lc3a1Misshandlung republikanischer Frauen

Die deutsche Militär-Geschichts-Schreibung unterschlägt, dass die nazi-deutsche Flugstaffel Legion Condor für alle Angriffe an der spanischen Nordfront verantwortlich war (Baskenland, Asturien). Militärisch scheinbar unsinnige Attacken waren Teil der Strategie der Nazis-Angriffe, die Bombardierungen von Gernika oder Almeria waren geplante Terrorangriffe. Sie hatten keine militär-strategischen Ziele, sondern dienten der Demoralisierung der Zivilbevölkerung. Teil 3: Misshandlung republikanischer Frauen.

NS-Elitesoldaten und Verbrechen: die Legion Condor - "Da hat, als der Ordnung Bote, der Deutsche Hilfe gebracht" - Titel des Essays über die Verbrechen der Legion Condor im Spanienkrieg 1936-1939. Autor Hubert Brieden. Bisher unveröffentlicht. Teil 3.

“NS-Elitesoldaten und Verbrechen: die Legion Condor” ist eine Abhandlung von Hubert Brieden über die Rolle der Nazi-Flugstaffel im Spanienkrieg, veröffentlicht auf der Webseite des Arbeitskreises Regionalgeschichte Neustadt am Rübenberge. Baskultur.info publiziert den Text in drei Teilen. Der erste Teil trägt den Titel “Täter werden zu Opfern” (LINK), der zweite Teil: “Terror gegen Zivilbevölkerung” (LINK), Teil 3: “Misshandlung republikanischer Frauen” (LINK).

lc3a2„… diese kleinen, zierlichen, schwarzhaarigen Carmens und Estrellas oder wie sie alle heißen mögen" - Condor-Soldaten und spanische Frauen

Wenn es um ihr Verhältnis zu einheimischen Frauen geht, geben sich die deutschen Krieger eher zurückhaltend – zumindest in der Öffentlichkeit. Nachdem an der Nordfront die "letzten Rojos" aus ihren Verstecken in den Bergen "herausgeholt und unschädlich gemacht" worden seien, so Klaus Köhler in seinem "Tagebuch", seien sie von freudigen Einheimischen begrüßt worden. Einige seien sogar zu ihnen auf die Fahrzeuge geklettert, um ihnen die Hände zu schütteln und sie zu umarmen: "Lachende Frauenlippen bieten sich zum Kuss. Mit Freuden zahlen wir den geforderten Tribut. Das ist etwas für uns. Zwei Monate und länger kaum eine Frau gesehen, geschweige denn die berauschende Nähe eines solchen überirdisch erscheinenden Wesens verspürt. Und ganz verteufelt hübsch sind diese kleinen, zierlichen, schwarzhaarigen Carmens und Estrellas oder wie sie alle heißen mögen." (1)

Nachdem Köhler sich endlich mal wieder gründlich gewaschen und sich davon überzeugt hatte, dass er "anscheinend doch der weißen Rasse angehöre", ging es zur Siegesfeier nach Santander: "Mit frisch gewaschenen und gebügelten Uniformen und blanken Schuhen, nach Kölnisch Wasser duftend, promenieren wir über den Gran Paseo und können nicht genug tun, die feurigen Spanierinnen zu bewundern, aber auch wir werden bestaunt." Die "feurigen Spanierinnen" seien aber vor allem an den glänzenden deutschen "Zigaretten-Blechschachteln" interessiert gewesen. (2) Das war natürlich für manchen Legionär frustrierend, andere fühlten sich durch das "undeutsche" Make-up spanischer Frauen eher abgestoßen. (3)

lc3a3In manchen nicht veröffentlichten Tagebüchern werden Bordellbesuche erwähnt. Die deutschen Krieger mussten aber die Erfahrung machen, dass sie – aus welchem Grund auch immer – nicht überall freundlich behandelt wurden. "So waren die Prostituierten des Bordells La Luisa in Burgos für ihre notorische Unfreundlichkeit gegenüber nationalen Fliegern bekannt, die allerdings sicher genug Ausweichmöglichkeiten fanden." (4) Die Führung der Legion Condor bemühte sich darum, ein geregeltes Bordellwesen zu etablieren, nicht zuletzt um die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten zu verhindern und so die Kampfkraft der Truppe zu erhalten. Außerdem waren Bordellbesuche in Regionen, in denen noch Partisanen aktiv waren, nicht ungefährlich. Bestimmte Bordelle waren nur noch für Deutsche vorgesehen mit getrennten Benutzungszeiten für Offiziere und Mannschaften, gesundheitlich überwacht durch deutsche Stabsärzte, deren spanische Kollegen die "Einführung der deutschen Sexualordnung" eher belustigend fanden. (5)

… der Führer irrt sich nie" – soldatische Automaten

Was brachte deutsche Elitesoldaten dazu, die Bevölkerung eines fremden Landes, deren Sprache und Gebräuche ihnen fremd waren, von deren politischer und sozialer Struktur sie nichts oder kaum etwas verstanden, zu bombardieren und anderweitig umzubringen. Diese Frage stellten sich Beobachter des Spanischen Krieges immer wieder und einige hatten die Gelegenheit, diese Fragen auch Angehörigen der Legion Condor zu stellen, die in Gefangenschaft geraten waren. Der Journalist und Schriftsteller Ilja Ehrenburg, der sich seit 1936 regelmäßig in Spanien aufhielt und Artikel über den Krieg veröffentlichte, stellte fest, dass die Legionäre nicht nur über Spanien nichts wussten, sondern dass ihnen auch Geschichte und Kultur Deutschlands weitgehend unbekannt waren. Über sein Gespräch mit Günther Löhnung, der auf dem Fliegerhorst Hannover-Langenhagen ausgebildet worden war und in Spanien zur Besatzung eines schweren Bombers gehört hatte, schrieb er: (6)

"Kaum zu glauben, dass dies ein lebendiger Mann ist, der Sohn eines Schneiders aus Hannover, dass er eine Realschule besucht hat, dass er lockiges Haar hat … Günther Löhning ist ein idealer Vertreter jener neuen faschistischen Rasse, die jetzt in den Zuchtfabriken des 'Dritten Reiches' heranwächst … Die Ruinen von Madrid, Albacete, Cartagena, Tausende von Leichen – Frauen, Kinder. Wofür nur? Das fragt sich der deutsche Soldat nicht."

lc3a4Ein republikanischer Offizier habe ihn zuvor gefragt: "Warum führt ihr Krieg gegen uns?" Die Antwort von Löhning: "Der Führer hat gesagt, dass er Frieden will, und der Führer irrt sich nie." Ehrenburg erschienen diese deutschen Soldaten wie seelenlose Automaten. Einige Tage später hielt es Löhnung für angebracht, sich öffentlich von seinem Einsatz in Spanien zu distanzieren. (7) Verblüfft waren unterschiedliche Beobachter immer wieder von der Überheblichkeit und Arroganz der gefangenen Condor-Angehörigen, die gepaart war mit völliger Unbildung und Uninformiertheit. Der Gefangene Kurt Kettner etwa, gefragt nach der Bombardierung der Zivilbevölkerung, soll sinngemäß gesagt haben: "Schon wieder die Geschichte von mujeres y niños? So ein Theater! Vor kurzem, nach einem Bombenangriff, sah ich Rauchwolken. Wahrscheinlich war das auch Rauch von mujeres y niños." (8)

Nur wenige stellten sich als unpolitisch dar, andere erklärten, sie seien zum Üben ins Land gekommen und die Spanier seien ihnen egal. Die meisten Angehörigen der Legion Condor verstanden sich als politische Soldaten. Sie waren durchdrungen von Antibolschewismus / Antikommunismus und Antisemitismus, wie sie es aus militärischen Schulungen und der alltäglichen Propaganda kannten. Und diese Propaganda konnte, so hatte es bereits Adolf Hitler in "Mein Kampf" postuliert, gar nicht primitiv genug sein, vor allem dann, wenn "ein ganzes Volk" kriegstauglich gemacht werden sollte. "Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergesslichkeit groß.

Aus diesen Tatsachen heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda auf nur sehr wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig so lange zu bewerten, bis auch bestimmt der Letzte unter einem solchen Worte das Gewollte sich vorzustellen vermag." (9) Die Propaganda hatte ihre Wirkung getan, die deutschen Soldaten in Spanien funktionierten, wie "der Führer" es wollte. Einige Jahre später konkretisierte Joseph Goebbels dieses Erziehungskonzept für den Vernichtungskrieg in der Sowjetunion. Deutsche Soldaten müssten sich wenigstens "vorstellen können, worum es geht, wenn es auch primitiv ist. Die brauchen gar nicht Goethe und Schiller zu kennen und brauchen nicht die Kant‘sche Philosophie studiert zu haben, sondern die brauchen nur zu wissen: Es geht um mein Vaterland und es geht um eine soziale neue Heilslehre und es geht für Hitler und es geht für die Erneuerung meines Landes und meines Volkes – das genügt vollkommen! So ist das auch heute!"

ANMERKUNGEN:

(*) Originaltext (LINK)

(1) Köhler, Klaus a. a. O. S. 73 f.

(2) ebd. S. 75

(3) Schüler-Springorum, Stefanie a. a. O. S.138

(4) ebd. S. 139

(5) ebd. S. 139 10"

(6) Zum Herkunftsfliegerhorst von Günther Löhning vgl. Brieden, Hubert: Gernika – die lange Geschichte eines Luftangriffs a. a. O. S. 57. Artikel von Ehrenburg aus Istwestia 28.2.1937, zit. in: Hellbeck, Jochen: Ein Krieg wie kein anderer, Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, Eine Revision, Frankfurt/M. 2025, S. 122

(7) Schüler-Springorum, Stefanie a. a. O. S.201

(8) zit. in Schüler-Springorum, Stefanie a. a. O. S. 201 11

(9) Hitler, Adolf: Mein Kampf, Erster Band, Eine Abrechnung, München 1935, S. 198

ABBILDUNGEN:

(1) Legion Condor

(2) Republikanische Frauen (rtve)

(3) Repression gegen Frauen (foro memoria)

(4) Republikanische Frauen (abc)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-05-18)



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