Friede den Hütten
Weihnachten in Valencia, wo der Schlamm noch fußhoch steht. Weihnachten in Gaza, wo weiter Bomben fallen wie Sternschnuppen. Weihnachten in Bilbao, wo 500 Obdachlose verzweifelt einen trockenen Platz für die Nacht suchen. Schon alle Weihnachtsgeschenke besorgt? Black Friday in der Innenstadt. Alles billiger! Nimm drei – Zahl zwei! Kaufrausch-Rennen zum Betäuben künstlicher Konsumwünsche. Nie waren so viele flimmernde Lichter in den Straßen von Bilbao montiert, was sind wir alle doch glücklich.
Das baskische Wort Abendua für Dezember hat mit dem deutschen Abend nichts zu tun. Dennoch bedeuten beide eine Art von Ende, des Jahres, des Tages. Abendua der dritte ist der Tag der baskischen Sprache.
(2024-12-30)
ARMUTS-LÖHNE
76% der Arbeitnehmer unter 29 Jahren in der Region Baskenland (Araba, Bizkaia und Gipuzkoa) verdienen weniger als 1.500 Euro im Monat. Um eine von der baskischen Regierung geförderte Wohnung zu erwerben, muss der Personensektor zwischen 18 und 34 Jahren 64% des Gehalts für die Zahlung einer Hypothek aufwenden. Zum Leben bleibt da wenig.
Diese Daten stammen aus dem Bericht ”Die Jugend in Euskadi auf dem Arbeitsmarkt. Analyse der Erhebung 2023“, der vom Baskischen Jugend-Observatorium erstellt wurde. 41,8% der im Jahr 2023 befragten 16- bis 29-Jährigen waren erwerbstätig, 6,4% waren aktiv auf der Suche nach einem Arbeitsplatz und 51,8% waren nicht erwerbstätig, weil sie mit einem Studium beschäftigt waren. Die Beschäftigung hat in den letzten Jahren zugenommen, denn 2019 lag die Beschäftigungsquote noch bei 38,4%. Der Anteil der Arbeitslosen ist ebenfalls um drei Punkte gesunken.
Die Studie zeigt, dass die Beschäftigung unter jungen Menschen ungleich verteilt ist, vor allem je nach Altersgruppe. Die unter 25-Jährigen sind mit dem Studium beschäftigt, mit zunehmendem Alter treten sie in den Arbeitsmarkt ein. Betrachtet man die ausgeübte Beschäftigung, so waren acht von zehn, die im Jahr 2023 arbeiteten, in privaten Unternehmen beschäftigt, ein ähnlicher Prozentsatz wie in den Jahren 2019 und 2021, die meisten davon im Dienstleistungssektor (77,6%). Drei von vier jungen Lohnempfängern waren Vollzeitbeschäftigte (73,8%). Der Anteil derer mit unbefristetem Arbeitsvertrag ist von 2021 bis 2023 deutlich gestiegen, um gut 15 Prozentpunkte. Im Jahr 2023 hatten 61% der jungen Erwerbstätigen einen unbefristeten Arbeitsvertrag, da das Gesetz von 2021 über dringende Maßnahmen zur Reform des Arbeitsmarktes in Kraft trat.
Was die Löhne betrifft, so gab ein knappes Viertel der Befragten an, über ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als 1.500 Euro zu verfügen (23,9%). Wie in den Vorjahren nehmen nur wenige junge Leute eine Führungsposition in Unternehmen ein (2,1%). Der Anteil der arbeitslosen Jugendlichen, die seit mehr als einem Jahr auf Stellensuche waren, sank dagegen auf 34,9%. Drei von vier arbeitslosen Jugendlichen im Jahr 2023 hatten bereits Berufserfahrung, aber nur eine Minderheit von ihnen bezog irgendeine Art von Leistung, Beihilfe oder finanzieller Unterstützung (17,9%). Die Mehrheit war der arbeitslosen Jugendlichen war bei Lanbide (bask. Arbeitsamt) als Arbeitssuchende registriert (83%).
Ungleichheit zwischen Männern und Frauen
Ein bemerkenswerter Aspekt der neuen Studie sind die bestehenden Ungleichheiten zwischen jungen Männern und Frauen. Im Jahr 2023 ist der Prozentsatz junger Männer, die arbeiten, höher als der von Frauen (45,1% gegenüber 38,3%). Bei den Frauen ist diese höhere Nichterwerbsquote vor allem auf ihre stärkere Präsenz in der Hochschulbildung zurückzuführen. Junge erwerbstätige Frauen hatten eine geringere Qualität von Beschäftigung: Sie hatten einen höheren Anteil an befristeten Verträgen und Teilzeitarbeit. Außerdem war der Anteil der jungen Männer, die mehr als 1 500 Euro im Monat verdienten, vier Prozentpunkte höher als der bei Frauen.
Jungen Männer sind eher selbstständig oder als Angestellte in privaten Unternehmen, junge Frauen mehr in der Verwaltung. Frauen arbeiteten häufiger als Männer im Dienstleistungssektor und weniger in der Industrie oder im Baugewerbe. High-Tech-Arbeitsplätze waren bei Männern häufiger anzutreffen als bei jungen Frauen.
Emanzipation
Diese zweite von der Baskischen Beobachtungsstelle für die Jugend veröffentlichte Studie analysiert die Kosten einer eigenen Wohnung. Dem Bericht zufolge mussten Personen zwischen 18 und 34 Jahren im Jahr 2023 64% ihres Gehalts für die Zahlung einer Hypothek und 49,5% für die Miete aufbringen. Die Lohnunterschiede zwischen jungen Männern und Frauen erschweren Frauen die Unabhängigkeit aus eigener Kraft.
(2024-12-29)
BASKISCHE SPIELE OHNE BASKEN
Pelota, oder Pelota Vasca, ist ein Ballspiel, das im Baskenland entwickelt wurde. Doch in internationalen Verbänden waren die Basken nicht zugelassen: Niemand kann erklären, warum Pelotaris (Pelota-Spieler*innen) nicht das Land vertreten sollten, das ihren Sport hervorgebracht hat. Dieser Widerspruch hat nun ein Ende. Denn der Internationale Pelota-Verband, der in einer ordentlichen General-Versammlung in Iruñea tagte, hat gestern die historische Forderung des baskischen Verbandes akzeptiert, in diesem Forum Vollmitglied zu werden.
Im Prinzip sollte dieser Schritt auf der Grundlage des staatlichen Sport-Gesetzes die Tür zur Anerkennung der baskischen Pelota-Teams öffnen. Denn es ist absurd, dass baskische Sportler ihr Volk nicht offiziell bei internationalen Wettkämpfen vertreten können. Nicht einmal in dem Sport, den ihre Vorfahren erfunden haben, dem baskischen Pelota.
Gesellschaftliche Forderung, diskrete Arbeit
Für die Teilnahme-Blockade sorgten bisher spanische Verbände in internationalen Föderationen, indem sie baskische Aufnahme-Anträge auf allen Ebenen ablehnten. Als Gegenleistung für die baskische Zustimmung zum Staatshaushalt hatte die Sanchez-Regierung nun ein neues Sport-Gesetz verabschiedet, in dem die Möglichkeit einer Doppelmitgliedschaft – baskisch, spanisch – eingeräumt wurde. Die spanische Ultrarechte läuft dagegen Sturm. So war die Sitzung in Pamplona nach ihrem Ende noch nicht wirklich beendet. Vetos wurden angekündigt, die regionalistische Ultrapartei UPN übernahm die Speerspitze, indem sie sich als Vertreterin des spanischen Verbandes aufspielte. Ihr Argument: das habe nichts mehr mit Sport zu tun, sondern sei eine unzulässige Politisierung der Angelegenheit – als wäre das Veto keine politische Angelegenheit. Auf dem Spiel steht die Teilnahme der baskischen Selekzioa-Auswahl an der Pelota-Weltmeisterschaft 2026 in Argentinien. Erinnerungen an die letzte Generalversammlung im Juli 2023 in Mexiko-Stadt wurden wach. Damals sollte über den jetzt erfolgreichen Antrag debattiert und abgestimmt werden, doch durch spanischen Druck gelang es, diesen Versuch zu sabotieren. Einmal mehr verzögerten und neutralisierten die spanischen Vertreter, was sie zuvor mit den baskischen Vertretern vereinbart hatten.
Doch mittlerweile einigten sich PNV und PSOE im Jahr 2022 auf den offiziellen Status der baskischen Auswahl-Teams in Pelota, Herri Kirolak (Landsport) und Surfen als Sportarten mit tiefen "historischen und sozialen Wurzeln" in Euskal Herria. Das Sportgesetz griff diese Vereinbarung auf, als Voraussetzung gilt nur die Genehmigung der internationalen Verbände oder, wie im Fall von Surfen, dass der baskische Verband Mitglied war bevor der spanische die Aufnahme beantragte.
Die Ultra-Manöver, um das Abkommen zu kippen, wurden 2023 in Mexiko praktiziert, dieser Fehler wurde nun rückgängig gemacht. Die Ernennung einer Baskin zur Vizepräsidentin des Internationalen Verbandes war ein kluger Schachzug. Ebenso wie die Kampagne für eine baskische Auswahl, an der Dutzende Pelotaris von beiden Seiten der Bidasoa beteiligt waren.
Es scheint, dass der Präsident des Internationalen Verbandes, Xavier Cazaubon, die Argumente beherzigt hat, dass es im Falle einer Minderheiten-Sportart schlecht für den Sport und seine internationale Entwicklung wäre, die legitime Teilnahme baskischer Sportlerinnen und Sportler mit ihren Teams zu blockieren.
Ein ernstes Spiel
Dennoch bleibe Hindernisse und Risiken. Die Reduzierung der baskischen Auswahl auf die Autonome Gemeinschaft Baskenland (ohne Nafarrioa und Iparralde) ist ein Problem, dessen sich die baskische Seite bewusst ist und das den Sportler*innen und den Unterstützer*innen Sorgen bereitet. Denn die gegnerische Seite ist noch im Spiel, und sie wird nicht zögern, alle schmutzigen Tricks einzusetzen. Sport wird im schlimmsten Sinne des Wortes von denjenigen politisiert, die den Sportlern die freie Entscheidung verweigern, unter welcher Flagge sie antreten wollen, mit welcher sie sich identifizieren. Die Gegner verschleiern ihre politische Arroganz und Überheblichkeit mit bürokratischen Ausreden.
Euskal Herria ist eine Nation, ihre Sportler sollten das Recht haben, in ihrem Namen anzutreten, ihre Mitglieder sollten sie anfeuern, der Sport sollte mit diesem Beitrag bereichert werden. Fairplay im Sport ist das demokratische Spiel, wer es nicht akzeptiert, neigt zum Betrug, um die einfachsten Fragen nicht beantworten zu müssen: Warum sollt ihr das Recht der Mitgliedschaft haben und warum wir nicht?
(2024-12-28)
DAS KRIMINELLE ETA-OPFER
Wenn jemand stirbt, neigen wir dazu, sein Leben in großzügiger Weise neu zu lesen, schlechte Erinnerungen auszulöschen und Tugenden hervorzuheben. Wenn die Todesursache ein Mord war, ist es besonders schwierig, über Defizite des Toten zu sprechen. Doch manchmal ist es unvermeidlich. Sein Name war Pedro Pardo, ETA tötete ihn am 26. Dezember 1984. Seine Tochter erzählte in einem Buch von der Hölle des Lebens, die der Vater seiner Familie bescherte. Nach dessen Tod war sie dennoch ehrlich. “Es fällt nicht leicht, das zu sagen, aber für mich war es eine Befreiung.“
“Miguel Castellanos Escamilla, 47 Jahre, aus einem Dorf in Barcelona, wurde gestern Abend um 19.15 Uhr in Bermeo von zwei jungen Männern erschossen“. So stand es am nächsten Tag in der Chronik. Miguel Castellanos war verheiratet und hatte vier Kinder. Er soll seit zehn Jahren in Bermeo gelebt haben. In Wahrheit war Castellanos ein Mann aus Barcelona, dem ein gewisser Pedro Pardo, die Identität geraubt hatte. Pardo war als Krimineller bekannt als “Der Schläger“, aus einer Straßenhändler-Familie.
Als die Familie noch in Katalonien lebte, hatte sie mit Delinquenten zu tun und wohnte in einem Block, in den sich nicht einmal Ärzte wagten. Das Strafregister des Vaters war lang und umfasste Einbrüche in Juwelierläden und Hauseinbrüche, bei denen er seine Fähigkeiten im Umgang mit Messer und Pistole unter Beweis stellte. Im Gefängnis La Modelo ging er ein und aus. Seit sie 7 Jahre alt war gewöhnte sich die Tochter daran, ihn im Gefängnis zu besuchen. “Ich erinnere mich, dass wir immer durchsucht wurden, durch viele Türen gehen mussten, um in den Hof zu gelangen. Meine Mutter zwang uns zu sagen, ihr Mann sei im Krankenhaus“.
Winter 1976 zog die Familie nach Bermeo und Pedro Pardo änderte seine Identität, um der Polizei die Verfolgung zu erschweren. Er war zu einem gefürchteten und gewalttätigen Drogenhändler geworden und machte auch seine Kinder zu Dealern, um selbst halbwegs sauber zu bleiben. Er verdiente sein Geld mit Drogen und gehörte auch zu denen, die nach Artxanda fuhren, nächtliche Paare in Autos ausraubten und manchmal die jungen Frauen vergewaltigte. Das erzählte seine Tochter in einer realistischen Biografie mit dem Titel “Kein Wort mehr“.
Pedro Pardo kaufte unter der falschen Identität von Miguel Castellanos die Bar Gurea Da in Bermeo und übernahm von dort aus die Kontrolle über den Heroin-Handel der Gegend. Er war 47 und ETA drohte ihm. Doch es war nicht leicht, den Mann einzuschüchtern. Er wollte abhauen, dazu blieb keine Zeit mehr.
Im Dezember 1984 betraten abends zwei ETA-Mitglieder die Bar und bestellten. Pardo mit Frau und Tochter befanden sich in der Bar, auch andere Familienmitglieder. Einer der ETA-Leute schoss dem Besitzer zweimal ins Gesicht. Sie flüchteten in einem Fahrzueg. Einer der Täter war laut einem Urteil von 1987 nicht nur Mitglied von ETA, sondern auch Gemeindepolizist in Bermeo. ETA beschuldigte Pardo, Drogenhändler und Polizeispitzel zu sein. Dem Spitzelvorwurf widersprach ide Tochter: “Er wäre lieber tot gewesen als ein Spitzel“.
Manche schaffen es, die Wahrheit bis nach ihrem Tod zu verbergen. Ein gewisser Miguel Castellanos wurde auf dem Friedhof von Derio begraben. Erst eine Untersuchung der Guardia Civil im Jahr 1997 ergab, dass es sich bei der Leiche um Pedro Pardo “Den Schläger“ handelte. Seine Tochter kannte ihn besser als alle. “Wenn ein Richter ihn für zwanzig oder dreißig Jahre ins Gefängnis geschickt hätte, hätte ich nichts dagegen gehabt. Aber so brutal er auch war, ETA hatte kein Recht, ihn zu töten“.
(2024-12-26)
GESCHENK FÜR TORHÜTER IRIBAR
“Makatza“ heißt der Jugendroman der Bertsolari-Sängers Andoni Egaña, der die Geschichte der Kindheit von Jose Angel Iribar in seiner Heimatstadt Zarautz erzählt – Iribar, liebevoll El Chopo, die Pappel genannt, ist der mittlerweile 80-jährige Ex-Torwart von Athletic Bilbao, der in San Mames zur Legende geworden ist. Vorgestellt wurde das Buch mit einem unterhaltsamen Gespräch zwischen dem Autor und dem Protagonisten.
Sie sprachen über die Ausarbeitung, den Inhalt, die Episoden und die vielen Anekdoten der Geschichte von “Makatza“, dem Namen des Bauernhauses, in dem Iribar aufwuchs. In der 100-seitigen Geschichte heißt der zukünftige Torhüter “Makatza“, ein Junge aus Zarautz, der seine Fußballträume hat. Im Anschluss signierte die Athletic-Legende mit seiner üblichen Freundlichkeit und Bescheidenheit ein Buch, das wie folgt beginnt: “Das war das Wort, das ich als Kind und als Jugendlicher am häufigsten gehört habe: Makatza!“
So beginnt das Buch über einen Jungen, der von klein auf den Fußball liebte und schließlich zum Mythos wurde. Dieser Junge, der am Tag des Heiligen Schutzengels geboren wurde und deshalb José Ángel und nicht José Benito hieß, wie sein Großvater, bekam als erstes einen Ball geschenkt. Der Strand lag weniger als hundert Meter von seinem Haus in “Makatza“ entfernt. Der Sand half ihm als Torwart, sich ohne Angst zu werfen, denn auf dem Schulhof musste er sich auf das Kopfsteinpflaster werfen. Iribar und Egaña sprachen über den schönen Fußball, über Träume, und irgendwann standen sie sogar auf, um zu kicken und sich daran zu erinnern, wie die Teams in der Schule und unter Freunden ausgewählt wurden.
Der Bertsolari und Schriftsteller Andoni Egaña aus Zarautz hat “Makatza“, mit literarischen Botschaften für 14-Jährige konzipiert, obwohl es letztendlich für ein Publikum zwischen 6 und 99 Jahren geschrieben ist. Ursprünglich auf Baskisch geschrieben, wird das Buch auf Wunsch der Stiftung demnächst in digitaler Form ins Spanische übersetzt. Die Stiftung Athletic hat 8.000 Exemplare von “Makatza“ auf den Markt gebracht, die kostenlos an Bildungszentren und an Vereine, die dem Athletic Club angeschlossen sind, verschickt werden. Das Cover zeigt den Umriss eines Fußballspielers in schwarzer Farbe, der von der Hüfte abwärts den Rücken zeigt.
(2024-12-24)
DEN WEIHNACHTSMANN VERBIETEN
Der baskische Weihnachtsmann heißt Olentzero, er ist nicht wie sonst in der Welt cocacola-rot verkleidet, vielmehr hat eine reale Figur aus der Gesellschaft seine weihnachtliche Rolle übernommen: der Köhler. Die wenigsten werden sich erinnern, was ein Köhler (Ikazina, Carbonero) sein soll! Es waren jene Männer, die im Wald Buchenholz schnitten, es in einem Kreis aufstapelten, mit Erde bedeckten und dann im Inneren anbrannten. Mit diesem langsamen Schwelbrand wurde Holzkohle gemacht, bis eine industrielle Produktion die Köhler überflüssig machten und in Vergessenheit geraten ließen. Wegen der enormen Notwendigkeit dieses Berufes, war er entsprechend geachtet in der vor allem ländlichen Gesellschaft, sicher deshalb wurde gerade aus dem Ikazina-Carbonero der Olentzero gemacht. Nicht ohne behördlichen Widerstand: Olentzero in Iruñea (Pamplona), Nachmittage der Illusion ... und der Repression.
Die Ankunft des Olentzero-Köhlers ist nach wie vor eines der wichtigsten Weihnachtsereignisse in Iruñea. Es ist fast sieben Jahrzehnte her, dass der Olentzero zum ersten Mal in der Hauptstadt Navarras auftauchte. Das Verbot zu Zeiten des Franco-Regimes markierte den Anfang, und in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts wurden diesem magischen Moment wieder administrative Hindernisse in den Weg gelegt.
Mehrere Personen aus Lesaka montierten einen der Olentzeros (sie hatten am 24. Dezember 1959 am Wettbewerb Lesaka Olentzero teilgenommen) auf einen Lastwagen und brachten ihn in die Stierkampf-Arena von Iruñea: das war der erste Olentzero, der in Iruñea zu sehen war. Der Verein Juventud de San Antonio hatte bereits Jahre zuvor versucht, den Kohlen-Mann in die weihnachtlichen Feierlichkeiten einzubeziehen, doch die franquistische Stadtverwaltung untersagte den Umzug: “Die besagte Karawane ist in dem Teil genehmigt, der als religiös bezeichnet werden kann und mit dem Mysterium von Bethlehem zusammenhängt, ohne dass diese Genehmigung auf den Aufbruch des Olentzero ausgedehnt wird, der in dieser Stadt erstens nicht traditionell ist, und zweitens aufgrund seines profanen Charakters auch nicht zum Sinn des zu feiernden Festes passt“.
Die ersten Hindernisse wurden überwunden und der Olentzero wurde zu einem festen Bestandteil des Weihnachtsfestes in Iruña. Es gab turbulente Jahre, wie 1982, als die Polizei den Olentzero-Umzug von hinten angriff, aber erst in den 2000er Jahren versuchten die Behörden, den Köhler wieder systematisch in die Schranken zu weisen.
Stadtteil Donibane 2004, das erste Glied in einer Kette von Repression, die bis zum Ende der Amtszeit von Bürgermeisterin Yolanda Barcina, so rechts wie korrupt) andauern sollte. Die Stadtverwaltung hatte von den Organisatoren der Olentzeros in den Stadtvierteln eine Kaution verlangt mit der Begründung, dass sie zu “Demonstrationen zur Unterstützung von ETA“ geworden seien. Einige waren mit dieser Forderung nicht einverstanden, wie im Fall von Donibane. In jenem Jahr zwang die spanische Polizei die Anwesenden, auf dem Bürgersteig zu gehen, und drohte ihnen mit einer Anzeige. Ein paar Kilometer weiter im m ebenfalls baskischen Gipuzkoa völlige Olentzero-Normalität.
Die Behinderungen wiederholten sich in den Folgejahren. Die Olentzeros in den Stadtvierteln von Iruñea, die sich geweigert hatten, die von der Stadtverwaltung geforderte Kaution in Höhe von 1.000 Euro zu zahlen, wurden trotz der Behinderungen durch die Stadtpolizei durchgeführt, die Organisatoren wurden identifiziert. In einigen Fällen hinderte die Stadtpolizei auch Wagen, Traktoren, Ochsen und andere Bestandteile des Olentzero-Umzugs am Verlassen des Geländes. Das Eingreifen der Polizei verhinderte jedoch nicht, dass es einen massiven Zustrom von Einheimischen entlang der gesamten Strecke gab.
Im Jahr 2006 erlebte Iruñea beide Seiten des Olentzero. Im Zentrum wurde der 50. Jahrestag seiner ersten, mit einem Veto belegten Ankunft in der Hauptstadt gefeiert, während in den Vierteln weiterhin kommunale Hindernisse vorherrtschten. Die Polizei nahm in Arrosadia mehrere Personen fest und schloss im Fall von Iturrama den Pelota-Platz, auf dem der Umzug enden sollte. In Sanduzelai umstellte die Polizei die Hütte, in der Olentzero aufbewahrt wurde, die Nachbarn mussten auf einen anderen alternativen Köhler zurückgreifen. Und in Txantrea versuchte die Stadtpolizei, den Umzug zu verhindern und mehrere Personen zu identifizieren. Dann sperrten sie die Straße ab, durch die der Umzug gehen sollte, der musste sich eine andere Route suchen. Die größten Probleme gab es in Donibane, wo die Polizisten versuchten, die Zanpantzar zu identifizieren, nachdem sie sich weigerten, zogen sie ihre Knüppel. Dank der Hilfe mehrerer Nachbarn konnten sie schließlich das Gelände verlassen. Die Presse: “Die Beamten identifizierten fünf Personen: drei von ihnen, weil sie als Hausfrauen gekleidet waren, einen anderen, weil er einen roten Mantel trug (ein untrügliches Zeichen dafür, dass er an der Parade teilnahm) und einen weiteren, weil er als Musiker auftrat“.
Normalität ... und Verbot
2007 forderte der Stadtrat von Iruñea die Stadtverwaltung auf, die von den Organisatoren der Olentzeros in den Stadtvierteln geforderten Kautionen aufzuheben, was diese auch taten. In jenem Jahr fand der Olentzero in allen Stadtvierteln zum ersten Mal wieder normal statt, obwohl er im Fall von Donibane von der Polizei überwacht wurde.
Doch die Hartnäckigkeit des von Yolanda Barcina angeführten Stadtrats nahm im folgenden Jahr noch zu. Im Jahr 2008 wurde für Txantrea, Donibane und Arrosadia ein Verbot ausgesprochen. In der Olentzero-Ankündigung von damals hieß es: “Die Koordinationsgruppe zieht sich aus der Organisation von Olentzeros zurück, obwohl sie den Nachbarn vertraut“ ... und die Nachbarn antworteten: “Das Verbot der Olentzeros in drei Vierteln von Iruñea hat nicht verhindert, dass sie abgehalten werden. Im Gegenteil, die Bewohner von Arrosadia, Txantrea und Donibane bereiteten dem beliebten Köhler trotz der demonstrativen Polizeipräsenz einen großen Empfang“.
Die polizeiliche Überwachung in diesen Jahren führte zu Geldstrafen in Höhe von mehreren Tausend Euro für die Organisatoren. Im Jahr 2009 gab es kein Verbot, aber Drohungen: “In Arrosadia, mitten während des Umzugs, rief die Stadtpolizei die Leiter der Organisation an, um sie zu warnen, dass sie die Anwesenheit von Fotos baskischer Gefangener beobachtet hätten. Außerdem drohten sie damit, den entsprechenden Bericht an das spanische Nationalgericht zu schicken“.
Barcina hielt die Auseinandersetzung mit den Nachbarschafts-Verbänden bis zum Schluss aufrecht. Im Jahr 2010, Barcinas letztem Weihnachtsfest als Bürgermeisterin, schaltete das Konsistorium die Guardia Civil und die spanische Polizei in den Konflikt ein. Die Genehmigungsanträge von vier Olentzeros wurden an die spanische Regierungsdelegation geschickt mit der Behauptung, es handele sich um politische Akte. Die staatlichen Repressionskräfte bestritten den politischen Charakter der Veranstaltungen und erschienen nicht zu den Umzügen. Die Stadtverwaltung ließ nicht locker und schickte die Stadtpolizei in mehrere Stadtviertel und schloss einige Schulen, um zu verhindern, dass die Umzüge zu Ende gehen konnten.
Im Juni 2011 übergab Yolanda Barcina an den reaktionären Enrique Maya, und die UPN nutzte den Wechsel im Amt des Bürgermeisters, um fast ein Jahrzehnt der Repression gegen den Olentzero stillschweigend hinter sich zu lassen. Zwar gab es noch einige Repressionsversuche, aber mit der Ankunft von Joseba Asiron (EH Bildu) als Bürgermeister im Jahr 2015 kehrte Normalität in das Weihnachtsfest in Iruñea ein. Im Jahr 2023 sollte eine Bürgermeisterin der UPN den Olentzero sogar offiziell empfangen. Es war eine der letzten Amtshandlungen von Cristina Ibarrola als Kurz-Bürgermeisterin. Paradoxerweise empfing Ibarrola in jenem Jahr den Olentzero, aber vier Tage später wurde sie durch einen Misstrauensantrag ihres Amtes enthoben und konnte ihre geliebten Heiligen Drei Könige nicht im Rathaus empfangen.
(2024-12-23)
DIE TOTEN KINDER VON PALÄSTINA
An die mehr als 18.000 im Gazastreifen ermordeten palästinensischen Minderjährigen wird am 28. Dezember in Iruñea-Pamplona erinnert. Die Gruppen Yala Nafarroa und BDS Nafarroa rufen dazu auf, die Weihnachts-Feierlichkeiten zu unterbrechen, um der mehr als 18.000 von Israel im Gazastreifen getöteten Kinder und Jugendlichen zu gedenken. Deren Namen und Alter werden zwischen dem 28. und 29. Dezember in Iruñea auf dem Baluarte-Platz verlesen. Die Veranstaltung dauert 30 Stunden und wird durch weitere Aktivitäten ergänzt.
Eigentlich ist der 28. Dezember der Tag der Unschuld, entsprechend dem ersten April in anderen Kulturen. Doch bei der Aktivit´t in diesem Jahr handelt es sich um bitteren Ernst. Die Organisatorinnen erinnern daran, wie “die Situation in Palästina sich verschlimmert“ und wie “die Zahl der getöteten und verletzten Menschen, insbesondere die Zahl der Kinder, schon lange unerträglich geworden ist“. Während dies im Gazastreifen Alltag sei, “bereiten wir uns hier auf die Weihnachts-Feiertage vor, mit einem Prunk, der völlig beschämend ist. Wir plädieren nicht dafür, das Leben nicht mehr zu genießen, sondern nicht mehr wegzuschauen, den Völkermord nicht zu vergessen und vor allem an die Kinder zu denken, die für die israelische Armee ein vorrangiges Ziel darstellen. Mit der Komplizenschaft und Passivität der westlichen Regierungen wird ein massiver Kindermord begangen. Es geht darum, ihre Realität in unsere Lebenswelt zu bringen, sie hier präsent zu machen“.
Die Veranstaltung beginnt am Samstag (28.12.) um 11 Uhr mit einer Erzählung von Diversa Cris, die ihre eigenen und andere palästinensische Geschichten vorträgt, organisiert von Yala Nafarroa. Anschließend werden Wandbilder mit Sprüchen und Zeichnungen gemalt, die Kinder aus Navarra an palästinensische Kinder schicken. Die Organisatorinnen bezeichnen diese Aktivitäten als “eine Arbeit an der Werteerziehung, die wir für wichtig halten, damit sich Kinder der Bedeutung eines solidarischen Lebens bewusst werden“.
30-Stunden-Lesung
Im Anschluss an diese Aktivitäten findet um 12 Uhr “die Verlesung der Namen der Kinder unter 16 Jahren statt, die von Israel in den letzten 14 Monaten der Intensivierung des Völkermords in Palästina getötet wurden“. Diese von BDZ Nafarroa organisierte Veranstaltung wird etwa 30 Stunden dauern: “das hat es noch nie gegeben“. Es bringt, so die Organisatorinnen, die Schwierigkeit mit sich, dass nicht alle Namen der Kinder-Opfer verlesen werden können, denn “im selben Moment gehen die Angriffe weiter und bis zum 28. werden noch mehr Kinder ermordet werden“. Die Lesung wird mit einer “großen Leinwand-Box auf dem Baluarte-Platz stattfinden, dabei wird die Isolation und Belagerung des Gazastreifens simuliert, gleichzeitig werden Namen und Alter der Minderjährigen verlesen“. Im Wechsel mit einem anderen Rednerpult, das außerhalb dieser Box aufgestellt wird, „um die solidarischen Zivilgesellschaften zu simulieren, die das palästinensische Volk nicht im Stich lassen“.
Zudem wird es eine Lesung von Persönlichkeiten aus der Welt der Kultur, Kunst, Musik und des Journalismus geben, die ihre Teilnahme mit Videos zugesagt haben. Bei dieser Initiative wird mit Beiträgen von Carne Cruda, Fermín Muguruza, Rozalén und Amparanoia gerechnet, deren Videos auf die Leinwand projiziert werden. Für die Live-Lesung wurde die Teilnahme von Gruppen aus der Feuerwehr und von Gesundheits-Personal zugesichert. “Es gibt Leute, die einen Platz reserviert haben, aber jeder, der möchte, kann mitmachen“.
Betont wird, wie wichtig es ist, dass der Name der Toten zusammen mit dem Alter genannt wird. “Es ist besonders schrecklich, wenn ein Name gelesen wird, in Zusammenhang mit einem Alter von Monaten oder von Neugeborenen“. Dies sei “eine Form der Ehrerbietung und des Respekts für die Menschen ist, die getötet wurden. Die palästinensischen Straßen sind voll mit Fotos von Märtyrern, von Menschen, die von Israel getötet wurden“. Nach der Veranstaltung sollen die Wandbilder, die Botschaften der Unterstützung, die von “unseren Kindern geschaffen wurden, um ihre Solidarität zu zeigen“ und die “ihnen helfen, mit einem Blick der Solidarität aufzuwachsen“, den Gazastreifen erreichen. Sollte es nicht möglich sein, sie direkt zu senden, “würden wir Fotos machen und sie senden“, damit sie “die Solidarität sehen können, die unsere Gesellschaft mit der gerechten Sache gezeigt hat und weiterhin zeigt“. (naiz)
(2024-12-22)
LIKINIANOS TODESTAG
Felix Likiniano aus Eskoriatza in Gipuzkoa lebte von 1909 bis 1982. Als aktiver Anarchist erlebte er den Militärputsch faschistischer Generäle gegen die spanische Republik (1936). Likiniano war Lebensgefährte der ebenfalls Anarchistin Soledad Casilda Hernáez “Kaxilda“. Er starb am 22. Dezember 1982 in Miarritze (franz: Biarritz) – heute vor 42 Jahren.
Felix Likiniano kämpfte im Spanienkrieg und spielte in den ersten Momenten des franquistischen militärischen Aufstands eine herausragende Rolle bei der Verteidigung von Donostia (San Sebastian). Mit anderen Anarchisten zusammen blockierte er den Vormarsch der Putschisten durch die Urbieta-Straße im Stadtzentrum, wo die CNT-Kontrollpunkte stationiert waren. Später, als die republik-treue Kolonne von Pérez Garmendia, die zur Verteidigung von Vitoria-Gasteiz ausgerückt war, aus Eibar zurückkehrte, zwangen sie die Putschisten gemeinsam zum Rückzug in die Loyola-Kaserne.
Später, beim Angriff auf die Loyola-Kaserne, führte Likiniano den Angriff auf die Waffendepots an. In den folgenden Monaten beteiligte er sich an der Verteidigung der Linien an der Grenze zwischen Gipuzkoa und Navarra, und nachdem Donostia in die Hände der Aufständischen gefallen war, setzte er den bewaffneten Widerstand in Aragonien, Katalonien, Frankreich fort – als Teil des französischen Widerstands gegen die Nazi-Besatzung) und im Baskenland (in der Guerilla, die entlang der spanisch-französischen Grenze entstand und als Maquis bekannt ist.
Anagramm von ETA, eine Kreation von Félix Likiniano
In den 1960er Jahren lernte Felix Likiniano Mitglieder der damals entstehenden Organisation Euskadi Ta Askatasuna (ETA) kennen und unterstützte sie. Er entwarf das Anagramm (Logo) mit Axt und Schlange, das später von der ETA verwendet wurde. Seine Vision der Annäherung zwischen Anarchismus und baskischem Nationalismus, die er mit seinem Freund Federico Krutwig teilte, wurde Anfang der 1990er Jahre von autonomen Aktivisten in Bilbao aufgegriffen, die eine kulturelle Vereinigung gründeten, die seinen Namen trug (Felix Likiniano Kultur Elkartea), bis sie 2006 aufgelöst wurde. Die Schriftstellerin Pilar Iparragirre publizierte 1994 das Buch “Felix Likiniano, Milizionär der Utopie“, das in Tafalla im Txalaparta-Verlag erschien. (wikipedia)
(2024-12-21)
FERMIN IN BILBAO
Fermín Muguruza resümiert 40 Jahre Karriere in drei Stunden vor 8.000 Zuschauern in Bilbo Zaharra. Der Frontman von Kortatu und Negu Gorriak eröffnete seine Tournee durch vier Kontinente mit einem lebhaften Konzert, zu dem er verschiedene Bühnen-Kolleg*innen eingeladen hatte. Heute, Samstag, erneut ein volles Haus in Bilbo. Nach der Generalprobe am Dienstag im Atabal-Saal in Biarritz gab der 61-jährige Rocker, Rapper, Ideologe und Filmemacher Fermín Muguruza aus am Freitag in Miribilla den Startschuss für die Welttournee seiner 40-jährigen Karriere (1984-2024). Beide Konzerte waren ausverkauft (je 8.000 Karten), dazu gehören 170 Minuten Auftritt für 36 Lieder.
Zu den Gästen gehören: Jon Maia, der mit Bertsos den Weg von Kortatu-Negu Gorriak-FM in Poesie verwandelte, der Fußballer Asier Villalibre mit seiner Trompete, die Schauspielerin Itziar Ituño bei Sarri Sarri, und die übrigen Mitglieder von Negu Gorriak. Nur der verstorbene Íñigo Muguruza fehlte, zu seiner Erinnerung das Konzert in Biarritz: Iñigo wäre 60 Jahre alt geworden.
Das Konzert lief mit drei riesigen Bildschirmen, auf denen Bilder mit Botschaften, Zeichnungen, Dogmen und Metaphern gezeigt wurden, von der Korrika bis zu den Pateras, von tanzenden Sandinisten bis zum Gedenken an Íñigo, von Demonstrationen bis zu Cesta Punta. und gelegentlich wurden Bilder vom Live-Auftritt gezeigt. Fermín mit drei verschiedenen Outfits (schwarzes Tournee-Hemd, ein palästinensisches Fußballtrikot) war in guter Verfassung und wurde beim Gesang von Lide Hernando (Gitarrist) und Matah (Backgroundsängerin) unterstützt. Unter zehn Band-Mitgliedern sind drei Frauen, dritte ist die Schlagzeugerin Gloria Maurel. In kurzen Ansprachen zu Beginn ermutigte er das Publikum, am 26. Januar 2025 in Irún an einer Demonstration für Einwanderung und gegen Grenzen teilzunehmen.
Die ersten Lieder klangen etwas dumpf, doch die Akustik wurde klarer, heller und machten Lust, das Konzert am 14. Juni 2025 noch einmal im Stadion von Real Sociedad zu erleben, wenn die Band besser eingespielt sein wird. Die Tournee geht durch vier Kontinente, Europa, Amerika, Japan und die Kanaren. Am Freitag hatt die Band gut funktioniert. Drei Bläser schufen verschiedene Stimmungen (von Jazz bis düster), Xabi Solanos Trikitixa funktionierte als Organ, melodisch (typisch für Reggae) und als Triki, Schlagzeug ergänzte die Perkussion, Muguruza war aufgeregt, ohne zu übertreiben, mit viel Kraft, um fast drei Stunden auf der Bühne zu stehen. Die drei besten Songs waren “Nicaragua Sandinista“, “Bidasoa Fundamentalista“ und “Zu atrapatu arte“. In 170 Minuten und 36 Liedern wurde Muguruzas Entwicklung in den letzten 40 Jahren deutlich: von der pamphlet-artigen Rechtfertigung in Parodie-Liedern von Kortatu (Sarri Sarri), dem Schatten der Negu Gorriak-Ära und einer farbenfroheren Vision des Lebens, mit dem Korrika-Lied von 2001.
Eine Party
Mit einer Fülle von Hintergrundbildern in Collagen, um seine Botschaften zu unterstreichen, begann FM düster mit einer Widmung für den von Faschisten in Madrid ermordeten Fußball-Fan Aitor Zabaleta und den Athletic-Fan Iñigo Cabacas, der durch einen Pelota-Treffer der Ertzaintza getötet wurde, gefolgt von einer Erinnerung an Ulrike Mienhof mittels Dub-Sound, der ironische Reggae für Desmond Tutu oder der Aufruf zu den Barrikaden von “La línea del frente“.
Die beiden Stücke mit den Mitgliedern von Negu Gorriak und das Ende der Show bildeten eine Party, mit Rock-Rap (Radio Raheem, aus Spike Lees Film Do the right thing) und Dub Manifest (mit Villalibre in der Bläsersektion). Die erste Zugabe (mit der Internationale eröffnet) eine Version von Aretha Franklins Soul Respect auf Baskisch und der maurische Gesang Yalah Yalah Ramallah (das Publikum hisste palästinensische Fahnen, die zu Tausenden auf den Plätzen verteilt waren, auf der Rückseite eine libanesische Flagge). In der zweiten Zugabe heizte Solano dem Publikum mit Ikusi mendizaleak ein, es folgten Gora Herriak, Sarri Sarri mit Itziar Ituño und dem Lied Hator Hator, das den politischen Gefangenen gewidmet war und bei dem die Lichter an waren. (Foto Juankar)
(2024-12-20)
LETAMENDI, GUDARI DER PNV
Eine Klage belebt den Fall von Txomin Letamendi, einem Gudari-Soldaten der PNV, der durch Francos Folter getötet wurde. Er war ein Gudari-Kommandant und arbeitete nach dem Krieg von 1936 weiter im Informationsdienst der baskischen Regierung von Jose Antonio Agirre, auch nach seiner ersten Inhaftierung. Seine zweite Inhaftierung durch die Franquisten führte zu seinem Tod. Eine Klage der Anti-Folter-Stelle Behatokia fordert eine Untersuchung des Falls.
Er starb an einem Tag wie heute, dem 20. Dezember 1950, vor genau 74 Jahren. Txomin Letamendi war bereits halbtot aus dem Gefängnis entlassen worden, nachdem er bei zwei verschiedenen Verhaftungen brutal gefoltert worden war. Nach der zweiten Entlassung konnte er nicht einmal mehr essen: “Die Toten essen nicht“, sagte er.
Wie schon im Juli letzten Jahres im Fall von Josu Múgica Ayestaran (1975) hat Euskal Herriko Giza Eskubideen Behatokia (Baskische Schutystelle für Menschenrechte) auf der Grundlage des Gesetzes zur demokratischen Erinnerung eine Klage eingereicht, um die Wahrheit im Fall Letamendi ans Licht zu bringen. Die Familie reichte die Klage vor dem Gericht von Donostia ein. Weil es sich um eine Klage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit handelt, ist der Fall auch nach fast einem Dreiviertel-Jahrhundert noch nicht verjährt.
Die Justizinitiative betont, dass der neue Rechtsrahmen die Untersuchung all dieser Verbrechen ermöglicht, die zuvor durch die Amnestie-Gesetze der Nach-Franco-Ära (1977) verschlossen waren. Die Kläger sind sich bewusst, dass “trotz der internationalen Verpflichtungen des Staates die verschiedenen spanischen Justizorgane Klagen gegen die mit dem Gesetz 20/2022 eingeführte Unverjährbarkeit und Nichtverjährbarkeit abweisen“, um “die Untersuchung und gegebenenfalls den Prozess gegen die Verbrechen zu blockieren“. Die verschiedenen Gerichte könnten sich jedoch “nicht über diesen Willen des Gesetzgebers und damit der Volkssouveränität hinwegsetzen“. Behatokia besteht auf dieser Linie und ist bereit, sich an europäische und universelle Instanzen zu wenden, wenn der spanische Staat dies nicht tut.
Musiker, Kommandant, Geheimdienstler
Die Klage gibt vorerst Anlass, die Geschichte dieses stark engagierten PNV-Mitglieds aufzuarbeiten. Während des Krieges war er Kommandant der Gudari-Armee, ging aber nach dem Fall von Bilbo nach Paris ins Exil. Dort arbeitete er im Informationsdienst unter dem Befehl des Lehendakari José Antonio Agirre.
Nachdem er Karmele Urresti, Krankenschwester und Mitglied des Eresoinka-Chors, kennengelernt hatte, provozierte der Einmarsch der Nazis in Paris ihr Exil nach Venezuela. Doch drei Jahre später kehrte er auf ausdrücklichen Wunsch von Agirre zurück, um sich dem antifranquistischen Widerstand anzuschließen.
Die erste Verhaftung fand 1946 in Donostia statt, er hatte Unterlagen, die zu seiner Verurteilung wegen “Rebellion“ führten. Letamendi wurde inhaftiert, nachdem er schwer gefoltert worden war. Auf Bewährung freigelassen, kehrte er zum Informationsdienst zurück und wurde 1947 in Barcelona ein zweites Mal verhaftet. Er wurde von einem Kriegsgericht zu fünf Jahren Haft verurteilt.
Anschließend war er in Gefängnissen in Barcelona, Madrid und Guadalajara inhaftiert, wo sich sein physischer und psychischer Zustand infolge der Folter so verschlechterte, dass er begnadigt wurde. Er befand sich bereits in einem irreversiblen Zustand und starb nur zwei Monate später in der Obhut seines Bruders.
Letamendi wurde 1901 in Bilbo geboren, wo er vor dem Krieg als Musiker in verschiedenen Kapellen und im baskischen Symphonie-Orchester tätig war. Seine Geschichte wurde in einem 2016 erschienenen Buch von Kirmen Uribe aufgearbeitet: “La hora de despertarnos juntos“ (Die Zeit des gemeinsamen Aufwachens).
Bei Behatokia ist man der Ansicht, dass “die Opfer des Franquismus, die in den späten 1940er und 1950er Jahren schwere Rechtsverletzungen erlitten, besonders ungeschützt sind: Sie wurden nicht von den Dekreten zur Anerkennung und Entschädigung der direkten Opfer des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit erfasst; sie werden auch nicht von den Dekreten nach 1960 erfasst (Dekret 107/2012 und Gesetz 12/2016 über staatliche Opfer). Es ist notwendig, die Opfer des Staates gleichermaßen zu entschädigen, unabhängig vom spezifischen historischen Moment oder dem politischen Zeitpunkt, an dem sie die Ereignisse erlitten“. (naiz)
(2024-12-19)
DIE NEGATION DES BASKISCHEN
Eine der ibero-imperialen Strategien, die mit Gewehren und Kanonen zusammengeschossene künstliche Nation zu erhalten, besteht darin, die Geschichte der kleinen Kulturen zu verdecken, verniedlichen oder zu verfälschen. Das gilt auch für die baskische Geschichte, Kultur und Sprache. Es gibt spanische Intellektuelle, die behaupten, Euskara sei ein Dialekt des Spanischen. Dabei ist die baskische Sprache wenigstens Tausend Jahre älter als die iberische, wahrscheinlich mehrere Tausend.
Dass es ein Königreich Navarra gab, lange bevor sich Kastilien auf Kosten der arabischen Machthaber etablierte und sich nach und nach alle Territorien auf der Halbinsel unter den Nagel riss, steht nicht in spanischen Schulbüchern. Im Zentrum der Feindseligkeiten steht allerdings die baskische Sprache Euskara. Weil sich deren Einzigartigkeit und lange Geschichte mit dem besten Willen nicht mehr leugnen lässt, wird versucht, ihr Entstehen zu relativieren.
Dazu dient die These der späten Euskaldunisierung. Die geht davon aus, dass das Euskara nicht im Baskenland selbst entstanden ist, sondern erst im dritten Jahrhundert von Okzitanien über Pyrenäen die nach Nafarroa kam und nicht vor dem sechsten Jahrhundert in den baskischen West-Provinzen Einzug hielt, in Gipuzkoa, Araba und Bizkaia. Weil das Euskara die Seele des baskischen Volkes ausmacht, kommt dieser Entzug einer historischen Negation gleich. Ein Volk ohne Sprache ist kein Volk.
Übergangen wird dabei geflissentlich, dass es aus der Zeit der römischen Besetzung (0 bis 200 nach Christus) eine Reihe Dokumente in Form von steintafeln gibt, die baskische Begriffe enthalten, die bis heute als solche identifizierbar sind. Behauptet wird dennoch, es gäbe keine glaubhaften Dokumente – dem widersprechen baskische Anthropologen, Philosophen und Wissenschaftler von Joxemiel Barrandiaran über Caro Baroja bis hin zu Koldo Michelena.
Vor Jahren ging der Streit um die angebliche späte Euskaldunisierung so weit, dass bei Ausgrabungen gefundene Tontafeln mit Inschriften als Fälschung bezeichnet wurden. In Iruña Veleia, einer römischen Stadt von beträchtlichem ausmaß im heutigen Araba (span: Alava) wurde eine ganze Reihe solcher Gravuren gefunden, die die Spät-Theorie über den Haufen warf. Die Fälschungs-Behauptung war der Rettungsanker, es folgte sogar ein Prozess gegen den Leiter der Ausgrabungen, obwohl internationale Koryphäen der Sprachwissenschaft die Echtheit der Fundstücke bestätigten.
Die baskischen Behörden stehen in diesem Wissenschafts-Krieg seltsamerweise auf Seite der “Späten“. Das öffentliche Fernsehen EITB hat eine Historien-Serie mehrfach wiederholt, in der der baskische Historiker Santana seine Spät-Theorie vorwärts und rückwärts ausbreitet und behauptet, im historischen Baskenland sei Keltisch gesprochen worden. Ohne jeden Beleg, versteht sich.
Doch die “Verlierer“ im Iruña-Veleia-Prozess geben den Kampf nicht auf. Ihre letzte Studie bezog sich auf die Namen von Bergen und Flüssen in Euskal Herria, so der Name des Baskenlandes in baskischer Sprache. Die überwältigende Mehrheit dieser Bezeichnungen kommt aus dem Euskara, die höchsten Berge und die wichtigsten Flüsse haben baskische Namen. Mehr noch: Außerdem sind viele Grabsteine mit baskischen Namen aufgetaucht. Und nicht nur im Baskenland selbst, sondern auch in den heute zum spanischen Staat gehörenden Regionen und Provinzen Soria, La Rioja, Burgos. (baskinfo)
(2024-12-17)
KEINE PYRENÄEN-GLETSCHER MEHR
Das hätte sich Kurt Tucholsky sicher nicht träumen lassen, als er Ende der 1920er Jahre von Bayonne bis Katalonien reiste und dabei im Auftrag eines deutschen Verlags das kurzweilige und interessante “Pyrenäen-Buch“ schrieb. Tucholsky reiste vom Meeres-Niveau bis in Schneegegenden, schwitzte und fror sich die Nase ab, dabei sah und erlebte er auch Gletscher. Pyrenäen-Gletscher. Damit ist es nun vorbei. Denn auch im Hochgebirge ist der Klimawandel angekommen. “Wir können nicht mehr von Gletschern in den Pyrenäen sprechen“, erklärte der Bergsteiger Luis Alejos kürzlich in Bilbo. Denn die Gletscher im Hochgebirge verschwinden aufgrund der globalen Erwärmung. Die Ernsthaftigkeit dieses Problems kommt nicht unerwartet, Klimaaktivist*innen warnen schon seit Jahrzehnten davor.
Der Klimawandel macht Unterschiede, wenn es um die Veränderung von Ökosystemen geht. Die Territorien am Meer sind vom schmelzenden Eis bedroht, gleichzeitig wirkt sich die globale Erwärmung auch auf das Klima und die Ressourcen der Hochgebirge aus, insbesondere auf die Gletscher. Diese gigantischen Eismassen sind seit Tausenden von Jahren unverändert geblieben und haben sich langsam voran bewegt, doch innerhalb weniger Jahrzehnte ist ihr Volumen aufgrund der steigenden Temperaturen stark zurückgegangen.
Davor warnte der Bergsteiger und Umweltaktivist Luis Alejos bei einem von der Ökologiegruppe Ekologistak Martxan organisierten Vortrag mit dem Titel “Auswirkungen des Klimawandels auf das Hochgebirge“. Anlass war der Internationale Tag der Berge, der am 11. Dezember begangen wird. Obwohl Alejos kein “wirklicher Experte“ ist, wie er selbst erklärte, stützte er sich auf seine umfangreiche Erfahrung als Bergsteiger, der Berge in der ganzen Welt besteigt. Aufgrund dieser Erfahrung kann und muss er den starken Rückgang der vorhandenen Gletscher bestätigen.
“Der Rückgang der Gletscher ist ein relativ neues Phänomen, aber wir, die wir immer in den Bergen unterwegs waren, haben bereits darauf hingewiesen, ohne genau zu wissen, was es bedeutet“, gestand Alejos zu Beginn seines Vortrags. Ein Beispiel dafür sind die Pyrenäen, eine Gebirgskette, die in den letzten zwei Jahrhunderten 90% ihrer Gletscher verloren haben. „Wir können nicht mehr von Gletschern in den Pyrenäen sprechen. Es gibt zwar noch Reste, aber sie sind nicht mehr lebendig. Sie sind tot“, sagte er.
Allerdings war die Beziehung zwischen Menschen und Gletschern vor 200 Jahren noch ganz anders. Alejos erinnert, dass man sich vor den Gletschern sogar “fürchtete“, da sie bis in die Dörfer reichten, wegen all der Gefahren, die dies mit sich brachte. Das ist noch heute auf Bildern und Postkarten aus dieser Zeit zu sehen, vor allem in den Alpen. “Im Mittelalter und bis zum 18. Jahrhundert gab es die so genannte ‘Kleine Eiszeit‘, die mit dem Klimawandel aufgrund der Industrialisierung und der Nutzung von Kohle und Öl endete. Das heißt, mit der Geburt des Kapitalismus“, sagte er. Mit dem langsamen, aber stetigen Rückgang der Eiszungen verwandelte sich die Angst in Neugierde, so entstand der Gletscher-Tourismus.
Die ersten Gletscherwanderungen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert haben zu einer anderen Art von Tourismus geführt. “In anderen Epochen sahen Menschen in den Gletschern Lebewesen. Heute gehen sie hin, um sie sterben zu sehen“, sagte er. Er sagte voraus, dass es immer seltener vorkommen wird, dass man am Fuße von Dörfern Gletscher oder sogar Skipisten sieht, wie es in den Alpen noch der Fall ist.
In eben diesem Pyrenäen-Gebirge, das Alejos von seinen zahlreichen Expeditionen her gut kennt, hat ist der Gletscher des Mer de Glace in nur eineinhalb Jahrhunderten um 150 Meter zurückgegangen. “Er ist so hoch wie der Iberdrola-Turm“, betonte der Bergsteiger und zeigte Bilder der Seilbahn, die in immer größerer Höhe über ihn hinwegfährt.
Kritik am Klimagipfel
Die UNESCO hatte das Jahr 2022 zum Internationalen Jahr der Erhaltung der Gletscher erklärt. Alejos wies jedoch auf die Doppelmoral der UNO in Bezug auf die globale Erwärmung hin, da sie auch die Klimagipfel organisiert. “Bei den bisherigen Gipfeltreffen ist es nicht einmal gelungen, die Subventionen für Kohlenstoff abzuschaffen, das wäre das Erste, was sie tun müssten, um den Klimanotstand wirklich zu bekämpfen“, sagte er. Schließlich machte er auch die Politiker verantwortlich, von denen er ohne den Druck der sozialen Bewegungen keine Veränderung erwarte. “Der Klimawandel ist bereits unausweichlich, aber seine Folgen könnten begrenzt werden“, schloss er.
(2024-12-16)
KEINE MIETWOHNUNG AN FAMILIEN MIT KINDERN
Am vergangenen Samstag fanden sich in Bilbo 10tausend Personen zusammen, um gegen die verheerende Wohnugspolitik zu demonstrieren. Dabei wurde klar gemacht, dass es nicht allein um die Unbezahlbarkeit von Mietwohnungen geht, sondern dass bestimmte Personengruppen gezielt aus dem Rennen um die begehrten Objekte ausgeschlossen werden. Angefangen bei Migrant*innen, denen niemand zutraut, dass sie die Mieten bezahlen können. Oder junge Leute, oder Roma, oder, oder …
Kaum zwei Tage später legt die bürgerliche Presse mit Argumenten nach: “Es gibt Vermieter, die aus Angst vor Zahlungsausfällen nicht an Familien mit Kindern vermieten“, heißt es da in der Überschrift – mit der Faust ins Auge getroffen. Weiter steht da, dass Experten argumentieren, dass das Wohnungsbau-Gesetz die “Unsicherheit“ erhöht (der Vermieter, wohlgemerkt), weil das Gesetz beinhaltet, dass Mieter sich als schutzbedürftig erklären können. So wird aus einer Schutzklausel ein Diskriminierungs-Hammer.
Immobilienmakler in Bilbao sind sich jedenfalls einig. Das neue Gesetz, das in Madrid im Mai 2023 verabschiedet wurde, um den Mietern mehr Sicherheit zu bieten und zu verhindern, dass die Preise von einem Jahr zum nächsten in die Höhe schießen, indem es eine Reihe von Verpflichtungen für Vermieter festlegt, hat sich nachteilig auf die Vermieter ausgewirkt. Wir haben es bei der Mobilisierung mehrfach gehört! Die Angst der Hausbesitzer geht so weit, dass manche aus Angst nicht mehr an Familien mit Kindern vermieten wollen, “eine blutige“ Tatsache“ heißt es im besagten Artikel. “Wir haben lebenslange Kunden, die keine Wohnung finden. Wir machen Rückschritte“, kommentiert ein Makler. “Lebenslang“ gibt es also auch auf dem Wohnungsmarkt, und die öffentliche Hand schaut zu, wie solche „“lebenslangen“ Schritt für Schritt in die Obdachlosigkeit getrieben werden. Denn billige öffentliche Wohnungen gibt es keine.
Im Gesetz ist festgelegt, dass ein Mieter, der einen Einkommensrückgang von 40% erleidet, als schutzbedürftig angesehen wird, dann soll, auch bei Zahlungsunfähigkeit, die Möglichkeit einer Zwangsräumung der Immobilie verlangsamt werden. “Minderjährige sind an sich schon gefährdet“, sagen die Experten, die für jeden Vertragsabschluss die Hand aufhalten und das Problem nicht kleiner machen.
Vor 30 Jahren hatte 90% der Bevölkerung noch eine eigene Wohnung das ist heute Utopie, angesichts von Preissteigerung, Spekulation und des Airbnb-Tourismus. Die folgende Zahl muss erschrecken: die Nachfrage nach Mietwohnungen ist in Bilbao zwischen Januar 2023 und Juni dieses Jahres (in 18 Monaten) um 36,2% angestiegen. Um mehr als ein Drittel – unglaublich! Also Schlange stehen vor dem Immo-Büro, oder die Nachbarschaft mobilisieren. Denn die Makler fragen selbstverständlich auch nach de Kontostand und wollen den laufenden Arbeitsvertrag sehen. Die Besitzerkunden würden ihnen weglaufen, wenn sie denen lauter arme Leute schicken. Die Vermieter stehen allein im Selbstbedienungsladen: freie Auswahl: Denn “es gibt so viele Wohnungssuchende, dass sich die Eigentümer aussuchen können, wen sie in ihrer Wohnung haben wollen“.
Wohnungsnotstand
Ein zweiter Makler erzählt. “Vermieter bevorzugen Leute, die sicher zahlen können, wie Studenten, die ihre Eltern hinter sich haben. Und wenn sie niemanden finden, warten sie. Sie wissen, dass sie den gewünschten Mieter finden werden“, weiß der Fachmann. Und gibt es eine Lösung? kurz- und mittelfristig nicht. “Es gibt ein geringes Angebot, und was es zu einem guten Preis gibt, wird schnell vermietet oder verkauft. Wir inserieren eine Wohnung für 800 Euro und innerhalb einer Stunde erhalten wir ein halbes Tausend Anfragen“.
Das Problem ist nicht allein, dass die Preise in die Höhe schießen, sondern die Art der Verträge. Die befragten Experten stellen eine explosionsartige Zunahme von Zeit-Mietverträgen fest. Die Immobilienmakler fordern “wirksame Maßnahmen“ zur Erhöhung des Angebots, schließlich wollen sie nicht den Beruf wechseln. Wirksam wäre, nach ihrer Ansicht, die Verfahren für neue Bauvorhaben zu beschleunigen, um den Wohnungsmangel in der Region kurzfristig zu lindern. Genau darin liegt die nächste Falle, wenn gebaut wird, dann vor allem für Wohlhabende, der Anteil der Mietwohnungen kommt nicht an die 5%. Zufrieden können nur die Bauunternehmer sein.
Die Vizepräsidentin des Verbandes ist rührend, sie bezeichnete die Situation als “diskriminierend“, da es Menschen gibt, die “obdachlos werden“, und schlug vor, die “Umwandlung von Ladenlokalen in Wohnungen“ zu erleichtern und die Anforderungen für die Trennung großer Wohnungen flexibler zu gestalten. Alles Tropfen auf den heißen Stein. Das Problem liegt im System: Solange Wohnungen als Ware betrachtet werden, als Spekulationsobjekt, bleiben die auf der Strecke, die sich die Ware nicht leisten können.
(2024-12-12)
KRIEG ÜBEN IN BARDENAS
Im Krieg wird geschossen, gebombt und gemordet – und irgendwo muss das ja vorher geübt werden. Truppen-Übungs-Plätze heißen diese Zonen, oder einfach Schießplätze. Einer davon liegt im Süden von Nafarroa, im wüsten-ähnlichen Gebiet Bardenas – im Übrigen die einzige dieser Art von Kriegs-Spielwiesen im spanischen Staat, auf denen so richtig aus der Luft gebombt werden darf. Das Bardenas-Gebiet umfasst 418 QKM, 22 davon sind dem militärischen Übung vorbehalten. Der Rest ist Ausflugsziel, Naturschutzgebiet, Schafweideplatz und Biosphären-Reservat – eine einmalige Nutzungs-Mischung.
Alle paar Jahre verlängert die Regierung Nafarroa die Pacht an das Verteidigungs-Ministerium – generell ist die Nutzung bereits seit Jahrzehnten heftig umstritten. Regelmäßig finden dort Protest-Demonstrationen statt. In Madrid sieht man das erstens gelassen und zweitens wird der Schießplatz Bardenas als "positiv für den Schutz der Artenvielfalt" gelobt. In ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von der baskischen Links-Fraktion EH Bildu hat die spanische Regierung versichert, dass der bestehende Schießplatz in Bardenas "eine eindeutig positive Auswirkung auf den Schutz und die Erhaltung der vorhandenen biologischen Vielfalt hat, sowohl innerhalb des Schießplatzes als auch in den angrenzenden Gebieten", so die Antwort auf eine Anfrage von EH Bildu. Es klingt wie ein dummer Witz – jede abgeworfene Bombe soll dem Naturschutz dienen.
Die von Pedro Sánchez geleitete Exekutive geht davon aus, dass die militärische Präsenz "den Erhalt und die Verbesserung der Vegetations-Decke begünstigt hat, da sie einige andere Landnutzungen verhindert hat, die zu einer Beschleunigung der erosiven Prozesse hätten führen können, was den Verlust von Vegetation zur Folge hat und eine mögliche Entwicklung und Ausbreitung von Steppenfauna verhindert, die ansatzweise schon vorhanden ist". Daneben wird geltend gemacht, dass sie "die Erfüllung eines der Hauptziele der Biosphären-Reservate, nämlich die Erhaltung der biologischen Vielfalt" sowie "die Erhaltung der in ihnen vorkommenden Tier- und Pflanzenarten in einem günstigen Zustand" ermögliche.
In ihrer Antwort fügt die Exekutive hinzu, dass die Aktivitäten des Schießplatzes "mit der späteren Aufnahme des Geländes in nationale, europäische oder internationale Naturschutz-Gebiete vereinbar waren". - "Ebenso hat das Verteidigungs-Ministerium mit dem Ziel, die Umweltbedingungen auf dem Schießplatz in einem günstigen Erhaltungszustand zu erhalten, ein Umwelt-Management-System (UMS) gemäß der Norm UNEEN-ISO 14001 eingeführt, das seit 2008 zertifiziert ist", heißt es weiter. Hinzugefügt wird, dass die Gemeinde Bardenas eine Studie durchführt, "die es ermöglichen wird, die sozio-ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeits-Auswirkungen der Investitionen zu identifizieren und zu bewerten, die von den Einrichtungen getätigt werden, die das Nutzungs- und Verwertungsrecht für diesen Raum haben", abgeleitet vom jährlichen wirtschaftlichen Beitrag des Verteidigungs-Ministeriums.
Schließlich weist Madrid darauf hin, dass "die Bedingungen für die Nutzung des Gebiets durch Flugzeuge geregelt sind und strengen Sicherheitskriterien folgen. Alle Aktivitäten werden mit größtmöglicher Sicherheit durchgeführt, um unnötige Störungen und Risiken für die Zivilbevölkerung zu vermeiden. Auch die Flugrouten zu und von dem Gebiet sind so angelegt, dass Städte und Wohngebiete nicht überflogen werden".
Es ist nicht besonders schwer, sich vorzustellen, dass die Abgeordnete von EH Bildu, Bel Pozueta, mit dieser Erklärung ganz und gar nicht einverstanden ist, denn sie ist der Meinung, dass "die Flugzeuge weiterhin die Städte überfliegen und die Bevölkerung in der Nähe der Bardenas gefährden und belästigen". Und wenn wir schon bei Sarkasmus sind – vielleicht wäre das Bardenas-Model eine Lösung für Urdaibai, um den Bau eines Doppel-Guggenheim-Museum zu verhindern und den dortigen Charakter eines Biosphären-Reservats zu steigern. Man wird doch noch nachdenken dürfen.
(2024-12-09)
STIERKAMPF: JA ODER NEIN
In vieler Hinsicht ist die die spanische Gesellschaft – und die baskische gleich mit – noch stark verhaftet in patriarchalen Strukturen. Kein Zufall, dass einer der Begriffe für Sexisten, der auch im deutschen Sprachgebrauch üblich ist, der spanischen Sprache entnommen ist: Macho, Machismus. Ein Ausdruck dieses Machismus in südlichen Gefilden war und ist der Stierkampf, jenes archaisch erscheinende (ungleiche) Duell der Mannsbilder mit dem wilden Tier. In Zeiten eines Feminismus, der in sozialdemokratische Domänen vorgestoßen ist, ist die Sandarena zu einem der letzten Räume geworden, in denen die Machos noch zeigen können, wo der Bartel den Most holt.
Seit die iberische Fleischfresser-Kultur und mit ihr insgesamt der Umgang mit der Tierwelt grundsätzlich in Frage gestellt wird und überall “Animalista-Gruppen“ aus dem Boden sprießen, steht auch jenes scheinbar letzte Reservat der John-Wayne-Mentalität vor dem Aussterben. An manchen Orten wurde versucht, der widerlichen Schlächterei mit Verboten zu begegnen, worauf die spanische Rechte die Tiertöterei schlicht zum nationalen Kulturerbe erklärte und damit unverbietbar machte. Andere setzten den Todesstoß gegen die Matadores am Klingelbeutel an, sprich: sie strichen einfach die Subventionen, wodurch sich das Problem von alleine erledigte.
In Donostia zum Beispiel entzog eine Bildu-Regierung dem Stiertöten einst auf diesem Weg die Basis. Nach der Regierungs-Übernahme durch die baskische Rechte, wurden die Blutgerinnsel durch erneute öffentliche Bezuschussung wieder in alte Bahnen gelenkt. Der Miniort Karrantza im südlichen Bizkaia hat nun andere Wege beschritten, in einem Anflug von Schweizer Verhältnissen wurde eine Volksbefragung durchgeführt. Von 5.600 Bewohner*innen wurden die 5.000 Mündigen (alle über 16) zum Entscheid über die Zukunft der Stecherei gerufen. Ganze 600 folgten dem demokratischen Paradeweg und stimmten ab. Ergebnis: 350 für die Abschaffung, 250 für die Beibehaltung des Spektakels.
Für die kleine Arena muss nun über eine neue Nutzung nachgedacht werden, wenn sie nicht als Rattenloch enden soll. Stadtrat und Verwaltung haben hingegen 10.500 Euro zusätzlich zur Verfügung, die sonst den Tiermördern in die Adern gepumpt worden wäre. Zivilisatorisch gesehen ein Sprung aus dem Mittelalter in die Moderne.
(2024-12-07)
GUGGENHEIM ÜBERFLUTET
Das wahnwitzige Tourismus-Projekt eines zweiten Guggenheim-Museums im Naturschutzgebiet Urdaibai wirft seine Schatten voraus. Die zuletzt publik gewordene Überlegung besagt, dass der geplant Standortzwei Kilometer vom Atlantik entfernt Überschwemmungs-Gefahren mit sich bringt. Vor allem angesichts der Klimakatastrophe und der damit verbundenen Meer-Erwärmung und dem bevorstehenden Anstiegs des Meeresspiegels. Die vor solchen Überschwemmungen warnt ist eine Biologin, die im Kuratorium des Biosphären-Reservats sitzt, das eben seinen 40. Geburtstag begeht.
Ibone Ametzaga (61) ist seit 2020 Koordinatorin des Unesco-Lehrstuhls für nachhaltige Entwicklung und Umwelterziehung an der UPV/EHU, Dozentin für Ökologie im Studiengang Biologie und Forscherin auf dem Gebiet der biologischen Vielfalt. Und Mitglied des Kuratoriums Urdaibai, in dem die Institutionen und ein Vertreter der Nachbarschaft zusammenkommen, um das Gebiet zu verwalten, das vor 40 Jahren zum Biosphären-Reservat erklärt wurde.
Was ist ein Biosphärenreservat, abgesehen von einem Gebiet mit Beschränkungen für Bebauung und andere Aktivitäten?
Es stellt keine Beschränkung dar, obwohl es als solche verstanden wird. Reservate sind terrestrische oder küstennahe Meeres-Ökosysteme, in denen Lösungen gesucht werden, um die Erhaltung der biologischen Vielfalt mit einer nachhaltigen Entwicklung in Einklang zu bringen. Das sind Gebiete, in denen der Mensch seine Aktivitäten mit Rücksicht auf die Natur ausübt und die als Beispiel und als Labor für die Forschung dienen können. Die besonderen Gebiete, die Kerngebiete mit dem größten Schutz sind in Urdaibai die Flussmündung, die Küstenlinie, die Steineichen-Wälder, die Dünen, das Flussnetz, das in keinem sehr guten Zustand ist.
Viele Ökolog*innen halten das Guggenheim in Urdaibai für einen Wahnsinn, weil es keinen Sinn macht, dort mehr als 100.000 Menschen pro Tag einzuschleusen und in das Küstenschutz-Gebiet einzudringen.
Es würde zwei miteinander verbundene Standorte geben: in Gernika, aus kultureller Sicht sicher interessant, und einen weiteren in Murueta, im Sumpfgebiet. Dort gibt es eine Artenvielfalt, die beeinträchtigt werden könnte, wir müssen prüfen, ob der Standort dafür geeignet ist, denn er könnte die Vögel stören. Früher gab es in Urdaibai 44 Krähenpaare, jetzt sind es nur noch 12. Vielleicht, weil sie nicht genug zu fressen finden, weil es zu viel Lärm gibt. Vögel sind gute Indikatoren dafür, was an einem Ort passiert. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns in einer Klimakrise befinden und dass eine der wichtigsten Konsequenzen der Anstieg des Meeresspiegels ist, der in Urdaibai bereits stattfindet. Sowohl Dünen als auch Sümpfe sind Ökosysteme, die die Küste schützen. Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, dort zu bauen. Alle Beteiligten sollten sich einig werden, ob es sich lohnt oder ob ein solches Projekt noch mehr Probleme schafft. Man muss sorgfältig und langfristig darüber nachdenken. In Bordeaux wurde ein Forschungszentrum gebaut, das Gebäude konnte nie eröffnet werden, weil das Meer eindrang.
Warum kommt es in der Region zu einem Mangel an Trinkwasser?
Mag sein, dass sich die Niederschlagsmengen verändert haben, aber es stimmt auch, dass Kiefern- und Eukalyptus-Plantagen vorherrschen, die viel Wasser verdunsten. Die Küstenwälder sind in keinem guten Zustand. Die autochthonen Wälder, Eichenmischwälder, speichern viel Feuchtigkeit im Boden und verlangsamen das Versickern des Wassers. Sie tragen auch dazu bei, dass das Wasser in die Flussmündung und die Einzugsgebiete der Flüsse gelangt, aus denen die Menschen trinken.
Welche anderen Umweltprobleme gibt es im Reservat?
Die Flussmündung ist in keinem guten Zustand. Ein Ergebnis davon, was im gesamten Einzugsgebiet geschieht. Der Zustand hat sich verbessert, weil es früher keine sanitären Einrichtungen gab. Aber Änderungen gibt es auch je nach dem Wasser, das aus den Flüssen kommt. Die Anwohner beklagen sich, dass der Druck durch den Bau von Häusern stark zunimmt. Hinzu kommen invasive Pflanzen, es wird immer schwieriger, die typischen Sumpfvögel zu sehen, die Dünen sind verschwunden. Am besten wäre, wenn wir dem Sumpfgebiet Gelegenheit lassen, sich selbst wieder herstellen zu lassen. Die Natur hat diese Fähigkeit. Wir erdrücken die Natur, anstatt mit ihr zu arbeiten, was viele Prozesse kostenlos machen würde, wie zum Beispiel die Wasserreinigung. Sümpfe und Küstenwälder reinigen das Wasser. Wir müssen begreifen, dass wir in dem Gebiet nicht machen können, was wir wollen, so wie ich in meinem Haus nicht machen kann, was ich will, weil es städtebauliche Vorschriften gibt, die wir einhalten müssen. (EC)
(2024-12-03)
BASKISCHE MIETPREISE IN REKORDHÖHE
Der Anstieg der Mietpreise scheint im Baskenland kein Ende zu nehmen, wie aus den jüngsten Daten des Immobilien-Portals Idealista hervorgeht. Obwohl der Anstieg von allgemeinem Charakter ist, sind Städte wie Bilbo, Gasteiz, Iruñea und Barakaldo besonders stark betroffen und haben alle Rekorde gebrochen. Die Anstiege von Oktober auf November sind nicht auffällig, aber der Jahres-Index sticht hervor.
In der Provinz Araba waren die Mietpreise im November 0,4% niedriger als im Oktober (ein Rückgang), aber 8,6% höher als im Vorjahresmonat und erreichten mit 11,8 Euro pro Quadratmeter einen historischen Höchststand. In Bizkaia stiegen die Mieten um 1,4% im Vergleich zum Vormonat und um 9% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Mit einem Durchschnittspreis von 13,9 Euro pro QM ist dies ebenfalls ein Rekordwert.
In Gipuzkoa sanken die Mietpreise um 0,6% im Vergleich zum Vormonat, stiegen aber um 6,6% im Vergleich zum letzten Jahr. Der Preis pro QM liegt bei 15,9 Euro. Der Höchststand, der im August dieses Jahres erreicht wurde, lag bei 16,5 Euro. In Navarra ist die Entwicklung ähnlich: Die Mieten waren im November dieses Jahres 0,1% günstiger als im Oktober, aber 5,4% höher als vor einem Jahr. Der QM-Preis liegt bei 10,3 Euro und damit leicht unter der im Vormonat festgelegten Obergrenze.
Die Hauptstädte
Was die Hauptstädte betrifft, so liegt der Mietpreis in Donostia bei 17,9 Euro pro QM mit einem Anstieg von 8% im Vergleich zum Vorjahr – davor liegen im Staat nur noch Madrid und Barcelona. Die Obergrenze, die im August erreicht wurde, lag bei 18,1 Euro. In Bilbo war die Miete im November um 3,2% teurer als im Vormonat und um 8,2% teurer als im gleichen Monat des Jahres 2023, was einem Rekordpreis von 14,6 Euro pro QM entspricht und den siebten Platz in der staatlichen Rangliste bedeutet.
In Gasteiz gab es im November keine Veränderungen, obwohl es einen bemerkenswerten Anstieg von 7,5% im Vergleich zum Vorjahr gab. Der Preis pro QM liegt bei 12 Euro, dem Höchstwert. Auch in Iruñea (Pamplona) wurde die Obergrenze erreicht, mit einem fast nicht vorhandenen Anstieg von 0,1% von Oktober auf November, im Gegensatz zu dem Anstieg von 6,3 % im Vergleich zum letzten Jahr, auf 11,1 Euro pro QM. Außerhalb der Hauptstädte sticht der Anstieg von 18,1% im Vergleich zum Vorjahr in der Bizkaia-Stadt Barakaldo hervor, die Industriestadt vor Bilbo, in der knapp 100.000 Menschen leben. (NAIZ)
(2024-12-01)
FALSCHER ALARMISMUS NÄHRT DIE RECHTSEXTREMEN
Mena ist die Abkürzung für Menores No Acompañados – in der Übersetzung: “Unbegleitete minderjährige Jugendliche“. Sie kommen in Booten über das Mittelmeer und dann auf teilweise unerklärliche Weise ins Baskenland, in den 1.000 Kilometer entfernten “spanischen“ Norden. Das Baskenland ist aufnahmefreundlich. Eigentlich werden diese Jugendlichen unter den verschiedenen Region aufgeteilt, aber die spanische Rechte und Ultrarechte machen ihre Grenzen dicht. So sind im Baskenland überdurchschnittlich mehr Menas untergebracht. Die Ultrarechten hatten hier bislang keine laute Stimme.
Nun hat der Provinzialrat von Bizkaia beschlossen, eine Art von “Ausnahmezustand“ für das Netzwerk zur Aufnahme der Menas zu aktivieren. Der Grund dafür ist, dass die vorhandenen Ressourcen ausgelastet sind und nicht ausreichen, um die in der Region ankommenden Jugendlichen aufzunehmen. Deren Zahl stieg in einem Jahr von 350 auf 600 Personen. Die Erklärung dieses Zustands ermöglicht es dem Provinzialrat, zusätzliche Mittel bereitzustellen, um sicherzustellen, dass kein Minderjähriger unbegleitet bleibt. Eine logische Entscheidung im Einklang mit ihren Zuständigkeiten und Verpflichtungen.
Die Sprecherin der Region, Leixuri Arrizabalaga, gab vor, eine Botschaft der “absoluten Ruhe“ zu senden. Doch die Sprache, die sie während ihres Auftritts verwendete, ließ das Gegenteil vermuten. Sie benutzte Begriffe wie “völlig außergewöhnlich“, “Netz bis zum Anschlag“, “sie können nicht mehr“ und “vorübergehende Nothilfe“ – alles Begriffe, die eine außergewöhnliche Situation beschreiben, bis zu einem Punkt, an dem diese Situation außer Kontrolle zu geraten scheint. Sie fügte hinzu, dass ein “exponentielles Wachstum“ stattfinde, das heißt, so schnell, dass die Behörden nicht wüssten, “was“ in einem Monat auf sie zukommen könnte. Dabei zeichnete sie ein beunruhigendes, wenn nicht gar gefährliches Bild. Realität ist, dass in Bizkaia derzeit 602 unbegleitete minderjährige Migranten untergebracht sind, eine Gruppe also, die 0,005% der Bevölkerung der Region ausmacht.
Selbst wenn sich die derzeitige Zahl der Neuankünfte fortsetzen würde (laut Arrizabalaga drei Minderjährige pro Tag), wären dies sicherlich keine alarmierenden Zahlen, schon gar nicht in einer Gesellschaft wie der baskischen. Und noch weniger, wenn die Behörden die notwendigen Mittel bereitstellen.
Es ist wichtig, dass die politischen Verantwortlichen der baskischen Institutionen das von spanischen Ultrarechten und Faschisten entfachte Feuer nicht weiter schüren. Das bedeutet konkret, dass die baskischen Behörden in der Frage der unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen Abstand markieren müssen gegenüber der PP und der rassistischen Vox-Partei. Katastrophen-Reden und Übertreibungen unterstützen die apokalyptische Erzählung und stärken die Position der extremen Rechten. Es ist eine Tatsache, dass die Zahl der in unserem Land ankommenden Minderjährigen zunimmt, aber das ist nichts, was nicht mit mehr Mitteln und ein wenig Voraussicht gelöst werden könnte. Doch Vorsicht vor dem faschistischen Diskurs.
ABBILDUNGEN:
(*) Tagespresse
(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-12-01)
