anatoli1Mordversuch in Katalonien

Seit langem haben ukrainische Faschisten den Journalisten Anatoli Scharij im Visier. Am Mittwoch (6.3.2024) wurde nach Angaben des Journalisten und seiner Frau Olga Bondarenko versucht, das Paar im katalanischen Küstenort Roda de Berà (Tarragona) zu erschießen. Auf ihrem Telegram-Kanal teilte Bondarenko mit: “Um 09:20 Uhr wurde versucht, uns in der Einfahrt unseres Hauses mit einem schallgedämpften automatischen Gewehr zu ermorden.“ Die Polizei kam, untersuchte aber nicht den Ort des Mordanschlags.

Unter dem Titel “Mordversuch mit Ansage an ukrainischem Exil-Journalisten in Spanien“ berichtet Ralf Streck in Overton-Magazin über einen Anschlag auf den ukrainischen Journalisten Anatoli Scharij, der in Katalonien im Exil lebt.

Es ist kein Geheimnis, dass ukrainische Faschisten den Exil-Journalisten Anatoli Scharij ermorden wollen, dessen Auslieferung von Spanien auch die Ukraine fordert. Nach einem Brandanschlag wurde nun versucht, ihn und seine Frau im katalanischen Exil zu erschießen.

Neu sind die Versuche nicht, den für die ukrainische Regierung unbequemen Journalisten einzuschüchtern oder anzugreifen. Vor fast drei Jahren berichteten Anatoli Scharij und Olga Bondarenko dem Autor in einem Interview von den Vorgängen und den Hintergründen, die Scharij eine Anklage wegen Hochverrat und seiner Partei ein Verbotsverfahren eingebracht hatten. Er berichtete ausführlich, wie er auf die Todesliste ukrainischer Faschisten kam.

anatoli2Doch nicht nur Faschisten machen Jagd auf den investigativen Video-Blogger und Betreiber von sharij.net, der mehrere Millionen Follower hat. Auch die ukrainische Regierung und deren Justiz versuchen, seine Auslieferung aus Spanien zu erreichen (worüber Overton bereits berichtet hatte). So war der Journalist vor zwei Jahren auch im spanischen Staat kurzzeitig festgenommen worden. Er wurde aber nicht an die Ukraine ausgeliefert (Artikel: “Der lange Arm ukrainischer Rechtsradikaler“). Im Fall einer Auslieferung würde er “in der Ukraine nicht länger als einen Tag leben“ und seinen Tod würde man als “Selbstmord ausgeben“, hatte er im Interview erklärt.

Nachdem seine Auslieferung gescheitert war, begannen 2023 die Anschläge auf das Paar. Deren Haus in Tarragona wurde im vergangenen Oktober mit Molotow-Cocktails massiv angegriffen. Dass es sich um einen gut vorbereiteten Anschlag handelte, ist auf Bildern von Überwachungs-Kameras deutlich zu sehen, sie wurden auch auf Youtube veröffentlicht.

Ein neuer Höhepunkt wurde nun am Mittwoch (06.03.2024) mit dem Mordanschlag erreicht. Überrascht war Scharij davon nicht. Auf X teilte er mit, dass man schon vor einer Woche die spanischen Sicherheitsbehörden von Anschlagsplänen unterrichtet habe, ohne dass die etwas unternommen hätten. Er veröffentlichte nun sogar einen Audio-Mitschnitt, der auch den Sicherheitskräften vor einer Woche übergeben worden sei, in dem für seine Ermordung die “große Summe von 100.000 Euro“ geboten wurde. In dem Mitschnitt wird von einem “ukrainischen Politiker“ gesprochen. Scharij war Anführer der gleichnamigen, inzwischen verbotenen Partei Scharij. Auf X (Twitter) benennt der Journalist auch Ross und Reiter. Es handele sich bei der Vermittlerin um Svitlana Suchkova Iliushchenko, eine ukrainische Staatsbürgerin, die in Spanien lebt. Sogar ein Foto von der Auftraggeberin hat Scharij veröffentlicht.

Entsetzt ist er davon, dass die spanischen Sicherheits-Behörden im Vorfeld nichts zu seinem Schutz getan hätten, aber auch den Mordanschlag nicht untersuchen würden. Die Polizei habe weder den Tatort untersucht, um das Gewehr und Patronenhülsen zu finden, noch seien Nachbarn und Zeugen des Vorfalls befragt worden. Auch mehr als fünf Stunden nach dem Anschlag sei nichts geschehen. “Wir haben es mit einem äußerst merkwürdigen Vorgang zu tun“, erklärt er.

anatoli3Erst um 16 Uhr seien Untersuchungen aufgenommen worden. “Nach der Siesta?“, fragt der Journalist sarkastisch. Doch seien weder die Nachbarn befragt, noch die Aufnahmen von Überwachungs-Kameras ausgewertet worden. Zeugen hätten seinem privaten Personenschutz erklärt, den Schützen gesehen zu haben, denn einige hätten ihn beobachtet und konnten beschreiben, wie er gekleidet war. Seine Sicherheitsleute haben das Umfeld abgesucht, da der Täter das Gewehr weggeworfen haben könnte. Die Polizisten stünden derweil nur untätig rauchend beisammen. Ihm erscheine es, dass man nichts dagegen habe, dass er erschossen wird.

Erreichbar waren weder der Journalist noch seine Frau, die am Nachmittag einigermaßen verzweifelt versuchten, den Vorgang zur Anzeige zu bringen. Man habe den “Eindruck, dass die Polizei, die Anzeige nicht annehmen will“, teilte er per X zuletzt mit.

Für den Journalisten ist angesichts der gesamten merkwürdigen Vorgänge klar, dass die ukrainischen Behörden hinter dem Mordversuch stehen müssen. Auch da die Polizei “vergessen“ habe, die Straßen abzusperren, um den Täter zu fassen. “Andere Optionen, außer Zelenski, scheiden aus“, erklärte der Blogger auf seinem Telegram-Kanal.

Baskultur.info berichtete bereits am 06.05.2022 über den Fall des ukrainischen Oppositionellen Anatoli Sharij, der als Journalist auch über die militärischen Auseinandersetzungen im Donbass-Gebiet berichtet hatte, was bei der Regierung auf starken Unwillen gestoßen war. Seine Berichte waren der Ursprung für die Verfolgung, die er und seine Frau seither erleiden. Der Artikel trägt der Titel “Ukraine-Journalist verhaftet. Der lange Arm des Geheimdienstes“.

ANMERKUNGEN:

(1) “Mordversuch mit Ansage an ukrainischem Exil-Journalisten in Spanien“, 6. März 2024, Overton-Magazin, Autor: Ralf Streck (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) Anatoli Sharij (JP+)

(2) Anatoli Sharij (hispan tv)

(3) Anatoli Sharij (la sexta)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-03-08)

Für den Betrieb unserer Webseite benutzen wir Cookies. Wenn Sie unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, akzeptieren Sie unseren Einsatz von Cookies. Mehr Information