telstreik1Kein Anschluss … 1973

Bis heute ist wenig bekannt, dass es auch während des Franquismus Streiks gab, die hart bestraft wurden. Zum Beispiel der in einer Stahlfabrik in Etxebarri wegen Entlassungen. Der Streik der Telefon-Frauen (Kabelfrauen) hatte seinen Ursprung vor fünfzig Jahren in Miraballes, Bizkaia. Es war der erste Telefónica-Streik während des Franco-Regimes, vorbereitet in einem Anruf-Zentrum in der Altstadt. Mit Entlassungen und Gewalt wurde er unterdrückt, die Zentrale wurde von gedungenen Schlägern zerstört.

Streiks während der franquistischen Diktatur konnten für die Streikenden Folgen auf Lebenszeit zur Folge haben. Die Härte des Regimes bekamen auch die Telefon-Frauen in Miraballes-Bizkaia zu spüren. 1973 verloren sie ihre Jobs.

Es geschah im Jahr 1973. Iñaki García Uribe war erst acht Jahre alt, aber er erinnert sich noch genau an die Ereignisse. Vor allem das Dröhnen der Vorschlaghämmer, mit denen in der Telefonzentrale gewütet wurde, hat sich in sein Gedächtnis eingebrannt. Die Tränen seiner Mutter und die verhaltene Wut seines Vaters, als er mit ansehen musste, wie das Gerät, das die hauptsächliche Einnahmequelle der Familie darstellte, in Stücke gehauen wurde.

Es waren drei Schlägertypen. "Einer von ihnen war dick, ein anderer von normaler Statur, und der letzte war dünn. Alle drei waren schon etwas älter. Sie wussten, was sie taten. Sie kamen rein, gaben keinerlei Erklärung ab. Sie gingen direkt zur Zerstörung über. In wenigen Sekunden war die Telefon-Zentrale von Miraballes (heute: Ugao-Miraballes in der baskischen Provinz Araba) völlig kaputt. Zerstört war auch ein Teil des Lebens von Garcia-Uribe.

telstreik2Was war der Grund? Iñaki ist überzeugt, dass es sich um eine Vergeltungs-Maßnahme gegen seinen Vater handelte, weil er während des Franco-Regimes den ersten Streik bei der Nationalen Telefon-Gesellschaft (Compañía Telefónica Nacional de España, CTNE) organisiert hatte. Iñaki, der Tabakhändler, wie er im Dorf genannt wird, hat ein umfangreiches Dossier mit Daten und Akten zusammengestellt, die diese Vermutung belegen. Kürzlich hat er in einem öffentlichen Akt die Telefone und Geräte, die vor dieser "Untat" gerettet wurden, der Stadtverwaltung gespendet.

Warum beschloss Iñakis Vater Javier García Rodrigo, der eine Konzession für Telefónica besaß, einen solchen Plan zu verwirklichen? Obwohl er eine komfortable Position hatte, vier Personen beschäftigte und das Geschäft gut lief. Und warum tat er es außerdem inmitten des erstickenden autoritären Klimas der franquistischen Diktatur? Warum ging er das Risiko ein? "Er war ein Romantiker und Idealist", erklärt sein Sohn Iñaki. "Er war überhaupt nicht einverstanden mit den Arbeitsbedingungen, die Telefónica den Arbeiterinnen auferlegte, den so genannten Kabelmädchen. Und er sah, dass die Modernisierung, die gerade stattfand, zu einer Welle von Entlassungen führen würde.

Javier García Rodrigo wurde, wahrscheinlich ohne es zu wissen, zum entschiedensten Verfechter dieser Berufsgruppe. Eine Tätigkeit, die Ende der 1980er Jahre in der postfranquistischen Demokratie endgültig verschwand und die Tausende von Telefonistinnen, die meisten von ihnen junge Frauen, arbeitslos machte. Bereits zwei Jahrzehnte zuvor hatte der Bereich durch die Automatisierung in der Telekommunikation den Todesstoß erhalten. Ein Beruf, der dank einer spanischen Fernsehserie, die ihn auf liebenswerte Weise porträtiert, in die Geschichte eingegangen ist.

Iñakis Vater war der Meinung, dass etwas getan werden musste. Die Dinge konnten nicht einfach so abgewickelt werden. Hinter den Arbeiterinnen steckten Menschen und Familien. "Er organisierte alles im Verborgenen. Er rief mehrere Telefon-Zentralen in ganz Spanien an, arrangierte sogar ein geheimes Treffen an einer Zapfsäule in Palencia (so hießen die Tankstellen damals), wohin er in einem Seat 600 fuhr", erzählt García Uribe. "Er wusste, dass er verfolgt wurde. Es waren düstere Zeiten, in denen gewerkschaftliche Aktivitäten verboten waren und Widerstand gegen die Staatsgewalt teuer bezahlt wurde. "Sie zapften seine Telefonleitungen an, aber er beschloss, weiterzumachen". Am Morgen des 29. Oktober 1973 fand der Streik statt. Die meisten Telefon-Zentren und Privat-Telefone im spanischen Staat blieben stumm für die vier Stunden, die für diesen ersten Protest festgelegt worden waren.

Nach der anfänglichen Überraschung wurde der Streik von derTelefónica-Führung und den Behörden des Regimes im Keim erstickt. Es wurden Entlassungen unterzeichnet und sofortige disziplinarische Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass die Arbeitsniederlegungen nicht verlängert oder wiederholt würden. Das Nachwort zu dieser Geschichte schließt mit dem bereits erwähnten Angriff auf die Telefon-Zentrale in Miraballes mit einem Vorschlaghammer. Das sollte das Ende der Angelegenheit sein. Die Familie Uribe-García musste ihren Lebensunterhalt auf andere Weise verdienen.

Die Telefon-Zentrale befand sich in der Altstadt, in der Calle Udiarraga 36, im ersten Stock. Sie war 1945 eröffnet worden, als das Telefon noch ein wahrhafter Luxus war. Die Nachbarinnen und Nachbarn gingen dorthin, um wichtige Anrufe zu empfangen oder zu tätigen. Anrufe, die ihr Leben veränderten. Wenn die Wände sprechen könnten, könnte man Liebesgespräche, Nachrichten über Hochzeiten, Todesfälle, Geburten hören. Ein nicht unwichtiger Teil der Geschichte der Familien der Gemeinde hat sich hier abgespielt. Ein Stück Erinnerung, welche das Rathaus nun dank der Spende von Iñaki, dem Tabakhändler, wieder in Händen hat.

"Was wir hörten, war Berufsgeheimnis"

telstreik3Charo Ortiz de Zárate begann 1970, im Alter von 14 Jahren, in der Telefon-Zentrale von Miraballes zu arbeiten. Seitdem ist mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen, aber Charo erinnert sich gerne an diese Zeit. "Wir hatten 400 Kunden und waren ziemlich beschäftigt, weil alle Anrufe über uns abliefen. Wir haben im Auftrag auch Nachrichten weitergegeben und Telegramme verschickt".

Das Komplizierteste waren die Telefon-Konferenzen, vor allem ins Ausland. "Wir mussten fünf oder sechs Stunden warten, bis wir nach Argentinien durchgestellt wurden, und mussten dafür viele Verbindungen durchlaufen. Geduld war das oberste Gebot. Immer wurde gesagt, dass die Kabel-Frauen viele Geheimnisse kannten, weil sie Gespräche mithören konnten. "Wir waren sehr diskret und professionell. Wenn wir, aus welchem Grund auch immer, etwas mitbekamen, worüber gesprochen wurde, haben wir das nie jemandem verraten. Es war ein Berufsgeheimnis und das haben wir strikt eingehalten."

Charo erzählt, dass sie von den Kund*innen “im Allgemeinen sehr freundlich behandelt wurden. Einige schicken uns sogar Pralinen oder Lotterielose". Charo wurde arbeitslos, als diese unbekannten Kaputtmacher die Telefon-Zentrale zerstörten. "Ich habe geheiratet und hatte nie wieder eine feste Arbeit. Wir wurden zu Sündenböcken gemacht, um alle Kabel-Frauen im Land zu bestrafen, damit niemand mehr streiken sollte".

ANMERKUNGEN:

(1) “La revuelta de las chicas del cable empezó en Miraballes” (Der Aufstand der Telefon-Frauen begann in Miraballes), El Correo, Autor: Josu García, 30. Oktober 2023 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) Telefonistinnen (adurcal)

(2) Telefon-Zentrale (elcorreo)

(3) Ex-Telefonistinnen (elcorreo)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2023-10-30)

Für den Betrieb unserer Webseite benutzen wir Cookies. Wenn Sie unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, akzeptieren Sie unseren Einsatz von Cookies. Mehr Information