hem11Spuren durchs Baskenland

Der Schriftsteller Ernest Hemingway war mehrfach im Baskenland. Hier ließ er sich nicht nur zum Schreiben inspirieren, er tankte auch baskische Kultur und genoss die Freuden des Lebens. Hemingway besuchte das Baskenland bei zahlreichen Gelegenheiten, um sich mit Freunden zu amüsieren, Stierkämpfe zu besuchen oder im Meer zu baden. Eine Route in sechs Etappen erinnert an seine Präsenz im Baskenland. Sie verbindet Biografie, Sehenswertes, Erlebnisse, Protagonismus und Namen seiner baskischen Freunde.

Ernest Hemingway (1899, Illinois / 1961, Idaho) war einer der bekanntesten US-amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. 1953 erhielt er den Pulitzer-Preis, 1954 den Literatur-Nobelpreis. Sein Roman “Fiesta“ ist durch die San-Fermin-Fiestas in Iruñea-Pamplona inspiriert.

Wenn der Schriftsteller, Reporter und Nobelpreisträger Ernest Hemingway das Baskenland besuchte, pflegte er eine Baskenmütze zu tragen, häufig war er in Begleitung von Freunden wie den Malern Zuloaga und Ucelay. (1) Er begann seine Reisen nach Spanien und ins Baskenland in den 1920er Jahren. Weil er mit der spanischen Republik sympathisierte, konnte er nach der faschistischen Machtübernahme der 1930er Jahre einige Jahre lang nicht einreisen, erst in den 1950er Jahren konnte er seine regelmäßigen baskischen Aufenthalte fortsetzen. Mehr zu Hemingways Spuren zwischen Donostia und Bilbo im Artikel “Hemingway im Baskenland“. (2) (3)

Donostia - Txingudi (35 km)

“Wo die Sonne aufgeht“

Der nordamerikanische Schriftsteller liebte San Sebastian und besuchte die Stadt, wann immer er konnte. Dort schwamm er, trieb Sport, flanierte und aß mit Genuss. Zwischen Juli 1923 und August 1960 besuchte er die Stadt, die Muse seines Schreibens, mindestens zehn Mal. Im August 1925 schrieb er dort die letzten Kapitel von “Fiesta“. Die Stadt ist auch die Schauplatz des vorletzten Kapitels. “Selbst an einem heißen Tag hat San Sebastian etwas Eigenartiges an sich, es scheint immer ein wenig früher zu dämmern. Man hat den Eindruck, dass die Blätter an den Bäumen nie ganz trocken sind. Es scheint, als wären die Straßen frisch besprenkelt. Es ist immer kühl, in manchen Straßen gibt es immer Schatten, selbst an den heißesten Tagen", schrieb er.

Die Protagonisten des Romans folgen ihren Erfahrungen durch die Bucht von Txingudi, an der Grenze zwischen Hondarribia, Irún und Hendaia (frz: Hendaye). Victor Hugo, ein von Hemingway bewunderter Schriftsteller, lebte in einst Pasaia (span: Pasajes). In seinem Buch “Der Garten Eden“ waren die Figuren von den “schönsten Aussichten“ in der Bucht von Txingudi fasziniert. Auf dem Weg nach Frankreich, seiner zweiten Heimat, fuhr Ernest mehrmals durch die baskische Grenzstadt Irun.

hem22Foto: Mit Pauline Pfeiffer am Strand von La Concha.

Donostia-Eibar (76 km)

“Einer der Großen“

In Paris hatte Hemingway den Maler Ignacio Zuloaga kennengelernt, dessen Haus in Zumaia er mehrmals besuchte, so dass er die Gelegenheit hatte, die Wunder des Geoparks mit den Flysch-Formationen am Strand der Stadt zu begutachten. Die Küste von Gipuzkoa kannte er schon vor seinem Besuch dank seiner Bibliothek. Sie wurde bereichert durch zwei Bücher von Richard Ford, dem englischen Hispanisten, den er in “Wem die Stunde schlägt“ zitiert, einem Roman über den Spanienkrieg.

Ford schrieb: “Deba ist ein charmantes Städtchen mit sechstausend Fischern: hier reifen Orangen und Oliven. Der Blick vom Meer aus ist herrlich. Das Panorama von der Spitze des Izarraitz ist großartig, und die Weite des Ozeans kontrastiert mit der bergigen Anhäufung von Land“. Hemingway erwähnte Deba in “Tod am Nachmittag“ aus dem Jahr 1932. Er sprach von der “Jagd“, die die Gefallenen in Deba erlitten. Da er selbst sich für eine andere Art von Jagd begeisterte, nämlich die Jagd auf Tiere, suchte er im Frühjahr 1954 die Werkstatt von Pedro Arrizabalaga in Eibar auf, um die Einzelheiten eines Gewehrs zu besprechen, das dieser für ihn anfertigen sollte. Zwei Jahre später kaufte er eine weitere Waffe von Sarasqueta. Übrigens war die Eibar die erste Stadt, in der am 14. April 1931 die Zweite Republik ausgerufen wurde.

hem33Fotografie mit Gewehr ohne Baskenmütze

Eibar-Bermeo (65 km)

“Die Basken sind gute Leute“

Hemingway hatte gerade den Pulitzer-Preis für Literatur erhalten (1953), als der Autor durch die Städte Ermua, Etxebarria und Markina reiste. Er musste Bestellungen von seinen in Kuba lebenden Pelotari-Freunden erledigen, von Félix Areitio und den Brüdern Ibarluzea. Patxi Ibarluzea stammte aus Markina und war eine der Figuren im dritten Teil des Romans “Inseln im Strom“, im Kapitel mit dem Titel “Im Meer“ (En el mar), der 1970 posthum veröffentlicht wurde.

Während des Bürgerkriegs war Hemingway als Korrespondent der Kriegsreporter zwar nicht in Gernika, aber er sprach häufig von diesem Ort als Beispiel für die “faschistische Lüge“ (nach der Vernichtung Gernikas durch die nazi-deutsche Legion Condor hatten die Faschisten den Basken selbst die Zerstörung in die Schuhe geschoben). Dennoch schrieb er 1931 an Gay Hickok über den “heiligen Baum von Gernika“ (die historische und mythische Eiche der Basken). Am 4. Juni 1937 sprach er auf dem amerikanischen Schriftsteller-Kongress in New York über die Besessenheit des Faschismus, alles in seiner Umgebung zu zerstören und auszulöschen, wie es bei der Bombardierung von Gernika geschehen war.

1959 kam Hemingway nach Busturia, ins Feuchtgebiet Urdaibai an der baskischen Küste, wo er den Palast Txirapozu besuchte, das Geburtshaus des Malers José María Uzelai, den er ebenfalls in Paris kennengelernt hatte. Einige Jahre zuvor hatten er und der Seefahrer Juan Duñabeitia für den Künstler posiert. Das Gemälde “Unterhaltungsstück, reines Vergnügen“ ist Teil der ständigen Ausstellung im Museum der Schönen Künste in Bilbao.

Diese Reise im Jahr 1959 diente einem einzigen Zweck: einem Besuch am Grab seines engen Freundes und Beichtvaters, des Mundaka-Priesters Andrés Untzain, den Hemingway als seinen “spirituellen Meister“ bezeichnete und der zu einem Stammgast auf der Finca Vigía, dem Haus des Schriftstellers in Kuba, geworden war. Jeden Mittwoch trafen sich dort seine baskischen Freunde. Ernest besuchte das Casino und den Friedhof von Mundaka, ruhig und still am Hafen gelegen, mit Blick auf das Meer. Hemingway fuhr weiter nach Bermeo, wo er am bekannten Eisstand Pereira am Hafen hausgemachtes Eis genoss. Wahrscheinlich machte er auch einen Besuch im Casino, dessen Hauptsaal mit Fresken von Zuloaga geschmückt war.

Nebenstraßen, früher Haupt-Verbindungswege. Für Auto- und Motorradfahrer immer ein Vergnügen. Arterien der Bizkaia-Provinz, die Grün und Salpeter atmet. Die sich mit ihren Wäldern zwischen Eibar und Gernika an den Himmel klammert und dabei die Region Lea-Artibai durchquert. Am Ende das Meer mit seinen Felsen, Klippen und alten Fischerhäfen, wie Mundaka und Bermeo. Der Weg durchquert ihr historisches und sentimentales Herz, Gernika. Am Ende der Straße die Klippen von Ogoño, das Kap Matxitxako und der Felsen von Gaztelugatxe: ein einzigartiges magisches Dreieck.

hem44Foto: Hemingway posiert neben der Eisdiele Pereira in Bermeo

Bermeo-Bilbao (59 km)

“Der gefährliche Sommer“

Das Datum wurde im Kalender vermerkt: am 21. August 1959 kam Hemingway in Deusto an. In die Klinik von Dr. Vicente San Sebastián, wo sich der Stierkämpfer Luis Miguel Dominguín von einer Verletzung kuriert wurde, die er sich am selben Tag in der Stierkampf-Arena Vista Alegre von Bilbao zugezogen hatte. Die Stadt ist der Schauplatz des letzten Kapitels des letzten Buches des Nobelpreisträgers, “Der gefährliche Sommer“ (Posthum-Publikation 1980, in der Hemingway seine letzte Stierkampf-Reise beschreibt). Er kannte die Bizkaia-Hauptstadt bereits, da er dort zuletzt in Begleitung seines engen Freundes Juan Duñabeitia einen Spaziergang gemacht hatte. Er ging an Bord von La Barata, dem Lancia-Wagen von Mario Cassamassima und war mit diesem Fahrzeug sogar auf einem Foto vor dem Hotel Carlton zu sehen.

“Bilbao ist eine Industrie- und Schifffahrts-Stadt, die in einem Gebirgskelch an einem Fluss liegt. Sie ist reich, groß, solide und entweder heiß und feucht oder kalt und nass. Die umliegende Landschaft ist schön und die kleinen Flüsse, die das Land durchziehen, sind reizvoll. Es ist eine Stadt mit viel Geld und tollen Sportlern, in der ich viele Freunde habe. Im August kann es dort heißer sein als anderswo, außer in Córdoba", schrieb er in dem Buch. Die Stadt kommt auch in “Tod am Nachmittag“ vor, einem Essay von 1932 über den Stierkampf und seine Geschichte; in “Fiesta“ wird sie ebenfalls erwähnt.

hem55Foto: Vor der Tür des Carlton mit der Schauspielerin Lauren Bacall.

Bilbao-Vitoria (110 km)

“Die zivilisierteste Sache der Welt“

Urduña (span: Orduña) war eine der regelmäßigen Stationen auf seinen Reisen zwischen der kastilischen Meseta und der baskischen Küste. Zum Beispiel gibt es ein Porträt auf der Plaza de los Fueros vom 23. August 1960. Zu diesem Zeitpunkt war er auf dem Weg nach Bilbao, um den Stierkampf von Ordoñez zu sehen. Zeitzeugen berichten, dass Hemingway recht gut Spanisch sprach. Seit er in den 1920er Jahren mit seiner Familie von Irun nach Madrid gereist war, machte er auch in Vitoria-Gasteiz Halt. Am 5. Juli 1959 übernachtete er hier, um sich auf seiner Reise von Burgos nach Pamplona auszuruhen. Er kaufte gerne Käse, Äpfel und Rotwein. Hemingway war ein unzertrennlicher Freund von Francisco “Paco“ Garay, einem in Kuba geborenen Basken.

Das baskische Pelota-Spiel und seine Pelota-Spieler entdeckte Hemingway in den 1920er Jahren. Damals gab es in Chicago und anderen US-Städten Fronton-Spielplätze: den Rainbow Garden (sic). In jenen Jahren hatte er Hand-Pelotaspieler wie Erdoza, El Fenómeno oder Atano gesehen, die ihn "begeisterten".

"Mario fuhr schnell zwischen Burgos und Bilbao, manchmal fuhr er 160 Stundenkilometer. Mario war ein Rennfahrer, aber ich konnte nicht aufhören zu schwitzen, wenn ich auf den Kilometerzähler schaute" (Der gefährliche Sommer). Der Streckenabschnitt zwischen Bilbao und Vitoria-Gasteiz, den Hemingway so oft befahren hat, ist fast unverändert geblieben, nicht aber der Rest der Strecke. Einige Kurven wurden geglättet, der Asphalt wurde erneuert und die Geschwindigkeits-Begrenzungen wurden im Vergleich zu der Geschwindigkeit, die der Lancia erreichte, deutlich gesenkt.

hem66Foto: Bei den Fiestas von Elgoibar, ein Jahr vor seinem Tod.

Vitoria-Donostia (118 km)

“Die Straßen führen zu den besten Plätzen“

Wir haben bereits über die Städte gesprochen, in denen diese letzte Etappe beginnt und endet. Bleibt nur noch Tolosa zu erwähnen, das der Autor in “Tod am Nachmittag“ von 1932 in seiner englischen Fassung zitiert. Auf den Straßen dieser Stadt fuhr Hemingway auf seinen langen Automobil-Fahren vorbei. Tolosa gilt als “die Welt-Hauptstadt“ für die Herstellung der besten Baskenmützen, auf Baskisch “Txapela“ genannt, eine Kopfbedeckung, die er sein ganzes Leben lang gerne trug. Sorglose Eleganz: Ernest Hemingway entdeckte die "Txapela“ in den 1920er Jahren. Auch die Espadrilles entdeckte er in jener Zeit. Hemingway, der Reisende, Jäger, Fischer und Schriftsteller, wählte mit großer Sorgfalt aus, was er trug, je nachdem, was er vorhatte.

hem77Foto: Tolosa, Herstellungsort von Baskenmützen, die er gerne trug

ANMERKUNGEN:

(1) “Planes para pasártelo como Hemingway en el País Vasco” (Pläne für eine Hemingway-ähnliche Zeit im Baskenland), Tageszeitung El Correo, 2024-05-31 (LINK)

(2)“Hemingway im Baskenland“, Baskultur.info, 2026-06-06 (LINK)

(3) Tourismus Euskadi, Hemingway (LINK)

ABBILDUNGEN:

(*) Hemingway (elcorreo)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-06-02)

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