klikat1Vom Regen in die Traufe

Die Wellen steigen höher, die Strände verschwinden langsam, Überschwemmungen eingeschlossen, die Fischer haben weniger Fänge in ihren Netzen ... dies sind einige Aspekte im Zukunfts-Panorama der baskischen Küste, verursacht durch die Klimakrise. In Dubai wurde der 28. Klimagipfel eröffnet, von dem sich einmal mehr niemand wirklich etwas erwartet. Ein Bericht des baskischen Forschungs-Zentrums Azti zeigt die gravierenden Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die baskische Küsten-Landschaften.

Vor dem Klimagipfel in Dubai 2023 hat das baskische Fernsehen Reporter nach Grönland geschickt, wo sich die Folgen von Erderwärmung und Klimakatastrophe bereits deutlicher bemerkbar machen als im Baskenland selbst.

Eine im vergangenen Juni veröffentlichte Umfrage ergab, dass der Klimawandel für jede vierte Person im Baskenland die größte Herausforderung für die Menschheit darstellt, noch vor bewaffneten Konflikten, Terrorismus und anderen möglichen neuen Sicherheits-Bedrohungen. Die Umfrage zeigte auch, dass nur 6,3% der Befragten den Klimawandel leugnen, drei Prozentpunkte weniger als im spanischen Staat. Dies deutet darauf hin, dass die von Wissenschaftler*innen seit Jahren verkündete Botschaft angekommen ist – zumindest theoretisch. Denn dieselbe Umfrage ergab, dass die Mehrheit nicht bereit ist, für ihren Urlaub auf das Fliegen zu verzichten. Denn die globale Erwärmung wirkt sich auch auf das Baskenland aus. Wenige Tage vor Beginn des 28. Klimagipfels in Dubai zeigt ein Bericht des auf Meeresfragen spezialisierten baskischen Technologie-Zentrums Azti einige der Folgen des Temperatur-Anstiegs für die baskische Küste auf.

Steigender Meeresspiegel:
Verschwinden zahlreicher Strände

Der globale Temperatur-Anstieg lässt das Eis in Grönland, der Arktis und der Antarktis sowie die Gletscher in den Bergen schmelzen. Das Schmelzwasser fließt in den Ozean, was erheblich zum Anstieg des Meeresspiegels beiträgt. An der baskischen Küste steigt das Wasser seit den 1990er Jahren in einer Geschwindigkeit von 1,5 bis 3,5 Zentimetern pro Jahrzehnt an. Prognosen zufolge wird er bis zum Ende des 21. Jahrhunderts zwischen 50 und 65 Zentimeter erreichen. Zu den Folgen gehört "der voraussichtliche Verlust eines großen Teils unserer Strände". Laut einem von der baskischen Regierung im vergangenen Jahr vorgelegten Bericht würden in Bizkaia die Strände von Ereaga (Getxo), Arrietara und Azkorri (Sopelana), oder der längste baskische Strand in Zarautz, Gipuzkoa fast vollständig verschwinden.

Auch die Ökosysteme der Flussmündungen wie Salzwiesen und Seegraswiesen, die für den Erhalt der biologischen Vielfalt und für ihre Rolle als "blauer Kohlenstoff" von entscheidender Bedeutung sind, wären davon betroffen. Diese Gebiete absorbieren beträchtliche Mengen an Kohlendioxid aus der Atmosphäre, das im Meeresboden eingelagert wird, wodurch die Auswirkungen des Klimawandels verringert werden.

Überschwemmungen an den Küsten:
Zunahme der gefährdeten Gebiete

Untersuchungen zeigen, dass das von steigendem Wasserniveau gefährdete Gebiet bis 2050 um 12% und bis 2100 um 24 bis 59% zunehmen wird. Das bedeutet, dass die betroffene Fläche von derzeit etwa 1.700 Hektar auf etwa 1.900 bzw. 2.700 Hektar ansteigen würde. Nach der oben genannten Studie würde Orio in Gipuzkoa 33% seiner Wohnfläche verlieren, noch vor San Sebastian (25,8%) und Hondarribia (23%). In Bizkaia würde Plentzia 20,6 % seines Wohngebiets einbüßen, mehr als die am Nervion-Fluss gelegene Industriestadt Erandio (20,2%).

Größere Wellen: 
Zuwachs von 16 Zentimetern pro Jahrzehnt

Die Höhe der Wellen im Golf von Bizkaia hat deutlich zugenommen, zuletzt um durchschnittlich 16,8 Zentimeter pro Jahrzehnt. "Dieses Phänomen hängt wahrscheinlich mit den Stürmen des letzten Jahrzehnts zusammen und hat erhebliche Auswirkungen auf die Erosion der Strände in diesem Gebiet", so die Erklärung von Azti.

Steigende Meeres-Temperaturen:
heißere Städte im Sommer und intensivere Regenfälle

klikat3Nach den seit 1986 verfügbaren Daten ist die Oberflächen-Temperatur der baskischen Küste und des Golfs von Bizkaia generell um 0,19°C bis 0,26° Grad pro Jahrzehnt angestiegen. Die Prognosen sagen voraus, dass diese Oberflächen-Temperatur bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um 1,5°C bis 2,5°C steigen wird und im schlechtesten Fall sogar 3,5°C erreichen kann. Dies würde bedeuten, dass die Sommer in den Städten heißer werden. Wärmere Meere bedeuten gleichzeitig auch intensivere Niederschläge. Wenn die Wasser-Temperaturen steigen, nimmt die Verdunstung zu, die in die Atmosphäre gelangt und schließlich in Form von Niederschlägen auf das Land zurückkehrt. Das bedeutet zwar nicht mehr Regen, teilweise das Gegenteil, aber wenn es regnet, dann sind die Niederschläge intensiver.

Folgen für den Fischereisektor:
Arten wandern ab und werden kleiner

Der Anstieg der Meeres-Temperatur würde sich auf Meeresarten wie Sardellen und Thunfisch auswirken, die sich in Richtung der Pole bewegen und an Größe verlieren. Schätzungen zufolge verlagern die Verdel-Makrelen ihren Laichvorgang bei jedem Grad Meereserwärmung um 370 Kilometer nach Norden, während die Hol-Makrelen den Zeitpunkt ihres Laichens um etwa 12 Tage vorverlegen. Insgesamt könnte sich die Biomasse der Tierarten in den Ozeanen um 5 bis 17% verringern. All diese Faktoren haben mittelfristig bedeutende Auswirkungen auf die Fischerei-Industrie, die Fangschiffe müssten weitere Reisen unternehmen, um Fisch zu fangen. Längere Reisen bedeuten höhere Kosten, die in der Folge auf die Verkaufspreise umgelegt werden. Wie in vieler anderer Hinsicht auch, bezahlen die einfachen Konsument*innen am Ende die Rechnung.

Keine Aussicht auf Besserung:
Ein COP-Skandal nach dem anderen

28 Ausgaben von COP-Klimagipfeln (Conference of the Parties to the United Nations Framework Convention on Climate Change) haben deutlich gemacht, dass die Vertreter der kapitalistischen Welt-Wwirtschaft nicht in geringster Weise gewillt sind, von ihren zerstörerischen Praktiken abzusehen und dem Planeten eine Chance zu geben. Auf regionaler Ebene ist es die baskische Regierung, die Betriebe wie die Raffinerie Petronor in Muskiz hofiert – auf internationalem Niveau sind es die bekannten multinationalen Betreiber von Unternehmen im Zusammenhang mit fossilen Brennstoffen.

klikat4Dabei setzt die Dubai-Konferenz 2023 dem fortgesetzten Unterlassungs-Skandal die Krone auf. Der für die Konferenz zum Vorsitzenden ernannte Al-Jaber wird "Sultan" des Erdöls genannt. Nicht ohne Grund. Denn im Hauptberuf ist er Chef des staatlichen Dubai-Ölkonzerns ADNOC. Die Menschenrechts-Organisation Amnesty International hat keinen Moment gezögert, diese beiden Funktionen als "unvereinbar" zu bezeichnen. Kein Zufall war es, dass während der Konferenz bekannt wurde, dass es laut Al-Jabers Ansichten “keine wissenschaftlichen Beweise gäbe, dass die fossilen Brennstoffe verantwortlich seien“ für die Klimakatastrophe, ein blutiger Negationist also – wer sägt schon gerne am eigenen Stuhl (aktuelle Nachricht 2023-12-03).

Der COP28-Gipfelchef und Ölkönig Al-Yaber ist wegen seiner Verbindungen zur Ölindustrie und der Einladung der größten Unternehmen des Kohlenwasserstoff-Sektors zur Teilnahme an der Suche nach Lösungen für den Klimawandel zurecht umstritten. Im Januar 2023 veranlassten seine Beziehungen zur Welt der fossilen Brennstoffe 450 zivilgesellschaftliche Organisationen, UN-Generalsekretär António Guterres aufzufordern, ihn als Präsident der Klimakonferenz zu entlassen. Ein kürzlich von der BBC veröffentlichter Bericht enthüllte, dass die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ihre Rolle als Gastgeber der COP28 dazu nutzten, sich um Öl- und Gasgeschäfte mit 15 Ländern zu bemühen, während sie gleichzeitig mit ihnen über die Tagesordnung der Klimakonferenz verhandelten.

Unter diesen Vorzeichen ist von der Konferenz, der sich die größten Verschmutzer-Staaten ohnehin verweigern, nicht das Geringste zu erwarten. Was in Tschernobyl, Harrisburg und Fukushima produziert wurde, wird als “grüne Energiequelle“ umdefiniert, Kohlengruben werden “gerettet“ und die weltweite Erdöl-Industrie hat beim Gipfel zum “Schutz der Zukunft“ der Weltbevölkerung das Zepter in die Hand genommen.

Das baskische Fernsehen EITB berichtet aus Norwegen über die bombensichere Welt-Samenbank unter dem ewigen Eis, das langsam zu schmelzen droht. Der Journalist redet im Klartext über Grönland, die Arktis, Inuit-Fischer, die nun sechs statt vier Monate fischen können, und über den Gipfel, der keine Ergebnisse bringen wird.

Der unter Surfern beliebte Strand von Bakio oder der wilde Salvaje-Strand von Sopelana, so berichtet eine baskische Tageszeitung, sind Abschreibe-Objekte, die in zwei Generationen zur Kategorie Nostalgie gehören und an die sich in drei Generation die Kinder nicht mehr erinnern. Ein Fliegenschiss im Vergleich zu den weltweit austrocknenden Stauseen und den untergegangenen Niederlanden. Gestern am Abgrund – morgen einen Schritt weiter.

ANMERKUNGEN:

(1) “Olas más altas, playas que desaparecen, menos capturas... así cambiará la costa vasca con la crisis climática” (Höhere Wellen, schwindende Strände, weniger Fänge ... so wird sich die baskische Küste durch die Klimakrise verändern), Tageszeitung El Correo, 2023-11-27 (LINK)

(2) “Al-Yaber, el ‘sultán’ del petróleo y de las renovables que preside la COP28” (Al-Yaber, der 'Sultan' des Erdöls und der erneuerbaren Energien, der den Vorsitz der COP28 innehat) Tageszeitung Gara, 2023-11-28 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) Meer (naiz)

(2) Fischerei (ethic)

(3) Petronor (naiz)

(4) Petronor (greenpeace)

(PUBLIKATION BASKLUTUR.INFO 2023-12-03)

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