sich Mujica "durch einen sparsamen Lebensstil, eine konstante Bürgernähe und eine auf das Gemeinwohl ausgerichtete Politik ausgezeichnet. Sein entschiedenes Eintreten für Menschenrechte, Gerechtigkeit und partizipative Demokratie haben ihm den Respekt und die Bewunderung von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt eingebracht". Diese Art von Medaillen kann sich im aktuellen Panorama des Baskenlandes so schnell niemand an die Jacke heften. Für Elkarrekin Podemos bedeutet die Anerkennung von Persönlichkeiten wie José Mujica in einer Zeit, die durch "den Aufstieg autoritärer Diskurse und die Entmenschlichung der Politik gekennzeichnet ist, auch eine Bekräftigung der Werte, die Beasain als Gemeinschaft vertreten will: Solidarität, soziale Gerechtigkeit, Verteidigung der Schwächsten und Einsatz für die Menschenwürde". (baskultur)

(2025-05-17)

ENGLÄNDER ABZOCKEN

kolu67x17Athletic Bilbao hat das Finale der Europa-League im eigenen Stadion knapp verpasst, das hat dem Hotel- und Pensions-Gewerbe die Möglichkeit eröffnet, das Geschäft ihres Lebens zu machen. Statt 40.000 englische Fans kommen jetzt 80.000, weil beide Finalisten aus dem Land von Margaret Thatcher kommen. Bisher unvorstellbare Preiserhöhungen sind die Folge, nicht nur bei den Sterne-Hotels, auch in den unteren Preisklassen. So manche Pension kostet mehr als sonst die Edelhotels. Manche Gäste fragen bereits ironisch, ob es gefährlich sei, auf einer Parkbank zu übernachten.

Hostels und Jugendherbergen mit üblichen Preisen von 20 Euro verlangen dieser Tage dreistellige Beträge, bis zu 850 Euro! "Hallo, ich suche eine Unterkunft für die Nacht des Europa League Finales, zwei Betten für ein Paar". - "Wir haben zwei freie Etagenbetten in einem Mehrbett-Zimmer für sechs Personen mit eigenem Bad für je 586,5 Euro." - "Und in einem kleineren Zimmer?" - "Ein gemischtes Vierbett-Zimmer kostet 776,05 Euro pro Person, aber ich habe nur noch ein Etagenbett." Das sind die Aussichten für Besucher aus Manchester und London, die das Endspiel zwischen Tottenham und ManU in Bilbao sehen wollen.

"850 Euro für eine Koje." Die Unterkunft ist kein Hotel mit vielen Sternen, auch wenn es vom Preis her so aussieht, sondern eine Herberge mit Mehrbett-Zimmern und Etagenbetten. Neu und zentrale Lage, nur wenige Meter von der Gran Vía entfernt, eine Viertelstunde zu Fuß vom Stadion. In der Nacht nach dem Spiel am kommenden Mittwoch kostet das Etagenbett, das jetzt 850 Euro kostet, nur noch 93,5 Euro. Eine Woche nach dem Endspiel kostet dasselbe Bett 29,92 Euro, der übliche Preis für diese Art von Unterkunft.

Das Beispiel illustriert anschaulich die unverschämten Preise, die verlangt werden von den 80.000 englischen Fans, die nächste Woche nach Bilbao kommen. Das Thema spaltet die Meinungen in zwei Lager. Die einen verteidigen die Preiserhöhung mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage, wie es sich für gestandene Kapitalisten gehört, die baskische Regierung hat sich dem angeschlossen. Die anderen sind der Meinung, dass diese Tarife einen Missbrauch darstellen und dem Image der Stadt schaden. Auch Hoteliers sind unterschiedlicher Meinung.

Abgesehen von der Debatte darüber, ob es angemessen ist, in zwei Tagen ein Vermögen zu verdienen – wir suchen ein freies Zimmer oder ein Etagenbett. Unser Budget sind 500 Euro: Gibt es in Bilbao in der Nacht des Endspiels etwas zu diesem Preis?

Ein Blick auf die dominierende Plattform eine Woche vor dem Finale ergibt eine Vorstellung, wie teuer die Sache wird. 44 Ergebnisse. Die großen Hotels tauchen gar nicht erst auf, die teuersten Angebote werden verworfen: eine 95-QM-Wohnung für 8.995 Euro, 8.050 Euro für eine andere, 7.322 Euro für eine 105-QM-Wohnung, deren Besitzer sich als "lebenslanger Bilbao-Bewohner" bezeichnet. Was Kleineres? In den Außenbezirken, 60 QM für 3.060 Euro, eine andere mit 58 QM, ähnlich groß für 2.811. Selbst für ein kleines 25-Meter-Studio werden sieben Tage vor dem Spiel 2.360 Euro verlangt.

Hotels und Wohnungen sind also ausgeschlossen (großes Angebot, fast alle über 2.000 Euro), bleiben Pensionen. Eine in Zorroza mit Zimmern für 400 Euro: "das Gesetz von Angebot und Nachfrage, die Engländer haben Geld", heißt es - aber sie ist bereits belegt. In einer anderen Pension bei La Salve gibt es keine freien Zimmer mehr: "wir sind seit einem Monat ausgebucht", auch dort liegt der Preis bei 400 Euro, während er sonst bei 120 Euro liegt.

Viele im Casco Viejo, der Altstadt, einige haben noch Platz ... für jene, die 800 Euro für ein Doppelbett am Plaza Nueva zahlen. Zum Vergleich: in der Nacht nach dem Spiel sinkt der Preis auf 104 Euro. Der Mitarbeiter räumt ein, der Preis sei "exorbitant", so etwas habe er noch nie erlebt. "Bei der Tour de France gab es große Nachfrage, die Preise wurden erhöht, aber nur auf 400 oder 500 Euro". Die Geschäftemacher gewöhnen sich eben daran, wer ein Monopol hat, bestimmt die Preise diktatorisch.

Pensionen ausgeschlossen, bleibt die billigste Variante: Hostels und Herbergen mit Mehrbett-Zimmern und Etagenbetten. Genau hier gibt es die größten Unterschiede. Eine Wohnung kann größer oder kleiner, besser oder schlechter sein, entsprechend der Preis. Aber ein Etagenbett in einem Mehrbett-Zimmer mit acht Personen lässt wenig Spielraum für Unterschiede. Frage ist nur: ein eigenes Bad und das Frühstück inbegriffen? Das ist nicht der Fall bei einem Viererzimmer für Frauen, die 850 Euro kosten soll. Ein Etagenbett in der Herberge Zabalburu für 500 Euro pro Kopf: Zwei Betten in einem 8P-Zimmer kosten über ein Plattform 1.059 Euro. Endlich ein Volltreffer in der Zumalakarregi: 498 Euro für zwei Etagenbetten in einem Zimmer für zehn Personen, 25 QM, also 2,5 QM für jeden "Mieter", aber es das erste, was nach unseren Kriterien “bezahlbar“ ist. Massentourismus sind nicht nur 100 Reisebusse im August, besonders giftig sind die internationalen Massen- und Makro-Events. (baskultur)

(2025-05-16)

RAUSWURF WEGEN BASKENMÜTZE

kolu67x16Wegen des Tragens einer Baskenmütze ist der Linken-Abgeordnete Marcel Bauer aus dem Plenarsaal des Bundestags verwiesen worden. Parlaments-Vizepräsidentin Andrea Lindholz (CSU) schloss den 33-jährigen unter dem Applaus von CDU/CSU und AfD von der laufenden Plenarsitzung aus. Zuvor war Bauer ihrer Aufforderung nicht nachgekommen, die schwarze Mütze abzusetzen oder freiwillig den Raum zu verlassen.

Rund anderthalb Stunden zuvor war Bauer aus dem gleichen Grund bereits mit Bundestags-Präsidentin Julia Klöckner (CDU) aneinandergeraten. Auch sie hatte den 33-jährigen Abgeordneten aus Baden-Württemberg zum Absetzen der Baskenmütze aufgefordert. “Ich würde Sie darum bitten, weil das hier Gepflogenheit im Haus ist - und wenn Ihnen das nicht möglich ist, bitte ich Sie, den Saal zu verlassen.” Das tat Bauer auch - kehrte aber später wieder zurück.

Aus der Geschäftsordnung und der Hausordnung des Bundestags geht auf den ersten Blick nicht hervor, welche Kleidungsstücke im Plenarsaal erlaubt sind und welche nicht. Vor vielen Jahren war allerdings der inzwischen verstorbene Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele wegen einer Kappe von einem Saaldiener mit dem Hinweis gestoppt worden, dass Kopfbedeckungen im Plenarsaal grundsätzlich nicht erlaubt seien.(Foto: imago – dts: Hier noch mit Mütze im Plenarsaal: Der Linken-Abgeordnete Marcel Bauer) (jungewelt)

(2025-05-15)

TREVIÑO ZURÜCK INS BASKENLAND

kolu67x15Es gibt in der Geschichte unsinnige Machtspiele, deren Folgen bis heute aufrecht erhalten werden und deren Lösung an der spanischen Bürokratie und Machtgeilheit scheitern. Zum Beispiel Treviño, baskisch Trebiñu, ein kleiner Ort südlich der baskischen Hauptstadt Vitoria-Gasteiz. Im 15. Jahrhundert, im Mittelalter also, als das Kastilische Königreich fleißig an seiner militärischen Ausdehnung wirkte, ging der Ort als Belohnung für politisch-militärische Treue, aus der Hand eines Machthabers in die eines anderen. So wurde damals die Unterstützung in Kriegen bezahlt, mit Landübertragungen, die gegebenenfalls auch wieder rückgängig gemacht wurden. Nicht im Fall von Trebiñu, das auch noch den stolzen Titel Herzogtum trägt (Condado).

Als 1833 vom spanischen Parlament die Provinzgrenzen festgelegt wurden, wurden Trebiñu (und das angrenzende Argantzun) gemäß der damaligen Schenkung der Provinz Burgos zugeschlagen. Das Problem: die beiden Orte liegen mitten in der süd-baskischen Provinz Araba (span: Alava), weit entfernt vom letzten Zipfel Burgos, zu dem sie formal gehören. Das ist nicht nur ein unsinniges Detail, diese Zugehörigkeit hat schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben der dortigen Bevölkerung. Zum ersten ist Trebiñu nicht zweisprachig wie alle anderen baskischen Orte, es gibt keine Baskisch-Schule und keine Baskisch-Förderung. Zweitens müssen die Einwohnerinnen, wenn sie bürokratische Dinge zu erledigen haben, in das 104 Kilometer entfernte Burgos fahren, anstatt die Geschichte im benachbarten Gasteiz (20 Kilometer) regeln zu können. Drittens ist die baskische Gesundheits-Versorgung deutlich besser als die in Burgos.

Mehrfach haben die demokratisch gewählten Vertreter*innen in Trebiñu und Argantzun an die Behörden appelliert, die beiden Orte nach Araba zu integrieren und dem Insel-Spuk ein Ende zu machen. Auch wurde vor 27 Jahren einst ein Referendum durchgeführt, um die Bevölkerung nach ihrem Willen zu fragen, mit einer überwältigenden Mehrheit für die baskische Option. Aber Burgos, oder anders gesagt, das tiefste und reaktionärste Spanien, stellt auf taub und beruft sich auf geltendes Recht.

Nun hat die Provinz-Verwaltung Araba (11 Jahre nach dem letzten Versuch) erneut einen Antrag gestellt, T und A nach araba zu integrieren. Unterstützt wird das Ansinnen von den baskischen Parteien EH Bildu und PNV sowie von den spanischen Podemos und PSOE, eine satte Mehrheit. Abwesend auf dieser Antragsliste ist die postfranquistische PP, die auch in Burgos (wo bis vor Kurzem dem Diktator Franco öffentlich gehuldigt wurde) das Schwert führt.

"Wir hoffen, dass dieser Antrag ein Meilenstein wird, dass es der Beginn einer neuen Ära sein wird und dass auf koordinierte Weise, durch die Politik und auf ehrliche Weise, die Menschen von Treviño den Platz bekommen, den sie verdienen. Wir stehen vor einer historischen Chance, die wir nutzen sollten, um den Slogan "Trebiñu Araba da" (Treviño ist Araba) Wirklichkeit werden zu lassen". Und einen Treppenwitz der spanischen Geschichte zu beenden.

Kriege und Kolonialismus haben im iberischen Einflussbereich mehrere solcher Anachronismen zurückgelassen. Ceuta und Melilla auf afrikanischem Boden sind spanisch, werden aber von Marokko reklamiert, in Spanien denkt man gar nicht daran, dem nachzukommen. Völlig anders sieht es in Gibraltar aus, dort sind die Spanier die Rufer in der Wüste, die ihren Felsen zurückhaben wollen, Großbritannien winkt ab und die Gibralter selbst wollen auch nicht Spanisch lernen müssen. Auch der Status von Villaverde de Trucios an der Grenze zwischen Bizkaia und Kantabrien ist umstritten, es gehört offiziell zu Kantabrien, die Bevölkerung möchte jedoch gerne zur Region Baskenland gehören. Der Unterschied in diesem Fall: Trucios liegt immerhin an der Grenze zu Bizkaia, ist also nicht komplett von “feindlichem“ Gebiet eingeschlossen. (baskultur)

(2025-05-14)

UND WENN DER DAMM BRICHT …

kolu67x14Stell dir vor, du lebst in einem Dorf, das in einem engen Tal liegt, einen halben Kilometer vor einem Staudamm, der einen riesigen Stausee aufhält. Er muss gut gebaut sein, wenn er halten soll, vor allem, wenn er an seine oberste Füllgrenze kommt. Vertrauen in Technologie ist eine Sache, Geschichte eine andere. Denn diese Geschichte erzählt, dass es nicht der erste Staudamm wäre, der den Naturgewalten nicht mehr standhält und bricht. Langarone in Italien kennt in Europa fast niemand, in Navarra ist die Geschichte des einstürzenden Stausees wohl bekannt. Der vor 30 Jahren enorm umstrittene und umkämpfte Stausee von Itoiz in Nord-Nafarroa hat seinen Höchststand erreicht, die Bewohner*innen des Ortes Agoitz (Aoiz) sind besorgt. Vor allem, weil ein Unwetter droht.

Der Reihe nach: Der Stausee von Itoitz hat diesen Mittwoch seine Kapazitätsgrenze erreicht, die Stadtverwaltung von Agoitz erklärt, dass die Situation von den zuständigen Stellen unter Kontrolle ist. Sowohl in Nafarroa als auch in Araba wurde für den heutigen Mittwoch jedoch die gelbe Unwetterwarnung ausgelöst. Angesichts der Beunruhigung der Bevölkerung wegen des Pegelstands, der am Mittwoch mit 417,80 hm³ die Grenze seines Fassungsvermögens erreicht hat, erklärt die Stadtverwaltung von Agoitz, dass "die Situation ständig überwacht" werde und ruft die Einwohner zur Ruhe auf. "Der Stadtrat von Aoiz möchte zum Ausdruck bringen, dass wir die Besorgnis teilen und die Situation ständig beobachten", heißt es in einer Erklärung.

Nach Angaben der Stadtverwaltung steht sie sowohl mit dem Hydrographischen Verband des Ebro als auch mit dem Zivilschutz der Regierung von Navarra in Kontakt. Beide Organisationen haben erklärt, dass der Füllvorgang kontrolliert wird und Teil eines "geplanten Manövers" ist. "Sie haben uns auch mitgeteilt, dass der Pegel des Stausees ab morgen allmählich sinken wird", bestätigten sie. Alles unter Kontrolle – die übliche Behörden-Lüge. Der Stadtrat hat auch ein Gespräch mit der Ministerpräsidentin María Chivite geführt, um zu verlangen, dass "ein direkter und flüssiger Kommunikationskanal" zwischen der Stadt-Verwaltung und dem Präsidium des Hydrographischen Verbandes des Ebro eingerichtet wird.

Schließlich wurde erklärt, dass die Abteilung für Zivilschutz der Regierung von Navarra "darauf besteht, dass die Situation vollständig unter Kontrolle ist". "Wir verstehen und teilen die Besorgnis unserer Nachbarn, aber wir appellieren an Ruhe und Vertrauen in die offiziellen Kanäle", betonten sie. Mit Vertrauen in die Katastrophe, so die Erfahrung von Langarone.

In einer Stunde 15 bis 25 Liter Niederschläge

Die atmosphärische Instabilität hält an, für Nafarroa und Araba gilt nach Angaben der Meteorologischen Agentur (Aemet) eine gelbe Unwetter-Warnung mit starken Windböen, lokalem Hagel und Niederschlägen, die in einer Stunde zwischen 15 und 25 Liter pro Quadratmeter erreichen können. Das Sicherheitsamt der baskischen Regierung wird heute eine gelbe Warnung wegen des starken Regens auslösen. Die Warnung gilt bis zum Abend, da bis dahin mäßige Schauer erwartet werden, wobei im Landesinneren örtlich starke und stürmische Schauer auftreten können. Diese Regenfälle können auch von Hagel von 1 bis 2 Zentimetern begleitet werden. Die baskische Wetterbehörde Euskalmet kündigt Wetterumschwung an: bewölkt, gewittrige Schauer, Nordwind an der Küste, starke Böen im Ebrotal, herbstliche Temperaturen. Kein Grund zur Ruhe. Wenn durch starken Regen ein Hang abrutscht (wie in Langarone) bricht der Damm oder läuft über. Keine Überlebenschance. (naiz-baskultur).

(2025-05-13)

VON GIPUZKOA ZUR FMLN-GUERRILLA

kolu67x13Beatriz Yarza Beitia (Jahrgang 1956) war eine junge Medizinstudentin, die sich in den 1980er Jahren auf den Weg nach El Salvador macht. Zuerst, um für die linke Guerrilla medizinische Dienste zu leisten, dann schloss sie sich direkt der Guerrilla an. Heute zieht sie Bilanz, in einem Buch, in einem Interview. "Die Guerilla hat mir gezeigt, dass keine Person mehr wert ist als die andere". Aus Beatriz Yarza wurde "Aloña" an jenem Tag, an dem sie ihre medizinische Karriere in den Dienst der Bedürftigsten stellte, in diesem Fall eines salvadorianischen Dorfes, das in den 1980er Jahren von der Regierung unterdrückt wurde. Unter diesem Pseudonym gehörte die aus Oñati

stammende Baskin mehr als ein Jahrzehnt lang der Guerilla an, eine Erfahrung, die sie in ihrem Buch "Guerrillas für das Leben" (Txalaparta, 2025) beschrieben hat. "In einer Zeit, in der kaum jemand mehr über Internationalismus spricht und nur sehr wenig darüber gelesen wird, hatte ich das Bedürfnis, diese Lehren weiterzugeben. Das Gefühl, den Tod immer an der Seite zu haben, war das Wichtigste, was ich gelernt habe".

Begriffe wie Solidarität, die nur allzu oft manipuliert und ihrer ursprünglichen Bedeutung beraubt werden, stellen weiterhin die edelsten Werte des Menschen dar. Es war dieses Gefühl, das Beatriz Yarza Beitia dazu veranlasste, ihren Beruf in ein Instrument für soziale Gerechtigkeit zu verwandeln. Ein Weg, der sie aus dem Baskenland wegführte, um sich der salvadorianischen Guerrilla der Nationalen Befreiungsfront Farabundo Martí (FMLN) anzuschließen. Eine Erfahrung, die sie nun in einem lebendigen Buch erzählt, das zugleich ein Aufruf ist, den Worten, die eine freiere Welt predigen, konkrete Gestalt zu geben.

In ihrem Buch weist sie darauf hin, dass das Leben unter der Franco-Diktatur in ihr den Gedanken der Solidarität zwischen den Völkern geweckt hat. Dieser repressive Kontext prägte ihre globale Wahrnehmung des Kampfes für Gerechtigkeit. “Es wäre sicher nicht dasselbe gewesen wäre, wenn ich zwölf oder dreizehn Jahre früher geboren worden wäre, in den vierziger Jahren, als die schreckliche Angst vor dem Franco-Regime alle lähmte. Oder in den sechziger Jahren, wenn das Ende des Diktators mich sehr jung erwischt hätte. Es wäre nicht dasselbe gewesen. Der historische Moment, den du erlebst, prägt dich stark. Obwohl ich im Mai 1968 zwölf Jahre alt war, sind die Parolen jener Zeit nicht vergessen, sie waren sehr stark, wie der Spruch, dass zwei plus zwei nicht mehr vier ist. Das bedeutete, dass sich die Dinge ändern müssen und dass dieses System vor die Hunde gehen muss. Oder zum Beispiel die Universität, dort waren alle im Untergrund organisiert: die Maoisten, die Trotzkisten, die Autonomen Kommandos. Das bedeutete den Aufstieg der Studenten- und Arbeiter-Bewegung gegen Franco. Diese Momente sowie der Triumph der Revolution in Nicaragua prägten die Generation, der ich angehörte.“

Ihr Studium der Tropenmedizin in Europa brachte Beatriz mit Ärzte ohne Grenzen in Kontakt und ermöglichte ihr die Arbeit mit salvadorianischen Flüchtlingen in Honduras. Diese Arbeit bedeutete zuerst einen enormen Schock. Sie waren die ersten aus dem spanischen Staat, die nach El Salvador kamen, dort gab es einen großen Bedarf an Ärztinnen, die Spanisch sprachen, und es gab fast wenig Interesse, dort zu arbeiten. Die Situation im Lager war schrecklich. “Als ich ankam, es gab kein Trinkwasser, keine sanitären Einrichtungen, wir waren ständig von der Armee bedroht, wenn wir unvorsichtig waren, wurden wir massakriert. Eine schwierige Situation, aber gleichzeitig hat der Enthusiasmus der Flüchtlinge, die stolz eine Revolution verteidigten, auch dazu geführt, dass wir die Dinge anders sahen, dass wir bestimmte Elemente, die mit Bequemlichkeit zu tun hatten, nicht so wichtig nahmen. Es war nicht einfach.“

Der Versuch, die persönliche Situation der Flüchtlinge und ihre Probleme kennen zu lernen, führten schnell zu der Entscheidung, sich der Guerilla anzuschließen. “Ich dachte, die Flüchtlinge hätten im Lager immer einen Arzt zur Verfügung, sogar in bestimmten ernsten Situationen konnten sie behandelt werden. Aber die Kämpfer an der Front hatten keine solchen Mittel. Ich hatte das Gefühl, dass mein Wissen in der Guerilla nützlicher sein würde als außerhalb.“

An einer Stelle des Buches erwähnt sie, sobald sie sich der Guerilla anschloss, hätten sich ihre Vorstellungen davon als utopisch erwiesen, weit von der Realität entfernt. Was waren die wichtigsten Erkenntnisse, die Ihnen dieses Gefühl vermittelten? “Einmal habe ich einen Guerrilla-Kämpfer gefragt, wo wir leben würden, als ob es wirklich einen festen Ort gäbe. Er hat nur gelacht und mir nicht geantwortet, wahrscheinlich weil es keine Antwort gab. Alles war anders, es gelang uns, das erste improvisierte Krankenhaus zu bauen, wir mussten uns an die Gegebenheiten anpassen, aber am Ende haben wir den entscheidenden Werten den Vorzug gegeben.“

An einer Stelle im Buch räumt Beatriz ein, dass sie begannen, bestimmte Vorurteile über Klassenzugehörigkeit und Kolonialismus in Frage zu stellen. In bestimmten Situationen kamen diese Gedanken besonders stark auf. “Zum Beispiel beim Essen. Oder bei der Vorstellung, dass es für eine junge Salvadoreña, die zwei Jahre zur Schule gegangen war, unmöglich war, als Ärztin zu arbeiten. An der Front gab es eine hohe Analphabeten-Rate, eine fast völlige Unkenntnis des Marxismus-Leninismus. Aber all das bedeutete gleichzeitig eine große Lernerfahrung, wir haben kapiert, dass keine Person mehr wert ist als die andere, wie wichtig die gemeinsame Arbeit ist, die fortwährende gegenseitige Unterstützung. Denn zu bestimmten Zeiten konnte ich ihnen zwar helfen, ihr Leben zu retten, aber wenn die Schießerei begann, waren sie es, die mich beschützt haben. Diese Bescheidenheit wurde mir tief eingeimpft.“ (naiz-baskultur)

(2025-05-12)

OPFER DES FRANCO-KZ IN URDUÑA IDENTIFIZIERT

kolu67x12Die baskische Regierung hat die sterblichen Überreste von sechs weiteren Opfern des franquistischen Konzentrationslagers in Urduña (Bizakaia) mit Hilfe von Genproben identifiziert. Eine Delegation wird nun nach Málaga und Badajoz reisen, um die sterblichen Überreste an ihre Angehörigen zu übergeben. Die wissenschafts-Gesellschaft Aranazdi hatte die sterblichen Überreste in den Ausgrabungs-Kampagnen 2022 und 2024 auf dem örtlichen Friedhof geborgen. Bei den zuletzt identifizierten Opfern handelt es sich um drei Männer aus der Provinz Badajoz, und jeweils einen aus Ciudad Real und Málaga. Ein Team wird in die Provinzen Badajoz und Málaga reisen, um die sterblichen Überreste im privaten Rahmen an ihre Familien zu übergeben. Die regionale Senatorin für Justiz und Menschenrechte wird mitreisen, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit zur Förderung neuer Identifizierungen auszuloten.

Die Exhumierungsarbeiten auf dem Friedhof von Urduña wurden im Dezember 2024 abgeschlossen. Insgesamt wurden 93 sterbliche Überreste geborgen, von denen 17 identifiziert und den Familien übergeben wurden. Die Herausforderung besteht darin, so viele Angehörige verstorbener Häftlinge wie möglich ausfindig zu machen, um die restlichen 76 mit Hilfe von DNA-Vergleichen zu identifizieren.

Das Konzentrationslager Urduña wurde im Juli 1937 in Betrieb genommen, als Francos Truppen ein Netz von Lagern einrichtete, um inhaftierte republikanische Kämpfer zu internieren. Willkür und unmenschliche Lebensbedingungen waren der gemeinsame Nenner: Überbelegung, Demütigung, Hunger, Kälte, Krankheit und Tod. Die meisten dieser Lager wurden 1939 geschlossen, außer einigen, wie Urduña (1939-1941), die später zu Gefängnissen wurden. Nach dem Ende des Krieges wurde Urduña Teil von Francos Strafvollzugspolitik. Das Profil der Gefangenen änderte sich; sie kamen aus Orten, die weit von Euskal Herria entfernt waren. Die meisten Menschen, die in diesem Zentrum in Gefangenschaft starben, kamen aus den Regionen Extremadura, Andalusien, Kastilien-La Mancha und Katalonien.

Aus den vorhandenen historischen Unterlagen geht hervor, dass von den 225 Gefangenen, die in diesem Gefängnis starben, mehr als die Hälfte (127) aus der Extremadura stammten (125 aus Badajoz und 2 aus Cáceres), und dass 87 von ihnen aus dem Gefängnis von Castuera verlegt wurden. Zu diesen Gefangenen aus Extremadura gesellten sich 41 aus Kastilien-La Mancha (34 aus Ciudad Real, 4 aus Toledo und 3 aus Albacete), 22 aus dem Gefängnis von Málaga, 7 aus Tarragona und die restlichen 28 aus anderen Provinzen Spaniens.

DNA von Verwandten zur Identifizierung der Überreste

Eine Besonderheit am KZ Urduña war, dass es sich um kein Vernichtungslager handelte, es wurden keine Gefangenen umgebracht, wie dies zum Beispiel im KZ Deustu-Bilbao der Fall war. Möglicherweise aus diesem Grund wurde von den Franquisten eine genaue Liste der Gefangenen geführt, im Todesfall wurden die wahrscheinlichen Todesursachen vermerkt.

Um eine genetische Identifizierung zu ermöglichen, müssen die DNA-Proben der Nachkommen der Verstorbenen mit den aus den Skelettresten entnommenen Proben verglichen werden. Aus diesem Grund appelliert das Baskische Institut für Gedächtnisforschung an die Angehörigen der Opfer, sich in Verbindung zu setzen, insbesondere in der Extremadura, der Region, aus der mehr als die Hälfte der verstorbenen Häftlinge stammte, um die DNA-Bank zu erweitern, die derzeit eingerichtet wird, um die Identifizierung zu erleichtern.

Die letzten Identifizierten

Antonio Bootello Negrete stammte aus Pizarra (Málaga), arbeitete auf dem Feld, war verheiratet und hatte zwei Kinder. Im Oktober 1939 wurde er wegen Rebellion zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Er verbrachte einige Zeit in verschiedenen Gefängnissen und wurde im Dezember 1939 nach Urduña gebracht, wo er am 22. März 1941 im Alter von 45 Jahren an einer Grippe starb.

Aquilino Flores Bautista, aus Valencia de las Torres (Badajoz), war Tagelöhner, verheiratet und hatte zwei Kinder. Er wurde wegen Rebellion zu 12 Jahren und 1 Tag Haft verurteilt und kam im Dezember 1940 nach Urduña, wo er drei Monate später im Alter von 38 Jahren “an Rheuma“ starb.

José Gómez Narváez, aus Castuera (Badajoz), war Zimmermann, verheiratet und hatte vier Kinder. Er wurde wegen Unterstützung der Rebellion zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt und kam im Februar 1940 nach Urduña, wo er am 6. April 1941 im Alter von 50 Jahren an “Avitaminose“ starb.

José Pozo García, aus Aceuchal (Badajoz), war Tagelöhner, verheiratet und hatte einen Sohn. Er kam im März 1940 nach Urduña und starb ein Jahr später im Alter von 48 Jahren.

Zoilo Villar Toledo, aus Torrenueva (Ciudad Real), war Metzger, verheiratet und hatte 7 Kinder. Er kam im Dezember 1939 nach Urduña, wo er am 12. März 1941 im Alter von 59 Jahren an einer Hirnembolie starb.

Manuel Vivas Fernández, aus Villagonzalo (Badajoz), Tagelöhner, verheiratet, 4 Kinder. Er kam im Dezember 1939 nach Urduña und starb am 14. April 1941 im Alter von 46 Jahren. (naiz-baskultur)

(2025-05-11)

BASKISCHE SPUREN SEIT VIETNAM

kolu67x11Die Entfernung von Bilbao nach Hanoi beträgt in gerader Linie 11.000 Kilometer. Für die Angehörigen der wachen Generation der 1970er Jahre wurde die Nähe zum damals grassierenden Vietnam-Krieg von den Radiosendern mit einer morgendlichen Meldung ausgespuckt: “Die Kämpfe am Mekong gehen weiter“. Die Rede ist vom so genannten Widerstandskrieg gegen die USA, der vor einem halben Jahrhundert endete. Der Vietcong gegen die Yankees, der Ersatz für die französischen Kolonisatoren, die von den Niemanden besiegt wurden – schreibt der baskische Historiker Iñaki Egaña, Jahrgang 1958.

Innerhalb eines Jahrzehnts warfen die USA mehr als sieben Millionen Tonnen Bomben auf das damalige Nordvietnam und auf die Nachbarländer Laos und Kambodscha ab, wo sich angeblich Kommunisten versteckten. Zum Vergleich: Im Zweiten Weltkrieg wurde nur ein Drittel, also etwas mehr als zwei Millionen Tonnen, abgeworfen. Bomben und chemische Kampfstoffe (Napalm und Agent Orange) töteten eine halbe Million Kinder und weitere zweieinhalb Millionen Erwachsene. Das Unternehmen Monsanto, das vor einigen Jahren von Bayer aufgekauft wurde, und Dow Chemical, das bis vor 15 Jahren ein Werk in Leioa (bei Bilbao) hatte, stellten chemische Sprengstoffe für das Pentagon her. Es kam auch zu Massen-Vergewaltigungen und Entführungen von Kindern, die danach verkauft wurden. Noch heute leiden Millionen von Menschen an körperlichen Missbildungen, die vor einem halben Jahrhundert durch die giftigen Bomben provoziert wurden. Auf der Truppen-Übungsplatz Bardenas in Süd-Navarra wurden US-Piloten trainiert, bevor sie auf die andere Seite der Welt zum Einsatz kamen.

Für alle unterdrückten Völker der Welt war Vietnam ein Symbol. Dieses Volk hatte mit beeindruckendem Aufwand erst Paris und dann Washington besiegt, um eine egalitäre Gesellschaft Richtung Kommunismus zu errichten. Die Lektion aus dem Krieg war, dass David tatsächlich Goliath besiegen konnte. In Europa und Nordamerika ging die Jugend auf die Straßen, in Mittel- und Südamerika zogen die Guerrillas in die Berge. Ein anti-imperialistischer und anti-kolonialer Kampf.

Heute jedoch erzählen Enzyklopädien und virtuelle Assistenten mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz aus der Ersten Welt fälschlicherweise, dass der Widerstandskrieg gegen die USA nur eine weitere Episode des Kalten Krieges war, des Sowjetblocks gegen den Westen. Das ist eine akademische Farce und eine arrogante, überhebliche, euro-zentrische Sichtweise. Vietnam war, wie andere Befreiungskämpfe in Angola, Mosambik, Indonesien, Algerien, Teil der Rebellion der Kolonien gegen die Metropolen. Eine Weltordnung, die seit dem 16. Jahrhundert geschmiedet und im 19. Jahrhundert beschleunigt wurde. Eine Enteignung, von der Europa immer noch zehrt, um sich als wirtschaftliche Elite der Welt zu profilieren.

Trotz der großen Entfernungen und der Abschottung des Denkens durch die Diktatur in Hego Euskal Herria (1937-1975) war uns Vietnam näher, als unsere Nachkommen vermuten könnten. Diejenigen von uns, die sich für den Sturz des Franco-Regimes verschworen hatten, wurden Vietnamesen, wenn auch nur im übertragenen Sinne. Als die Armee von Vo Nguyen Giap und General Nguyen Thi Dinh 1975 in Saigon einmarschierte, feierten wir dies als unseren Sieg, wie es auch anderswo auf der Welt getan wurde. Ho Chi Minh reihte sich ein in eine Liste von Protagonisten mit Namen wie Che Guevara, Sandino, Lumumba, Cabral, Farabundo Martí, Sankara, Abd el-Krim.

Die baskischen Spuren seit Vietnam waren bekannt. Im Jahr 1966 plante die baskische Untergrund-Organisation ETA einen dreimonatigen Kurs in Vietnam, bei dem es zu einer echten Konfrontation mit den Besatzungstruppen kommen sollte, eine Art Praktikum. Der Aufenthalt sollte von der Befreiungsarmee und die Reisen von einem Staat subventioniert werden, der nach einem langen Krieg seine Unabhängigkeit erlangt hatte. Die erste Gruppe baskischer Freiwilliger hätte im Oktober 1966 in Vietnam eintreffen sollen, doch das Projekt scheiterte. Ein Jahr später, bei der Fünften Vollversammlung von ETA, übernahm die baskische bewaffnete Organisation die Strategie des vietnamesischen Kommunisten Truong Chinh. Ein Ausschnitt: “Siege auf den Schlachtfeldern der Wirtschaft, Politik und Kultur bringen dem nationalen Widerstand den militärischen Sieg“. Das war die Strategie der vier Fronten.

Wie in allen Kolonialkriegen jener Zeit (Korea, Syrien, Ägypten, Türkei), gab es Basken, die durch den Militärdienst gezwungen waren, in der französischen Armee oder sogar in der US-amerikanischen Armee gegen die vietnamesischen Unabhängigkeits-Kämpfer zu dienen. Vicent Etchemendy, Pierre Lafargue und Dutzende waren junge Männer aus Ipar Euskal Herria (französisches Baskenland), die ihren letzten Atemzug in Indochina bei der Verteidigung der französischen Trikolore machten. “Morts pour la patrie“, wie Gorka Knörr sang. Bürgerkriegs-Flüchtlinge wurden gezwungen, sich der Fremdenlegion anzuschließen, darunter Eduardo Larrañeta, der überlebte und nach seiner Rückkehr von Francos Polizei verhaftet wurde, obwohl er bei den Invasionstruppen gedient hatte.

John Etxeberria, in Reno als Sohn von Eltern aus Izpazter (Bizkaia) geboren, gehörte zu den 1.300 Söhnen der baskischen Diaspora, die zum Militärdienst eingezogen und nach Vietnam geschickt wurden, wo sie in den US-Streitkräften “gegen den Kommunismus“ kämpften. Ebenso wie Jean Hechart, der in Hazparne geboren wurde und nach Kalifornien auswanderte. Bob Etxeberria, ehemaliger Präsident der NABO (North American Basque Organizations), ein Baske, der in Nevada geboren wurde und dessen Familie aus Amoroto und Izpazter stammte, war ein Veteran der US-Armee, ein Kämpfer in Vietnam, der ebenfalls zum Militärdienst eingezogen wurde. Ein halbes Jahrhundert später sind dies Details jenes Vietnams, das so weit in der Ferne liegt: in der Niederlage nah für die einen, im Sieg nah für die anderen. (Foto: Bombardierungs-Test Truppen-Übungsplatz Bardenas, Nafarroa) (naiz-baskultur)

(2025-05-10)

ENDE STREIK AN SCHULEN

kolu67x10Die baskische Bildungsbehörde hat sich mit den Gewerkschaften auf eine Lohnerhöhung von 7% und weiteren Verbesserungen geeinigt, um den seit Monaten andauernden Streik zu beenden. Alle am Streik beteiligten Gewerkschaften außer ELA haben die Vereinbarung bestätigt, es handelt sich um den ersten neuen Tarifvertrag in diesem Sektor seit 15 Jahren, er betrifft 27.000 Lehrkräfte.

Die Gewerkschaften Steilas, LAB, Interinok Taldea, CCOO und UGT unterzeichneten die neue Vereinbarung, die sie als “historisch“ bezeichneten und die aus 87 Artikeln besteht. Die ELA hingegen hielt sich aus der Vereinbarung heraus und warf den übrigen Verbänden vor, dem Druck der Regionalregierung nachgegeben zu haben. Auf diesem Weg wurde der für nächste Woche geplante fünftägige Streik abgesagt, der zu den bereits in diesem Studienjahr durchgeführten fünf Streiktagen hinzugekommen wäre. Auch die für den heutigen Samstag geplanten Demonstrationen in den drei baskischen Hauptstädten wurden abgesagt.

Neben der Gehaltserhöhung sind eine Reihe weiterer Aspekte der neuen Vereinbarung hervorzuheben. Zum Beispiel eine Verringerung der Arbeitsbelastung. Die maximale Unterrichtszeit wird ab dem nächsten Schuljahr in den Vor- und Grundschulen von 23 auf 21 Stunden pro Woche und in den weiterführenden Schulen von 18 auf 17 Stunden pro Woche gesenkt. Außerdem wurde vereinbart, 800 neue Lehrkräfte einzustellen, um der Vielfalt in den Klassenzimmern gerecht zu werden.

So werden die baskisch-sprachigen Lehrkräfte für neu angekommene Migrations-Schüler*innen verstärkt, die Zahl der Berufsberater wird erhöht, neue Stellen für “emotionale Betreuung“ werden geschaffen, es wird mehr Hör- und Sprachlehrer geben, Mentoren werden zur Entwicklung von Sprachprojekten eingesetzt. Darüber hinaus wird die “Entbürokratisierung“ der Lehrtätigkeit analysiert.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Senkung der Schülerzahl pro Klassenzimmer in der Grundschule von 23 auf 22. Was den Plan zur Verjüngung der Belegschaft betrifft, so können Lehrer*innen über 60 Jahre ihre Arbeitszeit um ein Drittel und ab 65 Jahren um die Hälfte reduzieren, wenn sie nicht in Rente gehen wollen. Außerdem können sie bis zu 18 Monate ansparen, um früher in Rente zu gehen. Andererseits wird das Sommer-Urlaubsgeld für Vertretungskräfte ohne festen Platz wiederhergestellt, so dass diese Lehrer*innen mit dem übrigen Personal gleichgestellt sind, die Bedingungen der Beschäftigten werden denen der Beamten angeglichen.

Im Gegensatz zu anderen Ländern hat das Lehrpersonal im Baskenland wie alle übrigen abhängig Beschäftigten das Recht zum Streik. Solche Streiks werden oft von starker Polemik begleitet, weil berufstätige Eltern sich plötzlich um die Kinder kümmern müssen. Von einem Teil dieser Betroffenen wurde der Streik deshalb kritisiert, von anderen Eltern jedoch unterstützt, weil es am Ende weniger um Gehaltserhöhungen, sondern um die Qualität der Schulerziehung ging.

Neues Bewerbungs-Modell

Darüber hinaus wurden Verbesserungen bei der Beurlaubung und Freistellung, bei der Platz-Verteilung zu Schuljahresbeginn, beim Auswahlverfahren für die Versetzung sowie bei der Prävention von arbeitsbedingten und psychosozialen Risiken vorgenommen. Außerdem wird ein neues Bewerbungs-Modell mit Lehrplänen in baskischer Sprache entwickelt.

Die Behörde zeigte sich erfreut über die Vereinbarung, die in das Ziel der Verbesserung der akademischen Ergebnisse eingeordnet wurden, eine Priorität, die sich der Ministerpräsident selbst gesetzt hatte. “Diese Vereinbarung bedeutet eine erhebliche Aufstockung der Mittel für Lehrer und Schulen, damit sie über die notwendige Unterstützung und die Instrumente verfügen, um die akademischen Ergebnisse der Schüler zu verbessern“, betonte die Regierung.

Zuvor hatte sich der Ministerpräsident an die Gewerkschaften gewandt und sie um “Verantwortung“ und “Verhandlungsbereitschaft ohne rote Linien“ gebeten. “Verbessern wir wirklich die Qualität des Unterrichts durch Streiks, die das öffentliche Bildungswesen in einem entscheidenden Moment des akademischen Jahres lähmen?“, so hatte sich der Ministerpräsident im baskischen Parlament öffentlich geäußert. “Besser heute als morgen eine Einigung erzielen“. (baskultur)

(2025-05-09)

DER PAPST IN BILBAO

kolu67x09Kaum weht in Rom der weiße Rauch (in Gaza weht er schon länger), gehen Geschichten in Umlauf vom Papst in Bilbao. Der Papst in Bilbao? Der alte? Oder der neue? Tatsächlich war der neue Papst, als er noch nicht Papst war, sondern Generalprior der Augustiner, mehrmals in einem Priesterseminar in Loiu. Auch das zählt, manche Medien scheinen ein endlos langes Archiv zu haben, wenn es um die unwichtigen Details der Geschichte geht.

Im April 2011 also war Robert Francis Prevost, seit gestern Papst Leon XIV, dessen Name vorwärts Löwe bedeutet und rückwärts Weihnachten, in Bilbao. Er kam zur Bischofsweihe des Augustinerpaters Miguel Olaortua aus Bilbao zum Bischof von Iquitos in Peru. Wir schreiben uns das hinter die Ohren. Als Weltoberer (nicht Welteroberer) der Augustiner hatte Prevost zahlreiche Verwaltungs-, Seelsorge-Aufgaben für die Aktivitäten seines Ordens auf globaler Ebene. Auch im spanischen Staat, wo die Augustiner seit jeher eine bedeutende Präsenz haben. Prevost zelebrierte 2011 zwar die Weihemesse in der Kirche St. Joseph (der Kirche der Augustiner in Bilbao – wieder was gelernt), aber er tauchte weder auf den Pressefotos der Zeremonie auf, noch wurde er in den Nachrichten erwähnt. So was rächt sich früher oder später.

“Er hatte einen klaren Kopf, hörte aufmerksam zu, und sprach alle mit Namen an“, will sich jemand erinnern. “Ein sehr intelligenter Mann. Ein sehr diskreter Mann, mit großer intellektueller Kapazität“. Das hört sich fast schon nach Gott an, sind aber nur Vorschuss-Lorbeeren. Und wie überall gibt es Zeitgenossen, die das Haar in der Suppe gefunden haben, mit ihrem Diskurs nicht auf der Höhe des historischen Anlasses zu sein scheinen und die globale Aufmerksamkeit für dieses Löwen-Ereignis in Frage stellen.

“Die Wahl eines Papstes ist immer ein historisches Ereignis, aber was ist der Völkermord an einem Volk vor den teilnahmslosen Augen einer feigen internationalen Gemeinschaft? Wie definiert man dann den gewalttätigen und mörderischen Mann, der offen mitteilt, dass er keine Angst mehr vor dem Wort Besatzung hat und dass er dies im Gazastreifen tun wird, selbst wenn er die Palästinenser, die noch am Leben sind, ausrotten muss? Ist dies kein historisches Ereignis?“

Ist es wohl, aber was interessieren uns die Kriege von anderen. Wie alle übrigen schauen wir auf den eigenen Nabel: Athletic hat “sein“ Finale verpasst und wir hatten schon mal den Weihnachts-Papst im Wohnzimmer, das nimmt uns niemand mehr weg. (baskultur)

(2025-05-08)

ZUM TEUFEL MIT DER BASKISCHEN SPRACHE

kolu67x08aDas Verwaltungsgericht von Iruñea (Pamplona) hat die Berufung der spanischen Gewerkschaft UGT (sozialdemokratische Orientierung) gegen die Bewertung der Baskisch-Kenntnisse als Verdienst bei einem Auswahlverfahren zur Besetzung von acht Verwaltungsstellen am Campus Tutera der Öffentlichen Universität von Navarra (UPNA) zugelassen. Mit dem Urteil wird das von der UPNA festgelegte Verfahren abgelehnt und der Prüfungsausschuss gezwungen, eine andere Bewertung vorzunehmen, bei der die Baskisch-Kenntnisse nicht berücksichtigt werden.

Gleichzeitig hat der Oberste Gerichtshof der Region Baskenland (TSJPV) eine Berufung des Provinzialrats von Gipuzkoa gegen die vom Verwaltungsgericht Nr. 1 von Donostia verfügte Aufhebung der Ausschreibung von 54 Stellen für Hausmeister von Wohnheimen durch ein Selbstverwaltungsorgan des Provinzialrats ebenfalls zurückgewiesen. Im Oktober entschied das Gericht, dass die geforderten Baskisch-Kenntnisse gegen das Grundrecht auf Zugang zu einer öffentlichen Beschäftigung verstoßen.

Im Klartext bedeuten diese Urteil (und eine reihe vorhergehender Urteile in derselben Richtung), dass die offizielle Sprache Baskisch bei der Besetzung von öffentlichen Stellen nicht mehr gewürdigt wird. Baskinnen dürfen beim Gang zum Rathaus zwar Baskisch sprechen, sie dürfen aber nicht erwarten, dass sie verstanden werden, geschweige denn, eine Antwort in Euskara bekommen. Offiziell und gleichberechtigt sieht anders aus. Nach wie vor hat das Euskara unter den Folgen des Verbots während dem Franquismus zu leiden, im Durchschnitt sprechen weniger als 30% der Bevölkerung die Sprache. Die Versuche, zwischen spanisch und Baskisch ein Gleichgewicht herzustellen, werden blockiert, nicht zuletzt von Männern in schwarzen Roben (keine Priester), die in ihrem Leben und ihrer Karriere nie den geringsten Versuch gemacht haben, auch nur eine Silbe Baskisch zu lernen. Das ist spanischer Nationalismus, keine demokratische Justiz. Das Recht, die einheimische Sprache zu sprechen, wird mit richterlichen Füßen getreten. Franco hätte seinen Spaß daran, die Faschisten von VOX ohnehin.

Nach dem ersten dieser beiden Urteile bedeutet die Zoneneinteilung in Nafarroa, dass Baskisch im Gegensatz zu anderen Sprachen nicht als Verdienst angesehen wird, auch wenn diese Sprachen nicht "einheimisch" sind: Englisch oder Französisch werden also als Verdienst anerkannt. Es wird davon ausgegangen, dass das Baskische in der Region Ribera eine Minderheiten-Sprache ist (und dies auch bleiben soll) und daher bei der Bewerbung um eine Stelle nicht berücksichtigt werden muss, auch wenn es den Dienst an der Öffentlichkeit verbessern könnte. Die Tatsache, dass eine einheimische Sprache an einer öffentlichen Universität nichts wert ist, ist ein Skandal. Es fällt schwer, dies als kosmopolitische oder aufgeklärte Haltung auszugeben. Im zweiten Urteil hat die Tatsache, dass ein großer Teil der Nutzer*innen des öffentlichen Dienstes auf Baskisch kommuniziert und dass der Dienst angeblich besser ist, wenn beide Amtssprachen gesprochen werden, keinen Vorrang vor dem "Recht" zweier Kandidaten, die kein Baskisch können und öffentliche Ämter in Gipuzkoa bekleiden wollen.

Baskisch wird als Minderheiten-Sprache nicht geschätzt, weil es der Mehrheit nicht dient. Und wenn es (wie in Gipuzkoa oder an der gesamten baskische Küste) eine Mehrheits-Sprache ist, wird es von den Richtern abgelehnt, weil eine Minderheit ihre privilegierte Stellung zu verlieren droht. Diese Gewerkschaften, Richter und Verwaltungen sollten klar sagen, dass sie – ganz im Sinne der Franquisten – das Euskara, sein Überleben und seine Entwicklung ablehnen. Und dass sie alles in ihrer Macht Stehende tun werden, um es in der Minderheit zu halten. (naiz-baskultur)

(2025-05-07)

YESA: DER STAUSEE OHNE BODEN

Der Unsinn am Yesa-Stausee (bask: Esa) zwischen Nafarroa und Aragon geht weiter: weitere 47 Millionen sollen investiert werden, um die Hänge des Sees zu stabilisieren, was ein Ding der Unmöglichkeit darstellt. Seit Jahren wird versucht, die abrutsch-gefährdeten Hänge zu stabilisieren, um den See höher füllen zu können. Diese Versuche wurden schon länger als “Fass ohne Boden“ bezeichnet. Doch es geht weiter. Die staatliche Wasser-Behörde CHE will nun weitere 47 Millionen Euro bereitstellen. Das ursprüngliche Budget wird sich somit verfünffachen.

Der Präsident des Hydrographischen Verbandes des Ebro (CHE) hat Berichte bestätigt, wonach erneut zweistellige Millionenbeträge für die Stabilisierung des nördlichen Hanges des Esa-Stausees ausgegeben werden sollen. 47 Millionen Euro werden einem Budget hinzugefügt, das 2011 mit 113,5 Millionen Euro begann und mittlerweile aufgeblasen wurde. Administrativ gesehen handelt es sich um die “Modifikation 4“ des Projekts zur Vergrößerung des Stausees, die die Kosten der Arbeiten auf über 500 Millionen Euro ansteigen lässt.

Eine Verfünffachung des Budgets ist bereits besorgniserregend. Aber im Falle der Esa-Erweiterung wird Geld investiert, um das Abrutschen des rechten Hanges, auf dem der Staudamm steht, zu verhindern. Geld und Beton sind geflossen, aber der Hang ist immer noch in Bewegung, das heißt, es kommt wegen Erdbewegungen immer wieder zu kleinen aber spürbaren Erdbeben. Es handelt sich um denselben Hang, auf dem sich die Lasaitasuna-Siedlung befand, die enteignet und abgerissen werden musste, weil die Sicherheit ihrer Bewohner nicht gewährleistet werden konnte. Das war im Jahr 2014.

“Es handelt sich um einen umstrittenen Staudamm, wir wollen, dass es keine Zweifel gibt“, betonte der CHE-Chef, der sich zuversichtlich zeigte, dass diese Finanzspritze endgültig sein wird und die Arbeiten zur Erhöhung des Staudamms abgeschlossen werden können. Vorläufig werden die Arbeiten um weitere 36 Monate verlängert. Wenn alles gut geht, optimistisch gesehen, werden wir an einem Projekt arbeiten, das 17 Jahre gedauert hat. Wenn das Abrutschen der Hänge nicht eine erneute Verschiebung ins Jahr 2028 erforderlich macht. Das CHE erwägt sogar einen Termin im Jahr 2030, also insgesamt 19 Jahre nach Beginn der Arbeiten. Die Verkehrs-Verbindung, die durch die Erhöhung des Staudammes überflutet wird, sollte durch eine Schnellstraße ersetzt werden, sie wurde bereits vor Abschluss der Arbeiten am Damm fertiggestellt. Die CHE-Verlautbarungen sind seit Jahren immer dieselben, aber sie bieten den Anwohnern des Stausees keine Sicherheit.

“Hört auf, die Bürger für dumm zu verkaufen“

So fordert der Verband Río Aragón, dass “die Öffentlichkeit nicht länger an der Nase herumgeführt wird“ und wirft der CHE vor, “die Haushaltsspirale unverantwortlich in die Höhe zu treiben“, obwohl klar ist, dass die zukünftige “Sicherheit“ des erweiterten Staudamms nicht garantiert werden kann. Zudem weist Río Aragón darauf hin, dass die CHE einen “widersprüchlichen“ Diskurs führe, da sie einerseits darauf hinweise, dass es “keine signifikante Bewegung“ in den Hängen gebe, und gleichzeitig jedoch zusätzliche 47 Millionen zur Stabilisierung bereitstelle. Ja was denn nun. “Die CHE handelt wieder undurchsichtig und ohne die geringste technische Zuverlässigkeit“.

„Die CHE kann nicht mehr garantieren, dass die Erhöhung von Esa einen ausreichenden Sicherheitsfaktor beinhaltet, die Hangdamm-Infrastruktur als Ganzes ist nicht stabil, was unabdingbar sein müsste, um eine robuste Stabilität für die Arbeiten zu gewährleisten, die seit einem Vierteljahrhundert versprochen werden“, betont Río Aragón. Der Verband warnt vor den Auswirkungen, die ein Vorfall wie ein DANA-Unwetter (wie im Novemebr 2024 in Valencia) auf Städte wie Zangoza oder Aoiz haben könnte.

Fragen im Kongress und Senat

Der Ausbau von Esa fällt in die Zuständigkeit des Staates. Der EH Bildu-Abgeordnete für Nafarroa, Bel Pozueta, hat die spanische Regierung zu dieser neuen Kostenüberschreitung befragt. “Seit 24 Jahren geben die Arbeiten zur Vergrößerung des Yesa-Stausees den Bewohnern der Region Sangüesa Anlass zu ständiger Sorge. Das Projekt verzögert sich immer weiter und verursacht untragbare Kosten, deren Ende nicht absehbar ist. Sie haben bereits 427 Millionen Euro ausgegeben, nun weitere 47 Millionen für die so genannte letzte Phase der Arbeiten zur Stärkung der Stabilität“, sagte Pozueta. Sie bekräftigte, dass “die Sicherheit des Yesa-Stausees und seiner Umgebung absoluten Vorrang hat“ und betonte “die Notwendigkeit, die Arbeiten zur Erweiterung des Stausees so lange einzustellen, bis absolut sicher ist, dass sie keine Gefahren mit sich bringen“.

Die Senatorin von Geroa Bai, Uxue Barkos beklagt: “Diese Arbeiten waren immer von Verwirrung geprägt, die durch Verschweigen und Fehlinformationen über die verschiedenen Studien zur Sicherheit der Arbeiten verursacht wurde. Ungenauigkeit und Mangel an Präzision bei Berichten, Verzögerung bei ihrer Veröffentlichung und erhebliche Widersprüche zwischen einigen und anderen haben zu einer großen Unsicherheit geführt“.

Aus Aragon

Die Partei Chunta Aragonesista (CHA) aus Aragonien bezeichnete die erneute Investition für Esa als “Fass ohne Boden“ und bedauert, dass “die spanische Regierung, anstatt die Realität eines in jeder Hinsicht unhaltbaren Projekts einzugestehen, immer wieder Änderungen genehmigt und der Millionenregen, die Verschwendung und der Skandal weitergehen“, so die Gebiets-Sekretärin der Gruppe in Alto Aragón. Der Präsident von Aragón von der rechten PP bezeichnete die “Wasser- und Kommunikations-Infrastruktur“ als für Aragon unverzichtbar und beklagte nur die “unerhörte und unerträgliche Langsamkeit“ der Arbeiten – als wäre die PSOE mit Pedro Sanchez schon seit 30 Jahren an der Regierung. (naiz-baskultur)

(2025-05-06)

ANSTIEG DER SEXUAL-DELIKTE

kolu67x06Im Baskenland wurden im Jahr 2024 29% mehr sexuelle Übergriffe registriert, die Hälfte davon in den Hauptstädten. Die individuellen Straftaten nahmen um 2% zu, während die Cyberkriminalität entgegen dem Aufwärtstrend um 3% zurückging. Laut dem Kriminalitäts-Bericht des Senats, der die Statistiken der Ertzaintza und der baskischen Lokalpolizei enthält, ist die Zahl der sexuellen Übergriffe, insbesondere Vergewaltigungen, im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 29% gestiegen. Die Hälfte dieser Straftaten wurde in den drei baskischen Hauptstädten registriert, die vorliegenden Daten bedeuteten einen noch stärkeren Anstieg. So gab es in Vitoria-Gasteiz 59% mehr sexistische Angriffe, in Bilbao 48% und in Donostia hingegen nur 4% mehr. Vergewaltigungen machen ein Drittel der Gesamtzahl aus und haben im Vergleich zum Vorjahr um 70 Fälle zugenommen.

Im Jahr 2023 war der Anstieg sogar noch größer: 128%. Der von der Sicherheits-Behörde erstellte Bericht führt diese alarmierende Entwicklung auf ein größeres soziales Bewusstsein bei der Anzeige von Vergewaltigungen zurück, wodurch mehr Fälle ans Licht kommen, sowie auf Gesetzesänderungen, die nun alle Arten von sexuellen Übergriffen umfassen. Von den 1.105 Anzeigen, die im vergangenen Jahr im Baskenland registriert wurden, endeten 798 mit einer Anklage des Verdächtigen, was einer Aufklärungsquote von 85% entspricht. Die meisten sexuellen Übergriffe, 38%, wurden in Wohnungen verübt, drei von zehn auf öffentlichen Straßen, 11% in Freizeit-Einrichtungen und 7% in Geschäften oder Lagerräumen.

Insgesamt stieg die Kriminalitätsrate im Jahr 2024 mit 141.190 Straftaten an, 2% mehr als im Vorjahr, wobei es sich hauptsächlich um Eigentumsdelikte wie Diebstahl oder Raub handelte. Die Rate liegt bei 63,3 Straftaten pro 1.000 Einwohner im Baskenland. Im Zuge der Ermittlungen konnte die regionale und lokale Polizei 50.499 mutmaßliche Täter anklagen, 10% mehr als im Vorjahr. Unterdessen hat die Cyberkriminalität ihren seit 2017 anhaltenden Aufwärtstrend gebrochen, wobei die beiden Jahre der Pandemie, 2020 und 2021, nicht berücksichtigt wurden. Die Cyberkriminalität hat weiterhin einen hohen Anteil an der Gesamtkriminalität, nämlich fast 20%, aber sie hat ihren Anstieg verlangsamt und ist 2024 um 3% gesunken, von 27.707 Online-Delikten auf 26.968, so die offizielle Statistik. Um festzustellen, ob diese Entwicklung über einen längeren Zeitraum anhält oder ob es sich um ein isoliertes Phänomen eines einzigen Jahres handelt, müssen künftige Berichte abgewartet werden. Fälschungen, Cyber-Angriffe, Cyber-Bedrohungen und Cyber-Aktionen stechen hervor.

Gewaltsame Raubüberfälle in Vitoria

Bei den Straftaten gegen Personen handelt es sich zu 71% um Eigentumsdelikte. Davon sind die meisten Diebstähle (46.426), also Diebstähle von Geldbörsen oder Mobiltelefonen, die im Jahr 2024 leicht um 6% zunahmen. 64% der in Bizkaia registrierten Diebstähle werden in Bilbao begangen, wo sich die größten Menschenansammlungen in den Einkaufszonen oder bei Massenveranstaltungen befinden. Die Sicherheitsbehörden führen diese Straftaten größtenteils auf "umherziehende Gruppen" von Kriminellen zurück. Obwohl die Zahl der Einbrüche um 3% auf 13.561 gestiegen ist und die Zahl der Einbrüche in Unternehmen und Lagerräume zugenommen hat, sind die Einbrüche in Wohnungen und Geschäfte, die die meiste soziale Beunruhigung auslösen, zurückgegangen.

Raubüberfälle mit Gewaltanwendung, wie Halskettenraub, haben in Alava um 43% zugenommen, was ein großes "Gefühl der Unsicherheit" hervorruft, während sie in Bizkaia um 3% zurückgegangen sind. Der Bericht stellt fest, dass in den Straßen des Baskenlandes ein Problem mit der zunehmenden Präsenz von Stichwaffen existiert. Die Ertzaintza hat einen Plan zur Bekämpfung dieser gefährlichen Waffen. Insgesamt beschlagnahmten baskische Polizeibeamte im Laufe des Jahres 1.882 Klingenwaffen und 518 scharfe Gegenstände, es wurden 1.430 Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten erstattet.

Acht Tötungsdelikte

Unter den schwersten Verbrechen ragen die Tötungsdelikte heraus. Im Jahr 2024 wurden im gesamten Baskenland acht Tötungsdelikte registriert, eines mehr als im Vorjahr. Der Sicherheitsbericht führt die Taten auf "Amokläufe oder unvorhergesehene Handlungen" der Täter zurück und erinnert daran, dass alle von der Polizei aufgeklärt wurden. Als Warnung wird darauf hingewiesen, dass die Hälfte der versuchten Tötungsdelikte später vor Gericht als Körperverletzungs-Delikte eingestuft wurden. Am 29. September endete ein Streit zwischen zwei Familienclans in einer tödlichen Schießerei in Barakaldo. Ein Mann wurde getötet und drei weitere Personen wurden angeschossen und verletzt, darunter ein Minderjähriger und seine Mutter. Drei Männer und mehrere Komplizen wurden als mutmaßliche Täter der Schießerei festgenommen. Der Fall ist noch nicht verhandelt worden. Die Ertzaintza hat in diesem Zeitraum 5.634 Frauen als Opfer irgendeiner Art von männlicher Gewalt betreut, 399 mehr als im Jahr 2023. (elco-baskultur)

(2025-05-05)

AGUR BASKISCHER WEIN

kolu67x05Vielleicht gibt es bald keinen guten baskischen Wein mehr aus der Rioja Alavesa, vielleicht trocknen die Reben weg, weil sie nicht kultiviert werden, vielleicht aber werden die Weingüter auch schlicht von chinesischen Geschäftsleuten aufgekauft und das Produkt nach Asien transportiert – das Schreckensbild resultiert aus der Studie der baskischen Regierung, welche besagt, dass nur 8% der Weingüter in der Rioja Alavesa eine gesicherte Generationsnachfolge haben. Das hat die Regionalministerin erklärt. Sie verteidigte die "Tradition, die uns die geschützte Herkunftsbezeichnung DOC bietet", betonte aber, dass Entwicklung unerlässlich sei.

Die Senatorin für Ernährung, ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Fischerei, warnte, dass nur ein kleiner Teil der Weingüter der Rioja Alavesa die Übernahme der Geschäfte durch eine nachkommende Generation garantiert sehen. 35% der Parzellen sind im Besitz von Winzern, die älter als 45 Jahre sind. Die Senatorin beendete die Erste Konferenz für Reflexion und Strategie zur Qualifizierten Herkunftsbezeichnung (DOC) Rioja in Samaniego, an der auch die Amtskollegin aus Rioja und der Präsident des Kontrollrats der DOC Rioja teilnahmen. Die Senatorin beschrieb die Schwierigkeiten, mit denen der Sektor konfrontiert ist: ein weltweiter Rückgang des Weinkonsums, neue Länder, die in der Weinproduktion Fuß zu fassen versuchen, und "die weltweite geopolitische Instabilität, die zu Handelskriegen führt, die die Märkte verändern und Unsicherheit und Ungewissheit erzeugen".

Angesichts dieser Situation kündigte Barredo die Durchführung verschiedener Maßnahmen an, wie ein Programm zur Bereitstellung von Finanzen für den Weinbausektor mit einem Budget von 50 Mio. Euro, dazu Beihilfen für die grüne Weinlese zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage (4,2 Mio. Euro) und für die internationale Förderung von in der Region Baskenland erzeugtem Wein (8 Mio. Euro).

Darüber hinaus haben die Regionalregierung und der Provinzialrat von Araba im Rahmen des Plans zur Wiederbelebung der Region Rioja Alavesa, "Proyecto Abian", einen partizipativen Prozess eingeleitet. Ziel ist es, gemeinsam mit Nachbarn, Weinkellereien, Unternehmen und Verbänden die Prioritäten, Bedürfnisse und Möglichkeiten für die kommenden Jahre zu ermitteln.

"Entwicklung ist wichtig".

Sie betonte, dass es wichtig sei, über die Zukunft der DOC nachzudenken, um Strategien festzulegen und die Positionierung der Weine auf den verschiedenen Märkten zu erhalten. Die Tradition biete "wichtige Werte, um sich auf dem Markt zu differenzieren", aber "die Entwicklung ist unerlässlich". "Die Zukunft der Rioja ist auch die Zukunft unserer ländlichen Umgebung, unserer Wirtschaft und unserer internationalen Ausstrahlung. Wenn wir wollen, dass die Rioja Alavesa und die gesamte Ursprungs-Bezeichnung weiterhin eine weltweite Referenz bleibt, müssen wir Tradition und Innovation miteinander verbinden". (naiz-baskultur)

(2025-05-04)

DREI BASKISCHE OPFER DER NAZIS

mauthn22Es folgt die Geschichte von drei baskischen Opfern des Nationalsozialismus. Der erste, Iñaki Eizagirre Markuerkiaga: Ein Gudari (baskischer Soldat), der mit dem Lehendakari (Ministerpräsident) Aguirre in Verbindung stand. Er nahm an einer von Leizaola (PNV) angeordneten Übergabe von Gefangenen kurz vor dem Fall von Bilbao am 19. Juni 1937 teil. Markuerkiaga wurde in einer wohlhabenden Familie im Küstenort Ondarroa geboren, die Fischerboote verwaltete. Politisch war er eng mit der PNV verbunden und trat im Spanienkrieg in das Larrazabal-Bataillon ein. "Wir haben nicht viele Informationen, weil er fast nichts erzählt hat, wie so viele andere", räumt sein Enkel Lázaro Echegaray ein.

Zwei seiner Episoden im Krieg sind besonders kurios. "Kurz vor dem Fall von Bilbao bat Leizaola ihn im Auftrag der baskischen Regierung, einige faschistische Gefangene in Trucíos im Osten Bizkaias auszuliefern. Das war eine gefährliche Operation, denn sie konnten unverhofft auf faschistische wie auch auf republikanische Truppen treffen: die Zentralregierung der Republik wusste nichts davon, es war kein Austausch, sondern eine Entscheidung von Leizaola", erklärt Echegaray. Aus diesem Grund musste er mit seinen Cousins nach Frankreich gehen.

Nachdem er einige Zeit in Saint-Jean-de-Luz verbracht hatte, "arbeitete er schließlich im Fronton in Brüssel, da er ein guter Pelota-Spieler war". Dort, in Brüssel, "gab es einen Zwischenfall mit einem deutschen Soldaten, der ihn ins Brüsseler Gefängnis brachte. Er wurde nach Sachsenhausen überstellt, einem Arbeitslager der Nazis". Dort verbrachte er "zwei sehr harte Jahre, die sein Leben prägten".

"Er erzählte praktisch nie etwas über das, was er im Lager erlitten hatte, aber er wachte mit Albträumen auf, in denen Hunde vorkamen, weil die Naziwachen sie auspeitschten und auf sie hetzten. Er wachte auf und schrie txakurrak, txakurrak" (Hunde, Hunde). Die Familie glaubte immer, dass die Tatsache, dass er mit den Aguirres verwandt war, das Interesse der Nazis geweckt haben könnte. Sie glaubten, dass er Hinweise auf den Verbleib des Lehendakari geben und mit diesen Informationen mit Franco verhandeln könnte. Eizagirre war der zweite Mann in einem Bataillon, das von Teodoro Aguirre, dem Bruder des Lehendakari, geführt wurde. "Sie waren schon früher befreundet, und der Opa aß jede Woche in dessen Haus in Getxo, und Aguirres Mutter half ihm auch, als er in San Juan de Luz war".

Nach der Befreiung der Nazilager wurde er zwangsweise in Francos Spanien repatriiert (deportiert). "Er sagte immer, dass er daran dachte, vom Zug zu springen, als er die Grenze überquerte", erzählt sein Enkel. Er tat es nicht und landete im Gefängnis von Ondarreta (Donostia), wo er nicht viel Zeit verbrachte". Als er wieder frei war, ging er in seine Heimat Ondarroa. Er hungerte und "niemand in der Familie erkannte ihn, nicht einmal seine Frau. Nur der Hund wusste, dass er es war".

Atanasio Gutiérrez Prieto: Ein Republikaner in einem Nazilager bei 20 Grad unter Null: Er wurde im Lager Gusen vergast und verbrannt, seine Familie erfuhr von seinem Tod durch einen Brief des Roten Kreuzes.

Atanasio Gutiérrez Prieto wurde 1907 in Fuencarral geboren und arbeitete bei Telefónica. In den Jahren der Republik wurde er nach Logroño versetzt und fuhr mit dem Motorrad nach Vitoria-Gasteiz, wo er seine Frau, Conchi Izar, kennenlernte. Sie wohnten in der Calle Herrería Nr. 26, und dorthin schickte er 1940 seine Briefe, als er im von Deutschland besetzten Straßburg von den Nazis gefangen genommen wurde.

Er war im Bürgerkrieg mobilisiert worden und kämpfte in der Republikanischen Armee. Seine Familie glaubt, dass die Kommandeure seine technischen Kenntnisse besonders schätzten. Nach seiner Flucht nach Frankreich im März 1939 und seiner Zeit in den französischen Konzentrationslagern schloss er sich den Kompanien ausländischer Arbeiter an, die zur Verstärkung der französischen Verteidigungslinien beitrugen.

Nach dem Einmarsch der Nazis wurde er im Juni 1940 verhaftet und in ein Gefangenenlager in Straßburg gebracht. Am 9. Oktober 1940 schickte er seinen letzten Brief nach Vitoria. Am 11. Dezember wurde er zusammen mit 847 anderen Spaniern in einem Viehtransport ohne Essen und Trinken nach Mauthausen in Österreich gebracht. Die Reise dauerte drei Tage und zwei Nächte.

Die Zahl der Häftlinge betrug 4.880. Im Lager erlitten sie Temperaturen von 20 und 25 Grad unter Null und den furchterregenden Kommandanten Franz Ziereis. Sie wurden entkleidet, rasiert, desinfiziert und in eine gestreifte Uniform mit einem blauen Dreieck mit einem S für "Spanier" gesteckt. Anschließend wurde er nach Gusen (17.2.1941) gebracht, einer Außenstelle, wo er starb. Nach Angaben seiner Familie wurde er vergast und sein Körper verbrannt. Dies geht aus einem Brief hervor, den das Internationale Komitee vom Roten Kreuz am 5. März 1946 an seine Frau schickte. "Wir haben die Ehre und die traurige Pflicht, Ihnen mitzuteilen, dass er am 9. Januar 1942 in Gusen gestorben ist.

Als der Milizionär José Luis Mazo Samano aus dem KZ Mauthausen befreit wurde, wog er noch 31 Kilo: "Das war die Hölle, das Töten um des Tötens willen", sagte er eines der wenigen Male, in denen er über seine Gefangenschaft sprach. Er wurde am 18. August 1918 in El Regato (Barakaldo) geboren. Er war noch nicht volljährig, als er sich dem kürzlich gegründeten Bataillon der antifaschistischen Jugend Barakaldo anschloss, einer Gruppe von Freiwilligen. Als der Krieg begann, schloss sich diese Einheit der Euzko Gudarostea, der baskischen Armee, an.

Mazo war in einem UGT-Bataillon, er geriet in die Gefangenschaft von navarrischen Truppen auf Francos Seite und wurde im KZ der Universität von Deusto interniert. Von dort aus wurde er in die Armee der Putschisten einberufen und nutzte die Tatsache, dass die Lage der Front, um sich wieder den republikanischen Reihen anzuschließen. Später tauchte er auf einer Liste baskischer Flüchtlinge in Katalonien in den letzten Kriegsmonaten auf. "Dort war er in der gemischten baskisch-pyrenäischen Brigade, die sich aus Basken, Katalanen und Italienern des Malatesta-Bataillons zusammensetzte. Sie hielten bis zum Ende durch und zogen sich durch den letzten von Francos Truppen besetzten französischen Hafen, Ares, zurück".

Er kam in das Flüchtlingslager Saint-Cyprien, den ersten Ort, an dem Frankreich Flüchtlinge sammelte und später ins Lager Gurs. Von dort meldete er sich zu den französischen Truppen, die im Zweiten Weltkrieg kämpften, wurde von den Nazis gefangen genommen und landete im Vernichtungslager Mauthausen. "Ich habe ihn nur zweimal in meinem Leben gesehen, 1977 und 1987. Er wollte nie viel über das sprechen, was er durchmachen musste". Eine Ausnahme machte er, als er sagte, dass es "die Hölle war, das Töten um des Tötens willen" und dass "niemand frei war von den Launen irgendeiner SS und ihrem Drang zur totalen Ausrottung". Was die Familie rekonstruieren konnte, stützte sich auf historische Dokumente. Nach der Befreiung des Lagers durch die Alliierten am 5. Mai 1945 kehrte er nach Hause zurück. José Luis Mazo starb im Jahr 2000 in Paris. (elcorreo-baskultur)

(2025-05-02)

PROTESTMARSCH NACH BILBAO

kolu67x02Die wegen massiven Entlassungsplänen streikenden Bridgestone-Beschäftigten heben den 1. Mai zu einem Marsch vom Firmenstandort Basauri nach Bilbo genutzt, um sich den Mai-Demonstrationen anzuschließen, zu denen die verschiedenen Gewerkschaften aufgerufen haben. Die Belegschaft befindet sich am achten Streiktag gegen die angekündigte Entlassung von 335 Arbeitnehmern in der Fabrik, deren Produktion nach Angaben der Gewerkschaften wegen des Ausstands erneut zum Stillstand gekommen ist. Wie an den vorangegangenen Tagen wird der Streik nach Angaben des Betriebsrats von "hundert Prozent" der Belegschaft unterstützt. Vom Demonstrationszug der kommunistischen Organisation EHKS, in der sich seit Jahren Tausende von jüngeren Personen organisieren, wurde das Komitee begeistert empfangen mit Rufen “Für die Einheit der Arbeiterklasse“

Da der achte Streiktag mit dem 1. Mai zusammenfiel, marschierten die Arbeiter etwa 8 Kilometer entlang der N-634 von der Fabrik in Basauri ins Zentrum von Bilbao, wo sie sich trennten, um sich den unterschiedlichen Demonstrationen der einzelnen Gewerkschaften anzuschließen. ie Geschäftsleitung des multinationalen Unternehmens teilte den Gewerkschaften am Mittwoch ihre Absicht mit, den Entlassenen in den Werken Puente San Miguel und Basauri einen Ausgleich von 27 Arbeitstagen pro Arbeitsjahr zu gewähren, sieben mehr als gesetzlich vorgeschrieben, und über die endgültige Zahl der Betroffenen, 211 bzw. 335, zu verhandeln. Die Unternehmensleitung von Bridgestone wollte sich zwar nicht zur Zahl der von den Entlassungen betroffenen Personen äußern, zeigte sich aber bereit, die Verhandlungsfrist gegebenenfalls über den 6. Mai hinaus zu verlängern.

Das Unternehmen übermittelte den Gewerkschaften auch die Zusage, dass im Falle einer Überschreitung der Produktionsmenge von 1.800.000 Bus- und Lkw-Reifen die ersten 150.000 in der Fabrik in Basauri hergestellt würden, um die Rentabilität des Werks in Bizkaia zu gewährleisten, das auch einen Teil eines neuen Modells produzieren würde, so Quellen der Gewerkschaft ELA gegenüber der Presse. Der Streik in den beiden Werken (eines ist von der Entlassung betroffen, das andere in Zaratamo nicht) wird am 5. und 6. Mai fortgesetzt, den letzten beiden Tagen des Konsultations- bzw. Verhandlungs-Zeitraums zwischen den Gewerkschaften der beiden Fabriken und dem japanischen Reifen-Multi, und wenn es keine Fortschritte gibt, "werden die Mobilisierungen ab dem 6. Mai verschärft", so die Gewerkschaft ELA. (baskultur)

(2025-05-01)

WENN DIE KIRCHE KLAUT

kolu67x01“In 30 Jahren ist nichts von den Gebäuden, die von der Kirche enteignet wurden, zurückgegeben worden“. Die Sprecher der Plattform zur Verteidigung des Kulturerbes in Navarra haben bei einem Auftritt im Parlament der Region ein stärkeres Engagement der Institutionen gefordert und beklagt, dass in 30 Jahren kein von der Kirche enteignetes Objekt zurückgegeben wurde. (Foto: Dezember 2024 in Iruñea, um die Rückgabe des von der katholischen Kirche immatrikulierten Eigentums zu fordern).

Die Plattform zur Verteidigung des navarrischen Kulturerbes forderte ein stärkeres Engagement der Institutionen zum Schutz des navarresischen Kulturerbes und hinterfragte die Anstrengungen, die zu dessen Sicherung durchgeführt werden.

Dies erklärten die Vertreter der Plattform, Cristina Contreras und Andrés Valentín, vor dem Parlament von Navarra, um das Problem der Verjährung des Erbes anzusprechen, da 30 Jahre seit der Änderung des Hypotheken-Gesetzes im Jahr 1998 durch rechte Aznar-Regierung vergangen sind.

“Alles begann mit einer Änderung des Hypotheken-Gesetzes: allein die Ausstellung einer Besitzurkunde durch irgendwelche Bischöfe, ermöglicht es der katholischen Kirche, Liegenschaften wie Kirchen, Kapellen oder andere Gebäude von religiösem Charakter als Eigentum zu registrieren, so wurde aus Zauberei eine Besitzurkunde, die zu keiner Zeit annulliert und in Frage gestellt wurde“, sagte Contreras.

Bischöfe als Notare

Die Plattform vertritt die Meinung, dass all dies für verfassungswidrig hätte erklärt werden müssen, da, so versicherte Contreras, “dies einem Bischof die Fähigkeit verlieh, Richter, Partei, Notar und Vertrauensanwalt des Eigentums für sich selbst zu sein“. Diese Tatsache verschlimmerte sich noch, als 1998 mit der Änderung des Hypotheken-Gesetzes die Eintragung von religiösen Liegenschaften erlaubt wurde – was später auf Verlangen Brüssels von der Regierung Rajoy annulliert wurde. “Wir schleppen bis heute die Folgen eines Artikels mit uns herum, der nicht mehr existiert“, beklagte Contreras.

Der Trick der Kirche war einfach: Gebäude die teilweise vor Jahrhunderten von Gemeinden gebaut wurden, teilweise in kommunaler Arbeit, die jedoch von keiner Seite als Besitz in den Registern eingetragen wurden. Diese Gebäude wurden von der katholischen Kirche zwar genutzt, waren jedoch nicht deren Eigentum, sie gehörten offiziell sozusagen niemand. Mit der Änderung des besagten Gesetzes durch Aznar (in Absprache mit der Kirche) wurde diese juristische Lücke ausgebeutet, Bischöfe konnten Urkunden ausstellen, die die Liegenschaft als Kirchen-Eigentum behaupteten – das wars. Auf diese Art wurden Tausende von kleinen und großen Gebäuden aller Art eingeschrieben, privatisiert, geraubt.

Contreras sagte weiter, dass in diesen fast dreißig Jahren trotz einer vollständigen Liste des immatrikulierten Eigentums “nichts vom Staat zurückgeholt wurde“, und dass am Ende dieser dreißig Jahre „eine weitere Hürde zu überwinden sein wird“. Die Plattform warf die Frage auf, ob es sich bei diesen Kulturgütern um dieselbe Art von Gütern handelt wie bei allen anderen, und ob dieser Beseitz-Charakter nicht durch das Gesetz geschützt ist. Er wies auch darauf hin, dass dieses Erbe durch den Verkauf, die Aufgabe und den Abriss verloren geht und fragte, wie es zu dieser Situation gekommen ist. Der Vertreter stellte klar, dass es bei diesen Forderungen um das Eigentum und nicht um die Nutzung geht. “Wir wollen, dass es allen Männern und Frauen Navarras gehört. Die Nutzung ist uns egal. Die Kirchen sind, was sie sind“, betonte er.

Positionen der Fraktionen

In den Redebeiträgen der Fraktionen antwortete Ibai Crespo von der PSN (Sozialdemokraten), dass in dieser Angelegenheit Schritte unternommen worden seien, wobei er auf die geplante Untersuchung von fast 300 kommunalen Gütern durch die Regierung Navarras und das Gesetz über kulturelle Rechte verwies, er versicherte, dass die PSN der Plattform für jeden Ansatz zur Verfügung stehe. Adolfo Araiz von EH Bildu räumte ein, dass er nicht wisse, wem diese Rückgabe-Forderung zustehe, aber “was wir haben, ist die bittere Erfahrung von Stadtverwaltungen, die vor Gericht gegangen sind, um ihr Erbe zu verteidigen, und die eine negative Antwort, ja sogar Beleidigungen erhalten haben“, wie er sagte. In diesem Sinne ermutigte Araiz die lokalen Behörden, sich zu engagieren und rechtfertigte die Arbeit der Plattform.

Blanca Regúlez von der liberalen Geroa Bai stimmte ihrerseits zu, dass Schritte unternommen wurden, und dankte der Plattform für ihre Mitwirkung, indem sie die Menschen auf die Situation aufmerksam machte und die politischen Parteien dazu brachte, sich zu engagieren. Marta Álvarez von der regionalen Rechten, UPN, betonte, dass ihre Partei nicht dafür ist, dass die Kirche Eigentum erwirbt, das ihr nicht gehört, sondern dass es Sache der Gerichte ist, die Eigentumsverhältnisse zu klären. Diese Aussage wurde von der PP-Vertreterin Maribel García aufgegriffen, die argumentierte, dass “nicht das Parlament, sondern die Gerichte darüber entscheiden müssen“. (naiz-baskultur)

ABBILDUNGEN:

(*) Tagespresse

(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-05-01)

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