sapap1SAPA aus Gipuzkoa

Das baskische Unternehmen SAPA (Sociedad Anónima Placencia de las Armas) beschleunigt, um zu den führenden Unternehmen im Bereich des neuen europäischen Panzerfahrzeugs zu gehören. Die technologische Lösung der Gruppe aus Gipuzkoa gewinnt innerhalb des kontinentalen Konsortiums aus elf Ländern und fünfzig Unternehmen, das den Panzer der nächsten Generation entwickelt, zunehmend an Bedeutung. SAPA Placencia sucht Protagonismus im Rüstungs-Programm Marte, für einen europäischen Kampfpanzer.

SAPA Placencia (Sociedad Anónima Placencia de las Armas) ist eine baskische Rüstungsfirma, 1935 gegründet, spezialisiert auf Mobilitäts-Systeme, mechanisch-elektronische Getriebe, Lösungen für Militärfahrzeuge. In Placencia gegründet, heute Andoain. Name auch SAPA Operaciones.

SAPA Placencia möchte durch das Programm Marte (Main Armoured Tank of Europe, oder: Haupt-Kampfpanzer Europas) eine grundlegende Rolle bei der Entwicklung des europäischen Panzers der Zukunft spielen. Das auf moderne Antriebs-Systeme spezialisierte Unternehmen ist Teil eines europäischen Konsortiums aus elf Ländern, zu dem die wichtigsten Giganten der Branche gehören, wie die deutschen Unternehmen KNDS und Rheinmetall (die das Projekt über ein Joint Venture leiten), das schwedische Unternehmen Saab, das italienische Unternehmen Leonardo und das spanische Unternehmen Indra, an dem SAPA mit 7,94% ebenfalls einer der Hauptaktionäre ist. Nach Presse-Informationen wird die Initiative ihre erste Phase der Konzept-Entwicklung Anfang 2026 abschließen und hat kürzlich eine Kapitalspritze in Höhe von 200 Millionen Euro aus dem Europäischen Verteidigungsfonds (EDF) erhalten, also öffentliche Gelder, um die Entwicklung der ersten Prototypen des gepanzerten Fahrzeugs zu beschleunigen, mit dem der “qualitative militärische Vorsprung” Europas erhalten bleiben soll.

sapap2Tatsächlich will Brüssel, das im März die Bereitstellung von 800 Milliarden Euro zur Stärkung der strategischen Autonomie des Kontinents angekündigt hat, die Umsetzung des Programms noch weiter vorantreiben, damit die ersten Panzer der fünften Generation vor 2035 ausgeliefert werden können. Die Initiative, an der insgesamt 51 Unternehmen beteiligt sind, ist in Arbeitspakete unterteilt, die auf die fünf führenden Unternehmen (KNDS, Rheinmettal, Saab, Leonardo und Indra) der teilnehmenden Länder verteilt sind. Im Falle Spaniens koordiniert das von Ángel Escribano geleitete Unternehmen Kapitel 3, das sich mit Mobilität befasst, und SAPA ist für das Paket 3.1 verantwortlich, das Getriebe-Systeme umfasst. In diesem Zusammenhang hat die Aperribay-Gruppe ihr Getriebe ACT 1075 (für Fahrzeuge zwischen 55 und 75 Tonnen) vorgestellt, das auf dem entsprechenden Markt als eines der fortschrittlichsten in Bezug auf Anpassungsfähigkeit, Digitalisierung und Integration künstlicher Intelligenz angesehen wird.

Die letzte Generalversammlung des Marte-Programms – und zweite, da der Plan am 5. Dezember 2024 in Stockholm (Schweden) vorgestellt wurde –, an der die wichtigsten Vertreter der Unternehmen der Branche aus Spanien, Italien, Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, Finnland, Estland, Litauen, Rumänien und Griechenland teilnahmen, fand Ende November 2025 in Donostia / San Sebastián statt. Die Hauptstadt der baskischen Provinz Gipuzkoa war Gastgeberin der Veranstaltung – sicher auch deshalb, weil einer der Eigentümer von SAPA, der prominente Jokin Aperribay gleichzeitig Präsident des Erstliga-Fußballclubs Real Sociedad ist. Bekräftigt wurde bei der Versammlung das Engagement aller beteiligten Akteure, diskutiert wurden die wichtigsten Fortschritte eines Programms, an dem Frankreich als wichtigster Akteur nicht beteiligt ist, da es gemeinsam mit Deutschland an einem eigenen Vorschlag arbeitet.

Vorschläge auf dem Tisch

Auf jeden Fall warten die europäischen Unternehmen, darunter auch SAPA, nicht darauf, dass die Architektur des Marte-Panzers, der zwar zügig voranschreitet, sich aber noch in der Vorphase befindet, konkretisiert wird, sondern legen bereits Vorschläge auf den Tisch, die einen modularen Aufbau des Kriegsgeräts ermöglichen, um sich in einem Segment zu positionieren: dem der neuen Generation von Landfahrzeugen, für das im nächsten Jahrzehnt ein Millionenregen erwartet wird. Der entscheidende Punkt in diesem Fall ist, dass das Unternehmen aus Gipuzkoa einen Vorteil hat, da es schon seit langem auf diese Technologie spezialisiert ist und über eine bewährte, zugelassene und von den exklusivsten Auftraggebern (darunter die USA) hoch geschätzte Lösung verfügt, wo es über seine Tochtergesellschaft in Detroit (SAPA Transmission) auch als Partner am Programm für die neue Generation nordamerikanischer Fahrzeuge beteiligt ist.

Unter dieser Prämisse treibt das Unternehmen aus Andoain die Entwicklung seiner technologischen Lösung voran, um sich als wichtiger Akteur im turbulenten europäischen Rüstungs-Umfeld zu positionieren. Konkret arbeitet SAPA mit dem deutschen “Verteidigungs-Ministerium“ im Rahmen einer gemeinsamen Initiative zum Testen von Fahrzeugen zusammen, in Italien verstärken die Aperribay-Gruppe und MTU (der deutsche Gigant, der den Motor des legendären Leopard-Panzers baut) ihre Zusammenarbeit, um ihre Technologie einem italienischen Konsortium unter der Leitung von Leonardo im Rahmen des Plans der italienischen Armee zur Erneuerung ihrer Panzerflotte und als Ersatz der veralteten Ariete-Typen anzubieten.

Die Bewertung dieser beiden Erfahrungen sei “positiv”, wie Quellen des Unternehmens gegenüber dieser Zeitung bestätigen, sodass SAPA “gut positioniert” ist, um mit seiner Technologie zum Marte-Programm beizutragen. Darüber hinaus passen die Schlussfolgerungen für die europäische Panzerung der neuen Generation – weniger Besatzung, mehr Automatisierung und Robotisierung durch KI, Autonomie und Fernsteuerbarkeit aufgrund der geringeren Toleranz des Westens gegenüber menschlichen Verlusten, unter anderem – perfekt zum Technologieangebot der Gruppe aus Gipuzkoa, die in der Lage ist, die Orografie im Kampfgebiet mit chirurgischer Präzision zu lesen und sogar die Fahrweise des Bedieners “verstehen” kann.

Lehren aus der Ukraine

sapap3Das Programm Marte, das Ähnlichkeiten mit dem Programm FCAS (dem zukünftigen europäischen Kampfflugzeug) aufweist, wurde im Dezember 2024 offiziell gestartet und stellt im Wesentlichen eine gemeinsame europäische Anstrengung dar, den neuen Haupt-Kampfpanzer zu entwickeln, den Europa benötigt, um den neuen “Verteidigungs-Herausforderungen“ zu begegnen, die zum großen Teil auf die Lehren aus dem Krieg in der Ukraine zurückzuführen sind (Ukraine als willkommenes tödliches Testfeld für die Modernisierung von Vernichtungs-Waffen). Das Projekt entstand als Initiative im Rahmen des Europäischen Verteidigungs-Fonds (EDF) mit dem Ziel, das französisch-deutsche Programm MGCS (Main Ground Combat System) zu ergänzen und auf die dringende Notwendigkeit einer Modernisierung der Panzerflotten des Kontinents zu reagieren.

Über seinen ursprünglichen Zweck als Raum für Zusammenarbeit und Diagnose zwischen europäischen Unternehmen und Generalstäben hinaus erweist sich das Marte-Programm als unerwarteter, aber wirksamer Katalysator für die Entwicklung von Technologien für zukünftige Kampfpanzer. Verschiedene Länder, darunter Italien und Deutschland, nutzen die gewonnenen Erkenntnisse, um nationale Programme im Vorfeld des endgültigen europäischen Panzers zu steuern, wobei sie sich auf Marktstudien, technische Vergleiche und Bewertungen der Nachhaltigkeit und technologischen Machbarkeit stützen, die im Rahmen des Konsortiums erstellt wurden. Diese Dynamik beschleunigt die Entwicklung von neuen Lösungen.

Dieser zukünftige europäische Panzer, der modular, digital und vernetzt sein wird, verspricht nicht nur technologische Überlegenheit in Bereichen wie Mobilität und Schutz, sondern wird auch moderne Systeme der künstlichen Intelligenz (KI) und Robotisierung integrieren, was eine geringere Abhängigkeit von der Besatzung und eine Steigerung der Betriebseffizienz ermöglicht. Zu den Fähigkeiten des Fahrzeugs gehört eine offene Architektur, die eine kontinuierliche Aktualisierung und Integration mit anderen “Verteidigungs-Systemen“ wie Drohnen oder ferngesteuerten Waffensystemen ermöglicht. Dies wiederum wird es den europäischen Panzerfahrzeugen ermöglichen, sich schnell an neue Bedrohungen anzupassen, die in einem sich wandelnden geopolitischen Umfeld entstehen, wie zum Beispiel Drohnenschwärme und moderne Raketen.

ANMERKUNGEN:

(*) Basis-Information aus: “Das baskische Unternehmen SAPA beschleunigt, um zu den führenden Unternehmen im Bereich des neuen europäischen Panzerfahrzeugs zu gehören“ (La firma vasca SAPA acelera para estar entre las empresas que lideren el nuevo tanque blindado europeo), Tageszeitung El Correo,2025-12-22; dazu kommen Veränderungen und Ergänzungen im Text (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) SAPA (sapa)

(2) SAPA (elcorreo)

(3) Rüstungsfirmen (elcorreo)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-12-22)

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