kolu71x00Zurück zur Maloche

Wer nach den Fiestas keine Zeit zur Ruhe hatte, sollte sich vor dem Wiedereintritt in die abhängige Beschäftigung (Lohnarbeit) eine kurze Entziehungskur einlegen, um sich vom exzessiven August-Alkohol-Konsum zu erholen. Neben der kapitalistischen Ausbeutung wartet im September auch das erste Bewegungs-Hoch, mit dem soziale Bewegungen ihre sommerliche Untätigkeit in Sachen Politik wieder aufzuholen trachten. Die Beschleunigung von Null auf Hundert fällt wie immer schwer. Augen zu und durch.

Die baskische Solidarität mit Palästina wurde unter den jahreszeitlichen Umständen von festlichen Farben, lauter Musik und Feuerwerken begleitet. September ist der Moment zur Rückkehr zur Ernsthaftigkeit.

(2025-09-30)

HANDLANGER DES ISRAEL-KOLONIALISMUS

kolu71x30CAF ist der Name eines Unternehmens in Beasain, Gipuzkoa, das sich auf Straßenbahnen und Züge spezialisiert hat und weltweit Aufträge erhält. Unter anderem aus Israel. Im Auftrag des Völkermord-Regimes soll CAF eine Straßenbahn im West-Jordanland bauen, die ausgerechnet auch noch durch besetzte palästinensische Gebiete geht. Die UNO sieht darin einen Verstoß gegen das Völkerrecht und hat CAF auf eine Liste von Kollaborateuren gesetzt. Doch das Unternehmen sieht weder Verstöße und sicher auch keinen Völkermord in Gaza, dem anderen Teil Palästinas. Wo Geschäfte zu machen sind, sind Menschenrechte egal. Die Belegschaft sieht das anders.

Der CAF-Betriebsrat hat für diesen Mittwoch (1. Oktober) zu einem einstündigen Streik aufgerufen, um gegen den "Zynismus" der Unternehmensleitung zu protestieren, die sich "vor jeglicher Verantwortung drückt und ignoriert", dass das Jerusalemer Straßenbahnprojekt "dazu dient, die völkerrechtswidrige israelische Besatzung zu festigen".

In einer am Montag veröffentlichten Erklärung erklärte die Arbeitnehmer-Vertretung, dass sie die von der Unternehmensleitung in der vergangenen Woche abgegebene Erklärung "zurückweist", einen Tag bevor die UNO die Zugfabrik CAF auf ihre aktualisierte Liste von Unternehmen setzte, die in illegalen israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland tätig sind. Die Unternehmensleitung von CAF wies die Kritik der UNO zurück und argumentierte, dass es "keine Beweise für Menschenrechts-Verletzungen" im Rahmen des Jerusalemer Zugprojekts gebe und dass das Projekt im Gegenteil "positive Auswirkungen auf die Bevölkerung hat, was durch unabhängige Expertenberichte bestätigt wird".

Für den Betriebsrat hingegen drückt sich CAF "vor jeglicher Verantwortung und ignoriert völlig eigennützig", dass diese Straßenbahn "der Stärkung der israelischen Besatzung dient, mit einer Infrastruktur, die illegale Siedlungen miteinander verbindet", so dass es sich "nicht nur um irgendein Projekt", sondern "um ein Instrument der Kolonisierung" handelt.

"Die CAF-Geschäftsführung hat die Gelegenheit verpasst, zur Seite zu treten, wie wir Arbeitnehmer*innen es seit 2018 immer wieder gefordert haben", so das Komitee. Kritisiert wird, dass "anstatt die Verantwortung zu übernehmen und Wege zu finden, das Unternehmen von diesem Projekt und von Israel zu distanzieren, es die These des Besatzungslandes übernimmt und versucht, sein Image zu beschönigen, sogar angesichts der Argumente der UNO. Der Zynismus der Chefs kennt keine Grenzen".

Die Personalvertretung betont, dass CAF nicht das einzige Unternehmen ist, denn neben den in der UN-Liste aufgeführten Unternehmen gibt es "Dutzende von Unternehmen im Baskenland, die völlig selbstverständlich mit Israel Handel treiben, dafür sind sowohl die Arbeitgeber-Verbände als auch die Institutionen verantwortlich".

Einstündiger Streik und Kundgebung

Aus all diesen Gründen lehnt der Betriebsrat das Kommuniqué der Unternehmensleitung ab, weist darauf hin, dass es "in keiner Weise" die Gefühle der Belegschaft widerspiegelt und kündigt an, dass sie bei der Direktion angerufen haben, "um Erklärungen zu verlangen". Gleichzeitig ruft sie die Beschäftigten auf, am Morgen des 1. Oktober von 10 bis 11 Uhr die Arbeit niederzulegen und an einer Protestkundgebung vor dem Hauptsitz der Fabrik in Beasain teilzunehmen. (naiz-baskultur)

(2025-09-29)

SEXISMUS IM FILMGESCHÄFT

kolu71x29Das 73. Internationale Film-Festival San Sebastian (Donostia) ist zu Ende gegangen, geprägt von der Klage gegen den Völkermord in Palästina, die das Publikum einmüttig teilte mit den Film-Protagonist*innen aus aller Welt. Dazu kam in der Fest-Woche eine zweite Klage, nicht weniger schwerwiegend: es ging um den allumfassenden Sexismus, der das Filmgeschäft prägt. Dies auf die Tagesordnung zu bringen, gingen Dutzende von Filmfrauen auf die Bühne von Donostia, um diese Tatsache, mit der sich täglich konfrontiert sind, in aller Deutlichkeit anzuprangern.

Sie fordern ein Ende der Gewalt, die Frauen in der Welt des Kinos erleiden: "Es ist nicht einfach, gegen das herrschende Schweigen zu kämpfen, aber um gegen männliche Gewalt zu kämpfen, ist es notwendig, das Schweigen zu brechen“. Das am Festival-Dienstag mit der Initiative "Unsere Stimmen: kollektive Aktion gegen sexuelle Gewalt" praktiziert.

Wenn beim Festival von San Sebastian ansonsten der rote Teppich, die Fototermine, die Preise und der Duft von Glamour im Vordergrund stehen, füllten an diesem Vormittag Dutzende von Frauen aus der Filmbranche den Pressesaal zu einem klaren Aufschrei. Mit der Initiative "Gure Ahotsak: indarkeria sexualen aurkako ekintza kolektiboa“, oder: “Kollektive Aktion gegen sexuelle Gewalt" wurde in den Mittelpunkt gestellt, dass der weit verbreitete Sexismus der Filmbranche weder akzeptiert noch verschwiegen wird.

Emotionen, Kraft, Applaus und Tränen kamen im Saal zusammen, nachdem rund dreißig Frauen die Zeugnisse ihrer Kolleginnen verlesen hatten, die unter männlicher Gewalt gelitten haben. Angesichts eines Branchen-Systems, das sie zum Schweigen zwingt, machten sie deutlich, wie wichtig es ist, ihre Stimme zu erheben. Der erste Redner war Ignasi Camos, der Generaldirektor der ICAA (Instituto de la Cinematografía de las Artes  Audiovisuales (Institut für Kinematographie der Audiovisuellen Künste). Er wies darauf hin, dass die Gewalt in der Welt des Kinos "kein individuelles Problem" sei, sondern ein strukturelles, und rief die Kultureinrichtungen dazu auf, sich mit ihren Ressourcen an den eingeleiteten Maßnahmen zu beteiligen.

Die Schauspielerin und Sängerin Rakel Ezpeleta ergriff im Namen der Vereinigung "(h)emen" und des Verbandes Baskischer Schauspieler*innen das Wort und kündigte an, dass ein Protokoll gegen männliche Gewalt für die darstellenden und audiovisuellen Künste ausgearbeitet werde. In dieser Einleitung nahm sie auch Palästina in den Blick: "Feministinnen sind immer gegen Verfolgung und Macht-Missbrauch, deshalb sind wir gegen Kolonialismus und Völkermord, deshalb sagen wir: Palestina askatu (Freiheit für Palästina)". Applaus durchbrach die Stille.

58% der Frauen fühlen sich am Arbeitsplatz unsicher

Das Protokoll, das im Baskenland angewendet werden soll, wird im Oktober vorgestellt, zu seiner Ausarbeitung wurde eine Studie durchgeführt. 58% der befragten Frauen gaben an, dass sie sich in ihrem filmischen Arbeitsumfeld nicht sicher fühlen, 43% antworteten, dass sie einen Fall von Gewalt am eigenen Leib erfahren haben, und 60% waren Zeuginnen von Gewalt-Vorfällen. 65,5% der Opfer hatten jemandem von der erlittenen Gewalt erzählt, aber Ezpeleta räumte ein, dass es mehr Opfer gebe. Almudena Carracedo sprach im Namen der CIMA (Asociación de Mujeres Cineastas y de Medios Audiovisuales / Verband der Filmemacherinnen und audiovisuellen Medien). Kürzlich wurde ein Bericht mit Daten aus dem spanischen Staat veröffentlicht: "Wir wollten das Ausmaß dieser Gewalt anhand von Daten sehen, denn es sind notwendige Daten, um das Eingreifen der Institutionen zu fordern.“

60,3% der beschäftigten Frauen des audiovisuellen Sektors geben an, Opfer sexueller Gewalt geworden zu sein. 92% von ihnen haben dies nicht gemeldet und 94% haben zwar davon erzählt, aber keine Anzeige erstattet. Sie betont, dass heutzutage viel über die "Absagekultur" gesprochen werde, dass aber die Frauen darunter leiden: "Wir sind diejenigen, die ihre Arbeit verlieren, die nicht zurückgerufen werden, und wenn wir es melden, stehen unsere Namen im Rampenlicht und nicht die der anderen".

Auf dem Weg zur guten Praxis

Blanca Rey erklärte, dass der andalusische Verband der Unternehmerinnen im audiovisuellen Bereich die Daten der von der CIMA durchgeführten Studie übernommen und einen Leitfaden mit "bewährten Verfahren" erstellt hat. Einige davon werden hervorgehoben: die Schaffung eines sicheren Umfelds, die Erstellung von Protokollen und dass sich die Produktions-Unternehmen wirklich daran halten, sowie die Schulung des gesamten Teams. Daten und Zeuginnen-Aussagen sind notwendig, um die Dimensionen der Gewalt zu erfassen. Im zweiten Teil der Pressekonferenz waren erschütternde Aussagen zu hören, Zitate wie aus dem ordinärsten Pornofilm, bei denen einige die Tränen nicht zurückhalten konnten.

Zum Abschluss verlasen die sieben spanischen Film-Verbände ein gemeinsames Manifest, in dem sie eine Reihe konkreter Forderungen aufstellten: "Wir fordern die Institutionen des Sektors, die Produktionsfirmen, die Verleiher, die Festivals und die Akademien auf, Protokolle für die Denunziation und die Gleichberechtigung einzuführen, sich öffentlich zur Bekämpfung der sexuellen Belästigung zu verpflichten, Räume zu vermeiden, die ausschließlich aus Männern bestehen, lilafarbene Punkte bei den Dreharbeiten zu setzen und eine koordinierende Intimität zu organisieren". (naiz-baskultur)

(2025-09-28)

EIN GANZ BESONDERES TESTAMENT

kolu71x28Der 50. Jahrestag der letzten Hinrichtungen des Franquismus ist vorbei, die letzten Details und Kommentare verhallen in den baskischen Medien. Viele Berichte und Darstellungen haben sich in den Wochen vor dem Ereignis wiederholt, wie jedes Jahr. Dennoch waren 50 Jahre nicht ausreichend, um alles ans Licht zu bringen, so wurde erst jetzt einer breiten Öffentlichkeit bekannt, dass einer der fünf Exekutierten mit großer Wahrscheinlichkeit ein Fake-Opfer des Franquismus war, der nichts mit dem zu tun hatte, was ihm vorgeworfen und für die Todesstrafe benutzt wurde. Ohnehin erlangte das Regime alle etwaigen Aussagen mit Hilfe von schwerer Folter. Neu ist auch das Vermächtnis von Jon Paredes Manot, Txiki genannt.

Ein Dokument aus kaum sechs Seiten, notariell abgestempelt, ein scheinbar gewöhnliches Testament. Doch es beschränkt sich nicht auf die Verteilung des Vermögens, sondern enthält eine umfassende politische Erklärung. Dieses Vermächtnis wurde in Barcelona geschrieben von Jon Paredes “Txiki“, ausgerechnet in einer Kapelle, Stunden vor seiner Hinrichtung. Die sechs Seiten fassen Geschichte, Engagement und Tragödie zusammen. Sie wurden verfasst, Stunden bevor der Schreiber hingerichtet wurde, dem Text zufolge kurz nach Mitternacht, während er "in der Kapelle" auf das Erschießungs-Kommando zu warten hatte. Drei Tage später wurde das Testament notariell besiegelt, als Txiki bereits tot war.

Es handelt sich um kein gewöhnliches Testament, sondern um ein historisches Vermächtnis. Das übliche Motiv für solcherart Dokumente, die Aufteilung der Hinterlassenschaften, wird in vier Zeilen abgehandelt: alle Kleider und persönlichen Gegenstände für Bruder Mikel, Mutter Antonia María Manot als Haupterbin, der Vater war bereits gestorben.

Das Übrige ist ein politisches Plädoyer, das Txiki nach Aussage derer, die ihn damals begleiteten, mit der Tapferkeit eines jungen Mannes von nur 21 Jahren, und mit klaren Vorstellungen zum Ausdruck brachte. Unter anderem, dass sein Tod nicht vergeblich sein sollte. Am Morgen des 26. hatte Jon Paredes diese Nachricht auch an seinen Anwalt Miguel Castells geschickt, wie er selbst in den letzten Tagen in einem Brief dargelegt hat:

"Ich möchte, dass die folgenden Aussagen in dieses Testament aufgenommen werden: An das baskische Volk. Wieder einmal wird das Blut des baskischen Volkes vergossen. Wenn dieses Kommuniqué das Volk erreicht, werde ich schon dem Erschießungs-Kommando zum Opfer gefallen sein. Mit diesem Text möchte ich noch einmal auf das Leid des baskischen Volkes und aller Völker Spaniens hinweisen. Wir dürfen unser Ziel nicht vergessen: die Schaffung eines baskischen sozialistischen Staates, ein Ziel, für das viele Revolutionäre ihr Leben gelassen haben. Ihr, die Arbeiterklasse und das Volk im Allgemeinen, seid es, die den Kampf bis zum Sturz des Franco-Regimes weiterführen werden. Dann wird unser Ziel erreicht sein und ihr werdet eine neue, klassenlose Gesellschaft aufbauen können, in der es keine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen gibt. Heute werde ich für die einfache Tatsache sterben, dass ich für mein Volk kämpfe, was kein Verbrechen ist. Morgen seid ihr es, die für Gerechtigkeit kämpfen. Wir vertrauen darauf. Mein letzter und einziger Wille war es, von einem Erschießungs-Kommando als Soldat erschossen zu werden und all derer zu gedenken, die für Euskadi gestorben sind, die Ikurriña-Fahne trage ich in meinem Kopf, denn ich werde weit entfernt sterben. Es lebe die Solidarität zwischen den Völkern. Gora Euskadi askatuta. Aberria ala hil" (Es lebe das freie Euskadi, Vaterland oder Tod). (naiz-baskultur)

(2025-09-27)

TAG DER GEFALLENEN - GUDARI EGUNA

kolu71x27Seit 50 Jahren ist der 27. September für viele im Baskenland der Gudari Eguna, der Tag der Soldaten oder Tag der Gefallenen. Denn vor genau 50 Jahren ließ das franquistische Regime fünf Aktivisten exekutieren, unter starken Protesten in der Bevölkerung und unter internationaler Beobachtung. Das Regime lag in seinen letzten Zügen, zwei Monate darauf stark der Massenmörder Franco, sein Tod leitete einen fälschlicherweise „demokratischen Übergang“ genannten Prozess ein, der tatsächlich von faschistischen Kräften kontrolliert wurde.

Nicht nur, weil der Gudari Eguna in diesem Jahr auf einen Samstag fällt, gibt es an vielen Orten Erinnerungs-Akte, die von linker Hegemonie geprägt sind. Angefangen beim Friedhof in Zarautz, wo einer der Exekutierten begraben liegt. Hingerichtet wurden drei Mitglieder der bewaffneten Organisation FRAP und zwei Aktivisten der baskischen Organisation ETA. Dass sie in der Zwischenzeit als Widerständler gegen den Franquismus und als dessen Opfer anerkannt wurden, hat nicht verhindert, dass sie von Teilen der baskischen Administration erneut als “Terroristen“ betrachtet werden, es handelt sich um den Versuch, den antifranquistischen Widerstand in Gute und Böse zu zerschneiden. Die diesen Versuch unternehmen, aus dem sozialdemokratischen Umfeld, genieren sich nicht, sich mit heutigen Ultrarechten bei Fototerminen ablichten zu lassen.

Dagegen steht die breite, wenn auch gespaltene baskische Linke. Der Widerstand gegen die faschistische Diktatur war wie diese selbst auch bewaffnet. Mit allem Recht, mit Sonntagsgebeten in der Kirche war dem Regime nicht beizukommen. Für den baskischen Teil des Widerstands ging es um mehr als antifaschistischen Widerstand, es ging um die Wiedererlangung der eigenen Sprache und Kultur und um neue gesellschaftliche Strukturen. Es ging um ruptura, um den Bruch mit allen Facetten der spanisch-franquistischen Herrschaft, nicht um eine weiche Diktatur ohne Franco mit einer Verfassung, die von der alten franquistischen Garde diktiert wurde. Und schon gar nicht mit einem König, der seinen treue-Eid auf Franco geschworen hatte, noch nicht einmal auf die postfranquistische Verfassung.

Nichts ist wichtiger als die Erinnerung an den Widerstand von gestern, die Erinnerung an die Feinde von gestern, die heute so dominant sind wie lange nicht. Nur in Verbindung mit den alten Kämpfer*innen kann der Kampf auch heute und wieder geführt werden. (baskultur)

(2025-09-26)

BOMBEN AUF BILBAO

kolu71x26Vor 89 Jahren - am 26. September 1936 - bombardierte Francos Luftwaffe Bilbao. Die nazi-deutsche Legion Condor war damals noch nicht einsatzbereit. Sechs franquistische Flugzeuge warfen an zwei Tagen in Folge Bomben auf die Stadt ab. Bilbao war bereits am Vortag aus der Luft angegriffen worden, und die Angriffe an beiden Tagen forderten 96 Tote und 650 Verletzte, vor allem deshalb, weil es bis dahin keine Schutzbunker bei Fliegerangriffen gab und die Bevölkerung deshalb schutzlos war. Das wussten auch die Franquisten, die meisten angriffe waren so gesehen nicht strategisch, gegen militärische Objekte gerichtet, sondern sollten in der Bevölkerung Horror erzeugen. Bilbao wurde im September 1936 zum ersten Mal bombardiert und wurde während des Krieges insgesamt 40 Mal angegriffen. Die Foto einer Mutter, die ängstlich in den Himmel blickt, mit ihrer Tochter an der Hand, wurde legendär und zum SAinnbild für den faschistischen Terror in Bilbao. // Quelle: Xabier Irujo, Atlas de Bombardeos en Euskadi (1936-1937) (Sammlung Gogora, Memorias). (argia-baskultur)

 

(2025-09-25)

40 JAHRE ATTENTAT IN BAYONNE-HOTEL

kolu71x25Jener 25. September 1985 hatte für Agustín Irazustabarrena Urruzola aus dem gipuzkoanischen Astigarraga, “Legrá“ genannt, mit guten Nachrichten begonnen. Am Morgen hatten ihm die französischen Behörden mitgeteilt, dass sein Flüchtlingsstatus für weitere zehn Jahre verlängert werde. Agustín machte Pläne für ein Abendessen mit Freunden in einem Haus nahe des Hotels Monbar. Deshalb gingen sie in der dortigen Cafeteria einen Aperitif trinken.

In der Bar befand sich Agustín in Gesellschaft von José María Etxaniz Maiztegi, Sabin Etxaide Ibarguren und Iñaki Asteasuinzarra Pagola. Es war gegen 21.45 Uhr, als zwei Bewaffnete den Gastraum betraten. Einer ging ans Ende der Bar, der andere positionierte sich am Eingang, damit niemand flüchten konnte. Die beiden Individuen feuerten wild aus ihren Pistolen. Irazustabarrena, Asteasuinzarra und Etxaniz waren sofort tot, Etxaide wurde schwer verletzt ins Bayonner Krankenhaus Saint Paul gebracht. Dort starb er gegen 23.15 Uhr. Eine fünfte Person, Jean Iriart, wurde an der Hand verletzt.

Die Geschwindigkeit der Ereignisse ließen den vom Anschlag betroffenen Flüchtlingen keine Chance auf Reaktion. Irazustabarrena erhielt zwei Schüsse in den Kopf, zwei weitere in die Brust und in den Unterleib; Etxaniz wurde zwei Mal im Kopf und zwei Mal in die Seite getroffen; Asteasuinzarra erhielt einen einzigen Schuss ins Herz und Etxaide wurde ebenfalls in den Kopf getroffen.

Verfolgungsjagd

Im Gegensatz zu vielen anderen Attentaten der sich selbst als “Antiterroristische Befreiungs-Gruppen“ bezeichnenden Todesschwadron GAL hatte der Anschlag im Monbar-Hotel ein anderes Ende. Üblicherweise gab es bei jenen “Éclat” genannten Operationen keine Resultate in Form von Festnahmen der an den parapolizeilichen Aktionen beteiligten Täter. Im Fall Monbar wurden die Mörder noch am selben Abend verhaftet. Nach den Schüssen flüchteten sie zu Fuß, wurden jedoch von mehreren Personen verfolgt, die sich in jenem Moment in anderen Bars der Pannecau-Straße befanden. Während der Flucht warfen die Attentäter ihre Waffen in den Errobi-Fluss, sie konnten aber am folgenden Tag von Polizeitauchern sichergestellt werden.

Nach ein paar Minuten Rennerei stießen die Mörder auf eine Polizeipatrouille, die auf Hinweis der Verfolger die beiden Flüchtenden festnahm. Sie wurden identifiziert als Mitglieder der “Hampa Marsellesa“, einer Mafiagruppe aus Marseille: der 41-jährige Lucien Mattei, vorbestraft zu 20 Jahren Haft wegen Waffenhandel, sowie der 22-jährige Pierre Frugoli, der aus Anlass des Nationalfeiertags am 14. Juli vom Präsidenten der Republik begnadigt worden war. Zwei Jahre später, im Dezember 1987 wurden sie vor Gericht gestellt und wegen des Monbar-Attentats zu lebenslanger Haft verurteilt.

Frugoli hatte vor der französischen Polizei zugegeben, vom spanischen Polizeikommissar José Amedo angeheuert worden zu sein, um den Anschlag im Monbar-Hotel durchzuführen. Zwei Millionen Peseten für jeden toten Flüchtling hatte er dafür von Amedo erhalten, einer schillernden Figur bei jenen GAL-Todesschwadronen, der ein paar Jahre später selbst ins Gefängnis musste. Am Vortag hatten sich die beiden Söldner in Donostia (San Sebastián) im Hotel Orly mit Amedo und Michel Domínguez getroffen. Das politische Sondergericht Audiencia Nacional im spanischen Staat eröffnete parallel zum Verfahren in Frankreich ein Verfahren, bei dem hohe Funktionäre des spanischen Geheimdienstes angeklagt waren (Juan Alberto Perote und Alfonso Manglano), sowie der berüchtigte Amedo selbst. Dieses Verfahren wurde – wie in vielen ähnlichen Fällen, wenn es um Ultrarechte ging – im Jahr 2001 eingestellt.

Als Antwort auf die Ermordung der vier Flüchtlinge kam es zu zahlreichen Protesten, in Gipuzkoa wurde ein Generalstreik ausgerufen und in den übrigen baskischen Territorien sogenannte Kampftage, die von verschiedenen Mobilisierungen begleitet wurden ... (baskultur)

(2025-09-24)

IGNORANZ GEGENÜBER ALTERSARMUT

kolu71x24Nachdem die baskische Bewegung der Rentnerinnen und Rentner, EHPM, genau 145.142 Unterschriften eingereicht hat für eine Initiative Außerparlamentarischer Gesetzgebung (ILP), stellt sich nun die Frage, ob das baskische Parlament diese Initiative aufgreift, oder nach kurzer Besprechung in den Papierkorb wirft. Letzteres haben die Mehrheit-Parteien, PNV und PSE, baskische Rechte und Sozialdemokraten, angekündigt. An morgigen Donnerstag (25.9.) wird das Parlament über die Zulassung der Legislativen Volksinitiative zur Angleichung der Mindestrente an den gesetzlich festgelegten Mindestlohn debattieren. 15 Minuten lang. Es geht nicht um die Annahme der ILP-Initiative, sondern um den Beginn der Debatte und ihre Weiterleitung. Die Regierungs-Koalition will darüber nicht einmal debattieren. Werden PNV und PSE also gegen 145.142 Menschen stimmen?

Die Rentner*innen-Bewegung des Baskenlandes hatte eine gesetzgeberische Volksinitiative gestartet, um die Mindestrenten in der BAC an den Mindestlohn anzugleichen. Zu diesem Zweck haben sie innerhalb von vier Monaten 145.142 Unterschriften gesammelt, die beim Parlament eingereicht wurden. Ihrer Argumentation zufolge könnten 100.000 Rentner, darunter 65.000 Frauen, von dieser Maßnahme profitieren, wenn sie angenommen würde.

Die ILP fordert die Schaffung eines baskischen Renten-Zuschlags-Systems, das allen in der Region registrierten Rentner*innen über 60 Jahren ein Mindest-Einkommen in Höhe von 100% des staatlich vorgegebenen Mindestlohns garantiert. Im Jahr 2025 wird der Mindestlohn auf 1.184 Euro brutto festgelegt, aufgeteilt in 14 Zahlungen.

Jetzt geht es um die Zulassung dieser Volksinitiative zur Angleichung der Mindestrente an den Mindestlohn. Eine der Anforderungen bei der Bearbeitung einer ILP ist, dass die Regierung mitteilt, ob sie mit dem zu prüfenden Vorschlag einverstanden ist oder nicht. In diesem Fall hat die Exekutive ihre "ablehnende Meinung" bereits vor der Vorstellung geäußert, da sie den Vorschlag für "unnötig" hält und vor den "Risiken der Duplizität, der Ungleichheit und der finanziellen Unhaltbarkeit" warnt.

Die RGI erreicht nur 7% der Bedürftigen

Bei der Bekanntgabe des Regierungsbeschlusses erklärte der Senator für Arbeit, dass "dieser Vorschlag unnötig ist und der Kohärenz des derzeitigen baskischen Systems der Einkommens-Garantie und Eingliederung zuwiderläuft". Er versicherte, dass "der Schutz für Rentenempfänger bereits in das System integriert ist". Er fügte hinzu, dass "das Baskenland seit 2008 über ein eigenes Einkommens-Garantiemodell verfügt, das ein angemessenes Mindesteinkommen gewährleistet und spezifische Maßnahmen für Rentner vorsieht". Und weiter: "Im Jahr 2022 wurde diese Deckung verstärkt, indem die Beträge über den europäischen Armutsgrenzen liegen und die Rentner als vorrangige Gruppe anerkannt werden". Vieles davon geht an der realen Situation der armut vor allem unter Rentnerinnen völlig vorbei.

Obwohl die Regierung betont, dass das derzeitige System mit der RGI-Sozialhilfe bereits Rentenzuschläge vorsieht, erhalten in Wahrheit nur 7% der Rentner*innen, die weniger als den Mindestlohn bekommen, diese Leistungen, eine Zahl, die sich bei den Frauen auf 5,77% reduziert: Frauen-Armut, Alters-Armut. Der Senator erklärte, dass "ein einzelner Rentner derzeit ein garantiertes Einkommen von maximal 1.080,82" in 12 Zahlungen erreichen kann. Dies liegt weit unter dem Mindesteinkommen von 1.184 Euro brutto bei 14 Zahlungen.

Der positive Rechtsbericht des Parlaments

Neben der Versicherung, dass Renten in die Zuständigkeit des Staates fallen, wird die negative Stellungnahme der PNV-PSE-Regierung in der Feststellung zusammengefasst, "dass das die ILP weder mit der geltenden Gesetzgebung noch mit den Grundsätzen der Nachhaltigkeit, der Gerechtigkeit und der Kohärenz des baskischen Sozialschutz-Modells übereinstimmt. Sie erinnert daran, dass der Vorschlag nicht den Anforderungen entspricht, die in den Verordnungen des baskischen Parlaments in Bezug auf Initiativen festgelegt sind, die eine Erhöhung der Haushaltsmittel beinhalten".

Bevor jedoch die Schritte zur Bearbeitung der Gesetzesinitiative "Maßnahmen zur Gewährleistung eines Rentenzuschlags" eingeleitet wurden, gab der juristische Dienst des Parlaments einen befürwortenden Bericht ab, in dem er feststellte, dass "die Initiative keinen der für die Gesetzesinitiative ausgeschlossenen Punkte behandelt". Der Juristische Dienst betonte, dass "die Volks-Gesetzgebungs-Initiative in einem materiellen Bereich, in dem die Autonome Gemeinschaft des Baskenlandes Kompetenzen hat, verfasst und geplant ist". In der Plenarsitzung am Donnerstag wird sich zeigen, ob die PNV und die PSE wie immer den Kriterien der Regierung folgen. Am Samstag fanden in Bilbo, Donostia und Gasteiz Demonstrationen für die Zulassung der ILP statt.

EH Bildu fordert Zulassung

Die parlamentarische Sprecherin von EH Bildu forderte beide Parteien auf, "sich nicht von einer gerechten und notwendigen Forderung, einer demokratischen Übung von großer Bedeutung abzuwenden". Die Abgeordnete forderte die Regierungspartner auf, für die Zulassung des ILP zur Prüfung zu stimmen und erinnerte daran, dass "wenn von politischer Unzufriedenheit und der Notwendigkeit einer Vertiefung der Demokratie die Rede ist, die Antwort auf eine Initiative, die von 145.142 Unterschriften unterstützt wird, niemals negativ sein kann". Sie betonte, dass "die Bürger ein Problem auf den Tisch gebracht haben, und es wäre schlimm, die Suche nach Lösungen abzulehnen". Sie fügte hinzu, dass "im Gegensatz zu dem, was die baskische Regierung behauptet, das Problem überhaupt nicht gelöst sei und es Tausende von Rentner*innen, insbesondere Frauen gibt, die schwere Zeiten durchmachen". (naiz-baskultur)

(2025-09-23)

RASSISTISCHE LÜGEN DER RECHTS-PRESSE

kolu71x23Der spanische Faschismus hetzt offen gegen Migrant*innen, als Komplement haben bürgerliche Rechts-Parteien wieder einmal “die öffentliche Sicherheit“ als Problem erkannt, freudig unterstützt von der Rechts-Presse. Und weil eins und eins zwei ist, passen die Themen wunderbar zusammen: die Sicherheit ist von Migrant*innen bedroht. Ein Beispiel mit tragischem Hintergrund hat sich am Wochenende in Bilbo abgespielt, in einer Form, die an Falschheit kaum zu überbieten ist und das ausgerechnet von der für ihren Rassismus bekannten baskischen Regionalpolizei gerade gerückt werden musste.

Die Ertzaintza-Polizei hat die Darstellungen der rechten Tageszeitung El Correo dementiert: das “Verbrechen von Solokoetxe“ – ein 21-Jähriger wurde erstochen – steht in keinem Zusammenhang mit Jugend-Banden. Der Polizeichef stellt klar, dass es sich um eine Auseinandersetzung zwischen jungen Leuten handelte, die sich nicht kannten. Die Schlagzeilen vom vergangenen Sonntag hingegen grenzen an Science Fiction. Die meistgelesene Tageszeitung El Correo behauptete, dass die Ertzaintza den in Solokoetxe getöteten jungen Mann mit der "gefährlichen Jugendbande LDS" in Verbindung bringt. Das Problem ist, dass die Ertzaintza selbst genau das Gegenteil behauptet hat. Und wurde nicht in einem Korridor geflüstert, es wurde von ihrem Direktor erklärt: "Die Beteiligten gehören zu keiner Bande oder Gang oder gewalttätigen Organisation".

Der Fall ist ernst, aber er hat nichts mit internationalen Mafias oder Drogen-Geschichten zu tun. Nach Angaben des Leiters der baskischen Polizei handelte es sich um eine Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen junger Leute, die auf dem Heimweg waren und sich nicht kannten. Zuerst kam es zu Beleidigungen und dann, wie so oft in den frühen Morgenstunden des Alkohols und des Unglücks, zu einer Schlägerei. Das Ergebnis war tragisch: Ein 21-jähriger Marokkaner erlag seinen Stichverletzungen in der Brust, nachdem er ins Krankenhaus gebracht worden war. Drei Personen wurden verhaftet: Männer im Alter von 31, 28 und 21 Jahren. Einer wurde in Bilbao verhaftet, ein anderer in Getxo und der dritte stellte sich freiwillig. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, aber die Ertzaintza stellte klar: "Der Streit hat nichts mit gewalttätigen Banden zu tun".

Und doch beschloss jemand in einer Nachrichtenredaktion, dass es nicht ausreicht, von "Gruppen junger Leute, die sich gegenseitig beleidigen und prügeln" zu sprechen. Besser ist es, die Tragödie mit einer angeblichen Verbindung zur "gefährlichen Bande LDS" auszuschmücken – der gleichen Bande, die mehr nach einem modischen Videospiel als nach der Realität in Bilbao klingt.

Das Problem ist, dass diese Art von Schlagzeilen nicht nur Lügen darstellen: Sie stigmatisieren ganze Stadtviertel und kriminalisieren Gemeinschaften, in diesem Fall die marokkanische, indem sie das Opfer ohne Beweise mit einer kriminellen Organisation in Verbindung bringen. Weder die Polizei, noch das Gericht, noch die Nachbarschaft haben daran ein Interesse. Es ist nur eine Schlagzeile, die auf Stigmatisierung und Verkaufszahlen abzielt.

Die Realität ist einfacher und schmerzhafter: eine absurde Schlägerei um viertel vor sieben Uhr morgens in der Fika-Straße von Solokoetxe, die mit einem Toten und drei Verhafteten endete. Nicht mehr und nicht weniger. Die Ermittlungen dauern an, aber eines ist geklärt: Es gab keine Banden, keine bombastischen Banden-Namen, die an Maras erinnern, keine kriminellen Romane. Nur eine vermeidbare Tragödie und ein Journalismus, der wieder einmal Genauigkeit mit billiger Fiktion verwechselte. Diese Fake News hätte ohne weiteres auch im Pressebüro der faschistischen VOX-Partei geschrieben worden sein können. (ecuadoretxea-baskultur)

(2025-09-22)

472 ILLEGALE TOURISTEN-WOHNUNGEN GELÖSCHT

kolu71x22Auf Ersuchen des spanischen Wohnungsbau-Ministeriums hat sich die Ferien-Vermietungs-Plattform AIRBNB nach langem Ringen dazu bereit erklärt, diejenigen Anzeigen zu entfernen, die nicht über eine obligatorische Registrierungs-Nummer verfügen – im Klartext: es handelt sich um illegale T-Wohnungen, die nicht angemeldet sind und keine Steuern bezahlen. Die Zahl der nun zu löschenden Anzeigen im spanischen Staat dürfte in die Zehntausende gehen, allein in der Region Baskenland waren es 472 Anzeigen. Das Unternehmen wird die Maßnahme anwenden, nachdem es die Inserenten darüber informiert hat, dass sie eine nationale Registrierungsnummer haben müssen – als ob sie da nicht schon längst gewusst hätten.

Schon seit einiger Zeit ist das Wohnungs-Problem zur Sorge Nummer eins im Staat und im Baskenland geworden. Dazu trägt bei, dass erstens die Preise für Kauf und Miete ins Unermessliche gestiegen sind, zweitens, dass die Zentral- und regional-Regierungen keine Maßnahmen ergreifen, die Mieten begrenzen und Sozialwohnungen auf den Markt bringen, und drittens, dass immer mehr Wohnungen im Tourismus-Rekord-Land Spanien Touristen angeboten und dem normalen Wohnungsmarkt entzogen werden.

Nach Angaben des multinationalen Unternehmens AIRBNB, das sich lange geziert hat, diese Maßnahme zu ergreifen, denn jede Anzeige ist bares Geld, ob nun mit oder ohne Behördensiegel -scheißegal! Nun sollen alle Inserenten über die Verpflichtung informiert werden, eine nationale Registrierungs-Nummer anzugeben, wenn sie inserieren wollen. Womit die Zentralregierung der Haifisch-Plattform gedroht hat, ist unbekannt, theoretisch könnte die Regierung die Plattform im Land vom Netz nehmen. In Barcelona hat die Stadtverwaltung 2022 der Plattform mit deftigen Bußgeldern wegen Verstoßes gegen die Vorschriften gedroht, dabei ging es um 4.100 illegale anzeigen, allein in der Mittelmeer-Metropole.

Von der baskischen Gesamtzahl der “unsauberen Angebote“ befinden sich 138 in San Sebastian, 137 in Bilbao, 23 in Bermeo, 12 in Sopelana und 10 in Hondarribi. "In Zusammenarbeit mit dem Wohnungsbau-Ministerium wurde festgestellt, dass etwa 10% der Anzeigen auf Airbnb keine offiziellen Registrierungs-Nummern aufweisen, und deshalb von der Plattform entfernt werden ", heißt es in einer von der Plattform veröffentlichten Erklärung.

Die „Sünder“ kommen nun billig weg. Denn falls sie von der baskischen Inspektion erwischt werden, müssen sie bis zu 20.000 Euro Strafe zahlen. Doch Inspektoren gibt es viel zu wenige, weil die baskischen Behörden kein Interesse daran haben, das Geschäft mit den Tourismus-Wohnungen in Unruhe zu versetzen. Denn für ihr Tourismus-Total-Modell setzen sie auf alles, was sich irgendwie zur Unterkunft machen lässt, legal oder illegal. Wenn sie überhaupt reagieren, dann auf Druck der Basis, die immer mehr auf die Straße getrieben wird – nicht zum Demonstrieren, sondern um zwangsweise auf der Straße zu leben. Allein im Baskenland wird geschätzt, dass die Hälfte der Wohnungen bei AIRBNB und anderen Plattformen nicht registriert sind.

Einheitliches Register für Ferien-Wohnungen

Am 1. Juli trat das einheitliche Register für Ferien-Wohnungen in Kraft, in dem alle Tourismus-Angebote in Spanien erfasst sind. Dies ermöglicht den Datenaustausch zwischen den autonomen Gemeinschaften und die Aufdeckung und Löschung von illegalen Wohnungen, von denen es in ganz Spanien 53.876 gibt. Das heißt, 53.876 private Wohnungen werden dem Mietmarkt entzogen, und zwar nicht flächendeckend, sondern in den Tourismus-Hochburgen konzentriert.

"Dies ist ein neues Kapitel für Airbnb in Spanien, das durch ein proaktives Engagement für Zusammenarbeit, Qualität und eine langfristige Vision für nachhaltiges Wachstum zum Nutzen aller geprägt ist", sagt Jaime Rodríguez de Santiago, General Manager von Airbnb Marketing Services in Spanien großspurig in Kapitalisten-Manier. Im Baskenland ist nicht nur diese staatliche Registrierung verpflichtend, es gab bereits ein Register für Touristen-Unterkünfte (Reate): "Wenn sie sich nicht registrieren und ihre Informationen auf den Online-Plattformen aktualisieren, können sie sogar mit der Einstellung ihrer Tätigkeit bestraft werden", warnte der baskische Senator für Tourismus, Handel und Verbraucher-Angelegenheiten, Javier Hurtado, Tage vor der Einführung des einheitlichen Registers für den ganzen Staat. (baskultur)

(2025-09-21)

RENTNER:INNEN FORDERN IHRE RECHTE

kolu71x21Bilbo, Donostia und Gasteiz waren Schauplatz von Demonstrationen, bei denen die im Parlament von Gasteiz vertretenen Fraktionen aufgefordert wurden, die ILP (Volks-Gesetz-Initiative) zu den Renten zu akzeptieren, die die Angleichung der niedrigsten Renten an den Mindestlohn zum Ziel hat. Die Bewegung der Rentnerinnen und Rentner im Baskenland (EHPM-MPEH) hatte insgesamt 145.000 Unterschriften gesammelt für diese initiative, die Listen waren im Parlament abgegeben worden. Doch die beiden Regierungs-Koalitionäre, baskische Rechte und Sozialdemokraten, hatten die Initiative kurzerhand abgelehnt und in den Papierkorb geworfen.

Dagegen gibt es nun Proteste. Vertreter politischer Organisationen wie EH Bildu, Podemos und Sumar sowie die meisten baskischen Gewerkschaften nahmen an den Demonstrationen teil. Im abschließend verlesenen Kommuniqué wurden PNV und PSE direkt aufgefordert, kein Veto gegen den parlamentarischen Prozess einzulegen, eine Forderung, die sie den beiden Parteien demnächst erneut übermitteln werden. Am Montag sollen außerdem Kundgebungen vor den Hauptsitzen beider Parteien in den drei Hauptstädten abgehalten werden. Slogans wie "Wir werden diese Schlacht gewinnen", "Keinen Schritt zurück, diese Initiative, wir werden sie gewinnen", "Wer auch immer regiert, die Renten werden verteidigt", "100% für die Witwenrente", "Das Öffentliche ist nicht käuflich, das Öffentliche wird verteidigt", " oder “Rentnerinnen vorwärts" hallten erneut durch die Straßen von Bilbao, Donostia und Gasteiz.

Die Bewegung ist der Ansicht, dass die Forderung für fast 100.000 ältere Rentner, insbesondere Frauen, "unaufschiebbar" ist. "Für viele ist ein ein Minimum an würdigen Lebensbedingungen unmöglich". Aus diesem Grund hat sie mehr als 145.000 Unterschriften gesammelt, eigentlich eine ausreichende Grundlage dafür, im Parlament gehört zu werden. "Ohne jegliche rechtliche, wirtschaftliche oder soziale Grundlage", so wird beklagt, beabsichtige die Regierung von Imanol Pradales, die Beteiligung der Bürgerinnen in den Institutionen, die eigentlich gefördert werden sollte, "zu verhindern". "Wovor haben Sie Angst?", lauetete die Frage an die PNV und die PSE.

Die Sozialhilfe ist unzureichend

"Wir haben alle rechtlichen Anforderungen erfüllt, wir haben unsere Gründe dargelegt, die Kompetenzen und finanziellen Kapazitäten detailliert beschrieben. Wir werden nachweisen, dass die Sozialhilfe völlig unzureichend ist und dass es nicht an Geld fehlt, um das ILP zu finanzieren", stellten die Rentnerinnen fest. Sie beklagen "eine ungerechte Steuerpolitik und eine Begünstigung des Großkapitals, die jeden Tag die Reichen reicher macht und die Mehrheit von uns verarmen lässt". Doch die Koalitionsparteien haben PNV und PSE haben den Vorschlag nicht nur abgelehnt, sie haben ihn noch nicht einmal diskutiert. Trotz der Unterstützung in der Bevölkerung.

Doch in der Bewegung sind sie sich sicher: "Unsere Forderungen werden früher oder später Gesetz werden, selbst wenn Sie Ihre Augen verschließen, um Armut, geschlechts-spezifische Diskriminierung und Arbeitsplatz-Unsicherheit zu ignorieren, wir werden Sie weiterhin daran erinnern". "Wir haben viele Jahre gelebt und niemand hat uns jemals etwas geschenkt. Wir gehören zu einer Generation, die aus Erfahrung weiß, dass der Kampf der Weg nach vorne ist; wir haben ihn gegen die Diktatur und für die Demokratie geführt, um unsere Lebens- und Arbeits-Bedingungen zu verbessern, für die Gleichstellung der Geschlechter und die gerechte Verteilung des Reichtums, und wir werden dies bis zu unserem letzten Atemzug tun", versprachen sie. (naiz-baskultur)

(2025-09-20)

JAHRESTAGE 20. SEPTEMBER

kolu71x20bVor 53 Jahren: Am 20. September 1972 wurde das ETA-Mitglied Jon Andoni Aranguren Muxika Iharra von der Guardia Civil in Urdazubi mit einem Maschinengewehr-Schuss getötet. Iharra wollte mit zwei Kommando-Mitgliedern das französische Baskenland erreichen, ohne zu wissen, dass der Übergang von der Guardia Civil kontrolliert wurde. Als sie entdeckt wurden, flohen sie, Aranguren wurde mit einem MG in den Rücken geschossen. Als die Familie die Leiche identifizieren wollte, wurden sie von der Guardia Civil umzingelt, damit sie die Schüsse in den Rücken nicht sehen konnten.

Vor 27 Jahren: Am 20. September 1998 zertrümmerten zwei militante Ökologen 30 Fahrzeuge, die für den Bau des Itoiz-Stausees in Nord-Nafarroa eingesetzt wurden. Die neue Straße wurde zwischen Aoiz und Nagore gebaut, weil die alte Straße wegen des Stausees unter Wasser stehen würde. Jaione Irisarri und Piluka Perona stellten sich am Tag nach ihrer Aktion dem Provinzgericht von Pamplona.

Vor 14 Jahren: Am 20. September 2011 hat die baskische Ertzaintza-Polizei das besetzte Kukutza III Gaztetxe im Rekalde-Viertel von Bilbao zwangsgeräumt. Die in einem Arbeiterviertel gelegene Einrichtung hatte seit 1998 in Zusammenarbeit mit den Bewohner*innen eine Vielzahl von sozialen und kulturellen Aktivitäten durchgeführt und Dienstleistungen angeboten, die von der Stadtverwaltung nicht bereitgestellt wurden. Der organisierte Widerstand zur Verteidigung des Gaztetxe und die Proteste nach ihrer Räumung waren stark, die Ertzaintza ging tagelang brutal vor, 55 Personen wurden verhaftet, 63 wurden strafrechtlich verfolgt und mehr als hundert wurden verletzt. Sie berichteten außerdem, dass mehrere Verletzungsberichte aus dem Krankenhaus geschickt wurden. Am Tag nach der Räumung begannen die Arbeiten zum Abriss des Gebäudes, doch das Gelände blieb jahrelang leer, bevor es wieder bebaut wurde.

Vor 262 Jahren: Am 20. September 1763 wurde Gabriela Silang, Anführerin der antikolonialistischen Rebellen auf den Philippinen, von spanischen Kolonisatoren hingerichtet. Sie war eine Anführerin der philippinischen Revolutionäre und stammte von galizischen Eltern und der tinguischen Volksgruppe ab. Weil sie Tage zuvor die Stadt Vigan angegriffen hatte, wurde sie von der spanischen Kolonialregierung der Ostindischen Inseln verhaftet und auf dem Stadtplatz gehängt. Sie ist eine Referenzperson auf den Philippinen. (baskultur)

(2025-09-19)

FREUNDSCHAFTS-SPIEL BASKENLAND PALÄSTINA

kolu71x19Der baskische Fußballverband hat bestätigt, dass er an der Vorbereitung eines Freundschaftsspiels mit (nicht gegen) dem palästinensischen Herren-Fußball-Team arbeitet. Das Spiel soll am 15. November in San Mamés stattfinden und einen weiteren Meilenstein der Solidarität gegen den Völkermord setzen. Der palästinensische Fußball-Verband bestätigte die Nachricht erklärte, “in perfekter Abstimmung” mit dem baskischen Verband yu stehen. Die spanischen Regierungs-Behörden seien ebenfalls informiert worden.

“Beide Verbände stehen seit einiger Zeit in Verhandlungen und arbeiten daran, dass das Spiel stattfinden kann.” Die Organisation dieser Veranstaltung sei jedoch komplex und erfordere “die Zusammenarbeit aller Akteure unserer Gesellschaft”. Der baskische Verband äußerte seine “tiefe Bestürzung über die katastrophale humanitäre Lage in Gaza”. Man arbeite an der Spielidee, “aus der Überzeugung heraus, dass Fußball als Sprachrohr der Solidarität dienen kann und muss, mit dem Ziel, Frieden zu fordern und zu verteidigen”. Der baskische Verband will “weiter daran arbeiten, durch Sport eine klare Botschaft der Solidarität und des Engagements für den Frieden zu vermitteln“.

Mehr als ein Sportereignis

Sollte das Spiel bestätigt werden, wäre es nach Aussagen des palästinensischen Verbandes nicht nur ein Sportereignis, sondern auch um eine Möglichkeit, vor der Welt den in Gaza stattfindenden Völkermord zu beklagen, bei dessen Verurteilung die baskische Bevölkerung eine klare internationale Führungsrolle übernommen habe. Das letzte Spiel der Euskal Selekzioa fand ebenfalls im San Mamés statt, im März 2024 gegen Uruguay. Das baskische Team wurde dabei von Jagoba Arrasate gecoacht.

Palästina ist ein offiziell anerkanntes Nationalteam, das trotz der unerträglichen humanitären Lage des Landes sportlich aufgestiegen ist. Tatsächlich stand es vor einigen Monaten kurz davor, sich für die nächste Fußball-WM zu qualifizieren. Ein umstrittener Elfmeter in der Nachspielzeit des Spiels gegen Oman verhinderte dies und schloss die Tür zur letzten WM-Qualifikationsrunde. Ein Meilenstein in der Geschichte dieses Teams. Der 15. November wäre ein Samstag, aufgrund der Länderspiel-Pause findet keine Liga statt. Es handelt sich also um einen FIFA-Termin, den die Euskal Selekzioa für ihre Begegnungen zu nutzen begonnen hat.

Yaser Hamed als Bindeglied

Im palästinensischen Team sticht ein Spieler mit Wurzeln in Bizkaia hervor. Es handelt sich um den Innenverteidiger Yaser Hamed, der in Leioa (Vorort von Bilbao) geboren wurde und in den Jugendteams von Athletic spielte. In einem Interview betonte er seinen Stolz, sein Land zu vertreten. “Wir werden niemals aufgeben und werden stärker zurückkommen, wie es Palästina immer tut”, versicherte er nach der Enttäuschung gegen Oman. “Bei jeder Nominierung, bei jedem Spiel sprechen wir darüber und betonen, dass wir ein ganzes Land vertreten“, fügte Hamed hinzu. “Unser Land wurde hart bestraft, das bringt noch mehr Verantwortung mit sich. Wir müssen es gut vertreten. Nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch außerhalb des Spielfelds. Letztendlich repräsentierst du dein Land zu jeder Zeit. Du bist ein Spieler des Nationalteams, du bist Palästinenser. Mit jeder deiner Handlungen, nicht nur im Team, sondern auch im Alltag, repräsentierst du dieses Land. So sehe ich das.“

Zusammenarbeit mit Athletic

Athletic Bilbao hat seine Mitwirkung am Spiel bestätigt. Präsident Jon Uriarte erklärte, dass Athletic “sich klar für die Verteidigung der Menschenrechte einsetzt und gegen alle Gräueltaten, die in Gaza begangen werden“, basierend auf „den von den Vereins-Mitgliedern verabschiedeten Statuten zur sozialen Verantwortung des Unternehmens Athletic“.

“Der Verband hat um die Freistellung von Spielern gebeten und um das Stadion. Athletic ist klar bereit, diese Initiative zu unterstützen“. Abgesehen vom sportlichen Aspekt hätte das Spiel eine enorme symbolische Bedeutung und würde eine klare Botschaft aus dem Baskenland an die Welt senden. Die Fans der baskischen Clubs haben sich durch ihre Unterstützung für die palästinensische Sache ausgezeichnet, selbst wenn sie dafür mit Geldstrafen belegt wurden. (LINK)

(2025-09-18)

FASCHISTISCHE EHRENBÜRGER

kolu71x18Eigentlich jährt sich 2025 zum 50. Mal der Tod des Diktators Franco. Eigentlich. Denn manchmal scheint es gerade drei Tage her, dass der Massenmörder abgetreten ist. Was Normalsterblich nicht wissen können, ist in der baskischen Provinz Araba (Alava) ans Licht gekommen: Die Faschisten-generäle Franco und Mola tragen bis heute den Ehrentitel "Väter der Provinz". Jetzt schlägt der Provinzrat vor, dass die beiden Schlächter nicht länger diesen Titel genießen sollen. Das Begleitende Foto zeigt einen Empfang Francos in Vitoria-Gasteiz.

Ein halbes Jahrhundert nach Francos Tod und 89 Jahre nach dem Staatsstreich hat der Provinz-Präsident von Araba, Ramiro González, angekündigt, dass ein Prozess einleitet werden soll, um den Faschisten-Generälen Franco und Mola offiziell den Titel "Väter der Provinz" zu entziehen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, wird der Provinzialrat das Verfahren einleiten, damit die General-Versammlungen dem Diktator Franco und dem General Emilio Mola den Titel "Väter der Provinz" aberkennen. Der stellvertretende General Ramiro González (PNV) kündigte dies bei der Kranzniederlegung zum Gedenken an die von der Franco-Diktatur unterdrückten Personen in Araba an, die alljährlich von der Provinzregierung organisiert wird und an der öffentliche Vertreter*innen und Familienangehörige teilnehmen. Der Titel wurde den Faschisten 1936 verliehen, Araba hatte sich direkt dem Militärputsch angeschlossen, in der Folge gab es keinen Krieg, dafür jedoch politische Säuberungen mit vielen Morden. González kündigte außerdem an, dass eine historische Studie durchgeführt werden soll, um festzustellen, welche anderen Auszeichnungen, die in der Vergangenheit von der Provinzregierung verliehen wurden, nicht mit dem Gesetz über das historische Gedenken übereinstimmen, und dass diese aufgehoben werden sollen. Die Ehrung der Opfer des Franquismus fand am Denkmal statt, das zum Gedenken auf der Rückseite der Provinzialregierung errichtet wurde.

Franquisten-Symbole

Während Ramiro González die oben genannten Maßnahmen ankündigte, forderte Javier Hurtado, Generalsekretär der Sozialdemokraten, den Bürgermeister von Mañueta auf, eine franquistische Tür-Inschrift in dieser Gemeinde in Araba zu entfernen. Der Bürgermeister der franquismus-freundlichen PP hat in den vergangenen Tagen auf diese Aufforderung geantwortet und versichert, dass er die Inschrift "Caídos por Dios y por la patria" (Gefallen für Gott und das Vaterland) nicht als franquistisch ansieht. Auf demselben propagandistischen Niveau behauptet seine Partei auch, in Gaza gäbe es keinen Völkermord. Faschisten. (naiz-baskultur)

(2025-09-17)

DAS SPIEL WAR NEBENSACHE

kolu71x17Athletic Bilbao kehrte in die Champions-league zurück gegen einen der Favoriten des Turniers. Doch neben dem Ergebnis gab es für die Medien andere Ereignisse zu vermelden. Denn Athletic-Fans zeigten beim Champions-League-Auftakt auf der Tribüne eine riesige palästinensische Flagge von mehr als 50 Metern Länge mit einer Aufschrift in baskischer Sprache: "Zure alboan egongo gara gaurtik azken eguneraino".

“Das Europadebüt von Athletic am Dienstag (16.9.2025) im Stadion San Mamés hinterließ ein Bild, das weit über den Fußball hinausging“, schreib die meistgelesene Sportzeitschrift im Staat. Im Nordteil des Stadions entrollten die Fans ein riesiges Transparent mit den Farben der palästinensischen Flagge und der baskischen Aufschrift "Zure alboan egongo gara gaurtik azken eguneraino" ("Wir werden von heute bis zum letzten Tag an eurer Seite sein"). Mit dieser von den rot-weißen Fans geförderten Initiative sollte vor dem Hintergrund der internationalen Proteste gegen die Offensive in Gaza Solidarität mit dem palästinensischen Volk gezeigt werden.

Das Transparent erscheint zu einer Zeit, in der der palästinensisch-israelische Konflikt im spanischen Staat in verschiedenen Szenarien widerhallt, zuletzt bei die Absage des Zieleinlaufs der Vuelta a España in Madrid aufgrund von pro-palästinensischen Demonstrationen. Auch in Bilbao sahen sich die Organisatoren der Spanien-Rundfahrt eine Woche zuvor gezwungen, eine Etappe nur drei Kilometer vor dem Ziel abzubrechen, weil Massen-Proteste ein Ende der Angriffe in Gaza forderten.

Die Zuschauer*innen im Stadion San Mamés, die gleichzeitig Hunderte kleiner palästinensischer Fahnen in die Höhe hielten, begleitete das Riesen-Transparent mit Sprechchören. Der der auf Athletic gemünzte Slogan, der in der Iñigo Cabacas Herri Harmaila üblich ist - "bis zum letzten Tag an deiner Seite" - bekam diesmal einen deutlich politischen Charakter, da er mit der palästinensischen Flagge verbunden war. (marca)

(2025-09-16)

WIEDER EINE HERAUSFORDERUNG

kolu71x16Athletic Bilbao startet in der Champions League gegen einen der großen Titel-Favoriten, die Kanoniere von London, die mit einem bestechenden baskischen aufgebot antreten. Der Spielplan der CL hat Athletic dazu gezwungen, ohne Vorwarnung und mit der größtmöglichen Schwierigkeit in den Wettbewerb zu starten. Kein Gegner auf gleichem Niveau, mehr oder weniger erreichbar. Nein. Gleich zu Beginn ein Schwergewicht, der Halbfinalist der vergangenen Saison. Die Herausforderung ist gewaltig. Als Vergleich dienen nur Spiele gegen Barcelona oder Real Madrid in Bestform, aber mit einer zusätzlichen Schwierigkeit. Denn gegen die Merengues und Culés geht es in San Mamés schon seit 100 Jahren, diese Großen respektieren das Team der Eigengewächse ohne Zweifel. Davon wissen die Gunners nichts. Es ist das erste Mal, dass sie in der Kathedrale spielen, sie werden Blumen auf das Pichichi-Denkmal legen und nach vorne spielen. Heute Nachmittag hatte Athletic viel mehr zu gewinnen als zu verlieren.

So spielt der Club aus Nord-London, seit der Baske Mikel Arteta 2019 als Trainer kam, auf höchstem Niveau. Nicht nur mit Spielidee und soliden Kenntnissen, sondern auch mit schwindelerregenden Investitionen seitens der Clubbesitzer. In dieser Saison fast 300 Millionen Euro für die Verpflichtung von Stars, darunter zwei weitere Basken.

Zum sechsten Mal tritt Athletic in der CL an, die früher anders hieß und nur die Landesmeister zuließ, zum ersten Mal 1956. Gegen die “Menschenfresser“ aus London, wie die rechte Presse schrieb. Für Athletic war es ein spannendes Debüt, eine Entdeckung sein –Yuri Berchiche war der einzige, der den Wettbewerb schon kannte. Beim Spiel selbst waren Klassenunterschiede nicht zu erkennen, eine Überraschung lag drin. Dass es dann doch so kam wie die fußballerisch-kapitalistische Klassengesellschaft es vorschreibt lag an zwei Details. Bei der am Nachmittag ausgespielten Jugend-Champions gewann Athletic drei zu eins gegen denselben Gegner. Die Senioren am Abend verloren null zwei. Kein Beinbruch, Basken wissen, wie verlieren geht. Das Team wurde nach Spielende gefeiert und mit Beifall verabschiedet, das ist die Mentalität und Loyalität in Bilbao. Auf der Tribüne hing ein fünfzig Meter langes Transparent in Solidarität mit Palästina. (baskultur)

(2025-09-15)

AN DER SPITZE DER ARMUTS-STATISTIK

kolu71x15Vor dem Hintergrund des höchsten Armuts-Risikos in der Region Baskenland eröffnet die “Informationsstelle für soziale Rechte“ in Barakaldo am 15. September in ihrem 28. Jahr in einem neuen Büro ihre Türen, um Hunderte von Familien zu beraten und zu unterstützen, die angesichts ihrer prekären Lage nach Antworten suchen.

Es gibt Türen, die niemals geschlossen werden sollten. Eine davon, in Barakaldo, wird am 15. September wieder geöffnet: die des Informationszentrums für soziale Rechte, einer Einrichtung, die seit 28 Jahren besteht. Es ist kein gewöhnliches Büro. Für viele Menschen ist es buchstäblich der einzige Kompass in einem Meer von Kürzungen, prekären Lebensverhältnissen und endlosen Formalitäten. Die Bilanz des letzten Jahres spricht für sich: 756 Familien kamen zu dieser Einrichtung, die von der Plattform Berri-Otxoak betrieben wird und die vor drei Jahrzehnten gegen Armut und prekäre Lebensverhältnisse gegründet wurde. Dort fanden sie kostenlose Orientierung, Beratung und vor allem eine Stimme, die das anprangert, was so oft in kalten Statistiken versteckt werden soll: alleinstehende Frauen mit Kindern, Rentner, die nicht über die Runden kommen, Arbeitnehmer mit prekären Arbeitsverträgen, die nicht einmal das Nötigste sichern.

“Die Verschlechterung der sozio-ökonomischen Bedingungen hat diese Einrichtung erneut überfordert, ohne dass die Stadtverwaltung oder die baskische Regierung Mittel bereitgestellt hätten, um der Nachfrage in einem Kontext der Prekarität und der galoppierenden Inflation gerecht zu werden”, kritisiert Berri-Otxoak.

Das Profil derjenigen, die sich an die Einrichtung wenden, spiegelt die Härte der Realität wider: 63% sind Frauen, die meisten mit prekären Arbeitsverhältnissen oder unsichtbaren Betreuungsaufgaben. Fast die Hälfte der Anfragen (49%) beziehen sich auf die von der Stadtverwaltung von Barakaldo bearbeiteten Soforthilfen, darunter Beschwerden über mangelnde Aufmerksamkeit in Fällen von Zwangsräumungen, unerschwinglichen Mieten oder erdrückenden Hypotheken. 38% beziehen sich auf das Arbeitsamt Lanbide und dessen Hindernisse beim Zugang zur RGI-Sozialhilfe. Die restlichen 13% sind Beschwerden über das Mindesteinkommen, zu denen bereits 99 Beschwerden wegen Nichteinhaltung vorliegen.

Die Zahlen verdeutlichen die Ungleichheit: 47% der Anfragen stammen von Personen zwischen 45 und 65 Jahren, gefolgt von 28% von Personen zwischen 30 und 45 Jahren und 15% von jungen Menschen zwischen 22 und 30 Jahren. 64% derjenigen, die sich an die Beratungsstelle wenden, haben einen prekären Arbeitsplatz, 15% sind Rentner und der Rest sind kurz- oder langzeit-arbeitslose Personen. Die Daten der Gemeinde sind alarmierend: 25.700 Einwohner (von ca. 100.000) haben prekäre Arbeitsplätze, 11% der erwerbstätigen Bevölkerung sind arbeitslos, und von diesen Menschen hat mehr als die Hälfte (52%, etwa 2.981 Personen) kein Einkommen. Barakaldo steht laut der Plattform selbst an der Spitze der Armuts-Gefährdung im Baskenland (10,1%) unter den Orten mit mehr als 50.000 Einwohnern.

“Die institutionelle Politik ist ein Frontalangriff auf die am stärksten benachteiligten Arbeitnehmer“, betont Berri-Otxoak und beklagt, dass der Zugang zu Sozialleistungen erschwert, die Beträge gekürzt und das Budget unzureichend gehalten werden. Die Beratungsstelle ist jeden Montag von 11 bis 13 Uhr geöffnet und auch online erreichbar. Sie ist kostenlos und wird durch das engagierte Wirken derjenigen aufrechterhalten, die seit fast drei Jahrzehnten Familien begleiten, für die das System eher eine Mauer als eine Stütze ist.

Berri-Otxoak wurde am 12. August 1992 gegründet und hat sich seitdem mit Mobilisierungen gegen Zwangsräumungen, Immobilien-Spekulationen und Sozialkürzungen gewehrt. Seit der Eröffnung dieses Büros am 17. November 1997 haben 17.860 Familien dort Hilfe in Anspruch genommen. Eine beeindruckende Zahl, die gleichzeitig auf ein Problem hinweist: Wenn es nach 28 Jahren immer noch notwendig ist, dann deshalb, weil Armut in Barakaldo keine Ausnahme, sondern eine Konstante ist. Die Wahrheit ist, dass jede Zahl dieser Bilanz ein unbequemer Spiegel für die Institutionen ist. Und dennoch sind sie auch in diesem Jahr wieder da, mit offenen Rollläden, überzeugt davon, dass soziale Rechte nicht gefordert, sondern erkämpft werden müssen. (ecuadoretxea-baskultur)

(2025-09-14)

AUF STIPENDIUM VERZICHTET

kolu71x14Zehntausend Euro - Viele Menschen im Baskenland leben pro Jahr von weniger als dieser Summe, weil die Armut immer breitere Kreise zieht. Umso erstaunlicher ist es, wenn eine Person auf eine solche Summe als Stipendium verzichtet. Doch alles hat seine Gründe, auch wenn die Motivation sicher nicht von allen geteilt wird. Saioa Alkaiza ist Journalistin und eine Bertsolari-Künstlerin. Bertsolaritza ist eine der besonderen Kulturformen in Euskal Herria, bei denen sich jüngere Leute auf die Bühne stellen und spontan Verse dichten zum Vergnügen des Publikums. Auf Baskisch versteht sich. Dafür gibt es auf Provinz- und Baskenland-Ebene auch Meisterschaften (Txapelketak) und Saioa hat 2021 bereits eine davon für sich entschieden, in Nafarroa. Nun ist die 34-Jährige in die Schlagzeilen geraten, weil sie auf ein Stipendium in Höhe von 10.000 Euro verzichtet hat.

Die Bertsolari aus Iruñea (Pamplona) erhielt den Stipendien-Preis am 10. September in Beasain (Gipuzkoa), nachdem sie den Roman “Katu ileak txandaletan” (Katzenhaare in der Jacke) verfasst hatte. Ins Leben gerufen wurde der Igartza-Preis, um junge Schriftsteller*innen mit Unterstützung der Stadtverwaltung von Beasain und von Elkar, einem Verlag, der baskische Literatur fördert und in jeder größeren Stadt einen Laden besitzt. Finanzielle Mittel für Igartza kommen allerdings auch von dem ebenfalls in Beasain ansässigen Unternehmen CAF – und genau das wurde zum Stein des Anstoßes, der am Ende zum Stipendien-Verzicht führte.

Tatsächlich arbeitet das Unternehmen CAF, das sich auf Straßenbahnen und Züge spezialisiert hat und weltweit Aufträge erhält, an der Erweiterung der Straßenbahn in Jerusalem, von Israel in Auftrag gegeben. Diese Straßenbahn verbindet illegale Siedlungen auf von Israel besetztem palästinensischem Gebiet und ist äußerst umstritten: bei der UNO, bei der Solidaritäts-Bewegung und sogar beim Betriebsrat des Unternehmens. Seit Jahren wird der Verzicht auf den Jerusalemer Auftrag gefordert, umso mehr angesichts des israelischen Völkermords in Gaza. Sogar der baskische Ministerpräsident, ansonsten Unternehmer-freundlich bis zum Abwinken, forderte das Unternehmen kürzlich auf, sich “ethische Gedanken“ zu machen zu dem Projekt, mit dem die bertsolari-Frau nun wirklich gar nichts zu tun haben will.

In ihrer erklärung zum Verzicht auf das stattliche Stipendium hat Saioa Alkaiza die Argumente der Soli-Bewegung aufgegriffen und dem CAF-Unternehmen vorgeworfen, sich des Völkermords mitschuldig zu machen und versucht zu haben, sich durch kulturelle Förderung weißzuwaschen. Sie bestand darauf, weshalb sie darauf, dass “der Fokus dort liegen muss, wo er hingehört“, auf dem “Völkermord in Palästina“. Dabei verwies sie auf die Verantwortung der Kulturschaffenden: “Gegen den zionistischen Staat Israel brauchen wir eine kritische und parteiische baskische Kultur, die über Worte hinausgeht und mit Taten antwortet”. So hat die Bertsolari aus Pamplona ihre Solidarität mit Palästina bekundet, wie Euskadi Irratia (öffentliches Radio) berichtet.

“Weil CAF eines der wichtigsten Unternehmen ist, die den Igartza-Preis stiften, habe ich beschlossen, auf diesen Literaturpreis zu verzichten und die Gelegenheit zu nutzen, um meine Solidarität mit dem palästinensischen Volk zu bekunden”, erklärte Saioa Alkaiza und fügte hinzu: “Jetzt, wo es Boykott-Kampagnen gegen Israel gibt, müssen wir uns zurückhalten.”

Die BDZ-Boykott-Bewegung hat die Entscheidung von Alkaiza begrüßt und den Verlag Elkar aufgefordert, “nachzudenken und mutige Entscheidungen zu treffen”. Die Bewegung erinnert daran, dass CAF zwei Projekte zur “Förderung der Produktion in baskischer Sprache“ ins Leben gerufen hat, den CAF-Elhuyar-Preis und den Igartza-Preis. BDZ hat beide Verlage kontaktiert, um sie aufzufordern, diese Kooperationen zu überdenken. Ein Ergebnis ist die Aussetzung der CAF-Elhuyar-Preise im vergangenen Juli “aufgrund fehlender Voraussetzungen für die ordnungsgemäße Durchführung des Wettbewerbs”. (naiz-baskultur)

(2025-09-13)

DIE FRANQUISTEN EROBERN SAN SEBASTIÁN

kolu71x13Vor 89 Jahren – am 13. September 1936 – fiel Donostia, spanisch: San Sebastián, in die Hände der aufständischen Franquisten. Die putsch-treuen navarrischen Requetés der Brigade Tercio de Lacar marschieren mittags unter der Führung von Ignacio Ureta Zabala durch die Calle Miracruz ein. Nach dem Verlust der Grenzstadt Irun und angesichts der Angriffe der Putschisten über Andoain, Hernani und Errenteria beschloss die Verteidigungs-Junta, trotz des erbitterten Widerstands der anarcho-syndikalistischen CNT, die Stadt zu evakuieren.

Die Faschisten hissten in San Sebastián rot-gelbe und gelbe Flaggen, sie plünderten und zerstörten die Sitze linker, republikanischer und nationalistischer Organisationen. Der Verteidigungs-Ausschuss versuchte daraufhin, eine Verteidigungslinie zu organisieren, um den Vormarsch der Franco-Anhänger aufzuhalten, doch innerhalb weniger Tage erreichte die Front im Westen Eibar und Elgeta, wo sie sich stabilisierte. Mit Ausnahme dieser beiden Orte befand sich Gipuzkoa somit in den Händen der Putschisten. / Quelle: Mikel Errazkin Agirrezabala und Juantxo Agirre-Mauleon (Hrsg.), Guerra de 1936 en el País Vasco: historia y memoria (Basque Summer University). (argia-baskultur)

(2025-09-12)

GEFOLTERT, GESCHLAGEN, SCHMUTZIGER KRIEG

kolu71x12Der Prozess der offiziellen Anerkennung von Opfern staatlicher Gewalt in Navarra hat mit sechs neuen Fällen einen weiteren kleinen Schritt nach vorne gemacht. Die Zahl der anerkannten Fälle liegt nun bei 84. Fünf dieser sechs Folter-Fälle gehen auf das Konto der spanischen National-Polizei, die Folterungen fanden in der Polizeistation in der Calle General Chinchilla in Iruñea statt.

Die Organisation Egiaren Garaia Da (Zeit für die Wahrheit) gab bekannt, dass sechs weitere Opfer staatlicher Gewalt von der Regierung Navarra im Rahmen des Regional-Gesetzes von 2019 offiziell anerkannt wurden. Es handelt sich um Jose Luis Cerezo Conde, der 1970 und 1973 zweimal von der spanischen Polizei gefoltert wurde. Joxe Lacalle Huarte, ein bekannter Fotograf der linken Tageszeitung EGIN (1998 illegalerweise von der spanischen Justiz geschlossen), der 1978 Opfer eines Angriffs der faschistischen Gruppe “Guerrilleros de Cristo Rey“ in der von ihm betriebenen Bar wurde, 1979 wurde an derselben Stelle ein Sprengsatz gezündet, und 1981 wurde er von der Guardia Civil gefoltert. Txaro Etxetxipia Senosiain, die 1983 von der spanischen Polizei gefoltert wurde. Odon Ulibarrena Iroz, der 1984 und 1985 zweimal von derselben Polizei-Einheit gefoltert wurde. Und Javier Casado Gurucharri, der 1990 ebenfalls von der spanischen National-Polizei angegriffen wurde.

“Wir betonen, dass die von der Kommission für Anerkennung und Wiedergutmachung anerkannten Fälle erneut zeigen, dass die Realität der politischen Gewalt in Navarra von den Behörden mit Verantwortung angegangen werden muss. Die Verantwortung muss von öffentlichen Stellen übernommen werden, und wir sind der Meinung, dass in diesem Fall auch die Regierung von Navarra in dieser Hinsicht Fortschritte machen muss“, kommentiert die Volks-Initiative.

Ihren Angaben zufolge wurden in Navarra bisher 84 Opfer anerkannt, darunter 6 Todesopfer. Die meisten sind Folteropfer (54), hinzu kommen 19 weitere Personen, die körperliche und / oder psychische Verletzungen erlitten haben, 2 Personen mit Sachschäden und 3 weitere Fälle, in denen mehrere dieser Umstände zusammenkamen. Egiaren Garaia Da ermutigt erneut alle, die unter diesen Formen politischer Gewalt gelitten haben, ihre Anträge auf Anerkennung einzureichen. Die Frist läuft noch bis Juli 2027, die Gruppe ist bereit, allen, die dabei Hilfe benötigen, bei der Bearbeitung zu helfen. (naiz-baskultur)

(2025-09-11)

KAMPF GEGEN KNEIPENLÄRM

kolu71x11Die größte rechte Zeitung in Bizkaia titelt folgendermaßen: “Die Anwohner liefern die erste Schlacht im Krieg um die Terrassen von Bilbao“. Die Nachbarschafts-Vereine fordern strengere Auflagen, bevor die Stadtverwaltung den Entwurf der neuen Stadt-Verordnung veröffentlicht. Es geht um kontinuierliche Nachruhestörung, vor allem im Sommer, wenn die Lizenzen bis nachts um vier verlängert werden und die Lautsprecher auf der Straße stehen.

Man könnte sagen, dass die Nachbarschafts-Verbände in Bilbao einen “Präventivschlag gestartet haben“ oder dass sie “sich die Binde umgelegt haben, bevor sie die Wunde hatten“, so die Rechtspresse weiter in ihrem kriegerischen Stil. “Aber auf jeden Fall haben sie den ersten Schritt getan und ihr Revier markiert in dem bevorstehenden Konflikt: der Verabschiedung der Verordnung, die die Gaststätten-Terrassen regeln soll“. Die Stadtverwaltung arbeitet derzeit an diesem Text, der die Interessen zweier unvereinbarer Positionen in Einklang bringen soll. Auf der einen Seite steht das Gastgewerbe, ein wichtiger Wirtschaftszweig in einer Stadt, die sich zunehmend auf Tourismus und Freizeit konzentriert und für die diese Terrassen eine der effektivsten Möglichkeiten sind, ihr Geschäft voranzutreiben. Auf Kosten … der anderen Seite: die Nachbarschaftsvereine, die sich aktiv gegen den Lärm des Nachtlebens wehren, da dieser die Nachtruhe der Anwohner beeinträchtigt oder völlig unmöglich macht. Sie beklagen sich auch über die Besetzung des öffentlichen Raums, die schwierige Begehbarkeit einiger Bereiche und die Verschmutzung, die zurückbleibt.

Ende Dezember letzten Jahres legte die Stadtverwaltung einen Entwurf für eine Verordnung zur Regulierung der Terrassen vor. Es handelt sich um eine lang erwartete Regelung, die restriktiver ist als die derzeitige: Sie sieht eine Schließungs-Zeit eine halbe Stunde früher vor, verbietet winterliche Gasheizungen im Herbst und Winter, fordert eine einheitliche Ästhetik, und vergrößert den für den Fußgängerverkehr freizuhaltenden Raum. Damals bezeichneten die Unternehmer die Regelung als “direkten Angriff auf das Gastgewerbe”. Doch für die Nachbarschafts-Vereine wird der öffentliche Raum weiterhin “privatisiert” und es werden keine Maßnahmen zum Schutz des Rechts auf Erholung ergriffen.

Bei manchen dieser Gaststätten handelt es sich nicht um alteingesessene Betriebe, sondern um Neu-Lizenzen in Wohngebieten, die bisher „in Ruhe“ leben konnten. Dies gilt vor allem für die alten Arbeiterviertel Bilbo Zaharra und San Frantzisko, wo die Stadtverwaltung mit aller Gewalt versucht, die Gentrifizierung voran zu treiben, dort werden Lizenzen für Hotels vergeben und für lautstarke Bars, die rücksichtlos am Lautstärke-Knopf drehen. Bei diesen Kneipen handelt es sich nicht um eine gastronomische Bereicherung der besagten Viertel, sondern um Yuppie-Angebote für Touristen und zahlungskräftige Gäste aus anderen Orten und Stadtteilen. Anwohner*innen und Nachbarschafts-Vereine beklagen die Yuppie-isierung und Gentrifizierung der Barrios. (baskultur)

(2025-09-10)

10. SEPTEMBER: BASKISCHE GESCHICHTE

kolu71x10Zwei Jahrestage im Zusammenhang mit Krieg sind in der baskischen Geschichts-Chronik dieses Tages zu finden. Am 10. September 1512 (vor 513 Jahren) marschierte die kastilische Armee den nördlichen Teil des baskischen Königreichs Nafarroa. Nachdem sie den südlichen Teil fast ganz unterworfen hatten, gingen sie im Norden besonders grausam vor. Sie überfielen Dörfer auf ihrem Weg, brannten Roncesvalles-Orreaga nieder und zerstörten das Kloster, sie brannten Ainhize-Monjolose, Garriz und Huarte nieder, vergewaltigten Frauen und plünderten Häuser in der ganzen Umgebung. Der spanische Bischof Bernardo de Mesa erklärte wörtlich, dass die Soldaten die Erlaubnis hätten, alles zu zerstören und zu plündern, was sie wollten, da die Navarrer Ketzer seien. Zur Verteidigung von Nieder-Navarra traten die bis dahin verfeindeten Familien der Agaramontes und der Herr von Beaumont, Lükütz, gemeinsam an. (Quelle: Joseba Asiron und Martin Altzueta, 50 wichtige Daten der Eroberung Navarras 1512-1525, Txalaparta). (argia)

Am 10. September 1981 (vor 44 Jahren) wurde Picassos weltbekanntes Gemälde “Guernica“ vom Museum of Modern Art (MOMA) in New York nach Madrid gebracht. Der Transport erfolgte ohne Vorankündigung und heimlich, nachdem die postfranquistische spanische Regierung Verhandlungen geführt hatte. Das Bild befand sich seit 1939 in New York und wurde in Madrid im Buen Retiro ausgestellt. Derzeit befindet es sich im Reina Sofía Museum in Madrid. Die Forderung nach seiner Rückführung nach Gernika ist im gesamten Baskenland verbreitet. Picasso hatte in seinem Testament verfügt, dass er die Rückgabe des Gemäldes an den spanischen Staat “befürworten würde, wenn die Republik wiederhergestellt wäre”. Dies ist bis heute nicht der Fall. Staatsoberhaupt ist ein von Franco berufenener König, das Land wird bis heute von postfranquistischen Kräften in der Justiz, bei der Polizei und im Militär dominiert, eine Neo-Franquisten-Partei mit Vertretung im Parlament will die Diktatur wieder herstellen. (argia)

(2025-09-09)

1976 VERHAFTET WEGEN ABTREIBUNG

kolu71x09bEin Urteil aus dem Jahr 1982 schuf einen Präzedenzfall und machte die Forderungen des Feminismus öffentlich: Elf Frauen aus Basauri wurden beschuldigt, freiwillig Schwangerschaften abgebrochen zu haben. - In den frühen Morgenstunden des 9. September 1976 wurden in Basauri elf Frauen festgenommen: neun wegen Abtreibung und zwei wegen der Durchführung von Abtreibungen. Frauenverbände gingen in Bilbao auf die Straße, um ihren Freispruch zu fordern: Sie besetzten Gebäude, verfassten Manifeste, mobilisierten und arbeiteten unermüdlich an einem für den Feminismus entscheidenden Rechtsstreit.

Der Prozess fand sechs Jahre später am 16. März 1982 statt, nachdem er zweimal vertagt worden war. Der Frühling dieses Jahres war besonders heiß. Die alten Gerichtsgebäude in Bilbao verfügten über keine Klimaanlagen, sodass die Fenster geöffnet werden mussten: “Die Schreie der Frauen, die draußen warteten, waren im Saal zu hören”, erinnert sich Mertxe Agúndez, eine der Verteidigerinnen. “Sie schrien: wenn Priester gebären würden, wäre Abtreibung ein Sakrament.”

Am Tag der Festnahme 1976 war die Polizei in den Wohnungen von neun der Angeklagten erschien. JGN, die zusammen mit ihrer Tochter wegen der Durchführung von Abtreibungen angeklagt war, gab den Behörden die Namen der übrigen Angeklagten preis. “Sie wurden festgenommen und verbrachten 72 Stunden auf der Polizeiwache. JGN war sieben Monate im Gefängnis“, berichtet Oihane López in ihrer Diplomarbeit über den Fall.

Die Unterstützung durch die feministische Bewegung half den Angeklagten zu verstehen, dass es sich bei ihrem Fall nicht um eine persönliche Angelegenheit handelte, “sondern dass er direkt die Entscheidungs-Freiheit aller Frauen betraf”, erzählt Mertxe. Die Verhaftung erfolgte in einer gesellschaftlich turbulenten Zeit: Diktator Franco war erst seit 295 Tagen tot. Der Richter fällte seine Entscheidung sieben Jahre später, als das Volk bereits über die Verfassung abgestimmt hatte, doch die Gesetze waren noch archaisch. “Wir gingen mit einer Fülle von psychologischen, physischen, rechtlichen und sozialen Beweisen vor Gericht. Viele waren nicht schwanger, sodass es nicht zu einer Abtreibung kam, andere konnten sich ein weiteres Kind finanziell nicht leisten“, erklärt Mertxe. “Wir wollten verhindern, dass Abtreibung Privatangelegenheit von Frauen wird.” Sie forderten, dass der Staat eine verantwortungsvolle Mutterschaft unterstützt.

Die Presse jener Zeit berichtete über den langen Gerichtsprozess. Die Entscheidung des Falles beherrschte die Titelseiten: JGN wurde wegen drei vollendeter Straftaten und einer vierten geplanten verurteilt. In der Urteils-Begründung wurde festgehalten, dass die Strafe durch die Untersuchungshaft und die Verzögerungen des Verfahrens bereits verbüßt worden war. Der zuständige Richter entschied, dass sie Anspruch auf die staatlich ausgesprochenen Begnadigungen von 1975 und 1977 hatte. Die übrigen wurden freigesprochen.

Keine der Angeklagten hat sich seitdem wieder zu Wort gemeldet. Die Zeitungen berichteten nur über die Aussagen einer von ihnen: “Wir sind sehr glücklich. Ich habe noch nie getanzt, aber heute werde ich tanzen.“ Vielleicht ohne es zu wissen, knüpfte sie damit an das alte feministische Motto von Emma Goldman an: “Wenn nicht getanzt werden kann, ist es nicht meine Revolution.“ (pikara-baskultur)

(2025-09-09)

FRAUEN, DIE DEN GEFANGENEN VON EZKABA HALFEN

kolu71x09Der Kurzfilm “Emakumeak” (Frauen) würdigt die Frauen, die den Gefangenen der Gefangenen-Festung auf dem Ezkaba-Berg vor Pamplona (bask: Iruñea) zu Hilfe kamen. Zwischen 1934 und 1945 stiegen Gruppen von Frauen zur Festung San Cristobal am Ezkaba-Berg hinauf, um die Gefangenen zu unterstützen, die unter unmenschlichen Bedingungen in diesem Gefängnis eingesperrt waren. All diesen Frauen möchte der poetische Kurzfilm “Emakumeak” Tribut zollen, der derzeit in der Umgebung von Iruñea gedreht wird. Auf denselben Pfaden, die die Frauen, die zwischen 1934 und 1945 nutzten, wird dieser Kurzfilm gedreht, eine poetische Reise mit der Regisseurin Beatriz M. Larragueta, die eine jahrzehntelang verborgene Geschichte bekannt machen soll.

Das Team verwendet eine analoge 16-mm-Kamera, mit der moosbedeckten Felsen oder Schmetterlinge gesucht werden, für die Aufnahmen, die Larragueta für ihre poetische Reise in die Vergangenheit benötigt. Die Dreharbeiten sollen eine Woche dauern, dazu kommt das Filmmaterial, das die Regisseurin bereits selbst gedreht hat. All dies auf der Strecke von Artika bis zum Gipfel des Bergs, wo noch immer die Festung steht, die in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts zu einem Gefängnis umgebaut wurde. Ab 1934 wurden dort politische Gefangene festgehalten, zunächst aus der Revolution von Asturien und nach dem Staatsstreich von 1936 alle, die nicht zu den faschistischen Putschisten gehörten.

Während die Männer unter unmenschlichen Bedingungen dort zusammen gepfercht waren, stiegen ihre Frauen, Mütter, Schwestern und Frauen, die sie gar nicht kannten, den Berg hinauf, um sie zu versorgen, ihnen Essen zu bringen, ihre Kleidung zu waschen und sie zum Durchhalten zu animieren. Diesen heldenhaften Frauen will der kurze Dokumentarfilm “Emakumeak” Tribut zollen, indem er eine Geschichte erzählt, die Larragueta “zufällig beim Lesen eines Buches über die Festung” entdeckt hatte, eine Anlage, die “immer nahe unseres Hauses stand, weil ich aus dem Stadtteil Rotxapea stamme. Vom Balkon unseres Hauses aus kann man die Festung erahnen”.

Poetische Reise zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Ausgehend von dieser ersten Annäherung “begann ich, ein wenig über ihre Geschichte zu recherchieren und stieß auf ein Buch mit drei Erfahrungsberichten von Frauen, die erzählten, wie sie sich organisierten und zur Festung hinaufstiegen, um den Gefangenen zu helfen. Das weckte mein Interesse, denn ich kannte die Geschichte dieser Frauen nicht”. Als ich weiter recherchierte, stieß ich schließlich auf das Buch “Tejiendo redes“ (Netzwerke knüpfen) von Amaia Kowasch, “das beeindruckend ist, da sie sieben Jahre lang Interviews mit diesen Frauen geführt hat. Dieses Buch ist die Grundlage für die Zeugenaussagen in der Dokumentation“.

Es handelt sich jedoch nicht um eine historische Nachstellung, sondern um eine poetische Reise zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die den Weg der Solidarität nachzeichnet, den diese Frauen eingeschlagen haben. Larragueta hat sich für diese Form entschieden, weil “es sich um eine Geschichte handelt, die sich vor 90 Jahren zugetragen hat, und ich keine Lust hatte, einen gewöhnlichen Dokumentarfilm zu drehen, da keine der Frauen von damals mehr lebt“. Es handelt sich also um „einen eher experimentellen Film, in dem ich mich dieser Geschichte über die Elemente des Berges, der Natur, der Blätter, der Erde, des Territoriums selbst nähere. Es ist, als würde ich versuchen, über den Berg Ezkaba, über den sie zur Festung gelangten, eine Verbindung zu diesen Frauen herzustellen.“ Mit einer Off-Stimme, die die Solidarität erklärt. Das ist ihre Art, sich einer Geschichte zu nähern, “die mich beeindruckt hat, weil sie so nah bei mir stattfand und doch unbekannt war. Sie lag in der Luft, aber man entdeckt sie erst, wenn man innehält und nachforscht“.

Die unsichtbare Hälfte der Geschichte

Eine Geschichte mit verschiedenen Epochen. „Es die von 1934, als die Frauen weniger heimlich hinaufstiegen, Jotas sangen und nicht so sehr in Gefahr waren. Aber ab 1936 wurde es viel komplizierter. Diejenigen, die hinaufgingen, mussten begleitet werden, damit ihnen nichts passierte, heimlich. Es waren verschiedene Gruppen, nicht nur eine einzige.“ Diese Heimlichkeit wurde so lange bewahrt, dass die Besuche zu “einem Teil der Geschichte wurden, der verborgen geblieben ist. Man weiß viel über die Festung, die Bedingungen der Gefangenen, die Flucht von 1938, die größte in Europa. Aber die Geschichte dieser Frauen ist nicht bekannt, obwohl sie eine Stütze für die Gefangenen waren, weil sie ihnen saubere Kleidung, Briefe von Familienangehörigen, Geld brachten, denn viele kamen nicht aus Navarra. Sie haben sehr geholfen. Das ist die andere Hälfte der Geschichte, die bisher nicht sichtbar war.“

Soziale Berufung

Um dieses Projekt zu verwirklichen, wurde Larragueta von der Produktionsfirma El Rayo Verde aus Navarra unterstützt. Eine der Verantwortlichen betont, dass der Kurzfilm “eine starke soziale Berufung“ habe, zu der “die feministische Perspektive und das innovative Format“ hinzukämen. Ende des Jahres soll der Film fertig sein und Anfang nächsten Jahres in den Vertrieb gehen. Danach beginnt „eine zweijährige Festival-Tournee mit der Premiere in Zinebi (Bilbao)”. Arbeitsplan für einen ungewöhnlichen Kurzfilm, der diese Woche am Fuße des Berges Ezkaba und inmitten von Schmetterlingen entsteht. Insekten, die einen verstorbenen geliebten Menschen symbolisieren und in dieser visuellen Hommage die im Gefängnis von Ezkaba verstorbenen Häftlinge darstellen und die Frauen, die ihr Leben riskierten, um ihnen zu helfen. (naiz-baskultur)

(2025-09-08)

EHRUNG DER OPFER VON OTSAPORTILLO

kolu71x08Sakana ehrt die Verschwundenen / Ermordeten in der Schlucht von Otsaportillo. Auch in diesem Jahr sind die Dörfer des Sakana-Tals am Sonntag zur Felsgrube von Otsaportillo aufgestiegen, wo die Leichen von vierzehn Menschen in eine Felsspalte geworfen wurden. Sie waren 1936 von faschistischen Repressionskräften hingerichtet worden waren, danach taten sie alles, um die Leichen verschwinden zu lassen. Bei der Ehrung wurden Lieder gesungen, es wurde getanzt, rote Nelken wurden niedergelegt.

In diesem Jahr lag die Organisation der jährlichen Veranstaltung in Otsaportillo turnusgemäß bei den Gemeinden Lakuntza und Arruatzu. Die Ortschaften von Sakana wechseln sich ab, um die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten, die in diese Felsgrube geworfen wurden, um ihre Hinrichtung zu verbergen und ihre Familienangehörigen mit falschen Geschichten darüber zu quälen, dass sie abgehauen seine. 14 Leichen wurden in Otsaportillo, einem Waldstück auf der Urbasa-Hochebene in die Erdgrube geworfen, es handelt sich um die bekannteste und repräsentativste der natürlichen Gruben in Navarra, die nach dem Putsch zu Massengräbern wurden. Seit 2019 gilt sie offiziell als Ort der Erinnerung und ist mit Schildern und einer Skulptur gekennzeichnet.

Die verschiedenen Exhumierungsmaßnahmen (2016-2017) der Wissenschafts-Gesellschaft Aranzadi haben es ermöglicht, die Überreste zu bergen. DNA-Untersuchungen haben zur Identifizierung von acht Opfern geführt: Víctor Urkijo, José Úbeda, Claudio Doroteo Diéguez, Melitón Aguirre, Miguel Vergara, die Brüder Domingo und Francisco San Román Ochoa sowie Francisco San Román Galbete. Bei der Gedenkfeier erklang das Lied von Eñaut Elorrieta, das die Tragödien von Gernika und Gaza miteinander verbindet, wie Gorka Ovejero, Bürgermeister von Arruatzu erklärte. Außerdem gab es Musik von Rubén Blades und Lieder, die Maravillas Lamberto (einem weiteren Opfer der Franquisten) gewidmet waren. In Navarra gab es keinen Krieg, dennoch wurde 1% der Bevölkerung von den Faschisten ermordet (3.600).

Der Völkermord am palästinensischen Volk war überaus präsent, mit einem Tuch, die das Rednerpult bedeckte, und weiteren, die mehrere Teilnehmer um den Hals trugen. Die Zeremonie wurde mit Bertsos von Maddalen Arzallus und der Inszenierung einer Großmutter fortgesetzt, die ihrem Enkel die Grausamkeit der Unterdrückung durch die faschistische Seite vermittelt. Besonders bemerkenswert war, dass die Großmutter von Maite San Román gespielt wurde, die selbst Enkelin einer der Personen ist, die in die Schlucht geworfen wurden. Außerdem wurde ein Manifest von lokalen Aktivisten für die historische Erinnerung verlesen, woraufhin ein Aurresku getanzt wurde und die Anwesenden unter der Gedenkskulptur rote Nelken niederlegten.

Die Anwesenden erinnerten an Lázaro Alegría, Zimmermann und Mitglied der CNT von Lakuntza, und an Simón Betelu, Mitglied der Republikanischen Linken und gebürtig aus Arruatzu. Denn die Veranstaltung in Otsaportillo ist in der Praxis eine Hommage an alle Opfer der Repression im Sakana-Tal. “In Urbasa finden wir neben Otsaportillo noch weitere Orte, die von der Barbarei gezeichnet sind: die Grube von Raso, den Baum der Lehrer und den Aussichtspunkt von Ubaba. Auch in Sakana hallen die Namen Sorozarreta, Kreuz von Zegama, Zarapin oder Aritzalko nach”.

Es handelte sich jedoch nicht um einen reinen Akt der Erinnerung und Trauer. Die Botschaft enthielt auch einen Aufruf, weiterhin für die Ideen einzustehen, für die all diese Menschen getötet wurden. “Mehr denn je, kurz vor dem 90. Jahrestag des faschistischen Militärputsches von 1936, sehen wir, wie der Faschismus und die gesamte Macht der extremen Rechten, die sich gesammelt hat und nicht verstummt ist, in verschiedenen Teilen der Welt wieder auftaucht. Angesichts dieser Bedrohung erheben wir von Sakana und aus ganz Euskal Herria unsere Stimme: Sie werden nicht durchkommen! Der Kampf geht weiter, als Erbe des Strebens nach Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit jener Generationen“, so der Ruf aus Otsaportillo. (naiz-baskultur)

(2025-09-07)

SPIELFILM ÜBER DIE LEGION CONDOR

kolu71x07Der Regisseur Iker Reyes aus Vitoria dreht seinen ersten Spielfilm “Gaubela”. Nach den Dreharbeiten in Zegama (Gipuzkoa) Ende August zieht das Filmteam nach Gujuli (Bizkaia) um, um die Arbeit abzuschließen. Thema des Films: Es ist Mai 1937, in einem Bauernhaus in der Nähe des Berges San Pedro. Drei Schwestern leben aufgrund des spanischen Bürgerkriegs isoliert an diesem Ort in Álava. Zusammen mit der Legion Condor bereiten sich die Franco-Anhänger darauf vor, das Gebiet zu bombardieren. Währenddessen werden sie von der Ankunft einer Figur überrascht, die sie für einen Engel halten. Das sind die Grundzüge der Geschichte, die Gaubela erzählen wird, der erste Spielfilm des Regisseurs, Drehbuchautors und Produzenten Iker Reyes aus Vitoria-Gasteiz. “Meine Art, Filme zu machen, ist eine Einladung zum Nachdenken. Es geht darum, Dinge zu überdenken, uns Fragen zu stellen, die wir uns vielleicht noch nie gestellt haben”, sagt der Filmemacher.

Die Dreharbeiten dauern nur zwei Wochen. Letzte Woche arbeitete das künstlerische und technische Team in Zegama. Diese Woche wird die Arbeit in Gujuli abgeschlossen. “Der wahre Krieg des Films ist das Filmen selbst, das Abwägen unserer Mittel und Möglichkeiten. Aber trotz allem bringen wir das Projekt auf die eine oder andere Weise voran“, beschreibt Reyes die Produktion mit Itziar Manero, Laura Meabe und Andere Garabieta in den Hauptrollen.

Übung des Erinnerns

Wie der Autor selbst erklärt, “ist Gaubela eine Übung des Erinnerns an den Bürgerkrieg, fernab von den Kriegs-Geschichten, die so oft dazu gedient haben, Gewalt zu verherrlichen. Mich interessiert die Stille, eine bedrückende Stille, die das Unaussprechliche bewahrt, die in der Zeit-Dimension festhält, was Worte nicht erreichen können”.

Das ist es, was ein Film sucht, der auf 16-Millimeter-Film, in Schwarz-Weiß und auf Baskisch gedreht wird. “Es sind Entscheidungen, die fast wie ein Akt des Widerstands getroffen wurden, denn die Erinnerung befindet sich nicht in Denkmälern oder in den Archiven der Macht, sondern in den müden Körpern, im schmerzhaften Schweigen, in dem, was niemals erzählt werden sollte und dennoch überlebt.“

Drei Schwestern sind die Protagonistinnen einer Geschichte, die mitten im Krieg in einem Bauernhaus in der Nähe des Berges San Pedro spielt. Allerdings betont Reyes: “Mit meinen Filmen möchte ich keine politische Botschaft oder meine Haltung vermitteln. In meinen Filmen versuche ich, das Tempo zu drosseln, damit der Zuschauer Zeit zum Nachdenken hat und die Bilder ihn an verschiedene Orte führen. Es wäre lächerlich, meine Filme auf bestimmte, fast propagandistische Botschaften zu beschränken. Meine Art, Filme zu machen, ist eine Einladung zum Nachdenken. Es ist fast so, als würde man sich selbst gegenübertreten, sich Zeit zum Nachdenken nehmen und über Dinge nachdenken, die man sich vielleicht noch nie zuvor überlegt hat.“

In Rekordzeit

Das Treffen mit dem Publikum muss allerdings noch warten. Zunächst muss ein Dreh abgeschlossen werden, der in Rekordzeit produziert wird, vor allem wenn man bedenkt, wie die Zeitpläne bei den meisten audiovisuellen Produktionen heute aussehen. “Wir haben einen Drehplan, der eingehalten wird. Letzte Woche war es etwas einfacher, weil wir im Inneren des Bauernhauses gedreht haben. Jetzt gehen wir nach draußen, wo der Krieg präsenter ist“, erzählt er.

Reyes ist sich jedoch sicher, dass “dieser Film aus verschiedenen Gründen eine Anomalie ist“. Nicht nur, weil er in nur zwei Wochen gedreht wird, sondern auch aus anderen Gründen. “Es ist ein lächerlich kleiner Film. Was in Spanien als Mindestbudget gilt, sind 800.000 Euro oder eine Million. Dieser Film wird mit etwas mehr als 50.000 Euro realisiert.“ Alles daran ist anders, “wegen der Art und Weise, wie er gedreht wurde, wegen der Art des Films und wegen der Arbeitsweise sowohl des technischen als auch des künstlerischen Teams“.

“In 16 Millimeter, in Schwarz-Weiß und auf Baskisch zu drehen, sind Entscheidungen, die fast wie ein Akt des Widerstands getroffen wurden“, sagt der Filmemacher

Jetzt kristallisiert sich eine Arbeit heraus, die vor etwa zwei Jahren begann, als das Drehbuch, die Produktionsmethoden, das Casting, die Drehorte entwickelt wurden. “Es gab viele Gespräche darüber, wie dieser Film gemacht werden muss. Wenn ich sage, dass der Film ein Kampf war, dann war er das auch. Die Vorbereitungszeit war auch nicht besonders lang, denn ich kenne Leute, die für ihren ersten Spielfilm viele Jahre brauchen. In meinem Fall sind es zwei Jahre, weil ich mich dafür entschieden habe. Ich konnte mich dafür entscheiden, jetzt zu drehen und nicht darauf zu warten, dass ich Fördermittel von der baskischen Regierung oder dem ICAA (Institut für Kinematografie und audiovisuelle Künste) bekomme. Ich habe mich davon gelöst. Ich habe beschlossen, meinen Film jetzt zu drehen, und so ist es auch gekommen.“

Nach dem Kurzfilm “Egun atseginak egongo dira“ (Es werden angenehme Tage sein) und dem mittellangen Film “Otsoaren ahoan“ (Im Schlund des Wolfes) kommt Reyes nun mit Gaubela. “Das sind sehr kleine Arbeiten. Ich war allein, vielleicht mit ein oder zwei Leuten, die mir dabei geholfen haben. Es sind zwei sehr guerillamäßige Arbeiten in dem Sinne, dass ich mit einer meiner Kameras allein war. Ich kann die Personen, mit denen ich daran gearbeitet habe, an den Fingern einer Hand abzählen“, beschreibt er und erwähnt unter diesen Mitarbeitern Meabe selbst, Marieta Colomo und Andrés Martínez.

Dieser erste Spielfilm ist in dieser Hinsicht allerdings anders. “Jetzt muss ich mich mit der Verantwortung auseinandersetzen, zwischen 20 und 30 Personen zu leiten. In diesem Fall hatte ich großes Glück, dass ich mir die Leute, mit denen ich arbeiten möchte, aussuchen konnte, vor allem die Abteilungsleiter. Bis jetzt kann ich sagen, dass mir mein Team die Arbeit leicht macht. Ich glaube, die Leute wissen, um was für ein Projekt es sich handelt. Sie wissen, dass dieser Film kein industrielles Kino ist, wie es in Spanien gedreht wird, und das motiviert die Leute hier, sich besonders anzustrengen. Ich spüre, dass die Leute engagiert sind.“

Letztendlich zählt alles, wenn es darum geht, einen Spielfilm zu drehen, bei dem Xabi Martínez für die Kamera verantwortlich ist. Gaubela, geschrieben und produziert von Iker Reyes, in Koproduktion mit Elías Querejeta Zine Eskola und der Filmschule des Baskenlandes, wird Anfang September abgedreht sein. Dann beginnt ein weiterer wichtiger Prozess, nämlich die Postproduktion. Danach ist das Publikum an der Reihe, die Menschen, die in diese Geschichte eintauchen wollen. (noticiasdealava-baskultur)

(2025-09-06)

FILMFESTIVAL UND MENSCHENRECHTE

kolu71x06Das Internationale Film-Festival Zinemaldia von Donostia, San Sebastian, eines der bekanntesten in Europa, geht in seine 73. Edition. Kurz vor Beginn haben die Verantwortlichen das Programm vorgestellt und sich dabei nicht auf filmische Ankündigungen beschränkt. Zinemaldia ist nicht nur Kino und Unterhaltung, sondern auch Politik. Zwei Wochen vor Beginn hat das Leitungskomitee von Zinemaldia am Freitag öffentlich “den Völkermord und die unvorstellbaren Massaker, die die Regierung von Benjamin Netanjahu in Gaza verübt” verurteilt und einen Waffenstillstand sowie die Freilassung aller Geiseln der Hamas gefordert.

Der Direktor von Zinemaldia José Luis Rebordinos auf Spanisch, und die Kommunikationsleiterin des Wettbewerbs Ruth Pérez de Anucita auf Baskisch, verlasen eine entsprechende Erklärung bei der Pressekonferenz, die einberufen wurde, um die letzten Details des Festivals bekannt zu geben, das vom 19. bis 27. September stattfindet.

Das Leitungskomitee des Festivals in San Sebastián verteidigt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und hält es für notwendig, einen “allgemeinen Aufruf zur Demokratie zu starten und angesichts der Vielzahl autoritärer Tendenzen und Diskurse, die derzeit zu falschen Gleichsetzungen mit diktatorischen Regimes führen, auf deren Schwächen hinzuweisen”, betonten sie. “Nein, Diktatur ist nicht dasselbe wie Demokratie. Nein, die Achtung der Menschenrechte ist nicht dasselbe wie ihre systematische Verletzung. Wir aus der Welt der Kultur brauchen Demokratie und Menschenrechte, um zu existieren, um die Freiheiten unserer Gesellschaften zu schützen”, warnen sie. Es ist bekannt, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte “täglich verletzt” wird, und zwar an vielen Orten der Welt zu gleicher Zeit.

Die Festivalleitung hielt es für notwendig, öffentlich ihre Ablehnung “des Völkermords und der unvorstellbaren Massaker zu zeigen, die die Regierung von Benjamin Netanjahu gegen das palästinensische Volk seit dem Angriff der Hamas und anderer Milizen am 7. Oktober 2023 verübt“, die ebenfalls verurteilt werden. “So viel Grausamkeit, so viel Terror sind unerträglich. Wir sind voller Wut und Schmerz angesichts dieser Ungerechtigkeit.“

“Sie töten palästinensische Zivilisten. Sie töten Mädchen und Jungen. Sie töten Journalisten und humanitäre Helfer. Sie setzen Hunger als Waffe ein. Sie verhindern und behindern den Zugang zu humanitärer Hilfe“, erklärten sie. “Sie erzwingen Massenumsiedlungen der palästinensischen Bevölkerung. Sie zerstören Gebäude. Sie bombardieren Krankenhäuser. Sie demütigen, erobern, vernichten. Sie zerstören Gaza. Sie missachten das Völkerrecht“, haben sie hinzugefügt.

“So viel Grausamkeit, so viel Terror sind unerträglich. Wir sind voller Wut und Schmerz angesichts dieser Ungerechtigkeit“, wurde hinzugefügt. “Es ist unsere Pflicht, heute die systematische und planmäßige Verletzung der Menschenrechte, den Völkermord, den die Regierung Netanjahu begeht, zu verurteilen“, erklärten die Vertreter des Zinemaldia und forderten, “auch wenn es naiv erscheinen mag“, einen sofortigen Waffenstillstand und die Freilassung aller Geiseln, die von der Hamas entführt wurden. “Wir wünschen uns ein zukünftiges friedliches Zusammenleben der israelischen und palästinensischen Bevölkerung“, schlossen sie. (naiz-baskultur)

(2025-09-05)

DIE WIEDERGEBURT VON ETA

kolu71x05Nimm den Spaniern ihr Lieblings-Spielzeug weg und sie schießen mit Kanonen auf Spatzen: die empfindliche Störung der Spanien-Rundfahrt der Radler hat die spanische Ultrarechte im Mark getroffen. Die ETA-Leute von immer seien es gewesen, die für so viel Unruhe gesorgt hätten, dass die Bilbao-Etappe nicht zu Ende gebracht werden konnte – tatsächlich ein voller Erfolg der Solidaritäts-Bewegung mit Palästina. Die Demonstranten seien nicht nur gegen Israel, sie seien direkt von Hamas gesteuert, sagte der Presse-Faschist Jimenez-Losantos ins Mikrofon. Von Völkermord ist bei dieser Art von Leuten – ansonsten überzeugte Antisemiten – nicht die Rede, ihr Islam- und Araber-Hass ist grenzenlos.

Ins selbe Horn blies erwartungsgemäß der Bürgermeister der solidarischen Stadt, der das internationale Bild der Stadt beschmutzt sieht. Derweil kommen Glückwünsche aus alle Welt nach Bizkaia, wo es derzeit kein anderes Thema mehr gibt. Wenn es in Bilbao die seit 15 Jahren nicht mehr existierende ETA war, die für den Stopp der Rundfahrt verantwortlich gemacht wird, werden die Neoliberalen und Neofaschisten Probleme haben, weshalb zwei Etappen später in Asturien ebenfalls wegen Protesten auf der Straße ein Zwischenstopp eingelegt werden musste. Solidarität beschränkt sich nicht auf das Baskenland oder “ETA“, sie ist überall. Mittlerweile sprechen sich die Verantwortlichen der Rundfahrt offen dafür aus, den Rücktritt des Team Israel zu fordern, das gleichzeitig volle Rückendeckung bekam von keinem geringeren als dem Ober-Völkermörder Netanjahu selbst, der “sein Team“ für die Weiterfahrt beglückwünschte. Wer hätte es gedacht! In Asturien sprach sich sogar die sozialdemokratische Regionalregierung für einen sofortgien Ausstieg des Israel-Teams aus: “Wir fordern das Team auf, die Rundfahrt zu verlassen. Wir können vor dem Massaker in Gaza nicht die Augen verschließen“. Im Gegensatz zur baskischen Regierung sorgte sich die asturische offenbar weniger um ihren internationalen Ruf als öko-touristisches Ziel.

Das sport-politische Unwetter erreichte auch den baskischen Ministerpräsidenten Pradales, der vor wenigen Tagen noch gesagt hatte, er wünsche sich von der baskischen Firma CAF (die in Jerusalem eine völkerrechts-widrige Straßenbahn baut), eine “ethische Reflektion“, deren Ergebnis er allerdings so oder so akzeptieren werde. Dafür wurde er von der BDZ-Bewegung scharf kritisiert, die sich für den Boykott Israels einsetzt. Sie hat dem Lehendakari vorgeworfen, in einem Interview in Euskadi Irratia "absichtlich und grob gelogen" zu haben, was die Firma CAF betrifft. CAF ist eines der Unternehmen, die wegen ihrer Verbindungen mit dem zionistischen Projekt angeprangert wurden, insbesondere wegen des Baus der Jerusalemer Straßenbahn, die nach dem Urteil der UNO illegale israelische Siedlungen fördert. "Pradales weiß sehr gut, dass er nicht die Wahrheit sagt, wenn er behauptet, dass das Projekt, das CAF in Jerusalem entwickelt hat, jemals legal war", betont die BDZ-Bewegung und erinnert daran, dass Francesca Albanese, UN-Berichterstatterin für Menschenrechte, die Straßenbahn bereits in einem Bericht aus dem Jahr 2019, als es an CAF vergeben wurde, als illegal bezeichnet hat.

Und wer ist das Team Israel? Finanziert von einem Multi-Millionär, der lauthals erzählt, wie stolz er ist, “ein Zionist zu sein“, enger Freund des Ober-Völkermörders, mit spanischem Teamchef und Fahrern aus Kanada, USA, England, Frankreich, Italien, Australien, Tschechien, Deutschland, Belgien, Kasachstan und Litauen. Und einem einzigen Israeli. Millionen aus israelischen Kassen für das Weißwaschen des Namens – Sportswashing. (baskultur)

(2025-09-04)

WEG MIT SPERRGITTERN UND SPORTSWASHING

kolu71x04Einen Tag nach dem medialen Erfolg, aus Protest gegen die Teilnahme eines Israel-Teams eine Vuelta-Etappe in Bilbao gestoppt zu haben, schlägt das rechte Establishment zurück: das öffentliche Bild der Stadt und der Provinz sei beschädigt worden, dazu der übliche Diskurs über die nicht akzeptable Gewalt. Die Provinz-Chefin der baskischen Rechten, Elixabete Etxanobe: “Was gestern in Bilbao passiert ist, schadet dem Image von Bizkaia und dem Baskenland.“ Bereits diese Feststellung muss korrigiert werden, denn das Bild beschädigt wurde nur in Kapitalistenkreisen, im Tourismus-Sektor – nicht aber in der weltweiten Palästina-Solidarität, die seit gestern mit Hochachtung nach Bilbao schaut.

Nächstes Thema: Gewalt. Was ist passiert? Ein paar Absperrgitter an der Fahrbahn wurden verschoben, mehr nicht. Keine zertrümmerten Busscheiben, wie faschistische Fußballfans dies praktizieren, keine persönlichen Angriffe. Gewalt gegen Sperrgitter. Es ist zynisch, diese Gewalt in den Vordergrund zu stellen, angesichts eines täglich live übertragenen Massenmords durch Israel gegen die Palästinenser*innen. Dasselbe Israel, dass für sich in Anspruch nimmt, in aller Normalität an internationalen Sport-ereignissen teilzunehmen. Sportswashing ist der Begriff dafür. Wer diese Normalität akzeptiert, hat Blut an den Händen. “Menschen sterben und ihr schweigt, Fenster klirren und ihr schreit“ war ein Spruch der Hausbesetzer-Bewegung der 1980er Jahre, er gilt bis heute.

Die Solidarität mit den Unterdrückten und ermordeten in Palästina wird jetzt als “Barbarei“ und als “unsozial“ diskreditiert. Über allem in der Welt steht das Image einer sauberen, touristischen, neoliberalen Stadt mit “den besten Bürgermeistern der Welt“, so die offizielle Lesart. Bislang war diese Strategie, glamouröse (touristische) Veranstaltungen anzuziehen, immer aufgegangen: im Mai das fatale Finale der Europa League, vor zwei Jahren mit der Tour, zuvor mit Rugby, der Basketball-Weltmeisterschaft ... Bis gestern. Endlich! Die Anwesenheit des Teams Israel Premier Tech verschärfte die Proteste, die nach mehreren Zwischenfällen während der Etappe im Stadtzentrum ihren Höhepunkt erreichten.

“Die gewalttätigen Proteste einiger weniger für Palästina haben die Feier ruiniert” – bleibt abzuwarten, was die Überlebenden in Gaza dazu sagen, wenn sie die Bilder aus Bilbao sehen. Die Bilanz am Ende des Nachmittags war je nach Standpunkt unterschiedlich: ein bedauerlicher Imageschaden für die eine Seite, ein voller Erfolg für die solidarische Seite. Was bedeuten schon ein paar kaputte Zäune, wenn in Gaza Hunderte von Menschen getötet werden?

Der Druck der Demonstrant*innen, die versuchten, die Fahrbahn zu stürmen, die Menge an Fahnen und die aufgeheizte Stimmung, als das Feld zum ersten Mal vorbeikam, waren so groß, dass es kein zweites Mal gab. Ein voller Erfolg für die Solidarität der Bevölkerung. Das Rennen wurde drei Kilometer vor dem Ziel ohne Sieger beendet. Dieses Ende ohne Ende war für viele Radsportfans eine große Enttäuschung, aber einige haben es auch verstanden. Denn viele von ihnen waren gleichzeitig sensibel gegenüber den Massakern, die Israel in Gaza verübt.

Aber bleiben wir bescheiden über diesen Etappensieg, dem viele kleiner andere Siege folgen müssen, um das eigentliche Ziel – das Ende des Zionismus in Palästina – zu erreichen. In dieser Form geplant war das “skandalöse Etappen-Ende“ auf keinen Fall. Die Absicht war vielmehr, den Finaleinlauf mit einem Meer von Palästina-Fahnen zu bestücken und lautstark deutlich zu machen, dass in Bilbo zionistisches Sportswashing nicht hingenommen wird. Ohne größere Mobilisierung kamen Menschen in einer Zahl, die nicht geschätzt werden kann, weil sie über das ganze Zentrum verteilt waren.

Das Verstellen der Sperrgitter war nichts als eine Provokation, von der klar war, dass sie von den Prügeltrupps der baskischen Polizei sofort unterbunden werden würde. An ein “Stürmen“ der Fahrbahn dachte im Traum niemand. Der Erfolg bahnte sich langsam an und ist bei Weitem nicht allein den Aktivist*innen in Bilbo zu verdanken. Bereits in Katalonien wurde das Rennen kurz gestoppt, in Navarra ebenfalls und überall, wo das Team Israel durchkam. Den Verantwortlichen steckte das Thema bereits in den Knochen, deshalb äußerten sie sich auch verhältnismäßig klar zur Lösung des Problems. Sogar Radfahr-Kollegen deuteten an, dass die Absage des umstrittenen Teams das Beste für alle wäre. Bilbao hat nur den Punkt auf das I gesetzt – “mit allen notwendigen Mitteln“ wie Malcolm X dazu gesagt hätte. (baskultur)

(2025-09-03)

ÜBERRASCHEND GEWONNEN

kolu71x03bKaum vorzustellen: 150 Sportler gehen ins Rennen und keiner gewinnt, weil die Fans, die Zuschauer*innen den Einlauf unmöglich gemacht haben. Selbiges ereignete sich heute bei der Bilbao-Etappe der so genannten Spanien-Rundfahrt der Radler. Seit Monaten wird der Ausschluss israelischer Vereine und Sportler*innen von internationalen Wettbewerben gefordert, verstärkt im Baskenland, wo Solidarität und Mitgefühl mit den geschundenen Palästinenser*innen besonders stark ausgeprägt ist. Bisher kam dieser Forderung – trotz fortgesetztem Kolonialismus und Völkermord – keine verantwortliche Stelle nach. Wenn die Politik versagt, muss die Straße antworten. Auf baskische Art, auf Bilbao-Art.

Schon vorherige Etappen konnten nicht ganz störungsfrei durchgeführt werden. In Katalonien wurde das umstrittenen Team Israel (das einzige, das im Radsport einen Landesnamen trägt, sicher kein Zufall) beim Team-Zeitfahren durch pro-palästinensische Menschenrechts-Freundinnen gestoppt, auch in Navarra gab es deutliche Proteste, so durfte alles gespannt sein auf die Bilbao-Durchfahrt. Die Internationalismus-Bewegung hatte eine passende Antwort parat: ohne große Mobilisierung gingen Tausende zur Begrüßung an die Etappen-Strecke, mit schwarz-weiß-grün-roten Fahnen ausgerüstet. Ein Fußballspiel mit 50.000 kann von der Polizei vielleicht noch kontrolliert werden, nicht aber eine Strecke von 200 Kilometern.

Bereits unterwegs durch Bizkaia kam es mehrfach zu Protest-Zwischenfällen, Bilbao war die Krönung, die Verantwortlichen waren derart beeindruckt, dass sie das Ziel vorverlegten und die Etappe neutralisierten. Aus der baskischen Politik kamen die zu erwartenden Reaktionen, von unzivilisiertem Verhalten war die Rede, von unsportlichem Benehmen, die alte Leier. Aus dem Rad-Bereich hingegen kamen vorsichtigere Einschätzungen. Das Problem (Israel-Team) müsse schleunigst angegangen werden, und Lösung gäbe es nur eine. Nicht glasklar aber ziemlich deutlich. Was war passiert? Mehrfach waren Solidarische auf die Straße gelaufen und hatten den Fahrerpulk gebremst. Am Zieleinlauf wurden Absperrungen auf die Straße gedrückt, Polizei griff ein, die Durchfahrt wurde eng, zu eng für einen Endspurt. Gewaltsame Aktion sei nicht legitim – eine seltsame Interpretation angesichts von 65.000 Morden in Gaza. Ganz im Gegenteil hätten es mehr Absperrungen sein können, um den letzten Zweifel an der Durchführbarkeit des Rennens mit Israel-Beteiligung zu beseitigen.

Der Bürgermeister von Bilbo wird eine schlaflose Nacht haben, wenn er nur lange genug an seine widerständischen Bürger*innen denkt. Es sei ihm gegönnt! Sorgen wird er sich machen über die Negativ-Schlagzeilen, die “die Vorfälle“ auf die Titelseiten bringen – immerhin die erste neutralisierte Vuelta-Etappe in 80 Jahren Geschichte. Untrennbar mit dem Namen Bilbao verbunden. Selbst die Sportpresse sprach respektvoll von der nachhaltigen Reaktion des Bilbo-Publikums. Einen Tag lang wird die Nachricht in den Sportseiten weit oben stehen, auch den vielen noch verweilenden Tourist*innen wird der volkstümliche Auflauf nicht verborgen geblieben sein. In Bilbo hat die Straße gesprochen, wie in den besten Zeiten. Trotz neutralisiertem Rennen ohne Podium sprechen manche von einem Gewinner der Etappe: Palästina. Ein Tagessieg, zum Erfolg bei der ganzen Rundfahrt fehlt noch viel Straße. (baskultur)

(2025-09-03)

VERSCHMUTZUNG DURCH MASSEN-TIERZUCHT

kolu71x03Fünf Verantwortliche der riesigen Tierzucht-Farm Valle de Odieta sitzen wegen mutmaßlicher Umweltverbrechen auf der Anklagebank. Die Mitglieder des Verwaltungsrats der Genossenschaft Valle de Odieta, Eigentümerin der Großfarm von Caparroso, wurden wegen Umweltverbrechen vor Gericht gestellt. Seltsamerweise haben sie nach Erhalt einer Umweltverträglichkeits-Erklärung der Regierung von Navarra eine Bescheid erhalten, dass der Betrieb noch weiter vergrößert werden kann.

Die Staatsanwaltschaft fordert viereinhalb Monate Haft, während die Nebenklage, die im Namen von Sustrai und Greenpeace (Mitglieder der Plattform Navarra gegen Makrofarmen) erhoben wurde, die Forderung um drei Jahre erhöht. Die Regierung von Navarra ist schließlich nicht als Nebenklägerin aufgetreten, obwohl die damalige Umweltministerin Itziar Gómez erklärt hatte, dies tun zu wollen.

Beamte der Regionalpolizei und der Umweltpolizei erschienen mit Protokollen vor Gericht, um festzustellen, dass eine Gülle-Verschmutzung ein Schutzgebiet in der Nähe des Flusses Aragón schwer beeinträchtigt hatte. Sie berichteten, dass sie beobachtet hätten, wie die Gär-Reste aus den Farm-Anlagen in ein naturbelassenes Becken geflossen seien, das als Lebensraum für geschützte Arten diente, sowie in die Steilhänge am Fluss und in das Flussbett selbst.

Verschmutzung durch Gär-Reste

Gär-Rest ist eine Flüssigkeit, die durch die Bio-Methanisierung von Exkrementen und Gülle von Nutztieren gewonnen wird und als Dünger auf Feldern verwendet werden kann. Dazu müssen eine Reihe von Bedingungen erfüllt sein, die Valle de Odieta laut den Experten nicht erfüllt hat. So hatte Valle de Odieta zwar eine Genehmigung zur Verwendung dieser Substanz, war jedoch verpflichtet, diese Aufgabe bodennah mit Hilfe von Schläuchen durchzuführen. Wie die Beamten der Umweltpolizei jedoch feststellten, wurde ein bekanntes System verwendet, ein Sprinkler, der die Flüssigkeit über das gesamte Feld verteilt und sogar angrenzende Gebiete erreichen kann. Sie wiesen auch darauf hin, dass die Verwendung von Gär-Resten eingeschränkt ist, da die Luft schädliche Substanzen über das zu düngende Feld hinaus verbreiten kann.

Die Beamten der Regionalpolizei wiesen darauf hin, dass die Proben, die sie aus den von der Verschmutzung betroffenen Gebieten entnahmen, mit denen aus den Feldern von Valle de Odieta übereinstimmten und die Grenzwerte für Stoffe überschritten, die in eine Kläranlage hätten geleitet werden müssen. “Um sie in die Umwelt zu entsorgen, was hier geschehen ist, muss der Wert Null betragen. Wenn bestimmte Werte überschritten werden, müssen sie in einer Kläranlage entsorgt werden”, erklärten sie. Ein Beamter der Regionalpolizei erklärte, dass das von der Einleitung betroffene Gebiet ein “unnatürliches“ Aussehen hatte, mit “geschwärzten“ Uferböschungen, dunklen Krusten und Pfützen mit einer dunklen Substanz. Ein Mitglied der Naturschutz-Behörde berichtete, dass im Fluss Aragón zwei sehr deutliche Farbtöne zu erkennen waren, einer vom Fluss selbst und ein anderer, dunklerer, der vom Gär-Rest stammte.

“Es roch nach Gülle, nach Scheiße, Entschuldigung”

Die Verschmutzung betraf auch ein naturbelassenes Becken, das als Lebensraum für geschützte Arten wie Molche, europäische Nerze (vom Aussterben bedroht), Otter oder Sumpfschildkröten diente. Ein Beamter der Regionalpolizei beschrieb diesen Teich nach der Verschmutzung als “eine Jauchegrube“ und stellte fest, dass er in einem Zustand war, in dem er kein Leben dieser geschützten Arten mehr denkbar war. “Es roch nach Gülle, nach Scheiße, entschuldigen Sie bitte“, beschrieb er anschaulich. „Der Gärrest, der die Verschmutzung verursacht hat, stammte aus Valle de Odieta und landete im Teich”, betonte derselbe Beamte.

Strategie der Verteidigung

Die Strategie der Verteidigung bestand in der Behauptung, dass keine Person aus der Geschäftsleitung von Valle de Odieta direkt an diesen Vorfällen beteiligt war. Dieser Aspekt ist für eine strafrechtliche Verurteilung unerlässlich. Die Verantwortung des Unternehmens für die Verschmutzung sollte in einem anderen Verfahren im Verwaltungsbereich festgestellt werden. Darüber hinaus haben die Verteidiger versucht, die von der Regionalpolizei und der Umweltpolizei erstellten Protokolle zu diskreditieren. “Haben Sie Fotos von den Tieren, die vor der Verschmutzung in dem Teich lebten? Haben Sie Kadaver dieser Tiere gesehen? Wissen Sie, ob diese Tiere woanders hingezogen sind?“, fragten sie. Sie erklärten auch, dass es oberhalb von Valle de Odieta Grundstücke gäbe, die die Quelle der Verschmutzung gewesen sein könnten.

Sustrai: “Vor Gericht steht ein Modell der Viehzucht“

Im Namen der Nebenkläger hat Pablo Lorente (Sustrai) vor der Verhandlung erklärt: “Heute sitzt Valle de Odieta wegen eines mutmaßlichen Umweltverbrechens auf der Anklagebank. Wir hoffen, dass ein exemplarisches Urteil gefällt wird, das nicht nur dazu dient, dass das Unternehmen für seine kriminellen Aktivitäten bezahlt, sondern auch einen Präzedenzfall im Kampf gegen das zerstörerische Modell der industriellen Viehzucht und ihre Megafarmen schafft.“ Lorea Flores von Greenpeace warnte, dass sich die durch diese Tätigkeit verursachte Nitrat-Verschmutzung über ganz Navarra ausgebreitet habe, sodass die Regierung seit Juli letzten Jahres die Liste der verschmutzten Gebiete von vier auf zwölf erweitern musste.

“Wir denken, dass die Maßnahmen der Regierung von Navarra zur Überwachung und Kontrolle der Megafarmen nicht ausreichend waren, da sie nicht dazu beigetragen haben, solche Risiken für die Umwelt zu verhindern“, fügte Lorente hinzu. „Dieser Fall ist das Ergebnis eines Viehzuchtmodells mit starken Auswirkungen auf die Umwelt, die Gesellschaft und die Gesundheit“, betonten sie, bevor sie von der Regierung von Navarra “ein wirksames Engagement für den Schutz und die Integrität der Schutzgebiete“ forderten. “Die Rolle der Verwaltung kann sich nicht darauf beschränken, die zunehmende Nitrat-Verschmutzung des Gebiets von Navarra festzustellen“, betonten sie.

Die Regierung erteilt die Umwelt-Verträglichkeits-Erklärung für die Erweiterung der Großfarm

Dieser Appell scheint bei der Regierung von Navarra nicht viel Anklang zu finden, da das Ministerium für ländliche Entwicklung und Umwelt einen Tag vor dem Prozess die Umwelt-Verträglichkeits-Erklärung für die Erweiterung der Großfarm in Caparroso auf 7.900 Milchkühe genehmigt hat. Auf diese Weise kann der Bestand um 700 ausgewachsene Kühe von 7.200 auf 7.900 erweitert werden, zusätzlich 700 über einjährige Rinder und 1.472 Kälber unter einem Jahr. Der Beschluss des Ministeriums für ländliche Entwicklung und Umwelt sieht als Bedingung vor, dass die Erweiterung des Viehbestands ohne eine Vergrößerung der derzeitigen Anlagen erfolgen muss. Dennoch rechnet der Bericht mit einem Anstieg der Abfall-Produktion um 22% und einer Zunahme des Verkehrsaufkommens.

Darüber hinaus weist der Beschluss darauf hin, dass die Tätigkeit der Großfarm in Caparroso keine Auswirkungen auf das Naturschutzgebiet Natura 2000 haben darf, was angesichts der Tatsache, dass heute ein Prozess wegen einer umweltschädlichen Einleitung stattfand, paradox ist. In diesem Sinne führt das Ministerium für ländliche Entwicklung und Umwelt Maßnahmen zur Ausbringung von Gülle und zum Schutz von Schutzgebieten ein. Die Großfarm in Caparroso erhielt die erforderlichen Genehmigungen dank eines Urteils des Obersten Gerichtshofs von Navarra (TSJN) aus dem Jahr 2021, das ihr eine Obergrenze von 7.200 Tieren einräumte und damit ihre bisherige Kapazität verdoppelte, wodurch sie die Bestimmungen des Tiergesundheits-Gesetzes umging, das eine Höchstzahl von 850 Tieren festlegt. Nun wird eine weitere Erweiterung gestattet. (naiz-baskultur)

(2025-09-02)

RADSPORT JA – ISRAEL NEIN

kolu71x02Neben Pelota und Rudern ist Radfahren einer der beliebtesten Sportarten im Baskenland. Bereits legendär sind die jährlichen Empfänge der Tour-de-France-Radler, wenn sie durch die baskischen Pyrenäen kommen, durch Meere von grün-rot-weißen Ikurriña-Fahnen. Doch alle Sympathie hat ein Ende, wenn es sich um Kolonialismus und Völkermord dreht. Denn bei der Vuelta a España, der spanischen Tour tritt ein Team namens Israel an, zwar ohne israelische Fahrer, aber mit der geballten Ideologie des Zionismus, der internationale Sportauftritte zu Propagandashows macht. Hunderte von Organisationen, Sportverbände und Rathäuser fordern schon länger den Ausschluss israelische Verbände und Sportler aus internationalen Wettbewerben, erst kürzlich hat sich das kanadische Tennis-Team geweigert, gegen Israel anzutreten.

Weil die Völkermord-Propaganda bisher weiter betrieben werden darf, so als ob es sich bei Israel um einen “ganz normalen Staat“ handele, haben Zuschauer*innen beschlossen, auf eigene Faust einzugreifen. Mehrfach wurden bei der Vuelta die Fahrer gestoppt, der Clou war bei Team-Zeitfahren, wo ganz speziell Israel (und sonst niemand) gestoppt werden konnte. Jetzt fährt die Vuelta durch baskische Gebiete, heute war der Norden Navarras an der Reihe, auch dort kam es zu Zwischenfällen, 200 Kilometer Strecke sind einfach nicht komplett zu kontrollieren. Ein Korridor aus palästinensischen Flaggen und baskischen Ikurriñas begleitete die erste Etappe der “Spanien-Rundfahrt“ durch das Baskenland, auf dem Weg nach Belagua in den Vor-Pyrenäen. Die Polizei war angesichts des Ausmaßes der Proteste machtlos.

Die diesjährige Ausgabe der Vuelta ist geprägt von Anklagen wegen Völkermords an den Palästinensern, da das Team Israel-Premier Tech am Rennen teilnimmt, die Proteste haben sich heute bei der Durchfahrt durch Euskal Herria verstärkt. Die Etappe startete in Erribera (Süd-Navarra), und je näher das Ziel in Belagua rückte, desto mehr palästinensische Flaggen waren in den einzelnen Orten zu sehen. Deutliches Beispiel war Irunberri (span: Lumbier), wo Hunderte von Menschen beim Durchfahren des Stadtzentrums ihre Unterstützung für das palästinensische Volk zum Ausdruck brachten. Dort kam es zu Spannungen mit der Foltertruppe der Guardia Civil und der Regional-Polizei, die hin und her rannten, um Personen daran zu hindern, auf die Straße zu springen und das Rennen zu unterbrechen. Einzelne Radfahrer wurden gefährdet, es kam zu Stürzen, woraufhin ein Polizist mit seinem Schlagstock auf eine der Demonstrantinnen einschlug. Die Polizei hat zwei Personen identifiziert.

Seit dem Vortag war die Polizeipräsenz auf dem gesamten letzten Teil der Strecke sehr stark, mit Kontrollen der Guardia Civil und einem Hubschrauber, der über dem Zielgebiet kreiste. In Belagua wurde der Bus des israelischen Teams unter Polizeischutz gestellt, der interessanterweise neben einem großen Graffiti mit der Aufschrift “Stop Genocide” auf der Straße geparkt war. In Erronkari und Izaba waren die Proteste gegen das zionistische Massaker in Gaza ebenfalls sichtbar. Am letzten Anstieg nach Belagua säumten Ikurriñas, Navarra Flaggen und palästinensische Flaggen die Straßenränder, manche hatten gleich zwei dabei.

“Israel will sich reinwaschen”

Politische Kräfte wie EH Bildu, Podemos und Sumar haben ihre Ablehnung gegenüber der Teilnahme des Teams Israel zum Ausdruck gebracht, da sie der Meinung sind, dass damit der Völkermord in Gaza “weißgewaschen” wird. Beim Start korrigierte die Ministerpräsidentin von Navarra, María Chivite, ihre Aussagen von vor einigen Tagen, in denen sie den Sport-Wettbewerb über die politische Kritik gestellt hatte. Sie erklärte gegenüber den Medien, dass sie die Ausschluss-Forderungen teile, denn “was in Gaza geschieht, ist ein echter Völkermord”, sie wisse nicht, “ob die europäische Reaktion dem Geschehen angemessen ist”.

Daher respektiere sie diese Forderungen “absolut“, habe aber die Fans gebeten, “dies mit Respekt zu tun und die Vuelta normal weiterlaufen zu lassen“. Zur Teilnahme des Teams Israel-Premier Tech an der Vuelta merkte sie an, dass “im Sportbereich zu beobachten ist, dass Israel als Regierung versucht, sich durch den Sport reinzuwaschen. Und ich glaube, dass wir das anprangern müssen“, sagte sie.

Die Fernseh-Berichterstattung über die Proteste hat die Debatte in den sozialen Netzwerken über das Team Israel und die Praxis des Sportwashing im Allgemeinen angeheizt. Israelische Teams und Nationalteams nehmen trotz fast zweijährigem Völkermord weiterhin offiziell an allen Sportarten teil. Die Situation wird am Mittwoch erneut brenzlig werden, wenn die Etappe in Bilbao (San Mamés, 13.30 Uhr) startet und in derselben Stadt (Gran Vía, 17.30 Uhr) endet. Vor der Durchfahrt der Radfahrer durch Bermeo, Mungia, Mundaka, Munitibar, Larrabetzu, Lezama oder Sondika sind Kundgebungen zur Unterstützung Palästinas geplant. (naiz-baskultur)

(2025-09-01)

SOMMERZEIT, STIERKAMPFZEIT

kolu71x01Viele Fiestas, vor allem in den Hauptstädten werden auch in der Stierkampf-Arena ausgetragen, sehr zum Unwillen der immer stärker werdenden Tierschutz-Bewegung. Auch im Baskenland. Erneut war die Gesellschaft in drei Gruppen gespalten. Erstens die Unentschiedenen, die auf die blutige Angelegenheit verzichten könnten, sich aber nicht trauen; wie zum Beispiel der Linke Bürgermeister von Pamplona, der eine Stadt regiert, deren Fiesta die Mördertiere zum Motto hat und seiner Stadt nicht den Haupt-Attraktionspunkt nehmen will. Zweitens die unentwegten Rechten und Faschisten, für das machohafte Schlachten in der Arena unverzichtbar ist, weil darin die Hauptessenz des spanischen Wesens steckt, Patriarchat, Brutalität und Frauen-Feindlichkeit mit eingeschlossen. Drittens die Verweigerer und Spielverderber, die den Finger in die Wunde legen und mit ihrer Gleichstellung von Mensch und Tier gelegentlich über das Ziel hinausschießen.

Die Tierschutzpartei PACMA ließ jedenfalls keine Gelegenheit aus, am großen Tag der Fiestas in Gasteiz, Donostia und Bilbao vor den Stierkampf-Arenen aufzulaufen. Häufig wird dann mit blanker Haut demonstriert, was die Presse dankend annimmt zur großzügigen Bebilderung der eher kurzen Artikel. In diesem Jahr traten die Tierfreundinnen ordentlich gekleidet auf, die Botschaft wurde auf Plakate reduziert. Immerhin sollten in Bilbo in einer Woche 36 Stiere getötet werden. PACMA hat Bilbo in die Kampagne "Mission Abolition" gestartet, die durch verschiedene Teile Spaniens tourt und am 20. September in einer Demonstration in Madrid gipfeln soll.

In Iruñea (Pamplona) wurde bereits vor den Sanfermines Anfang Juli mit einem Lastwagen protestiert, auf dem ein Stierkämpfer zu sehen ist, der einen Hund harpuniert, um zum Nachdenken anzuregen: "Warum wird Gewalt gegen einen Stier in einer Arena toleriert, während sie im Falle eines anderen Tieres als inakzeptabel angesehen wird?“ Berechtigte Frage ohne vernünftige Antwort. Die Teilnehmer*innen der Kundgebung in Bilbo trugen Plakate mit Slogans wie "Folter ist weder Kunst noch Kultur", "Lasst mich nicht allein" oder "Keine Tradition gegen Vernunft". In Gasteiz sind die Stierkämpfe vor einigen Jahren verschwunden, aber in Iruñea gibt es sie mehr denn je, in Bilbo und Baiona weniger, in Donostia nur noch in geringem Umfang, auch in kleineren Orten wie Azpeitia, Lizarra, Tafalla, Tutera ...

Im Fall von Bilbao gehen die Besucherzahlen von Jahr zu Jahr zurück, in diesem Jahr waren sie so ungleichmäßig, dass es schwierig ist, einen Trend festzustellen. Die Corridas begannen am Montag, ein Großteil der Sitze war leer: nicht mehr als 1.500 Personen bei einer Kapazität von 14.700. Macht 10 Prozent, das Finanzloch wird über städtische Subventionen finanziert. Dienstag war die Arena zu einem Viertel ausgelastet, was auf ein ähnliches Fiasko wie bei den drei Stierkämpfen der Aste Nagusia in San Sebastián in diesem Jahr schließen ließ. Mittwoch fand in Bilbao ein ungewöhnliches Ereignis statt, das im Baskenland seit 20 Jahren nicht mehr verzeichnet worden war: die Begnadigung eines Stiers, der aufgrund seiner "Tapferkeit" vom Publikum gefordert wurde. Er kehrte lebend in die Ställe zurück. Dieser Meilenstein könnte der Stierkampf-Saison 2025 zu einem Aufschwung verholfen haben, so dass am Donnerstag bei einem Stierkampf mit drei “Torero-Stars“ mit mehr als 13.000 Zuschauern fast ein volles Haus verzeichnet wurde. Am Freitag dann drei Viertel voll.

In der Bizkaia Hauptstadt forderte EH Bildu 2024 das Ende der Stierkämpfe und die Annullierung aller öffentlichen Aufträge, die Tierleid verursachen. Bürgermeister Aburto befürwortet die Fortführung dieser Praxis, vermeidet es jedoch, sie in das offizielle Programm aufzunehmen, da er weiß, dass sie immer unpopulärer wird. Stierkampf-Begeisterte beklagen, dass die städtische Musikkapelle nicht mehr geschickt wird. Der Anfang vom Ende, hoffen viele, auch solche, die sich nicht als Tierschützer verstehen und nicht zu den Demonstrationen gehen. (naiz-baskultur)

FOTOS:

(*) Tagespresse

(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-09-01)

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