Chronologie eines Scheiterns
Im Dezember 2025 haben die baskischen Institutionen das Scheitern des Projekts bekannt gegeben, im Biosphären-Reservat Urdaibai (Bizkaia) ein neues Guggenheim Doppel-Museum bauen zu lassen. Ein Erfolg für den Naturschutz, eine Niederlage für den Massen-Tourismus, ein glatter Erfolg für die Öko-Bewegung “Guggenheim Urdaibai Stop“. Das Projekt war nicht das erste im Naturschutzgebiet, womöglich auch nicht das letzte. Naturschutz muss (trotz bestehender Gesetze) immer wieder neu erstritten werden.
Zwischen 2008 und 2025 haben baskischen Behörden zwei Mal versucht, das Naturschutzgebiet Urdaibai mit Projekten von Massen-Tourismus zu überschwemmen. Beide sind gescheitert.
Der erste Versuch, nach dem Erfolg des Guggenheim-Museums in Bilbao, ein zweites Exemplar im Naturschutzgebiet Urdaibai bauen zu lassen, um auch dort Massentourismus zu installieren, bezog sich auf die Ferienkolonie Sukarrieta (vor Mundaka). Dort sollte ein vor 100 Jahren mit Sparkassen-Geldern gebautes Naherholungs-Lager einem Guggenheim 2.0 weichen. Der Plan scheiterte an “mangelnder politischer Übereinstimmung“ und der damaligen Wirtschaftskrise. Über das Ende des zweiten Versuchs, in Gernika und Murueta ein „“grünes Doppelmuseum“ zu bauen, gibt es unterschiedliche Erklärungen. Für die Behörden und die rechte Presse “haben städtebauliche und umweltrechtliche Hindernisse“ zum Scheitern der Pläne geführt; us der Sicher von Naturschützer*innen und der Mehrheit der Bewohner*innen der betreffenden Gegend war es eine gut organisierte Basis-Bewegung, die gesellschaftlichen Druck erzeugt und dem Plan der Garaus gemacht hat.
Die “Erweiterung“ des Guggenheim-Museums in Bilbao ist ein lang gehegter Wunsch der neoliberal orientierten baskischen Institutionen, die Jahrzehnten auf Dienstleistung und Massentourismus setzen. Angesichts des Besucher*innen-Erfolgs, der durch das Museum in der Hauptstadt verzeichnet werden konnte, sollte dieser Effekt auf andere Orte in Bizkaia geklont werden. Das vor fast zwei Jahrzehnten ausgewählte Gebiet ist ausgerechnet das Biosphären-Reservat, Naturschutz- und Vogelschutz-Gebiet Urdaibai. Der Plan bestand in dem hinterlistigen Versuch, “Kultur und Natur mit einem einzigartigen musealen Konzept“ zu verbinden: nachhaltig, ökologisch – vor keinem noch so euphemistischen Superlativ wurde Halt gemacht. So jedenfalls lautete die Theorie, doch die Praxis war ein kurvenreicher Weg, der im Dezember 2025 mit dem zweiten Scheitern des Projekts endete.
“Politische Meinungs-Verschiedenheiten, wirtschaftliche Probleme, die Komplexität des Baus von Gebäuden in den aufgrund ihres Schutzstatus ausgewählten Gebieten sowie gesellschaftliche Ablehnung haben das Projekt letztendlich zum Scheitern gebracht“, so das Resümee der dem Projekt durchaus zugeneigten bürgerlichen Presse. (*) Im Folgenden eine Chronologie der Pläne, Streitpunkte und des Scheiterns.
1984 (*) Ausweisung des Urdaibai-Gebiets als UNESCO-Biosphärenreservat.
1989 (*) Verabschiedung eines eigenen baskischen Gesetzes für das Biosphärenreservat: das Gesetz 5/1989.
2008 ERSTER GUGGENHEIM-PLAN
JUNI 2008 (*) Der Präsident des Provinzial-Parlaments José Luis Bilbao kündigt die Erweiterung des Guggenheim Bilbao um einen neuen Standort in Urdaibai an. Als Standort wird das Gelände zwischen Sukarrieta und Busturia gewählt, auf dem sich die Ferienkolonien der Sparkasse Bilbao befanden. Die Guggenheim-Stiftung gibt grünes Licht.
OKTOBER 2008 (*) Die baskische Regierung unter Ministerpräsident Juan José Ibarretxe unterstützt als Mitglied des Kuratoriums die Idee, weist jedoch darauf hin, dass sie das neue Museum nicht finanzieren wird, um territoriale Ungleichgewichte zwischen den drei Provinzen zu vermeiden. Die Provinz-Regierung Bizkaia stellt 100 Millionen für das Projekt bereit und rechnet damit, dass es in vier Jahren eröffnet werden kann.
JUNI 2009 (*) Der Provinzial-Präsident und der Direktor des Guggenheim Bilbao, Juan Ignacio Vidarte, unterzeichnen eine Kooperations-Vereinbarung, um das Projekt voranzutreiben. Der eben ins Amt gekommene baskische Lehendakari-Ministerpräsident Patxi López (2009-2012) und seine sozialdemokratische Partei PSE stehen dem Plan skeptisch gegenüber. Ein internationaler Ideen-Wettbewerb für den Entwurf wird ohne die Unterstützung der baskischen Regierung ausgeschrieben.
DEZEMBER 2009 (*) Die neue sozialdemokratische baskische Regierung lehnt das Projekt ab. Sie argumentiert, dass die hohen Investitionen – man spricht bereits von 200 Millionen – keinen Erfolg des Museums garantieren, weder in kultureller noch in wirtschaftlicher Hinsicht, und weist auf die ökologischen und städtebaulichen Einschränkungen im beabsichtigten Standort Sukarrieta hin. Das Grundstück müsste umgewidmet werden. Ein politischer Konflikt ist bereits in vollem Gange.
JUNI 2010 (*) Es entstehen zwei Plattformen: eine zugunsten des neuen Museums und eine weitere zur Verteidigung der Ferienkolonie. Die Sozialdemokraten (PSE) bleiben bei ihrem Nein, und die rechte PNV wirft ihnen vor, “mit Urdaibai zu spielen, weil sie dort keine Interessen hat“. Die Ökologie-Gruppe Ekologistak Martxan (Okologinnen in Bewegung) , die abertzale baskische Linke und die postfranquistische PP lehnen das Projekt ab. Die Batasuna-Abspaltung Aralar meint, es gebe “bessere Standorte“ für den Bau eines weiteren Guggenheim-Museums. Die Provinz-Regierung schlägt dem Kuratorium vor, das Museum neben den Ferienlagern zu bauen, um das bestehende Gebäude zu erhalten.
OKTOBER 2010 (*) “Krieg um den Spatenstich“. PNV und PSE wechseln von der Debatte über die Eignung des Standorts Urdaibai für das Museum zu einer Auseinandersetzung über den architektonischen Wert der Ferien-Kolonie von Sukarrieta.
APRIL 2011 (*) Die sozialdemokratische Regierung erklärt das betreffende Gebäude in Sukarrieta zum Kulturdenkmal, um dessen Abriss zu verhindern, die von der PNV kontrollierte Provinz-Regierung legt gegen diese Entscheidung Rechtsmittel ein und klagt.
2012 (*) Der Oberste Gerichtshof des Baskenlandes gibt der Provinz-Regierung 2012 schließlich Recht, doch das Projekt wurde aufgrund des fehlenden institutionellen Konsenses bereits auf Eis gelegt.
FEBRUAR 2013 (*) Mitten in der Wirtschaftskrise hält der erste Stiftungsrat des Guggenheim-Museums unter dem Vorsitz des neuen Lehendakari Iñigo Urkullu am Erweiterungsplan für Urdaibai als strategischem Projekt für die kommenden Jahre fest.
JULI 2016 (*) Die Provinzregierung schließt aufgrund der Auswirkungen der Rezession eine kurzfristige Umsetzung des Guggenheim-Projekts in Urdaibai aus. Der Plan wird begraben.
2020 ZWEITER MUSEUMS-PLAN
JUNI 2021 (*) Die von Unai Rementeria geführte Provinz-Regierung greift die Idee eines Museum im Urdaibai-Gebiet wieder auf, allerdings mit einem neuen Standort. Sie legt Sukarrieta auf Eis und kündigt an, das Projekt an zwei Standorten realisieren zu wollen: auf dem Gelände der ehemaligen Besteck-Fabrik Dalia in Gernika und auf dem Gelände der Murueta-Werft, die durch einen Weg und einen Steg verbunden werden sollen – mitten durch das Feuchtgebiet. “Das Projekt wird auf jeden Fall umgesetzt“, sagt Provinz-Fürst Errenteria.
DALIA-FABRIK - Die Provinzhauptstadt Bilbao war Mitte des 20. Jahrhunderts die europäische Hauptstadt des Silbers. 70% dieses kostbaren Materials, das auf dem Kontinent gehandelt wurde, landete in Fabriken wie der von Dalia, um Silbergeschirr und Tafel-Bestecke herzustellen.
ASTILLEROS MURUETA - Als Naturschutz noch ein Fremdwort war, erhielt das Werft-Unternehmen Murueta in den 1950er Jahren von den Franquisten die Genehmigung zum Schiffbau, mitten im Feuchtgebiet. Die Lizenz von 75 Jahren ist zwar abgelaufen, doch die Werft produziert weiter, vergiftet den Boden und hat sich illegal ausgebreitet. Für den zweiten Museums-Standort sollte die Werft verschwinden und vollends nach Erandio umziehen, wo sie einen zweiten Stützpunkt hat. Nach dem Ende des Museums-Plans ist vom Ende der störenden Urdaibai-Werft keine Rede mehr.
SEPTEMBER 2022 (*) Die Provinzregierung beauftragt ein New Yorker Architekturbüro mit einer Analyse, wie das Museum aussehen sollte, und gibt zwei ganz spezielle Details bekannt: Erstens, das Museum sollte nur einige Monate im Jahr geöffnet sein, zweitens, mit begrenzter Besucherzahl.
OKTOBER 2022 (*) Die Regionalregierung stellt 40 Millionen Euro bereit, um das Projekt “irgendwann“ umzusetzen, gleichzeitig sucht sie die Unterstützung der übrigen Institutionen. Geschätzt wird, dass das Projekt einen wirtschaftlichen Effekt von 39 Millionen Euro pro Jahr haben und 700 Arbeitsplätze schaffen wird. Doch auch Zweifel kommen auf: “Ich weiß nicht, ob es gebaut wird“, der Kulturminister Bingen Zupiria ist der Erste, der vor den administrativen Schwierigkeiten und dem fehlenden gesellschaftlichen Konsens warnt.
FEBRUAR 2023 (*) Die Initiative “Guggenheim Urdaibai Stop“ wird gegründet, eine Plattform, die den Widerstand gegen das Projekt im Biosphären-Reservat Urdaibai anführt.
MAI 2023 (*) Mitten im Wahlkampf für die Regionalwahlen im Baskenland. Die Kandidatin der PNV und künftige Provinz-Präsidentin Elixabete Etxanobe sagt bei einer Kundgebung in Gernika: “Das neue Guggenheim wird gebaut, so oder so“. Wochen zuvor lässt der Direktor des Museums in Bilbao, Juan Ignacio Vidarte, durchblicken, dass noch kein institutioneller Konsens vorhanden ist, um die Umsetzung des Doppel-Museums-Plans zu gewährleisten.
JUNI 2023 (*) Das New Yorker Architekturbüro Cooper Robertson übermittelt der Provinz-Regierung die erste Bedarfsanalyse für die Errichtung des Museums. Die Kosten würden sich auf rund 130 Millionen belaufen. Die benötigte Fläche wären 60.000 Quadratmeter, verteilt auf die Standorte in Gernika und Murueta, die durch einen 6 Kilometer langen Weg miteinander verbunden wären, im Feuchtgebiet würde aus dem Weg ein drei Meter hoher, überflutungssicherer Steg. Im folgenden Monat kündigt die Zentralregierung einen Beitrag von 40 Millionen für Umweltmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Plan an. Aus der Werft Astilleros Murueta soll eine Ausstellungs-Galerie von 3.000 Quadratmetern werden, mit einem elitären Gourmet-Restaurant mit regionaler Küche und 60 Plätzen, dazu ein Café mit 30 Plätzen, auf einer Grundstücksfläche von 41.389 Quadratmetern und einer Gebäudefläche von 3.700 Quadratmetern.
Die ehemalige Besteck-Fabrik Dalia in Gernika soll abgerissen werden und einem Auditorium für 300 Personen weichen, eingeschlossen einer Residenz für 6 Künstler*innen, einer Cafeteria mit 50 Plätzen im Innenbereich und 50 auf der Terrasse. Daneben geplant ist eine Lobby für Abendessen für bis zu 300 Gäste, eine Informationsstelle, ein Kartenverkauf, ein Parkplatz mit 100 Stellplätzen, davon 80 öffentlich. Das Ganze auf einem Grundstück von 20.286 Quadratmetern, in einem Gebäude von voraussichtlich 2 Stockwerke mit 2.505 Quadratmetern Grundfläche. Ohne auf die weitere realisierungs-Möglichkeit des Museums-Projekts zu warten, wurde die Fabrik bereits abgerissen.
DEZEMBER 2023 (*) Der Stiftungsrat des Guggenheim Bilbao beschließt, sich zwei Jahre Zeit zu nehmen, ein Moratorium, um die Machbarkeit der Urdaibai-Pläne zu prüfen. Angesichts der Komplexität der erforderlichen Umwelt- und Stadtplanungs-Verfahren bestehen Zweifel.
JANUAR 2024 (*) Der baskische Ministerpräsident Urkullu kündigt kurz vor seiner Abwahl und zum Unwillen seiner Partei PNV an, dass das Projekt auf “Standby“ gesetzt wird. Während über die Zukunft des Projekts entschieden wird, geben die Institutionen vor, über das Museum hinaus an einem Plan zur Wiederbelebung des Landkreises zu arbeiten. Die Provinz-Fürstin Elixabete Etxanobe räumt ein, dass der Weg nicht einfach sein wird, vertraut jedoch auf das Bauvorhaben und ist zuversichtlich, dass die zwei Jahre Bedenkzeit dazu dienen, die vorbereitenden Verfahren voranzutreiben. Ihre Partei, die PNV, unterstützt sie dabei.
MÄRZ 2024 (*) Die Provinz-Regierung Bizkaia, bereits Eigentümerin der von Dalia in Gernika genutzten Grundstücke, nimmt Gespräche mit Astilleros Murueta auf, um das Werft-Grundstück zu erwerben. “Der Prozess wird langwierig“, warnt die Institution. Die Plattform “Guggenheim Urdaibai Stop“ legt beim spanischen Gerichtshof Audiencia Nacional Berufung gegen die Genehmigung der Zentralregierung ein, die maritime Dienstbarkeit in Murueta zu reduzieren. Im Küstengesetz heißt es, dass private Bauwerke (wie ein Guggenheim-Museum) nicht näher als 100 Meter vom Wasser entfernt errichtet werden dürfen, die Zentralregierung beschloss jedoch in einer Ausnahme die Reduzierung der Schutz-Distanz auf 20 Meter an dieser Stelle. Ohne eine solche Entscheidung wäre das Museums-Projekt von Beginn an unmöglich gewesen, das die Werft (mit ihrer Uralt-Lizenz) direkt am Wasser liegt. Eine ähnliche Anzeige erstatten auch Greenpeace und die Umweltschützer*innen von Zain Dezagun Urdaibai (Urdaibai, das wir schützen können).
JUNI 2024 (*) Imanol Pradales, und eifriger Verfechter des Projekts, wird zum neuen Lehendakari (Ministerpräsident) gewählt. “Hoffentlich kann ich das Museum einweihen“, sagt er. Die Provinz-Regierung kündigt den Beginn der Arbeiten zum Abriss des Dalia-Gebäudes und zur Dekontaminierung des Dalia-Grundstücks in Gernika an.
OKTOBER 2024 (*) Eine große Demonstration gegen den Bau des Museums zieht durch die Straßen von Gernika. Die Institutionen verpflichten sich zu Einleitung eines “Anhörungs-Prozesses“, betonen jedoch, dass das letzte Wort beim Guggenheim-Kuratorium liegen wird.
FEBRUAR 2025 (*) Die baskische Regierung und die Provinz-Verwaltung Bizkaia beauftragen das Beratungs-Unternehmen Aguirre Lehendakari Center mit einer Feldstudie, um herauszufinden, was die Menschen im Landkreis Busturialdea über das Museumsprojekt denken. Dafür wird ein Jahr Zeit eingeräumt.
JULI 2025 (*) Das Aguirre Lehendakari Center stellt erste Ergebnis-Tendenzen seiner Volksbefragung vor: eine Mehrheit ist gegen das Museums-Projekt. Es folgen Spekulationen über die Reaktion der Projekt-Betreiber.
SEPTEMBER 2025 (*) Die Provinz-Präsidentin Etxanobe stellt die “kurz- und mittelfristige“ Durchführbarkeit des Projekts in Frage, da die städtebaulichen Verfahren nur langsam vorankommen, die Gespräche zur Übernahme des Werft-Grundstücks in Murueta stocken und vor Gericht Klagen eingereicht wurden.
NOVEMBER 2025 (*) Die Presse berichtet, dass der Museums-Rat angesichts der Hindernisse das Projekt des Urdaibai-Museums in seiner Sitzung im Dezember zurückstellen wird.
DEZEMBER 2025 (*) Das mit einer Volks-Anhörung beauftragte Aguirre Lehendakari Center stellt die Ergebnisse vor: das Projekt Guggenheim-Doppelmuseum wird weitgehend abgelehnt, die Bevölkerung wartet auf Vorschläge zur Belebung der Gegend durch von der Politik angeschobene Projekte ohne Tourismus. Die Plattform “Guggenheim Urdaibai Stop“ interpretiert den Verzicht auf das Projekt als Erfolg ihrer Informations-Arbeit, ihrer Klagen und Mobilisierungen. Die Betreiber-Institutionen widersprechen dem vehement und bezeichnen die unüberwindliche Bürokratie als Bremsklotz für das Projekt. Mit allen mitteln versuchen sie, der Volks-initiative den Erfolg streitig zu machen und den Wind aus den Segeln zu nehmen, denn nichts ist für neoliberale Politik schädlicher als eine kritische, organisationsfähige und letztendliche erfolgreiche Basis-Bewegung aus der Bevölkerung. In den Augen der PNV darf das keine Schule machen.
MÄRZ 2026 (*) Die Plattform “Guggenheim Urdaibai Stop“ hat für alle Unterstützer*innen des Kampfes ein Fest organisiert und bekräftigt, dass das Scheitern des Museums-Projekts vor allem dem Widerstand in der Bevölkerung zu verdanken ist, und dass die Arbeit der Plattform mit diesem Erfolg noch lange nicht zu Ende ist. Eine verbleibende Aufgabe könnte darin bestehen, den Schiffbau-Betrieb Murueta zu vertreiben, der im Naturschutz-Gebiet völlig fehl am Platz ist.
GRÜNDE FÜR DAS SCHEITERN DES MUSEUMS-PROJEKTS
Die Institutionen stießen mit ihren Museums-Plänen auf erhebliche städtebauliche, ökologische und juristische Hindernisse, sowie auf einen gut organisierten Widerstand in der Bevölkerung, die mit unermüdlicher Informationsarbeit die Mehrheit der Bewohner*innen von der Unsinnigkeit und Schädlichkeit des Museums-Projekts überzeugen konnte.
Die Murueta-Werft hat sich bislang nicht bereit gezeigt, das Grundstück an die Provinzregierung abzugeben bzw. zu verkaufen. Zudem bestanden und bestehen Zweifel hinsichtlich der Eigentums-Verhältnisse des Grundstücks, weil die dem Unternehmen erteilte Konzession bereits vor Jahren abgelaufen ist. Daneben existiert eine beträchtliche Unsicherheit hinsichtlich möglicher negativer Entscheidungen der Justiz angesichts der willkürlichen Reduzierung der Schutzdistanz des Küstengesetzes und der Einhaltung von Naturschutz-Normen. Die von verschiedenen Gruppen eingereichten Klagen gegen die Umweltfolgen und die bereits vorgenommenen städtebaulichen Änderungen könnten sich hinziehen und zu einer problematischen Wartezeit führen, mit dem Risiko eines negativen Urteils. Die Institutionen mussten befürchten, dass ein Urteil das Projekt später zum Stillstand bringen könnte, sollten sie weiter voranschreiten. Die ökologischen Anforderungen für eine Durchführung des Projekts waren hoch – wie sich dies in einem Naturschutzgebiet mit allen Arten von Ökologie-Auszeichnungen auch gehört. Dies konnte auch nicht durch faule Tricks wie die Manipulation der Schutzzone von 100 auf 20 Meter umgangen werden.
Die wachsende Ablehnung des Projekts in der Region hat bei den Institutionen und der sie regierenden Mehrheits-Partei, der rechten PNV, Spuren hinterlassen. Es sind noch etwa zwei Jahre bis zu den nächsten Regional-Wahlen, im Parteibüro Sabin Etxea herrschte die Sorge, dass ein Festhalten am Museums-Projekt bzw. eine unpopuläre Durchsetzung desselben zu einer Abstrafung an der Wahlurne führen könnte und den Aufschwung der linksliberalen Koalition EH Bildu forcieren könnte, die sich nicht explizit zum Thema Guggenheim positioniert hat.
Weil das Dalia-Grundstück bereits im Besitz der Provinz-Regierung war, konnte die Fabrik-Ruine in Gernika bereits im Vorgriff auf weitere Entscheidungen zum Guggenheim 2.0 abgerissen werden, ein Beispiel für die Politik der vollendeten Tatsachen, die in der baskischen Rechten ziemlich beliebt ist. Der Bauplatz ist jetzt zwar leer, doch muss nun an eine Asbest-Sanierung des Geländes und die Dekontaminierung des darunter liegenden Grundwasser-Leiters gedacht werden. Zudem existiert die Theorie, dass unter dem Dalia-Gelände Leichen aus der Zeit der Vernichtung Gernikas durch die Legion Condor liegen, die mit den Trümmern der zerstörten Stadt dort deponiert wurden.
Die Guggenheim-Stiftung hatte der baskischen Regierung und der Bizkaia-Verwaltung im Vorfeld der Verzichtsentscheidung mitgeteilt, dass sie befürchtet, die Marke Guggenheim könnte einen Image-Schaden erleiden – darauf spekulierten auch die Projekt-Gegner*innen mit ihren teilweise spektakuären Aktionen. Die New Yorker Foundation lebt unter anderem davon, dass das Internet mit Fotos des Bilbao-Museums überschwemmt wird, kostenlose Werbung sozusagen. Umso scherzhafter waren die Bilder, als Ökolog*innen die Museums-Fassade hochkletterten und die Klage über die ökologischen Konsequenzen eines neuen Projekts direkt mit dem Vorzeige-Museum in Verbindung brachten. Auch diese Fotos gingen um die Welt.
Kein Zufall ist es zudem, dass der Kurswechsel mit dem Ausscheiden von Juan Ignacio Vidarte zusammenfällt, dem (seit dessen Gründung) Direktor des Guggenheim Bilbao und einem der eifrigsten Befürworter der Museums-Erweiterung nach Urdaibai. Vidarte hat seinen Platz an Miren Arzalluz abgetreten. In New York erhielt die reiche Guggenheim-Foundation ebenfalls eine neue CEO-Generalsekretärin, Mariët Westerman, die sich bisher die Hände mit keinem Urdaibai-Plan schmutzig gemacht hat.
ANMERKUNGEN:
(*) Zitate und Jahreszahlen aus: “Así ha naufragado el proyecto de Guggenheim Urdaibai” (So ist das Guggenheim-Projekt Urdaibai untergegangen), Tageszeitung El Correo, 2025-012-16. Übersetzung Baskultur.info, der Text wurde verändert und erweitert (LINK)
ABBILDUNGEN:
(1) Urdaibai (urdaibai)
(2) Bizkaia (elcorreo)
(3) Werft Murueta (eldiario)
(4) Besteckfabrik (naiz)
(5) Vogelschutzgebiet (wikipedia)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-03-22)
