Vaterlands-Tage
Vor 39 Jahren lehnte die Bevölkerung im Baskenland den Fortbestand des spanischen Staates in der NATO ab, selbiges geschah auch in Katalonien, in Nafarroa und auf den Kanarischen Inseln. Der Staat blieb dennoch im nord-atlantischen Kriegsverband, weil die übrigen Regionen anders stimmten. Nicht nur wegen dieses Erfolgs beim Referendum bleibt die antimilitaristische Bewegung stark. Beklagt wurde zuletzt vor allem die baskische Doppelmoral zwischen Bomben-Opfer der Nazis und aktueller Militärindustrie.
Während sich im April die Vernichtung von Gernika durch die Nazis sich zum 88. Mal jährt und geflissentlich an Hiroshima erinnert wird, arbeitet die baskische Rüstungsindustrie mit Regierungs-Pusch auf Hochtouren an europäischen Kriegsvorbereitungen.
(2025-04-30)
ZORNOTZA, DIE ERDE DER ROTEN
Der Friedhof von Zornotza (spanisch: Amorebieta) ist nicht nur irgenein Friedhof, sondern auch das größte Massengrab, das im Baskenland exhumiert wird. Bereits 126 Leichen sind im Sitz der wissenschaftlichen Gesellschaft Aranzadi, die die Exhumierungen vornimmt, angekommen und eine fünfte Ausgrabungs-Phase steht bevor. Bei den Exhumierungen handelt es sich um die Skelettreste von Kämpfern aus dem Krieg und von drei Frauen.
Am Sonntag, dem 20. April endete die vierte Exhumierungs-Kampagne auf dem Leginetxe genannten Zornotza-Friedhof. Freiwillige Helfer (von Euskal Prospekzio Taldea und Aranzadi) arbeiten daran, die Leichen von Kämpfern und Frauen zu bergen, die 1936/1937 an der Front gestorben sind oder im Militärkrankenhaus von Amorebieta, das in den Händen der Franquisten ein Gefängnis war, zunächst für Männer und dann für Frauen.
Verschiedene Kuriositäten überlagern sich in jenem Massengrab unberührten Wolle, das die Aufständischen gegen die rechtmäßige Zweite Republik “von den Roten“ bezeichneten. Wer den Friedhof betritt und ihn unter die Lupe nimmt, stellt fest, dass die mehr als 126 Menschen, die vor fast 90 Jahren ihr Leben verloren haben, auf einer Fläche von fast 300 Quadratmetern ausgegraben worden sind. In der 23 Meter langen geraden Linie ist das Grab von Luis Urrengoetxea zu finden, dem historischen Bürgermeister von Zornotzarra und Mitbegründer der links-nationalistischen Partei ANV.
Nur das Grab von José Andrés Eizagirre, einem mutmaßlichen Anführer von ETA militar, der 1981 von Beamten der Guardia Civil in Errenteria erschossen wurde, grenzt seitlich an das 12,5 Meter breite Massengab. Seine Grabplatte wurde aus verwaltungs-technischen Gründen bereits zweimal verlegt. Das letzte Mal in eine Grünanlage, wo sie die einzige ist, es wird davon ausgegangen, dass die sterblichen Überreste nicht dort sind. Geleitet werden die Exhumierungen von Alberto Sampedro Ixile, aus Bilbao und in Zornotza lebend, und Kepa Ganuza aus Larrabetzu. Beide, Mitglieder der baskischen Prospektions-Gruppe Euskal Prospekzio Taldea, haben sich den Traum erfüllt, das heute größte Massengrab von Kämpfern zu bergen.
“In Wirklichkeit sind es zehn Gräber“, stellen sie fest. Ixile fand das erste Massengrab der Gemeinde bereits 2008, ein Kämpfer. Durch diese Entdeckung lernte er die führenden Personen auf diesem Gebiet kennen, die beiden Forensiker*innen und Anthropolog*innen Lourdes Herrasti und Paco Etxeberria. Man fand dort ein Bajonett, einen Kieferknochen und das Abzeichen eines Milizionärs der Vereinigten Sozialistischen Jugend des Baskenlandes.
Seitdem haben sie nicht aufgehört, sich für Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und die Garantie der Nichtwiederholung einzusetzen. Seit der ersten Grabung in Leginetxe im Jahr 2023 haben sie sich mit Aranzadi zusammengetan. Sie waren die treibende Kraft für die Eröffnung des Grabes mit der Unterstützung der Stadtverwaltung von Zornotza. Freiwillige Helfer und einzelne Bürger von Zornotza halfen ebenfalls.
“Hier wird niemand bezahlt, auch Paco und Lourdes nicht. Wir arbeiten alle ehrenamtlich in unserer Freizeit, in schlechter Haltung, bei Regen und Kälte. Wir bezahlen auch unsere Reisekosten selbst“, betonen sie. Dennoch ist das Engagement erstaunlich. Die ersten 126 Leichenreste wurden bereits nach Donostia gebracht, zum Sitz von Aranzadi, wo ein anthropologischer Bericht erstellt wird. Manchmal sind es mehr als 250 Knochen pro Person, weil einige von ihnen gebrochen sind. Was gefunden wurde, lässt einem die Haare zu Berge stehen.
“Wir haben einen amputierten Arm mit einem Identifikations-Anhänger gefunden. Das Kuriose daran ist, dass wir wissen, dass dieser Kämpfer den Krieg überlebt hat. Er war Baske“. Bei einer anderen Gelegenheit waren sie überrascht, eine Leiche mit drei Beinen zu finden. “In beiden Fällen handelte es sich um Amputationen, die in dem Militärkrankenhaus vorgenommen wurden, das die provisorische baskische Regierung in der heutigen Karmelo Schule eingerichtet hatte.
Vier Kämpfer identifiziert
In dieser vierten Kampagne wurden die Überreste von 21 baskischen Soldaten exhumiert. Die Leichen von Frauen, die bisher gefunden wurden, wurden alle in Holzkisten begraben. “Bislang konnten vier republikanische Kämpfer identifiziert und ihren Familien übergeben werden“, heißt es. Die Liste wird fortgesetzt, wenn die DNA-Bank Ergebnisse liefert.
Bei dieser vierten Kampagne wurde auch ein weiteres Grab an derselben Stelle gefunden, die Öffnung aber aus Zeitmangel und wegen des schlechten Wetters auf eine fünfte Kampagne verschoben. Vielleicht “in Kürze“, im Mai, sobald sich die Freiwilligen-Teams erholt haben und ihre Zeitpläne angleichen konnten. “Wir werden das an den Wochenenden durchführen müssen“. Sie fügen hinzu, dass in letzter Zeit mehrere persönliche Gegenstände gefunden wurden, Münzen, eine Pfeife, ein Ring, verschiedene Knöpfe (viele von einer Matrosenjacke), sowie einige medizinische Gegenstände, Sicherheitsnadeln, Schienen. Mehrere der Leichen wiesen Frakturen auf“.
Von den 126 exhumierten Personen sind drei Frauen, in Särgen begraben, was die Freiwilligen vor ein Rätsel stellt, da nicht bekannt ist, ob es sich um übliche Friedhofsgräber handelt oder ob es sich möglicherweise um Gefangene handelt, deren Begräbnisort bisher unbekannt war. Diesem Rätsel wird nachgegangen.
Alle Leichen auf diesem Friedhof sind in Gruppen von 20 oder 22 Personen begraben, wobei die Köpfe in dieselbe Richtung zeigen. Bis auf einen Bereich, der näher an den normalen Gräbern liegt. Zeugenaussagen von Menschen wurden gesammelt, die sagten, sie hätten Leichen in einer bestimmten Anordnung gesehen, aber das war nicht der Fall. Auch wurden keine Granaten gefunden, im Dorf gingen viele davon aus.
„Es könnte sein, dass die Familien ihren Kindern gesagt haben, dass sie diese Grünfläche nicht durchqueren dürfen. Dass eine Bombe explodieren würde, wenn sie sie überqueren, um ihnen Respekt oder Angst einzuflößen. Sie sagten auch, dass einige Leichen, als sie dort abgelegt wurden, fast im Stehen begraben worden seien, was nicht stimmt. Dies sind Übertreibungen. Jedes Jahr Mitte Mai, zum Jahrestag der Besetzung durch die Faschisten, tauchte ein Blumenstrauß in diesem Haufen von “Roten und PNV-Nationalisten“ auf, neben einem mittlerweile verrotteten Kreuz.
Die Institutionen haben auf diesem Friedhof nur langsam gehandelt. Vorrang hatten die Friedhöfe von Durango, der einzige Ort, den Journalisten während der Exhumierungen nicht betreten durften; und Otxandio, zwei zerbombte Dörfer, in denen bei den Ausgrabungen nichts gefunden wurde. “In Durango haben wir erfahren, dass es Familien gab, die in der Nachkriegszeit wussten, wo sich ihre Toten befanden, und die Leichen an sich nahmen“. Auch in anderen Städten wie Derio (Standort des Friedhofs von Bilbo) oder in Urduña (im Süden Bizkaias) wurden zahlreiche Leichen exhumiert, wenn auch in geringerem Umfang als in Zornotza.
Und die Zukunft dieser derzeit 126 Leichen? Persönlich wünscht sich Ixile, dass die Überreste dorthin zurückkehren, wo sie seit fast neun Jahrzehnten liegen. “Ich möchte, dass sie nach Amorebieta zurückkehren. Das heißt, ich möchte nicht, dass sie irgendwo anders hingebracht werden, es sei denn, sie werden vorher identifiziert und ihre Angehörigen entscheiden, wohin sie gebracht werden sollen“. Aus diesen Gründen ermutigt die die örtliche Stadtverwaltung, nach Abschluss dieser wissenschaftlichen Arbeit ein Kolumbarium (gemeinsames Bestattungs-Denkmal) in Leginetxe zu errichten, als Ort der Erinnerung. All dies, sobald die Leichen begraben sind. Im Falle derjenigen, die keine Identität haben, wird ihre Anwesenheit mit ihrem Aktenzeichen angegeben. “Sie sollten hier bleiben“, hoffen sie und verweisen auf das Gelände, das die Franquisten die Erde “der Roten“ nannten. (naiz-baskultur)
(2025-04-29)
KURIOSE STRASSEN-UMBENENNUNG IN BIARRITZ
Es ist nicht überliefert, woher der Name des Stadtteils kam, manche werden sagen, es war auch nicht böse gemeint, aber mit Kolonialismus hatte er mit Sicherheit zu tun, das konnte niemand abstreiten. Das Viertel, in dem der Bahnhof der baskisch-französischen Stadt Biarritz (bask: Miarritze) liegt, trug bisher den adretten Namen “La Negresse“, was in der deutschen Übersetzung im besten Fall “die Schwarze“ heißt, aber auch mit dem abwertenden Begriff “die Negerin“ übersetzt werden könnte. Ein Gericht befand nach der Klage einer Organisation, dass der Name einen rassistischen Gehalt aufweise und deshalb aus dem Straßenbild zu verschwinden habe. Grund für Polemik.
Am 6. Februar dieses Jahres hat ein Gericht in Bordeaux ein klares Urteil gesprochen. In einer Entscheidung, die dazu dienen sollte, den Fall abzuschließen, ordnete es die Umbenennung des Viertels “La Negresse“ an, in dem sich immerhin der Bahnhof von Biarritz befindet. Das Gericht schloss sich den Hauptargumenten der von der Vereinigung “Hala Memoires et Partages“ (Erinnern und Teilen) eingereichten Klage gegen die alte Benennung an. Dabei unterstellte das Gericht dem Namen "rassistische, koloniale und sexistische Untertöne" und gab dem in Bordeaux ansässigen Verein Recht.
Gegen diese Gerichtsentscheidung legte eine lokale Organisation mit dem Namen Herriko Etxea, Casa del Pueblo, unter dem Vorsitz von Maider Arosteguy (eine rechte Republikanerin) Berufung ein, die das Gericht jedoch am 17. April verwarf. Für die Organisation war das Thema damit jedoch nicht erledigt, denn nach der Abweisung des Gerichts änderte Herriko Etxea, die aus ihrem Festhalten an der alten Bezeichnung nie einen Hehl gemacht hatte, ihre Strategie. Sie startete eine Volksbefragung mit dem Ziel, einen neuen Namen für das Viertel und die gleichnamige Straße zu finden. Bis zum 28. April bot sie den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt die Wahl zwischen drei Namen an - obwohl die endgültige Entscheidung selbstverständlich in den Händen des Stadtrats liegt.
Bei der inoffiziellen Volksabstimmung triumphierte der Vorschlag “L'Allegresse“, die Fröhlichkeit. Dieser Name lehnt sich auffällig an den alten Namen “La Negresse“ an, er erhielt die Mehrheit der Stimmen jener Einwohner*innen, die an dem Referendum teilgenommen haben. Die erste Option war Gresa karrika (karrika bedeutet auf Baskisch Straße), ein gaskonischer Name; die zweite Option war Buztinlurra karrika, ein baskischer Name, der Eisenerde oder Ton bedeutet; und die dritte Option war Allegresse (Französisch).
Am 29. April gab das Casa del Pueblo die Ergebnisse der Befragung bekannt. In einer Pressemitteilung wurde erklärt, dass L'Allegresse die von der Mehrheit der Bürger unterstützte Option für die Straße sei. Der erfolgreiche Vorschlag erhielt insgesamt 1.019 Stimmen. Im Einzelnen stimmten 614 Biarritz-Einwohner*innen für diese Option, unter jenen, die nicht in der Stadt wohnen, waren es 405, die den Namen am besten fanden (weshalb die überhaupt teilnehmen durften, wird nicht erklärt). Der baskische Name Burdinlurra erhielt 403 Stimmen, 222 von Biarritzer*innen und 181 von außerhalb. Für den gaskonischen Namen Lana Gresa entschieden sich 596 Bürger, im Verhältnis 358 plus 238. Insgesamt haben 2.018 Personen an der Herriko Etxea organisierten Befragung teilgenommen. Insgesamt 1.194 aus Biarritz selbst und 824 von außerhalb der Stadt. (kazeta.eus)
(2025-04-28)
FAKE NEWS MIT STROMAUSFALL
Wie jeden Mittag stand ich an einer bilbainischen Theke, trank einen Wein und las die Zeitung, als plötzlich das Licht ausging. “Die von der Baustelle“, fluchte der Barkeeper und witschte nach draußen, um den Bauarbeitern auf dem Bürgersteig die Leviten zu verlesen. Die wiesen jede Schuld zurück, was sich bestätigte, als klar wurde, dass es auch in anderen Straßen keinen Strom mehr gab. Nichts wirklich besonderes in diesem Bilbao des “alles für den Tourismus“ und “nichts für das Volk“. In der ganzen Stadt gebe es keinen Strom, war die nächste Nachricht, in Madrid ebenfalls nicht, in Valencia dasselbe, sogar in Barcelona sei Dunkelheit eingekehrt.
Ich nahm die Zeitung und las auf der Straße weiter, in Erwartung weiterer Nachrichten. Die kamen zuverlässig. Portugal und Frankreich ebenfalls Blackout. Und: sogar Deutschland! Ein “sogar“ mit Ausrufezeichen, von den korrekten Deutschen erwartet man so etwas ja nicht! Was danach kam, waren nur noch quantitative Ergänzungen, qualitativ war mit Deutschland der Höhepunkt erreicht. Ganz Europa, hieß es. Niemand traute sich, eine Prognose zu stellen, Handys hatten kein Internet mehr, nur noch Whatsapp-Botschaften gingen ein, aus Valencia, von sonstwo, Bestätigungen, Kopfschütteln, Ungläubigkeit.
Vor meiner Haustür diskutierten zwei über die Entwicklung. Nichts ging mehr. Ich ging nach oben und holte eine Flasche Sidra, um mich wieder auf die Treppe zu setzen, ein Glas mehr, falls sich noch jemand dazugesellt. Ruckzuck waren wir acht, gute Stimmung, Witze. “Ich möchte wissen, ob das die Russen waren, oder die Chinesen, oder sogar die Ammis!“ - “Der Sanchez ist schuld, erst die Pandemie und nun das!“ Meine Prognose war ein AKW-Unfall in Frankreich, bekanntermaßen hatten die dort nichts im Griff. “Heute bleibt die Küche kalt“ sagte jemand, bevor die Idee mit Camping-Gas ins Spiel kam: der Camping-Kocher! Sicher würde “Camping-Gas“ das Wort des Jahres werden, wenn sich die Sache in die Länge ziehen sollte.
Wir stellten uns kollektiv vor, was die Leute machen, die in der Funicular auf halbem Weg, oder in der Metro im Tunnel vom Stromausfall überrascht wurden. Bus war Trumpf. Die Stimmung war gut, der Sidra ging zur Neige. Einer gab mir sein Handy, auf dem er eine englische Meldung erhalten hatte. “Du kannst sicher besser Englisch als ich“. Ich übersetzte: “Der größte Cyber-Angriff in der europäischen Geschichte!“ Ich wusste was nun kommt: “Die Russen werden verdächtigt, dahinter zu stecken. Auch Uschi von der Leyer hatte sich schon zu Wort gemeldet: “Diese miese Cyber-Aktion werde eine energische Antwort zur Folge haben“. Undsoweiter, undsoweiter. “Am besten wir schauen mal, wem das am meisten nutzt, dann kommen wir sicher direkt zu einer Erklärung“. Ich bestand auf Frankreich und den AKW-Notstand.
Der Strom kam zurück, erst in Donosti, dann in Bilbao, der erste gesamt-europäische Stromausfall fand sein Ende, ein eher kurzes Vergnügen auf der sonnigen Treppe. Die folgenden TV-Nachrichten waren ernüchternd: Nur Spanien und Portugal von der unerwarteten Dunkelheit betroffen und ein kleiner Teil Frankreichs in der Nähe von Perpignan. Nichts von Deutschland, Europa, hostia, gerade mal noch Andorra, auf den Balearen und Kanaren mussten sich die Touris keine Spur von Sorgen machen, einen Anschlag von Tourismus-Feinden erlitten zu haben. Mein Tipp mit den AKWs lag also daneben. Wenn es die Russen gewesen sein sollen, tippe ich jetzt auf Trump und seine Rodeo-Trupps. (baskultur)
(2025-04-27)
GEDENKEN IN GERNIKA: ITALIEN IM BLICKPUNKT
88 Jahre nach dem verheerenden Bombenangriff auf Gernika hat die Stadt an jenes Kriegsverbrechen erinnert. Wie jedes Jahr wurden Friedenspreise verliehen, es wurde demonstriert und eine katholische Messe abgehalten.
Neuheit an diesem 88. Jahrestag des faschistischen Bombardements, das Gernika fast völlig zerstörte, hat der Bürgermeister der Stadt, José María Gorroño, den italienischen Staat aufgefordert, seine Beteiligung an diesem “grausamen“ Massaker einzugestehen und so die “Verantwortung“ für das Handeln des damaligen faschistischen Regimes von Mussolini zu übernehmen. Die Deutschen und der spanische Staat, Nazis und Franquisten, sind aus dieser Verantwortung offenbar entlassen. Im Falle der BRD geht dies zurück auf eine wachsweiche “Entschuldigung“ des damaligen Bundespräsidenten Herzog, der dazu geführt hat, dass die Akte “Legion Condor“ in Gernika geschlossen wurde. Der spanische Staat hat es bislang noch nicht einmal auf ein solches wachsweiches Ausweichmanöver gebracht, doch die Sanchez-Regierung mit Podemos ließ sich in den letzten Jahren eifrig zur Gedenkfeier einladen und hat mit Blumengebinden ihre “Schuld“ beglichen. Bleiben also die Italiener – kaum vorstellbar, dass ausgerechnet die Ultrarechten mit Meloni an der Spitze den damaligen Gesinnungsgenossen in den Rücken fallen wollen.
Der Friedens- und Versöhnungspreis, der mehr als einmal bittere Kritik ausgelöst hat und in einem Fall sogar Ermittlungen der spanischen Staatsanwaltschaft auslöste, fiel in diesem Jahr an den Generalsekretär der Vereinten Nationen, den Portugiesen António Guterres, der von Israel wegen seiner Verteidigung der Menschenrechte und der Kritik am zionistischen Völkermord permanent als “Antisemit“ beschimpft wird. Israel wird dies zur Kenntnis nehmen und Gernika ebenfalls auf die schwarze Liste (zum Ausradieren) setzen, wie dies vor Tagen mit den beiden Chefinnen von Podemos geschah, nachdem Ministerpräsident Sanchez auf Druck einen Waffendeal mit dem Zionisten-Staat rückgängig machen musste. Der zweite Gruppen-Preis ging an das argentinische Team für forensische Anthropologie (EAAF) für Leistungen bei der Aufarbeitung der Videla-Diktatur. Für baskische Verhältnisse eher unverdächtige Preisverteilungen.
Die Veranstaltung fand in diesem Jahr im etwas größeren Jai Alai Fronton statt, das Theater ist bei dem immer stärker werdenden Medien-Andrang definitiv zu klein geworden. Im Fronton richtete der Bürgermeister seine Forderung an den italienischen Staat nach Verantwortung für die “grausame Bombardierung“ von 1937. Er rief dazu auf, “unsere Stimmen im Gedenken an die Toten“ von 1937 zu erheben. “Nein zum Vergessen, nein zur Wiederholung“, forderte er. An der Preisverleihung nahmen unter anderem der Repräsentant der Allianz der Zivilisationen der Vereinten Nationen (UNAOC), Miguel Ángel Moratinos teil (ehemaliger spanischer Außenminister) und verschiedene baskische Funktions-Träger*innen.
Zapatero und Guterres entschuldigt
Der ehemalige spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, dessen Anwesenheit von den Organisatoren angekündigt worden war, konnte wegen Krankheit nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Auch António Guterres konnte den Preis nicht persönlich entgegennehmen, da er an der Beerdigung von Papst Franziskus im Vatikan teilnahm. Moratinos nahm den Preis stellvertretend für den ehemaligen portugiesischen Premierminister und jetzigen UN-Generalsekretär entgegen. Er verlas mehrere Zitate von Guterres, in denen dieser zum Frieden als “höchstem Preis für die gesamte Menschheit“ aufrief.
Argentinisches Team für forensische Anthropologie
Im Namen des argentinischen Teams für forensische Anthropologie, das 1984 mit dem Ziel gegründet wurde, das gewaltsame Verschwindenlassen von Personen während der argentinischen Diktatur (1976-1983) aufzuklären, nahm dessen Direktorin Mercedes Salado den Preis entgegen. In ihrer Rede erinnerte sie an die Opfer der Repression und der “perversen Schließung der Grenzen“ und betonte, dass das Recht auf Wahrheit “hätte niemals verweigert werden dürfen“. Was den Staatsterrorismus anbelangt, wartet die baskische Gesellschaft ebenfalls auf eine solche Wahrheits-Kommission.
Der vor mehr als 30 Jahren ins Leben gerufene Gernika-Preis wurde in den letzten Jahren unter anderem an den ehemaligen uruguayischen Präsidenten José Mujica und den Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel verliehen, die Verleihung an den damals im Gefängnis befindlichen Arnaldo Otegi (Sortu, Bildu) rief heftige Reaktionen hervor. Fehlen darf in keinem Jahr ein Bezug zu Hiroshima, mit dessen Schicksal Gernika häufig gleichgesetzt wird. So hat die Eiche von Gernika ein besonderes Konzert erlebt. Die junge japanische Musikerin Rino Yoshimoto spielte zwei Lieder auf einer Geige, die die Atombombe überlebt hat, die vor 80 Jahren auf die Stadt Hiroshima abgeworfen wurde. Die junge japanische Geigerin (21 Jahre alt) hat seit ihrem frühzeitigen Solodebüt 2019 in der New Yorker Carnegie Hall das Publikum auf der ganzen Welt in ihren Bann gezogen. Mit ihrem umfangreichen und erstaunlichen Repertoire ist sie bereits mit Orchestern in Japan, Österreich, Bulgarien, Griechenland, den USA und Italien aufgetreten.
Um 15.45 Uhr, dem Beginn der damaligen drei-stündigen Bombardierungen, ertönte die Alarm-Sirene. Ausgelöst wurde sie dieses Jahr von Vertreter*innen des palästinensischen Volkes, während im Kulturzentrum Astra die Mitglieder des “Baskischen Komitees für die Erinnerung an die Deportation“ in Konzentrationslager der Nazis die Protagonisten waren. Im Namen des Komitees, das von Lobak, einem von den Enkeln der Überlebenden des Bombenangriffs geförderten Kulturprojekt, eingeladen wurde, dankte Anton Gandarias für die Einladung. “Gernika ist eines der auffälligsten Beispiele für Verbrechen am baskischen Volk, einer der Ausgangspunkte eines repressiven Weges“, erklärte der Vorsitzende des Vereins und Neffe des nach Mauthausen Deportierten Angel Lekuona.
Im Anschluss fand auf dem Friedhof von Zallo die Trauerfeier und Blumenehrung für die bei dem Angriff auf die Stadt Getöteten statt. An der Zeremonie nahmen zahlreiche Vertreter von Institutionen, Angehörige der Opfer und Überlebende sowie Einwohner der Bizkaia-Stadt teil.
Der baskische Präsident Imanol Pradales war zwar nicht auf dem Friedhof, erinnerte aber über das soziale Netzwerk Linkedin an diesen Tag. Er betonte, dass “der Kampf zwischen Autoritarismus und Demokratie“ auch 88 Jahre später noch aktuell sei, und mahnte, dass es nach wie vor notwendig sei, die Grundsätze “des Friedens, der Toleranz und der Menschenwürde entschieden“ zu verteidigen. Etwas heuchlerisch angesichts der Tatsache, dass seine Regierung die baskische Militärindustrie mit großzügigen Subventionen fördert. Ein Schatten, der jedes Jahr über den den Gedenkfeiern von Gernika liegt.
Gaza und die Ukraine
Während der Zeremonie wurde ein Text verlesen, der an die “totale Zerstörung“ Gernikas durch die Bomben der Legion Condor und die Aviazione Legionaria erinnert. Der Text stellte auch einen Zusammenhang her zu “anderen Städten in der Ukraine, in Gaza“ und in anderen Teilen der Welt, “wo es Tausende von unschuldigen Kriegsopfern gibt“. - “Die Blumen, die wir heute in Gernika niederlegen, sollen nicht nur an unsere Opfer erinnern und sie in den Mittelpunkt stellen, sondern auch an die anderen Gernikas des 21. Jahrhunderts, an die Städte und an die unschuldigen Menschen, die jeden Tag unter der Sinnlosigkeit der Bomben und des Terrors sterben“.
Gewarnt wurde, dass “der Teufel des Krieges und der Unvernunft nicht ruht“, weil “die Zeit vergeht und er von Zeit zu Zeit in die Welt zurückkehrt, um Angst zu machen, zu töten und zu zerstören“. Bedauert wurde, dass “in den letzten Tagen“ wieder “besorgnis-erregende Botschaften über Aufrüstung, Militarisierung, unter dem Vorwand der Sicherheit“ zu hören waren. “Wir müssen diesem Diskurs mit Gewaltlosigkeit, Frieden und viel Dialog entgegentreten, nicht mit noch mehr Waffen und einer Kriegspolitik, die das Leiden der Menschen fördert. Wir können uns nur weiterhin unermüdlich für den Frieden einsetzen“, schlossen sie. Am Abend der traditionelle Lichter-Marsch durch die Straßen der Stadt. (baskultur)
(2025-04-26)
ERINNERUNG AN GEORGE STEER
Am Jahrestag der Vernichtung Gernikas (26. April 1937) reden alle von Krieg, von den Franquisten, von den Nazis und von den Verbrechen der Legion Condor. Mehrfach ist von Condor-Chef Wolfram von Richthofen die Rede, kaum jemand spricht von George Steer. Diesem britischen Journalisten ist vieles von dem zu verdanken, was wir heute über das Kriegsverbrechen in Gernika wissen. Nur wenige Stunden nach dem vernichtenden Angriff kam er in die Stadt, sah das die Stadt noch im Feuer und berichtete in der London Times. Zwei Tage danach war das Verbrechen in der ganzen Welt bekannt. Wer war dieser George Steer?
George Lowther Steer (1909 – 25. Dezember 1944) war ein in Südafrika geborener britischer Journalist. Er arbeitete als Kriegs-Berichterstatter in verschiedenen Konflikten vor dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere im Zweiten Italo-Äthiopischen Krieg und im Spanienkrieg. Während dieser Zeit schrieb er für die Zeitung The London Times und machte mit seinen Berichten aus erster Hand auf die Kriegsverbrechen der Italiener in Äthiopien und der Deutschen in Spanien aufmerksam, obwohl der Völkerbund in der Folge nichts dagegen unternahm. Sein Vater war ebenfalls Zeitungsredakteur. Steer studierte Kunst und klassische Kultur in London und in Oxford. Er begann seine journalistische Laufbahn in Südafrika.
Kriegsberichterstatter
1935 berichtete Steer für die Times über die italienische Invasion in Äthiopien und warnte davor, dass die italienischen Streitkräfte Senfgas einsetzten. Steer freundete sich mit Kaiser Haile Selassie I. von Äthiopien an. Der Kaiser wurde später der Patenonkel von Steers Sohn. 1937 wurde er als Berichterstatter nach Spanien entsandt, um nach dem faschistischen Militärputsch über den Krieg zu berichten. Besonders bekannt wurde er durch seine Veröffentlichung über die Bombardierung von Gernika am 26. April 1937. In seinem Telegramm an London beschrieb er die deutschen Bombenhülsen und die Verwendung von Thermit als Brandbeschleuniger, um die Stadt in Brand zu setzen. Sein Bericht inspirierte Pablo Picasso dazu, seinem für die Weltausstellung in Paris 1937 gemalten Bild den Titel “Guernica” zu geben.
Der antifaschistische Ton in Steers Berichten veranlasste die Times, seine Dienste nicht mehr in Anspruch zu nehmen. Die redaktionelle Linie der Zeitung zum Krieg sollte neutral sein, Herausgeber Geoffrey Dawson sympathisierte insgeheim mit den Faschisten um Francisco Franco. Steer kehrte nach Südafrika zurück und dokumentierte in seinem Buch Judgment on German Africa die Versuche Deutschlands, die Grundlagen seiner ehemaligen afrikanischen Kolonien zu untergraben. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs schickte der Daily Telegraph Steer nach Finnland, um über den Winterkrieg zu berichten.
Im Mai 1936, als Plünderer Addis Abeba verwüsteten, heiratete Steer die französische Korrespondentin Margarita Herrero. Bald darauf wurde er zusammen mit anderen Europäern von den italienischen Behörden ausgewiesen, weil er die Opposition unterstützt hatte. Margarita Steer starb bei der Geburt ihres Kindes in London, während Steer über den Spanischen Bürgerkrieg berichtete. Er heiratete später Esme Barton. Im Jahr 2006 ehrte die Stadt Guernica George Steer mit einer Bronzebüste und einer Straße zu seinem Gedenken. Im Jahr 2010 weihte die Stadt Bilbao die George-Steer-Straße in Anwesenheit von Barton George Steer, dem Sohn des Journalisten, und seiner Enkelin Sophie ein.
Im Juni 1940 trat er in die britische Armee ein und befehligte eine Propagandaeinheit, als die britischen Truppen den Kampf gegen die Italiener in Äthiopien aufnahmen. Nach der Niederlage der Italiener im Jahr 1941 war Steer maßgeblich an der Wiedereinsetzung von Haile Selassie auf dem Thron beteiligt. Später wurde er nach Indien entsandt, um eine Feldpropaganda-Einheit in Bengalen zu leiten. Am 25. Dezember 1944 verunglückte er in einem Armeejeep in Burma tödlich.
Mit seinem Bericht über das Kriegsverbrechen der Nazis in Gernika brachte Steer die Franquisten und ihre deutschen Verbündeten in Bedrängnis, weil die ganze Welt von ihren Verbrechen erfuhr. Den Faschisten blieb nur die Möglichkeit, das Verbrechen mit einer Lüge zu verschleiern: fortan wurde im faschistischen Spanien und in der Nazipresse davon geschrieben, die Basken hätten bei ihrem Abzug Gernika selbst in Brand gesetzt. Diese Lüge blieb bis Francos Tod offizielle Version, keine “demokratische” Regierung Spaniens hat sich bis heute für das Verbrechen entschuldigt. Bei Wikipedia sind Lebensdaten zu George Steer in neun Sprachen zu finden, Deutsch gehört nicht dazu, an Steers Wirken gegen die Nazis besteht offenbar wenig Interesse. (wikipedia-baskultur)
(2025-04-25)
SCHWARZE MÄNNER AUS BILBAO
Es passt wunderbar zum Curriculum der nach wie aufstrebenden Tourismus-Stadt: auch ein Europa-Pokalsieg in einem nichtssagenden Turnier für Basketballer lässt sich gut verwursten und katapultiert den Namen Bilbao in die Schlagzeilen – und sei es nur für einen Tag, Kleinvieh macht auch Mist. FIBAE-Europe Cup (oder so ähnlich) heißt das Turnier für jene, die es nie und nimmer in die Champions der Korbleger schaffen würden. Nicht einmal einen eigenen Namen hat der Club aus Bilbao, er trägt den vom Sponsor, was im Basketball so üblich ist, morgen schon kann es schon ein anderer sein.
Nur wenige Basketballteams in Europa können sich so rühmen wie Bilbao Basket, dass sie in ihrer Umkleidekabine ein von der Herkunft her so ungleiches Team haben. So formuliert es die lokale Presse, die aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen bereit ist. Will heißen, um das Team zu konstituieren, wurden in der halben Welt Werfer zusammengekauft, was eben gerade zu haben war im Second-Hand-Markt des Baskets. “Um den ersten Pokal zu gewinnen, hat SBB in dieser Saison 17 Spieler mit 13 verschiedenen Pässen eingesetzt, ein Zeichen für Globalität“, ist die unsinnige Formulierung – dabei hatte die Vereinsführung sicher nicht vor, den spanischen Nobelpreis für Multikulturalität zu gewinnen. Und das ausgerechnet in Bilbao.
Denn sollte die Regenbogenpresse die gleiche Schlagzeile für Fußball zum Einsatz bringen, hätte dies mit Sicherheit einen Leseboykott zur Folge. Denn der Kicker-Club Athletic Bilbao ist weltweit bekannt als einziger, der nur Spieler (und Spielerinnen bei den Frauen) aus der Region einsetzt, nur Basken und Baskinnen also, oder solche, die hier das Kicken gelernt haben. 17 Spieler mit 13 verschiedenen Pässen wäre für Tausende von Athletic-Fans ein Grund für Selbstmord, oder etwas ähnliches mit weniger definitiven Folgen.
Nichts gegen Multi-Kulti, wenn dies zur Folge hätte, dass alle Papierlosen mit solchen versehen würden und Aufenthalts- und Arbeit-genehmigung erhielten. Weit davon entfernt. Dafür sorgt, unter anderem, dieselbe Tageszeitung, indem sie den Flüchtlingen Sozialhilfe-Missbrauch andichtet etcetera.
Ganz anders im vorliegenden Fall: “Die persönlichen Alben der Männer in Schwarz (so der Nickname der Werfer) enthalten Bilder aus den Vereinigten Staaten, der Ostseeküste, Skandinavien, Afrika, der Karibik, Mittel- und Südeuropa. Eine Vielzahl von Landschaften und Kulturen, die die Erfolge der Mannschaft aus Bilbao in Europa bereichern.“ Bouba Sasunim aus dem Sudan, der mit dem klapprigen Boot angeschippert kam, kann von solchen Lobhudeleien nur träumen.
Mitte August 2024, so weiß unsere Lieblingszeitung zu berichten, “trafen sich die Kameraden der vergangenen Saison mit den Neuzugängen, mehr als die Hälfte des Kaders. Trainer und Assistenten begannen, den Mörtel zu bilden, der die heterogene und neue menschliche Gruppe stärken sollte“. Wir sind ganz gerührt, wenn wir auf diese Familie blicken: Harald aus Norwegen, Muhammad-Ali und Marvin aus den USA, Carlos, Rubén, Iker und Xavi aus Spanien, Malcolm aus Frankreich, Thijs aus Belgien, Tomasz aus Polen, Bassala aus Mali, Melwin aus Schweden, Omar aus der Dominikanischen Republik, Zoran aus Slowenien, Tryggvi aus Island, Amar aus dem Senegal, sowie Kristian aus Estland.
“Die Harmonie war von Anfang an vollkommen und ganz natürlich. Die Kameradschaft war bereits in den Freundschaftsspielen vor der Saison zu spüren, als sich die Spieler auf dem Spielfeld zusammensetzten, um ihre Abläufe zu korrigieren und sich gegenseitig über ihre Fehler zu beraten“ – das hört sich an wie das weltweit erste basisdemokratische Konzept im Profisport. Seitdem herrschen Komplizenschaft und gegenseitiger Respekt vor“.
“Die Miribilla-Familie besteht aus jungen Talenten, die noch nicht so weit sind, und aus erfahrenen Spielern, die schon lange dabei sind. Die sportliche Leitung hat den Markt ausgekundschaftet, um vielversprechende Spieler zu verpflichten, die in Bilbao sportliche und menschliche Wärme erfahren haben und die ihrerseits den Verein für die Aufmerksamkeit loben, die er ihnen schenkt.
Ein Schmelztiegel der Erfahrungen – die Sportart der Langen ist bekannt für ihre Fliehkraft, Jedes Jahr ein neuer Kader, bei Verletzung sofort Ersatz auf dem Weltmarkt, Yankees geht der Harlem-Globe-Bonus voraus. “Sie sind Zwangsnomaden“, stimmt auch unser rechtes Blatt zu, “die auf der Suche nach einer neuen Saison sind, um ihre sportlichen Sehnsüchte zu befriedigen. Der bunte Haufen hat sich “den Traum vom europäischen Titel erfüllt. Nächstes Jahr dasselbe an irgendeinem entfernten Ort. Fremden-Legionäre eben, die dort kämpfen wo der beste Sold gezahlt wird. (baskultur)
(2025-04-24)
GEGEN DIE BASKISCHEN KRIEGSHERREN
Bis zu 100 Millionen Euro für die baskischen Kriegsherren. Deshalb findet am 26. April in Bilbao ein Protest auf Rädern gegen den militärisch-industriellen Komplex statt, zum siebzehnten Mal: "Radmarsch gegen Krieg, Ausgaben und Militärindustrie", eine Initiative, die von antimilitaristischen, umweltbewussten und internationalistischen Gruppen organisiert wird. Der Marsch beginnt um 10.30 Uhr vor dem Gebäude der Provinzregierung Bizkaia und führt durch verschiedene Gebiete des Großraums Bilbao, mit Zwischenstopps vor zwei der wichtigsten Rüstungs-Produktionszentren im Baskenland: ITP Aero in Barakaldo und SENER in Getxo, wo die Route endet.
Die Mobilisierung fällt mit dem 88. Jahrestag der Bombardierung von Gernika zusammen und soll auf die wachsende Bedeutung der Rüstungs-Industrie im Baskenland hinweisen. Nach Angaben der Organisatoren steht die baskische Autonome Gemeinschaft mit einem jährlichen Umsatz von 6 Milliarden Euro an dritter Stelle im spanischen Staat, hinter Madrid und Andalusien.
Die aufrufenden Gruppen prangern die Tatsache an, dass 206 baskische Unternehmen an der Waffenproduktion beteiligt sind, von denen viele direkt aus den öffentlichen Haushalten subventioniert werden. Laut dieser Beschwerde stellt die baskische Regierung diesem Sektor jährlich bis zu 100 Millionen Euro an Beihilfen zur Verfügung. "Die Kriegsherren tragen das baskische Label", stellen die Organisationen fest.
Mit dem Marsch soll auch auf das wachsende institutionelle Engagement für die Rüstungs-Unternehmen aufmerksam gemacht werden, zum Nachteil von Einrichtungen des Sozialstaats. Sie kritisieren, dass die Unterstützung für den Militärsektor zunimmt, während die Mittel für Gesundheit, Renten, Gleichstellungs-Politik und Wohnungsbau gekürzt werden. Darüber hinaus beschränkt sich die Beschwerde nicht auf den lokalen Kontext: Sie weist auch auf die Zusammenarbeit baskischer Unternehmen mit israelischen Rüstungs-Unternehmen wie Rafael, Elbit oder Israel Aerospace Industries hin, die für die Herstellung von Waffen verantwortlich sind, die beim Völkermord in Palästina eingesetzt werden.
Nach Schätzungen der Organisatoren werden 80% der baskischen Militärproduktion an so genannte “Verteidigungs-Ministerien” exportiert, in Länder wie Israel, Saudi-Arabien, Marokko, Mexiko, Brasilien, die Vereinigten Staaten und Spanien selbst. Dadurch wird ein Gewinn von rund 150 Millionen Euro erzielt. In diesem Zusammenhang fordern die Organisatoren die Umstellung dieser Industrie auf zivile Zwecke, wie es seinerzeit das historische Unternehmen Orbea tat, das von der Herstellung von Kleinwaffen auf die Produktion von Fahrrädern umstieg.
Der "Bizi Martxa" Fahrrad-Marsch soll eine symbolische, aber kraftvolle Art sein, für ein anderes gesellschaftliches und wirtschaftliches Modell in die Pedale zu treten: ethischer, umweltfreundlicher und weniger bewaffnet. Er wird organisiert von: Biziz Bizi, Biraka, Eguzki, Ekologistak Martxan, Kakitzat, Kem-Moc und Komite Internazionalistak (ecuador etxea - baskultur).
(2025-04-23)
BESUCH BEIM PAPST
Alle reden vom Papst. Ob er nun ein Gutmensch gewesen sei, oder einer von der üblichen katholischen Sorte. Wenn ein Faschist sein Landsmann Milei über ihn herzieht, muss was Positives an Franziskus gewesen sein; sein Händedruck mit Diktator Videla zeigt in die andere Richtung. Na was nun? Legen wir doch einmal baskische Maßstäbe an. Der Ex-Ministerpräsident, überzeugter Katholik wie es sich für die konservative PNV gehört, hätte ihn gerne nach Euskal Herria eingeladen, wo doch ausgerechnet im gipuzkoanischen Loyola die Urstätte der Jesuiten-Bewegung ist, zu der sich der Obervatikanist bekannte. Doch war dessen Leben zu kurz. Nächstes Kapitel.
Es begab sich dereinst … da waren Amets Arzallus und Ibrahima Balde zu Besuch bei Franz dem Ersten. Ibrahima ist ein afrikanischer Flüchtling, der im spanischen Staat sesshaft wurde, Amets ist eine der aktuell berühmtesten Bertsolaris, baskische Reimsänger, die die Kunst der spontanen Dichtung beherrschen wie niemand anderes. Wie es dazu kam, ist nicht überliefert, jedenfalls hatten die beiden Freunde eine Audienz beim Papst, der Ausländerfreund gewesen sein soll. Ein Gastgeschenk hatten sie auch dabei, nämlich das Buch, das beide zusammen geschrieben hatten. Es schildert Ibrahimas Irrwege nach Europa, Amtes besorgte die baskische Übersetzung: “Miñan“ heißt übersetzt “kleiner Bruder“ und berührte offenbar eines der Hauptanliegen des Pontifex: das Drama der Migration, eines der Themen, die den kürzlich verstorbenen Papst Franziskus am meisten beschäftigten. Anders wäre nicht zu erklären, dass Franz das Buch weiterempfahl, zum Beispiel bei einem Treffen mit Migranten auf Malta.
“Es ist ein Thema, das uns alle berührt. Europa macht großzügig Platz für die Ukrainer, die an seine Tür klopfen, da muss es auch Platz für diejenigen machen, die aus dem Mittelmeerraum kommen“, sagte der Pontifex damals und bemerkte, dass er “schreckliche Geschichten“ gehört habe. Amets erinnert sich: “Ibrahima war sehr bewegt und ganz still, ein bisschen blockiert. Dann wurde er lockerer und ich versuchte, die Situation zu entspannen, indem ich über dieses und jenes sprach, vor allem über Ibrahima und seine Familie, über die Rückkehr nach Guinea, über die zunehmend harte Migrationspolitik Europas“, erinnerte sich Arzallus in einem späteren Interview. Das Treffen fand statt, während in Frankreich Präsident Emmanuel Macron für restriktive Maßnahmen gegen die Migration warb.
Auf Baskisch und Peul
Arzallus erklärte Francisco auch, das Buch sei auf Baskisch geschrieben und der Titel sei aus der Peul-Sprache. “Ich wollte, dass er diese beiden Sprachen in seinen Händen hält und sie in seiner Bibliothek aufbewahrt“, fügte er hinzu. Ibrahima verließ Guinea-Conakry, um seinen kleinen Bruder zu suchen. “Ich bin in Europa, aber ich wollte nicht nach Europa kommen“, erzählt er zu Beginn des Buches, in dem er von seiner Reise durch Wüsten und Meere erzählt.
Amets Arzallus arbeitete als Freiwilliger in der Migrantenhilfe, als er Ibrahima Balde kennenlernte, und von da an arbeiteten sie zusammen, um seine Geschichte zu verbreiten. „Wenn sie dir etwas so Schweres auf so seltsame Weise erzählen, weißt du nicht, woran du dich festhalten sollst. Du weißt nicht, ob es legitim ist, diese Ehrfurcht, diese seltsame Schönheit zu empfinden. Du versuchst, das zu ignorieren, dich nicht davon runterziehen zu lassen, aber man fühlt sie trotzdem“, schreibt er im Nachwort. Arzallus schlug Balde vor, ihn zu interviewen, um ihm bei seinem Asylantrag zu helfen. Daraus entwickelte sich eine Beziehung zwischen den beiden. Und ein Buch, das in der Bibliothek des toten Franz steht. (naiz-baskultur)
(2025-04-22)
DIE ARBEITSKÄMPFE VON FACUNDO PEREZAGUA
Bilbao war im 19. Jahrhundert das Zentrum der Industrialisierung in Bizkaia. Dem Ruf der Eisenerz-Bergwerke folgten Tausende von Arbeitern aus dem ganzen spanischen Staat. Die Arbeitsbedingungen waren verheerend, auch minimale Rechte mussten erkämpft werden, es entwickelte sich eine sozialistische und später kommunistische Arbeiter-Bewegung. Einer der sichtbaren Köpfe dieser Bewegung war der aus Toledo stammende Facundo Perezagua (1860-1935). Er war Arbeiterführer und Stadtrat in Bilbao, kurz vor dem Spanienkrieg starb er, die siegreichen Franquisten rissen 1937 das für ihn im Arbeiter-Stadtteil angebrachte Denkmal ab und gaben der nach ihm benannten Straße einen neuen Namen.
Mit dem Ziel, die Vergangenheit der Arbeiter-Bezirke und insbesondere die Vergangenheit des Bergbaugebiets und seiner Bewohner*innen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sondern zu würdigen, hat die Erinnerungsgruppe aus dem Stadtteil, Bilbo Zaharreko Memoria Taldea beschlossen, an dessen 90. Todestag eine Gedenk-Veranstaltung für Facundo Perezagua zu organisieren, den Mann, der in den schwierigsten Momenten seiner Geschichte Sprecher der Arbeiter-Bewegung und Vertreter im Stadtrat von Bilbao war.
Obwohl die öffentlichen Einrichtungen von Bilbao eine beachtliche Arbeit geleistet haben, um die historische Erinnerung nach der Diktatur bis zur Gegenwart wiederherzustellen, wurde unser alter Nachbar Perezagua dabei vergessen.
Unser Projekt besteht deshalb aus einem Vortrag von José Antonio Pérez, dem Mitautor von Perezaguas Biografie, über seine Geschichte und seinen Kampf sowie einer Ehrung im Stadtteil San Francisco, an der Ecke der Calle Gimnasio, wo er lebte und wo 1936 eine Straße nach ihm benannt wurde. Mit dieser Veranstaltung wird eine Unterschriften-Sammlung eingeleitet, um den Stadtrat um eine öffentliche Anerkennung Perezaguas in Form einer Gedenktafel an dem Ort zu bitten, an dem 1936 eine Büste zu seiner Erinnerung aufgestellt war.
* Der Vortrag findet im Kulturcafe Sarean auf dem Plaza del Corazón de María am 28/04/2025 um 19 Uhr statt. * Die Veranstaltung findet am 30.04.2025 um 19 Uhr an der Ecke zwischen Calle Gimnasio und Calle Cortes statt. (baskultur)
(2025-04-21)
19 TONNEN ASBEST
Bilbao hat ein Problem. Oder mehr als eines. Doch ein gravierendes ist eben erst bekannt geworden. Ein von Abgasen der schlimmsten Sorte geschundener Stadtteil ist hin und her gerissen zwischen dem Erhalt eines historischen Gebäudes und akuter Vergiftungsgefahr. Die zuständige Provinzverwaltung hat bei der Untersuchung des seit Jahrzehnten brach liegenden Gebäude der ehemaligen Getreidemühle Grandes Molinos Vascos eine Giftquelle erster Güte “entdeckt“. 19 Tonnen Asbest sollen es sein, die dort eingebaut sind und die erst einmal entfernt werden müssen, bevor das Gebäude restauriert wird – denn abgerissen werden darf es nicht, aufgrund seines Schutzsiegels als historisches Kulturgut.
Die Nachbarschafts-Vereinigung im Stadtteil Zorrotza hat deshalb sofortige Schutz-Maßnahmen gefordert, und man hofft, dass in den nächsten Monaten endlich mit der Gift-Entsorgung und Restaurierung des verlassenen Gebäudes begonnen wird. Die Nachbarschaft ist jedenfalls in Alarmbereitschaft versetzt, man muss sich nur vorstellen, dass ausgerechnet dort ein Brand ausbricht und diese Tonnen von Altlasten direkt neben Wohngebieten verbrennen. Das 2009 von der baskischen Regierung zum qualifizierten Kulturgut erklärte Gebäude, das sich in Privatbesitz befindet, ist seit Jahrzehnten in einem beklagenswerten Zustand der Vernachlässigung.
Die Provinzregierung von Bizkaia verpflichtete sich Ende 2024, das Gebäude zu restaurieren, und schrieb ein Projekt mit dem Titel “Restaurierung der Dächer des Gebäudes Grandes Molinos Vascos“ aus, das kürzlich für 1.198.847 Euro an ein Unternehmen vergeben wurde. Die Arbeiten sollen innerhalb von 9 Monaten durchgeführt werden. “Die Abbrucharbeiten bestehen in der vollständigen Demontage und Räumung der drei derzeitigen Dächer, einschließlich der Deckungselemente aus Faserzement, der Deckung, der Streben, der Balken, der Pfetten und der Stützbalken, sofern diese beschädigt sind“, heißt es im Projektbericht. Im vom Provinzialrat erstellten Projekt wird festgestellt, dass das Dach des Gebäudes mit Faserzement gefüllt ist, einem asbesthaltigen Bauelement. Der Provinzialrat rechnet mit bis zu 19,48 Tonnen dieses giftigen Elements.
“Wir sind schockiert zu erfahren, dass es sich bei dem, was wir seit Jahren fallen und durch die Luft fliegen sehen, um hochgradig krebserregendes Material handelt“, so der erste Kommentar der Föderation der Nachbarschafts-Vereinigungen von Bilbo, die sich sehr besorgt zeigt, insbesondere weil sie seit Jahren beklagt, dass das Dach des Gebäudes von Einsturz bedroht ist. “Es ist unerträglich, dass es sich um nichts Geringeres als hochgradig krebserregendes Material handelt“, prangern sie an. Die Föderation fordert die Stadtverwaltung von Bilbao auf, zu erklären, “warum sie bis heute keine Maßnahmen ergriffen hat, obwohl sie laut Gesetz 7/2022 verpflichtet ist, bis April 2023 eine Bestandsaufnahme der asbesthaltigen Anlagen und Standorte zu erstellen und einen Zeitplan für die Beseitigung des Materials zu erstellen“.
In einer Presse-Erklärung weist die Stadtverwaltung von Bilbao, die stolz die neusten Rekord-Zahlen zum Massen-Tourismus über Ostern präsentierte, darauf hin, dass die Stadt eine der ersten Städte in der Region war, die “eine Zählung der asbesthaltigen Gebäude durchgeführt und diese veröffentlicht hat“. Im Übrigen seien Gemeinden laut Gesetz nicht dazu verpflichtet, Asbest aus privaten Gebäuden zu entfernen, und dafür auch keine Frist zu setzen. Im konkreten Fall der Molinos Vascos erklärt die Verwaltung, dass auf das Herabfallen von Elementen auf die Straße geachtet wurde und versichert, dass die fliegenden Elemente nicht auf der Straße gelandet sind, sondern in für den freien Zugang gesperrten Bereichen. Das Gebiet werde weiterhin überwacht.
Die Nachbarschafts-Gruppe versichert, dass der Stadtrat mindestens seit Ende 2023 über das Vorhandensein von Asbest in der Umgebung von Molinos Vascos Bescheid wisse: “insbesondere am Kai, durch den täglich Dutzende von Lastwagen fahren, die krebserregende Materialien wie Asbest mitschleppen und verbreiten, während sie durch das Stadtzentrum von Bilbao und insbesondere durch das Viertel Zorrotza fahren". Konkret wird auf eine Studie verwiesen, in der festgestellt wird, auf dem Boden des Kais in der Nähe des Gebäudes “kleine Fragmente von Asbest und Chysostil, zwei Arten von Asbestfasern, gefunden zu haben, die wahrscheinlich vom Wind mitgeschleppt wurden“.
Die linke Fraktion EH Bildu hat erneut die Aufgabe des Gebäudes angeprangert und sowohl im Stadtrat von Bilbao als auch in der Generalversammlung von Bizkaia Informationen und Erklärungen über das Vorhandensein von Asbest im Gebäude und in den angrenzenden Straßen gefordert, während sie “Maßnahmen zur schnellst-möglichen Beseitigung“ fordern wird. Bildu fragt, seit wann die Stadtverwaltung und der Provinzialrat über diese Berichte verfügen und welche Maßnahmen sie in dieser Hinsicht ergriffen haben. “Wir wollen wissen, worauf die Untätigkeit der Institutionen und das fehlende Eingreifen zurückzuführen ist, insbesondere in Anbetracht der Gefahr, die von diesem Material ausgeht“. Gefragt wird auch nach Kontakten mit den Eigentümern des Gebäudes und deren Verantwortung. Im Jahr 2023 lehnten die regierenden PNV und PSE einen Vorschlag von EH Bildu ab, wonach der Provinzrat das symbolträchtige Gebäude der Grandes Molinos Vascos "kaufen oder enteignen" sollte, und sprachen sich dafür aus, abzuwarten, wie die Eigentümer reagieren.
Industrielles Erbe
Die ehemalige Mehlfabrik ist eines der monumentalsten Industriegebäude der industriellen Vergangenheit Bilbaos, obwohl sie nur 5 Jahre lang als Getreidemühle genutzt wurde. Sie wurde zwischen 1923 und 1924 nach einem Entwurf des Architekten Federico Ugalde unter Wiederverwendung verschiedener Strukturen der ehemaligen Königlichen Werft von Zorrotza erbaut.
Das Unternehmen widmete sich der Herstellung von Feinmehl mit den modernsten Methoden der damaligen Zeit. Die Hauptfassade ist der Flussmündung zugewandt und verläuft parallel zum Be- und Entladekai und den alten Eisenbahngleisen. Dies erleichterte die Ankunft des Getreides in der Fabrik, die dank ihrer fünf Stockwerke mit je 600 Quadratmetern Fläche bis zu 75 Tonnen Getreide lagern und täglich 200 Tonnen Weizen bewegen konnte. Im Jahr 1929 stellte die Mühle aufgrund der Preiskrise ihre Tätigkeit ein. Danach wurde sie als Lagerhaus genutzt, bevor sie aufgegeben wurde. Aufgrund seiner herausragenden" Architektur stufte die baskische Regierung das Gebäude 2009 als Kulturgut ein, in der Kategorie Monument. Trotz des offiziellen Schutzes befindet sich das Gebäude in einem erbärmlichen Zustand. Zur Steigerung des Massen-Tourismus werden Millionen investiert, die Gesundheit der Bevölkerung ist keinen Schilling wert. (naiz-baskultur)
(2025-04-20)
TAG DER PATRIOT*INNEN
Selbstbestimmung ist eine aktuelle Debatte, Unabhängigkeit ist die Alternative zur Unterordnung. Wie jedes Jahr ist heute der Aberri Eguna ein Tag der Erinnerung, des Feierns, aber auch ein Tag des Nachdenkens und der politischen Selbstbeobachtung. Diejenigen, die dem Baskenland einen eigenständigen Weg wünschen und sich nach Entscheidungs-Freiheit sehnen und besorgt sind über das Wohlergehen seiner Bewohner, der Entwicklung seiner Kultur und der positiven Strukturierung seiner Gebiete, nutzen diesen Anlass, um eine Bestandsaufnahme der “Lage der Nation“ vorzunehmen.
Reaktionäre, Opportunisten und Zyniker nutzen dieses Datum in der Regel, um das, was ein großer Teil der Bevölkerung fühlt und denkt, herunterzuspielen. Mit den Privilegien des Autonomie-Status zu prahlen, die das Baskenland (Euskadi und Navarra) als Gegenleistung für die Loyalität zum “Regime von '78“ (die falsche Demokratie) nach Francos Tod erhalten hat, ist nicht gerade das, was die Welt als kosmopolitisch versteht.
Alte und neue Staatsbürgerschaft, Gegenstand von Rechten
Nationen können nicht ohne das Kollektiv der Menschen verstanden werden, die sie ausmachen, die an ihrer Gemeinschaft und Kultur teilhaben, die in ihren Territorien und oft auch im Exil oder in der Diaspora leben. Menschen, die über eine Vielzahl von Dingen des täglichen Lebens, sogar über die Nation selbst, unterschiedlich denken und fühlen. Rechte und Gleichheit sind das Rückgrat einer Nation, und es ist schwierig, ein Mindestmaß an Zusammenhalt aufrechtzuerhalten, wenn die Freiheiten und Rechte unter den Bürgerinnen und Bürgern ungleich verteilt sind.
In Euskal Herria ist ein Projekt, der Unionismus (die unverbrüchliche Zugehörigkeit zum spanischen Staat), verfassungsmäßig verankert, während ein anderes, ebenso legitimes Projekt, die Unabhängigkeit, verboten ist. Diese Ungleichheit bestimmt weitgehend das, was man den baskischen Konflikt genannt hat. Eine Realität, die nur durch Politik und Verhandlung gelöst werden kann.
Die demografische, wirtschaftliche und kulturelle Landschaft des Baskenlandes, das heißt, seine soziale Realität, verändert sich sprunghaft. Angesichts der heutigen Herausforderungen, von der Migration bis zur Technologie, bleibt das Baskenland eine kleine Einheit, kann es sich jedoch nicht leisten, seinen gemeinschaftlichen Ehrgeiz zurückzustellen. In Zeiten von Krieg und Exodus untergraben Klassen-, Geschlechter-, Ethnien- und Generations-Unterschiede nicht nur die Grundrechte, sondern schwächen auch die Möglichkeiten der persönlichen und kollektiven Emanzipation dieser Bevölkerung.
Sprache, Kultur und Strategien
Die kollektive Verantwortung für die baskische Sprache, für die Entwicklung der baskischen Kultur macht es notwendig, Strategien zu entwickeln. Die Erhöhung der Zahl der Baskisch-Sprechenden und ihre Etablierung, die Überzeugung der gesellschaftlichen Mehrheit für die Sprache, die Einbeziehung derjenigen, die von außerhalb dazugekommen sind, die Überwindung von Schikanen und der Schutz von Rechten ist keine leichte Aufgabe, und es gibt keine einfachen Antworten.
Wenn das herrschende System Individualismus und Uniformität fördert, ist es wichtig, von links eine gemeinschaftliche Kraft aufzubauen, die Beharrlichkeit mit Einfühlungsvermögen verbinden muss. Ein Thema für den Aberri Eguna, den Tag des Vaterlands, den Tag, an dem an die Möglichkeit einer unabhängigen Entwicklung erinnert wird.
Würdige Existenz für die Bevölkerung
Die Drei-Teilung des Baskenlandes hat negative Folgen für seine Entwicklung. Die Struktur der Gebiete und die Aktivierung ihrer Kapazitäten ist ein zentraler Bestandteil des Projekts Selbstbestimmung, aber auch aller Kräfte, die Lösungen für die Herausforderungen der baskischen Gesellschaft finden wollen, von der Industriepolitik bis zur Energiewende, eine ausgewogene Verteilung von Aufgaben und Investitionen, Pflichten und Rechten, Wirtschaft und Kultur. In Zeiten des Klimanotstands und autoritärer Bedrohungen ist Souveränität aktueller denn je, und Unabhängigkeit ist ein alternatives Projekt zur Unterordnung. Diese Alternative in eine gesellschaftliche Mehrheit zu übersetzen, ist die große Herausforderung für die baskische Unabhängigkeits-Bewegung.
Die Strategien, dies zu erreichen, unterscheiden sich sehr stark. Die bürgerliche PNV setzt auf Ausbau der Autonomie und entdeckt die Frage der Nation nur am Aberri Eguna und wenn Wahlen anstehen. In der gezähmten baskischen Linken wird das Wort Unabhängigkeit ebenfalls nur noch an Feiertagen in den Mund genommen, weil die Umfragewerte derzeit andere Besorgnisse in der Bevölkerung ergeben. Allein die autonome und radikale Linke setzt die Unabhängigkeit weiter auf die Tagesordnung, unter marxistischen Vorzeichen und im Bruch mit dem kapitalistischen System. Letzteres bekämpft auch die erst wenige Jahre alte Organisation Kontseilu Sozialista, die auf die Mehrheit der politisch aktiven Jugend zählen kann, jedoch strategisch die politische Organisierung zusammen mit anderen spanischen Bewegungen vorzieht und deshalb dem Aberri Eguna, dem Patriotischen Tag, den Rücken zeigt. (naiz-baskultur)
(2025-04-19)
NEUE STRASSEN-NAMEN IN IRUÑEA
Die franquistische Diktatur ist zwar 50 Jahre her, aber noch lange nicht zu Ende. Ihr Fortbestand wird zum Beispiel bei den baskischen (und selbstverständlich spanischen) Straßennamen deutlich. Als die Franquisten 1939 ihren Krieg gewannen wurden im ganzen Staat die Straßennamen geändert, jeder General, jeder falangistische Schlächter erhielt soundso viele Benennungen. In den meisten baskischen Städten wurden diese Namen nach dem Tod des Oberschlächters wieder geändert. Die meisten, nicht alle. In manchen Orten fehlte der politische Wille, oder anders gesagt: die alten franquistischen Seilschaften, mittlerweile “demokratisch“ herausgeputzt, hatten weiter die Definitionsmacht. In Iruñea zum Beispiel, den meisten als Pamplona und Stierkampf-Metropole bekannt. Dass 50 Jahre danach immer noch Namen geändert werden, muss für viele Zurückgebliebenen ganz speziell erklärt werden.
Das Ändern von Straßennamen ist keine politische Laune. Werfen wir einen Blick zurück. Am Nachmittag des 20. Juli 1936 (ein Tag nach dem Militärputsch gegen die Republik) drang eine Gruppe bewaffneter Falangisten gewaltsam in den Sitz der nationalistischen Zeitung "La Voz de Navarra" in Pamplona ein. Es waren turbulente Zeiten in der Stadt, kaum 48 Stunden zuvor hatte der faschistische Staatsstreich stattgefunden, und die Linken und Nationalisten hatten allen Grund, sich zu fürchten, in einer Stadt, in der die Requetés (navarrische Faschisten) und Falangisten zu wüten begannen.
Die Gruppe der Angreifer wurde unter anderem von dem Geistlichen Fermín Yzurdiaga Lorca und einem jungen Falangisten namens Ángel María Pascual angeführt. Die Angreifer überraschten den Herausgeber von “La Voz“, José Aguerre, in der Redaktion seiner Zeitung und erkannten ihn sofort. Sie prügelten ihn aus dem Gebäude, schossen ihm in den Mund, was zu mehreren abgebrochenen Zähnen und starken Blutungen führte, und schleppten ihn halb bewusstlos die Treppe hinunter. José Aguerre wurde verhaftet und wochenlang eingesperrt, wo er allen Arten von Demütigung, Misshandlung und Folter ausgesetzt war. Nach Aussage des Journalisten Iván Giménez (“Aguerre y Garcilaso“, Verlag Pamiela 2013) entkam er dem Erschießungs-Kommando “in extremis“, da seine Mutter offenbar die Amme eines anderen finsteren Faschisten, Benito Santesteban, gewesen war.
Nach dieser Razzia wurde die Zeitung “La Voz de Navarra“ von der Falange beschlagnahmt, die Räumlichkeiten und der Maschinenpark wurden weiter genutzt, um die Zeitung “Arriba España“ (Es lebe Spanien) zu gründen, deren Direktoren nicht zufällig ausgerechnet Fermín Yzurdiaga und Ángel María Pascual waren, die unmittelbar von der Razzia profitierten, an der sie selbst beteiligt gewesen waren. Die Ereignisse führten zum persönlichen und beruflichen Ruin von José Aguerre, der nach vielen Entbehrungen schließlich eine Akademie für Privatunterricht gründete, um zu überleben.
Die Entfernung des Namens von Ángel María Pascual, dem Protagonisten des Überfalls auf die Zeitung “La Voz de Navarra“, und von Víctor Eusa, einem Mitglied der blutigen Junta des Karlistenkriegs in Pamplona (eine der Juntas, die in der Region Ribera “juntas de matar“, Mord-Gruppen genannt wurden), aus dem Stadtplan von Pamplona hat bei einigen Kritik hervorgerufen. Als Argument wurde die glänzende berufliche Laufbahn der beiden Faschisten angeführt, der eine als Schriftsteller, der andere als Stadtarchitekt. Ein ehemaliger Bürgermeister von Pamplona, ebenfalls Architekt, Enrique Maya, Vizepräsident der (erzreaktionären Partei) UPN, sagte unter anderem, dass sie aus dem Stadtplan gestrichen würden, weil sie “anders dachten“ (Diario de Navarra, 15.4.2025), wobei die Rolle, die diese Personen während des faschistischen Putsches von 1936, des Bürgerkriegs und der anschließenden Franco-Diktatur gespielt haben, bewusst und unerklärlicherweise ignoriert wird.
Dass die Namen auf Beschluss des Bürgermeister-Amtes von Pamplona aus dem Stadtplan entfernt werden sollen, entspricht nicht irgendeiner politischen Laune. Sie werden auf Antrag der Direktion für Gedenken und Koexistenz der Regierung von Navarra entfernt, weil es sich um Personen handelt, die direkt mit dem Faschismus und dem Staatsstreich von 1936 in Verbindung stehen. Weil sie daran beteiligt waren und für das Unglück vieler Menschen mitverantwortlich waren.
Wie gut hätte der Nazi Albert Speer, Hitlers Kammerarchitekt, sein müssen, um heute eine Straße in Berlin zu haben? Wie gut hätte der Arzt Josef Mengele sein müssen, der anscheinend eine brillante Doktorarbeit “cum laude“ über Genetik verfasst hat, um seine Rolle in den Todeslagern der Nazis zu tilgen und mit einer Straße in seiner Heimatstadt Würzburg geehrt zu werden? Die Antwort liegt auf der Hand.
Der aus Navarra stammende Anthropologe José Antonio Jauregui (Die Spielregeln: die Stämme, 1977) sagte, dass Straßen und Plätze in den heutigen Gesellschaften so etwas wie Volksaltäre sind, auf denen die Städte jene Menschen platzieren, deren Vorbild sie preisen und verewigen wollen. Und genau darin liegt der Schlüssel. Angel María Pascual und Víctor Eusa hatten vielleicht eine glänzende Karriere und haben der Stadt ihren Stempel aufgedrückt, daran gibt es keinen Zweifel. Und wir können uns sogar die Mühe machen, ihre faschistische Vergangenheit zu ignorieren, wenn wir die Qualität ihrer Arbeit beurteilen. Aber sie haben auf keinen Fall die Qualitäten, die notwendig sind, damit ihre Namen über Straßen stehen, in denen Menschen, Männer und Frauen, leben, die vielleicht Opfer ihrer finsteren Vergangenheit waren. (naiz-baskultur)
(2025-04-18)
MEHR TOURISTEN ALS JE ZUVOR
Bilbao empfing zu Ostern mehr Touristen als je zuvor in der Geschichte, sie kamen, wie es in der Gentrifizierungs-Jubelpresse heißt, “wegen der baskischen Kultur und um zu trinken und zu essen. Was für eine zugängliche Stadt, alles ist zum Greifen nah". Für die dort auch außer Ostern lebenden gilt das nicht mehr. Ausnahmezustand. “Rot-weiße T-Shirts und Schals in den Straßen, die zu Athletic-Fans gehören, daneben Schotten, die zum Europa-Spiel gekommen sind. Einheimische, die sich schon früh am Morgen fit halten und durch die Straßen der Stadt rennen, und Touristen ... viele, viele Touristen. Mehr als je zuvor. Bilbao platzte mitten in der Osterwoche aus allen Nähten, mitten in einer Ferienzeit, die trotz des relativ kühlen Wetters Rekorde brechen wird. Bilbao ist zwar nicht die angesagteste Stadt, aber nahe dran.“ Den Preis zahlen andere. Die Hoteliers halten den Klingelbeutel auf und es regnet hinein: bare Münze.
Schon vor elf Uhr morgens standen viele Reisende vor dem Festzelt von Bilbao Basque Fest Schlange, einer Mischung aus billiger Folklore und nacktem Kommerz, um einige leckere Käsestückchen zu probieren. Und was auch immer ihnen “für nur 2 Euro“ serviert wurde, sie waren glücklich – wer von denen kann schon einen baskischen von einem andalusischen Käse unterscheiden! Die Touristen waren bald hungrig. M.A. aus Barcelona kam am Mittwoch in Begleitung seiner Frau und seiner Kinder an, und sobald sie das Hotel verlassen hatten, machten sie einen Spaziergang nach San Juan de Gaztelugatxe, zusammen mit anderen 5.000 versteht sich, Einheimische trauen das schon gar nicht mehr hin. “Gestern stand ein Wettlauf mit der Zeit auf dem Programm: ein Besuch der Altstadt, des Guggenheim-Museums und natürlich die Käseverkostung“. Ein Programm, das auf Hochtouren lief, denn die Kinder wollten „baskischen Sport“ sehen: öffentliches Holzhacken und was die blöden Bauern sonst noch machen.
Die Neffen der aus Madrid stammenden A.M., G. und P., sind schon etwas erwachsener, sie hatten andere Pläne. "Wir sind gekommen, um zu trinken und zu essen!", obwohl sie auch das Guggenheim besuchen wollten. Nicht ohne auch dort Schlange zu stehen. Um elf Uhr morgens tranken sie bereits die ersten Schlucke Bier an der Kiosk-Bar am Arenal hinter sich. Neugierig, diese Madrileños, die Tante ist Athletic-Fan und P. ist Barça-Fan.
“Eine richtige Stadt“
F. und ihr Mann S., ein italienisches Ehepaar aus der Nähe von Mailand, kamen mit ihren drei Kindern. Die Mutter gab zum Besten, dass die Kinder ihre altmodeischen Namen nicht besonders mögen – das wollten wir schon lange wissen! Sie waren erfreut, "eine so gastfreundliche Stadt zu entdecken. Das ist authentischer als in den großen Hauptstädten, wie im Zoo eben, oder wenigstens wie im Abenteuerpark mit vielen einheimischen Affen. Sie verschwendeten keine Zeit, besuchten die Markthalle Ribera, die Kirche von San Nicolás und die Kathedrale von Santiago. “Seit wir die Reise zu Weihnachten gebucht haben, wollte L. unbedingt das baskische Pelota-Spiel sehen“, erklärt F., während S. und A. in Begleitung eines Reiseleiters am Plaza Nueva schnell “den Alltag in Bilbao auf sich wirken lassen“ wollten. Hat da wirklich jemand das Wort “Alltag“ in den Mund genommen?
Neben ihnen arbeiten die Argentinier M., L. und P. aus Buenos Aires und Mendoza seit mehreren Jahren in der Bizkaia-Hotellerie, fühlen sich aber immer noch "wie Touristen. Wie schön ist es, hier zu leben! Bilbao ist wunderschön, nur schade, dass es so wenig Sonnentage gibt", klagt L. Dem sollte Malaga empfohlen werden, oder besser Teneriffa, wo die Leute deutlich machen, dass sie diese Art von Tourismus nicht mehr haben wollen.
Ach ja, zu allem Überfluss war da auch noch ein europäisches Basketball-Finale, zu dem ein paar hundert Griechen anrückten, um in den Kneipen beim Stadion im Arbeiterviertel ihr Geld unter die Leute zu verteilen. Reiche Griechen, versteht sich, die armen Griechen demonstrieren gerade in Athen gegen die neoliberale Regierung, weil ihnen nichts zu essen bleibt. S.C. und C.A., ein wohlhabendes Ehepaar aus Madrid, das trotz fehlender Eintrittskarten für das Fußballspiel am Nachmittag gekommen war, um das Viertelfinale zu erleben, sie betonten die Bedeutung des Ereignisses. “Ich bin Athletic-Fan, meine Frau ist Atlético-Fan (ein Faschisten-Club aus der Hauptstadt), und wir beide lieben die Tapas, die Bars und Bilbao, weil alles in unmittelbarer Nähe ist und die Menschen hier großartig sind“, so die beiden. (elcorreo-baskultur)
(2025-04-17)
BASKEN AUS DEM LONDONER ARSENAL
Von Torvorlagen bis zu Trikots, nicht zu vergessen die Fußballschule von Antiguoko - Das Ausscheiden von Real Madrid in der Champions-League gegen Arsenal hat den Fußball-Planeten zutiefst erschüttert und gleichzeitig ein Team mit viel baskischem Einfluss in die Schlagzeilen gehievt. Trainer Mikel Artetas Meisterleistung, zwei Vorlagen von Merino, Haltung, Trikots ... und ganz nebenbei wurde für Xabi Alonso. eine wichtige Tür geöffnet.
Es war der englische Club Arsenal London, der baskischen Fußball-Fans – Anti-Madridistas – eine große Freude bereitet hat. Aber es könnte auch “Arseuskal“ sein, eine neue Wortschöpfung zwischen Arsenal und Euskal (Baskisch). Denn der Erfolg der “Gunners“ im Madrider Bernábeu-Stadion war mehr als nur ein Spielgewinn, vor allem wäre er ohne den entscheidenden baskischen Beitrag auf der Bank, auf dem Spielfeld und sogar bei immateriellen Dingen kaum zustande gekommen.
Angefangen mit der Trainerbank und Mikel Arteta, der nun weltweit für die Art und Weise gelobt wird, in der er sowohl das Hinspiel in London als auch das im Bernabeu mit einem 5:1-Geamt-Endstand im Viertelfinale dominierte. Mikel saß zum ersten Mal im gefürchtetsten Stadion der Welt auf der Bank und sorgte dafür, dass sein Team für einen unvergessenen Abend sorgte. Dieses Arsenal-Team ist anders als das “galaktische“ Madrid: Im Hin- und dem Rückspiel sind die Weißen in 180 Minuten 19 Kilometer weniger gelaufen als ihr britischer Gegner, ein Skandal, und sie taten es mit viel weniger Verstand. Ein typischer Fall von Arroganz, die zu Fall kam.
Die Leidenschaft für den Sport und die baskischen Werte wurden von Arteta beschworen. Er erklärte den Erfolg von Trainern aus dem Baskenland, vor allem in der Premier League, mit “der Kultur, der Leidenschaft, die wir für den Fußball haben, für den Sport im Allgemeinen, für bestimmte Werte, die sehr gut zu dem passen, was ein Trainer braucht, zu dem, was ein Team braucht (um ein Team zu sein), zur Vermittlung bestimmter Ideen“.
Ganz am Rande hat dieses Madrider Debakel die Tür des erfolgreichsten Clubs Europas für einen anderen Spieler aus Gipuzkoa geöffnet: für Xabi Alonso, mittlerweile erfolgreicher Trainer. Ancelottis Zeit ist zu Ende, nachdem es ihm trotz zahlreicher Stars nicht gelang, ein Team zusammenzubauen, das gegen Arsenal oder Barcelona auch nur annähernd konkurrenzfähig ist. In Madrid steht somit fest, dass der Baske aus Tolosa am Ende der Saison von Leverkusen kommt. Er steht vor der enormen Herausforderung, ein gut organisiertes und schlagkräftiges Team zusammenstellen zu müssen.
Wenn es dazu kommt, werden zwei Freunde und ehemalige Teamkollegen die Protagonisten des Wechsels sein. Zur Erinnerung müssen wir in ein Stadtviertel von Donostia gehen. Mikel Arteta und Xabi Alonso teilten sich ein Trikot in der Jugendakademie von Antiguoko, wo sie Ende der 1990er Jahre zu jenem legendären Jugend-Team gehörten, zu der auch Aritz Aduriz und Andoni Iraola gehörten (beide Ex-Athletic). In einem Pokalspiel hätte jenes Kinderteam, das voller Talente war , die alle aus der Nachbarschaft stammten, beinahe Real Madrid ausgeschaltet. Arteta hat sich also ein Vierteljahrhundert später ein kleines Bisschen gerächt. Arteta und Alonso sind kaum drei Monate auseinander: Der aus Donostia stammende Arteta wurde am 26. März 1982 geboren, Alonso am 25. November 1981.
Merino und Odegaard
Auf dem Platz in Madrid stand noch ein weiterer baskischer Spieler: Mikel Merino (Ex-Osasuna und Dortmund) erzielte in London das 3:0 und lieferte im Bernabéu ein sensationelles Spiel ab. Er war an beiden Toren der Gunners beteiligt, die er jeweils hervorragend vorbereitete, einmal in Ballbesitz, einmal beim Konter. Arteta hob im Presseraum weitere Tugenden des Kickers aus Navarra hervor: „Mikel Merino hat sich sehr gut eingefügt und hat viel Führungsarbeit geleistet“.
Weitere baskische Stempel, wenn auch nur von vorübergehender Natur: Martin Odegaard wurde zusammen mit Declan Rice zum MVP des Spiels gewählt. Die fußballerische Entwicklung des Norwegers ist heute unmöglich zu verstehen, ohne sich an die Saison 2019-20 bei Real Sociedad mit Trainer Imanol Alguacil zu erinnern. Odegaard (von Real Madrid ausgemustert) hat in beiden Spielen eine dynamische Leistung gezeigt, ganz im Sinne dessen, was ihm Imanol aus Orio beigebracht hat: ein engagierter und kompletter Mittelfeldspieler, der Madrid nach dem Abgang von Toni Kroos fehlt. In den letzten Minuten beider Spiele spielte ein weiterer Ex-Realista mit, der Schotte Kieran Tierney, der das Quartett ehemaliger Spieler von Txuriurdin (Weiß-Blau) komplettiert. Anekdotisch betrachtet, hatte sogar das Trikot, das Arsenal in diesem historischen Spiel trug, einen baskischen Touch, denn die schwarze Farbe wurde durch grüne und rote Streifen ergänzt. (naiz-baskultur)
(2025-04-16)
VON GUT BEZAHLTEN HANDLANGERN
Der Begriff “Sepoy“, oder spanisch “Cipayo“, stammt aus dem otomanisch-persischen Sprachgebrauch. Ein Sepoy war ein Mitglied einer Elitetruppe der Kavallerie, die zur Kavallerie der Osmanischen Armee gehörte. Später, im Britischen Empire, wurde ein aus Indien stammender Soldat, der in den Dienst einer europäischen Macht (in der Regel Englands, aber auch der Kolonialarmeen Frankreichs und Portugals) gestellt wurde, als "Sepoy" bezeichnet. Von da an verbreitete sich eine zweite Bedeutung, nämlich die eines Eingeborenen einer Kolonie, der mit den Interessen des Mutterlandes sympathisierte, oder einfach eines "Handlangers", wie es in der offiziellen Definition der Königlichen Spanischen Akademie heißt.
Herkunft des Namens
Der Name leitet sich aus dem persischen Wort für "Soldat" ab. Der Status der Sepoys ähnelte dem der mittelalterlichen europäischen Ritter. Der Sepoy war Inhaber eines vom osmanischen Sultan direkt vergebenen Lehens und hatte als Gegenleistung für seine Dienste als Soldat Anspruch auf alle Einkünfte des Lehens. Das Militärkorps der Sepoys wurde während der Herrschaft von Mehmed II. gegründet als Teil der Kavallerie-Divisionen, das berittene Gegenstück zu den Janitscharen, der Elite-Infanterie zu Fuß. In Friedenszeiten waren die Sepoys für die Steuererhebung zuständig.
In den Imperien
Von der Britisch-Indischen Armee wurde die Bezeichnung für die Infanterie im Allgemeinen verwendet. Ein großer Teil der Armee der Britischen Ostindien-Kompanie bestand aus indischen Sepoys, mit entsprechendem Dienstgrad (Sowar). Während der französischen Kolonisierung Nordafrikas im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden verschiedene Sepoy-Einheiten und -Regimenter in das französische Expeditionskorps integriert.
Kommen wir zum lokalen Gebrauch des Begriffs, also Cipayo. Im Spanischen wird der Begriff abwertend für einen angeheuerten Gefolgsmann oder einen Söldner verwendet. In Argentinien wird er als Bezeichnung für eine Person verwendet, die durch ihre Worte, Handlungen und Haltungen die Interessen außenstehender Mächte vertritt, insbesondere in Bezug auf die Vereinigten Staaten oder die imperialistischen Länder Europas, die die Region erobert und kolonisierten, zum Nachteil der eigenen Bevölkerung. Es handelt sich um ein Konzept, das mit dem soziologischen Begriff der Deklassierung verbunden ist, der besagt, dass "die Zugehörigkeit einer Person zu der sozialen Klasse, aus der sie stammt, aufgehoben oder ihr Bewusstsein dafür verloren wird".
Nach so viel Historie und Definition erhalten wir einen Eindruck von der Benutzung des Begriffs Cipayo (keine baskische Übersetzung greifbar) im Baskenland. Hier (in Euskadi und Navarra) wird der Begriff in abwertender Weise für die regionale Polizei verwenden, konkret die Ertzaintza (baskisch: Hüter des Volkes) in Euskadi und die Policía Foral von Navarra. Unschwer nachvollziehbar, das sich dieses Verständnis auf die Tatsache bezieht, dass sie zwar baskische Beamte sind, jedoch den Interessen der Zentralregierung gehorchen, den Besetzern und Besatzern. Bekannt als brutale aber gut bezahlte Schlägertruppe, die Lichtjahre davon entfernt ist, der direkten baskischen Übersetzung gerecht zu werden. (frei nach wikipedia)
(2025-04-15)
NEIN ZUR FUSSBALL-WM
Üblicherweise wären alle Fußball-Fans begeistert, wenn sie einmal im Leben eine Fußball-WM in der eigenen Stadt erleben könnten. Etwas in der Preislage steht Bilbao zum zweiten Mal nach 1982 und Donostia zum ersten Mal ins Haus, wenn die FIFA entsprechende positive Nominierungen erteilt. Doch nicht alle wären glücklich, auch nicht unter den Fans. Denn so ein internationaler Großevent bringt so allerlei Negatives mit sich, angefangen bei einem weiteren Schub von Massen-Tourismus, Preissteigerungen, den Verlust von Mietwohnungen an den Tourismus-Sektor und ein langes Etzetera.
Einige Nachbarschafts-Verbände haben den Internationalen Fußball-Verband FIFA deshalb aufgefordert, Donostia nicht als Austragungsort für die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 auszuwählen. Als Gründe werden unter anderem “ein wilder Prozess der Tourismus“ angeführt, mit seinem Preisanstieg und der Verarmung der kommunalen Dienstleistungen, der “die Einwohner aus der Stadt vertreibt“. Im Brief wird der Verband gebeten, “die Entscheidung zu widerrufen“, dass Donostia der Spielort von einem oder mehreren Spielen der WM sein soll.
Im vergangenen Dezember war bekannt geworden, dass Donostia als einer der Austragungsorte für die Fußballweltmeisterschaft 2030 ausgewählt wurde, die in Spanien, Marokko und Portugal ausgetragen werden soll. Da die Benennung Donostias als einer der Austragungsorte “bei den Nachbarschafts-Verbänden, den sozialen Bewegungen und den Einwohnern der Stadt Besorgnis ausgelöst hat“, haben die Nachbarschafts-Verbände und die Donostia-Plattform für ein touristisches Minus-Wachstum in der Altstadt, verschiedene Gruppen aus Intxaurrondo, Antigua, gemeinsam ein Schreiben unterzeichnet, in dem sie die FIFA förmlich auffordern, die Austragungsorts-Entscheidung, zu widerrufen.
Die Unterzeichner*innen betonen, dass „“Donostia einen Prozess des wilden Tourismus durchläuft, der sich in den letzten zehn Jahren erheblich beschleunigt hat und der der lokalen Bevölkerung schweren Schaden zufügt“. So wird darauf hingewiesen, dass "zwischen 2015 und 2024 die Zahl der Hotels in der Stadt um 40,3% und die Zahl der angebotenen Übernachtungsplätze um 69,2% gestiegen ist. Die Zahl der Touristen-Ankünfte ist um 77,8% gestiegen: 35,8% unter den spanischen Touristen und 120,9% bei den ausländischen Touristen". Die Verbände prangerten an, dass im gleichen Zeitraum “die Kaufpreise für Wohnungen um 47,36% und die Mietpreise um 44,54% gestiegen sind“.
Die Verbände kommen zu dem Schluss, dass „die einheimische Bevölkerung aus der Stadt verdrängt wird, der öffentliche Raum nach kommerziellen Interessen umgestaltet wird, die Infrastrukturen nach den Bedürfnissen der Tourismus-Industrie gestaltet werden und die lokale Sprache und Kultur zu Marketingzwecken ‘fetischisiert‘ werden“.
"Obwohl man die Wahl als kollektive Errungenschaft der Stadt darstellen will, haben wir es mit einer Initiative zu tun, die den Tourismus in Donostia weiter vorantreiben wird. Die Auswirkungen dieses Makro-Ereignisses auf die große Mehrheit der Bevölkerung Donostias sind dramatisch: die Verschärfung der Wohnungsnot, die Zunahme der touristischen Aktivitäten, die Kommerzialisierung des städtischen Raums, die Entwicklung nicht nachhaltiger Verkehrs-Infrastrukturen und die sicherheits-politischen Maßnahmen, die das Leben der Bevölkerung bestimmen werden. Donostia und seine Nachbarn können die Folgen der Weltmeisterschaft nicht ertragen", heißt es in dem Schreiben.
Profit für ein paar wenige
Der Brief spiegelt die Besorgnis der FIFA selbst wider, die “sechs Jahre vor der Weltmeisterschaft einen Zusammenbruch voraussieht“. In dem von der FIFA im November 2024 veröffentlichten Bericht, so heißt es in dem Schreiben, “wird nach der Analyse der Kandidatur Marokkos, Portugals und Spaniens erwähnt, dass die derzeitige Unterbringungs-Kapazität von Donostia nicht ausreichen wird, um die von der Weltmeisterschaft erwarteten Besucherzahlen zu bewältigen. Die Organisatoren gehen davon aus, dass die Hotels, Pensionen, Herbergen usw. überlastet sein werden. Als Lösung oder Linderungs-Maßnahme wurde die Nähe von Biarritz oder Bayonne genannt, um die Sättigung von Donostia zu auszugleichen, hinzugefügt wurde, dass Ressourcen wie Airbnb berücksichtigt werden müssen, um die tatsächliche Kapazität der Stadt zu verstehen".
“Wenn die Organisation sechs Jahre vor der Weltmeisterschaft eine Überfüllung und Übersättigung unserer Gebiete voraussieht, die bereits von ernsthaften Problemen des Tourismus betroffen sind, dann ist die Konsequenz klar: der Kollaps“. – "Das sportliche Spektakel von Weltrang den Bürgern näher zu bringen, ist nichts anderes als ein Geschäft, dessen Ziel es ist, die Tourismus-Industrie und die Immobilien-Spekulation zu fördern. Das ist der eigentliche Grund für die Wahl von Donostia: der wirtschaftliche Nutzen für einige wenige", wird betont.
In Bezug auf die Mobilität wird in dem Schreiben auf denselben FIFA-Bericht verwiesen, in dem die Organisation “die Umsetzung spezieller Verkehrs-Management-Pläne aufgrund der Auswirkungen der Sportveranstaltungen auf Wohn- und Geschäftsviertel“ fordert. In dem Schreiben der verschiedenen Gruppen wird auch daran erinnert, dass “spanische Medien in den letzten Wochen auf die mangelnde Transparenz des Auswahl-Verfahrens hingewiesen haben, mit dem Donostia als Austragungsort bestimmt wurde“. Weiter heißt es in dem Schreiben, dass “der Stadtrat von Donostia (im Einvernehmen mit allen Fraktionen) die Verpflichtung eingegangen ist, den Anteil der Beherbergungs-Plätze trotz der Anforderungen, die sich aus der Fußball-WM ergeben, nicht zu erhöhen“. Also keine neuen Hotels und Touri-Wohnungen.
Abschließend weisen die unterzeichnenden Gruppen darauf hin, dass im Falle der Austragung der WM in Donostia “das Ereignis die touristische Entwicklung der Stadt weiter verschärfen wird“ und “die öffentlichen Einrichtungen weiterhin zugunsten der Tourismus-Industrie handeln werden“. Aus diesem Grund haben sie die FIFA aufgefordert, "die WM 2030 nicht in Donostia auszutragen. Die touristische Nutzung der Stadt hat bereits große Auswirkungen auf das tägliche Leben der Bürger und hat schwere Schäden verursacht. Deshalb halten wir es für dringend erforderlich, den Weg der Reduzierung des Tourismus fortzusetzen – die Organisation von Veranstaltungen wie der Fußball- WM geht nicht in diese Richtung". Gleichzeitig haben sie “eine Zusammenarbeit angeboten, wenn Sie das Thema vertiefen wollen“. (naiz-baskultur)
(2025-04-14)
ÜBER DIE FOLGEN VON TOURISMUS
Die Stadtverwaltung von Donostia hat eine Studie in Auftrag gegeben, um die Auswirkungen der touristischen Aktivitäten auf das Zusammenleben der Bürger zu untersuchen. „Sie wird uns dabei helfen, ein ausgewogeneres Modell zu entwickeln“, so der für Kultur, Baskenland und Tourismus zuständige Stadtrat.
Der Stadtrat von Donostia will die touristischen Kapazitäten (sprich: den Massentourismus) der Stadt “aus einer nachhaltigen, integrativen und intelligenten Perspektive“ bewerten. Das dabei der Begriff „“nachhaltig“ genannt wird, ist bereits verdächtig, denn bei Massentourismus ist nichts auch nur entfernt nachhaltig. Es handle sich um eine umfassende Studie, die es ermöglichen soll, negative Aspekte für das Leben der Bürger zu identifizieren und zu analysieren, um festzustellen, ob sie in direktem Zusammenhang mit den touristischen Aktivitäten stehen oder ob sie mit den üblichen Umgangsformen der Einwohner zusammenhängen.
Der Stadtrat für Kultur, Baskenland und Tourismus betonte, genaue und aktuelle Informationen seien unerlässlich, um Entscheidungen zu treffen, die die Verwaltung des Tourismus nicht nur in der Stadt, sondern auch in der gesamten Region “verbessern“. Von immer mehr Menschen wird jedoch keine Verbesserung gefordert, sondern ein Stopp und Rückbau von Tourismus. “Diese Studie wird uns dabei helfen, ein ausgewogeneres Modell zu entwickeln, das die Umwelt respektiert und den Bedürfnissen unserer Bürger entspricht“. Und sicher weiterhin Millionen in die Kassen der Tourismus-Betreiber fließen lässt.
Der Stadtrat hat klargestellt, dass es bei dieser Studie nicht darum geht, eine starre Grenze für die Zahl der Besucher, Touristen oder Ausflügler festzulegen, sondern vielmehr darum, konkrete Informationen über die Menschenströme in der Stadt und ihre Auswirkungen zu erhalten, um konkrete Maßnahmen zu ergreifen, die das Zusammenleben erleichtern und die Lebensqualität aller, die in der Hauptstadt von Gipuzkoa leben oder sie besuchen, verbessern.
Die Direktorin von Donostia Turismoa betonte, dass "Nachhaltigkeit im Tourismus nicht ohne Mess-Instrumente erreicht werden kann. Diese Studie wird es uns ermöglichen, Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren, Herausforderungen zu antizipieren und spezifische Lösungen auf der Grundlage von Daten zu entwickeln, und zwar immer aus einer kooperativen und multidimensionalen Perspektive". Schöne Worte, viel Rauch um wenig.
Ziel sei es, einen verantwortungsvollen und mitverantwortlichen Tourismus unter allen beteiligten Akteuren zu fördern: öffentliche Verwaltung, Privatsektor, Besucher und vor allem die Bürger, um so die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, den Schutz der Umwelt und die Erhaltung der lokalen Identität und Kultur zu gewährleisten.
Mit der Durchführung der Studie wurde das Unternehmen IN2destination beauftragt, das auf eine umfangreiche internationale Erfahrung verweisen kann – in der Tourismus-Förderung versteht sich. Nach dem bekannten Motto: Wer mit der Studie beauftragt ist, wird keine unangenehmen Ergebnisse für den Auftraggeber vorlegen. Experten wissen, wie Fragen gestellt werden, die keine Misere erbringen. Das Unternehmen ist derzeit auch in Iruñea tätig.
Die erste Phase der Studie umfasst die Sammlung von Sekundärinformationen auf der Grundlage von Schlüsselindikatoren in den Bereichen Territorium, Wirtschaft, Umwelt, Soziales und Governance. Später werden sie eine Reihe “qualitativer“ Interviews mit “Schlüsselakteuren“ durchführen (sicher nicht mit dir und mir), um Informationen zu erfassen, die in offiziellen Quellen nicht verfügbar sind. Darüber hinaus werden sie Empfehlungen für künftige Forschungslinien und ergänzende Datenerhebungen sammeln.
Die Direktorin von IN2destination erläuterte, dass sie “die Konzentration und Verteilung der Touristenströme in verschiedenen Gebieten und zu verschiedenen Jahreszeiten, das touristische Angebot und die touristische Nachfrage, die geschaffenen Arbeitsplätze und die Saisonabhängigkeit der Aktivität, die Umwelt-Auswirkungen des Tourismus und seine Beziehung zur Nachhaltigkeit und zum Klimawandel, die Meinungen und Wahrnehmungen von Einwohnern und Besuchern in Bezug auf Lebensqualität, Wohnen, lokale Identität und Koexistenz sowie die bestehenden Strukturen für ein wirksames Tourismus-Management“ analysieren werden.
EH Bildu-Tagung
Am 12. und 13. Mai wird EH Bildu in Donostia eine Konferenz veranstalten, auf der die mögliche soziale und wirtschaftliche Rentabilität der touristischen Aktivitäten in der Stadt sowie ihre Tragfähigkeit diskutiert werden. Stadtrat Markel Ormazabal wies darauf hin, dass diese Initiative mit dem Titel "Turismoa(k) birpentsatzen. Tourismus neu denken, denn Donostia hat eine Grenze" auf der Notwendigkeit beruht, das vorherrschende Modell in Frage zu stellen.
Ziel sei es, das derzeitige Modell zu beenden und “die Menschen in Donostia in den Mittelpunkt der Politik zu stellen, um ihr Wohlergehen zu gewährleisten und zu priorisieren“, während gleichzeitig “die Viertel, die von dieser Industrie betroffen sind, entschädigt werden“. Die Stadtteile Parte Vieja, Gros, Centro und Antiguo “leiden direkt unter den Folgen des Tourismus-Modells, das private Interessen über das Wohlergehen der Einwohner stellt, aber die Entwicklung der gesamten Stadt absolut voraussetzt“, heißt es in der Präsentation der Konferenz. (naiz-baskultur)
(2025-04-13)
IMMOBILIEN-PREISE EXPLODIEREN
Mehr als doppelt so stark wie im europäischen Durchschnitt: Der Anstieg des Wohnungs-Preisindexes gegenüber dem Vorjahr lag im vierten Quartal 2024 in der EU bei 4,9%, eine Zahl, die in Navarra mit 12,9% fast dreimal so hoch war. Der EU-Durchschnitt wird auch in Araba, Gipuzkoa und Bizkaia mit einem Wachstum von 10,7% verdoppelt.
Der Anstieg der Wohnungspreise scheint in Hego Euskal Herria, dem Süd-Baskenland keine Grenzen zu kennen. Aus den jüngsten von Eurostat und dem Nationalen Institut für Statistik (INE) veröffentlichten Daten geht hervor, dass der Anstieg der Kosten für eine Wohnung oder ein Haus in den vier Regionen südlich des Flusses Bidasoa (Araba, Bizkaia, Gipuzkoa, Nafarroa) mehr als doppelt so hoch ist wie im europäischen Durchschnitt. Während in der EU der Anstieg des Wohnungspreisindex (HPI) im vierten Quartal 2024 bei 4,9% lag, erreichte er in Nafarroa 12,9% und in Araba, Bizkaia und Gipuzkoa 10,7%. Dies ist deutlich höher als die 1,4% in Luxemburg, 1,7% in Österreich oder 1,9% in Deutschland. In Frankreich schloss der WPI das Jahr 2024 sogar mit einer zwischenjährlichen Abweichung von minus 1,9 % ab.
Die Daten stimmen mit einem Bericht überein, der kürzlich vom Immobilien-Portal Fotocasa.es veröffentlicht wurde und in dem davor gewarnt wird, dass "die Preise für Wohnraum in einem sehr hohen Maße steigen. Der Wohnungsmarkt befindet sich an einem Wendepunkt, an dem Angebot und Nachfrage noch nie so weit auseinander lagen", fügt das Immobilien-Portal hinzu, das die Autonome Region Baskenland (CAV) mit einem Durchschnittspreis von 3.404 Euro pro Quadratmeter unter den drei teuersten Regionen für den Kauf einer Wohnung einordnet, nur übertroffen von den Balearen und Madrid.
Die Zahl für Gipuzkoa sticht hervor: 3.835 Euro pro Quadratmeter, was bedeutet, dass eine 80 Quadratmeter große Wohnung 306.800 Euro kostet. In Bizkaia kostet die gleiche Immobilie im Durchschnitt 263.120 Euro (3.289 Euro pro Quadratmeter), in Nafarroa 243.680 (3.046 Euro pro Quadratmeter) und in Araba 237.040 (2.963 Euro pro Quadratmeter).
Dasselbe Portal berichtete diese Woche über eine Studie, die auf der Grundlage von Daten der Beschäftigungs-Plattform InfoJobs durchgeführt wurde und in der davor gewarnt wird, dass interessierte Käufer*innen in Navarra sechs Jahre lang ihr gesamtes Gehalt ausgeben müssten, um ein im Jahr 2024 gekauftes Haus zu bezahlen. In Gipuzkoa müssen sie das Gehalt eines ganzen Jahrzehnts ausgeben. Es versteht sich von selbst, dass die Familien-Einkommen im gleichen Zeitraum deutlich weniger gestiegen sind als die Immobilien-Preise. (naiz-baskultur)
(2025-04-12)
SOZIALHILFE-RASSISMUS
Seit 20 Jahren betreibt die Tageszeitung mit der größten Auflage im Baskenland – ein rechtes Blatt mit Franquismus-Tradition – eine Kampagne gegen Arme und Migrant*innen, denen ganz generell das Erschleichen von Sozialleistungen unterstellt wird. Tatsache ist, dass die Sozialhilfe in der Region Baskenland deutlich höher liegt als in spanischen Regionen, wo sie teilweise gar nicht existiert. Tatsache ist aber auch, dass diese RGI-Sozialhilfe zum Leben nicht ausreicht. Durch die Dauerkampagne wird in der Bevölkerung der Eindruck erzeugt, als wäre diese RGI ein Selbstbedienungsladen, in dem die Geldbündel in den Regalen liegen. Gewerkschaften und Menschenrechts-Organisationen sprechen angesichts der Kampagne im Fall armer Leute von Armen-Feindlichkeit, im Fall von Migrant*innen von Rassismus. Versteht sich von selbst, dass solche Kampagnen von rechten und faschistischen Parteien und Parteigängern für ihre xenophoben Diskurse benutzt werden.
Jetzt hat die Zeitung zu einem neuen Schlag ausgeholt. Es geht um gefälschte Melde-Bescheinigungen, die über soziale Medien für 150 Euro angeboten werden, um nach einer Vorlaufzeit Sozialleistungen zu erhalten. “In Chats und sozialen Netzwerken häufen sich betrügerische Angebote, um den für eine RGI-Antragstellung ausreichenden Zeitraum zu erreichen und nach drei Jahren Wartezeit Zugang zu Sozialhilfe-Leistungen zu haben“, steht im Blatt. “Ich würde dir 200 Euro für zwei Register-Einträge zahlen. Jeden Monat", wird ein Chat-Teilnehmer zitiert. Von einem “Boom falscher Anmeldungen“ ist die Rede.
In den vergangenen 16 Jahren, seit die baskischen Sozialdemokraten drei Jahre an der Regional-Regierung waren (2009-2012), wurden die Voraussetzungen zum Erhalt der RGI ständig verschärft, ebenso die Kontrollen. War vor Jahren eine 12-montatige Anmeldung im Wohnregister einer baskischen Stadt Grundvoraussetzung, so wurde die Frist auf drei Jahre verlängert, um dem vorzubeugen, was die Ultrarechte lauthals befürchtet: “Euskadi wird so zum Magneten für Arme, Migranten und Betrüger“.
Dann erlitt das baskischen Arbeitsamt Lanbide als Verwalter der wichtigsten Sozialleistungen im Baskenland vor Gericht eine Niederlage: im Februar hob der Oberste Gerichtshof des Baskenlandes die Regel auf, einen Mietvertrag oder eine Eigentums-Urkunde als Nachweis des Wohnsitzes vorzulegen, in Zukunft reicht eine Meldebescheinigung. Eine dreijährige Eintragung ins Melderegister ist somit alleinige Grundvoraussetzung für den Zugang zum Schutzsystem RGI (Renta de Garantía de Ingresos – Garantierte Mindesthilfe).
“Das hat sich natürlich herumgesprochen“, sagen böse Zungen, die nicht mit Namen genannt werden (wollen), die “mit diesem Phänomen vertraut sind“. Zitiert wird aus sozialen Medien: “Ich suche eine Meldeadresse ohne Wohnung“, fragt angeblich ein Mann “in einem Chatroom für in der Region lebende Ausländer“. Die Gruppe der angeblichen Betrüger ist somit klar benannt: Migrant*innen.
Neben digitalen Plattformen sind Mundpropaganda und Anzeigen in Telefon-Geschäften zum “Schaufenster für diese betrügerischen Angebote geworden“ – hinter dieser Behauptung steckt, sollte sie real sein, entweder polizeiliche Schnüffelei oder eine monatelange (wenig wahrscheinliche) Untersuchungs-Arbeit eines Journalisten. In den letzten Wochen “hat diese Zeitung Dutzende von Angeboten für fiktive Anmeldungen gesehen, deren Preise zwischen 100 und 150 Euro liegen. Einige der Verkäufer verlangen Kautionen, als ob es sich um echte Mieten handeln würde“, beklagt eine Person, “die mit diesen Betrügereien vertraut“ sei. Die Rede ist von Anzahlungen in Höhe von 600 Euro.
Gravierender Wohnungs-Mangel
Die Situation auf dem Mietwohnungs-Markt schließt mit exorbitanten Preisen arme Leute und Migrant*innen aus. Letztere, selbst wenn sie die Preise bezahlen können, werden abgewimmelt, weil viele Besitzer “nicht an Ausländer vermieten wollen“. Vielen bleibt nur das Massen-Wohnen in kleinen Räumen. Eine andere Version des Ausschlusses ist, zwar zu vermieten, aber ohne Vertrag, um das Geld schwarz zu kassieren und die Mieter im rechtlosen Raum zu lassen. All das führt zwangsläufig dazu, das illegale Wege gesucht werden, um an eine Wohnung zu kommen oder das Geld fürs Überleben aufzutreiben. Dass die Situation von bestimmten Elementen auf mafiöse Art ausgenützt wird, um an Geld zu kommen, ist kein Wunder. “Es gibt Leute, die viel Geld damit verdienen, Leute zu registrieren, die nicht bei ihnen wohnen“. Moralische bewegen sie sich auf derselben Stufe wie die Rassisten in den Redaktionsstuben.
Die Meldebescheinigung ist jedenfalls das Tor zur Legalität. Sie eröffnet den Zugang zu den Sozialleistungen. Die RGI-Sozialhilfe setzt als erste Voraussetzung einen drei-jährigen ununterbrochenen Wohnsitz in einer baskischen Stadt voraus. Die Fristen sind kürzer für Antragsteller, die sich in einer prekären Situation befinden, zum Beispiel Frauen, die Opfer von geschlechts-spezifischer Gewalt wurden. "Außerhalb des Baskenlandes wissen viele Leute, dass sie, wenn sie sich registrieren lassen, unabhängig davon, ob sie hier leben oder nicht, nach drei Jahren Leistungen beantragen können", so wird das Vorgehen der Betrüger erklärt.
Wirtschaftlicher Betrug
Es folgen Beispiele von Miet-Mafiosis und ihrer Praxis: “Die Ermittlungseinheit der Stadtpolizei verhaftete einen Mann, der die Adressen von Familien-Mitgliedern, seiner Umgebung und von Häusern, in denen er vorübergehend wohnte, benutzte, um mehr als fünfzig Personen eine Anmeldung zu verkaufen, obwohl sie dort nicht wohnten.“ Dessen “Kunden“, Opfer und Täter gleichzeitig, “waren Einwanderer“. Da haben wir es nochmal.
Danach folgt im Kampagnen-Artikel die Relativierung: "Die falschen Bescheinigungen sind ein Einfallstor, aber mit einem Haken. Denn wer drei Jahre lang angemeldet ist, muss sich danach eine andere Adresse suchen, da die Zahl der RGI-Empfänger auf zwei pro Wohnung begrenzt ist“. Daneben gibt es weitere Bedingungen, die mitunter schwer zu erfüllen sind. Die Beantragung ist kein Zuckerschlecken.
Von rassistischen Medien-Kampagnen in die Ecke gedrängt, hat die baskische Regierung schon mehrfach Studien in Auftrag gegeben, um den Anteil der RGI-Betrügereien zu quantifizieren. Ergebnis: in 0,1% der der Fälle seien falsche Informationen im Spiel. Verhältnis 1 zu tausend also. Doch diskriminiert werden alle. Insgesamt erhalten derzeit 57.702 Personen im Baskenland die RGI. Sie bietet im Maximalfall Zahlungen zwischen 853 Euro pro Monat für eine Person und 1.678,13 Euro für Erwachsene mit bis zu 4 unterhaltspflichtigen Minderjährigen. Wer einen Mietvertrag vorweist, erhält weitere 300 Euro an ergänzendem Wohngeld (PCV). (baskultur)
(2025-04-11)
ENTLASSUNGEN BEI REIFEN-MULTI
Die Entlassungswelle geht reihum – nach der Betriebsschließung eines US-amerikanischen Glaswerks in Aiaraldea, die nicht verhindert werden konnte und lediglich mit Abfindungen abgefedert werden konnte, ist nun die alte Industriestadt Basauri (10km vor Bilbao) an der Reihe. Der Reifenmulti Bridgestone (Ex-Firestone) will 336 von 840 Beschäftigten entlassen, weil die Aufträge nicht ausreichend seien – das wären 40% der Belegschaft. Die ist nach der Ankündigung bereits einen zweiten Tag in den Streik getreten, der zu 100% eingehalten wurde, in beiden Werken, Basauri und dem angrenzenden Usansolo. Alle Reifen standen still.
Eine erste Reaktion der Betriebsleitung war das Eingeständnis, die über 55-Jährigen von der Kündigung auszunehmen, eine wahrhaft humane Geste, denn solche Leute haben auf dem Arbeitsmarkt weniger als keine Chance. Gleichzeitig kann davon ausgegangen werden, dass dies bereits vor der Entlassungs-Ankündigung in der Schublade lag, denn wer 100 Eier haben will fordert bekanntlich 150, um dann so zu tun, als wären die 100 ein Kompromiss. Zudem gab die Leitung bekannt, sie habe keine Pläne, das Werk zu “delokalisieren“, dies ist das euphemische Wort (Versteckspiel) für Produktionsverlagerung ins billige Ausland. Eine zweite großzügige Geste, die die Arbeitnehmer*innen weichkochen soll – ist ja alles gar nicht so schlimm.
Am Verhandlungstisch hat die Unternehmensleitung noch nicht geklärt, welche Arbeitsplätze von der Teilkündigung betroffen sein werden. Auch die Beschäftigten des Usansolo-Werks haben die Arbeit niedergelegt, obwohl sie nicht von der vom Unternehmen vorgeschlagenen Kündigung von Verträgen betroffen sind. Der entlassungsplan betrifft nicht nur Basauri mit 40% der Beschäftigten des Werks in sondern auch die Hälfte der Belegschaft des Bridgestone-Werks in Puente San Miguel in der Nachbar-Region Kantabrien) mit 211 Beschäftigten. Nach Ansicht der Gewerkschaften ist die Zukunft des Werks in Basauri insgesamt gefährdet, wenn sich die Entlassungen auf die jüngeren Arbeitnehmer konzentrieren. Wenn dies der Fall ist, “wird das Werk sterben“, so die Gewerkschaften. Am Verhandlungstisch haben die Gewerkschaften CCOO, UGT, BUB, SITB und ELA erneut ihre Ablehnung zum Ausdruck gebracht und die Unternehmensleitung aufgefordert, das Dossier zu revidieren. Sie haben von der Unternehmensleitung zusätzliche Informationen und Unterlagen angefordert. (baskultur)
Die Parteien werden sich am kommenden Montag erneut treffen, um die Verhandlungen über den Sozialplan fortzusetzen. Ebenfalls nächste Woche, am 15. April, sind die Beschäftigten der von den Entlassungen betroffenen Werke erneut zu einem Streik aufgerufen, um der Unternehmensleitung ihre Ablehnung der Maßnahme zu demonstrieren. Ihre Kollegen im Werk Usansolo sind ebenfalls aufgerufen, an diesem Tag als Zeichen der Unterstützung die Arbeit niederzulegen.
Die baskische Regierung, der Provinzrat von Bizkaia und der Stadtrat von Basauri haben die Unternehmensleitung von Bridgestone aufgefordert, sich für die Zukunft des Werks in Basauri einzusetzen und einen Verhandlungsprozess einzuleiten, der “die sozialen Auswirkungen“ der angekündigten Entlassung minimiert. Vertreter dieser Institutionen trafen am Donnerstag mit der Unternehmensleitung von Bridgestone zusammen, um sich aus erster Hand über die Situation des Werks in Basauri zu informieren.
(2025-04-10)
EUSKARA FÜR MIGRANT:INNEN
Nichts ist wichtiger beim Einleben in einem Land, in einer unbekannten Gesellschaft, wie die Kenntnis der Sprache. Eigentlich ein natürlicher Prozess, den niemand in Frage stellt … wenn nicht … ja wenn es da nicht gewisse Hindernisse gäbe, in manchen Fällen eine ganze Reihe davon. Zum Beispiel, wenn das Empfangsland gleich zwei Sprachen aufweist, die sich auch noch konfliktiv gegenüber stehen. Wir sprechen vom Baskenland. Was wäre selbstverständlicher als die Annahme, das im Baskenland Baskisch gesprochen wird. Es war einmal, dann kam die Kolonisierung, Besetzung und die hegemoniale Dominanz der imperialen Weltsprache Kastilisch, heute Spanisch genannt. Vorbei sind die zeiten, als Euskara verboten war und derart an den Rand gedrängt, dass manche bereits sein Verschwinden befürchteten. Doch 50 Jahre “Demokratie“ (nach Francos Tod) waren nicht ausreichend, dieses Manko ausreichend zu beheben. Das erleben heute vor allem die neuen Migrant*innen.
Die Hindernisse der Migrant*innen beim Erlernen der baskischen Sprache sind Arbeit, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und das banale Geld. Zeitmangel aufgrund von viel Arbeit und die Notwendigkeit, für Baskisch-Kurse auch noch Geld im Voraus zu bezahlen, sind die größten Hindernisse auf dem Weg zur so genannten Euskaldunisierung.
Die Situation stellt sich dar wie folgt: ungefähr ein Drittel der baskischen Bevölkerung ist der baskischen Sprache mächtig, die Anteile wechseln von 90% in kleineren Orten bis zu 10% in anderen, die Städte sind keine positiven Beispiele. Die politisch Verantwortlichen, die bei der Frage nie eine besonders aktive Rolle gespielt haben, sind sich der stagnierenden Situation bewusst, aber nur bereit, vorsichtige Schritte zu unternehmen. Gerne hingegen lassen sie Studien anfertigen zur Bestandsaufnahme. Ein solches Ergebnis ließ der Verantwortliche für Sprachenpolitik dem Ausschuss für baskische Sprache, Kultur und Sport des Parlaments mitteilen. Auf Ersuchen der parlamentarischen Gruppe EH Bildu, der einzigen, die ein ernsthaftes Interesse an der Förderung der baskischen Sprache hat.
Im Gegensatz zu Katalonien gibt es im Baskenland kein kostenloses System, die einheimische Sprache zu lernen. Wer diese Absicht hat, muss erst einmal kräftig löhnen, bis zu 1.000 Euro pro Jahreskurs. Für die meist armen Migrant*innen ein Witz, wo das Geld ohnehin kaum reicht, das Essen und vor allem die teuren Wohnungen zu bezahlen. Jahrzehnte lang hat die Regierung gebraucht, um zu dieser einsicht zu kommen. Nun wird stolz darauf hingewiesen, dass die kostenlose Einschreibegebühr zu einem Anstieg der Einschreibungen unter Migrant*innen geführt hat. Mittlerweile wird der Kurs finanziert und ist für die Schüler völlig kostenlos. “Auf diese Weise haben wir das erste Hindernis überwunden“, erklärt ein Politiker stolz. Im akademischen Jahr 2023-2024 hätten 3.407 Migranten Baskisch im baskischen Erwachsenensystem studiert. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn der Anteil der Migrant*innen in der baskischen Bevölkerung beträgt bereits 12%, bei 2 Millionen sind das 120.000 Personen.
Bei den erfolgten Ausführungen ist von den Migrant*innen die Rede, die mit gültigen Papieren einreisen. Außen vor bleiben jene, die auf Booten übers Mittelmeer kamen und keine Papiere vorweisen können. Keine Papiere, keine Aufenthalts- oder Arbeits-Genehmigung, Schwarzarbeit, Handel auf der Straße, Verfolgung durch die Polizei, kein Dach über dem Kopf, Essen bei Caritas. An einen Baskisch-Kurs ist nicht im Traum zu denken, zum Ausschluss aus der Gesellschaft (Ziel der Mehrheit der Parteien, PP, VOX, PSOE) kommt der Ausschluss aus der Euskara-Gemeinde. Die wenigen, die es trotz allen Widrigkeiten geschafft haben, werden stolz herumgereicht wie Kinder mit drei Händen und sechs Fingern. Der kulturelle Genozid durch Kolonisierung, fremd-sprachige Hegemonie und Verbote erfährt seine Fortsetzung im rassistischen Ausschluss der Migrant*innen aus der kapitalistischen Gesellschaft. (baskultur)
(2025-04-09)
DER TOD NEBENAN
Der 9. April 2012 stellte die zweite Etappe dar innerhalb einer Fußball-Geschichte, die alle Bestandteile hatte, von himmelhoch-jauchzend bis zu-Tode-betrübt. Das zweite Kapitel einer Geschichte, die vier Tage zuvor begonnen hatte, mit der Qualifikation des einheimischen Teams von Athletic für die nächste Runde im Europa-Pokal – aber schon das spielte angesichts der Ereignisse außerhalb des Stadions nur noch eine untergeordnete Rolle.
Stell dir vor, du stehst mit Tausend anderen auf der Straße, vor einer Kneipe durch deren Fenster das Spiel gezeigt wird. Irgendwo in der Nähe soll es eine Schlägerei gegeben haben, aber davon weißt du nichts. Auch nichts davon, dass dieses Gerücht zu einem Polizeieinsatz führt. Dein Team hat die nächste Runde erreicht, allein das zählt. Die Stimmung könnte nicht besser sein, bis ein Polizei-Kordon aufzieht vor der Kneipe. Niemand versteht warum, dennoch könnte es der geeignete Zeitpunkt zum Rückzug sein, man weiß ja nie bei diesen unberechenbaren Typen in Uniform (die das Spiel nicht sehen durften, weil sie im Dienst sind. Aber Rückzug geht nicht, weil dich die die Kneipe in einer Sackgasse befindet, der einzige Ausweg wäre nach vorne.
Die Situation wird hässlich, hinter dir spürst du Angst vor etwas, das niemand vorhersehen kann, die Uniformierten formieren sich und reagieren auf einen Befehl, von dem du erst viel später aus der Presse erfährst. “Geht rein, mit allem was ihr habt!“ Alle drücken nach hinten, um Distanz zu schaffen zu der vorne auftretenden Gewaltkulisse. Keine Chance, die Sackgasse ist so dicht wie eine volle Flasche, in die jemand den Korken drückt. Bei den Uniformen bewegt sich etwas, Gewehre mit Gummigeschossen werden in Stellung gebracht, hinter dir hörst du Stimmen: “Ist doch gar nichts passiert!“ oder “Dreht bloß nicht durch hier!“. Von ganz hinten soll eine Flasche geflogen sein, aber das erzählen dir die andern erst später. Die Spannung ist am Höhepunkt, kein Rückweg, ruhig bleiben könnte der einzige Auswegsein. Scheiße.
Die Bullen stehen kaum 10 Meter entfernt und fangen an, mit ihren Gummi-Knarren in die Sackgasse zu schießen, erst nach oben, dann tiefer. Du duckst dich weg, besser am Arm erwischt werden als auf der Brust. Ausgerechnet jetzt in der verfluchten ersten Reihe! Der Junge neben dir sackt in sich zusammen, was ist los, Chaos, einige beginnen wirklich die Flucht nach vorne. Andere beugen sich über den Zusammengebrochenen, was ist mit ihm? Er blutet aus dem Kopf. “Hier gibt es einen Schwerverletzten!“ schreit eine Frauenstimme so laut, dass sie alles andere übertönt, so verrückt das klingen mag.
Du siehst die Bullen nicht mehr, alles rennt durcheinander, einige beugen sich immer noch über einem bewegungslosen Körper. Du nimmst wahr, dass dein Körper intakt ist, keine Schläge oder Einschläge, kaum zu glauben. Blut auf der Straße. Wer ist der Junge? Kennt ihn jemand? Sirenen ertönen, du kannst nicht unterschieden, ob von der Polizei oder von Krankenwagen. Wo vorher die Bullen standen, öffnet sich eine Schneise, Sanitäter in leuchtendgelb kommen angerannt und kümmern sich, nach einigen Momenten liegt der leblose Körper auf einer Trage und wird zum Bulli getragen. Die Atmosphäre von greller Angst weicht der von hitzigen Wortgefechten. Was ist passiert.
So nah du auch am Geschehen warst, erst die Tageszeitung des nächsten Tages klärt dich auf, was du selbst erlebt hast. Du liest deine Geschichte und die des reglosen Fußball-Begleiters, den du nicht kanntest. Er liegt bewusstlos im Krankenhaus, das Geschoss traf in voll am Kopf. Hinter den beschönigenden Formulierungen ist zu verstehen, dass er keine Chance hat, mehr noch, das der Bullentreffer derartige Spuren hinterlassen hat, dass es besser sein könnte, wenn er gar nicht erst überlebt.
Tatsächlich überlebte er nicht. Er: Iñigo Cabacas, so steht es in der Zeitung, der Junge neben dir bekommt plötzlich einen Namen. Nach vier Tagen zwischen Hoffnung und Verzweiflung kommt die Todesnachricht. Neunter April 2012, ein teuer bezahlter Sieg. Der Beginn eines Polizei-Skandals erster Klasse. Lügen, Presse-Aufdeckungen, Ausreden, Bullen vor Gericht, keine Urteile. Du kanntest den Typ neben dir auf der Straße nicht, wenig später kennst du sogar seine Freunde und Eltern. Fina, Manu. (baskultur)
(2025-04-08)
ETA-ENTWAFFNUNG
Vor genau acht Jahren, am 8. April 2017 übergab die bewaffnete Organisation ETA in Iparralde (dem französischen Baskenland) die Restbestände ihrer Waffen und Ausrüstung … nicht an die Behörden oder die Polizei, sondern an eine zivile Organisation, die sich über Jahre hinweg um eine Konfliktbeilegung bemüht hatte. Eine Übergabe an die Behörden war deshalb ausgeschlossen, weil die spanische Regierung (PP, Rajoy) jegliche Verhandlungen oder Kontakte mit ETA, auch nicht zum Zweck der Entwaffnung, ausgeschlossen hatte und die französischen Behörden ihren spanischen Kollegen nicht in den Rücken fallen wollten. Diese Tatsache veranlasste die britische BBC zu folgender Feststellung: "Die ETA war der einzige Fall in der Welt, in dem eine bewaffnete Organisation zur Entwaffnung bereit war und der Staat sich weigerte".
Doch ganz unbeteiligt war der französische Staat dann doch nicht. Man wollte bei der Entwaffnung zwar keine aktive Rolle spielen, sie gleichzeitig aber auch nicht blockieren oder verhindern (wer weiß, was hinter den Kulissen verhandelt wurde). Was zu folgender Vorgehensweise führte: die bewaffnete Organisation übergab Listen mit ihren Waffenverstecken an die zivile Organisation “Friedens-Handwerker“, welche die Listen wiederum direkt an die bereits wartende Gendarmerie aushändigte. Entwaffnung auf Umwegen, sozusagen. So waren fast alle zufrieden: Die baskische Linke, weil ETA endlich aus dem Spiel war; die französische Regierung, weil endlich keine waffenverstecke mehr gesucht werden mussten; ETA, weil sie das unnütze Zeug endlich loswerden wollte; nur die die spanische Regierung, die auf dem besten Weg war, ihren Lieblingsfeind zu verlieren, dem sie so viel Repressions-Instrumente zu verdanken hatte.
Um der Sache die Krönung aufzusetzen, hatte die baskische Linke von beiderseits der Grenze in Baiona (frz: Bayonne) eine Willkommens-Fete organisiert, um den Anlass gebührend zu begehen, Tausende ließen sich den historischen Moment nicht entgehen. Ein starkes Jahr später verkündete Euskadi Ta Askatasuna nach einer internen Umfrage unter Aktivist*innen und aktuellen und ehemaligen Gefangenen seine definitive Auflösung. (baskultur)
(2025-04-08)
UNWISSENHEIT ODER LÜGE
Für ihren Namen können die allermeisten Leute nichts (Ausnahme Pele). Aber für ihre Aussagen können sie durchaus verantwortlich gemacht werden, von Trump bis Che Guevara. „Maria Jesus Heiliger Josef“ heißt die neue Justiz-Senatorin der Region Baskenland, es handelt sich definitiv um eine Frau, um Missverständnissen zuvor zu kommen. Diese Politikerin hat sich „“Rache an den abertzalen“ auf die Fahne geschrieben, das heißt, sie holt Keulen aus dem historischen Schrank, die bisher den Faschisten vorbehalten waren. Erst ließ sie über ihr Erinnerungs-Institut die nazistische Legion Condor (wir erinnern uns an die Vernichtung von Gernika) als “Opfer des Krieges“ (!) auszeichnen, jetzt teilt sie auch noch im eigenen Lager aus. Zu einem tödlichen Attentat gegen einen sozialdemokratischen Abgeordneten in den 1980er Jahren (ein Partei-Kollege also) schrieb sie in ihren sozialen Medien einen Stuss, der ihr Kritik von allen möglichen Seiten einbrachte.
Zu den Urhebern dieses Attentats sprach sie von “Antikapitalistischen Kommandos der ETA“ – und viele fragen sich nun: handelt die baskische Justizministerin aus Unwissenheit oder war es Böswilligkeit, ein absichtlicher Fehler, ein Stück Geschichts-Retousche? Denn die von ihr zitierte bewaffnete Gruppe “Antikapitalistische Kommandos der ETA“ gab es nämlich niemals. Geschichte ist eine Wissenschaft, die leider viel zu häufig nach Gutdünken manipuliert wird, die Toten können sich bekanntlich nicht wehren.
Was war passiert? Die Justizministerin María Jesús San José überraschte - oder auch nicht - mit einer Botschaft bei X, in der sie sich auf die ebenfalls Sozialdemokratin Barbara Dührkop anspielte und den tödlichen Angriff auf deren Mann Enrique Casas einer nicht existierenden Organisation zuschrieb: “Die Sozialdemokratin aus San Sebastian mit deutsch-schwedischen Wurzeln begann ihre politische Karriere nach der Ermordung ihres Mannes, des sozialdemokratischen Senators Enrique Casas, durch die Antikapitalistischen Kommandos der ETA am 23. Februar 1984“, ließ sie in den sozialen Netzwerken verlauten.
Doch bekanntlich wurde das Attentat gegen Enrique Casas von den Comandos Autónomos Anticapitalistas (Antikapitalistische autonome Kommandos) verübt, einer Organisation, die Mitte der 1970er Jahre entstand und ein Jahrzehnt lang aktiv blieb. Dieser Anschlag war einer der letzten der Gruppe. In jener Zeit bekamen die Kommandos auch die volle Härte des Staatsterrorismus zu spüren, mit Aktionen wie dem Hinterhalt in der Bucht von Pasaia, bei dem vier ihrer Aktivisten von Kugeln durchlöchert wurden, kaum einen Monat nach Casas' Tod. Diese vier wurden kürzlich von der baskischen Regierung als Opfer staatlicher Gewalt anerkannt. Als Staatsterrorismus wird auch das gewaltsame Verschwinden von José Miguel Etxeberria, “Naparra“, bezeichnet, ein politischer Aktivist, dessen Überreste auch 45 Jahre danach noch immer nicht gefunden wurden.
In jener Zeit waren die Beziehungen zwischen den Comandos Autónomos Anticapitalistas und der ETA nicht frei von Reibungen und Spannungen, einige schreiben in ihren Antworten auf X, die beiden Organisationen haben nicht miteinander zu tun gehabt. Aber trotzdem hat es die Justizministerin vorgezogen, die beiden Organisationen unter demselben Namen zu vereinen. Nicht wenige Internet-Nutzer werden der heiligen Senatorin allerdings auch direkte Geschichtsverdrehung vor.
Einmal mehr wird deutlich, dass die Kluft zwischen Unwissenheit (Ignoranz) und bewusster Lüge nur ganz schmal ist. ETA anzuschwärzen war schon immer ein beliebter sozialdemokratischer Sport. In mehreren Beiträgen wird auch darauf hingewiesen, dass dieser Fehler die Sozialdemokratin María Jesús San José für das Amt der Justiz-Senatorin disqualifiziert. Bleibt abzuwarten, für welche Seite der Interpretationen sich die Heilige entscheidet – oder ob sie ihre Falsch-Botschaft einfach löscht. (naiz-baskultur)
(2025-04-07)
DIE MIET-SCHERE
Dass die Mieten in Bilbao teuer sind, ist keine Überraschung. In den letzten zehn Jahren ist der Preis in der Stadt auf über 930 Euro hochgeschossen (Berechnungs-Grundlage ist eine Wohnung von 75 QM). Das sagen die Experten, aber auch die Statistiken. Der Rückgang des Angebots angesichts der hohen Nachfrage hat eine Wohnungskrise ausgelöst, von der sogar Familien aus der Mittelschicht betroffen sind, die sich früher eine Wohnung auf dem freien Markt leisten konnten und jetzt um eine Wohnung mit staatlich geschütztem Preis kämpfen. Der Wohnungsbau bringt Situationen größerer Armut "an die Oberfläche", sagt ein Soziologe. "Nicht die Oberschicht leidet unter diesem Preisboom, sondern junge Menschen, die sich nicht unabhängig machen können, oder Familien, die in prekären Verhältnissen leben", warnt er.
Die Daten bestätigen, dass die Wohnungskrise, die das Gebiet erschüttert, keine Rücksicht nimmt auf ohnehin gebeutelte Stadtviertel. Die Mietpreise sind in allen Vierteln gestiegen, unabhängig von der Kaufkraft der dort lebenden Familien. In Abando, dem reichsten Viertel der Hauptstadt mit einem Familien-Netto-Einkommen von über 70.000 Euro, sind die Wohnungen in acht Jahren um 17% teurer geworden. In Otxarkoaga hingegen, wo das Einkommen auf 24.650 Euro gesunken ist (ein Drittel) und fast die Hälfte davon aus Sozialleistungen stammt, kosten die Mieten 36% mehr als 2016. Der Preisunterschied zwischen den einzelnen Stadtvierteln (1.065 Euro gegenüber 739 Euro) ist zwar immer noch beträchtlich, aber der Abstand verringert sich.
Einer der Indikatoren, der am deutlichsten die Schwierigkeiten von Familien beim Zugang zu einer Wohnung auf dem freien Markt widerspiegelt, ist die Aufwandsquote. Das heißt, der Prozentsatz des Einkommens, den die Haushalte für das Wohnen ausgeben. Experten für finanzielle Nachhaltigkeit vertreten die Auffassung, dass Haushalte nicht mehr als 30% ihres Einkommens für die monatliche Zahlung ausgeben sollten, um würdig leben zu können. Dies ist eine der Variablen, die auch von der neoliberalen baskischen Regierung herangezogen wird, um festzustellen, ob eine Gemeinde oder ein Stadtviertel die Bedingungen erfüllt, um zu einem Problemgebiet erklärt zu werden oder nicht.
Im Klartext heißt das: Nicht, dass in den reichen Stadtteilen die Mieten niedriger wären, im Gegenteil, sie sind selbstverständlich höher als in armen Barrios (wie überall in der Welt). Aber auf den Anteil der Miete am Familieneinkommen kommt es an. Denn die ärmsten Viertel in Bilbao sind diejenigen, die den größten Teil ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Während die Familien in den reichen Stadtteilen Abando oder Indautxu 20% ihres Einkommens für das Wohnen aufwenden, sind es im superarmen Otxarkoaga 36%. Für ein “würdiges Leben“ bleibt das nicht besonders viel. (baskultur)
(2025-04-06)
NAVARRA IN BUCHENWALD
Die Regierung von Nafarroa hat 60 ins Konzentrationslager Buchenwald deportierte Menschen geehrt. Die Vizepräsidentin, Ana Ollo, nahm an den Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag der Befreiung des deutschen Konzentrationslagers Buchenwald teil. Sie pflanzte gemeinsam mit den Schülern zweier Gymnasien zwei Buchen und brachte eine Gedenktafel für die in den 1940er Jahren von den Nazis deportierten Männer und Frauen aus Navarra an, die in einem der Konzentrationslager der Nazis interniert waren. Ein Dutzend von ihnen war in diesem Lager.
Begleitet wurde die Politikerin vom Direktor des Instituts für Memoria in Navarra, José Miguel Gastón und von Jugendlichen zweier Gymnasien in Iruñea, die im Rahmen des Projekts “1.000 Buchen“ zwei Bäume zum Gedenken an die in Lager Deportierten pflanzten. Außerdem wurde im Namen der Regierung von Nafarroa eine Gedenktafel angebracht.
Eine rechtliche Verpflichtung
Die Anbringung dieser Gedenktafel, wie seinerzeit an der Gedenkstätte des französischen Lagers Gurs, ist Teil einer rechtlichen Verpflichtung der Regierung, auch gegenüber den Gedenkstätten-Verbänden. Ollo traf sich mit dem Kulturminister Ernest Urtasun im Rahmen der Eröffnung einer Ausstellung über Jorge Semprún in Weimar, der Gemeinde, zu der das Lager gehört. Die Vizepräsidentin betonte sowohl das institutionelle Engagement als auch die Bedeutung der Einbeziehung junger Menschen und die Verbreitung all dessen, was während der Diktaturen und Kriege geschehen ist.
Erinnerung ist nicht nur Vergangenheit
“Die Erinnerung ist nicht nur eine Frage der Vergangenheit, sondern vor allem eine Frage der Zukunft. Deshalb ist unsere Beteiligung wichtig, damit das Wissen weitergegeben werden kann. Dies gilt umso mehr in einer Zeit, in der Desinformationen, wenn nicht gar Fälschungen, zum Mangel an Erinnerung in einem Europa hinzukommen, das Schauplatz so brutaler Taten wie der des Nationalsozialismus war, an den wir heute erinnern“, erklärte Ollo auf der Veranstaltung. “Angesichts eines neuen Faschismus sage ich: mehr Europa, mehr Erinnerung und mehr Demokratie“, bemerkte sie.
Junge Menschen
Besonders bewegend war der Beitrag der Jugendlichen, die am Samstag gemeinsam mit Vertretern der Regierung Navarras zwei Gedenkbäume an den Wegen zum Konzentrationslager pflanzten und eine Gedenktafel anbrachten. Die Jugendlichen verlasen ein Manifest für Freiheit und Demokratie und gegen Faschismus und Hassreden und besuchten die Ausstellung “Jorge Semprún, europäisches Leben im 20.
Die Buchenwald-Liste
Die Regierung von Navarra hat mit Hilfe des Instituts für Gedächtnisforschung eine breit angelegte und umfassende öffentliche Erinnerungspolitik entwickelt, die auch den Bildungsbereich und das Engagement für die Anerkennung und Wiedergutmachung der Männer und Frauen aus Navarra umfasst, die die Tragödie des Exils und der Konzentrationslager der Nazis erlitten haben. In diesem Sinne wird die Arbeit an der Aufnahme neuer Dokumente in die bereits vorhandene Zählung der in die NS-Konzentrationslager deportierten Männer und Frauen aus Navarra fortgesetzt.
Die Liste der nach Buchenwald Deportierten aus Nafarroa besteht aus zehn Personen. Es handelt sich um Guillermo Alzuri Larrechea, aus Arantza; Jose Alzuri Larrechea, aus Irun; Tomas Irurzun Alcaide, aus Allo; Eugenio Alli Ferrero, aus Bera; Valentín Arrese Cruchaga, aus Jaurrieta; Agustin Lissarrague, aus Itxassou (Atlantische Pyrenäen); Luis Anglade, aus Etxalar; Lucio Gabari Espinal, aus Olite; Vicente Moriones Belzunegui, aus Zangoza; und José Rubio Delgado, aus A Coruña, obwohl er als Carabinero (ein der 2. Republik treues Korps) in Nafarroa stationiert war. Sein Sohn Joan Rubio war einer derjenigen, die an der Pflanzung der Buche teilnahmen. (naiz-baskultur)
(2025-04-05)
ALTBEWÄHRTE POLIZEI-EXZESSE
Ohne sich dessen bewusst zu sein hat die Schlägertruppe der baskischen Polizei bei der Räumung des Etxarri-Gaztetxes (ein besetztes Sozialzentrum) an ihre Heldentaten aus Zeiten von Rodolfo Ares erinnert. Pünktlich 13 Jahre nach dem Todesschuss mit einem Gummigeschoss, dem der Fußballfan Iñigo Cabacas zum Opfer fiel (5.4.2012) wurden im Bilbo-Stadtteil Rekalde die neuen „“ungefährlichen“ Plastikgeschosse zum Einsatz gebracht. Dabei wurden einem der Demonstranten buchstäblich “die Eier weggeschossen“. Die Schützen der Ertzaintza (baskisch: Hüter des Volkes) wissen eben genau, wo es weh tut.
Iker, ein 33-jähriger Einwohner aus dem Nachbar-Stadtteil Irala, ist einer der Verletzten der Unruhen, die am Donnerstagabend nach der gewalttätigen Räumung des Etxarri-Squats in Bilbao-Rekalde in Gang kamen. Im Bericht des Innensenats der baskischen Regierung heißt es, insgesamt 15 baskische Polizeibeamte und sechs Demonstranten hätten nach den Auseinandersetzungen, bei denen “radikale Gruppen“ Container angezündet und Glasflaschen auf die eingesetzten Beamten geworfen hätten, ärztliche Hilfe benötigt. Fünf Personen wurden unter dem Vorwurf des Angriffs auf Polizeibeamte vorläufig festgenommen.
Iker ist einer der Verletzten der Auseinandersetzungen. Von seinem Krankenbett im Basurto-Hospital aus, erzählt er, wie er bei einem der Angriffe der Ertzaintza-Polizei “zur Auflösung der Randalierer" getroffen wurde. Seinen Angaben zufolge war er bei der Demonstration gegen die Räumung, "zusammen mit anderen Nachbarn, darunter auch ältere Menschen, als Zeichen der Unterstützung friedlich und ohne sich an den Auseinandersetzungen zu beteiligen, als ein Ertzaina (baskischer Polizist) seine Waffe direkt auf mich richtete". Er war nicht der erste und wird in der Zukunft sicher auch nicht der letzte sein. Denn die Ertzaintza schießt nicht nur auf direkt an Konflikten Beteiligte, sondern auf alle, die in irgendeiner Form ihre Solidarität mit den Besetzer*innen zeigen. Solidarität wird direkt bestraft, standrechtlich sozusagen, ohne umständliches Gerichts-Verfahren. Mit gezielten Schüssen, wie damals 2012 bei Iñigo Cabacas.
“Ich wohne direkt nebenan", erzählt Iker. “Es stimmt, dass ich Jugendliche kenne, die jünger sind als ich und die in die Gaztetxe gingen. Ich stand neben der Mutter eines Freundes, als sie anfingen zu schießen". Er ist überzeugt, dass es "gezielt" war. "Er hat mich angestarrt, aus 30 Metern Entfernung, ich habe gesehen, wie er die Waffe gehoben hat, er hat auf meine Hoden gezielt. Ich weiß nicht, welcher es war, das zu wissen ist unmöglich".
Nach dem Treffer mit dem Plastikgeschoss, so erzählt er, "bin ich fast auf die Knie gefallen, ich konnte kaum laufen und bin weg, weil ich Angst hatte, dass sie mich auch noch festnehmen, obwohl ich nichts getan habe". Ein Freund begleitete ihn nach Hause. "Ich nahm eine Schmerz-Tablette und legte Eis auf die Stelle. Aber es schwoll immer mehr an, bis ich um drei Uhr morgens die Schmerzen nicht mehr aushalten konnte und in die Notaufnahme musste", erzählt er.
Vier Stunden später operierten ihn die Ärzte. "Sie entfernten einen Hoden. Ich hoffe, dass ich den anderen retten kann". Sobald er das Krankenhaus verlässt, er weiß noch nicht, wann das sein wird – will er den Vorfall bei der Ertzaintza melden. "Ich weiß nicht, was ich tun soll, aber natürlich werde ich zur Polizei gehen. Das Schlimme ist, dass das nichts bringen wird, weil man den Beamten direkt anzeigen muss und er sich unter seinen Kollegen verstecken wird".
Im Vergleich zu Cabacas vor 13 Jahren hatte Iker Glück, dass es “nur“ ein Hoden war. Denn Iñigo Cabacas verlor vier Tage nach dem Kopfschuss sein Leben, ein durchgedrehter Polizist hatte ihm – gegen alle Polizei-Vorschriften – einen metallgefülltes Gummigeschoss direkt an den Kopf geballert. Nicht aus 30 Metern, sondern aus 10 Metern Entfernung. Sein Schädel wurde regelrecht zermantscht. Der folgende Skandal führte dazu, dass die Gummigeschosse aus dem Verkehr gezogen, nicht verboten, aber auch nicht mehr benutzt wurden. Ersetzt mit den “ungefährlichen“ Plastik-Kugeln. Ausreichend zum Eier wegschießen.
Der Cabacas-Schütze wurde nie ermittelt, die Polizei ist ein verschweißter Haufen. Das weiß auch Iker, deshalb wird die Suche nach dem Schützen erfolglos sein. Eine mögliche Anzeige wird eingestellt werden, dass ist klar, bevor sie überhaupt erstattet wurde. Das Schuldprinzip wird heutzutage einfach umgekehrt: irgendwas wird er schon gemacht haben, sonst hätte er keinen Schuss abgekriegt. Polizeistaat. Traurige Erinnerung an Iñigo Cabacas vor genau 13 Jahren nach dem Europa-Spiel gegen Schalke 04. (baskultur)
(2025-04-04)
RAFAH VOR DEM ENDE
Hunderttausende erneut auf der Flucht vor israelischen Angriffen. Stadt im Süden soll besetzt werden, UNO spricht von Hunger als Kriegswaffe. - Seine Worte werden wieder im Nichts verhallen: Es schmerze ihn, erneut über das “katastrophale Leiden der Menschen in Gaza“ berichten zu müssen, erklärte UN-Menschenrechts-Kommissar Volker Türk am Donnerstag in New York. Der UN-Sicherheitsrat hatte eine Dringlichkeits-Sitzung zur Eskalation in den von Israel besetzten Gebieten einberufen, wo Türk feststellte, dass “die vorübergehende Erleichterung der Waffenruhe, die den Palästinensern einen Moment zum Durchatmen verschaffte, zunichte gemacht wurde“. Er berichtete, dass laut Gesundheitsbehörden seit dem 1. März mehr als 1.200 Palästinenser bei Angriffen Israels im Gazastreifen getötet wurden – darunter mindestens 320 Kinder.
Bis dahin hatte eine, wenn auch fragile, Waffenruhe Bestand, die von israelischer Seite aufgekündigt wurde, um vorgeblich den Druck auf die Hamas zu erhöhen, die verbliebenen Geiseln ohne weitere Verhandlungen freizulassen. Seither schafft Israels Militär täglich neue Fakten am Boden der palästinensischen Enklave, in der seit einem Monat zwei Millionen Menschen ohne jede Hilfslieferung darben. “Die Blockade und die Belagerung des Gazastreifens kommen einer kollektiven Bestrafung gleich und können auch auf den Einsatz von Hunger als Kriegsmethode hinauslaufen“, warnte Türk.
Der UN-Chef für Menschenrechte zeigte sich auch beunruhigt über die hetzerische Rhetorik hochrangiger israelischer Offizieller im Zusammenhang mit der Beschlagnahmung, Annexion und Aufteilung von Gebieten sowie der Umsiedlung von Palästinensern aus dem Gazastreifen, wie UN News dokumentierte. “Dies gibt Anlass zu ernster Besorgnis über die Begehung internationaler Verbrechen und widerspricht dem grundlegenden Prinzip des Völkerrechts gegen die gewaltsame Aneignung von Gebieten“ sagte Türk.
Ungeachtet dessen wirbt auch der israelische Premier Benjamin Netanjahu nunmehr offenkundig für den Vertreibungsplan der US-Regierung, wie zuletzt beim Besuch in Ungarn. Aktuell vom Militär ausgegebene Karten zeigen flankierend, wie der Gazastreifen durch sogenannte Korridore zunehmend zerteilt wird. Der Grenzbereich der Enklave ist bereits annektiert. Die Menschen werden von einem Ort zum nächsten vertrieben, Reuters berichtete von Hunderttausenden Menschen, die vor den diese Woche noch einmal verstärkten Angriffen auf die mit Vertriebenen überfüllte Stadt Rafah im Süden auf der Flucht sind – wohin ist allerdings unklar.
Mittlerweile ist nicht einmal mehr die Rede von vermeintlichen humanitären Zonen, wo die Fliehenden Sicherheit fänden. Dagegen soll Rafah an der Grenze zu Ägypten Teil einer vom Militär besetzten sogenannten Sicherheitszone werden. Rafah “ist weg, es wird ausgelöscht“, schilderte ein Familienvater die Lage mittels einer Chat-App gegenüber der Agentur. “Sie reißen alles nieder, was an Häusern und Eigentum übrig geblieben ist.“
Israel rückt auch wieder auf den bereits großflächig zerstörten Norden vor, in den erst vor einigen Wochen Zehntausende in ihre Häuserruinen zurückgekehrt waren. Laut Gesundheitsbehörde wurden allein in den vergangenen 24 Stunden mindestens 97 Menschen getötet – laut Militär seien wie immer “wichtige“ palästinensische “Terroristen“ getroffen worden. (Von Ina Sembdner. Israeli Army / Handout via REUTERS: Die Stadt Rafah wurde vom israelischen Militär erst ausgelöscht und soll jetzt zu einer Art Pufferzone werden, 2.4.2025) (jungewelt)
(2025-04-04)
ALTES BESETZUNGS-PROJEKT GERÄUMT
... im Bilbao-Stadtteil Rekalde wurde ein seit mehr als 10 Jahren besetztes Sozialzentrum von der baskischen Ertzaintza-Polizei geräumt. Fünf Personen wurden festgenommen, als sie versuchten, die Räumung des Gebäudes zu verhindern. Für Freitag 19 Uhr wurde zu einer Demonstration vom Amezola-Park aus aufgerufen.
Nach mehr als einem Jahrzehnt Aktivität und fünf Jahren Widerstand hat die Ertzaintza mit einer richterlichen Anordnung die Räumung der Etxarri II Gaztetxe (baskisch: Jugendhaus) im Rekalde-Viertel von Bilbao durchgeführt. Sie taten dies nach der massiven Demonstration, die von zahlreichen Gruppen aus dem Großraum Bilbao unterstützt wurde. Bereits am 28. März waren viele Sympathisant*innen auf die Straßen des Viertels gezogen, um ein Ende des Räumungsprozesses zu fordern und einen sozialen Freiraum zu erhalten. Statt dem alternativen Projekt soll in diesem lange verlassenen Industriegebäude ein Komplex mit Luxus-Wohnungen gebaut werden. Dafür hat die baskische Regierung die Baufirma Amenabar beauftragt, eine der Baufirmen, die bereits verschiedene ähnliche Bauprojekte an Land gezogen hat.
Die Räumungsaktion, die am Nachmittag des 3. April begann, dauerte bis in die frühen Morgenstunden mit einem Großaufgebot der Polizei, zu dem Drohnen, Hubschrauber und zahlreiche Mitglieder der Mobilen Einsatz-Brigade, der Anti-Aufruhr-Einheit der Ertzaintza und bekannten Schlägertruppe der Ertzaintza, gehörten.
Als Reaktion auf das unverhältnismäßige Vorgehen der Polizei beschloss die Versammlung von Etxarri II, um 20:30 Uhr eine Demonstration im historischen Arbeiterviertel Rekalde zu organisieren. Während der Demonstration wurden Slogans für Gaztetxes und die Forderung nach selbstverwalteten Räumen in dem Viertel gerufen. Als die Demonstration auf eine Sicherheits-Absperrung stieß, vor dem Zugang zur Straße zum Gaztetxe, griffen die vermummten Polizeitrupps die Demonstranten an, was zu fünf Festnahmen führte.
Die Ereignisse, bei denen vom Dach des Gaztetxes ein weithin sichtbares Feuerwerk gezündet wurde, erinnerten an die Bilder der Räumung des historischen Sozialzentrums Gaztetxe Kukutza III im Jahr 2011, das im selben Viertel der Bizkaia-Hauptstadt lag. Die damalige Räumung des enorm populären Zentrums führte seinerzeit zu tagelangen Auseinandersetzungen zwischen teilweise aus dem Ausland angereisten Verteidigern des Projekts und der Polizei, zu zahlreichen Verhaftungen und zu jahrelangen Prozessen gegen Besetzer*innen.
Im Laufe der aktuellen Räumung übernahmen die Beamten die Kontrolle über die beiden an das Sozialzentrum angrenzenden ebenfalls leerstehenden Gebäude, von wo aus sie schließlich die Räumung durchführen konnten. Mehrere Tage lang hatte eine Gruppe von Jugendlichen versucht, sich im Gaztetxe gegen den Eingriff zu wehren. Nach einer ganzen Nacht und einem großen Teil des Vormittags in den Mauern von Etxarri II eingeschlossen, verließen die Jugendlichen schließlich am 4. April gegen 11.00 Uhr das Gebäude. Sie wurden von Agenten der Ertzaintza identifiziert. Die Räumung markiert das Ende eines Projekts, das mehreren Räumungsversuchen widerstanden hatte, unter anderem im Oktober 2020. Das einstöckige Gebäude war im Jahr 2014 besetzt worden, in einem seit zwei Jahrzehnten verlassenen Gebäude, von denen es im Arbeits- und Industrie-Stadtteil Rekalde bis heute mehrere Dutzend gibt. (elsaltodiario)
(2025-04-03 )
VERGIFTUNG DURCH MÜLLVERBRENNUNG
In Luft-Proben in der Nähe von der Müllverbrennungs-Anlage in Zubieta (Gipuzkoa) wurde die höchste Dioxin-Kontamination in ganz Europa nachgewiesen. Eine Studie hat in der Umgebung der Verbrennungsanlage Hühnereier untersucht und dabei festgestellt, dass sie die “höchsten Dioxinwerte aufweisen, die die Stiftung ToxicoWatch in den letzten dreizehn Jahren in Europa festgestellt hat“.
Die Müllverbrennungs-Anlage in Zubieta ist ein altes heftig umstrittenes Thema in Gipuzkoa. Das herausragende Umwelt-Projekt der neoliberalen PNV-Partei (“mit Verbrennung wird Deponie vermieden“) wurde von baskischen Öko-Gruppen bereits vor seinem Bau strikt abgelehnt wegen der “völlig verfehlten Konzeption in der Müll-Politik“ und drohender Vergiftungs-gefahren durch Emissionen. Jahrelang schaffte es die baskische Linke, den Baubeginn zu verhindern, vergeblich. Nun, nach Jahren unfallvollen Betriebs, wurden die schlimmsten Befürchtungen sogar noch übertroffen.
In mehreren Gebieten rund um die Verbrennungsanlage von Zubieta sowie in anderen Regionen nahe Paris und bei Harlingen (Niederlande) wurden “weit verbreitete und gefährliche Werte“ von Dioxinen, PFAS (synthetische Chemikalien, die sich im Laufe der Zeit im Menschen und in der Umwelt anreichern) und Schwermetallen festgestellt. Die von der unabhängigen Stiftung ToxicoWatch mit Unterstützung von Zero Waste Europe durchgeführten Untersuchungen zeigen, dass Gebiete in der Nähe von Müllverbrennungs-Anlagen kontaminiert sind, was eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit, die Ökosysteme und die Lebensmittel-Sicherheit darstellt.
In einer Pressemitteilung heißt es, die Studien hätten “weit verbreitete und gefährliche Werte“ von Verunreinigungen im Boden, im Wasser, in der Vegetation und sogar in Lebensmitteln wie Hühnereiern ergeben. An allen drei Standorten überstiegen die Dioxinwerte in Moos, Boden und Eiern von Hinterhof-Hühnern die EU-Grenzwerte“, heißt es. Besonders besorgt sind die Autoren über eine Probe von einem Schulhof im Pariser Stadtteil Ivry-sur-Seine, die Dioxinwerte über den EU-Grenzwerten aufwies. Darüber hinaus wurde der Jardin des Plantes, ein Park im Zentrum von Paris (2,5 Kilometer von der Verbrennungsanlage entfernt) als kontaminiert eingestuft.
“Dies ist ein weiterer Beleg für die zunehmende Exposition im städtischen Umfeld, die insbesondere gefährdete Bevölkerungs-Gruppen wie Kinder betrifft“, so die Autorinnen der Studie.
Proben in Hernani, höchster Dioxinwert Europas
In Zubieta ist die Situation vergleichbar schwerwiegend. “Eine Eier-Probe aus einem Hausgarten in Hernani, 3,5 Kilometer von der Verbrennungs-Anlage entfernt, wies die höchsten Dioxinwerte auf, die von der ToxicoWatch Foundation in den letzten dreizehn Jahren in Europa festgestellt wurden“. Die betreffende Probe wies 38 pg TEQ/g Fett auf, mehr als das Zehnfache des gesetzlichen EU-Grenzwerts, was den höchsten Dioxinwert darstellt, den die Stiftung bei Analysen im Jahr 2024 festgestellt hat (sie begann ihre Messungen im Jahr 2019). Darüber hinaus wiesen Moosproben Dioxin-Konzentrationen auf, die bis zu 300 Mal höher waren als die Ausgangswerte, die vor der Inbetriebnahme der Verbrennungsanlage in Zubieta im Jahr 2020 gemessen wurden.
Im Jahr 2024 wurden PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, so genannte Ewigkeitschemikalien) auch in einer Trinkwasser-Quelle auf einem Hügel in der Nähe von Andoain (Gipuzkoa) nachgewiesen, einem Gebiet, das zuvor als unberührt galt, fügen die Forscher hinzu. In ähnlicher Weise wurden “ewige Chemikalien“ oder perfluoralkylierte Substanzen (PFAS) “in allen Hinterhof-Hühnereiern“ nachgewiesen, die in der Nähe der Verbrennungsanlage von Zubieta analysiert wurden.
Bei der Analyse von Proben aus Zubieta, Paris und Harlingen “wurden auch Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Arsen in der Nähe von Häusern, Parks und Schulen nachgewiesen“, fügen die Autorinnen hinzu. In Harlingen (NL) waren die PFAS-Konzentrationen im Wasser 138-mal höher als der gesetzliche Grenzwert für Trinkwasser in diesem Land, und die PFAS-Konzentrationen in Eiern waren “vergleichbar mit denen, die in der Nähe einer großen fluor-chemischen Anlage festgestellt wurden, obwohl es in der Gegend keine solche Industrie gibt“. Die Dioxinwerte im Boden sind seit 2013 um das Siebenfache gestiegen.
“Ein Fall aus dem Lehrbuch“
“Dies ist ein Fall wie aus dem Lehrbuch, wenn es um die Anreicherung von Giftstoffen in der Umwelt und in der Nahrungskette geht“, sagte Abel Arkenbout, Forschungsleiter der Stiftung ToxicoWatch, die zusammen mit der Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) Zero Waste Europe für die Studie verantwortlich ist, in einer Erklärung. Janek Vahk, Kommunikations-Beauftragter von Zero Waste Europe, betonte, dass “diese Ergebnisse ein systematisches Versagen bei der Umwelt-Überwachung darstellen“ und warnte, dass “Gemeinden, die in der Nähe von Verbrennungsanlagen leben, giftigen Chemikalien ausgesetzt sind, in einigen Fällen in einer Höhe, die weit über dem gesetzlich zulässigen Wert liegt“, was seiner Meinung nach “alle Alarme in der EU auslösen sollte“.
Zero Waste Europe hat die EU-Institutionen und -Regierungen aufgefordert, “dringend“ zu handeln, indem sie “eine obligatorische Echtzeit-Überwachung der Emissionen persistenter organischer Schadstoffe in allen Müllverbrennungs-Anlagen einführen“. Die Plattform ist außerdem der Ansicht, dass “in der Umgebung von Verbrennungs-Anlagen regelmäßige Bio-Monitorings durchgeführt werden sollten, insbesondere bei nicht standardmäßigen Betriebsabläufen, die nach wie vor schlecht geregelt sind und häufig die Quelle von Emissions-Spitzen sind“. Zero Waste Europe vertritt die Position, dass “solche regelmäßigen Biomonitoring-Untersuchungen mit besonderem Augenmerk auf Gebiete von Lebensmittel-Produktion und gefährdete Bevölkerungs-Gruppen durchgeführt werden sollten“. Von all dem will die Baskisch-Nationalistische Partei (PNV) nichts wissen.
“Diese Ergebnisse widerlegen den Mythos, dass die Müllverbrennung eine saubere oder sichere Lösung (der Müllreduzierung) ist, und unterstreichen die Notwendigkeit eines raschen Übergangs zu Alternativen ohne Verbrennung und ohne Abfall, um die öffentliche Gesundheit und die Umwelt zu schützen“, so Vahk abschließend.
Stiftung ToxicoWatch
ToxicoWatch ist eine unabhängige Überwachungs-Organisation, die sich auf die Analyse von Dioxin-Emissionen aus der Abfall-Verbrennung spezialisiert hat. Sie erklärt, dass sie sich auf “detaillierte Daten und halb-kontinuierliche Messungen stützt, um die Auswirkungen von ‘Other Than Normal Operating Conditions‘, besser bekannt als OTNOC, bei der Verbrennung zu verstehen“. Ihre Probenahme basiert auf Hühnereiern aus Hinterhöfen, Vegetation (Kiefernnadeln, Baumblätter, Moos), Obst und Gemüse, Muttermilch, Wasser, Boden und Sediment als Biomarker.
Die Arbeit der TW begann 2015 mit PFAS-Emissionen aus den Rauchgasen der Müllverbrennung. Sie hat in den Niederlanden an staatlichen Arbeitsgruppen teilgenommen, zusammen mit der Verwaltung der Müllverbrennungs-Anlagen, den zuständigen Behörden und den nationalen Gesundheits-Organisationen der Niederlande. “ToxicoWatch beteiligt sich auch an technischen Arbeitsgruppen des Basel-Stockholm-Übereinkommens zur Verbesserung der Verbrennungs-Technologie. Die Organisation fungiert als Brücke zwischen Industrie, Regierung und Öffentlichkeit“, erklärt Vahk. (naiz-baskultur)
(2025-04-02)
DER MIETPREIS-TSUNAMI
Der durchschnittliche Mietpreis steigt ungebremst: 860 Euro in Bizkaia, 826 in Gipuzkoa und 743 in Araba. Die Daten des Statistischen Amtes Baskenland Eustat zeigen, dass der durchschnittliche Mietpreis in den verschiedenen baskischen Gebieten weiter in die Höhe schießt. In Bizkaia liegt er bei 859,9 Euro, in Gipuzkoa bei 826,7 und in Araba bei 743,1. (Foto: Protest in Donostia gegen den Anstieg der Mietpreise im vergangenen Februar. Gorka Rubio, foku)
Eustat hat gerade die Statistiken über den Mietmarkt aktualisiert, mit Daten, die sich auf das dritte Quartal 2024 beziehen. Die Zahlen zeigen, dass der Preis für die Anmietung einer freien Wohnung weiter steigt und im Fall von Bizkaia 859,9 Euro erreicht. Die Daten zeigen, dass die Mieten seit der Pandemie stark gestiegen sind. Im ersten Quartal 2020, kurz bevor die ersten Maßnahmen gegen den Covid erlassen wurden, lag die durchschnittliche Monatsmiete in Bizkaia bei 716,2 Euro, ein Jahr später bei 722,4 Euro und im ersten Quartal 2023 bei 784,5 Euro. Der Durchschnitts-Preis pro Quadratmeter liegt bei 11 Euro, weit entfernt von den 9,3 Euro im Jahr 2020.
Und es scheint, dass der Preis Auswirkungen auf den Markt hat, denn im dritten Quartal 2024 wurden 1.485 Kautionen im Zusammenhang mit Mietverträgen hinterlegt (weil viele Vermieter in der Vergangenheit die Kautionen aus fragwürdigen Gründen nicht zurückgezahlt haben, hat die baskische Regierung vor Jahren verordnet, dass Kautionen von der öffentlichen Hand verwaltet werden und nicht in der Hand der Privatvermieter bleiben). Drei Jahre zuvor, im dritten Quartal 2021, wurden in Bizkaia 2.033 Kautionen hinterlegt. Das kann verschiedene Gründe haben: A. Es werden weniger Mietverträge abgeschlossen, B. Sie werden ohne Vertrag, Kaution und Sicherheit abgeschlossen, C. Der Mietmarkt kommt mangels Angebot langsam zum Erliegen. Am 30. September 2024 waren in Bizkaia 30.063 Mietverträge in Kraft. 1.485 Verträge machen 4,9% der Gesamtzahl, das heißt, jeder 20. Vertrag wurde erneuert oder neu abgeschlossen, eine hohe Zahl, die nur dadurch verständlich wird, dass die gesetzliche definierte maximale Laufzeit eines Vertrags 5 Jahre beträgt. Auslaufende Verträge müssen verlängert werden, wenn die Vermieter das zulassen, bei kompletter Neu-Definition der Miethöhe.
Ähnlich ist die Preisentwicklung in Gipuzkoa, wo die durchschnittliche Monatsmiete im dritten Quartal 2024 bei 826,7 Euro lag. Im ersten Quartal 2021 waren es noch 689,7 Euro, also weniger als 700 Euro. Seit 2023, als er bei 779,2 Euro lag, hat der Preis jedoch nicht aufgehört zu steigen. Der Preis pro Quadratmeter liegt laut der letzten Eustat-Referenz bei 11,5 Euro pro Monat. Vier Jahre zuvor, im dritten Quartal 2020, kostete der gebaute Quadratmeter 9,8 Euro. In Gipuzkoa ist die Anzahl der Kautionen im letzten Jahr ebenfalls gesunken, von 2.364 im ersten Quartal auf 2.044 im dritten Quartal. Insgesamt waren in Gipuzkoa am 30. September 41.541 Mietverträge in Kraft – eine erstaunliche Zahl, denn die Bevölkerung liegt mit 728.000 Personen deutlich niedriger als in Bizkaia mit 1.154.000 Millionen Ew. Sprich: in Gipuzkoa wird deutlich mehr zur Miete gelebt.
Auch Araba bleibt vom Anstieg der Mieten nicht verschont: Sie stiegen von 621,4 Euro im ersten Quartal 2020 auf 743,1 Euro im dritten Quartal 2024 – also um satte 20%. Es erfordert keine hellseherischen Fähigkeiten, festzustellen, dass eine Umfrage unter den Mieter*innen zum Ergebnis hätte, dass in 99% der Fälle das Haushalts-Einkommen nicht um dieselben 20% gewachsen ist. Die Folge ist eine massive Verarmung jenes Teils der Bevölkerung, die auf Miete angewiesen ist. Der Preis pro bebauten Quadratmeters ist in Araba von 8,2 Euro pro Monat zu Beginn des Jahres 2020 auf 9,9 Euro im dritten Quartal 2024 gestiegen, ebenfalls knappe 20%. Die eingezahlten Kautionen sind weit von den Werten der Jahre 2021 und 2022 entfernt. Im dritten Quartal jenes Jahres wurden 833 Einzahlungen getätigt, zwei Jahre später waren es 697, eine Zahl, die jedoch höher ist als im vorherigen Quartal (622). In Araba waren im Herbst 11.830 Mietverträge in Kraft – angesichts der geringeren Bevölkerung deutlich weniger als in Bizkaia und Gipuzkoa.
Die Eustat-Daten geben zwar keinen Aufschluss über die Mietpreise in den einzelnen Gemeinden der Autonomen Gemeinschaft Baskenland (CAV), aber sie enthalten einen Hinweis auf die durchschnittlichen Kosten je nach Einwohnerzahl der Orte. Wie erwartet ist der Anstieg in Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern wie Bilbao, Barakaldo, Gasteiz und Donostia deutlicher, hier wird ein Durchschnittspreis von 933,2 Euro erreicht. Weit entfernt von den 776,2 Euro des ersten Quartals 2021. Das Wohnen und Leben in der Stadt – wer hätte es gedacht – ist deutlich teurer als auf dem Land. (baskultur)
(2025-04-01)
VON VÄTERN UND MÜTTERN
Ob Euskal Herria – das Baskenland – nun eine Nation ist oder nicht, darüber scheiden sich die politischen Geister. Tatsache ist, dass es eine eigene Geschichte, Kultur und Sprache hat, das stellt niemand in Frage. Wie es sich für solche Kulturgemeinschaften gehört, hat EH einen besonderen Feiertag, an dem an die Geschichte und den Fortbestand dieser Gemeinschaft erinnert wird. Das hat ein gewisser Sabino Arana vor mehr als hundert Jahren beschlossen und dem wird bis heute Folge geleistet. Als guter Katholik legte er diesen Feiertag auf Ostersonntag, also immer ein Doppelfeiertag mit religiösem Einschlag.
Arana war erst Karlist und als dieses Glaubensbekenntnis mit den Karlistenkriegen und dem Verlust der baskischen Selbstverwaltung an ihr Ende kam, entdeckte er seine Natur als Vizkainer und begründete (ohne sich der Dimension bewusst zu sein) den baskischen Nationalismus. Der hat in der baskischen Sprache Euskara zwei Namen: der eine ist eine pure Übersetzung – nazionalista – der andere ist direkt dem Euskara entnommen, er lautet abertzal und wird im Wörterbuch mit patriotisch übersetzt. Kleine, aber feine Unterschiede.
Im Gegensatz zu den Hispaniern (Kastiliern), denen, wenn sie von ihrer Nation sprechen, der chauvinistische Kamm schwillt und eine Landkarte von Patagonien über Toledo bis Manila in den Sinn kommt, mit vielen lästigen Eingeborenen, sind die Basken eher bescheiden und wollen nichts als in Ruhe gelassen werden. Von Spanien, von Frankreich und wenn es geht auch vom immer ultrarechter werdenden Europa. Die einen sehen diese Ruhe in Form einer weitest gehenden Autonomie (man sieht sich zum Liga-Spiel), die anderen wollen in Ruhe eine eigene Liga aufmachen, die Grenze öffnen und Abhängigkeiten loswerden. Dazu eignet sich eine abertzale Gesinnung.
Die findet – von linker wie von rechter Seite – am bevorstehenden Ostermontag statt, am Aberri Eguna, dem Tag des Patriotismus (um auf die Übersetzung Vaterlandstag zu verzichten). Denn aberri leitet sich zwar nicht direkt von aita (Vater) ab, wird aber durchaus so benutzt. Die Spanische Sprache ist da klarer: nación, nacionalista lässt keine Zweifel an der kulturellen Überlegenheit; padre, patria, patriota machen klar, wer die Hosen an hat: das Patriarchat (auch wenn die Vertreter des baskischen Matriarchats das bestreiten).
Der baskische aita ist nicht nur Vater, sondern auch der Pfaffe (der Katholizismus ist überall), die ama ist sowohl Mutter als auch Ursprung alles Lebens. Wenn es um ökologische Prinzipien geht, ist von ama lurra (Mutter Erde) die Rede, der Bildhauer Chillida verewigte sich in Gernika hingegen zementarisch mit Aitaren Etxea, dem Haus des Vaters, das verteidigt werden muss, wenn es von äußeren Feinden angegriffen wird. Damit wären wir wieder beim abertzalismoa, dem baskischen Patriotismus, dem Hüter des etxea.
Der hat (nach außen hin) nichts von über-anderen-stehen, abgesehen vom internen Patriarchat und Kapitalismus – aber das ist eine andere baskische Baustelle, an der die Linken arbeiten und die Rechten sabotieren. Demnächst ist es wieder so weit: Ostern, Aberri Eguna. Längst vorbei sind die Zeiten, als der Tag vom Regime verboten war und alle politischen Tendenzen des Baskenlandes gemeinsam dem Patriotismus frönten. Heute stellen alle ihr eigenes Zelt auf: die Rechte in Bilbao, die gewendete Linke in Iruñea (zu dem die Spanier Pamplona sagen) und die ganz Linken in Gernika, mit marxistischem Touch. Denn marxismo und abertzalismo sind kein Widerspruch und lassen sich perfekt unter einen Hut bringen.
Die Faschisten – diese fremdartigen Spanier von Vox und auch von der PP – die würden den ganzen Zirkus am liebsten verbieten, weil er nicht in ihre Vorstellung passt vom Wideraufleben der großen Welt-Nation, die ihre Sprache und Kultur über drei, vier oder fünf Kontinente verbreitet hat, auf Kosten des Völkermords an den jeweiligen Eingeborenen. Diese Basken-Hasser würden, wenn sie es könnten, auch das moderate Autonomie-Statut in den Ofen werfen, die Provinzial-Räte ohnehin, und ihre verehrte Foltertruppe zurückschicken, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Für Friedhofsruhe.
Genau da beißt sich die berühmte Katze in den eigenen Schwanz. Denn solche ultra-nationalistischen (aber realen) Macht-Phantasien sind die ursprüngliche, wiederkehrende und mobilisierende Ursache für diesen abertzalismo oder Patriotismus. Auch wenn Sabino Arana als der “Vater“ dieser Einstellung gilt, geschaffen wurde sie über Jahrhunderte von Politikern, Feudalherrn, Militärs, Kardinälen, Zivilgardisten und Folterern.
Ein abstraktes Vaterland zu verteidigen (katholisch? patriarchal?) ist absurd; für ama lurra einzustehen, müsste hingegen allgemeine Pflicht sein. An 365 Aberri Egunas pro Jahr. (baskultur)
ABBILDUNGEN:
(*) Tagespresse
(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-04-01)
