
Baskische Jugend organisiert sich
Die neue linke baskische Jugendbewegung ist ohne die verschiedenene Organisationen, die sich unter dem Dach von EHKS (Sozialistischer Rat) versammeln, nicht mehr denkbar. Seit die alte baskische Linke nach der auflösung von ETA eine neue sozialdemokratische Orientierung eingeschlagen hat, hört die sozialistische Jugend-Bewegung nicht auf zu wachsen. Besonderheit ist, dass sie sich weder auf die baskische Unabhängigkeit bezieht, sondern auch in spanischen Regionen Organisations-Versuche gestartet hat.
Der „Sozialistischer Rat von Euskal Herria“ (Euskal Herriko Kontseilu Sozialista, EHKS) ist eine baskische politische Organisation, Teil der Sozialistischen Bewegung. Politische Führung, Bezugspunkt und Sprachrohr der gesamten Sozialistischen Bewegung im Baskenland.
Das „Sozialistische Jugend-Treffen“ (Gazte Topagune Sozialista) bringt Tausende junger Menschen im Rahmen einer Initiative zusammen, die auf politischer Bildung und aktivem Engagement basiert.“ Anfang Oktober 2026 findet in Elizondo das Gazte Topagune Sozialista statt. Die sozialistische Zeitschrift Gedar hat mit Saioa Galarraga (GKS) und Jon Arrondo (IAS) über die Entwicklung der Initiative, ihre Ziele und die diesjährige Ausgabe gesprochen. (Interview bei Diario Socialista) (1).
DS: Eine neue Ausgabe des Gazte Topagune Sozialista steht kurz bevor. Was ist das Topagune und warum ist es so wichtig?
Es handelt sich um eine Initiative, die wir organisieren, um unsere Kräfte im Hinblick auf den Sozialismus zu bündeln. Sie wird durch die Arbeit von Hunderten von Aktivistinnen und Aktivisten auf die Beine gestellt und bringt Tausende junger Arbeiter*innen zusammen. Vor allem ist es ein Raum für Reflexion, das Eintreten für unsere Anliegen und für die Stärkung der politischen Gemeinschaft.
Wir erleben derzeit einen Aufschwung des Faschismus und des Autoritarismus, und wir denken, dass Initiativen dieser Art in diesem Kontext eine besondere Bedeutung erlangen. Einerseits, weil wir dort die aktuelle Phase des Kapitalismus analysieren und über die Kampflinien sprechen werden, die wir als arbeitende Jugend entwickeln können; und andererseits, weil wir das Topagune nutzen werden, um eine Machtdemonstration gegen den Faschismus zu zeigen. Initiativen dieser Art sind auch wichtig, um eine Botschaft der Verbundenheit mit dem Sozialismus zu verbreiten, sowohl im Baskenland als auch auf internationaler Ebene.
DS: Wozu haben die bisherigen Topagunes gedient?
Alle Topagunes hatten im Laufe der Entwicklung der Sozialistischen Bewegung im Baskenland große politische Bedeutung, jedes einzelne hat auf seine Weise zum sozialistischen Prozess beigetragen. Die ersten Topagunes gaben einer Generation junger Menschen den nötigen Anstoß, um die Sozialistische Bewegung ins Leben zu rufen. Die folgenden zeigten, dass wir eine solide Bewegung sind – entgegen den Behauptungen unserer Gegner: Wir haben gesehen, dass der Kommunismus breite Unterstützung unter jungen Menschen finden kann und dass es möglich ist, ein revolutionäres politisches Programm zugunsten des Aufbaus des Sozialismus voranzutreiben. Zudem waren sie ein Beleg für das sowohl quantitative als auch qualitative Wachstum, das die Sozialistische Bewegung in wenigen Jahren erfahren hat.
DS: Im Rahmen des Topagune-Programms werdet ihr am 11. Oktober eine Demonstration gegen Faschismus und den Autoritarismus der Staaten veranstalten. Ihr habt deutlich gemacht, dass die Staaten immer autoritärer werden und dass der Faschismus sowohl im Baskenland als auch darüber hinaus an Stärke gewinnt. Welche Botschaft wollt ihr mit der Demonstration vermitteln?
Dass wir dem Faschismus die Stirn bieten müssen und dass wir dafür die Einheit der Arbeiterklasse im Rahmen eines revolutionären Projekts aufbauen müssen. Das angebliche antifaschistische Bündnis der Wahlparteien wird den Faschismus nicht aufhalten. Sie wollen die Angst, die der Faschismus hervorruft, lediglich dazu nutzen, um die antifaschistische Wählerschaft zu mobilisieren. Doch währenddessen gewinnt der Faschismus immer mehr an Stärke, und die Voraussetzungen für den Aufbau eines echten Antifaschismus werden ständig zerstört. Wir müssen den Kampf gegen den Faschismus gemeinsam mit verschiedenen Kollektiven der Arbeiterklasse und der Volksbewegungen aufbauen.

DS: Ende Januar 2026 nahmen 10.000 Menschen an den von der GKS organisierten Demonstrationen gegen Faschismus und staatlichen Autoritarismus teil.
Ja, wir haben gezeigt, dass Organisation und politisches Engagement dazu dienen, dem Faschismus den Weg zu versperren, und wir haben auch deutlich gemacht, wie wichtig es ist, den Faschisten unsere Stärke zu demonstrieren. Wir sind eine Organisation, die stetig wächst und über eine große Mobilisierungskraft verfügt, und wir sind diesen Weg gegangen, ohne unsere revolutionären politischen Prinzipien aufzugeben. In jedem Fall ist es in diesem Kontext, in dem sich die Ultrarechte ausbreitet, unsere Aufgabe weiterzuarbeiten: Wir müssen dafür sorgen, dass der Kommunismus zur Hauptkraft unter den Jugendlichen wird.
DS: Auch in diesem Jahr werden Vorträge und Podiumsdiskussionen wieder eine zentrale Rolle im Programm spielen. Was wollt ihr mit diesen Veranstaltungen erreichen?
Wie bereits erwähnt, wollen wir die aktuelle Situation analysieren, darüber nachdenken und über die Herausforderungen sprechen, denen wir als arbeitende Jugend gegenüberstehen. Dabei ist die politische Bildung für uns von zentraler Bedeutung, da sie uns ermöglicht, die politischen Prinzipien, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, angemessen zu verinnerlichen und unser politisches Bewusstsein zu schärfen. In diesem Sinne denken wir, dass das „Gazte Topagune Sozialista“ als Modell eines Begegnungsraums einen Schritt nach vorne darstellt, da es Tausende junger Menschen in einer Initiative zusammenbringt, deren Schwerpunkte die politische Bildung und die militante Arbeit sind – im Gegensatz zum immer weiter verbreiteten Modell der Makrofestivals.
Außerdem werden in diesem Jahr zahlreiche Musiker, Künstler, Sportler und andere Persönlichkeiten aus dem Baskenland und darüber hinaus am Programm des Topagune teilnehmen. Das Topagune ist auch eine Initiative, um Spaß zu haben, einander kennenzulernen und Gemeinschaft aufzubauen. Dort entstehen unvergessliche Erinnerungen, und nichts davon wäre ohne den Beitrag all dieser Menschen möglich.
DS: Ihr arbeitet schon seit Monaten mit Blick auf das Topagune und werdet in diesen Wochen Hunderte von Präsentationen im gesamten Baskenland durchführen. Wie wird die Initiative aufgenommen? Wie ist die Stimmung?
Sie wird sehr gut angenommen, die Präsentationen sind gut besucht und auch die Aktivitäten, die wir im Sommer organisiert haben, waren erfolgreich. Das „Gazte Topagune Sozialista“ wird immer bekannter und zieht immer mehr Menschen an. Wir glauben, dass es große Begeisterung weckt, und es ist hoffnungsvoll zu sehen, wie sich so viele junge Menschen für den Sozialismus zusammenschließen.
DS: Welche Botschaft würdet ihr den jungen Menschen mitgeben, die zum Topagune kommen?
In diesem von Faschismus und staatlichem Autoritarismus geprägten Kontext müssen wir jungen Menschen den Schritt wagen, uns dem Kampf für den Sozialismus anzuschließen, und in dieser Hinsicht ist das „Gazte Topagune Sozialista“ eine außergewöhnliche Gelegenheit: um zu lernen, uns zu treffen, unsere Kräfte zu bündeln und natürlich Spaß zu haben. Zögert also nicht und kommt vorbei. Wir sehen uns dort.
ANMERKUNGEN:
(1) „Das Gazte Topagune Sozialista bringt Tausende junger Menschen in einer Initiative zusammen, die auf politischer Bildung und aktivem Engagement basiert“ (Original: El Gazte Topagune Sozialista consigue reunir a miles de jóvenes en una iniciativa basada en la formación política y el trabajo militante), Zeitschrift Gedar, 30. September 2026, Übersetzung baskultur.info (LINK)
ABBILDUNGEN:
(*) Topagune Sozialista (gedar)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-11-11)
