Die Weltkriegs-Profiteure
Die Rheinmetall Aktien-Gesellschaft ist derzeit der größte Rüstungs-Produzent in der BRD. Die Firmen-Geschichte begann Ende des 19. Jahrhunderts und führte über zwei Weltkriege mit Zwangsarbeit in Konzentrationslagern in eine Neuzeit, die erneut davon geprägt ist, dass die deutsche Politik unter dem Schirm der NATO nach einer militärischen Vormachts-Stellung in Europa strebt und einen Krieg gegen Russland vorbereitet. Rheinmetall war und ist einer der Profiteure der Kriegswirtschaft.
Rheinmetall Düsseldorf ist ein börsen-notierter Rüstungskonzern und Automobil-Zulieferer mit Standorten und Beteiligungen in Europa, Asien und Amerika. Als Aushängeschild der deutschen Rüstungs-Industrie ist Rheinmetall Feindbild der Anti-Kriegs-Bewegung.
Rheinmetall im Überblick
Mit seinen Divisionen Vehicle Systems (Europe und International) ist Rheinmetall vor allem im Bereich der militärischen Rad- und Kettenfahrzeuge tätig. Die Division Weapon and Ammunition ist bei Waffensystemen und Munition aktiv. Zu den Produkten gehören Fahrzeuge wie der Kampfpanzer KF51 Panther, der Schützenpanzer KF41 Lynx, Waffensysteme wie die 120-mm-Glattrohr-Kanone des Leopard 2 und Kanonen für großkalibrige Munition wie Kaliber 155 mm zum Beispiel der Radhaubitze RCH 155. Zusammen mit KNDS Deutschland (bis März 2024 Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG) stellt Rheinmetall auch den Schützenpanzer Puma (im Gemeinschaftsunternehmen PSM Projekt System & Management GmbH) sowie den Radpanzer GTK Boxer (im Gemeinschafts-Unternehmen Artec GmbH) her.
Die Division Electronic Solutions produziert Lösungen im Bereich der Digitalisierung der Streitkräfte, der infanteristischen Ausrüstung, der Flugabwehr und der Simulation. Zuletzt konnte sich die Rheinmetall-Division Electronic Solutions großvolumige Aufträge zur Digitalisierung der Bundeswehr sichern, etwa zur Integration von IT- und Kommunikations-Systemen in die Fahrzeuge und Plattformen der Landstreitkräfte. Die Division Power Systems legt einen Fokus auf Komponenten für das Luft- und Abgas-Management bei Verbrennungs-Motoren, hochentwickelte Gleitlager für Fahrzeuge, Aluminium-Gussteile sowie auf Lösungen aus dem Bereich der E-Mobilität und der Wasserstoff-Technologie.
Der Konzern befindet sich vollständig im Streubesitz; er wurde am 20. März 2023 in den DAX aufgenommen, nachdem er zuvor 1996 Gründungsmitglied im MDAX (Mid-Cap-DAX) und seitdem ohne Unterbrechung in diesem Aktienindex notiert war. Der Kurs der Rheinmetall-Aktie ist seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 bis Mai 2025 um das 16-fache gestiegen.
Gründung & Frühphase
Im April 1889 gründete der Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein unter Generaldirektor Josef Massenez die Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik Actiengesellschaft, um für das Deutsche Kaiserreich Munition zu produzieren. Der thüringische Ingenieur Heinrich Ehrhardt (1840–1928) leitete den Bau des Rheinmetall-Werks in Düsseldorf und leitete dieses bis 1920. Neu entdeckte Quellen im Zentralarchiv von Rheinmetall sowie in anderen Archiven belegen, dass Heinrich Ehrhardt – anders als lange angenommen – nicht an der Gründung des Unternehmens beteiligt war. Der Berliner Bankier Lorenz Zuckermandel (1847–1928) war der erste Aufsichtsrats-Vorsitzende. Bis 1920 füllte Heinrich Ehrhardt bei Rheinmetall diese Position aus. Außerdem stellte er dem Unternehmen viele seiner Patente und Erfindungen zur Verfügung und trug so maßgeblich zur technischen Entwicklung vieler Rheinmetall-Produkte bei. Das neu gegründete Werk in Düsseldorf-Derendorf begann im Dezember 1889 mit der Produktion. (Wikipedia kritisiert, dass der Abschnitt zur Unternehmens-Geschichte nicht hinreichend mit Quellen ausgestattet sei. Zu vielen Details dieser Geschichte fehlen nachvollziehbare Quellen-Angaben.)
Das Unternehmen expandierte in den Folgejahren schnell, teils durch staatliche Aufträge und teils, weil man in den Jahren 1891 und 1892 Patente auf zwei Verfahren zur Herstellung nahtloser Rohre erhielt. Um den erhöhten Stahlbedarf zu decken, wurde 1892 die Metallwerk Ehrhardt & Heye AG in Düsseldorf-Rath erworben und 1896 in das Unternehmen eingegliedert. Rheinmetall stellte 1896 das weltweit erste moderne felddienst-taugliche Schnellfeuer-Geschütz vor. Es basierte auf Patenten des Ingenieurs Konrad Haußner. Die preußische Artillerie-Prüfungs-Kommission lehnte es in Verkennung oder in Unkenntnis der Möglichkeiten ab. Nach der erfolgreichen Einführung ähnlicher Geschütze durch Frankreich (1897) änderte sich diese Einstellung und die Entwicklung wurde für das Unternehmen zu einem großen wirtschaftlichen Erfolg. Für die Erprobung von Waffen und Munition wurde 1899 ein Gelände in der Nähe von Unterlüß in der Lüneburger Heide gepachtet, dieser Standort existiert noch und umfasst eine Fläche von 50 QKM. Auf Initiative von Heinrich Ehrhardt übernahm Rheinmetall 1901 die in Konkurs gegangene Munitions- und Waffenfabrik AG in Sömmerda und erweiterte so seine Produktpalette, das als Dreyse’sche Gewehrfabrik gegründete Unternehmen produzierte Handfeuerwaffen, Patronen und Geschoss-Zünder.
Erster Weltkrieg und Zwischenkriegs-Zeit
In den Folgejahren wuchs Rheinmetall auch auf Grund von Bestellungen aus dem Ausland. 1906 wurde das Werk in Düsseldorf erweitert. Bei Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 war Rheinmetall einer der größten Rüstungs-Hersteller im Deutschen Kaiserreich und beschäftigte fast 8.000 Mitarbeiter. Technischer Direktor der Rheinischen Metallwaren- und Maschinen-Fabrik, kurz Rheinmetall genannt, war der Ingenieur Karl Völler (*1877), der 1916 bei Experimenten mit neuer Munition auf dem Versuchsgelände in der Lüneburger Heide starb. Bis zum Ende des Krieges vergrößerte sich die Belegschaft auf knapp 48.000 Arbeiter und Angestellte, darunter etwa 9.000 Frauen. Die bebauten Flächen im Stammwerk vervierfachten sich in dieser Zeit.
Mit Ende des Krieges 1918 kam die Rüstungs-Produktion zum Stillstand und Rheinmetall musste zahlreiche Mitarbeiter entlassen. Die Bestimmungen des Versailler Vertrages (Kapitulation des Kaiserreichs) machten eine Umstellung auf zivile Produkte notwendig. Rheinmetall produzierte daher im Rheinland Lokomotiven, Eisenbahn-Waggons, Landmaschinen und Dampfpflüge. Im Werk in Sömmerda (Thüringen) wurden feinmechanische Geräte wie Schreib- und Rechen-Maschinen hergestellt. Um die Produktion ziviler Güter sicherzustellen, wurde die Stahlproduktion in Düsseldorf-Rath verstärkt. Ab 1921 erlaubten die Kriegsgewinner wieder die Produktion von Waffensystemen in geringer Stückzahl. Allerdings wurde das Werk in Düsseldorf-Derendorf 1921 (Rheinland-Besetzung) sowie von 1923 bis 1925 von belgischen und französischen Truppen besetzt (Ruhrbesetzung) und teilweise verwüstet.
Mangels Aufträgen musste die zivile Produktion bis auf die Herstellung von Dampfpflügen eingestellt werden. Die Staatsholding VIAG des Deutschen Reichs kaufte 1925 bei einer Kapitalerhöhung eine Mehrheits-Beteiligung an Rheinmetall. Im April 1933 kaufte Rheinmetall den vor der Liquidation stehenden Lokomotiv-Hersteller Borsig und kam damit in den Besitz eines großen Werkes in Berlin-Tegel. Dies führte 1936 zur Änderung des Namens in Rheinmetall-Borsig AG. Im Rahmen der Aufrüstung der Nationalsozialisten entwickelte und produzierte das Unternehmen ab Mitte der 1930er Jahre im Auftrag des Reichs-Kriegs-Ministeriums verstärkt Waffen und Munition. Die Fertigungspalette reichte von Maschinengewehren und Kanonen über Panzerabwehr-Geschütze, Minenwerfer und Feldkanonen bis hin zu Flugabwehr-Kanonen und Eisenbahn-Geschützen. Für Entwicklung und Bau von gepanzerten Kettenfahrzeugen wurde 1937 in Berlin das Tochter-Unternehmen Alkett (Altmärkische Kettenwerke) gegründet. Ab 1937 war Rheinmetall-Borsig der zweit-größte deutschen Rüstungskonzern. 1938 verlegte das Unternehmen seinen Sitz von Düsseldorf nach Berlin.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Rüstungs-Produktion maximal gesteigert und die Entwicklung neuer Waffensysteme gefordert. Der staatliche Einfluss durch das Nazi-Regime und die Eingliederung von Rheinmetall-Borsig in das Staatsunternehmen Reichswerke Hermann Göring ging so weit, bis das Unternehmen vollständig unter staatliche Kontrolle stand und in die planmäßige Kriegsvorbereitung integriert wurde. In den letzten beiden Kriegsjahren wurden die Produktionsstätten durch alliierte Luftangriffe erheblich beschädigt oder zerstört. Nach einem schweren Luftangriff auf die Werke in Düsseldorf wurden zahlreiche Produktionsbereiche in Gebiete der späteren DDR wie Apolda (Thüringen) und des heutigen Polens (Guben und Breslau) verlagert. Auch die Werke in Berlin und Sömmerda richteten Verlagerungs-Betriebe ein, wobei das Sömmerdaer Werk bis zum Kriegsende von Luftangriffen verschont blieb. Während des Krieges wuchs die Zahl der Beschäftigten auf bis zu 85.000 an. Nach Ende des Krieges waren die Werkanlagen der Rheinmetall-Borsig zum größten Teil zerstört. Die Betriebe in Düsseldorf, West-Berlin und Unterlüß kamen unter die Kontrolle der westlichen Alliierten und unter Treuhänderschaft. Alle Besitzungen in den von der Roten Armee besetzten Gebieten wurden enteignet. Einige Werke wurden von den Siegermächten vollständig demontiert. Die Rheinmetall-Standorte in Westdeutschland waren kaum von Demontagen betroffen.
Konzentrationslager
Die größten KZ-Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald in Düsseldorf waren Berta I und Berta II, sie standen unter der Verwaltung der Rheinmetall-Borsig AG. Zahlreiche Zwangsarbeiter wurden gezwungen in den Rheinmetall-Betrieben unter unmenschlichen Bedingungen zu arbeiten. Hunger, Krankheiten und Gewalt forderten zahlreiche Opfer, viele Häftlinge überlebten die schweren Lebens- und Arbeitsbedingungen nicht. Im Werk Unterlüß (Niedersachsen) allein wurden am Kriegsende etwa 5.000 ausländische Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene (2.500 Polen, 1.000 aus der UdSSR, 500 Jugoslawen, 1.000 aus anderen Ländern) von britischen Truppen befreit. Zwischen 1944 und 1945 übernahm Rheinmetall-Borsig die Trägerschaft der Ausländerkinder-Pflegestätte in Unterlüß, die zugleich ein Entbindungsheim für Zwangsarbeiterinnen war, und gleichzeitig eine Tötungsstätte dieser Kinder. Zeitweilig waren in Unterlüß auch ungarische Jüdinnen aus einem Außenlager des KZ Bergen-Belsen eingesetzt.
Rheinmetall war zu Kriegsende noch eingeschränkt produktionsfähig. So wies das Werk Düsseldorf Schäden von 60 bis 70 Prozent auf. Dennoch erfolgte zum 30. Juni 1945 die Kündigung der gesamten Belegschaft. Trotz dieses Schrittes blieb ein kleiner Stamm von Angestellten und Arbeitern im Dienst, die Aufräumarbeiten vornahmen und im kleinen Umfang eine zivile Produktion betrieben.
Deutsche Demokratische Republik
In der DDR wurde das ehemalige Rheinmetall-Werk Sömmerda 1952 von der Sowjetischen Kontrollkommission an die DDR zurückgegeben. Es entstand ein volkseigener Betrieb (VEB). Unter dem Firmennamen VEB Mechanik Büromaschinenwerk Rheinmetall Sömmerda wurden Büromaschinen, Moped-Motoren sowie Fotoapparate produziert. 1958 wurde das Sömmerdaer Werk wieder ein Teil eines großen Firmen-Verbundes, der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Datenverarbeitungs- und Büromaschinen Erfurt. Aus dieser entstand am 1969 das VEB Kombinat Zentronik, das 1978 in dem VEB Kombinat Robotron aufging. Die Produktion von Moped-Motoren und Fotoapparaten wurde in den 1960er-Jahren aufgegeben. Haupterzeugnisse des nunmehr VEB Robotron Büromaschinenwerk Sömmerda (BWS) genannten Betriebes waren ab 1967 Drucker und ab 1981 Personal Computer. Nach dem Anschluss der DDR wurde das Werk mit damals etwa 12.000 Beschäftigten unter der Treuhandanstalt als Robotron Büromaschinenwerk AG privatisiert und zum 1. Januar 1992 liquidiert.
West-Deutschland nach 1945
In den ersten fünf Nachkriegsjahren existierte das Unternehmen zwar, hatte jedoch von den West-Alliierten keine Erlaubnis zur Produktion von Waren. Im Jahr 1950 wurde Rheinmetall-Borsig in eine Holdinggesellschaft der Tochterunternehmen Borsig in Berlin und Rheinmetall in Düsseldorf umgewandelt. Die Holding befand sich im Besitz der BRD. Borsig stellte in Berlin Dampfkessel und Kälteanlagen her, während Rheinmetall in Düsseldorf Schreibmaschinen, Stoßdämpfer, Aufzüge, Gerberei-Maschinen sowie Transport- und Verlade-Einrichtungen baute. Die zivile Produktion in Düsseldorf wird vom Unternehmen heute als wenig erfolgreich bezeichnet. Parallel wurden bereits 1950 Vorbereitungen für die Wiederaufnahme der Rüstungsproduktion getroffen. Das Düsseldorfer Werk verfügte 1951 über 232, ein Jahr später über 440 Arbeitskräfte. Für 1954 sind erste Anfragen deutscher und Schweizer (ehemaliger) Rüstungs-Produzenten beim Bund nachweisbar, die das Unternehmen kaufen wollten.
Den Aufschwung brachte das Jahr 1956. Im Juni wurde der 56-Prozent-Mehrheitsanteil an Rheinmetall-Borsig, der sich im Besitz der BRD befand, durch die Röchlingsche Eisen- und Stahlwerke GmbH übernommen. Im August wurde Borsig an die Salzgitter AG verkauft. Die Holding firmierte ab November als Rheinmetall Berlin AG und das Tochterunternehmen in Düsseldorf firmierte ab 1957 als Rheinmetall GmbH. Parallel zur Aufstellung der Bundeswehr 1956 wurde die Produktion von Waffen aufgenommen. Rheinmetall produzierte Maschinengewehre, Maschinenkanonen und Munition. Das erste Produkt war das MG1. 1957 wurde die Wehrtechnik-Sparte in eine GmbH umgewandelt. 1960 war ein Mitarbeiterstamm von 3.080 Personen erreicht. Die Fertigung schwerer Waffen wurde 1964 wieder aufgenommen. Dabei begann man mit der Ausstattung von Panzern und Artilleriegeschützen. Rheinmetall entwickelte eine Jagdpanzer-Kanone, einen Standard-Panzerturm und eine Panzer-Haubitze. Ein Jahr später begann die Entwicklung der 120-Millimeter-Glattrohr-Technologie unter Federführung von Raimund Germershausen.
Zwischen 1958 und 1973 erwarb Rheinmetall rund ein Dutzend kleinere Maschinenbau-Unternehmen, vor allem solche, die in den Bereichen Verpackungs- und Umform-Technik sowie Elektronik tätig waren. 1974/75 erfolgten erste Erwerbungen ausländischer Firmen in Portugal, Großbritannien und den Niederlanden. Im Jahr 1970 wurde eine Mehrheits-Beteiligung an der Nico Pyrotechnik erworben. Auf dem Versuchsgelände in Unterlüß wurde 1972 eine Anlage zur klima-technischen Erprobung von Waffen und Geräten errichtet. 1978 begann die Serienfertigung der Feldhaubitze FH 70. Der erste Kampfpanzer Leopard 2 wurde 1979 an die Bundeswehr ausgeliefert. Er war mit der von Rheinmetall entwickelten Spezial-Kanone ausgerüstet.
In den Folgejahren wurde der zivile Geschäftsbereich des Unternehmens neu geordnet und 1981 durch den Kauf einer Aktienmehrheit an Jagenberg (Automation, Sicherheit) sowie dem Erwerb der Gasti-Verpackungsmaschinen und anderen Firmen verstärkt. 1999 wurde der Geschäftsbereich Verpackungstechnik an die IWKA AG Karlsruhe verkauft. Zu diesem Geschäftsbereich gehörten vier deutsche, französische und amerikanische Firmen mit insgesamt 822 Mitarbeitern. 1986 wurde der Bereich Automobiltechnik durch den Kauf des Vergaser-Herstellers Pierburg aufgebaut. Gemeinsam mit Diehl Munitions-Systeme gründete Rheinmetall die Gesellschaft für Intelligente Wirk-Systeme (GIWS). Die GIWS spezialisierte sich auf intelligente Munition, Geschosse und sonstige wehrtechnische Systeme. Auf Grund der veränderten weltpolitischen Lage passte Rheinmetall 1989 seine Strategie mit einer Diversifizierung in zivile Industrieprodukte an.
1990er Jahre
Durch den Erwerb einer 60-Prozent-Beteiligung an der zur Krupp AG gehörenden MaK System Gesellschaft 1990 erweiterte Rheinmetall den Bereich neuer Systeme für Landstreitkräfte und Spezialfahrzeuge, etwa für den Einsatz im Umweltschutz. Die restlichen 40 Prozent kaufte das Unternehmen 1992 und wurde damit alleiniger Gesellschafter. Im selben Jahr lieferte Rheinmetall den ersten gepanzerten Waffenträger Wiesel an die Bundeswehr. Der Standort Düsseldorf-Derendorf wurde 1992 aufgegeben und die Produktionsstätten im Zentrum Unterlüß gebündelt. Mit einer Beteiligung an der WNC-Nitro-Chemie in Aschau am Inn (Bayern) verstärkte das Unternehmen sein Engagement bei der Munitionsfertigung. 1993 erweiterte Rheinmetall seine zivile Produktpalette durch den Erwerb von Mauser Waldeck zum Aufbau des Bereichs Bürosysteme, die Übernahme der Heimann Systems, Sicherheitstechnik, und den Kauf der Mehrheit an den Preh-Werken zum Ausbau der Automobiltechnik. Aus der Rheinmetall GmbH wurde 1994 die Rheinmetall Industrie GmbH. 1995 erweiterte der Konzern seine Kompetenzen bei mittel-kalibrigen Maschinenkanonen-Systemen durch 60-Prozent-der Mauser-Werke Oberndorf Waffensysteme. Die Rheinmetall Industrie GmbH wurde 1996 in eine AG umgewandelt. Im selben Jahr erwarb die AG zur Stärkung der wehrtechnischen Elektronik eine Beteiligung an der STN Atlas Elektronik aus der Konkursmasse der Bremer Vulkan.
1997 erlebte die Firma eine grundlegende Reorganisation. Nach dem Kauf des Kommunikationstechnik-Unternehmens Hirschmann wurde dieses mit Rheinmetall Elektronik und drei anderen eigenen Firmen zum Unternehmensbereich Industrielle Elektronik zusammengefasst. Der Bereich Waffe und Munition wurde auf die neu gegründete Rheinmetall W&M GmbH übertragen. Automobiltechnik hieß nun KSPG. Die MaK Systemgesellschaft übergab dem Heer 1997 das erste Serienexemplar des Minenräumpanzers Keiler. Nach dem Mehrheitserwerb an der STN Atlas Elektronik 1998 wurde die zivile Schiffselektronik ausgegliedert und in die neu gegründete STN Atlas Marine Electronics GmbH mit Sitz in Hamburg überführt. Im selben Jahr wurden das erste Gerät des von Rheinmetall und MaK neu entwickelten Waffensystems der Rohrartillerie, die Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr übergeben, der Rhino-Minenräumer von MaK Systemgesellschaft wurde im Jugoslawien-Krieg eingesetzt. Rheinmetall übernahm die Wehrtechnik von BUCK System und formierte BUCK Neue Technologien. Rheinmetall fasste 1999 seine Wehr-Bereiche unter dem Dach der neuen Rheinmetall DeTec AG (Defence Technologies) zusammen. Dadurch sollte die erforderliche Neuordnung der europäischen Rüstungsindustrie durch Konsolidierungen und Kooperationen strategisch vorbereitet werden. Im selben Jahr wurde die neue Gesellschaft durch Mehrheits-Beteiligungen bei Oerlikon Contraves, einem Anbieter von Kanonen- und Lenkwaffen-Systemen für die Flugabwehr, und der Eurometaal Holding gestärkt, einem Artillerie-Hersteller von Mittelkalibern. Ende des Jahres übernahm Rheinmetall DeTec die Unternehmen KUKA Wehrtechnik und Henschel Wehrtechnik. Diese beiden Unternehmen wurden im Jahr 2000 mit MaK zur neuen Gesellschaft Rheinmetall Landsysteme zusammengefasst.
Ab 2000
Der Vorstand von Rheinmetall beschloss im Jahr 2000 eine Konzentration auf Wehrtechnik, Automobiltechnik und Elektronik. Es folgte der Verkauf der Mauser Waldeck und der Jagenberg Papier- und Verpackung im Jahr 2000. Im Jahr 2002 wurden Heimann Systems und die zu Eurometaal Holding gehörende Tochtergesellschaft Intergas verkauft und die Eurometaal geschlossen. 2003 wurde die verbliebene Jagenberg verkauft und Preh verkauft. Die Konzentration auf Wehrtechnik wurde 2004 mit dem Verkauf von Hirschmann und Nico Feuerwerk weitgehend abgeschlossen. In demselben Jahr erfolgte die Teilung der STN Atlas Elektronik auf die Anteilseigner BAE und Rheinmetall, wobei die britische BAE die Marine-Aktivitäten übernahm. Die Aktivitäten bei Land- und Flugsystemen sowie Simulatoren bleiben bei Rheinmetall (heute Rheinmetall Electronics, Bremen).
Rheinmetall Landsysteme lieferte 2003 die ersten neuen minenschutz-verstärkten Schützenpanzer Marder 1A5. Zur Entwicklung des neuen Schützenpanzers Puma für die Bundeswehr gründeten Rheinmetall Landsysteme und Krauss-Maffei Wegmann das Gemeinschafts-Unternehmen PSM (beide zu 50%). Die Röchling Industrie-Verwaltung verkaufte 2004 ihre Mehrheits-Beteiligung bei Rheinmetall. Die Aktien wurden von rund 75 institutionellen Investoren übernommen. In der Wehrtechnik wurden die Rheinmetall W&M mit Mauser-Waffensysteme, Buck Neue Technologien und Pyrotechnik Silberhütte zur neuen Rheinmetall Waffe Munition verschmolzen. Zusammen mit Rafael Ltd. und Diehl Munition gründete Rheinmetall Defence Electronics das Gemeinschaftsunternehmen EuroSpike GmbH (Flugkörper). Rheinmetall Landsysteme wurde 2005 Mitgesellschafter der neu gegründeten Heeres-Instandsetzungs-Logistik (HIL). Das Unternehmen ist für die Instandsetzung von ausgewählten Fahrzeugen und Waffensystemen des deutschen Heeres verantwortlich. Um der Konjunktur im Bereich Militarisierung Rechnung zu tragen und Systemlösungen für „Gefahren-Abwehr“, die innere Sicherheit sowie für den Bevölkerungsschutz anzubieten, wurde das Geschäftsfeld Public Security eröffnet.
Rheinmetall erwarb im März 2008 vom niederländischen Mischkonzern Stork den Panzer-Hersteller Stork PWV. Auf diese Weise übernahm der Düsseldorfer Wehrtechnik-Konzern den niederländischen Anteil der Herstellung von Boxer-Panzern, die für die Bundeswehr und das niederländische Heer entwickelt werden. Damit erhöht sich die Beteiligung am Boxer auf 64%. Rheinmetall und MAN gründeten im Mai 2010 das gemeinsame Unternehmen Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV). So entstand ein Komplettanbieter auf dem Markt für militärische Radfahrzeuge, der die vollständige Palette der geschützten und ungeschützten Transport-, Führungs- und Funktions-Fahrzeuge für internationale Streitkräfte abdeckt. An der Gesellschaft sind Rheinmetall mit 51% und MAN mit 49% beteiligt. Rheinmetall erwarb 2010 zunächst 51% an der deutschen Produktion der Verseidag Ballistic Protection und erhöhte im Januar 2011 seinen Anteil von 51% auf 100%, das Unternehmen wurde 2012 in Rheinmetall Ballistic Protection umbenannt. Im Februar 2011 erhöhte Rheinmetall seine Beteiligung an der ADS Gesellschaft für aktive Schutzsysteme in Lohmar auf 74% und übernahm so die Mehrheit.
Rheinmetall überprüfte im Juli 2011 die Effektivität der Zwei-Säulen-Strategie des Unternehmens mit den beiden Bereichen Automobil-Technik und Rüstung. Beiden Bereichen sollte es jeweils ermöglicht werden, ihre Marktpositionen mit größerer Flexibilität auszudehnen. Rheinmetall untersuchte die Möglichkeit eines Börsengangs von Kolbenschmidt Pierburg (KSPG), die bei Rheinmetall die Automobiltechnik repräsentiert, der Börsengang wurde 2012 vorläufig auf Eis gelegt. KSPG übernahm 2012 die Produktion der Kirloskar Oil Engines Ltd. (KOEL) in Pune (Indien). KOEL ist unter anderem der größte Gleitlager-Hersteller Indiens und vornehmlich auf den dortigen Binnenmarkt konzentriert.
Rheinmetall und Cassidian haben im Januar 2012 ihre Produktion im Bereich der unbemannten Flugsysteme und der Frachtlade-Systeme gebündelt. Cassidian hält 51 und Rheinmetall 49% an der neu gegründeten Rheinmetall Airborne Systems GmbH. Der Bereich Defence von Rheinmetall trägt mit seiner neuen Struktur von 2012 dem geplanten Wachstum und der zunehmenden Internationalisierung Rechnung. Kern der neuen Organisationsstruktur bei Rheinmetall Defence bilden die Bereiche Combat Systems, Electronic Solutions sowie der Bereich Radfahrzeuge. Auch der Bereich Automotive hat seine Struktur 2012 gestrafft. Dabei wurden die bisherigen sechs Bereiche der KSPG in drei gebündelt: Hardparts, Mechatronics und Motorservice.
Im Jahr 2016 stellte Rheinmetall den Schützenpanzer Lynx vor. Im Februar 2021 fand eine Neuausrichtung des Konzerns statt. Aus der früheren Rheinmetall mit zwei Bereichen (Automotive und Defence) entstanden fünf Divisionen, direkt geführt vom Konzernvorstand. Die bisherige Trennung Automotive und Defence entfiel.
Nach Beginn des Ukraine-Kriegs
In der Folge des Ukraine-Kriegs 2022 prägte der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz 2022 den Begriff der „Zeitenwende“. Der Krieg wurde genutzt als Vorwand für einen Wandel der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Dies beinhaltete auch ein Sondervermögen für die Bundeswehr in Höhe von 100 Milliarden Euro. Rheinmetall-Konzernchef Armin Papperger spekulierte, dass sein Unternehmen durch Aufträge in großem Umfang davon profitieren werde. 2022 stellte Rheinmetall bei der Rüstungsmesse Eurosatory ihren neuesten Kampfpanzer KF51 Panther vor. Im November 2022 kündigte Rheinmetall den Kauf des spanischen Munitions-Herstellers Expal an, der im August 2023 für 1,2 Milliarden Euro vollzogen wurde.
Rheinmetall verspricht sich angesichts der neuen allgemeinen Rüstungs-Hysterie und der NATO-Strategie von 5%-BIP-Ausgaben pro Land eine steigende Nachfrage nach Munition und eine Verbesserung der Lieferfähigkeit von Munition für den Flug-Abwehrkanonen-Panzer Gepard. Dezember 2022 kündigte Rheinmetall eine verstärkte Produktion von Munition in Deutschland an, mit Blick auf ein Schweizer Veto zu Munitionslieferungen. Das Unternehmen kündigte eine neue Fertigungsanlage für die Kaliber 20–35 Millimeter an, die Anlage nahm im Juli 2023 die Produktion auf. Im Oktober 2023 nahm das Gemeinschafts-Unternehmens Rheinmetall Ukrainian Defence Industry mit Sitz in Kiew seine Produktion auf. Im Juni 2024 erhielt Rheinmetall den bis dato größten Auftrag seiner Geschichte: eine Bestellung von Artillerie-Munition (Kaliber 155 mm) im Wert von 8,5 Milliarden Euro durch die Bundeswehr.
Im August 2024 kündigte Rheinmetall die Übernahme des US-amerikanischen Rüstungs-Herstellers Loc Performance für einen Kaufpreis von fast einer Milliarde US-Dollar an. Loc Performance produziert unter anderem Ketten, Antriebsstränge und Panzerungen für zivile und militärische Fahrzeuge. Im September 2023 wurde bekannt, dass Ungarn als erstes Land den neuen Kampfpanzer Panther (KF 51) fertig entwickeln und anschließend im Land produzieren soll. Außer bei Rheinmetall Hungary (in Zalaegerszeg) wird auch bei Rheinmetall Hungary Munitions produziert (in Várpalota; Rheinmetall 51%, N7 Holding 49%). Die Anteile der staatlichen NT7 Holding wurden 2025 privatisiert und vom ungarischen Unternehmen 4iG Plc. übernommen, deren Chef Gellért Zoltán Jászai ist ein politischer Berater des ultrarechten Premierministers Viktor Orbán.
Seit der Erhöhung der Anteile auf 5,25 Prozent im Mai 2024 ist BlackRock größter Anteilseigner von Rheinmetall. In Weeze (bei Düsseldorf) nahm Rheinmetall im Juli 2025 eine Fabrik für Rumpfteile des US-Tarnkappen-Flugzeugs F-35 in Betrieb. Im August 2025 eröffnete Rheinmetall ein neues Werk an seinem Standort in Unterlüß. Dort werden jährlich 200.000 Artillerie-Geschosse hergestellt. Nach Erreichen der vollen Produktions-Kapazität im Jahr 2027 soll die Jahreskapazität bei 360.000 Geschossen liegen, das Werk soll die größte Munitionsfabrik Europas sein. Konzernweit soll die Produktion bis 2027 auf mehr als 1,1 Millionen Stück im Jahr anwachsen, nach einer neueren Verlautbarung sogar auf 1,5 Millionen.
Im September 2025 vereinbarte Rheinmetall mit der Lürssen-Gruppe die Übernahme von NVL. Zu NVL gehören die Werft Blohm+Voss in Hamburg, die Peene-Werft in Wolgast, die Reparatur-Werften Neue Jade in Wilhelmshaven und die Norder-Werft in Hamburg, sowie Standorte in Australien, Bulgarien, Kroatien und Brunei. Mit der Übernahme der Werften der Bremer Lürssen-Gruppe im September ist der Rüstungskonzern nun an Land, in der Luft, im All und zur See vertreten, wenn es um Kriegsmaschinerie oder Munition geht.
Konzernstruktur
Der Konzern operiert aktuell (Stand März 2025) in fünf Bereichen: Vehicle Systems Europe, Vehicle Systems International, Weapon and Ammunition, Electronic Solutions, Power Systems. Die Geschäftsbereiche (Business Units) der jeweiligen Divisionen sind nachfolgend aufgelistet: Vehicle Systems Europe: Tactical Vehicles / Logistic Vehicles / Vehicle Systems International: United Kingdom / Asia Pacific / North America / Weapon and Ammunition: Direct Fire / Indirect Fire / Propulsion Systems / Protection Systems / Projects & Services / Electronic Solutions: Integrated Electronic Systems / Air Defence and Radar Systems / Product & Airborne Solutions / Aeronautical Systems / International Projects & Services / Power Systems: Air Management / Bearings / Castings / Electrification & Digitalization / Thermal Management / Hydrogen / Invent / Trade / Konzernstruktur bis 2021 / Unternehmensbereich Automotive
Zentrale Rheinmetall AG, Düsseldorf
Rheinmetall Automotive (vormals KSPG, für Kolbenschmidt Pierburg Gruppe) war die Führung des Produktions-Bereiches Automobiltechnik von Rheinmetall. Als Automobil-Zulieferer stellt Rheinmetall Automotive Produkte in den Bereichen Luftversorgung, Schadstoff-Reduzierung und Pumpen her und ist aktiv bei der Entwicklung, Fertigung und Ersatzteil-Lieferung von Kolben, Motorblöcken und Gleitlagern. Entsprechend seiner strategischen Ausrichtung gliedert sich das Unternehmen in drei selbstständig handelnde Divisionen. Rheinmetall Automotive schlüsselte seine Aktivitäten in sieben Geschäftsbereiche auf. 2020 betrug der Umsatz 2,1 Milliarden Euro, 2019 waren es 2,7 Milliarden Euro.
Bereich Defence
Der Produktions-Bereich Defence der Rheinmetall-Group stellte Verteidigungs- und Rüstungsgüter her. Den Kern der Organisationsstruktur bildeten die drei Divisionen Weapon and Ammunition (deutsch: Waffe und Munition), Electronic Solutions (deutsch: elektronische Lösungen) sowie Vehicle Systems (deutsch: Fahrzeug-Systeme). Die Tochter-Gesellschaften und Beteiligungen der Rüstungssparte Rheinmetalls waren in diese drei Divisionen eingegliedert. Da die Genehmigungen für den Rüstungsexport in Deutschland mit großen Risiken behaftet sind, weil die Geschäfte von der Zustimmung der jeweiligen Regierung abhängig sind, wickelt Rheinmetall große Geschäfte, wie die mit Saudi-Arabien auch über Tochter-Unternehmen ab. Diese haben ihren Sitz z. B. in Italien (RWM Italia) oder Österreich (RWM Arges). Rüstungsgüter, die in anderen Ländern produziert werden, unterliegen nicht der deutschen Rüstungsexport-Kontrolle. Damit werden die regeln für Rüstungs-Exporte, zum Beispiel in Krisengebiete, umgangen. 2020 betrug der Rüstungs-Umsatz 3,7 Mrd. Euro und 2019 waren es 3,5 Mrd. Euro.
Unternehmens-Ziffern
Die Unternehmenskennzahlen haben sich in den letzten Jahren wie folgt entwickelt: 2017 – Umsatz 5,9 Milliarden – 21.610 Beschäftigte / 2024 – Umsatz 9,7 Milliarden Euro – 28.539 Beschäftigte.
Kritik und strafrechtliche Ermittlungen
Ein von der Staatsanwaltschaft Bremen verhängtes Bußgeld in Höhe von 37 Millionen Euro akzeptierte der Konzern 2014, Bestechungsgelder an griechische Politiker und Beamte wurden gezahlt, um den Verkauf von U-Boot-Ausrüstungen zu erreichen. Ermittlungen gegen die Firma wegen Bestechung beim Verkauf des Leopard 2 nach Griechenland wurden eingestellt, weil das Auftragsvolumen geringer war als im Atlas-Fall und Rheinmetall bei der Aufklärung geholfen hatte. Manager von Rheinmetall erhielten 2017 von der Stiftung Ethecon (Ethik und Ökonomie) die Negativ-Auszeichnung International Ethecon Black Planet Award. 2024 kritisierte Investigate Europe, dass Rheinmetall Partner-Unternehmen nutzt, um Kunden zu beliefern, die es laut deutschen Exportbeschränkungen nicht selbst beliefern könnte, zum Beispiel in Konflikt- und Krisengebiete.
Verschiedene Finanzkonzerne wie Nordea schließen Rheinmetall-Aktien aus ihren Fonds aus. Manager von Aktienfonds wie Verteidigungs-ETFs definieren Kriterien, die Unternehmen erfüllen müssen, damit sie deren Aktien in ihr Portfolio aufnehmen. Der Fondsanbieter VanEck schließt in seinem Auswahlverfahren Unternehmen aus, die „nachweislich an der Herstellung von Anti-Personenminen (Ottawa-Vertrag), Streuwaffen (Osloer Übereinkommen), biologischen, chemischen und Brandwaffen, Kernwaffen außerhalb des Nichtverbreitungsvertrags, abgereichertem Uran und weißem Phosphor beteiligt sind“. Solche Waffen werden in der Finanzsprache als „kontrovers“ bezeichnet. Laut der Nachhaltigkeitsagentur ISS ESG (Institutional Shareholder Services Inc.), deren Daten VanEck nutze, sei Rheinmetall „nachweislich über das Tochterunternehmen Nitrochemie an der Produktion von Komponenten für Uranmunition beteiligt“.[69]
Sponsoring
Im Mai 2024 gab der Fußballclub Borussia Dortmund bekannt, dass Rheinmetall den Verein sponsern werde. Die Laufzeit betrage drei Jahre. Laut Handelsblatt bekomme der Klub insgesamt 20 Millionen Euro. Von Fanseite gab es Kritik. Das Fanzine Schwatzgelb stellte die Frage, „ob die Stärkung der nationalen Sicherheit nicht eher die Aufgabe der Politik und nicht eines Fußballvereins“ sei. Philipp Köster, Chefredakteur des Fußball-Magazins 11 Freunde, fragte in einem Kommentar, ob man Gedenkstätten-Fahrten nach Lublin und Auschwitz anbieten dürfe – wofür man sich auf der BVB-Homepage anmelden kann – und dann „stolz einen Sponsor präsentieren, der die Waffen für Hitlers Vernichtungskrieg lieferte und sich bis heute um eine substanzielle Aufarbeitung seiner Rolle in der Nazizeit herumdrückt?“ In Bezug auf die Partnerschaft mit dem BVB bezeichnete der Autor Oliver Müller es in einem Kommentar für die Tageszeitung Die Welt (rechts) als „verlogen, diesen Deal zu brandmarken“. Der Journalist und Autor Hajo Schumacher sagte im Interview mit Radio Eins, ein solches Sponsoring sei heute „völlig normal“. Es handele sich hier „nicht um eine Kriegsbegeisterung, sondern um Verteidigungs-Bereitschaft“ – ganz im Sinne der heute dominierenden Kriegshetze in der BRD. Das Handelsblatt kommentierte im Mai 2024 „Rüstung ist salonfähig geworden – und das ist gut so“. Der Handball-Bundesligist Bergischer HC und der Tischtennis-Verein von Timo Boll, Borussia Düsseldorf, hatten zuvor schon für das Unternehmen geworben. Außerdem ist Rheinmetall Partner der „Sportstadt Düsseldorf“.
Literatur
(*) Christian Leitzbach: Rheinmetall: Vom Reiz, im Rheinland ein großes Werk zu errichten. zwei Bände, Greven Verlag, Köln 2014, ISBN 978-3-7743-0641-7. (*) Otfried Nassauer: Hemmungslos in alle Welt. Die Munitionsexporte der Rheinmetall AG. Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit, Berlin 2016, ISBN 978-3-933111-16-6 (bits.de PDF; 3,8 MB). (*) Fred Schumacher: Waffen für die Welt: Rheinmetall und das Geschäft mit dem Krieg. 2. Auflage. Das Neue Berlin, Berlin 2024, ISBN 978-3-360-02767-2.
ANMERKUNGEN:
(*) Die Grundinformationen für diesen Artikel stammen aus „Rheinmetall, Wikipedia deutsch“, politische Einschätzung oder Kriegs-Propaganda, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg wurden von der Redaktion verändert. Insgesamt vermittelt die Wikipedia-Publikation den Eindruck einer Gefälligkeits-Darstellung. Teilweise euphemistisch und verharmlosend wird die mörderische Kriegs-Produktion dargestellt, die Verwicklung von Rheinmetall mit dem Nationalsozialismus und die Zwangsarbeit in Konzentrationslagern ist hingegen eher knapp gehalten. Der Artikel wird als Baskultur-Übersetzung auch in spanischer Sprache erscheinen, da die bisherige spanische Version bei Wikipedia so gut wie keine Information liefert. (LINK)
ABBILDUNGEN:
(1) Rheinmetall (handelsblatt)
(2) Rheinmetall (RND)
(3) Rheinmetall (KSA)
(4) Rheinmetall (SZ)
(5) Rheinmetall (youtube)
(PUBLIKATION BASKULTUR 2025-11-16)
