bison14.000 Jahre altes Skelett

Die Regierung von Navarra gab am Montag bekannt, dass im Naturpark Urbasa y Andia (in der so genannten Arrafela-Grube) ein 4.000 Jahre altes Bison-Skelett gefunden wurde, mit einer Kupferpfeil-Spitze zwischen den Rippen. Zudem wurden in der Gruben-Höhle Arrafela auch Überreste eines Höhlenlöwen gefunden. Es handelt sich um ein fast vollständiges Bison-Exemplar handelt, das mittels Radiokarbon datiert wurde und dessen Fundkontext auf das Ende der Kupferzeit (vor etwa 4.000 Jahren) zurückgeht.

Moderne Archäologie-Techniken ermöglichen urzeitliche Funde an Ausgrabungsorten, die bereits lange bekannt sind und plötzlich neue Ergebnisse bringen: die Hand von Irulegi oder der Loiu-Mann.

Möglicherweise handelt es sich um einen europäischen Bison, was jedoch noch durch DNA-Analysen bestätigt werden muss. In jedem Fall wurde betont, dass es sich um eine einzigartige Entdeckung auf der Iberischen Halbinsel handelt, da es sich, sollte es sich tatsächlich um einen europäischen Bison handeln, um den ersten Nachweis dieser Tierart handeln würde. Die Alternative wäre, dass das Skelett zu der sogenannten “Clado X” gehört, die aus genetischen Studien bekannt ist. Allerdings ist die Anatomie der Bisons dieser Clado nicht bekannt. Sollte sich bestätigen, dass es zu dieser Art gehört, wäre dies das erste vollständige Skelett dieser Spezies. Die Metallpfeilspitze, die zwischen den Rippen gefunden wurde, deutet darauf hin, dass die chalkolithischen (kupferzeitlichen) Bewohner der Region versuchten, dieses Tier zu jagen, das schließlich in die Schlucht stürzte und starb.

bison2Das Chalkolithikum, oder auch: die Kupferzeit wird auf die Zeitspanne von ca. 3.000 bis 1.700 vor Christus datiert. Es handelt sich um die Übergangszeit zwischen der Jungsteinzeit und der Bronzezeit, die den Beginn der Metallurgie markiert. Sie ist gekennzeichnet durch die Verwendung von Kupfer für Werkzeuge und Schmuck, die Entwicklung hierarchischerer Gesellschaften, den Bau von Stadtmauern und den Aufschwung der Glockenbecher-Kultur. Diese Epoche umfasst in Südost-Europa und dem Nahen Osten etwa den Zeitraum von 5.500 bis 2.200 v. Chr., wobei die wirtschaftliche Bedeutung des Kupfers zugrunde gelegt wird. Der Beginn der Kupfer-Verarbeitung generell geht bis ins 8. Jahrtausend vor Christus zurück. Da die Einführung der Kupferverarbeitungs-Technologie regional unterschiedlich Jahrtausende dauerte, muss der Begriff “Kupferzeit“ chronologisch in unterschiedlichen Gebieten anders angesetzt werden. Das Chalkolithikum kann in ein älteres (5.500 bis 5.000 v. Chr.), ein mittleres (5.000–4.500 vor Christus) und ein jüngeres Chalkolithikum (4.500 bis 3000 / 2900 vor Christus) eingeteilt werden.

Die neue Entdeckung in Nafarroa deutet darauf hin, dass die chalkolithischen Bevölkerungs-Gruppen der Gegend mit mehr Tierarten interagierten als bisher bekannt, und macht es notwendig, archäologische Sammlungen aus dieser Zeit zu überprüfen, um neue Exemplare zu finden, die vor etwa 4.000 Jahren von den Bauern und Viehzüchtern gejagt worden sein könnten. Die Untersuchungen begannen im Jahr 2024, nachdem die Forscher bestätigt hatten, dass es sich bei den Überresten nicht um die eines gewöhnlichen Rindes handelte. Von diesem Zeitpunkt an begannen die Arbeiten an den Überresten, deren Bergung im Oktober 2025 erfolgte.

Überreste anderer prähistorischer Tiere

Bei derselben Ausgrabung in derselben Höhle wurden Überreste eines Höhlenlöwen (Panthera spelaea) gefunden, einer vor etwa 12.000 Jahren ausgestorbenen Art, die dritte dokumentierte Fundstelle in Navarra (nach den Fundstätten von Abauntz und Koskobilo) und diejenige, die die meisten Überreste geliefert hat. Darüber hinaus wurden Überreste eines Lyra-Hahns und eines weiteren Raubvogels gefunden, die das Wissen über die Fauna der Vorgeschichte Navarras erweitern. Im Oktober 2025 wurde die paläontologische Ausgrabung durchgeführt, um das fast vollständige Skelett eines Bisons in der Höhle von Arrafela zu bergen. Die Ausgrabung erforderte den Einsatz von Höhlen-Techniken zum Abseilen und Aufsteigen in einer tiefen Höhle.

Bislang wurden verschiedene Laborarbeiten durchgeführt: Die Knochen wurden gereinigt, eine vorläufige Bestandsaufnahme vorgenommen und mit der metrischen Untersuchung des Bisons begonnen. Darüber hinaus wurden Proben für die genetische Untersuchung und die Untersuchung der Ernährung dieses Individuums entnommen. Auf diese Weise wurde eine multidisziplinäre Studie ins Leben gerufen, um diese außergewöhnlichen Fossilien im Detail zu untersuchen. Bei der Präsentation des Fundes erinnerte Ministerpräsidentin Maria Chivite an “die Überraschungen, die uns die Archäologie in den letzten Jahren beschert hat”, mit Funden wie dem Mann von Loizu, der Hand von Irulegi und nun “diesem spektakulären, unglaublich gut erhaltenen Bison-Skelett”. Darüber hinaus betonte sie, wie wichtig es ist, Ressourcen für solche Maßnahmen bereitzustellen, denn “wenn wir die Fauna Navarras vor 4.000 Jahren oder im Falle des Höhlenlöwen vor 12.000 Jahren kennen, wissen wir ein wenig mehr über das Klima und seine Veränderungen”.

bison3Die Ministerpräsidentin erinnerte an eines der “ehrgeizigsten” Projekte des Kulturministeriums, das darin besteht, die Hallen von REFENA in das Institut für Kulturerbe umzuwandeln. Ein umfassendes Zentrum, das sich der Arbeit, Lagerung, Beratung, Forschung und Ausstellung widmet, “wo Fundstücke wie dieser Bison den notwendigen Raum finden, um ausgestellt und bewundert zu werden”, erklärte sie. Die Überreste des Bisons, des Löwen und der Vögel werden im Archäologischen Archiv von Cordovilla und an der EHU untersucht. Forscherinnen und Forscher des Teams haben Proben entnommen, die zur Analyse an verschiedene Labore geschickt werden: an die Universität Wien im Falle der alten DNA und an die Universität Kantabrien im Falle der Isotope für die Paläo-Ernährung. (*)

3D-Rekonstruktion des Schädels

Aus den erhaltenen Fragmenten wird eine 3D-Rekonstruktion des Bison-Schädels angefertigt, koordiniert vom navarrischen Paläontologen Mikel Arlegi, derzeit Marie-Curie-Forscher am Musée de l'Homme in Paris, mit Unterstützung anderer Forscher des Teams. Um mehr über die Umstände des Todes des Tieres zu erfahren, wird der Archäologe Antonio Rodríguez-Hidalgo, der die Bisonjagd an verschiedenen Fundstätten untersucht hat, darunter insbesondere die Fundstätte Gran Dolina de Atapuerca, eine detaillierte taphonomische Studie durchführen. Taphonomie (Fossilisationslehre) ist die Wissenschaft von den Prozessen, die nach dem Tod eines Organismus auf dessen Überreste einwirken, bis sie als Fossil (in der Paläontologie) oder Fundstück (in der Archäologie) erhalten bleiben. Sie untersucht biologische, chemische und physikalische Veränderungen (Verwesung, Einbettung, Versteinerung), um Entstehungsgeschichte und Umweltbedingungen zu rekonstruieren.

 

ANMERKUNGEN:

(*) “Hallado en Urbasa el esqueleto de un bisonte de hace 4.000 años con una punta de flecha”, Tageszeitung Gara, 2026-02-09 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) Bison-Skelett (naiz)
(2) Höhlen-Fundort Arrafela (naiz)
(3) Bison-Skelett (eldiario)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-02-10)

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