Modell US-Faschismus
Immer dringlicher stellt sich die Frage, was Faschismus ist und ob Teile der aktuellen Welt bereits ein Stadium von Faschismus erreicht haben. Wie ein US-amerikanischer Faschismus aussehen könnte, beschreibt ein Meinungs-Artikel in einer baskischen Tageszeitung, interessanter-weise ein ausgesprochen rechts-orientiertes Medium. Der Autor nimmt sich „Die USA nach Trump“ zum Thema und greift zur Beschreibung seiner Distopie auf die oligarchisch-faschistischen Phantasien der „Heritage Foundation“ zurück.
Faschismus: extrem nationalistische, autoritäre Ideologie, lehnt Demokratie und Sozialismus ab, fordert starken Führer, verherrlicht Gewalt, Militarismus und ethnische Reinheit.
Sollte der aktuelle US-Präsident im Amt sterben, könnte die extreme Rechte, die er ins Zentrum der Macht geführt hat, versuchen, ihren ganz eigenen „amerikanischen Traum“ (American Dream) zu verwirklichen – ein Albtraum für alle anderen. (*)
Was würde passieren, wenn Trump als Präsident sterben würde? Um diese Frage zu beantworten, muss man die Obsessionen einiger extrem reaktionärer Fraktionen verstehen, die am Rande der Republikanischen Partei standen, bis Trump sie über die Heritage Foundation und ihr Projekt 2025 ins Zentrum der Macht brachte. Trump stützt sich auf diese Leute, weil sie ihm ein geschlossenes Regierungsteam bieten und weil er viele ihrer Ideen teilt, auch wenn er nicht deren Marionette ist. Sein unberechenbares und jähzorniges Wesen macht ihn unkontrollierbar, er folgt keinem Plan außer seinem eigenen Ehrgeiz.
Die Heritage Foundation ist das intellektuellere Gesicht von Gruppen, die zwar nicht irrational, aber ihrem Wesen nach anti-rational sind. Sie sind das, was unvoreingenommene und objektive Sozial-Wissenschaftler*innen als „Mächte des Bösen“ bezeichnen könnten. Denn sie stellen Patrioten in dem Sinne dar, dass ihr Vaterland sie selbst sind, wobei sie den Rest der Bevölkerung ausschließen, und sie sind Verfechter von Selbstjustiz in dem Sinne, den der Schriftsteller James A. Michener anprangerte: Sie setzen die Interessen bestimmter privilegierter Gruppen mit „Gerechtigkeit“ gleich, um sicherzustellen, dass diese um jeden Preis verteidigt werden. Sie sind eingefleischte Rassisten, die immer noch Groll gegen die Bürgerrechts-Bewegung (der 1950er und 1960er Jahre) hegen, und sie sind kompromisslose Machisten, die immer noch davon träumen, den 19. Zusatzartikel zur Verfassung abzuschaffen, der Frauen das Wahlrecht gewährte.
Im wirtschaftlichen Bereich träumt die extreme Rechte immer noch davon, die Einkommens-Steuer, die Präsident Wilson 1913 eingeführt hat, abzuschaffen und fast die gesamte Steuerlast durch Verbrauchs-Steuern, kommunale Abgaben und Ähnliches auf die untere Mittelschicht und die Lohnempfänger abzuwälzen. Doch so sehr man diese Steuern auch erhöht, man wird niemals das ausgleichen können, was an Einnahmen aus Einkommen, Erbschaften oder Vermögen verloren geht. Um ein gigantisches Defizit zu vermeiden, taucht eines der heiligen Mantras der wirtschaftlichen extremen Rechten in den USA auf: das Dogma des Minimal-Staates. Die öffentlichen Aufgaben würden auf Instrumente der Kontrolle und Repression reduziert: Armee, Polizei, Gerichte, Geheimdienst, Steuererhebung bei der breiten Masse und wenig mehr.
Was die Lebensqualität angeht, würde es in der neuen Ordnung keine Renten, keine Arbeitslosen-Unterstützung, kein öffentliches Gesundheitswesen und keine öffentliche Bildung geben. Gewerkschaften werden als unamerikanisch angeprangert und würden daher streng unterdrückt oder verboten. Vorschriften zu Löhnen, Arbeits-Sicherheit oder Umwelt-Verschmutzung würden im Namen der sakrosankten unternehmerischen Freiheit vollständig verschwinden, doch es wäre kein kapitalistisches System des freien Wettbewerbs, da die Industrie-Giganten staatliche Begünstigung genießen und die Zweckmäßigkeit der Schaffung riesiger Monopole unverhohlen verteidigt wird. Der Mythos vom bescheidenen Unternehmer, der in seiner heimischen Garage etwas Neues aufbaut und daraus ein Unternehmens-Imperium macht, wäre für immer vorbei. Es versteht sich von selbst, dass Abtreibung verschwinden würde, und im Bereich der Sexualität würde es dort wie im Spanien unter Franco aussehen.
Was die Einwanderung betrifft, so könnten Ausländer fast nach Belieben einreisen, da die Unternehmer billige Arbeitskräfte benötigen. Sie würden jedoch zu einer Kaste von „Metöken“ werden, die auf ewig ausgegrenzt wären, keine Chance auf den Erwerb der Staatsbürgerschaft hätten und ständig von Abschiebung bedroht wären, um sie gefügig zu halten. (Metöken waren im antiken Griechenland, insbesondere in Athen, dauerhaft ansässige Fremde. Sie waren freie Einwohner ohne Bürgerrechte, die Händler- oder Handwerks-Tätigkeiten ausübten, Steuern zahlten und Militärdienst leisteten, aber keine politische Rechte besaßen. Die Metöken bildeten neben den Bürgern und Sklaven eine der drei Hauptgruppen der athenischen Gesellschaft. Wikipedia)
Und die Menschen der Bevölkerung könnten nicht protestieren, denn das amerikanische Imperium würde sich zu einer oligarchischen Demokratie zurückentwickeln, mit gefügigen Gerichten, Wahlrechten, die de facto auf immer kleinere Bevölkerungsgruppen beschränkt wären, und manipulierten Wahlsystemen, um Überraschungen zu verhindern; oder es gäbe gar keine Wahlen mehr.
Nach außen hin würde das neue amerikanische Imperium zu der fälschlicherweise als Isolationismus bezeichneten Politik zurückkehren, die in Wirklichkeit immer imperialistischer Unilateralismus war. Die USA waren nur insofern „isolationistisch“, als sie keine dauerhaften Bündnisse eingingen und sich an keine internationale Organisation oder Norm banden. Das würde nicht der aktuellen Praxis von Trump entsprechen, sondern deutlich gravierender: Trump hat Drohungen gegen Grönland oder Panama ausgesprochen; seine Nachfolger würden Truppen entsenden und diese Gebiete mit Gewalt einnehmen. Trump hat Zölle verhängt; seine Nachfolger würden verbindliche Handelsquoten oder direkt Abgaben einführen – oder es zumindest versuchen. Trump droht mit dem Austritt aus der NATO. Seine Nachfolger würden sie sofort verlassen, aber weiterhin europäische Militärhilfe für ihre Kriege einfordern. Trump zögert, den Iran auf dem Landweg anzugreifen. Seine Nachfolger würden ohne Skrupel eine Million Soldaten entsenden.
Das ist die Version des „amerikanischen Traums“ der extremen Ultrarechten. Ein Traum für sie, ein Albtraum für alle anderen. Sollte Trump im Amt sterben, könnten die Aktivisten aus der Heritage Foundation versuchen, dies sofort in die Tat umzusetzen. Ob sie es schaffen würden, wäre eine andere Frage.
ANMERKUNGEN:
(*) „Die USA nach Trump?“ (Originaltitel: ¿EE UU después de Trump?). Tageszeitung El Correo, Autor: Juanjo Sánchez Arreseigor (Historiker und politischer Analytiker), 07.05.2026 (LINK)
ABBILDUNGEN:
(1) Heritage Fd. (heritage)
(2) Heritage Fd. (heritage)
(3) Trump (elcorreo)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-05-11)
