Vorwände und Kriegsgründe
Die offizielle Begründung für den Angriffskrieg von Israel und den USA gegen den Iran lautet, die dortigen Uran-Anreicherungs-Anlagen sollen zerstört werden, weil das theokratische Regime beabsichtige, in Zukunft Atomwaffen herzustellen, dies müsse verhindert werden. Ein Blick in die jüngere Geschichte zeigt jedoch, dass der Iran, oder Persien, vor und nach der Machtübernahme durch die Islamisten Begrenzungs-Verträge unterschrieben, eingehalten und sich der Kontrolle der Atomenergie-Behörde unterzogen hat.
Nach der Chronologie des linken spanischen Magazins CTXT geht es beim Krieg gegen den Iran nicht um Atompläne, sondern um eine Schwächung des Landes und die Kontrolle seiner Ölreserven.
Ist das iranische Atom-Programm nur ein Vorwand für die wiederholten Angriffe von Israel und den UNSA gegen den Iran? Das Ziel der Angriffe, so das spanische Magazin CTXT in einem gut recherchierten Artikel, ist nicht die Zerschlagung dieses Programms, sondern die Schwächung des Landes, um die Kontrolle über das Land und die Region zu erlangen. Das zeigt ein Blick in die Geschichte des Iran, ein Rückblick nicht nur bis zur islamischen Revolution und der Absetzung der Schah-Diktatur im Jahr 1979, sondern ein paar Jahre weiter.
1968 wurde der Atomwaffen-Sperrvertrag (NVV) zur Unterzeichnung vorgestellt. Dieser Vertrag, auch Vertrag über die Nicht-Verbreitung von Kernwaffen oder der Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag (NVV), auch Non-Proliferations-Abkommen genannt, war ein internationaler Vertrag aus dem Jahr 1968, der das Verbot der Verbreitung von Atomwaffen zum Gegenstand hat und die Verpflichtung zur Abrüstung von Kernwaffen sowie das Recht auf die “friedliche Nutzung“ der Kernenergie. Der Atomwaffen-Sperrvertrag wurde von den Atommächten USA, der Sowjetunion und Großbritannien initiiert.
Der Iran trat diesem Atomwaffen-Sperrvertrag noch im selben Jahr bei. Die Vertragsstaaten verpflichteten sich, die Sicherungs-Maßnahmen der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) zu akzeptieren, mit dem Ziel, “zu verhindern, dass die Kernenergie von ihren friedlichen Verwendungszwecken auf die Herstellung von Kernwaffen umgeleitet wird“.
Der Bau von Uran-Anreicherungs-Anlagen (den berühmten Zentrifugen) im Iran Anfang der 2000er Jahre löste im Westen Besorgnis aus. Die Befürchtung, der Iran könnte ausreichend angereichertes spaltbares Material zur Herstellung einer Atombombe erlangen, veranlasste die Vereinigten Staaten, eine Reihe von Wirtschafts-Sanktionen zu verhängen – eine Befürchtung oder Unterstellung, keine Gewissheit. Die Europäische Union (EU) schloss sich dieser Entscheidung an. wissenschaftlich gesehen muss das Material für den Bau einer Atombombe zu mehr als 90% aus Uran-235 bestehen.
Am 14. Juli 2015 einigten sich Deutschland, China, die Vereinigten Staaten, Russland, Frankreich und das Großbritannien zusammen mit der Hohen Vertreterin der EU für Außenpolitik und der Iran auf den Gemeinsamen Umfassenden Aktionsplan (JCPOA in der englischen Abkürzung). Der JCPOA-Plan verlangte vom Iran, sein Atomprogramm einzuschränken und einer gezielten Überwachung durch die IAEO zuzustimmen, im Gegenzug für eine Lockerung der westlichen Sanktionen.
Der Iran hielt sich strikt an das Abkommen, bis der damalige US-Präsident Donald Trump während seiner ersten Amtszeit im Mai 2018 verkündete, dass die Vereinigten Staaten ihre Teilnahme am JCPOA beenden würden. Die USA verhängten erneut Sanktionen gegen den Iran im Finanzbereich und im Ölhandel. Der Iran betrachtete den JCPOA-Aktionsvertrag somit als gebrochen und hielt seit Mai 2019 seine Verpflichtungen nicht mehr ein. Es wurde begonnen, Uran über die im Abkommen festgelegte Grenze hinaus anzureichern. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Iran keine Möglichkeit, eine Uran-Atombombe herzustellen, da der Anreicherungsgrad unter 90 % in U-235 lag.
Trotzdem setzte die Internationale Atomenergie-Behörde IAEO ihre regelmäßigen Inspektionen im Iran als Unterzeichner-Staat des Sperrvertrags NVV fort. Laut ihrem Bericht von Anfang Juni 2025 konnten ihre Inspektoren am 27. Mai 2025 mehrere Nuklearanlagen besuchen, darunter die Uran-Anreicherungs-Anlagen in Natanz, Fordow und Isfahan (die 2025 von Israel und USA bombardiert wurden). Nach dieser Inspektion gab die Atom-Behörde an, dass sich die Gesamtbestände an angereichertem Uran in Form von UF6 auf 8.413 kg beliefen, die sich wie folgt verteilten: 2.221 kg auf 2% U-235 angereichertes Uran, 5.509 kg auf 5%, 275 kg auf 20% und 409 kg auf 60% U-235 angereichertes Uran. Angesichts dieser Zahlen hatte der Iran zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit, eine Uran-Atombombe herzustellen, da der Anreicherungsgrad unter 90 % U-235 lag.
Im März 2025 versicherte Trumps Direktorin für nationale Nachrichtendienste, Tulsi Gabbard, dass die US-Geheimdienste “weiterhin zu der Einschätzung gelangten, dass der Iran keine Atomwaffe baue und dass der Oberste Führer Khamenei kein Atomwaffen-Programm genehmigt habe“. Trotzdem führten Israel und die USA im Juni groß angelegte Luftangriffe (der so genannte 12-Tage-Krieg) auf die drei wichtigsten iranischen Nuklearanlagen Fordow, Natanz und Isfahan durch. Laut Aussagen von Trump war das Ziel des Angriffs die Zerstörung der iranischen Anreicherungs-Kapazitäten, und er versicherte, dass “die wichtigsten iranischen Anreicherungs-Anlagen vollständig zerstört worden seien“.
Infolge der US-Angriffe setzte der iranische Präsident die Zusammenarbeit mit der IAEO aus. Im August hatten Großbritannien, Frankreich und Deutschland Teheran angeboten, die Laufzeit des JCPOA, das am 18. Oktober auslief, zu verlängern, sofern der Iran die Zusammenarbeit mit der UN-Atomenergiebehörde wieder aufnehme, über den Verbleib von 400 Kilogramm zu 60% angereichertem Uran Auskunft gebe und an den Verhandlungstisch mit den Vereinigten Staaten zurückkehre. Am 9. September einigten sich der Iran und die Internationale Atomenergie-Organisation in Kairo darauf, die bilaterale Zusammenarbeit wieder aufzunehmen, um die Aktivitäten der Organisation im Iran wieder aufzunehmen.
Trotz des Abkommens von Kairo verhängten die Vereinten Nationen am 26. September 2025 erneut Sanktionen gegen den Iran. China und Russland hatten im Sicherheitsrat eine Resolution vorgelegt, um die Sanktions-Erleichterungen für den Iran im Rahmen des JCPOA zu verlängern. Die Resolution wurde abgelehnt. Diese erneute Verhängung der Sanktionen führte dazu, dass der Iran am 5. Oktober 2025 das am 9. September mit der IAEO unterzeichnete Abkommen von Kairo aussetzte.
Trump erhob die unglaubwürdige Anschuldigung, dass “der Iran daran arbeite, Raketen zu bauen, die bald die Vereinigten Staaten erreichen können“. In seiner Rede zur Lage der Nation am 24. Februar 2026 erhob Trump die unsinnige Anschuldigung, dass “der Iran daran arbeite, Raketen zu bauen, die demnächst auch die Vereinigten Staaten erreichen können“. Eine Analyse des US-Verteidigungs-Nachrichten-Dienstes aus dem Jahr 2025 besagt jedoch, dass der Iran seine Weltraum-Trägerraketen nur dazu nutzen könnte, “bis 2035 eine militärisch einsetzbare Interkontinental-Rakete zu entwickeln, falls Teheran beschließen sollte, diese Fähigkeit aufzubauen“. Trump schenkte den Informationen seiner Geheimdienste kein Gehör, denn am 28. Februar startete er gemeinsam mit Israel einen massiven Luftangriff gegen den Iran. Die Bombardements treffen Nuklearanlagen und Städte.
In letzter Zeit hatten die USA und der Iran die Gespräche über ein Abkommen zum iranischen Atomprogramm wieder aufgenommen. Am Tag des Angriffsbeginns erklärte der Außenminister von Oman, der in diesen Gesprächen als Vermittler fungierte, dass das Abkommen bereits in greifbarer Nähe sei, nachdem der Iran Zugeständnisse gemacht hatte, zu denen er sich zuvor nie verpflichtet hatte.
Daraus lässt sich ableiten, dass das iranische Atomprogramm ein Vorwand für die Angriffe war, die Israel und die Vereinigten Staaten im Juni 2025 gegen den Iran durchgeführt haben und die sie im Februar und März 2026 wiederholen. Die Aussagen (3. März 2026) von Rafael Grossi, Generaldirektor der IAEO, in denen er bestreitet, dass der Iran einen strukturierten Plan zum Bau einer Atombombe habe, bestätigen diese Interpretation. Das Ziel der Angriffe ist nicht die Beseitigung eines behaupteten iranischen Atomprogramms, sondern die Schwächung des Landes, um die Kontrolle über die Region zu erlangen.
Die am schlimmsten betroffenen Leidtragenden sind zweifellos in der iranischen Bevölkerung zu finden, die nun Opfer der Bombardements sind und zudem durch die Verschlechterung der Lebensbedingungen, die die Sanktionen verursacht haben, bereits schwer genug zu leiden hatten. (*) Wie dieser Krieg geführt wird, wurde bereits am ersten Tag deutlich, als die USA eine Mädchenschule bombardierten, was zu 180 Toten führte und laut UNO ein Kriegsverbrechen darstellt. Trotz Beweisen für das Verbrechen durch die Medien behauptete der Kriegsverursacher Trump in seinem unschlagbaren Zynismus, der Iran selbst hätte die Schule attackiert.
ANMERKUNGEN:
(*) Der Artikel basiert auf chronologischen Darstellungen aus dem Artikel “El programa nuclear iraní como excusa“ (Das iranische Atomprogramm als Ausrede) vom 09-03-2026; dieser Text wurde ergänzt (LINK)
ABBILDUNGEN
(1) Iran (rtve)
(2) Massenbegräbnis (france24)
(3) Angriff auf Teheran (avash media)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-03-13)
