facundo1Sozialist und Kommunist

Facundo Perezagua Suárez (1860 / 1935) war ein in Bilbao aktiver Gewerkschafter, er war erst Sozialist und später Kommunist. Perezagua war einer der ersten Organisatoren der Sozialistischen Partei PSOE und deren Gewerkschaft UGT in Bizkaia, einer der drei Keimzellen (neben Asturien und Madrid), aus denen der spanische Sozialismus und später die Kommunistische Partei PCE hervorgingen. In Zeiten der ersten Generalstreik in der baskischen Provinz war Perezagua einer der wichtigsten Arbeiterführer .

Facundo Perezagua wurde am 27. November 1860 in Toledo, Kastilien geboren, ging 1885 nach Bilbao, Bizkaia und starb dort als bekannter Gewerkschafter, Kommunist und Stadtrat am 29. April 1935. Aus politischen Gründen wurde auch der 1. Mai als sein Todestag angegeben.

Biografie

Perezagua wurde 1860 in Toledo in der Calle Perala im Stadtteil Covachuelas in einer Arbeiterfamilie geboren. Im Alter von zwölf Jahren wurde er als Lehrling in der Waffenfabrik von Toledo zum Metallarbeiter ausgebildet, in der Zeit des Dritten Karlistenkriegs (1872-1876, von manchen auch als 2. Karlistenkrieg bezeichnet). Im Jahr des Kriegsendes 1876 wurde er entlassen. Später zog er nach Madrid, wo er Pablo Iglesias und andere Mitglieder der Gründungs-Gruppe der Sozuialistischen Arbeiter-Partei Spaniens (PSOE) kennenlernte, der er seit ihrer Gründung im Jahr 1879 angehörte. 1883 war Perezagua einer der Vertreter von El Porvenir (Die Zukunft), einer Gesellschaft (Gewerkschaft) von Arbeitern in der Eisen- und Metall-Industrie.

facundo2Als einer der Arbeitnehmer-Vertreter nahm an der vom damaligen Innenminister Segismundo Moret eingesetzten Kommission für Sozialreformen teil, wo er die Ausbeutungs-Bedingungen der Arbeiterklasse anprangerte und sozialistische Ideologie und Ziele propagierte. Kurz darauf wurde er bei Platerías Meneses (Besteckfabrik) und später in einer Gasfabrik entlassen, woraufhin er nach Bizkaia ging. Pablo Iglesias hätte es vorgezogen, wenn er nach Barcelona gegangen wäre, in Bizkaia war Perezagua für die Verbreitung der Idee des Sozialismus unter den Arbeitern verantwortlich. Zunächst unter den Bergarbeitern von Somorrostro, des Minengebietes nahe der Stadt Muskiz und später unter den Metallarbeitern am linken Ufer des Nervión (der durch Bilbao fließt).

Perezagua kam am 20. April 1885 in Bilbao an, ließ sich in der Calle Marzana im Stadtteil San Francisco nieder und begann seine Arbeit in der Gießerei von Francisco Aguirre Sarasúa. Mit Hilfe anderer sozialistischer Aktivisten war Perezagua für die Gründung der ersten sozialistischen Gruppen in Bizkaia verantwortlich. Am 11. Juli 1886 wurde die Agrupación Socialista de Bilbao (Sozialistische Gruppe Bilbao) mit kaum zwanzig Aktivisten gegründet. Im Dezember des folgenden Jahres wurde die Ortsgruppe Ortuella (bei Muskiz) im Herzen des Bergbau-Gebiets gegründet. Er war ein überaus aktiver Gewerkschafter und versuchte, die Metallarbeiter zu organisieren, was ihm jedoch vorerst nicht gelang, die Metallarbeiter-Gewerkschaft von Bizkaia wurde erst 1914 gegründet. Im August 1888 gehörte er zu den Teilnehmern des Gründungs-Kongresses der Sozialistischen Arbeiter-Partei Spaniens (PSOE), der in Barcelona stattfand.

In Bilbao setzte er seine Gewerkschafts-Arbeit an der Spitze der sozialistischen Bewegung fort. Er zeichnete sich aus durch einen unermüdlichen Arbeitscharakter, eine konfrontative Strategie, die Gewalt nicht ausschloss, und seine Weigerung, Vereinbarungen mit anderen politischen Kräften zu treffen. 1890 wurde die Sozialistische Föderation von Bizkaia gegründet, in der sich die sozialistischen Gruppen von Bilbao, des Bergbau-Gebiets Somorrostro und des Industriegebiets am linken Ufer des Nervión (Portugalete, Arboleda) zusammenschlossen, die einzigen, die bis dahin bestanden hatten. Ein Merkmal der sozialistischen Organisation in diesem Gebiet war ihre Schwäche, auch wenn der Einfluss sozialistischer Thesen schnell zunahm, waren die sozialistischen Gruppen (die auch Gewerkschaftsarbeit leisteten) doch klein und nicht sehr stabil.

Der Generalstreik von 1890

Trotz dieser Schwierigkeiten leitete Perezagua den ersten Generalstreik in Bizkaia, jenen im Mai 1890, an dem mehr als 30.000 Arbeiter teilnahmen. Nach der ersten Maifeier, die zwar ohne Zwischenfälle verlief, wurden fünf Mitglieder der Agrupación Socialista aus Bergbau-Gebiet La Arboleda verhaftet, was eine sofortige Reaktion auslöste. Aus dem Gefängnis heraus verfassten Perezagua und die anderen Verhafteten ein Dokument mit den Forderungen der Arbeiter, die sich wie folgt zusammenfassen lassen: Wiedereinstellung der entlassenen Arbeiter, 10-Stunden-Tag, Abschaffung der Akkordarbeit, der Baracken und der Zwangskantinen. Es war der erste Arbeiter-Generalstreik der Neuzeit, er leitete das ein, was der Schriftsteller Miguel de Unamuno ”die Zeit der Streiks, der großen Streiks“ in Bizkaia nannte.

Der Erfolg im Streik brachte der PSOE die Vorherrschaft in der Arbeiterbewegung Bizkaias ein, die sich allmählich auf das übrige Baskenland ausbreitete, beginnend mit den Industrie-Zentren von Gipuzkoa (1897 wurden die Gruppen Eibar und San Sebastián gegründet). Bizkaia bildete zusammen mit Madrid und Asturien das Dreieck, in dem sich der spanische Sozialismus am stärksten ausbreitete, so dass der Schriftsteller Ramiro de Maeztu Bilbao als ”das sozialistische Mekka“ bezeichnete. Die Bedeutung des Bizkaia-Sozialismus für ganz Spanien führte dazu, dass der zweite Kongress der PSOE 1890 in Bilbao stattfand. In den folgenden zwei Jahrzehnten wurden vier weitere Generalstreiks und unzählige Teilstreiks mit unterschiedlichen Ergebnissen durchgeführt (Erfolg der Arbeitgeber im Jahr 1892, Misserfolg mit Empfehlung zur Wiederaufnahme der Arbeit im Jahr 1906, Sieg im letzten Moment in den Jahren 1903 und 1910).

Stadtrat von Bilbao 1895-1921

facundo3Perezagua stellte die gewerkschaftliche Konfrontation stets über politische Bündnisse oder Beschwichtigungen und konzentrierte sich bei den Wahlen vor allem auf die Kommunalwahlen, obwohl er 1891 für den Bezirk Balmaseda auch für das spanische Parlament (die Cortes) kandidierte. Der Bezirk Balmaseda umfasste das Bergbau- und Industrie-Gebiet Barakaldo und Sestao). Gleichzeitig kandidierte der Parteigründer Pablo Iglesias für Bilbao. Bei den Kommunalwahlen von 1891, den ersten nach dem allgemeinen Männer-Wahlrecht, wurde Perezagua zusammen mit Luciano Carretero, Dionisio Ibáñez und Manuel Orte zum Stadtrat von Bilbao gewählt, während Facundo Alonso in La Arboleda (San Salvador del Valle) gewählt wurde. Diese fünf waren die ersten sozialistischen Abgeordneten in der Geschichte Spaniens (Pablo Iglesias sollte erst 1910 mit Hilfe der republikanischen Stimmen der republikanisch-sozialistischen Konjunktion in die Cortes einziehen).

Doch weder Perezagua noch zwei der anderen Abgeordneten konnten ihr Amt in Bilbao antreten, da sie keine Eigentümer waren, eine Bedingung, die Manuel Orte erfüllte, da er ein kleines Holzkohle-Geschäft besaß. 1895 wurde Perezagua erneut in den Stadtrat gewählt, dieses Mal konnte er sein Amt antreten, indem er eine Taverne eröffnete und sich als Kaufmann eintragen ließ. Von 1895 bis 1898 war er Mitglied des Stadtrats, als er angeklagt wurde und ins Exil ging. Nach seiner Rückkehr aus Frankreich kehrte er in sein Amt zurück und wurde mehrmals zum stellvertretenden Bürgermeister ernannt. Im September 1915 übernahm er nach dem Rücktritt von Bürgermeister Benito Marco Gardoqui sogar kurzzeitig das Amt eines Interim-Bürgermeisters von Bilbao.

Mit der Jahrhundertwende wurde Perezaguas herausragende Stellung an der Spitze des Sozialismus in Bizkaia in Frage gestellt, ein Prozess, der sich bis ins Jahr 1910 hinzog. Hauptsächlicher Reibungspunkt mit dem aufstrebenden Sozialisten Indalecio Prieto (1863-1962), mit dem er sich um die Führung der Partei in der Industrie-Provinz stritt, war die Frage von Bündnissen mit anderen politischen Kräften, insbesondere mit den Republikanern. Ab 1910 war die Partei dazu bereit. Perezagua hingegen blieb bei seiner arbeitnehmer-orientierten Haltung und lehnte solche Bündnisse ab, da er die Republikaner für reaktionär hielt. In den folgenden Jahren kam es zu einem Kleinkrieg innerhalb des baskischen Sozialismus. Perezagua geriet 1914 schließlich in die Minderheit und wurde 1915 unter dem Vorwurf, eine Spaltung der Partei provozieren zu wollen, aus der PSOE ausgeschlossen. Dank des hohen Ansehens, das er immer noch genoss, wurde er jedoch 1919 wieder aufgenommen.

1921, inmitten der Spannungen, die die bolschewistische Revolution in Russland im spanischen und europäischen Sozialismus auslöste, schloss sich Perezagua der partei-internen Strömung der ”Terceristas“ an, die sich für die Annahme der ”21 Bedingungen“ durch die PSOE und den Beitritt zur Kommunistischen Internationale (der Dritten Internationale) aussprach. Gegen den Widerstand der Führung und der Mehrheit der Aktivisten (die ursprünglich den Beitritt zur Komintern befürwortet hatten) spaltete sich die Tercerista-Strömung ab und gründete am 13. April 1921 die Kommunistische Arbeiter-Partei Spaniens (PCOE). Zu den Abspaltern gehörten neben Perezagua auch Ramón Lamoneda (der später zur PSOE zurückkehren sollte), Evaristo Gil, Antonio García Quejido, Óscar Pérez Solís und Daniel Anguiano. Die PCOE fusionierte später mit einer früheren sozialistischen Abspaltung, der Kommunistischen Partei Spaniens, zur Kommunistischen Partei Spaniens (PCE).

Perezagua war einer der wichtigsten Führer der PCE während der Diktatur von Primo de Rivera (1923-1930). Nach dem Ende der Diktatur verschwand er jedoch aus der vordersten Reihe der baskischen und spanischen Politik. Dennoch kandidierte er bei den staatlichen Parlamentswahlen 1933 für die Hauptstadt Bizkaia, die PCE trat allein an und erreichte keine Vertretung.

Am 29. April 1935 starb Facundo Perezagua in Bilbao im Alter von 74 Jahren, 15 Monate vor dem Militärputsch ultrarechter Generäle gegen die demokratisch gewählte Republik. Einige seiner Genossen “verschoben” seinen Todestag auf den darauf folgenden 1. Mai, den internationalen Kampftag der Arbeiterklasse.

Straße und Gedenkstein

Ein Jahr nach seinem Tod wurde im Bilbo-Stadtteil San Francisco die Gimnasio-Straße in Facundo Perezagua umbenannt. Am 3. Mai 1936 publizierte die Tageszeitung El Liberal die folgende Nachricht:

facundo4“In der letzten Aprilnacht begannen die Arbeiter, ihre Balkone mit roten Tüchern zu schmücken, um das Fest der Arbeit zu beleben, und als wir am frühen Donnerstag Morgen fertig waren, konnten wir sehen, dass viele Häuser in den Arbeitervierteln auf diese Weise geschmückt waren. In der alten Calle del Gimnasio (Straße), der heutigen Facundo Perezagua, gab das Viertel den Ton an. Überall in der Straße, von Balkon zu Balkon, brachten die Nachbarn große Schilder an, die auf das Ereignis hinwiesen, das einige Stunden später stattfinden sollte. Um fünf Uhr morgens begannen die Marschkapellen ihre Tour durch die Arbeiterviertel. Um halb elf fand die Enthüllung des Gedenksteins statt, der den Namen des verstorbenen Arbeiterkämpfers in der alten Calle del Gimnasio, im Herzen des Arbeiterviertels Las Cortes, trägt. Der Stadtrat wollte, dass die entsprechende städtische Vereinbarung genau am Tag der Arbeit durchgeführt wird, um ihr mehr Charakter zu verleihen. Die Nachbarschaft beteiligte sich an der posthumen Ehrung. Kurz vor der festgesetzten Zeit trafen der Bürgermeister, Herr Ercoreca, und die Mitglieder der städtischen Kommissionen für öffentliche Bildung und Statistik ein. Der Bürgermeister hielt eine kurze und herzliche Rede, in der er die Figur seines Zeitgenossen Perezagua würdigte, der so viele Opfer für die Sache der Arbeiter gebracht hatte. Die Kommunisten Zapirain und Astigarrabia äußerten sich in ähnlicher Weise und lobten ihren verstorbenen Kollegen in höchsten Tönen. Der Bürgermeister schnitt das Band durch und enthüllte den Gedenkstein, der in der beliebten Calle del Gimnasio seit dem 1. Mai den Namen von Facundo Prezagua trägt.”

Während des Spanienkriegs (nach dem Militärputsch am 18. Juli 1936) benannten die baskischen Kommunisten eines ihrer Partei-Bataillone in der neu aufgestellten baskischen Armee (Eusko Gudarostea) nach Perezagua. Es handelte sich um das Batallion Nr. 10, war das Hauptbataillon der Kommunistischen Partei des Baskenlandes und spielte bei der Verteidigung von Bilbao eine entscheidende Rolle.

90 Jahre danach

Von der Umbenennung der Gimnasio-Straße in Perezagua-Straße bis zum Fall Bilbaos in die Hände der Franquisten am 19. Juni 1937 vergingen knappe 13 Monate. Zu deren ersten Handlugnen gehörte das Auslöschen von allen Hinweisen, die auf den baskischen Nationalismus und auf die Arbeiter-Bewegung und ihre Organisationen hinwies. Perezaguas Straßenname wurde umgehend getilgt, die Gedenktafel abgerissen. Seither sind 88 Jahre vergangen, bis April 2025 erinnerte nichts an den Kampf von Facundo Perezagua und seine ehemalige Präsenz im Bilbo-Straßenbild. Bis sich die antifaschistische Stadtteil-Gruppe Bilbo Zaharreko Memoria Taldea 90 Jahre nach der Straßen-Umbenennung und Gedenkstein-Eröffnung an Perezagua erinnerte und in der Gimnasio-Straße (wie sie nach dem Franquismus wieder genannt wurde) ein Wandbild anbrachte und in einer Gedenk-Veranstaltung an ihn erinnerte. Bei einer Informations-Veranstaltung wurde an eine Biografie erinnert, die Jahre zuvor über Facundo Perezagua publiziert wurde.

ANMERKUNGEN:

(1) “Facundo Perezagua Suárez”, Wikipedia (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) Facundo Perezagua (collage)

(2) Facundo Perezagua (naiz)

(3) Facundo Perezagua (fondo multimedia)

(4) Facundo Perezagua (republica plaza)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-04-20)

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