guggur1Neubau im Naturschutzgebiet? 

Der Streit um ein zweites Guggenheim-Museum im Naturschutzgebiet Urdaibai geht weiter. Beziehungsweise, er geht in eine neue Phase. Denn die Verhinderungs-Bewegung hat sich formiert und begonnen, öffentlich aufzutreten, mit Info-Veranstaltungen und Demonstrationen. Auch auf institutioneller Seite läuft nicht alles glatt, die Widersprüche häufen sich. Die Wasserbehörde weist auf Grundwasser-Probleme hin und bemängelt, dass die Museums-Baupläne trotz erwarteter Besuchermassen keine Antworten liefern.

Im baskischen Parlament wurde ein Bericht der baskischen Wasser-Behörde (URA) aus dem Jahr 2022 vorgelegt. Dabei geht es um das umstrittene Projekt eines zweiten Guggenheim-Museums im Biosphären-Reservat von Urdaibai.

Zwar ist die Studie der baskischen Wasserbehörde (URA) bereits ein Jahr als, doch erst jetzt wurde sie dem Regional-Parlament vorgelegt. Auf diesem Weg gelangte sie an die Öffentlichkeit. Darin heißt es, dass einer der beiden Museums-Standorte Gernika durch Überschwemmungen gefährdet ist. Zudem grenzt der urbane Standort an ein Grundwasser-Vorkommen, das sich bereits in einer heiklen Situation befindet. Die Betreiber des neuen Doppelmuseums Gernika-Murueta erwarteten jeden Sommer 140.000 Guggenheim-Besucher, eine Beschränkung, die in Zeiten des Massentourismus niemand wirklich nachvollziehen kann.

guggur2Mit Blick auf diese Zahlen der Guggenheim-Betreiber betont die Behörde, dass solche zusätzlichen Massen die bereits angespannte Versorgung gefährden. Durch den teilweise dramatischen Rückgang der Regenfälle war das Urdaibai-Biosphären-Reservat in den vergangenen zwei Sommern besonders betroffen, 2022 musste Wasser per Tankschiff angeliefert werden.

Zur Erinnerung: Die Guggenheim-Stiftung Bilbao arbeitet zusammen mit Bizkaia-Institutionen seit mehr als zehn Jahren am Plan eines zweiten Museums-Sitzes, konkret im besagten Naturschutzgebiet Urdaibai. Nach deren Plänen sind zwei Standorte vorgesehen: erstens in der alten und leerstehenden Fabrik von Cubiertos Dalia in Gernika und zweitens in der Werft von Murueta, die aktuell noch in Betrieb ist, aber umgesiedelt werden soll. Diese beiden Guggenheim-Standorte sollen verbunden werden durch einen etwa drei Kilometer langen grünen Korridor – mitten durch das Vogelschutz- und Feuchtgebiet.

Das Dokument der Wasserbehörde stellt keinen definitiven Einwand gegen das Projekt dar, gewarnt wird jedoch vor einigen seiner Auswirkungen. So wird beispielsweise auf die "erhebliche Gefahr" von Überschwemmungen am Standort in Gernika hingewiesen. Außerdem gibt es dort ein Grundwasser-Reservoir, das aufgrund von Verunreinigungen bereits eine "besorgniserregende" Situation aufweist, die besser nicht noch verschlimmert werden sollte.

Schließlich wird daran erinnert, dass die Region Urdaibai nicht an die Wasser-Versorgung durch das Zadorra-System in der baskischen Süd-Provinz Alava angeschlossen ist, welches Vitoria-Gasteiz und Bilbo mit Wasser versorgt. Darauf folgt der Hinweis, dass es in letzter Zeit immer wieder zu Problemen bei der Wasserversorgung kommt, insbesondere bei niedrigem Wasserstand, so dass eine Einrichtung, die nach eigenen Angaben etwa 140.000 Besucher pro Jahr anziehen will, das Problem mit Sicherheit noch verschärfen wird.

Dem 1997 eingeweihten Guggenheim-Museum in Bilbao wird der Effekt der wirtschaftlichen und sozialen Strukturveränderung der Stadt zugeschrieben (Guggenheim-Effekt, Bilbao-Effekt), eine etwas verkürzte Sichtweise. Diese Logik soll mit dem Guggenheim Zwei in der Region Urdaibai kopiert und wiederholt werden.

“Unwesentliche städtebauliche Änderungen“

Unterstützt wird der Plan der Stiftung von der Provinzregierung Bizkaia, finanziert werden soll er zudem von der baskischen und der Zentral-Regierung in Madrid. Alle drei haben bereits Haushaltsmittel bereit gestellt. Der Bürgermeister von Gernika sagte in der Vergangenheit sogar, Gernika sei der ideale Ort, um Pablo Picassos "Guernica" aufzustellen, das sich heute in Madrid befindet und nach dem Nazi-Bombardement der Stadt im Jahr 1937 benannt ist. Sogar Eisenbahn-Zufahrten zum geplanten Museum wurden bereits geplant. Aber das Wahnsinns-Projekt hat auch Widerstand hervorgerufen. Die Plattform “Zain Dezagun Urdaibai“ (Lasst uns Urdaibai schützen) prangerte an, dass das einzige baskische Biosphären-Reservat gefährdet sei. Kürzlich gab es in der Gegend bereits massive Proteste.

Der im baskischen Parlament eingegangene Bericht ist 14 Seiten lang, datiert vom 31. Mai 2022 und wurde unterzeichnet von Arantzazu Ugarte, Technikerin für Bewertung und Planung bei der URA-Behörde, von Arantza Martínez de Lafuente de Fuentes, Leiterin der Bewertungs-Abteilung, und von José María Sanz de Galdeano, Direktor für Planung und Bau. Er ist an den Direktor für Umwelt gerichtet, Javier Agirre Orcajo, ein hochrangiges Mitglied im Organigramm der Wirtschafts-Senatorin Arantxa Tapia. Analysiert wurden die von den Befürwortern von Guggenheim Zwei vorgeschlagenen "unwesentlichen" städtebaulichen Änderungen.

Grundwasser-Probleme

guggur3In Bezug auf das Grundwasser in Gernika heißt es, dass die Institutionen bereits Ende der 1990er Jahre Probleme festgestellt haben. “Einige Brunnen" wurden versiegelt, weil sie aus nahe gelegenen Industrie-Gebieten verunreinigt wurden und es nicht möglich war, weiterhin Wasser aus diesen Entnahmestellen zu liefern. Es existieren Informationen, dass "15 Meter" von der Fabrik Cubiertos Dalia entfernt eine Probebohrung unter dem Namen "Euskotren" gemacht wurde (nach dem Namen der baskischen Eisenbahngesellschaft), dessen "sofortige Stilllegung" angeordnet wurde.

"Die Untersuchungen über den Ursprung der Verunreinigung ergaben keine schlüssigen Ergebnisse", aber das Grundwasser ist seitdem in einem "schlechten chemischen Zustand aufgrund der hohen Vinylchlorid-Konzentration". Sanierungs-Programme sind derzeit im Gang und sollten durch irgendwelche zusätzlichen Arbeiten nicht unterbrochen werden. Das neue Museum sollte an die Bedingung geknüpft werden, dass weitere Einleitungen in das Wasser verhindert werden. Auch der Untergrund von Cubiertos Dalia selbst ist "stark" mit Schadstoffen belastet, in diesem Fall mit "Chlor-Kohlen-Wasserstoffen". Die Erdbewegungen bei Bauarbeiten könnten leicht dazu führen, dass die bereits vorhandenen Schadstoffe ins Grundwasser sickern.

Überschwemmungs-Gefahr

Mit Blick auf den Standort Cubiertos Dalia, erzeugt der durch Gernika ziehende Fluss Oka in Bezug auf Überschwemmungen ein Gebiet mit einem "potenziell erheblichen Risiko". Es gibt zwar hydraulische Arbeiten, um dieses Risiko zu verringern, aber dennoch "könnte die Realisierung der Kultureinrichtung von der Einhaltung der Vorschriften für die Nutzung in überschwemmungs-gefährdeten Gebieten abhängig gemacht werden". Die Arbeiten dürfen nicht zu einer "Verschlimmerung" dieser Gefahren führen, was besondere Maßnahmen für Keller oder Garagen sowie Evakuierungs-Wege oder Wasserdichte voraussetzt.

Das Problem der Wasserversorgung in der Region ist nicht neu – ein “überaus ernstes Thema". Jeden Sommer gibt es Einschränkungen, wenn die Ressourcen nicht mehr ausreichen, weil der ökologische Mindestfluss unter der Erde respektiert werden muss. Im Jahr 2022 musste per Schiff sogar Trinkwasser aus dem Großraum Bilbao herangeschafft werden. Die URA-Wasser-Behörde ist der Ansicht, dass der Entwurf des Projekts auf einer "korrekten" Diagnose dieses Problems beruht. Sie versichert aber, dass der Entwurf lediglich besagt, dass die Zahl der in die Region kommenden Menschen um 140.000 steigen wird, ohne entsprechende Schutz-Maßnahmen oder Antworten auf etwaige Probleme vorzusehen.

Es wird daran erinnert, dass "künftige Nutzungen, die neue Anforderungen bezüglich Wasser-Konsum erzeugen, nicht zulässig sind". Die URA-Behörde betont, dass sie "seit Jahren" vor den Wasserproblemen in diesem Gebiet warnt und behauptet, dass sich die Situation "deutlich verschärfen" würde, wenn die "verschiedenen vorliegenden Pläne verwirklicht würden". Das Guggenheim-Projekt "kann nur realisiert werden, wenn die notwendigen Wasser-Ressourcen zur Verfügung stehen".

ANMERKUNGEN:

(1) ”Puntos negros del segundo Guggenheim” (Schwarze Flecken beim zweiten Guggenheim), Internet-Magazin El Salto Diario, Autor Iker Rioja Andueza, 2023-11-01, Autor: Iker Rioja Andueza (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) Dalia Gernika (elsalto)

(2) Guggenheim Entwurf (diario de noticias)

(3) Guggenheim Entwurf (youtube)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2023-11-05)

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