kiran1KI im Krieg gegen Iran

Künstliche Intelligenz (KI) in militärischen Konflikten ist auf dem Vormarsch. Die USA haben den KI-Einsatz in ihrem Krieg gegen den Iran bestätigt und machen mit dieser Nachricht deutlich, dass es nicht mehr Militärs und Offiziere sondern Maschinen sind, die über die Angriffsziele entscheiden. Durch den Einsatz des Programms „Maven“ wird der Feldzug von Israel-USA zum ersten Konflikt, in dem KI eine zentrale Rolle bei der Planung von Angriffen und dem Ausschalten von „gegnerischen Elementen“ spielt.

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Bereich der Informatik, der Systeme entwickelt, die Lernen, Schlussfolgern, die Umgebung wahrnehmen und Probleme lösen können, was zuvor menschliche Intelligenz voraussetzte.

Der Krieg gegen den Iran läutet eine neue Ära in der Kriegsgeschichte ein, da künstliche Intelligenz (KI) als zentrales Element zur Berechnung von Angriffen eingesetzt wird. Der Einsatz von KI war bereits in den ersten Stunden des Angriffs ein Thema, insbesondere nachdem eine Rakete eine Schule im Süden des Iran getroffen und mehr als 180 Menschen getötet hatte, Mädchen und Lehrerinnen. Nun hat das Zentralkommando der US-Armee (CENTCOM) den Einsatz von KI bestätigt und die Besorgnis darüber verstärkt, wie diese eingesetzt wird.

„Unsere Soldaten nutzen eine Vielzahl fortschrittlicher KI-Tools. Diese Systeme helfen uns, riesige Datenmengen in Sekundenschnelle zu filtern, sodass unsere Führungskräfte das Rauschen ausblenden und intelligentere Entscheidungen treffen können, schneller als der Feind reagieren kann“, erklärte der Chef des CENTCOM, Brad Cooper, kürzlich. Er versicherte dennoch, dass „Menschen immer die Entscheidung treffen werden, was abgefeuert wird, was nicht und wann“.

Diese Klarstellung kam nicht von ungefähr: Der Einsatz von KI im Krieg gegen den Iran fällt genau in die Zeit des Konflikts zwischen dem Pentagon (US-Kriegs-Ministerium) und dem KI-Unternehmen Anthropic. Die Trump-Regierung forderte das Unternehmen auf, den Einsatz seiner Technologie für den Befehl zum Abschuss von Raketen, den Einsatz autonomer Militärdrohnen und die Durchführung massiver Überwachung zu gestatten. Dario Amodei, Geschäftsführer von Anthropic, lehnte dies aus ethischen und risikobezogenen Gründen ab. Obwohl der Konflikt dazu geführt hat, dass das Weiße Haus alle Bundesverträge mit Anthropic gekündigt hat, nutzt das Kriegs-Ministerium weiterhin dessen KI „Claude“.

kiran2„Claude“ ist zu einem zentralen Bestandteil von „Project Maven“ geworden, dem KI-Bild-Analyse-Programm, welches das Pentagon zur Identifizierung und Priorisierung von Angriffszielen einsetzt. Andere große Technologie-Unternehmen wie Palantir sind ebenfalls an dem Projekt beteiligt. „Maven“ ermöglicht die Verarbeitung von tausend Bildern pro Sekunde. Ein gewaltiger Sprung gegenüber dem menschlichen Auge, das mindestens zehn Minuten benötigt, um ein einziges Satellitenbild zu analysieren.

Die Einführung dieser Technologie beschleunigt das Tempo des Kriegsablaufs auf ein bisher nie dagewesenes Niveau. Der Einsatz von „Maven“ ermöglichte es den US-Amerikanern und Israelis, in den ersten 24 Stunden der Offensive 3.000 Ziele anzugreifen. Das bedeutet, dass an einem einzigen Tag so viele Angriffe durchgeführt werden können wie sonst in Monaten einer konventionellen Kriegs-Kampagne.

Bislang hatte KI in anderen Konflikten wie denen in der Ukraine und beim Völkermord im Gazastreifen „nur“ eine experimentelle Rolle gespielt. Tatsächlich haben mehrere Berichte bereits darauf hingewiesen, wie Israel bei zahlreichen Gelegenheiten KI eingesetzt hat, um den Genozid an den Bewohner*innen des Gazastreifens zu optimieren, bei dem seit Oktober 2023 bereits mehr als 72.000 Menschen getötet wurden, die riesige Mehrheit der Toten waren Zivilist*innen, keine Kombattanten.

Mehrere demokratische Kongress-Abgeordnete haben bereits eine strengere Überwachung des Einsatzes künstlicher Intelligenz durch das US-Militär gefordert. „Wir brauchen eine umfassende und unparteiische Überprüfung, um festzustellen, ob KI im Krieg mit dem Iran bereits Leben geschädigt oder gefährdet hat“, sagte Jill Tokuda, Abgeordnete aus Hawaii und Mitglied des Ausschusses für Streitkräfte des Repräsentantenhauses, gegenüber dem Sender NBC. Die Forderung ist müßig, die Antwort ergibt sich aus der Logik der Anwendung von KI: wenn Krieg dem Auslöschen von gegnerischen „Elementen“ dient, dann wird diese „Neutralisierung“ mit KI beschleunigt und vervielfacht.

Das Maven-System wurde 2017 als Experiment zur Klassifizierung von Drohnen-Videos entwickelt und hat sich zu einer Plattform weiterentwickelt, die in der Lage ist, eine überwältigende Datenmenge zu interpretieren. In einer einzigen Schnittstelle werden digitale Karten, Geo-Lokalisierungen, Telemetrie und kommerzielle Bilder zusammengeführt. Die Integration der KI fügt eine weitere Ebene hinzu: die Fähigkeit, die Informationen zu interpretieren. Palantir liefert die Rohdaten – aus Satelliten, Sensoren und abgefangenen Kommunikationen –, während „Claude“ als Leser fungiert, der aus der Plattform Daten abfragt und so innerhalb von Sekunden operative Antworten erhält.

Dieser konstante Datenfluss verarbeitet die Ziele auf einer solchen Ebene, dass die menschliche Überwachung zu einem reinen Genehmigungs-Vorgang wird. Daher die angebliche Besorgnis von Fachleuten und Kongress-Abgeordneten: Es besteht die Befürchtung, dass diese Validierung am Ende nichts weiter als eine rein mechanische Geste ist. „Darüber hinaus entmenschlicht sie die Entscheidung zu töten noch weiter“, ist die fragwürdige Schlussfolgerung der Kritiker der KI. Denn Krieg ist Krieg. Ob Völkermord, konventionell oder Turbo-Krieg mit KI-Unterstützung. Die Frage kann nicht sein, wie weit die „Entmenschlichung“ des Krieges bereits reicht, sie muss lauten, wie die Brutalität des Krieges aufgehalten werden kann.

Künstliche Intelligenz hat zudem eine besonders zynische Seite. Wenn es einen Ayatollah oder eine sonstige Hassfigur trifft, jubeln die Militärs und ihre Anhänger. Wenn es „versehentlich“ Zivilisten trifft (siehe Gaza), dann ist falsches Bildmaterial verantwortlich. So wird in einem ZDF-Bericht das Kriegsverbrechen des Angriffs auf die Mädchenschule in Minab damit entschuldigt, dass „veraltetes Datenmaterial zur fatalen Bombardierung“ führte. Die iranischen Opfer dieses Verbrechens können sich glücklich schätzen, nicht absichtlich ermordet worden zu sein, sondern einem Irrtum anheim gefallen zu sein. Die Mörder-Generäle können ihre Hände in Unschuld waschen. (*)

ANMERKUNGEN

(*) Information aus dem Artikel “EEUU confirma el uso de la IA en su guerra contra Irán y desata la preocupación sobre quién decide los objetivos” (Die USA bestätigen den Einsatz von KI in ihrem Krieg gegen den Iran und lösen damit Besorgnis darüber aus, wer über die Ziele entscheidet), Tageszeitung Publico, 2026-03-16, Teil-Übersetzung und Ergänzung: baskultur.info (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) KI im Iran-Krieg (centcom)
(2) KI im Iran-Krieg (handelsblatt)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-03-17)

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