Polizei-Massaker in Gasteiz
Es ist nun 50 Jahre her seit dem 3. März 1976, einem Tag zum Gedenken und zur Ehrung der fünf Arbeiter, die von der Polizei in der Hauptstadt von Álava ermordet wurden, und der beiden jungen Männer, die protestieren gingen und Opfer der Polizeirepression in Basauri und Tarragona wurden. Auch in diesem Jahr werden wir, die Vereinigung der Opfer des 3. März und die Gewerkschaften ELA, LAB, ESK und STEILAS all jener Menschen gedenken, die unter der Gewalt des Staates gelitten haben, und die Arbeiterklasse würdigen.
Wenige Monate nach dem Tod des Diktators Franco, im Februar 1976, kämpfte die Arbeiterklasse noch ohne Gewerkschaften für angemessene Löhne und Arbeitsbedingungen. Diese Basisbewegung wurde mit brutaler Repression niedergeschlagen.
Die Vereinigung “Asociación Víctimas 3 de Marzo” und die baskischen Gewerkschaften möchten insbesondere die Arbeit aller Frauen würdigen, die dazu beigetragen haben, die Gründe für die Streiks bekannt zu machen und deren Auswirkungen finanziell abzufedern. Ein halbes Jahrhundert später fordern wir weiterhin Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Garantien, dass sich Ähnliches nicht wiederholt. Heute wie 1976 bekräftigen wir den Kampf der Arbeiterklasse für soziale Gerechtigkeit und gegen ein zutiefst ungerechtes kapitalistisches System, das die Privatisierung grundlegender Dienstleistungen vorantreibt, den öffentlichen Sektor schwächt und ein Modell vertieft, das wirtschaftlichen Profit vor soziale Rechte stellt und weiterhin Reichtum in wenigen Händen ansammelt, auf Kosten der Ausbeutung der Menschen und des Planeten. Damit befinden wir uns in einem internationalen Umfeld, das von tiefen globalen Spannungen geprägt ist, die die Völker und Arbeiterklassen auf der ganzen Welt betreffen. Im Baskenland verurteilen wir diese Gewalt und bekunden unsere Solidarität mit den Völkern, die Widerstand leisten und für ihre Würde kämpfen. (*)
Der Völkermord in Palästina ist eine anhaltende und systematische Grausamkeit, ein Massaker an einem ganzen Volk durch den israelischen Staat. Es ist staatliche Gewalt gegen Arbeiterinnen und Arbeiter, gegen Kinder, gegen diejenigen, die Widerstand leisten. Die Besatzung, die Apartheid und die ethnische Säuberung sind Kriegsverbrechen, das Schweigen der internationalen Gemeinschaft legitimiert sie. Wir verurteilen auch die Aggression der Vereinigten Staaten gegen Venezuela, eine imperialistische Operation mit dem ausdrücklichen Ziel, die natürlichen Ressourcen Venezuelas zu kontrollieren und auszubeuten. Der 3. März ist außerdem Teil einer umfassenden und notwendigen Mobilisierungswelle, die am 8. März, dem Tag des feministischen Kampfes, fortgesetzt wird, an dem erneut auf die Straße gegangen wird, um anzuprangern, wie das kapitalistische, patriarchalische und koloniale System das Leben von Frauen prekarisiert, insbesondere von Frauen anderer Hautfarbe, und Menschen, die von der Cis-Heteronorm abweichen.
Ein Monat März, der besonders geprägt ist vom bevorstehenden Generalstreik am 17. März 2026, der ausgerufen wurde, um einen baskenland-eigenen Mindestlohn zu fordern, um wie 1976 angemessene Mindestlöhne für alle Arbeitnehmer*innen und eine gerechtere Verteilung des Reichtums zu fordern. Wie damals wird uns niemand etwas schenken. Deshalb haben die Regierungen und Arbeitgeber-Verbände von Hego Euskal Herria (Süd-Baskenland) ihre gemeinsame Haltung zur Verteidigung der Privilegien einiger weniger deutlich gemacht, gegen die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen, die unter extremer Arbeitsplatz-Unsicherheit leiden. Die baskische Regierung hat ihren undemokratischen Charakter gezeigt, indem sie die Volksinitiative für einen eigenen Mindestlohn, die von mehr als 140.000 Bürgern unterzeichnet wurde, nicht zur Debatte zugelassen hat. Genau dasselbe gilt für die vom Verband baskischer Rentner*innen getragene Initiative, die Mindestrenten an den Mindestlohn anzupassen, die für eine Außerparlamentarische Gesetzes-Initiative 145.000 Unterschriften vorgelegt hatte. Es ist nun acht Jahre her, dass die heutigen Rentner*innen, die 1976 die Arbeiterkämpfe angeführt hatten, jeden Montag auf die Straße gehen, um angemessene Renten zu fordern.
Mit dem Generalstreik am 17.März wollen wir den Kaufkraftverlust der gesamten Arbeiterklasse thematisieren, deren Löhne, Renten und Sozialleistungen unterhalb der Teuerungsrate angepasst werden. Wir wollen die untragbare Zunahme sozialer Ungleichheiten und die sexistischen und rassistischen Unterschiede bei Löhnen und Renten anprangern, die für Rentnerinnen und Frauen anderer Hautfarbe, die oft von Schwarzarbeit leben und unter dem fatalen Ausländergesetz leiden, noch schmerzhafter sind. All dies sind zentrale Fragen, auf die dieser Streik mit politischer Klarheit antwortet. In diesem Zusammenhang bekräftigen wir anlässlich des 50. Jahrestags am 3. März, dass die historische Erinnerung auch ein Instrument im Kampf gegen Ungleichheit, Gewalt und Ungerechtigkeit in allen Teilen der Welt ist. Aus all diesen Gründen lautet das Motto in diesem Jahr „M3moria. Antolakuntza. Borroka” (Erinnerung, Organisierung, Kampf). M3moria, um Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Garantien für Nichtwiederholung zu fordern. Organisierung, um kollektive Stärke aufzubauen. Kampf, um Rechte zu erringen.
Anlässlich des 50. Jahrestages des 3. März organisieren wir eine doppelte Veranstaltung, die diesem 50. Jahrestag angemessen ist und einen Meilenstein im kollektiven Gedächtnis darstellt, um an die ermordeten Menschen und die Kämpfe jener Zeit zu erinnern, aber auch an die all der vergangenen Jahre. Mit dem Ziel, diese Notwendigkeit des Kampfes auch auf die Gegenwart und Zukunft zu übertragen, als einen Weg zu einer gerechteren Gesellschaft. Zu diesem Zweck finden zwei Veranstaltungen statt:
(*) Um 17 Uhr findet die Ehrung der Ermordeten neben dem Monolithen des 3. März statt, genau zu der Zeit, zu der 1976 die Arbeiter-Versammlung stattfand, die von der bewaffneten Polizei brutal angegriffen wurde. An dieser Gedenkfeier werden die Arbeiter teilnehmen, die das Denkmal und die Gedenktafel aufgestellt haben, um daran zu erinnern, dass all das heute dank ihrer Beharrlichkeit existiert. Denn, auch wenn sich heute alle Institutionen vor diesem Denkmal fotografieren lassen, wurde es wiederholt entfernt und erlitt später das gleiche institutionelle Vergessen wie die Opfer.
(*) Danach, um 18:30 Uhr, haben wir einen weiteren Termin, bei dem wir den Platz zwischen der Neuen Kathedrale und der Plaza de la Virgen Blanca in der Innenstadt besetzen werden. In der Kathedrale wollen wir an die Beerdigungen von 1976 erinnern und werden in einer großen Volksdemonstration zur nahe gelegenen Plaza de la Virgen Blanca marschieren, wo eine große zentrale Veranstaltung mit verschiedenen Auftritten von Künstlern stattfinden wird, die sich für Martxoak 3 eingesetzt haben, um diesen 50. Jahrestag zu begehen. Deshalb rufen wir die gesamte baskische Gesellschaft dazu auf, daran teilzunehmen, da diese Veranstaltung in das Gedächtnis der baskischen Arbeiterklasse eingehen wird.
Wir möchten klarstellen, dass dieser Gedenktag am 3. März, den wir organisieren, ein pluralistischer, basisorientierter und generations-übergreifender Raum sein wird, der Menschen aller Altersgruppen und Lebensrealitäten offensteht, an dem alle frei teilnehmen können und der ein sicherer Raum für Forderungen ist. Wir setzen uns seit Jahren für gegenseitige Fürsorge ein, um einen sicheren Raum zu schaffen, der auf Respekt und Fürsorgeregeln basiert und an die kollektive Verantwortung appelliert, denn wir möchten, dass auch an diesem 50. Jahrestag wieder eine massive, freie und sichere Beteiligung stattfindet.
In diesem Sinne fordern wir von der Ertzaintza-Polizei Garantien und die Ergreifung der notwendigen internen Maßnahmen, um diese freie, massive und gewaltfreie Teilnahme zu gewährleisten. Wir haben dem Innensenat mitgeteilt, dass sich die hässlichen Polizeieinsätze der vergangenen Jahre nicht wiederholen dürfen. Abschließend möchten wir darauf hinweisen, dass wir weiterhin T-Shirts und Sweatshirts zum Gedenken anbieten, um die kollektive Erinnerung an den 3. März lebendig zu halten und die Organisation der geplanten Veranstaltungen zu unterstützen.
ANMERKUNGEN:
(*) “M3MORIA. ANTOLAKUNTZA. BORROKA. (2026/03/3)” (Erinnerung. Organisierung. Kampf), publiziert bei: martxoak3.org (LINK)
ABBILDUNGEN:
(*) Martxoaren Hiru / Verein Dritter März
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-02-26)
