In Polizeistationen und Kasernen
Der Offizielle Bericht der Kommission liegt vor: So wurden Menschen in Polizeistationen und Kasernen durch Vergewaltigung gefoltert. Zangen, Besenstiele, Elektroden. Dies sind einige der Zeugenaussagen über sexistische Folter, die der Bewertungs-Kommission aktuell unter Tränen vorgelegt wurden. Es handelt sich um Textauszüge von Opfer-Aussagen der 75 in diesem Jahr anerkannten Fälle, die dem offiziellen Bericht entnommen wurden. Worte sind überflüssig. Polizeipraxis in “demokratischen“ Zeiten.
Sie fanden weder auf offenem Feld, noch in einer Tiefgarage, noch in einem Hauseingang statt, sondern weit entfernt von Zeugen und unter völliger Straffreiheit. Die sexistischen Übergriffe wurden von und bei der spanischen Polizei und der Guardia Civil praktiziert.
Im Auftrag der baskischen Regierung
Die sexistischen Übergriffe, die im diesjährigen Bericht der Kommission zur Bewertung von Fällen polizeilicher und parapolizeilicher Gewalt aufgeführt sind, wurden in den Räumlichkeiten der spanischen Polizei und der Guardia Civil verübt, also an Orten, die aus der Sicht der Folterer maximale Sicherheit von Strafverfolgung bieten.
Fast alle Opfer waren Frauen, doch waren auch Männer betroffen. “Neben anzüglichen Bemerkungen über ihren Körper und Beleidigungen, bis hin zur Feststellung, dass sie ihre Periode haben und nicht über die notwendigen Produkte oder angemessene Hygienebedingungen verfügen, gab es viele Fälle, in denen sie gezwungen wurden, sich zu entkleiden. Sie waren Berührungen, Andeutungen oder schwerwiegenden Situationen wie Vergewaltigungen ausgesetzt, mit der Penetration durch verschiedene Gegenstände“. Es handelt sich um von der Kommission aufgenommene Aussagen, die häufig unter unter Schmerzen und Tränen gemacht wurden.
93 Untersuchungen
Der Bericht, der am 5. November 2024 im Parlament von Gasteiz vorgestellt wurde, weist auf die Anerkennung von 75 Folteropfern in diesem Jahr hin. Das sind zwar nur 1,5% der im gesamten Baskenland offiziell registrierten Fälle. Sie reichen jedoch aus, um eine weit verbreitete und massive Praxis zusammenzufassen, abgesehen von den brutalen und schmutzigen Details jedes einzelnen Falles.
Die Zeugenaussagen wurden in den meisten Fällen aufgezeichnet (83 Audio- oder Video-Aufzeichnungen von insgesamt 93 durch die Kommission akzeptierten Akten) und einer forensischen Analyse unterzogen. In der Kommission wird betont: “Wir sind uns bewusst, dass der Weg, den wir beschreiten, für die Opfer oft sehr schmerzhaft und voller Hindernisse ist, das haben uns die Opfer vermittelt“. - “Wie ist es möglich, dass so viel von uns verlangt wird“, fragten einige der Opfer nach dem Schweigen und den Lügen, die jahrelang über sie erzählt wurden. Weitere Erklärungen sind nicht erforderlich. Die Opfer sprechen.
Nackt am Haarzopf aufgehängt
1973 in der Kaserne La Salve der Guardia Civil, in Bilbo. “Vom ersten Moment an und ohne Unterbrechung war sie schrecklichen Demütigungen, Drohungen und Beleidigungen ausgesetzt, die mit ihrem Status als Frau zusammenhingen. Die ersten Worte, die sie von dem Hauptmann hörte, der für die Verhöre zuständig war, waren: 'Hier kommst du als Jungfrau rein und als Hure wieder raus' (...) Man zog ihr die Arbeitskleidung aus, die sie seit ihrer Verhaftung getragen hatte. Als sie nackt war, wurde sie an ihrem langen Zopf aufgehängt und mit Schlägen um ihre eigene Achse gedreht“.
Sie wurde vergewaltigt, die Polizisten urinierten auf sie. “Zu den anderen Foltermethoden, denen sie als Frau ausgesetzt war, gehörte die sexistische Folter mit dem Einführen verschiedener Gegenstände durch verschiedene Körperöffnungen“. (...) Als sie darum bat, auf die Toilette zu gehen, urinierten mehrere Zivilgardisten auf ihr Gesicht und riefen: “Ich selbst muss auch pissen“. Daraufhin beschloss die Inhaftierte, lieber auf sich selbst zu urinieren, als diese Demütigung noch einmal durchzumachen.
Besenstiel, 1982
“Demütigungen aller Art, weil sie eine Frau war, Beleidigungen, Berührungen am ganzen Körper, sowohl von Männern als auch von Frauen. Diese sexistische Folter ging weiter und weiter. Sie erhielt Vergewaltigungs-Drohungen, die in einem schweren sexistischen Übergriff gipfelten, bei dem ein Besenstiel in ihre Vagina eingeführt wurde, nachdem sie auf einen Tisch gelegt und ihrer Hose und Unterwäsche beraubt worden war“.
Sie wurde zur Masturbation gezwungen. “In einer der Pausen wurde die Zellentür geöffnet, ihr wurde befohlen, sich zu entkleiden und vor den Beamten zu masturbieren, was die Inhaftierte in ihrem Zustand ohne Protest akzeptierte. Sie fragte sogar nach Einzelheiten, wie sie es tun sollte, was die Zivilgardisten verunsicherte und verärgerte, die eine andere Reaktion von ihr erwartet hatten und schließlich den Ort verließen“.
Drohungen und Betatschen
“Weil sie eine Frau war, wurde sie mit Drohungen und sexistischer Belästigung eingeschüchtert. ‘Ich bin sicher, du hast noch nie einen Schwanz wie meinen gesehen. Du wirst sehen, wenn wir allein sind, wie viel Spaß wir haben werden. Ich bin sicher, dass du noch nie so etwas Gutes wie das hier gekostet hast. Ich bin mir sicher, dass deine ETA-Kollegen nicht so einen großen Schwanz haben und ich bin mir sicher, dass sie nicht wissen, wie man so fickt wie wir jetzt‘. Zunächst von der Taille aufwärts entkleidet, wurde sie gezwungen, völlig nackt zu bleiben, während man sie berührte und ihr mit Vergewaltigung drohte: ‘Nun, mach dich bereit, denn das hier geht zu Ende: noch ein paar Tüten (Erstickungs-Folter), noch ein paar Liegestütze, und dann fangen wir mit den besonders interessanten Geschichten an‘.“
Menstruation als Quälerei
Die Demütigungen mit erzwungener Nacktheit fanden sowohl in Donostia als auch in Madrid statt (...). Wenn Frauen unter diesen Bedingungen ihre Monatsblutung hatten, befanden sie sich in absolut beklagenswerten hygienischen Verhältnissen. “Als sie nach Hygieneartikeln fragte, wurden ihr Einweghöschen und Damenbinden ausgehändigt, was von Demütigungen begleitet war: Diese Schlampen bekommen immer ihre Periode. Ich wünschte, du würdest deine Periode bei anderen Gelegenheiten bekommen! Du hast eine Scheißangst, deshalb bekommst du deine Periode!“
Die Zange
“Mit den Händen auf dem Rücken gefesselt und dem Kopf nach unten begannen die Beleidigungen, Verspottungen, Drohungen, Berührungen und Misshandlungen bereits im Polizei-Fahrzeug. Sie schoben ihre Hände unter mein Hemd und quetschten meine Brustwarzen, aber hart, hart. Sie lachten sich kaputt. Das ist der erste Eindruck (...) Während der Fahrt, wie schon kurz nach ihrer Verhaftung, quetschen die Beamten der Verhafteten die Brustwarzen, diesmal allerdings mit einer Zange, die sie von irgendwo mitgenommen hatten“. – “Ja, sie quetschten meine Brustwarzen. Zweimal, erst auf der einen Seite und dann an der anderen, weil sie nur ein Werkzeug hatten“. Kurze Zeit später wurde sie nach Madrid verlegt. Die Verhaftete erzählte, dass sie auf dem Weg dorthin in einem Bordell am Rande von Burgos Halt machten, wo sie auf die Toilette gehen durfte.
“Wir werden Ihre Tochter vergewaltigen“
Aufgrund ihres Status als Frau erhielt die Mutter einer Verhafteten erste Demütigungen und Drohungen sexistischer Art, gegen sie und ihre Tochter gerichtet: “Du gefällst uns nicht (...) 'Wir werden deine Tochter vergewaltigen. Deine Tochter wird nicht entkommen. Wir werden sie vergewaltigen“. (...) “Während sie verbal erniedrigt wurde, wurde sie dreimal gezwungen, sich auszuziehen, unter dem Vorwand, ihre Krampfadern zu untersuchen. In diesem Moment der Scham und Demütigung, als sie vor ihnen stand, weinte sie zum ersten Mal“.
Zur Masturbation gezwungen
“Sie legten mir ein Seil über, und plötzlich (sie weint) zieht einer von hinten am Stuhl, und in einem bestimmten Moment, ich weiß nicht, vielleicht eine Zehntelsekunde oder so, packt mich ein anderer von hinten, zieht mich runter und sagt: 'Zieh dich aus!‘ Sie ziehen mir die Hose runter und sagen: 'Masturbiere!' (sie weint und kann nicht weiter sprechen)“.
Elektroden an den Hoden
Im Auto auf dem Weg zur Kaserne zogen sie ihm die Hose und die Unterwäsche herunter, soweit es das amerikanische Klebeband zuließ, und legten ihm Elektroden an die Hoden (...) “Sie sagten mir, dass ich entweder alles ausplaudern würde oder dass sie dies und das mit meiner Frau (die festgehalten wurde) machen würden ... und irgendwann öffneten sie die Tür, damit ich sehen konnte, dass es ihr gut ging. Sie lag auf einem Bett und saß neben einem Guardia-Civil-Polizisten“.
ANMERKUNGEN:
(1) “Informe oficial: así se ha violado en comisarías y cuarteles” (Offizieller Bericht: So wurden Menschen in Polizeistationen und Kasernen vergewaltigt), Tageszeitung Gara, 2024-11-10 (LINK)
ABBILDUNGEN:
(1) Folter (amnesty international)
(2) Folter-Protest (naiz)
(3) Folter (metapolitica)
(4) Folter (elcorreo)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-11-11)
