Flutkatastrophe wegen Unfähigkeit
Schon wieder herrscht Alarmstufe Rot an der Mittelmeer-küste, die Furcht ist groß, dass die neue DANA (Kaltlufttropfen) zu weiteren Dramen im geschundenen Katastrophengebiet führt, wo noch immer der Schlamm kniehoch in den Straßen steht und das Abwassersystem verstopft ist. Noch beherrschen Bilder die Szenerie, die einem Kriegszustand gleichen. Für die tödlichen Fehler will niemand Verantwortung übernehmen und nur die zahllosen freiwilligen Helfer bringen den Menschen Hoffnung im Katastrophen-Zone.
Der Journalist Ralf Streck hat eine besondere Auffassung von seinem Beruf: anstatt nur Kamera und Mikrofon einzupacken, hat er sein Auto mit Hilfsmaterialien vollgeladen, um in Valencia praktisch-solidarisch mit Hand anzulegen. Hier sein Einsatz-Bericht aus dem Overton-Magazin.
Spanien: Tödliche Flutkatastrophe aus Fehlern, Unfähigkeit und Untätigkeit: “Es sieht aus wie im Kriegsgebiet“, erklärt der freiwillige Helfer Marti. Der junge Mann ist mit Freunden aus dem katalanischen Barcelona angereist, um den Menschen in Valencia in diesen Tagen mit seiner Arbeitskraft beizustehen. Viele Menschen hier im südost-spanischen Valencia ziehen den Vergleich zur Kriegszerstörung, angesichts der unbeschreiblichen Verwüstung, die hier seit 14 Tagen zu sehen ist. (1)
Auch nach mehr als zwei Wochen, nachdem eine sogenannte DANA (2), wie das Wetterphänomen des Kaltlufttropfens hier genannt wird, am 29. Oktober die Schleusen öffnete, steht in etlichen Gemeinden oder Stadtteilen zum Teil noch immer knietief der Schlamm in den Straßen. Wie Overton berichtet hatte, regnete es an jenem Dienstag in acht Stunden zum Teil mit bis zu mehr als 600 Litern pro Quadratmeter so stark, wie sonst in einem ganzen Jahr nicht.
Alle bisherigen Rekorde wurden dabei gebrochen, da mit der Klima-Erwärmung die Atmosphäre immer mehr Feuchtigkeit eines zu warmen Mittelmeers aufnimmt. Der neue Rekordhalter ist seit zwei Wochen die Gemeinde Turis, dort sind in 24 Stunden sogar 630 Liter pro Quadratmeter gefallen. Fast 200 Liter mehr als beim vorhergehenden Rekord mit 445. In nur einer Stunde waren es 185 Liter, womit der vorherige Rekord von 159 Litern ebenfalls deutlich überschritten wurde. Die gesammelte Feuchtigkeit regnet ab, es kommt sogar zu Tornados, wenn die warme und feuchte Luft auf die DANA-Kaltluft trifft. Diese riesigen Kaltluftgebiete in großer Höhe lösen sich nun immer öfter vom Nordpol ab.
Die Menschen hier schauen an diesem Mittwoch (13.11.2024) besorgt auf die schweren Regenwolken, die erneut dunkel aufziehen. Da es regnet, ziehen heute viele freiwillige Helfer nicht wie all die Tage aus, um Wohnungen und Straßen vom Schlamm zu reinigen. Die Sorge vor neuen und vielleicht noch heftigeren Überschwemmungen ist groß, da die Abwasserkanäle verstopft sind und erneut Alarmstufe Rot und Gelb angesichts der dritten DANA in nur drei Monaten ausgerufen wurde. Rot gilt bisher für die Nachbarregion Katalonien und für Teile von Andalusien, aber das kann sich schnell wieder ändern. In dutzenden Gemeinden Valencias wurde ebenfalls der Privatverkehr eingestellt.
Im Katastrophen-Gebiet türmen sich Auto- und Müllberge auf
Einst die Einrichtung einer Küche, eines gemütlichem Wohn- oder Schlafzimmers, Mobiliar einer Bar oder eines Geschäfts – all das wartet nun auf der Straße auf den Abtransport. An den Rändern der Gemeinden im Katastrophen-Gebiet werden provisorische braune Halden und von Schlamm überzogene Autoberge aufgetürmt. Über der gesamten Region hängt fauliger Gestank und eine Staubglocke.
“Bitte tragen Sie Masken“, tönt es aus Lautsprecher-Wagen, die durch Straßen wie hier in Catarroja fahren. “Trinken sie nur Wasser aus Flaschen“, wird in einem der Katastrophen-Hotspots empfohlen. Von den bisher 220 registrierten Todesopfern in Valencia (223 insgesamt in ganz Spanien), ertranken in Catarroja mindestens 32. Noch immer werden 21 Menschen in Valencia vermisst. Die beiden vermissten Kinder Rubén und Izan aus Torrent wurden am Mittwoch tot gefunden.
Der Nachbarort Catarroja ist eine Gemeinde mit 30.000 Einwohnern, die etwa zehn Kilometer von Valencia-Stadt entfernt liegt. Auch sie hat nun wieder Strom, Wasser und Gas. “Bei mir wurde gestern das Gas wieder angestellt“, erklärt Anna Piera gegenüber Overton an der Kirchengemeinde “Maria Madre de la Iglesia“ am Dienstag. Sie ist, wie viele ihrer Nachbarn zu einem der großen Solidaritätspunkte in Catarroja gekommen, den Freiwillige hier errichtet haben. Hier trifft man sich wieder, kommt, um etwas zu essen, Lebensmittel, Wasser oder sonstige Gegenstände für den täglichen Gebrauch zu holen. Geschäfte, Kneipen oder Banken, die stets im Erdgeschoss lagen und überflutet wurden, gibt es so wenig wie funktionstüchtige Autos, um anderswo einkaufen zu können. Die Polizei sperrt ohnehin Zugänge zum Gebiet ab. Offiziell sollen die Straßen nicht verstopft werden, um die Aufräumarbeiten der offiziellen Helfer nicht zu behindern.
In Catarroja sind keine offiziellen Helfer und kein Militär zu sehen
Die glänzen aber in Catarroja vor allem durch Abwesenheit. Hier ist kein Militär zu sehen, auch von deren Nothilfeeinheit UME fehlt jede Spur. Feuerwehrleute und eine Einheit spanisch-portugiesischer Nothelfer sind aber vor Ort. Ansonsten schuften hier, wie überall, vor allem freiwillige Helferinnen und Helfer. Die treten dafür oft zweistündige Fußmärsche aus Valencia dafür an, bringen Schippen und Lebensmittel mit. Sie haben sofort die Räume der Kirchengemeinde gesäubert.
Endlich hat die grauhaarige Piera hier nun Gummistiefel bekommen. Die sind gerade mit einem privaten Hilfstransport aus dem Baskenland eingetroffen. 12 junge Leute sind mit sieben Kleintransportern angereist und haben viel Material in die Stadt gebracht. Die Gummistiefel sind zwar eine Nummer zu groß, aber mit dicken Socken, welche die Basken ebenfalls im Gepäck hatten, geht es. Die Polizei wollte auch diesen Transport abweisen, in eine Zentralstelle am Hafen in Valencia schicken, wo Hilfsgüter gesammelt und verteilt werden sollen. Doch die Fahrer haben die Sperren umfahren.
Der Koordinator für Hilfsdienste in der Kirchengemeinde in Catarroja ist Joan Magraner. Er ist froh, dass weiter Lieferungen kommen. Aus der Zentralstelle am Hafen käme bisher nichts an. Magraner lebt in Catarroja und ist Flutopfer. “Wir verteilen hier Schippen, Besen, Schutzbrillen, Lebensmittel oder Kleidung, die wir von überall her gespendet bekommen“, berichtet er über die selbstorganisierte Arbeit. Die leisten hier “nur Freiwillige“, prangt es auf einem Schild am Eingang.
Auf dem Platz wird von marokkanischen Einwanderern gekocht, Elena schenkt hier jedem ein Lächeln und einen Kaffee an ihrem Stand. “Wir müssen wieder zum Leben zurückfinden und dürfen uns nicht vom Schlamm begraben lassen“, sagt sie. “Angesichts dieses Schreckens müssen wir lachen.“ Daneben hat ein Friseur einen improvisierten Salon aufgebaut und schneidet Haare umsonst. Freiwillige lassen sich daneben auf Bänken zu einer Pause nieder, verspeisen angelieferte Essensrationen, die in solidarischen Restaurants wie im “Raro“ (Seltsam) in Valencia gekocht werden. Dort zeigt sich schon die bevorstehende ökonomische Krise. “Es kommen kaum Gäste“, erklärt Chefkoch Hibai Bengoetxea, der drei Zeitverträge nicht verlängern konnte.
Während er in Valencia kocht, kicken Kinder vor der Kirchengemeinde in Catarroja mit einem Fußball. Auch psychologische und sanitäre Hilfe wird hier geleistet. Alle Wunden müssen verarztet werden. Die Gefahr von Epidemien durch pathogene Bakterien und einige Arten von Parasiten steigt. Der Schlamm ist mit Fäkalien und Chemikalien durchsetzt, da das Abwassersystem verstopft ist.
Die 65-jährige Piera wohnt gleich um die Ecke in der Stadt, die mit Paiporta, Picanya, Sedaví, Alfafar, Massanassa oder dem Stadtteil La Torre von Valencia am schwersten betroffen sind. Sie hatte doppeltes Glück. Ihre Wohnung liegt im ersten Stock und die Flutwelle, die hier auf fast drei Meter anwuchs, drang nicht ein. “Dass ich noch am Leben bin, verdanke ich einem geistesgegenwärtigen Busfahrer.“ Nur in Sekunden stieg das Wasser in den Straßen auf Hüfthöhe an, berichten die Betroffenen. Piera war auf dem Nachhauseweg von der Arbeit. Der Fahrer sah in einem Kreisel gegen 18 Uhr 30 die Flut kommen. Er steuerte um, bog eilig auf den Ikea-Parkplatz ein.
Die 65-jährige und die übrigen Fahrgäste konnten sich so ins Obergeschoss des Marktes retten, wo gut 200 Menschen übernachteten. “Wäre er nicht abgebogen, wären auch wir fortgeschwemmt worden“, erklärt die Frau. Sie berichtet, wie mit einem Schlauch Beschäftigte und Kunden aus dem Untergeschoss gerettet wurden. Sie bricht in Tränen aus, als die Bilder wiederkehren, wie verzweifelte Menschen vorbeigespült wurden, um ihr Leben kämpften. “Das war unerträglich“, fügt sie an. “Ich habe die letzte Flut 1982 erlebt, aber das war nichts gegenüber dem, was wir jetzt erlitten haben.“
Weniger Glück hatte Susy Alfonso, die in der Nähe von Piera wohnt. “Ich bin glücklich“, erklärt sie trotz allem dem erstaunten Journalisten. “Ich bin am Leben!“ Ansonsten hat sie fast alles verloren. “Nur durch ein Wunder ist einer meiner beiden Söhne nicht ertrunken.“ Sie führt durch die leere und derweil gesäuberte Parterre-Wohnung und zeigt an der nassen Wand an, wie hoch das Wasser auf etwa zweieinhalb Meter angestiegen ist.
Sie war zum Glück nicht zu Hause, hat nun weder Kleidung, noch einen Herd oder einen Topf, um etwas zu kochen. Wie zehntausende Autos wurde auch der gerade abgezahlte Wagen der Altenpflegerin auf einem der Autoberge am Rand der Gemeinden aufgestapelt. Sie hat das Mobiliar, Auto und den Job im überfluteten Altenheim verloren. Jetzt betreut sie als freiwillige Helferin alte Menschen über Hausbesuche dort, wo die nun privat untergebracht wurden. “Dank der vielen Freiwilligen aus dem ganzen Land und darüber hinaus, werden wir wiederaufbauen“, erklärt sie trotzig. Auch die drahtige blonde Frau bricht im Gespräch in Tränen aus. Dies wiederholt sich hier oft und wird mit einer festen Umarmung beantwortet. Die tödlichen Vorgänge sind noch frisch, für eine Verarbeitung war bisher keine Zeit.
Für Hoffnung, darin ist sich Alfonso mit Piera einig, sorgen nur freiwillige Helferinnen und Helfer. “Ohne die würden wir noch immer Scheiße essen“, meint Piera. “Vielen Dank“, sind die Worte, die ihnen immer wieder gesagt werden. Dank ihrer Knochenarbeit konnten viele Wohnungen und Straßen auch hier wieder vom zähen Schlamm befreit werden.
Die zuständige Regionalregierung ließ fast 12 Stunden verstreichen, um eine SMS-Warnung zu verschicken
Auch Carme Aguilar berichtet vom Ausfall der Autoritäten, lokal, regional und national. Die junge Frau aus Catarroja kann bis heute nicht glauben, dass es keine Warnung gab, obwohl der staatliche Wetterdienst AEMET schon zwei Tage zuvor vor “sintflutartigen Regenfällen“ gewarnt hatte, worauf auch Overton schon hingewiesen hatte. Als die dafür zuständige Regionalregierung Valencias unter Carlos Mazón (PP) schließlich erst am Katastrophen-Dienstag nach 20 Uhr eine SMS-Warnung auf die Handys schickte, stand nicht nur Catarroja längst unter Wasser. Mazón war zuvor für Stunden verschwunden und traf erst gegen 19 Uhr 30 im Krisenstab ein, der bis dahin keine Entscheidungen fällte, da der Chef unerreichbar war. “Erst gegen 20 Uhr 30 kam hier die SMS an, als wir längst ohne Wasser und Strom waren und die Flutwelle bis zu unserem Balkon im ersten Stock reichte“, empört sich Aguilar.
Ihre Familie hatte in der Zeit schon neun Frauen aus der Apotheke unter ihrer Wohnung gerettet “Wir haben Bettlaken zusammengeknüpft und sie hochgezogen“. Danach konnten sie noch vier Frauen aus einer angrenzenden Zahnklinik retten. “Die wurden angeschwemmt und hatten sich über Stunden an den Gittern der Apothekentür festgekrallt“. Mit 19 Menschen in der Wohnung habe man die Nacht verbracht, berichtet sie über “unvergessliche und schreckliche Vorgänge“. Wie alle hier meint auch sie: “Den freiwilligen Helfern sollte man ein Denkmal setzen, die jeden Tag von überall her kommen um zu helfen und dafür sorgen, dass es uns fast an nichts fehlt.“ Sie unterstreicht vor allem das Engagement der “jungen Leute“.
Solidaritätspunkt in Catarroja
Einer von ihnen ist der Anwalt Joaquín Rios-Capapé. Mit Studenten-Freunden aus Valencia ist er sofort am Tag nach der Flut losgezogen, um zu helfen. Dann haben sie zusammengelegt und mit Spenden von außerhalb haben sie Dampfstrahler und anderes Material gekauft. Seither helfen sie täglich, wo sie gebraucht werden. “Wir müssen so schnell wie möglich zu einer Normalität zurückfinden, die Kinder zur Schule gehen“, erklärt er, warum er sich so besonders engagiert. Auch er ist über die fehlende Hilfe empört. “Das Wasser können wir nicht kontrollieren, wie 1957 oder 1982, aber mit Prävention das Schlimmste vermeiden.“
Auch er meint, dass es bei früheren Warnungen viele Tote nicht gegeben hätte. Die zuständige Regionalregierung ließ fast 12 Stunden verstreichen, nachdem der Wetterdienst am Morgen Alarmstufe Rot für Valencia gegeben hatte, um eine SMS-Warnung zu verschicken. Als die kam, stand vielen das Wasser schon bis zum Hals. Er kann zwar verstehen, dass der Verkehr nun kontrolliert wird. Aber er fragt sich, wo die Hilfe mit dem dringend benötigten schweren Gerät bleibt, die angeblich nicht behindert werden soll.
Das Versagen auf allen Ebenen bestätigt auch der Hilfskoordinator Joan Magraner. “Wieso wurden wir um 14 Uhr hier in der Gemeinde aufgefordert, die Kinder aus den Schulen zu holen, aber alle Geschäfte blieben offen?“ Als “verheerend“ bezeichnet er das Vorgehen der lokalen, regionalen und nationalen Verantwortlichen. “Es gab keine Warnung und Hilfe kommt bis heute auch kaum“, beklagt er. “Den ersten Lokalpolizisten haben wir in unserer Straße sechs Tage nach der Flut gesichtet.“ Auch jetzt müsse er mit Feuerwehrleuten noch zu Polizeisperren fahren, damit dort Hilfslieferungen wie warmes Essen durchgelassen werden.
Anders als der junge Anwalt Rios-Capapé und seine Freunde war Magraner nicht auf der Großdemonstration am vergangenen Samstag, um den Rücktritt der Regionalregierung zu fordern. “Das ist jetzt nicht der richtige Augenblick“, meint der Koordinator aus Catarroja, der aber auch politische Konsequenzen fordert. Er will zunächst alle Kraft dafür einsetzen, um schnell zur Normalität zurückzukehren. Er befürchtet sonst ein ökonomisches Desaster. “Die Rechnungen laufen weiter, die Hypotheken müssen bezahlt werden.“ Wenn der Wiederaufbau nicht schnell erfolgt, können die ökonomischen Folgen fatal sein.
PP-Regionalpräsident verstrickt sich in Lügen und Halbwahrheiten
“Rücktritt Mazón“ schallte es trotz allem aus 130.000 Kehlen in den Straßen Valencias, vier Tage nach der Katastrophe. Daran denkt der Regionalpräsident nun aber nicht mehr. Nach anfänglicher leiser Kritik auch aus seiner rechten Volkspartei (PP) wackelte sein Stuhl zunächst. Doch die PP stellt sich nun hinter ihn. Sie macht den spanischen Regierungschef für die Fehler verantwortlich, obwohl die Kompetenzen in den Händen von Mazón lagen. Seit dem Amtsantritt von Sánchez arbeiten die Rechte und Ultrarechte zum Teil auch gewaltsam an seinem Sturz und versuchen, das Ende von Sanchez nun auch über die Katastrophe zu erreichen.
Dabei wurde der PP-Lokalfürst Mazón längst bei seinen ständigen Lügen und Halbwahrheiten erwischt. Lange blieb unbekannt, wo er in den tragischen Stunden war. Niemand weiß, auf welcher Grundlage er gegen 13 Uhr Entwarnung gab und erklärte, das Unwetter werde um 18 Uhr nachlassen und abziehen. Die Flutkatastrophe ist vor allem eine tödliche Katastrophe von Fehlern und Unfähigkeit. Kürzlich musste er auch einräumen, mit einer Journalistin drei Stunden gegessen zu haben. Die wollte er, gegen das übliche Auswahlverfahren, auf den Chefposten des Regionalfernsehens heben. Zuvor hatte er behauptet, sich die gesamte Zeit bis zur Rückkehr am Amtssitz mit einem Vertreter einer Unternehmens-Vereinigung getroffen zu haben. Der dementierte und die Termine standen nicht im Tagesplan. Statt im Krisenstab lebensrettende Entscheidungen zu treffen, war Mazón unerreichbar.
Am Dienstag kam heraus, dass ihm der spanische Regierungschef Pedro Sánchez noch am Unglückstag alle Hilfe per WhatsApp von einer Indien-Reise aus angeboten hatte. Doch der Regionalpräsident lehnte dankend ab. Er behauptete, alles sei unter Kontrolle. Das ist aber auch zwei Wochen später noch nicht der Fall.
Dass Sánchez nicht den Notstand erklärte, auch um internationale Hilfe anzufordern und Mazón das Steuer für die Notrettung aus der Hand zu nehmen, schürt ebenfalls Wut im Katastrophen-Gebiet. Er hätte dann massiv Militär entsenden können, statt darauf zu warten, dass Mazón die tröpfchenweise beantragt. Bei einem Besuch mit Mazón und dem König wurden die beiden von wütenden Flutopfern mit Schlamm beworfen und als Mörder beschimpft. Sánchez dagegen wurde massiv angegriffen, wie Videos zeigen. Er wurde verletzt und sein Auto trotz Personenschutz beschädigt. Dahinter stehen rechtsextreme Gruppen, die in das Krisengebiet mobilisiert hatten. Sie versuchen seither, mit neuen Fake-News die Stimmung weiter anzuheizen. Zuvor wollten sie einen rassistischen Aufstand nach dem Vorbild der Vorgänge in Großbritannien lostreten.
Doch die Zentralregierung unter Sánchez traut sich offensichtlich nicht, in dieser fast ausweglosen Situation, in die die Valencia-Regierung die Region gestürzt hat, das Ruder zu übernehmen. Die Gefahr, sich dabei die Finger völlig zu verbrennen, ist hoch. Doch das nehmen ihm die Menschen im Katastrophen-Gebiet übel. Politische Führung ist etwas anderes. Dass er nach vier Tagen in das Gebiet kam, in dem auch mehr als eine Woche später noch kaum Hilfe angekommen ist, das bleibt nun auch an ihm hängen, wie der stinkende und klebrige Schlamm.
ANMERKUNGEN:
(1) “Spanien: Tödliche Flutkatastrophe aus Fehlern, Unfähigkeit und Untätigkeit“, Internet-Magazin Overton, Autor: Ralf Streck, 13. November 2024 (LINK)
(2) DANA: Depresión Aislada en Niveles Altos, auch: Gota Fría. Deutsch: Kaltluft-Tropfen, Wikipedia (LINK)
ABBILDUNGEN:
(*) Katastrophen-Zone (Ralf Streck)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-11-13)
