franco50aBleibt der ewige Schatten

Der spanische Putschist und Diktator Francisco Franco starb vor 50 Jahren. Was auch nach einem halben Jahrhundert bleibt, ist ein fortdauernder Schatten seiner Staats-Struktur. Denn der Tod von Franco und die Entwicklung danach bedeutete nicht de facto die Befreiung vom Schatten der gesellschaftlichen Struktur, die der faschistische Führer über 4 Jahrzehnte aufgebaut hatte. Der Historiker Iñaki Egaña gibt einen Überblick über die Ereignisse während des Regimes und über das Todesjahr des Diktators.

„Gut organisiert und abgesichert“. Diesen Satz sagte Diktator Franco an Weihnachten 1969: “Mit der Ernennung des neuen Königs ist nun alles fest organisiert und abgesichert.“ Im Sinne des Franquismus.

Das baskische Fußball-Nationalteam der Männer spielte nach dem Militärputsch Francos 1936 auf einer internationalen Tournee im Exil und gab nach und nach seine Spieler an die mexikanische Liga ab. Das Team hatte 1937 in Paris sein erstes Spiel gegen den französischen Meister gewonnen und sollte das Baskenland erst 1979 wieder vertreten, als im Stadion San Mamés von Bilbao gegen Irland ein Sieg errungen wurde. Einige Jahre zuvor, im Jahr 1974, bestritt die baskische Frauen-Auswahl mit ungewöhnlichem Mut ihr erstes Spiel in Beasain (Gipuzkoa). Im November 2025 traten die baskischen Kicker gegen die palästinensische Auswahl an (oder besser mit). Das Medienecho überschritt alle Grenzen und verband die Freiheits-Sehnsucht zweier Völker, die diesmal durch den Fußball vereint waren.

Im Jahr 1937 wurde das Baskenland vom Faschismus zerstört, während Palästina gegen das britische Empire rebellierte. Damals wurde 10% der palästinensischen Bevölkerung ermordet, inhaftiert oder ins Exil getrieben. In Hego Euskal Herria, dem südlichen Baskenland, waren die Zahlen noch schockierender: Von einer Bevölkerung von etwa 1.300.000 Menschen wurden 152.000 ins Exil getrieben, 60.000 verhaftet und 6.000 hinter den Linien der Front ohne Gerichtsverfahren hingerichtet. Gernika blieb der baskischen Bevölkerung als Symbol und Fanal erhalten. Aufgrund seiner Bedeutugn für die Franco-Armee wurde die Stadt in Bizkaia von der Nazi-Luftwaffe und der faschistischen italienischen Luftwaffe bombardiert.

In diesem Jahr 2025 jährte sich zum 88. Mal die Bombardierung von Gernika und zum 50. Mal der Todestag des Diktators, der vier Jahrzehnte lang eine brutale Diktatur führte, unterstützt durch sein Bündnis mit Hitler Deutschland und Mussolinis Italien. Nach der Niederlage der Nationalsozialisten und der italienischen Faschisten am Ende des Zweiten Weltkriegs überlebte Francos Spanien jedoch, aus geostrategischen Gründen. Zu Beginn des Kalten Krieges, auf einem in zwei Blöcke geteilten Planeten, warf Washington der Franco-Diktatur einen Rettungsanker zu, der zumindest bis zum Tod des Diktators am 20. November 1975 Bestand hatte. Die Diktatur und die USA wurden Verbündete, die baskischen und spanischen Oppositionellen blieben im Exil, wurden verhaftet und inhaftiert und in den Untergrund gedrängt.

“Gut organisiert und abgesichert ”

Das Jahr 1975 war schrecklich, mit wenigen guten Nachrichten, darunter das lange Sterben des Tyrannen, der seit Anfang des Jahres mit seiner Gebrechlichkeit seine Nähe zum Tod demonstrierte. Sein Nachfolger, der heute wegen einer Unzahl von Skandalen abgedankte Juan Carlos Borbón, übte sein Amt vorübergehend aus, beraten von einer Reihe von Vertrauten, die von den Banken, der Kirche, der Oligarchie (auch der des baskischen Neguri), der Armee und der US-amerikanischen Botschaft unterstützt wurden.

franco50bFür die Mehrheit der Opposition hatte sich Francos Tod länger hingezogen als erwartet, er starb bettlägerig und hinterließ, wie er selbst gesagt hatte, „alles fest und gut geschnürt”. Er hatte mehrere Attentate überlebt, aus denen er unversehrt hervorgegangen war. Sein jährlicher Sommerurlaub in Donostia führte dazu, dass zwei dieser Attentate in der Hauptstadt von Gipuzkoa stattfanden, angezettelt von Anarchisten, in einem Fall mit Unterstützung der ETA.

Zu den schrecklichen Nachrichten jenes Jahres gehörten die Hinrichtungen von Txiki, Otaegi von ETA und drei FRAP-Aktivisten wenige Wochen vor dem 20. November; bei Polizei-Kontrollen gab es Todesschüsse, es kam zu Demonstrationen oder außergerichtlichen Hinrichtungen; Jacques Andreu verbrannte sich vor dem Konsulat in Pau aus Solidarität mit den von der Gendarmerie verfolgten baskischen Flüchtlingen, die Stierkampfarena von Bilbao wurde während des Ausnahmezustands in ein Internierungslager umgewandelt, in dem fast 4.000 Menschen festgenommen wurden, von denen einige, wie Tasio Erkizia, brutal gefoltert wurden und nur knapp dem Tod entkamen; der Beginn des schmutzigen Krieges mit Söldnern, die das Baskisch-Spanische Bataillon BVE und später die Antiterroristischen Befreiungs-Gruppen GAL gründeten. Auch Gabriel Aresti starb: „Nire gurasoen etxea defendituko dut” (Meiner Eltern Haus werde ich verteidigen).

Hohe Zahl von Gefangenen

Anfang 1975 befanden sich in spanischen Gefängnissen 245 baskische politische Gefangene (nicht nur von ETA), verteilt auf 22 Gefängnisse. Die Intensität der Auseinandersetzung mit der Diktatur spiegelte sich darin wider, dass die Zahl der politischen Gefangenen bis zum Ende des Jahres auf 749 stieg, darunter 104 Frauen. Es handelte sich um nichts anderes als eine faschistische Diktatur. Was in Italien und Deutschland passiert war, sollte zum Modell werden, nach dem jeweiligen Sturz dieser Regime ließen die USA im Handel für Militärstützpunkte (darunter in Bardenas und Elizondo) alles in den gleichen Bahnen weiterlaufen.

Die Nähe zur Grenze ermöglichte es der baskischen Bevölkerung, sich aus dem nördlichen (französischen) Baskenland zu informieren, die begehrten Ikurriña-Fahnen, Lauburu-Symbole und die von der Diktatur verbotenen Bücher zu kaufen. Und in der Stille der Nacht, leise, damit die Spitzel des Regimes nichts mitbekamen, spielten viele mit dem Radio, um die Exilsender Euzkadi, Pirenaica, Paris oder Tirana zu empfangen. So erfuhr die Bevölkerung von den Folterungen, den Verhaftungen, dem Tod des designierten Franco-Nachfolgers Carrero Blanco, von den Aktionen der Guerilla-Opposition und vom Beginn des Niedergangs des Diktators.

Heute, fünfzig Jahre später, vergleicht der Autor dieses Textes Francos Persönlichkeit (mit den entsprechenden Unterschieden) an die Figur von Trump. Der eine war Soldat, der andere Immobilien-Unternehmer. Was dem Caudillo Franco durch den Kopf ging und was er äußerte, war nicht nur politischer Natur, sondern führte in vielen Fällen, so absurd es auch erscheinen mag, zu rechtlichen Änderungen. Die Ansichten des Diktators waren die einzig gültigen und reichten bis in die letzten Winkel des täglichen Lebens.

Weil Franco Fußballfan und Tippspieler war, wurden beispielsweise im Mai 1967 vier Liga-Spiele ausgesetzt, damit der Diktator einen Tippschein vollständig richtig ausfüllen konnte (dessen Gewinn er übrigens auch kassierte). In jenem Monat befand sich das Westjordanland im Krieg gegen den israelischen Zionismus, und in Bizkaia verhängte das Regime angesichts der Arbeiterstreiks einen neuen Ausnahmezustand. Ein halbes Jahrhundert im Schatten dieser Diktatur. Hoffen wir, dass sich die Geschichte nicht wiederholt, weder als Tragödie noch als Farce.

Im Bezug auf den viel beschworenen “friedlichen Übergang in die Demokratie“ wird bis heute diskutiert, immer mehr Betrachter*innen sind er Ansicht, dass ein Regimewechsel nicht wirklich stattgefunden hat und sprechen deshalb vom “Regime von 1978“, dem Jahr der neuen Verfassung unter dem Damokles-Schwert von Drohungen alter Militärs, erneut zu putschen, was sie 1982 tatsächlich auch versuchten. 20. November 2025 – 50 Jahre nach dem Tod des Diktators: Was von Franco übrig geblieben ist, liegt nicht unter der Erde. Auch Jahrzehnte später ist der Franquismus noch immer präsent: in den Institutionen, auf den Straßen und in den Rissen einer Demokratie, die sich nie der Wahrheit und einer Aufarbeitung des spanischen Faschismus stellen wollte. Eine Diktatur, die unter der Oberfläche weiterlebt.

ANMERKUNGEN:

(*) “Muere Franco, pero no la sombra continuada de su estructura”, Tageszeitung Gara, Autor: Iñaki Egaña; mit redaktionellen Ergänzungen, 2025-11-20 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(*) Francos Beerdigung (naiz)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-11-20)

Für den Betrieb unserer Webseite benutzen wir Cookies. Wenn Sie unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, akzeptieren Sie unseren Einsatz von Cookies. Mehr Information