zorrotz1Oteizas Insel-Traum

Rückblick auf das Bilbao der 1990er Jahre. Die Stadt hatte mit der Euskalduna-Werft ihr wichtigstes Stück Industrie verloren. Die Politik setzte auf Tourismus, man hatte den Zuschlag für ein futuristisches Museum in der Tasche, das Gebäude war bereits im Bau. Auf der zum Stadtteil Deustu zählenden künstlichen Halbinsel Zorrotzaurre zog der industrielle Niedergang ebenfalls seine Kreise, neue Ideen waren gefragt. Der Bildhauer Jorge Oteiza machte sich mit der Kreativ-Werkstatt Arteleku an die Arbeit.

“Die Insel, die Oteiza für Bilbao erträumte“ – Mit einer multi-kreativen Gruppe machte sich Jorge Oteiza in den 1990er Jahren auf die Suche nach einem Konzept für die bilbainische Industrie-Insel Zorrotzaurre. Der Plan verschwand in Schubladen, ist jedoch unvergessen.

Drei Jahrzehnte danach: Eine Ausstellung auf der Architektur-Biennale Euskadi zeigte im November 2023 das urbanistische Projekt, das der baskische Bildhauer Jorge Oteiza innerhalb der Kreativ-Werkstatt Arteleku 1994 mit einer Gruppe von Studierenden als Alternative für die Umwandlung der niedergehenden Industrie-Insel Zorrotzaurre realisierte. (1)

Kreativ-Werkstatt Arteleku

Arteleku war ein Kunstzentrum, das 1987 von der Provinz-Regierung von Gipuzkoa gegründet wurde und 2014 seine Tätigkeit einstellte, das damals einzige Zentrum dieser Art im Baskenland. Gegründet mit dem Ziel, auf die Bedürfnisse der Zeit zu reagieren, war die Arbeit von Anfang an auf Experimentieren, künstlerische Praxis und Produktion ausgerichtet, Kunsterziehung stand im Mittelpunkt. Arteleku war ein Ort, an dem Künstler*innen gemeinsam arbeiten und voneinander lernen konnten. Gleichzeitig war es ein Ort, an dem aktuelle Themen über verschiedene Wissensgebiete in Workshops, Seminaren und Konferenzen vertieft wurden, mit dem Ziel, dieses Wissen zu sozialisieren und zu veröffentlichen, was durch Publikationen und die Zeitschrift “Zehar“ (Durch) geschah. Nach seinem Ende 2014 wurden die Hinterlassenschaften von Arteleku in einem digitalen Archiv gespeichert, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. (2)

Zorrotzaurre – die Spitze davor

zorrotz2Der Name Zorrotzaurre ist baskisch, einen spanischen Begriff gibt es dafür nicht. Um einen entsprechenden Eindruck zu wecken, wird in der spanischen Presse lediglich der Buchstabe “t“ vor dem zweiten “z“ weggelassen (Zorrozaurre). “Zorrotz“ bedeutet “spitz“ und “aurre“ bedeutet “davor“. Der Name kommt nicht von ungefähr – die Spitze vor wem oder was? Vor dem Bilbo-Stadtteil Zorrotza, der sich durch eine spitze Form auszeichnet und die Spitze von Zorrotzaurre fast berührt. Was sich bis ins Jahr 2015 als Halbinsel darstellte, war bis in die 1950er Jahre nichts als ein Landstück des Industrie-Stadtteils Deustu (Deusto). Links (westlich) führte der Nervion-Fluss vorbei, hier lagen das Barrio Olabeaga und seit der Jahrhundertwende die große Euskalduna-Werft, der Fluss war nur beschränkt befahrbar. Das sollte sich ändern.

Die Kanal-Idee

1922 wurde zum ersten Mal ein Plan diskutiert, mit einem künstlichen Kanal den südlichen Teil von Deustu abzuschneiden und so eine Insel zu schaffen: geboren war die Idee des Kanals von Deusto. Doch in Wirklichkeit ging es darum, den Lauf des Nervión in diesem Abschnitt komplett zu verändern, sein natürliches Bett zuzuschütten und einen geraden Kanal zwischen Erandio und der Werft zu bauen. Eine 100 Meter breite Fahrrinne sollte geschaffen werden, die bei Niedrigwasser (Ebbe) einen Tiefgang von 7 Metern aufweisen und die Durchfahrt für Schiffe mit einer Ladung von 10.000 Tonnen ermöglichen sollte – eine Strukturveränderung von gigantischen Ausmaßen.

Doch der Plan scheiterte kläglich. Zwar wurde er 1928 genehmigt, 1935 und 1941 korrigiert, um ihn an neue Gegebenheiten anzupassen. Die Arbeiten für den Deusto-Kanal wurden erst 1950 (im Franquismus) begonnen, Pläne für eine Eisenbahnlinie wurden ad acta gelegt, die Ideen von Flussbegradigung und Insel ebenfalls. Was blieb war ein Kanal, der 1968 als abgeschlossen betrachtet wurde, ohne vollendet zu sein: der Deusto-Kanal diente als inneres Hafenbecken, eine Nutzung, die weit von den ursprünglichen Plänen entfernt war. Es entstanden zwei neue jeweils 400 Meter lange Uferreihen, an denen sich verschiedene industrielle Aktivitäten konsolidierten, die mit der Hafentätigkeit verbunden waren, sowie andere produktive Nutzungen. Für die Schiffbarkeit vor der Werft änderte sich nichts. (3)

Mitte der sechziger Jahre erlebte die nunmehr Halbinsel Zorrotzaurre durch die unvollendete Eröffnung des Kanals einen industriellen Aufschwung, die Wirtschaftskrise der 1970er Jahre wirkte sich jedoch auf die gesamte vorherige Entwicklung aus und führte zu deren Niedergang. Ein Teil der industriellen Tätigkeit wurde aufgegeben, der Lebensstandard wurde durch die Überalterung der Gebäude, der öffentlichen und privaten Räume beeinträchtigt. (4) 1986 wurde auf europäischen Druck und gegen den erbitterten Widerstand der Arbeiterschaft und der Gewerkschaften die moderne Euskalduna-Werft geschlossen – ein zusätzlicher Tiefschlag für die Halbinsel. Die Frage nach der Zukunft stellte sich deutlicher denn je, neue Ideen waren gefordert.

Oteizas Zorrotzaurre-Plan

Anfang der neunziger Jahre hatte die Stadt Bilbo von Seiten der Guggenheim-Foundation in New York den Zuschlag für ein modernistisches Museum erhalten, das auch schon im Bau war und 1997 eröffnet werden sollte. In dieser Zeit entwickelte eine Gruppe von Architektur-Studierenden bei Arteleku ein Projekt für die städtebauliche Sanierung von Zorrotzaurre und seine Umgestaltung in eine Art Kulturraum. Ziel war es, dieses Projekt bei einem Ideen-Wettbewerb einzureichen, der von der Thyssen-Industrie-Gruppe und einer Banken-Stiftung mit Unterstützung der Stadtverwaltung von Bilbo veranstaltet wurde. Die rastlosen jungen Leute wandten sich an den legendären Bildhauer Jorge Oteiza, der seine besondere städtebauliche Vision als Vorschlag einbrachte, der schließlich nicht ausgewählt wurde. (1) Oteiza war im Übrigen einer der schärfsten Kritiker des neuen Museums-Konzepts.

zorrotz3In den folgenden drei Jahrzehnten ist Zorrotzaurre von einer Halbinsel tatsächlich zu einer Insel geworden. Teile des Masterplans von 2003 und 2007, den die 2016 verstorbene irakisch-englische Architektin Zaha Hadid einst erarbeitet hatte, werden umgesetzt. 2023 ist jenes alte, damals verworfene Projekt wieder aufgetaucht, zwei ehemalige Mitglieder des Kollektivs haben daraus eine Ausstellung gemacht: der Designer Santos Bregaña (Pamplona, 1965) und der Architekt Emilio Varela (Donostia, 1965).

Die Ausstellung trug den Titel "Oteiza in Bilbao. 1994. Die unbewegliche Stadt. Die Planung der Insel Zorrozaurre", sie war vom 6. bis 21. November 2023 in der Bizkaia-Delegation des baskisch-navarrischen Architekten-Verbandes COAVN zu sehen und ist Teil der Aktivitäten, die der Verein Bilbao Metrópoli 30 in seinem Vorschlag "Die Flussmündung als strategische Achse für den Wiederaufbau, die Sanierung und das Überdenken des städtischen Großraums" vorstellte. Es handelt sich um eines von neun Projekten, die für die Internationale Architektur-Biennale Mugak von Euskadi ausgewählt wurden, die im Herbst 2023 in den drei baskischen Hauptstädten stattfand.

Die Ausstellung zeigte die Elemente des bei Arteleku von der Studier-Gruppe durchgeführten Projekts, an dem neben Bregaña und Varela auch Mikel Enparantza, Bakarne Iturrioz, Javier Pérez und Javier Zunda maßgeblich beteiligt waren. Die Leitung lag bei den Brüdern Iñaki und Jon Begiristain, sie organisierten die Treffen, das Programm von Ramón Zallo und die Beratungen mit Iñaki Zubizarreta. Der Bildhauer Jorge Oteiza fungierte als wachsames Auge und Berater. Um es vorweg zu nehmen: Der Plan "war völlig anders als die anderen. Wo die anderen von Plätzen sprachen, schlugen wir Leerräume vor".

In die Versenkung

"Iñaki Zubizarreta kontaktierte Jorge Oteiza im Rahmen des Wettbewerbs, bei dem es darum ging, die Halbinsel Zorrotzaurre zu öffnen, die Land-Verbindung zu entfernen und sie in eine Insel zu verwandeln", erklärt Santos Bregaña, der zusammen mit Varela in den letzten dreißig Jahren die Materialien aufbewahrt hat, die während des gesamten Prozesses entstanden sind. Seiner Meinung nach ist das Projekt in jener Zeit stecken geblieben, weil in der damaligen Gruppe von einem Dutzend jungen Leuten mit ungleicher Beteiligung Uneinigkeit herrschte".

Bregaña erinnert daran, dass "Oteiza nach seinen Projekten für Alhóndiga (ehemaliges städtisches Weinlager, heute Kulturzentrum) und Sabin Etxea (Geburtshaus von Sabino Arana, heute Sitz der PNV-Partei im Zentrum) bereits zum dritten Mal in Bilbo in Erscheinung tritt". Dabei handelt es sich nicht um einen architektonischen, sondern um einen städtebaulichen Vorschlag. Um ihn zu verwirklichen, stellte der damalige Direktor von Arteleku, Santi Eraso, der Gruppe einen Raum und einige Mittel zur Verfügung. "Oteiza kam einmal pro Woche oder alle zwei Wochen, gab uns Anweisungen, danach gingen wir zum Mittagessen". "Als er dazu kam, gab es einen Aufruhr unter den Künstlern im Zentrum“, fügt Varela hinzu". Im Jahr 1994 war der Bildhauer aus Orio bereits 86 Jahre alt. Aber sowohl Bregaña als auch Varela sind sich einig, dass "wir viel von seinen Ratschlägen gelernt haben". Einigkeit auch in einem anderen Punkt: "Die grundlegenden Ideen des Projekts stammen von ihm".

Die unbewegliche Stadt

zorrotz4Der Name "Die unbewegliche Stadt" stammt aus Oteizas Werk, genauer gesagt aus dem Buch über die Interpretation der Steinzeit, das er in Kolumbien geschrieben hat. "Wir haben uns an diesem Konzept orientiert, um es auf die Insel Zorrotzaurre anzuwenden". Der Architekt aus San Sebastián ist auch der Meinung, dass die seither vergangene Zeit die Relevanz eines Vorschlags unterstrichen hat, der bereits 1994 "völlig anders war als die anderen. Wo die anderen von Straßen sprachen, sprachen wir von Wegen, und wo sie Plätze vorschlugen, schlugen wir Leerräume vor. Es war ein anderes Konzept, das die gesamte 'Oteiza-Welt' einbezog. Jahre sind vergangen, aber für uns war das Projekt schon damals interessant und ist es weiterhin wegen der Debatten, die darin enthalten sind. Heute mehr als früher.“

Die "Unbewegliche Stadt" hatte ein Kultur-Programm, für dessen Ausarbeitung Ramón Zallo verantwortlich war. "Er schlug vor, einen Kulturpark zu bauen", erzählt Emilio Varela. "Die Gebäude, die wir für Zorrotzaurre vorschlugen, mit einer gewissen Relevanz und strategisch an den Endpunkten der Insel gelegen, sollten eine kulturelle Bestimmung haben", darunter eine Universität. "Das Programm war jedoch so ehrgeizig und umfangreich, dass es unser Projekt ein wenig überstieg". (1)

Diese kulturellen Infrastrukturen sollten ihre Basis in der Universität und der Technologie haben, "als noch große Unsicherheit über die Zukunft herrschte", so Bregaña. "Deshalb gehen wir davon aus, dass das Projekt weiter relevant ist, weil es aktuelle Aspekte wie Ökologie und Mobilität berücksichtigt. Als Architekt weist Varela darauf hin, dass das Entwicklungsprojekt Zorrotzaurre "eine Rückgewinnung des ‘natürlichen Gebiets‘ eines über-ausgebeuteten Flusses war. Das hat uns Oteiza vorgeschlagen, und wir haben es in gewisser Weise übernommen".

Notizbuch der Oteiza-Stiftung

Varela und Bregaña sprachen mit einigen anderen Mitgliedern jener Gruppe, die "sehr vielfältig war, auch der Grad der Beteiligung war unterschiedlich: manche tauchten nur einmal auf, andere waren mehr oder weniger beteiligt". In den letzten Jahren war es Varela, der die gesamte Dokumentation zusammengesucht hat, um das Notizbuch 10 der Oteiza-Stiftung zu erstellen. "Beide hatten wir Materialien von dieser Arbeit. Es gibt sogar ein Tonmodell von Oteiza, das noch niemand gesehen hat, das wir in der Ausstellung zeigen und das wir derzeit als Leihgabe der Stiftung überlassen haben. Dabei handelt es sich nicht um eine Skulptur, sondern um ein Modell, das mit einem Nudelholz hergestellt wurde. Es stellt die Insel in der Vision eines Bildhauers dar und wird das Herzstück der Ausstellung sein", erklärte der aus Navarra stammende und in Donostia lebende Designer. Die Ausstellung enthielt auch Computergrafiken, Fotos, Pläne und Faxe, die der Bildhauer selbst geschickt hatte.

"Bilbo: gut gemachte Dinge, aber auch Verluste"

Über das heutige Bilbao versichert Emilio Varela: "Über San Sebastian hinaus zu sehen und eine andere Umgebung, eine andere Landschaft, ein anderes Größenverhältnis zu sehen, erscheint mir positiv." Santos Bregaña bekräftigt, dass "es Dinge gibt, die sehr gut gemacht sind und die wir hierher bringen müssen, um diese ganze künstliche Kontroverse zwischen den beiden Städten zu beseitigen". Seiner Meinung nach "sollten wir mit Interesse auf Bilbao schauen, weil dort viele Dinge passieren".

Die Zukunft der Stadt liege im Übergang von der Industriestadt zur Dienstleistungsstadt. "Es gibt sehr positive Aspekte, aber auch große Verluste, zum Beispiel im Bereich Produktion und Industrie, was in diesem Land eine Tragödie ist. Ich denke, man hätte eine Formel finden müssen, um beide Aktivitäten zu verbinden. Ich weiß nicht, wie wir davon überzeugt werden konnten, dass alles abgebaut werden muss ... und jetzt stellt sich heraus, dass dieselben Leute sagen, dass diese Aktivität wiederhergestellt werden muss.“

Sonderplan Stadtentwicklung Zorrotzaurre

Am 29. November 2012 beschloss der Stadtrat von Bilbao die endgültige Genehmigung eines Sonderplans zur Stadtentwicklung von Zorrotzaurre. Dieser Sonderplan basiert auf dem von der renommierten anglo-irakischen Architektin Zaha Hadid (Pritzker-Preis 2004) entworfenen Masterplan, in den während des Entscheidungs-Prozesses die verschiedenen Beiträge von Anwohner*innen, Verbänden und politischen Parteien eingeflossen sind. Auf diese Weise soll auf einer Gesamtfläche von fast 84 Hektar (davon 609.110 Quadratmeter auf der künftigen Insel) ein Ort zum Leben, Arbeiten und für Freizeit geschaffen werden. Neunzehn alte Industriegebäude, die über das gesamte Gebiet verteilt sind, sollen erhalten bleiben, um sie einer neuen Nutzung zuzuführen. (5)

zorrotz5Das Hauptelement des Plans bestand darin, Zorrotzaurre durch die Öffnung des Kanals in eine Insel zu verwandeln. Ausgehend von dieser Idee versucht das gesamte Projekt, den Inselcharakter in vielerlei Hinsicht zu verstärken: der neue Kanal, die in Promenaden umgewandelten Ufer, die an den Kanal angrenzenden Nutzungen (Grünflächen, Schule, Sport- und Kultureinrichtungen) sowie die Anordnung der Wohngebäude auf Flächen, die quer zu Fluss und Kanal stehen, so dass immer ein Blick auf das Wasser möglich ist. Zwei Drittel des neuen Zorrotzaurre werden öffentlich genutzt, darunter 154.066 qm für Freiflächen und 93.537 qm an Grundstücken für öffentliche Einrichtungen (Bildung, Gesundheit, Sport und Kultur).

Die künftige Nutzung ist aufgeteilt in Wohnungen, Büros, Geschäfte sowie öffentliche und private Einrichtungen, die eine ausgewogene Stadtentwicklung und eine Verringerung der Mobilität begünstigen soll. Um eine angemessene Nutzungsmischung zu erreichen, sind 25% der geplanten Gebäude auf wirtschaftliche Aktivitäten ausgerichtet. Der Plan sieht den Bau von 5.473 Wohnungen (die Hälfte davon VPO oder subventioniert, die andere Hälfte frei) und 202.129 qm für Wirtschafts-Aktivitäten vor. Beabsichtigt ist die Schaffung von rund 6.000 Arbeitsplätzen.

Das künftige einfache Straßennetz basiert auf einer zentralen Allee mit breiten Bürgersteigen, einer Fahrradspur mit Straßenbahn. Zu den Inselspitzen gibt es Brücken für den einfachen Zugang zur und von der Insel. Eine dritte bewegliche Brücke soll mit Zorrotza am anderen Ufer verbinden, um die Schiffbarkeit des Flusses bis zum Meeres-Museum zu gewährleisten. Über eine vierte Brücke kommt die Straßenbahn aus der Innenstadt.

Manche Stimmen bestehen bis heute darauf, dass die Neubebauung der Ex-Halbinsel und jetzt Insel Zorrotzaurre weiterhin dem Masterplan der Architektin Sara Hadid von 2003 folgt. Allerdings war das erste Miniaturmodell von Hochhäusern nur so gespickt. Von diesem Bild ausgehend war es naheliegend, dem Ganzen in arroganter Manier den inoffiziellen Untertitel “Manhattan von Bilbao“ zu verleihen, ganz in der Tradition der “Architekturstadt“ mit dem “Guggenheim-Effekt“. Der Stadt wurde im Baskenland schon lange Großkotzigkeit oder Größenwahn nachgesagt – von Manhattan ist heute nirgendwo mehr die Rede, außer in alten Pressearchiven. Auf Zorrotzaurre sollte das neue Fußball-Stadion gebaut werden (das heute gegenüber auf der anderen Seite des Flusses steht). Dazu eine Serie weiterer Skyscraper, an die sich niemand mehr erinnern will. Zaha Hadid hatte nicht vier sondern 12 Brücken vorgesehen. Doch all das sind Nuancen, die gerne vernachlässigt werden.

Die Fertigstellung des Deusto-Kanals hingegen, hundert Jahre nach seiner ersten Planung, diente am Ende nicht einer Nutzung für Hafenzwecke, sondern der zumindest teilweisen Rückeroberung von ehemals industriell genutzten Flächen und der städtischen Modernisierung Bilbaos. Wer in den fast 5.500 neuen Wohnungen auf Zorrotzaurre leben soll, ist allerdings noch unklar.

ANMERKUNGEN:

(1) “La isla que Oteiza soñó para Bilbao” (Die Insel, die Oteiza für Bilbao erträumte) Tageszeitung El Correo, Autor: Alberto Moyano, 2023-08-11 (LINK)

(2) Arteleku (LINK)

(3) “El largo siglo de apertura del canal de Deusto“ (Das lange Jahrhundert der Eröffnung des Deusto-Kanals) El Correo, 2021-03-17 (LINK)

(4) Zorrotzaurre – Zorrozaurre, Wikipedia (LINK)

(5) “Plan Especial de Ordenación Urbana de Zorrotzaurre” (Sonderplan Stadtentwicklung Zorrotzaurre (LINK) 

ABBILDUNGEN:

(1) Zorrotzaurre-Plan (elcorreo)

(2) Jorge Oteiza (elcorreo)

(3) Kanalbau 1950er (elcorreo)

(4) Oteiza-Tonmodell (elcorreo)

(5) Zorrotzaurre (construible)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2023-12-26)

 

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