kaxil1Vergessene Kämpferinnen

Clara Morán Miguel, Milizionärin aus Gallarta, die im Alter von 19 Jahren im Kampf bei Kanpazar fiel - Cecilia García de Guilarte, Kriegsreporterin aus Tolosa - Manuela Gavilán, aus Bilbao stammend und Verbindungsfrau der Angriffs-Truppen – das sind nur einige der Namen, an die in diesem „republikanischen April“ erinnert wird: 90 Jahre nach dem Militärputsch von Juli 1936, 89 Jahre nach der Zerstörung von Gernika durch die Legion Condor der Nazis und 95 Jahre nach Ausrufung der Spanischen Republik.

Die offizielle Geschichts-Schreibung hat die baskischen Milizionärinnen aus dem Spanienkrieg weitgehend vergessen. Nun kehren sie in Form einer Ausstellung im April 2026 zurück.

Frauen, Linke, Baskinnen, mit eigenen Ideen und auf der Seite der Verlierer. Für die offizielle Geschichtsschreibung, die sehr selektiv ist und ein schwaches Gedächtnis hat, sind sie meist nicht von großem Interesse. Ein Besuch bei „Emakumeak, 1931–1939“, dem Titel der Wander-Ausstellung, die vom Republikanischen Kollektiv des Baskenlandes (Colectivo Republicano de Euskal Herria) organisiert und von Herri Taupada Larrabetzu Oroimena realisiert wurde, gibt den Frauen ein Gesicht, die vom Baskenland aus gegen den Faschismus jenes franquistischen Staatsstreichs kämpften, den seine heutigen neofranquistischen Erben (von Vox, der PP und anderen neofaschistischen Gruppen) zu beschönigen versuchen.

Die Ausstellung – eine Fotoausstellung, nicht sehr groß, aber sehr gut dokumentiert – war zuvor bereits in Orten wie Gernika oder Larrabetzu zu sehen. Jetzt ist sie, wie einer ihrer Organisatoren, Josetxo Álvarez, spöttisch bemerkt, „endlich in der großen Hauptstadt angekommen“. Bis zum 28. April ist sie im Bürgerzentrum La Bolsa im Palacio Yohn in der Altstadt (Zazpi Kaleak) zu sehen und reiht sich ein in das, was man als „republikanischen April“ bezeichnen könnte, da die Bemühungen auch andere Initiativen umfassen.

kaxil2aHeute, am 14. April, dem Tag, an dem der Beginn der Zweiten Republik im spanischen Staat gefeiert wird, wird die Ausstellung um 19.00 Uhr von einem ihrer Autoren, dem Journalisten und Schriftsteller Iñaki Berazategi, eröffnet. Einige Stunden zuvor, um 12.00 Uhr mittags, veranstaltet das Republikanische Kollektiv von Euskal Herria eine Gedenkfeier auf der Herriko Plaza in Barakaldo. Warum in Barakaldo? Die Fraktionen der sozialdemokratischen PSE-EE, der linksliberalen EH Bildu und von Podemos-Elkarrekin im Stadtrat unterstützten einen Antrag zur Ehrung des 1931 gewählten Stadtrats sowie die Forderung, die republikanische Flagge zu hissen oder das Rathaus in den Farben der Republik zu beleuchten. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt.

Die für die folgenden Tage in Bilbao geplanten Vorträge werden von der Historikerin Mari José Villa („Frauen in der Republik“, 22. April) und Joseba Eceolaza (24. April) gehalten, der sein Buch „Las voces de la República“ (Die Stimmen der Republik) vorstellen wird. Anhand von Fotografien versucht die Ausstellung, eine historische Epoche visuell nachzuzeichnen, in der Frauen unverzichtbare Protagonistinnen waren.

„Es ist eine Würdigung der Rolle der Frauen, denn der Feminismus ist eine mächtige Waffe“, erklärt Josetxo Álvarez. Ist es wichtig, in einer Situation wie der aktuellen für die Zweite Republik einzutreten? wurde er gefragt. „Für mich sind Republikaner*innen wichtiger als eine Republik. Es ist eine politische Gesinnung, bedeutet aber auch Toleranz, Gleichheit, Freiheit und Schwesternschaft. Heute sind Toleranz und der Wunsch nach Frieden auf der Iberischen Halbinsel dringend notwendig, denn wir befinden uns gerade am anderen Ende des Spektrums“, antwortet er.

Anhand von Reproduktionen von Reportagen aus Zeitschriften jener Zeit, Bildern unbekannter Autoren und Fotografien internationaler Fotografen wie dem legendären Robert Capa – der Anfang Mai 1937 eine Woche in Bilbao verbrachte und dabei das Alltagsleben der vom Krieg belagerten Stadt festhielt – oder von lokalen, bekannten Basken wie Ignacio Ojanguren oder Ricardo Martín – verleiht die Ausstellung den Frauen, die Protagonistinnen ihrer Zeit waren, ein Gesicht und eine Biografie. Kämpferinnen wie Dolores Ibarruri „Pasionaria“, die Víctor Ruiz Añibarro, Chefredakteur der nationalistischen Tageszeitung „Euzkadi“ und Korrespondent der Tageszeitung „Ahora“ sowie der Zeitschrift „Estampa“ für die letztgenannte Publikation interviewte. Der Interview-Bericht mit der kommunistischen Führerin aus Bizkaia erschien am 17. Oktober 1931.

Aus derselben Zeitschrift Estampa stammt ein weiterer Bericht aus dem Jahr 1937 über Felipa Domínguez Taguada, bekannt als „Domi“ oder „La Consulesa de Irun“ (Die Konsulin von Irun). Als Krankenschwester des Roten Kreuzes und Milizionärin gehörte sie während des Krieges zu den baskischen antifaschistischen Milizen, die an der Front von Madrid kämpften. Domi war die einzige Frau in dieser baskischen Militäreinheit.

In der Madrider Bildzeitschrift, die wie andere ähnliche Publikationen der republikanischen Ära Frauen Raum gab, begann Cecilia García de Guilarte (Tolosa, 1913–1989) ihre Laufbahn. Im Krieg von 1936 zeichnete sie sich als Kriegs-Reporterin der Publikation „CNT del Norte“ aus. Übrigens gibt es auch Belege dafür, dass während des Krieges in Bilbao vom Komitee der Frauen gegen Krieg und Faschismus die wöchentlich erscheinende Zeitschrift „Mujeres“ (Frauen) herausgegeben wurde.

„Von den 6.000 Kämpferinnen im Staat sind 250 baskische Frauen registriert“

Die Geschichte der anarchistin Soledad Casilda Hernáez Vargas, „Kaxilda“, reicht aus für einen Roman. Sie wurde 1914 in Zizurkil als Tochter einer alleinerziehenden Mutter geboren und sah sich dem dreifachen Stigma gegenüber, eine Frau, eine Zigeunerin / Roma (baskisch: ijitoa, spanisch: gitana) und arm zu sein. Schon in jungen Jahren engagierte sie sich in den „Juventudes Libertarias“ und der anarchistischen Gewerkschaft CNT. Sie wurde inhaftiert, schloss sich zusammen mit ihrem Lebensgefährten Félix Likiniano den Milizen an, um Donostia zu verteidigen und an verschiedenen Fronten zu kämpfen … nach dem Krieg folgten Konzentrationslager, der heimliche Widerstand und – als sie im nördlichen Baskenland Iparralde lebte – ihre Unterstützung für den Kampf der neuen Generationen.

Wir begegnen auch weniger bekannten Gesichtern: Clara Morán Miguel, geboren in Gallarta, die sich zu Beginn des Krieges als Milizionärin meldete und an der bewaffneten Einnahme der Kasernen von Loiola in Donostia teilnahm und später an der Front von Elgeta kämpfte, dem letzten baskischen Bollwerk in den Intxorta-Bergen gegen die anrückenden Faschisten, an der Grenze zwischen Gipuzkoa und Bizkaia. Am 4. Oktober 1936 wurde sie mitten in einem Gefecht am Kanpazar-Pass bei Arrasate-Mondragón von einer feindlichen Kugel getroffen und starb auf der Stelle. Sie war 19 Jahre alt.

Die aus Bilbao stammende Manuela Gavilán sehen wir auf einem Foto mit ihrem Ehemann Manuel Verdial. Sie war als Verbindungsfrau in einer „Compañía de Acero“ (Stahl-Kompanie) des Fünften Regiments der Volksmilizen von Madrid tätig, einer Spezialeinheit. Die Autor*innen der Ausstellung weisen darauf hin, dass die Gesamtzahl der weiblichen Kämpferinnen an der Front in jenem Krieg nicht genau bekannt ist. Allerdings zog die Regierung der Republik nach den ersten Monaten des Konflikts die Frauen aus der Frontlinie ab, damit sie Aufgaben übernehmen konnten, die „ihrer Geschlechtsrolle besser entsprachen“ – die typisch männliche Sichtweise, vor 90 Jahren mit Sicherheit noch stärker ausgeprägt als heute.

kaxil3aDie Teilnahme von mehr als 6.000 weiblichen Kämpferinnen konnte nachgewiesen werden, die meisten davon aus Katalonien und Madrid, obwohl auch 250 baskische Frauen als solche registriert wurden. „Madrid, 8. März 1936, vier Monate vor dem faschistischen Militärputsch. Die sozialistische Abgeordnete aus Navarra, Julia Álvarez Resano, spricht zu der Menschenmenge, die sich in der Stierkampfarena Las Ventas bei der von der Volksfront organisierten Kundgebung versammelt hat, um den republikanischen Frauen für ihre Rolle bei den Wahlen vom 16. Februar 1936 zu danken, die den linken Parteien den Sieg bescherten“, ist auf einem anderen Bild zu lesen.

Ein weiteres Bild: Haydée Agirre, Mitglied von „Emakume Abertzale Batza“ (Nationalistischer Frauen Verband), während einer Kundgebung in Muskiz am 12. Juli 1936, sechs Tage vor Kriegsbeginn. Tatsächlich war die Arbeit der Frauen in allen Bereichen präsent: Aurora Arnáiz Amigo (Sestao, 1903 – Mexiko-Stadt, 2009) war Aktivistin der Vereinigten Sozialistischen Jugend (JU), Schriftstellerin, Rechtsanwältin und Universitäts-Professorin. Während des Krieges von 1936 führte sie eine Kolonne von Milizionären der JSU an der Front der Sierra Norte von Madrid an.

Oder „Rosario, die Sprengstoffexpertin“, sie war 17 Jahre alt, als der Krieg ausbrach. Nach ihrer Gefangennahme durchlief sie die Frauengefängnisse von Durango, Bilbao und Saturraran.

Es gibt auch diejenigen, die in baskischen Gefängnisse eingesperrt waren. Tomasa Cuevas, eine junge Arbeiterin, die 1917 in Brihuega (Guadalajara) geboren und 1939 wegen ihrer kommunistischen Gesinnung zu 30 Jahren Haft verurteilt, wurde fünf Jahre später auf Bewährung freigelassen, nachdem sie mehrere Frauen-Gefängnisse hinter sich hatte, darunter die von Durango und Zornotza-Amorebieta. 1974 begann sie, die Berichte ihrer ehemaligen Mitgefangenen zu sammeln, aus denen sie „Testimonios de mujeres en los cárceles franquistas“ (Zeugnisse von Frauen in den Franco-Gefängnissen) verfasste, ein Standardwerk für die Erforschung der politischen Gefangenen während des Franco-Regimes.

Eine weitere Kämpferin war Rosario Sánchez Mora, „Rosario la dinamitera“ (Rosario, die Sprengmeisterin). Sie war 17 Jahre alt, als der Krieg ausbrach. Auf ihrer Gefängnis-Tour war sie unter anderem im Frauengefängnis von Durango, aber auch im improvisierten Knast in der Villa Orue in Bilbao-Santutxu und schließlich im Frauen-Gefängnis von Saturraran (Mutriku-Ondarru).

Schließlich die historische asturische Sozialistin Ángeles Flórez Peón, „Maricuela“ (Blimea, 1918 – Xixón-Gijon, 2024). „Sie galt als die letzte noch lebende Milizionärin des Bürgerkriegs“, ist auf einer Tafel zu lesen. Nach dem Fall Asturiens wurde sie zu 15 Jahren Haft verurteilt. Nach ihrer Verlegung ins Gefängnis von Saturraran wurde sie 1941 unter Bewährung freigelassen und lebte einige Zeit in Barakaldo. Ángeles besuchte Larrabetzu in Bizkaia im Jahr 2018, um in Bolunburu an der Ehrung der asturischen Kämpfer teilzunehmen, die das republikanische Baskenland verteidigten.“

Neben den Kriegsfotografien sind auch andere zu sehen, die Hoffnung vermitteln. Zum Beispiel jene Bilder vom 14. April 1932, auf denen Republikanerinnen aus Araba (Álava) durch die Straßen von Gasteiz ziehen, um den ersten Jahrestag der Ausrufung der Republik zu feiern. Oder jene Jugendliche, die im selben Jahr zum Karneval nach Donostia gingen und das Wort „Feminismus“ formten ... Sie wussten nicht, was auf sie zukommen würde. (*)

Frauen im Spanienkrieg (Baskultur):

In früheren Veröffentlichungen baskultur.info kam die Rolle von Frauen in der Republik und im Spanienkrieg zur Sprache:

(***) Faschismus gegen Frauen. Aufarbeitung in Navarra (LINK)

(***) Frauen im Krieg ermordet. Franquistische Repression in Bilbao (LINK)

(***) Reporterinnen im Spanienkrieg. Die ignorierte Frauenarbeit (LINK)

(***) Die Legion Condor. Misshandlung republikanischer Frauen. NS-Elitesoldaten und Verbrechen: die Legion Condor. Essay über die Verbrechen der Legion Condor im Spanienkrieg 1936-1939. Autor Hubert Brieden. Misshandlung republikanischer Frauen. Teil 3. (LINK)

ANMERKUNGEN:

(*) “Die Milizionärinnen, die die offizielle Geschichtsschreibung vergessen hat, kehren im April zurück“, (Original-Titel: Las milicianas que la historia oficial ha olvidado vuelven en abril), Tageszeitung Gara, Autorin: Amaia Ereñaga, 2026-04-14 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(*) Frauen im Spanienkrieg (rtve / naiz)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-04-14)

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