Der letzte Messi-Nachruf

Das größte Fußball-Spektakel des Planeten ist vorbei. Die einen feiern ihre Erfolge, die andern lecken ihre Wunden, die einen entlassen Trainer, die andern bauen ihnen Denkmäler. Die Kicker steigern ihren Marktwert und Infantino vom Veranstalter-Verband taucht im Geld umher wie einst Dagobert Duck. Faschisten-Präsident verbucht seinen PR-Erfolg, der alle zwischenzeitlichen ICE-Morde in den Schatten stellt, und bereitet sich auf das nächste Highlight seiner Amtszeit vor: die Olympischen Spiele in Los Angeles.

Nach 50 Tagen Nationalismus-Extase und 104 Einsätzen im Ersatz-Krieg endete das Turnier des gierigsten Sportverbandes der Welt unerwartet mit der Demütigung des besten Spielers aller Zeiten. Ein Nachruf.

(2026-08-11)

KONSEQUENZ NACH BRUTALEM FOUL

Eine Strafe, die den Fußball verändern kann: Ein Spieler in Brasilien darf erst wieder spielen, wenn sein Opfer wieder gesund ist. Das Oberste Sportgericht (STJD) Brasiliens hat den Verteidiger von Inter Porto Alegre, Victor Gabriel, bis zur Rückkehr des Cruzeiro-Stürmers Gabriel Pec ins Training gesperrt – als Strafe für das brutale Foul, das er ihm während eines Spiels zugefügt hatte. Die Entscheidung wurde von der Disziplinar-Kommission gefällt, nachdem sie den Vorfall im Spiel zwischen Inter und Cruzeiro am 19. Spieltag der brasilianischen Meisterschaft analysiert hatte.

Bei dieser Aktion wurde der Verteidiger wegen übermäßiger Gewaltanwendung beim Kampf um den Ball mit einer direkten roten Karte vom Platz gestellt. Obwohl der Gefoulte zunächst mit einer Schnittwunde am Bein vom Platz getragen wurde, bestätigten spätere medizinische Untersuchungen einen Bruch des linken Schienbeins, weshalb er operiert werden musste. Die Mitglieder des Gerichts kamen zu dem Schluss, dass die übliche Strafe für gewalttätiges Spiel, die zwischen einer und sechs Spielsperren liegt, angesichts des Ausmaßes der Verletzung unzureichend sei. Da der Stürmer aufgrund des Foulspiels für eine bestimmte Zeit nicht mehr einsatzfähig war, entschieden sich die Richter für die Anwendung der erweiterten Maßnahme: der Täter bleibt so lange sperrt, bis das Opfer die Freigabe zum Training erhält, mit einer Höchstgrenze von 180 Tagen. Völlig logisch und gerecht.

Nach der gerichtlichen Entscheidung darf Victor Gabriel erst dann wieder an Spielen teilnehmen, wenn die medizinische Abteilung bestätigt, dass Gabriel Pec das reguläre Training seiner Mannschaft wieder aufgenommen hat, was voraussichtlich in drei oder vier Monaten der Fall sein wird. Während der Anhörung erklärte Victor Gabriel unter Tränen gegenüber den Mitgliedern des Gerichts, er habe „keinerlei Absicht“ gehabt, seinen Gegner zu verletzen. Er habe die letzten Tage damit verbracht, für ihn zu beten. „Ich verbringe schlaflose Nächte damit, für ihn zu beten. Ich bitte alle Menschen bei Cruzeiro von ganzem Herzen um Vergebung“, erklärte er. Die Entscheidung ist zudem ein schwerer Schlag für Internacional, das in einer kritischen Phase der Saison einen Stammspieler verliert. Das Team aus Porto Alegre liegt in der brasilianischen Meisterschaft auf Platz 16, am Rande des Abstiegs. Für Pec war es das erste Spiel bei seinem neuen Team. Wenn die Disziplinar-Entscheidung Schule macht, ändert sich die Dynamik des Fußballs. (marca-baskultur)

(2026-08-05)

NICHT MIT MAROKKO

Die Fußball-FIFA mit dem bekanntesten Glatzkopf der Welt an der Spitze tritt von einem Skandal-Fettnapf und den nächsten, von einem Schlamassel ins andere. Während der Glatzkopf in Koordination mit seinem Faschistenfreund Trump dem WM-Austräger Marokko (2030) das Finale in Aussicht gestellt hat, fordern die spanischen „Protest-Parteien“ Podemos und Sumar den Ausschluss Marokkos aus der Organisation der Fußball-WM 2030. Dem hat sich nun die Faschisten-Partei VOX angeschlossen, eigentlich treue Trump-Fans, wenn es nur nicht ans iberische Eingemachte geht. Hintergrund ist die so genannte Ceuta-Krise. Zur Erinnerung: Vor wenigen Tagen rief die marokkanische Regierung heimlich dazu auf, über das Meer in die spanische Enklave Ceuta (auf afrikanischem Kontinent) zu schwimmen, dem folgten etwa 60.000 Personen, mehr als 140 verloren dabei ihr Leben. Die EU samt dem europäischen Faschisten-Pack sah eine „Invasion“ auf sich zukommen, Ultra-Spanier sahen sich in die Zeiten der Reconquista vor 500 Jahren zurückversetzt, um die damaligen arabischen Sultane wieder zu vertreiben.

Die Geschichte ist nicht ganz einfach zu verstehen, notwendig ist ein Blick in die jüngere Geschichte. Marokko war bis zu seiner Unabhängigkeit im Jahr 1956 eine französisch-spanische Kolonie. Bis 1975 blieb Spanien Kolonialherr der West-Sahara, auf das Marokko Ansprüche anmeldet. Marokko organisierte einen „grünen Marsch“ der einer Besetzung des riesigen Gebiets der Westsahara gleichkam. Dagegen wehrte sich die anti-koloniale Polisario-Guerrilla in einem Krieg, der beendet wurde durch Intervention der UNO und des Versprechens, irgendwann ein Referendum über eine mögliche Unabhängigkeit der Westsahara zu organisieren. Das war 1991, ist aber nie eingetreten. Als ehemalige Kolonialmacht vertrat der spanische Staat die Garantie für jenes theoretische Referendum, die Polisario zog sich zurück nach Tinduf, ihre in Algerien liegende Hauptstadt, ein Wüstenlager. Zehntausende Saharauis leben seither im spanischen Staat, nicht zuletzt im Baskenland. Sie warteten auf die Volksbefragung und mussten eins ums andere Mal marokkanische Repression gegen ihre Leute beobachten.

WARTEN AUF DAS REFERENDUM

Doch nicht nur das versprochene Referendum blieb aus, der Faschist Trump (in seiner ersten Amtszeit) ignorierte das UNO-Versprechen und sprach Marokko 2020 das Recht zu, die Westsahara zu besetzen, sei es als autonomes Gebiet oder auch nicht. Der Preis war die Anerkennung Israels durch Marokko. Zu allem Übel schloss sich die spanische Regierung dieser Anerkennung an, der Krieg zwischen Marokko und Polisario flammte wieder auf und wird weiter auf niedriger Schwelle geführt. In Trumps zweiter Amtszeit seit Januar 2025 kam es zu verschiedenen Eklats, weil Ministerpräsident Sanchez bei Themen wie NATO oder Israel-Unterstützung den europäischen Außenseiter markierte. Mehr als einmal drohte der Ober-Yankee mit dem Abbruch wirtschaftlicher Beziehungen etc. Nun stellte er dem marokkanischen Sonnenkönig Mohamed Sechs eine Autobahn in Aussicht, um die Annexion der Westsahara zu perfektionieren. Über die Meerenge von Tanger und die spanischen Enklaven Melilla und Ceuta kamen traditionell Migranten nach Spanien. Diese Migrationsbewegung sollte auf Drängen der EU gebremst werden, helfen sollte dabei Marokko selbst, was dem autokratischen König ein Machtmittel in die Hand gab. Immer wieder ließ der König die Grenzen öffnen, um für „Invasionen“ zu sorgen und sich vom spanischen Staat bezahlen zu lassen, dass die Grenzen wieder geschlossen wurden. Die kürzlich erfolgte Ceuta-Krise war somit nicht der erste von Mohamed provozierte Zwischenfall, den die spanische und gesamt-europäische Ultrarechte zu nutzen weiß. Der Unterschied: Trump hat ein großes Interesse daran, Sanchez zu schaden und dafür zu sorgen, dass der „Linksaußen“ (aus europäischer Sicht) oder „Antisemit“ (aus israelischer Sicht) durch eine willfährige ultrarechte Regierung ersetzt wird: PP und VOX.

DIE SELTSAM-KOALITION

Damit wären wir wieder am Ausgangspunkt angelangt: der aus dem spanischen Staat kommenden Forderung, Marokko von der WM auszuschließen. Der afrikanische Staat soll nämlich mit Portugal und Spanien zusammen die WM 2030 austragen. So gesehen war Infantinos Testballon mit einem Finale in Marokko nichts anderes als Trumps verlängertes Bein in die Weichteile von Sanchez. So hat die „Migrationskrise von Ceuta“ zu einer der ungewöhnlichsten Konsense der letzten Jahre geführt. Vox hat sich Sumar und Podemos angeschlossen, um zu fordern, dass Marokko nach der humanitären und Migrationskrise aus der Organisation der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 ausgeschlossen wird. „Die äußerst schwerwiegenden Ereignisse, die sich am 30. und 31. Juli in Ceuta zugetragen haben, haben das Vertrauen und die Zusammenarbeit, auf denen eine gemeinsame Kandidatur beruht, vollständig zerstört“, betont Faschisten-Chef Santiago Abascal. Seine Partei reichte im Kongress einen entsprechenden Vorschlag in Form eines nichtlegislativen Antrags ein. Dabei wird die Regierung aufgefordert, bei der FIFA eine Überprüfung der gemeinsamen Kandidatur mit Marokko zu beantragen, mit dem Ziel von dessen Ausschluss als Mitveranstalter.

Interessanterweise kommt der Antrag nur einen Tag, nachdem Sumar auf Vorschlag der Izquierda Unida einen Text mit demselben Ziel vorgelegt hatte, während auch Podemos öffentlich dafür eintrat, dass Spanien die Ausrichtung des Turniers nicht mit Rabat teilen sollte. Obwohl sich die Argumente unterscheiden, kommen alle drei Parteien zu derselben Schlussfolgerung: Die Ereignisse in Ceuta haben das für eine gemeinsame Kandidatur notwendige Vertrauen untergraben. Vox vertritt die Ansicht, dass Marokko sich als kein „loyaler Partner“ erwiesen habe, und fordert zudem, dass sich die Regierung jeder Entscheidung widersetzt, die Spanien in den Hintergrund drängt, insbesondere das Finale der WM betreffend.

„Marokko hat durch die Instrumentalisierung der Einwanderung gezeigt, dass es ‚weder ein loyaler Partner bei der Organisation einer Sportveranstaltung dieser Größenordnung noch in irgendeiner Frage der Nachbarschaft ist‘“, kritisiert Vox und fügt hinzu, dass die jüngste „Invasion“ in Ceuta zeige, dass das Alawitenreich unter „tiefgreifenden strukturellen Mängeln“ leide, die seine Fähigkeit in Frage stellten, die notwendigen Sicherheitsbedingungen zu gewährleisten, die für die Ausrichtung einer Veranstaltung erforderlich sind, die Millionen von Fans zusammenbringt. Der Antrag soll im Ausschuss für Bildung, Berufsausbildung und Sport debattiert werden.

Sumar, Koalitionspartner der PSOE in der Regierung legte bereits am Mittwoch im Kongress einen Gesetzentwurf mit demselben Ziel vor und forderte die Regierung auf, den spanischen Fußballverband (RFEF) zu ersuchen, die von der FIFA vorgesehenen institutionellen Mechanismen zu aktivieren, um die Einhaltung der Statuten und der Menschenrechts-Politik zu überprüfen. Sumar fordert eine unabhängige, öffentliche und aktuelle Studie zu den „Risiken für die Menschenrechte in Gastgeberländern“, die dem Kongress innerhalb von sechs Monaten vorgelegt werden soll. Darüber hinaus fordert die Partei die Regierung auf, die Auswirkungen der Ereignisse an der Grenze zu Ceuta auf „die mit dem Turnier verbundenen Menschenrechts-Verpflichtungen“ zu bewerten.

ZURÜCK ZUM FINALE

Die Kontroverse fällt mit der Ungewissheit über den Austragungsort des Finales der Weltmeisterschaft 2030 zusammen. Verschiedene Berichte deuten darauf hin, dass Marokko bestrebt ist, das entscheidende Spiel auszurichten, während man in Spanien darauf besteht, dass diese Begegnung auf spanischem Boden ausgetragen werden sollte. Die Entscheidung liegt bei der FIFA, die den endgültigen Austragungsort noch nicht bekannt gegeben hat. Die Übereinstimmung zwischen Vox, Sumar und Podemos macht die PSOE und die PP zu den einzigen großen nationalen Kräften, die bislang den Ausschluss Marokkos von der Ausrichtung des Turniers nicht öffentlich unterstützt haben, wodurch die „Ceuta-Krise“ zu einem unerwarteten Berührungspunkt zwischen Parteien geworden ist, die an antagonischen Enden des parlamentarischen Spektrums stehen. Und Infantino mischt munter mit, vielleicht auch Trump selbst mit einer Infantino-Maske. (baskultur)

(2026-08-01)

FIFA IM SCHLUSSVERKAUF

Vor wenigen Tagen platzte die Nachricht auf die Titelseiten, dass die FIFA plant, Milliarden zu generieren, indem privaten Investoren ermöglicht wird, Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft zu erwerben. Die FIFA bestätigte den Vorgang. Unter Infantinos Führung treibt die FIFA ihre kapitalistischen Exzesse konsequent voran. Die New York Times hatte berichtet, die FIFA wolle ein Unternehmen namens FIFA Forward Enterprise (FFE) gründen, das die kommerziellen Rechte an den großen FIFA-Wettbewerben (Männer-WM, Frauen-WM, Klub-WM) übernimmt und an dem private Investoren 20 bis 30 Prozent der Anteile erwerben können. Das Vorhaben schlug hohe Wellen und stieß auf scharfe Kritik. Die UEFA sprach davon, dass damit "eine Grenze überschritten würde, die niemals überschritten werden dürfte".

Die FIFA verteidigte entsprechende Vorschläge, ein Sprecher betonte, "die FIFA sei stets auf der Suche nach innovativen Projekten, die die Entwicklung des Fußballs weltweit vorantreiben". Der FIFA-Diktator hatte vor dem Finale bei einem Treffen mit allen FIFA-Mitgliedsverbänden erklärt, dass nach dem Erfolg der WM 2026 Priorität sei, "das kommerzielle Potenzial der FIFA voll auszuschöpfen" – als ob die stattgefundene Kommerzialisierung nicht schon zu weit ginge. In den Medien war auch von „Geheimhaltungs-Verpflichtungen für FIFA-Mitarbeitern“ die Rede – in autoritären Strukturen werden solche Pläne gewöhnlich geheim ausgehandelt, bis sie nicht mehr revidierbar sind. Der Geschäfts-Putschversuch erinnert an 2018, als ein Milliarden-Deal unter Beteiligung saudi-arabischer Investoren im Hinblick auf die Klub-WM und eine weltweite Nations League angestrebt worden war. Damals erhielt das Geschäft innerhalb der FIFA keine ausreichende Unterstützung und kam nicht zustande.

PROMINENTE INVESTOREN

Bestätigt wurde auch die Beteiligung der US-amerikanischen Investmentbank JP Morgan an dem Projekt. "JP Morgan ist in der Tat der Finanzberater der FIFA bei diesem Projekt, hat unsere Analyse unterstützt und wird dies auch in Zukunft tun", laut FIFA. Weitere potenzielle Investoren: Joshua Kushner, dessen Bruder Jared mit Donald Trumps Tochter Ivanka verheiratet ist – erneut wird des Faschisten Trump langer Arm sichtbar. "Thrive, dessen CEO Josh Kushner ist, wird voraussichtlich die vorgeschlagene Investorengruppe anführen", ließ die FIFA kühn verlauten. Fakt ist also, dass ein Verwandtschafts-Verhältnis des würde-gern Investors zur Familie des obersten US-Faschisten besteht, der wiederum ein gutes Verhältnis zu Infantino hat. Eine große Kapitalisten-Familie.

Die Entscheidung über eine Kapital-Privatisierung liege jedoch bei den 211 Mitgliedsverbänden des Weltverbands. Genau das wurde für Infantino zum Problem. Denn ein beträchtlicher Anteil dieser Mitglieder – Europa, Asien – wartete nicht bis zur nächsten Exekutiv-Sitzung, sondern reagierte in Lichtgeschwindigkeit. Die der europäische Verband UEFA, der mit der FIFA ohnehin im Krieg steht, reagierte am schnellsten und lehnte die Pläne in aller Schärfe ab. „Damit wird eine Grenze überschritten, die die Fußball-Dachverbände niemals überschreiten dürfen. Die UEFA nimmt dies sehr ernst. Das Gleiche sollten alle nationalen Fußballverbände tun. Und alle weiteren Beteiligten: Ligen, Vereine, Spieler, Fans, Regierungen und alle, denen die Zukunft dieses Sports am Herzen liegt. Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Vermögenswerte, mit denen man handeln kann, insbesondere wenn keinerlei Transparenz darüber besteht, wer finanziell davon profitiert. Keiner von uns ist Eigentümer des Fußballs. Es steht der FIFA nicht zu, ihn zu verkaufen“, antwortete die UEFA.

WEITERE ABLEHNUNG

Die negative Reaktion der UEFA ist nicht die einzige ablehnende Stellungnahme. Auch der maltesische EU-Kommissar für Sport, Glenn Micallef, hat die Pläne der FIFA scharf kritisiert und mit dem Hinweis auf den US-Sport gewarnt: „Das ist kein Baseball“, man solle „die Finger vom Fußball lassen“. „Der kommerzielle Erfolg sollte den Fußball stärken, nicht ihn zerstören. Haltet euch von unserem Sport fern“, schrieb Micallef, wo er seine Unterstützung für die UEFA bekundete und ankündigte, die Europäische Kommission werde die Auswirkungen der FIFA-Pläne im Rahmen des EU-Rechts „sorgfältig“ prüfen. Die Vereinigung europäischer Fußballfans (Football Supporters Europe) ging einen Schritt weiter und versicherte, dass die Weltmeisterschaft „nicht zum Verkauf“ stehe und forderte, FIFA-Präsident Gianni Infantino müsse zurücktreten. „Die Weltmeisterschaft steht nicht zum Verkauf. Schluss mit dieser Farce. Die Mitgliedsverbände und alle, denen die Zukunft des Sports am Herzen liegt, müssen sich gegen den Mann stellen, der den Weltfußball verkaufen will. Infantino muss gehen“, schrieb FSE in den sozialen Netzwerken.

ASIEN EMPÖRT

Die UEFA hat schnell einen weiteren Verbündeten gegen den FIFA-Plan gefunden. Auch der asiatische Fußball distanziert sich von Infantino: „Das ist völlig inakzeptabel“. Der Präsident des asiatischen Verbands AFC, Scheich Salman bin Ebrahim Al-Khalifa, hat in einem Schreiben an seine 47 Mitgliedsverbände darauf hingewiesen, dass der Vorschlag im Geheimen gehandelt wurde und dass die FIFA ein Ultimatum für die Antwort gesetzt habe, das auf den 19. September festgelegt wurde, verbunden mit einer Prämie von 40 Millionen Dollar für diejenigen, die dem Vorschlag zustimmen. Für Stimmenkauf ist die FIFA seit Langem bekannt. Salman betont der AFC sei „auf keiner Ebene konsultiert worden“. Er habe auch keine Analyse der finanziellen oder rechtlichen Aspekte des Vorschlags und seiner Auswirkungen erhalten, was völlig inakzeptabel sei. Die derzeitige Ablehnung erinnert auch an die Krise der Europäischen Superliga im April 2021, ein von zwölf großen Vereinen vorangetriebenes Parallelprojekt, das angesichts der massiven Ablehnung durch Fans, Verbände und politische Kreise bereits nach wenigen Tagen scheiterte.

SCHNELLE NIEDERLAGE

Bei so viel Gegenwind ruderte der verhasste Schweizer Glatzkopf zurück und gab drei Tage nach dem Durchsickern des Plans bekannt, dass er von seinem Vorhaben Abstand nehme. Sein Plan ist gescheitert. Nach heftiger Kritik aus aller Welt an seinem Plan, die Weltmeisterschaft zu privatisieren, musste Infantino nachgeben, der Druck auf den FIFA-Präsidenten war enorm. Erneut reagierte die UEFA am schnellsten. Nachdem sie zuvor gedroht hatte, eine „Privat-WM“ zu boykottieren, feierte sie nun Infantinos Rückzug als „totale Niederlage“. Der Dachverband des europäischen Fußballs hatte bestätigt, dass er nicht an der Weltmeisterschaft teilnehmen würde, sollte Infantino an seinem Plan festhalten, einen Teil des Wettbewerbs zu verkaufen.

NEGATIV-BEISPIELE

Trotz der Ablehnung im Fußball wurde das Modell der Risiko-Kapital-Beteiligung in anderen Sportarten bereits vollzogen. Im Dezember 2018 verkaufte die englische Premiership Rugby 27% ihrer Anteile an die Firma CVC Capital Partners für mehr als 200 Millionen Pfund (etwa 253 Millionen Dollar). CVC hatte zwischen 2006 und 2017 bereits die kommerziellen Rechte der Formel 1 verwaltet und weitete seine Investitionen anschließend auf das Six Nations-Turnier (Rugby) aus und setzte auf ein Modell, das auf globale Expansion ausgerichtet ist.

Und Infantino? Beim 56-Jährigen Fußball-Sonnengott wird erwartet, dass er 2031 als FIFA-Präsident ausscheidet. Der Schweizer muss zwar 2027 als Präsident wiedergewählt werden, doch seine dritte Amtszeit gilt als beschlossene Sache, da er auf Unterstützung von mehr als 200 Ländern zählen kann – falls sich das jetzt nicht ändert. Um ehrlich zu sein: dieser Infantino passt perfekt zum heutigen Zustand der Welt, zu den Trumps und Netanjahus, zu den Kriegen um Öl und Einfluss, zu Autokratie und Korruption, zur Tendenz der Faschisierung. Da tut ein kleiner Gegenschlag ganz gut. (baskultur)

(2026-07-29)

VERLOGENER KITSCH

Was für ein Finale! Es war der passende Abschluss eines unterirdischen Turniers. Statt zwei Teams einfach Fußball spielen zu lassen, machte die FIFA eine geschmacklose Show aus dem Endspiel der WM. Und sie steht symbolisch für die totale Unterwerfung einer Sportart unter kommerzielle Interessen. Unter das Regime von Donald Trump. Der Mann, in dessen Auftrag auch während der WM Zehntausende Migrantinnen und Migranten in Lager gesteckt wurden, saß auf der Tribüne und durfte sich über eine Halbzeitshow freuen, bei dem ein Haufen von Pop-Celebritys das Hohelied der Liebe anstimmte. Den Tenor gab ein Text von Hollywoodstar (und Scientology-Sekten-Mitglied) Tom Cruise vor: „Vor dreißig Tagen begaben sich 48 Nationen auf eine Reise. Sie überquerten Ozeane, überschritten Grenzen und überwanden kulturelle Unterschiede. Und gemeinsam zeigten sie uns, warum dieser Sport der ganzen Welt gehört“. Welch ein verlogener Kitsch. (Foto: Den Präsidenten Trump und Infantino gefällt es: Goldglitzer nach dem Finale Spanien-Argentinien bei der Fußball-WM. / Mark J Rebilas / reuters

Denn es gibt Gründe genug, über das Turnier zu fluchen. Im Stadion wurde das Bild von Michel Mboladinga, Superfan und Doppelgänger des Unabhängigkeits-Kämpfers Patrice Lumumba, eingeblendet. In Mexiko hatte er ein Spiel seines Teams besuchen dürfen. Die Einreise in die USA wurde ihm aber ebenso verwehrt wie zahlreichen Fans aus Ländern, die dem US-Präsidenten nicht in den Kram passten. Dass der Weltverband es nicht geschafft hat, die Einmischung des Weißen Hauses in die Entscheidung über die Sperre eines Spielers zu verhindern, war nur einer der Tiefpunkte dieses Turniers. Das endete nun mit einer aufgeblasenen Show, die den Fußball regelrecht an den Rand drückte. Fast eine halbe Stunde dauerte die Halbzeitpause, dabei sind in den Fußballregeln nur 15 Minuten dafür vorgesehen. Aber für den Weltverband gelten sie nicht, wenn es darum geht, die WM zu vermarkten. Es ist fast schon ein Wunder, dass überhaupt noch Fußball gespielt wurde. Ach ja, es gibt einen neuen Weltmeister. (taz-baskultur)

(2026-07-27)

WENN FASCHISTEN DIE WM FEIERN

Viele rechte Medien haben im spanischen Staat einen Skandal inszeniert, weil das WM-Finale nicht im gesamten Baskenland oder in Katalonien auf Großbildschirmen übertragen wurde und weil der Weltmeister-Titel dort nicht mit genügend Patriotismus gefeiert wurde. Der folgende Kurz-Artikel macht einmal mehr deutlich, warum es notwendig ist, diesen ganzen Fußballrummel zu verurteilen und ihn als das zu bezeichnen, was er wirklich ist: eine ultra-nationalistische Psychose, die auf dem franquistischen National-Katholizismus beruht und ihn wiederbelebt. Denn:

Vier junge Menschen, die antifaschistische Symbole trugen, wurden mit Nazi-Grüßen und Parolen wie „Es lebe Franco!“ und „Es lebe Spanien!“ beschimpft, bevor sie zusammengeschlagen wurden. Eine Gruppe von vier 18-Jährigen wurde in der Nacht zum Sonntag in Salou (Tarragona) körperlich angegriffen, während der Sieg der spanischen Nationalauswahl bei der Fußball-WM der Männer gefeiert wurde. Die Vorfälle ereigneten sich zwischen Mitternacht und ein Uhr morgens. Während der „Feiern“ nach dem WM-Finale griff eine Gruppe von Fans, die den Sieg der spanischen Auswahl inszenierten, eine Gruppe junger Menschen an, die antifaschistische Symbole trugen. Als sie die Calle de l’Ebre entlanggingen, begann eine Gruppe von fünf bis zehn Personen, die sich auf der anderen Straßenseite befand, sie mit Beleidigungen zu beschimpfen. Sie näherten sich mit dem Hitlergruß und riefen Franco- und spanien-freundliche Parolen.

Nach einigen Minuten, als es so aussah, als hätte sich die angreifende Gruppe zurückgezogen, näherten sich zwei ihrer Mitglieder erneut der Gruppe junger Leute. Nach Angaben von Zeugen taten sie zunächst so, als wollten sie sich versöhnen, stürzten sich dann aber sofort auf zwei der Jugendlichen und schlugen ihnen wiederholt auf den Kopf. Einer von ihnen erhielt einen Faustschlag ins Auge, der zu einem vorübergehenden Sehverlust führte, während der andere Verletzungen am Ohr und im Mund davontrug und mehrere Minuten lang blutete.

Anschließend richteten sich die Angreifer gegen die beiden anderen Jugendlichen der Gruppe, die weiter hinten geblieben waren. Unter Beleidigungen wie „Arschlutscher“ verprügelten sie einen der beiden Jugendlichen, der zurückgeblieben war. Dieser Fall ist kein Einzelfall, denn in den sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Videos von Menschen, die berichten, während der WM-Feiern rassistische und faschistische Belästigungen oder Übergriffe erlitten zu haben – in Vorfällen, bei denen die Verherrlichung des spanischen Nationalismus dazu diente, reaktionäre Ideen zu verbreiten und Übergriffe zu begehen. Noch Fragen? (diariosocialista-baskultur)

(2026-07-25)

FUSSBALL-SPRACHE

„Die Fußballsprache ist genauso alt wie der Fußball selbst“, sagt der Linguist Simon Meier-Vieracker, er analysiert Fußball-Sprache und Fußball-Phrasen. Simon Meier-Vieracker ist Jahrgang 1980 und seit 2020 Professor für Angewandte Linguistik an der TU Dresden. Er forscht unter anderem zur Wissenschafts-Kommunikation, zu Sprache und Medizin, und zur Sprache des Fußballs. Für seinen Social-Media-Kanal „fussballinguist“ wurde er 2023 zum „Goldenen Blogger“ in der Kategorie „TikTok“ ausgezeichnet. 2024 veröffentlichte er das Buch „Reingegrätscht: Eine kleine Linguistik des Fußballs“. Ein Gespräch über Militärmetaphern, Traditionspflege und Veränderungen. (Dokumentation TAZ, 28.6.2026)

taz: Herr Meier-Vieracker, ein Sprachwissenschaftler, der sich mit Fußball beschäftigt. Wie passt das zusammen?

Simon Meier-Vieracker: Nun ja, über Fußball wird ja auch gesprochen und geschrieben, und zwar ausdauernd und ausführlich. Wenn man schaut, wie viel Prozent der Pressetexte im deutschsprachigen Raum von Fußball handeln, kommt man auf erstaunliche acht bis zehn Prozent. Allein die Menge, die der Fußball zum Gegenwartsdeutschen beiträgt, macht es in meinen Augen erforderlich, dass die Wissenschaft das auch in den Blick nimmt. Außerdem ist die Fußballsprache auch als Fachsprache, emotionaler Jargon oder als Metaphern-Spender und Methaphern-Empfänger ein hochinteressantes Phänomen.

taz: Fußball schaut oder spielt man doch. Warum sollte man sich die Sprache anschauen?

Meier-Vieracker: Natürlich ist die reine Bewegung, die den Fußball als Sport ausmacht, etwas, was ohne Sprache funktioniert. Aber schon die Organisation des Sports braucht ein Regelwerk und das besteht aus Sprache. Coaching im Training, im Spiel oder in der Halbzeitpause funktioniert im Wesentlichen über Sprache. Und auch die Berichterstattung, ohne die der Fußball als Geschäft nicht funktionieren könnte, bedient sich der Sprache. Ohne Sprache würde dieser riesige Markt mit Milliardenumsätzen, den der Fußball ja bedeutet, nicht funktionieren.

taz: Wie kam es eigentlich zu der Fußballsprache, die wir heute sprechen?

Meier-Vieracker: Die Fußballsprache ist genauso alt wie der Fußball selbst. Als der Fußball erfunden wurde, mussten zumindest rudimentär Regeln formuliert werden und dazu musste man sich erst einmal auf ein paar Begriffe einigen, wie „Tor“ beispielsweise. Da der Fußball in England erfunden wurde, waren das zunächst englische Begriffe.

taz: Und wie entstanden dann die deutschen Begriffe?

Meier-Vieracker: Auf das europäische Festland kam der Sport durch englische Studierende, die in der Schweiz, in der Nähe von Genf, einen Auslandsaufenthalt hatten. Von dort aus hat sich der Sport dann zunächst in Gemeinschaften etabliert, die dem Englischen zugewandt waren. In Dresden gründete sich 1873 beispielsweise der Dresden English Football Club. Weil er ein englisches Kulturgut war, wurde er im nationalistisch gestimmten Kaiserreich nicht gern gesehen. Er wurde immer wieder als „englische Fußkrankheit“ abgelehnt. Für den deutschen Fußball und seine Sprache war schließlich Konrad Koch, ein Gymnasiallehrer aus Braunschweig, von entscheidender Bedeutung. Er wollte den Fußball populär machen und versuchte, seinen Kritikern zumindest sprachlich den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem er gezielt zur Image-Aufbesserung die Fußballsprache eindeutschte.

taz: Wie genau?

Meier-Vieracker: Er überlegte damals systematisch: Wie können wir „offside“, „kickoff“ oder „corner kick“ auf Deutsch am besten nennen? Von ihm kommen die Vorschläge, von „Abseits“, „Anstoß“ oder „Eckstoß“ zu sprechen. Neben der Fachsprache war auch die Militärmetaphorik von Anfang an sehr prägend. Wir sprechen vom „Angriff“, „Sturm“, von „Flanken“, wir „schießen“. Das liegt nahe: Fußball ist ein Wettkampf von zwei Teams, die sich auf einem „Schlachtfeld“ gegenüberstehen, es geht um „Raumgewinne“. Der Fußball wurde im Kaiserreich, und damit in einer hoch militarisierten Gesellschaft, schließlich doch noch populär. Das Militär genoss allerhöchstes Ansehen und deswegen waren diese Metaphern auch besonders anschlussfähig.

taz: Ist das immer noch so?

Meier-Vieracker: Unsere heutige Sprache über Fußball ist im Vergleich zu früher weniger militärisch und martialisch. Noch in den 1950er Jahren finden wir regelmäßig in den Berichten, dass die „Abwehr mit schweren Geschützen zusammengeschossen“ wurde und der „Gegner niedergemetzelt“ wird und „dauernd Bomben und Granaten fliegen“. Mit neuen Entwicklungen sind dafür andere Metaphern wichtiger geworden: Heute sprechen wir beispielsweise vom „Sieger-Gen“ oder der „Schaltzentrale“. Solche technischen Metaphern setzen sich immer mehr durch. In Deutschland gibt es außerdem einen gewissen Trend zu Anglizismen. Es ist unter Kommentatoren populär geworden, nicht mehr vom „Strafraum“, sondern von der „Box“ zu sprechen. In der Schweiz war das Englische nie verschwunden: Wie erwähnt kam der Fußball in Europa zuerst in die Schweiz, aber seit jeher spricht man dort von „corner“, „offside“, „match“ und „penalty“. Das klingt dann für Deutsche manchmal so, als würden die Schweizer neumodische Anglizismen verwenden, aber eigentlich sind sie die Konservativen.

taz: Gibt es heute neue Phrasen und Vokabeln?

Meier-Vieracker: Ich finde die Fußballsprache erstaunlich stabil. Es gibt natürlich immer wieder einmal technische und taktische Innovationen, die dafür sorgen, dass Begriffe wie „Gegenpressing“ bekannt werden. Um 2010 wurde dieser Stil mit Jürgen Klopp populär. An sich ist die Fußballsprache aber sehr auf Traditionspflege ausgerichtet.

taz: In den vergangenen Jahrzehnten ist der Fußball immer monetarisierter und machtpolitischer geworden. Spiegelt sich das auch in der Sprache wider?

Meier-Vieracker: Eher nicht. Ich stimme natürlich völlig zu, mit jeder WM wird die Schraube noch einmal ein paar Umdrehungen weitergedreht. Der neue „Hydration Break“ ist offiziell als Maßnahme zum Schutz der Gesundheit der Spieler eingeführt worden. Sie ist aber eben auch eine Gelegenheit, noch mehr Werbung auszuspielen. Für die Fußballsprache ist aber das Relevante, was die Reporter aus den Bildern machen. Diesbezüglich sehe ich keine großen Veränderungen. Im Gegenteil: Die Traditionspflege wird dazu genutzt, sich eine Insel der Glückseligen zu schaffen.

taz: Sagt die Fußballsprache auch etwas über die Gesellschaft, die sie spricht?

Meier-Vieracker: Ich wäre da sehr vorsichtig. Man kann sich natürlich Fußballphrasen im Sprachvergleich zwischen verschiedenen Gesellschaften anschauen. In katholisch geprägten Ländern sind oft Metaphern religiösen Ursprungs wesentlich populärer. Es gibt im Französischen das „pain béni“, das „gesegnete Brot“, wofür wir im Deutschen einfach nur „Geschenk“ sagen würden. Oder wenn wir „alle Register ziehen“, sagen die Spanier sinngemäß, „das ganze Fleisch auf den Grill legen“. Bei solch kulturellen Prägungen, die sehr allgemein sind, geht es jedoch auch leicht in die Richtung, dass man kulturelle Stereotype bedient. Um aber vielleicht noch einmal ein neueres Phänomen zu nennen: Es gibt zumindest seitens der Medienberichterstattung ein größeres Bewusstsein für potenziell diskriminierende Sprache. Ausdrücke wie „Eier haben“ (Erinnerung an das Interview mit Oliver Kahn) oder die Redewendung „Das war mal richtiger Männerfußball!“ sind in die Kritik geraten.

taz: In den sozialen Netzwerken betreiben Sie Ihren Kanal „fussballinguist“. Wie entstand die Idee?

Meier-Vieracker: Als ich angefangen habe, mich mit der Fußballsprache zu beschäftigen, waren meine ersten Ergebnisse zu klein für eine echte Publikation, aber doch zu schön, um sie in der Schublade verschwinden zu lassen, und deshalb begann ich meinen Blog. Um den zu bewerben, meldete ich mich bei Twitter an. Dort konnten Nutzernamen nur maximal 15 Zeichen lang sein, deswegen musste ich aus „fussballlinguistik“ „fussballinguist“ machen – mit zwei „l“. Ich habe später auch mit Tiktok und Instagram angefangen, habe aber dort dem Fußballthema nie besonderen Raum gegeben. Dort greife ich eher andere Videos auf, um den ein oder anderen Sprachmythos zu entkräften. Da das Zielpublikum jünger ist und die Videos in seiner Freizeit konsumiert, ist der Ton ein bisschen lockerer. Gleichwohl verzichte ich nicht auf Fachbegriffe, schließlich bin ich primär immer noch Wissenschaftler. (taz-baskultur)

(2026-07-24)

WENIG GRUND ZUM FEIERN

Mexiko und die Fußball-Weltmeisterschaft. Während der Faschist wie ein Sonnengott im Mittelpunkt stand, blieben die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum und der kanadische Premierminister Mark Carney völlig im Schatten. Man mag sich fragen, was die Mexikanerin wohl dachte, als sie da auf der Ehrungsrampe stand neben FIFA-Glatze Infantino, Melania Trump und Donald Trump, dem Verantwortlichen für den Tod von mindestens 17 mexikanischen Migrant*innen. Sie setzte ein Politik-Lächeln auf, alles wirkte wie ein Pflichttermin, auch wenn die Präsidentin dem besten Spieler den Goldenen Ball überreichen durfte. Während der WM wurden in ihrem Land drei Journalist*innen ermordet. Kurz vor dem WM-Showdown hatte Sheinbaums Regierung angekündigt, wegen der 17 toten Landsleute Anzeige gegen die berüchtigte Einwanderungs- und Zollbehörde ICE zu erstatten. Das dürfte bei Trump ebenso für Ärger gesorgt haben wie Sheinbaums Weigerung, seiner Forderung nachzukommen und den ehemaligen Gouverneur Rubén Rocha Moya an die US-Justiz auszuliefern, weil er für das kriminelle Sinaloa-Kartell gearbeitet haben soll. Eine Kolumne aus der Tageszeitung taz:

Dann sind da auch noch die regelmäßigen „Angebote“ Trumps, mit US-Truppen in Mexiko gegen die Mafia vorzugehen. Und last not least verurteilte ein US-Gericht just am Montag den Mafia-Chef Ismael „El Mayo“ Zambada zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Das könnte Sheinbaum eigentlich gutheißen. Aber El Mayo ist wegen einer Kooperation zwischen Kartellbossen und US-Geheimdienstlern auf mexikanischem Boden in die Hände der US-Fahnder geraten. Insgesamt also wenig gute Gründe für Mexikos Präsidentin, mit Familie Trump das WM-Finale zu feiern.

VERSCHWINDENLASSEN VON MENSCHEN

Und zu Hause, dem „besten Austragungsort des Wettbewerbs“, wie Sheinbaum kundtat? Für jene, die zu Beginn der Meisterschaft mit Blockaden, Demos und Plakaten weltweit auf die fürchterlichen Menschenrechts-Verhältnisse in Mexiko aufmerksam machten, hat sich das Rad schlicht weitergedreht. Auch Sheinbaum weiß: Die Zahl der Verschwundenen ist weiter angestiegen und erreicht bald 135.000. Allein in den Wochen der Meisterschaft wurden in ihrem Land drei Journalist*innen ermordet: Roxana Guzmán im Bundesstaat Veracruz, Josué Martínez in Puebla und Alex Serna in Guerrero. Das massive Verschwindenlassen von Menschen und die anhaltenden teilweise tödlichen Angriffe auf Medienschaffende sind zwei der eklatantesten Verbrechen, die den Zustand der mexikanischen Gesellschaft auf den Punkt bringen. In beiden Fällen zeigen sich die Behörden bestenfalls unfähig, die potenziell Betroffenen zu schützen beziehungsweise die Verbrechen aufzuklären. Häufig sind Beamte selbst involviert. Dass Sheinbaums Regierung diesen korrupten Verhältnissen den Kampf angesagt hat, konnte bisher wenig ändern, zumal viele ihre Parteifreund*innen selbst in solche Geschäfte verstrickt sind.

Vier der acht Verdächtigen, die wegen der Ermordung der Reporterin Guzmán festgenommen wurden, waren Polizisten. Über ein Monat verging zwischen der Entführung und dem Zeitpunkt, an dem die Leiche der Journalistin gefunden wurde. Doch obwohl die Spezialeinheiten der Sicherheitsbehörden in die Suche eingebunden waren und sich Sheinbaum selbst um den Fall kümmerte, konnte Guzmán nicht gerettet werden. Wie ihre Kollegen Martínez und Serna publizierte sie lokale Nachrichten in sozialen Netzwerken – und wurde so zur Zielscheibe lokaler Akteure, die ihre Interessen mit allen Mitteln durchsetzen. Nicht selten kennen sich Opfer und Täter seit dem Kindergarten. Der Journalist Serna musste sterben, weil er über das umweltschädigende Verhalten eines Unternehmens recherchierte, das vermutlich von korrupten Beamten gedeckt wurde. Es sind diese Niederungen des Alltags, die die sich links verstehende Regierung ebenso wenig in den Griff bekommt wie ihre konservativen und wirtschafts-liberalen Vorgängerinnen. Und dann steht die Präsidentin neben einem wild gewordenen Rechtsextremen, der mit unsinnigen Militäreinsätzen droht und illegale Geheimdienst-Aktionen durchführen lässt, die rein gar nichts mit der Lösung des sogenannten Drogenproblems zu tun haben. (taz-baskultur)

(2026-07-22)

SPORT ALS PROPAGANDA

Die nächste bitte! Nach Gianni Infantino mit seiner FIFA soll nun die weißhäutige Simbabwerin IOC-Chefin Kirsty Coventry ein Superevent in den USA zu organisieren. Denn nach der Fußball-Weltmeisterschaft steht mit den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles das nächste Großevent in den USA an. Die PR-Maschine läuft widerspruchslos weiter. MAGA unter den Ringen. Ein Kommentar der Tageszeitung taz.

Karoline Leavitt, die Sprecherin des Weißen Hauses, war begeistert. „Das Dekret von Präsident Donald Trump zum Schutz von Frauensport hat gewirkt!“, schrieb sie. Gerade hatte das IOC verkündet, dass bei den kommenden Spielen in Los Angeles keine Trans-Frauen zugelassen sein werden. Zuvor hatte Trump das Komitee massiv unter Druck gesetzt: Er werde nicht zulassen, dass Trans-Frauen an Olympia 2028 teilnehmen und keine Einreisegenehmigungen erteilen. In den USA dürfen seit 2025 Trans-Frauen von Wettkämpfen an Schulen und Hochschulen ausgeschlossen werden. Das olympische und paralympische Komitee der USA schließen sie nun ebenfalls aus. Das IOC hatte gespurt. Das war schon sachlich völlig absurd, denn 2024 nahm keine einzige Trans-Frau an Olympia teil, auch diesmal hätte es keine gegeben. Es geht um reine Machtdemonstration.

Nein, die nächste Großveranstaltung in den USA wird nicht besser als diese WM. 2028 sind mit Olympia in Los Angeles die nächsten US-Propaganda-Spiele dran. 2031 folgt wohl mit der ersten Mammut-WM der Frauen mit 48 Teams ein weiteres Großturnier. Die Co-Gastgeber Mexiko, Costa Rica und Jamaika dürften ähnlich unterwürfiges Geleit geben wie diesmal Kanada und Mexiko. Mit einer Großoffensive platzieren die USA sich ganz vorn als Gastgeber im Weltsport. Dabei geht es derzeit um eine Doppelstrategie: Die Vereinigten Staaten, die global vor allem durch die Trump-Regierung, ICE und den Völkermord in Gaza massiv an Ansehen verloren haben, wollen erstens ihr Image polieren und sich als Kulturzentrum der Welt inszenieren. Auch die Dauer-Einblendung von Influencern und Hollywoodstars auf den Tribünen sendete die Botschaft: Alles wie immer, liebe Welt. Die USA sind nicht grausam und erst recht nicht am Ende – sie sind cool. Und zweitens sind die Turniere eben Bühne für (nicht nur) Trumps Machtpolitik.

IOC-Präsidentin Kirsty Coventry steht dabei unter Druck, einerseits einen guten Draht zu Trump zu wahren, aber andererseits keinen so glühenden Draht wie Infantino, der über die Balogun-Affäre nun gar stürzen könnte. Die Frau aus Simbabwe ist weit weniger von den USA abhängig als ihr FIFA-Gegenpart Infantino. Der war ja erst ins Amt gespült worden, nachdem die US-Justiz mit ihren Korruptionsermittlungen die alte FIFA-Spitze zu Fall gebracht hatte. Pikanterweise hat jetzt die Menschenrechts-Organisation FairSquare gegen Infantino auch beim IOC Beschwerde eingelegt. Eine unangenehme Situation für das olympische Komitee, zumal vor Olympia in Los Angeles. Coventry hat Infantinos Trump-Nähe zuvor öffentlich verteidigt. Und zu den diversen US-Verbrechen und Annexions-Drohungen nur zu sagen gewusst, dass politische Konflikte „nicht in den Zuständigkeitsbereich“ des IOC fallen.

MIT EINER GROSSOFFENSIVE PLATZIEREN DIE USA SICH GANZ VORN ALS GASTGEBER IM WELTSPORT

Es dürfte 2028 also erneut keinen Gegenwind geben gegen die erwartbaren US-Einreiseverbote oder mögliche Wettbewerbs-Verzerrung bei Ländern, die nach US-Interesse lieber nichts gewinnen sollen, wie diesmal Iran. Eine umstrittene Personalie gibt es noch dazu, denn Organisations-Chef Casey Wasserman tauchte in den Epstein-Akten auf, wenngleich kein Mitwissen nachgewiesen ist. Er blieb im Amt. Von Sportverbänden ist bei alledem wenig zu erwarten. Die öffentliche Debatte in Deutschland konzentriert viel Aufmerksamkeit auf Personalfragen wie Infantino, doch im Kapitalismus sind diese „Warum ist er bloß so unethisch?“-Diskurse eine Ersatzdebatte. Denn somit muss man über Strukturen nicht sprechen. Dabei ist klar: Spitzensport will Geld. Geld gibt es vor allem für unethisches Verhalten. Und das passende Personal dafür findet sich immer.

Die Sanktionen gegen Russland hat das IOC derweil pünktlich zu Olympia aufgehoben, die letzte Entscheidung obliegt den Verbänden. Es war die absehbare Wahl: Statt USA und Israel ebenfalls für Angriffskrieg und völkerrechtswidrige Besatzung zu sanktionieren, sanktioniert man keinen mehr. Sachlich lässt sich das durchaus gut begründen: Nationale Sportsanktionen wirken in Zeiten globaler Ausbeutungs-Systeme oft überholt, decken nur eine recht willkürliche Auswahl staatlicher Menschenrechts-Verbrechen ab und hatten kaum je Effekt. Aber um die Sache geht’s natürlich nicht.

Für ein moralfreies Olympia hat die WM eine eindrückliche Vorlage geliefert. Dass Gastgeber USA Krieg gegen Teilnehmer Iran führte, empörte fast niemanden. Die deutsche Debatte drehte sich darum, wie Irans Spieler verantworten, für dieses Regime anzutreten – und nicht, wie US-Spieler verantworten, für diesen Staat anzutreten. Die Einwanderungs-Behörde ICE führte derweil während des Turniers beispiellose Razzien durch, einmal wurden innerhalb von fünf Tagen bis zu 10.000 Menschen festgenommen. NGOs blieben mit ihren Protesten weitgehend allein. Und in Gaza und im Westjordanland ging während des Turniers die tägliche Ermordung und Vertreibung von Zivilist:innen weiter, finanziert maßgeblich von den USA. Ein Report der Unabhängigen Internationalen Untersuchungs-Kommission der Vereinten Nationen für die besetzten palästinensischen Gebiete (einschließlich Ost-Jerusalems) und Israel für die UN stellte noch während der WM fest, dass Israels Tötung palästinensischer Kinder seit dem Waffenstillstand systematisch und Beleg für fortlaufenden Genozid sei. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef spricht von 265 getöteten Kindern in den acht Monaten seit dem Waffenstillstands-Abkommen. Die WM-Soli-Proteste verhallten. Die Botschaft all dessen lautet: Ja, es geht fast alles. Solange Donald Trump nicht bei Coventry anruft, um ein Ergebnis annullieren zu lassen. Oder zumindest nicht darüber spricht. Denn sauber muss der Sport wirken. Auch daraus wird das IOC lernen. (taz-baskultur)

(2026-07-21)

ROTE KARTE FÜR FASCHISMUS UND US-KRIEG!

Einen Tag vor dem WM-Finale in New Jersey hat sich die „Antifascist Football Coalition“ mit einem Aufruf zu Wort gemeldet. Wir müssen zugeben, dass wir bis dahin noch nie von dieser „Anti-Faschistischen Fußball-Koalition“ gehört haben. Mit ihrem Aufruf wandte sich die AFFC an die Spieler des Finales und ihre Betreuer-Teams. Vorweg sei bemerkt, dass sich der Aufruf einigermaßen utopisch und weltfremd anhört. Doch nicht alles Utopische muss den Zusammenhang mit der Realität verloren haben, auch die Baskultur-Kolumne, mit der wir sechs Wochen beschäftigt waren, thematisierte das Thema „Boykott der WM“ und „Rote Karte für den Fußball“. Der AFFC-Aufruf trägt den Titel: „Lehnt es ab, die Weltmeisterschafts-Trophäe aus den blutbefleckten Händen des US-Imperiums entgegenzunehmen!“

Die Zahl der Opfer und die Kriegsverbrechen des faschistischen Kolonial- und Siedlungsstaates USA nehmen mit jedem Tag zu. Am ersten Tag der gegen den Iran gerichteten Operation „Epic Fury“ wurden 168 iranische Schülerinnen in Minab in ihren Klassenzimmern durch US-Raketen ermordet. Seitdem geht das Massaker an unschuldigen Menschen durch die imperialistischen Streitkräfte der USA unerbittlich und ohne das geringste Anzeichen von Reue weiter. Von der tödlichen Blockade gegen Kuba über die Invasion Venezuelas, den wiederaufgenommenen Krieg gegen den Iran, die US-Besetzung Haitis, die gewaltsame Ausbeutung der Ressourcen im Kongo bis hin zum andauernden Völkermord in Palästina – das Blut von Hunderttausenden Opfern des US-Imperialismus klebt an den Klauen des faschistischen Regimes der Vereinigten Staaten. Jede Woche begeht die US-amerikanische Gestapo – die ICE – neue Gräueltaten auf US-amerikanischem Boden.

Während die Fußball-Weltmeisterschaft in die Halbfinalrunde ging, ermordeten ICE-Schläger zwei Einwanderer-Väter: Johan Sebastián Guerrero in Maine und Lorenzo Salgado Araujo in Houston, einer Stadt, in der sieben Spiele der Weltmeisterschaft ausgetragen wurden. Diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit müssen Konsequenzen haben, und die Verantwortlichen müssen vor Gericht gestellt werden. Wir lehnen Straffreiheit als Reaktion auf die von den USA begangenen Kriegsverbrechen und systematischen Morde ab und sind entschlossen, jede Form der Normalisierung, Komplizenschaft oder Zusammenarbeit mit dieser offen faschistischen Agenda der globalen Vorherrschaft, die von den USA vorangetrieben wird, zu unterbinden.

Deshalb: Die Anti-Faschistische Fußball-Koalition (AFFC) fordert das Siegerteam der Weltmeisterschaft 2026 auf, die Entgegennahme des WM-Pokals aus den blutbefleckten Händen von Donald Trump und des US-Staates abzulehnen. Falls (und sobald) sich die FIFA weigert, Trump von der Zeremonie auszuschließen, fordert die AFFC sowohl das Siegerteam wie auch den Vizemeister auf, ihm die Hand zu verweigern, ihm den Rücken zuzukehren und ihn nicht am Hochhalten des Pokals teilhaben zu lassen.

Die Antifaschistische Fußballkoalition fordert, dass vor Beginn des Finales eine Schweigeminute zum Gedenken an die 168 Schülerinnen aus Minab eingelegt wird, die von US-Streitkräften ermordet wurden, sowie an die beiden Eltern mit Migrations-Hintergrund, die diese Woche von der ICE ermordet wurden. Bislang wurden während des Turniers sechs Schweigeminuten eingelegt und übertragen, um an die Opfer des Erdbebens in Venezuela, den Tod des südafrikanischen Fußballers Jayden Adams und die Opfer der Waldbrände in Südspanien zu erinnern. Die USA und die FIFA weigern sich, die Menschlichkeit der 168 Mädchen anzuerkennen, die sie selbst im Iran ermordet haben. Wir lehnen diese Geringschätzung nicht-weißen Lebens ab und fordern, dass ihr Andenken gewürdigt wird.

Die AFFC lässt sich nicht von den Taktiken der Angst, Unterdrückung und Neutralisierung einschüchtern, die die US-Regierung gegen diejenigen einsetzt, die bereit sind, dem Faschismus die Stirn zu bieten. Schließe dich dem Globalen Netzwerk an, während wir gemeinsam für menschenorientierte Menschenrechte kämpfen. (Aufruf-Ende)

Das Finale ist ebenso vorbei wie die Siegerehrung. Die Spieler haben den Rat der AFFC nicht befolgt, wahrscheinlich haben sie nie von diesem Aufruf erfahren. Doch nimmt die Ignoranz dem Aufruf nicht seine politische Richtigkeit, seine logische Konsequenz. Der Aufruf sollte eine Blaupause werden für alle kommenden gigantischen Sport- und Kultur-Events, die der Weltöffentlichkeit etwas vorgaukeln, was nicht der Wirklichkeit entspricht. Ein riesiges „LOVE“-Transparent wurde in der Halbzeitpause auf dem Rasen inszeniert – eine Unverschämtheit angesichts des täglichen Rassismus in den USA und dem Morden in aller Welt. „MAKE LOVE NOT WAR“ sangen die Hippies in den 1960er Jahren gegen den Vietnam-Krieg. Ein wenig könnten wir davon lernen. (borreruak2-baskultur)

ABBILDUNGEN:

(*) Tagespresse

(ERST-PUBLIKATION BASKUTLUR.INFO 2026-07-21)

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