
Von Kernenergie zu Fischfabrik
Die zwei Meiler des Atomkraftwerks Lemoiz (Lemoniz) an der Bizkaia-Küste waren bereits fertig gebaut, als die spanische Zentral-Regierung beschloss, die Atomanlage wegen der massiven Gegenproteste nicht in Betrieb zu nehmen. Seither sind 45 Jahre vergangen, Reste der Atomruine stehen noch immer. Über die Jahrzehnte wurden einige Pläne diskutiert, was aus Lemoiz werden könnte. Jetzt liegt der Plan auf dem Tisch, dort eine Fischzucht-Anlage zu bauen: Seezungen statt Atom-Energie.
Der Plan, auf dem Gelände des verhinderten AKW Lemoiz eine Fischzucht-Anlage zu bauen, findet Freunde in der baskischen Regierung, nicht jedoch unter Ökolog*innen und Anwohner*innen aus Lemoiz.
Hinter dem von der baskischen Regierung vorgestellten Projekt einer Fischzucht-Anlage auf dem Gelände von Lemoiz steht die valencianische Investoren-Gruppe Atitlan, die von Roberto Centeno – dem Schwiegersohn von Juan Roig, dem Eigentümer von Mercadona – und seinem Partner Aritza Rodero kontrolliert wird. Am Ende dieses Berichts ist eine detaillierte Analyse darüber zu finden, wer hinter dem Projekt steht, welche Interessen vertreten werden und welche Fragen noch offen sind.
Der auf der Webseite der Bewegung baskischer Rentnerinnen und Rentner publizierte Bericht beschreibt die Geschichte des AKW Lemoiz, die Entwicklung des Projekts und sein Scheitern. Gleichzeitig wirft er ein Licht auf andere fragwürdige und anti-ökologische Großprojekte in der Region Baskenland.
Endphase der franquistischen Diktatur. Eine der großen Bestrebungen des Regimes seit den 1950er Jahren war eine energie-politische Unabhängigkeit. Dafür wurden Dutzende Stauseen gebaut, die hunderte von Dörfern begruben. Ende der 1960er Jahre kamen die ersten Pläne zum Bau von Atomkraftwerken auf die Tagesordnung. In Deba (Gipuzkoa), Ispaster und Lemoiz (Bizkaia) sollten vier AKWs gebaut werden. Am Ebro, direkt an der baskischen Grenze zwischen Araba und Burgos wurde 1971 das AKW Garoña eingeweiht, das erste seiner Art im Staat. Vor wenigen Jahren wurde es stillgelegt, wegen ständiger Betriebsstörungen und nicht zuletzt wegen der ständigen Proteste der baskischen Ökologie-Bewegung.
1.1. Beginn des Projekts
1970 / 1971: Planungen und Studien für den Bau eines Kernkraftwerks in der Basordas-Bucht in der Gemeinde Lemoiz (Bizkaia) wurden durchgeführt. Die Planung und die Erteilung der Genehmigung erfolgten 1970 und 1971, die Bauarbeiten begannen 1972. Das Kraftwerk wurde jedoch nie in Betrieb genommen. Errichtet wurde das AKW vom Energieversorger Iberduero mit Unterstützung der neoliberalen baskischen PNV-Partei im Rahmen ihres Vorhabens zur Schaffung einer „baskischen Atomküste“. Der Plan sah mehrere Kraftwerke in der Autonomen Region Baskenland vor: zwei in Lemóniz, eines in Deba und ein weiteres in Ispaster sowie ein viertes in Tutera (Navarra).
Jedes Kraftwerk sollte Blöcke mit einer Leistung von 1.000 Megawatt (MW) umfassen. Das Kraftwerk in Ispaster (Punta Mendata) sollte sechs Blöcke umfassen. Insgesamt hätte der Plan zusätzliche 12.000 MW pro Stunde erzeugt, mit der Möglichkeit, Energie über die Verbindungsleitung in Hernani (Gipuzkoa) nach Frankreich zu exportieren. Die PNV setzte auf baskische Energie-Unabhängigkeit und ignorierte dabei das gravierende Problem der Entsorgung von angereichertem Uran nach Ablauf seines Arbeitszyklus, der auf drei bis sechs Jahre geschätzt wurde, einem Material, das über mehr als 700 Millionen Jahre gelagert werden muss.
1.2. ENTWICKLUNG DES PROJEKTS
1972: Die Bauarbeiten in der Basordas-Bucht begannen und veränderten deren Erscheinungsbild für immer. Mit dem Bau begonnen wurde, ohne alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen zu haben. Iberduero übte Druck auf die betroffenen Gemeinden aus und drohte ihnen mit rechtlichen Schritten, sollten sie die auferlegten Bedingungen nicht akzeptieren, einschließlich der Bewertung der enteigneten Grundstücke. Das Unternehmen verfügte über großen politischen Einfluss in der Provinzverwaltung von Bizkaia, die damals und bis heute von der PNV kontrolliert wurde.
Die Bucht wurde durch einen Deich geschlossen, um dem Kantabrischen Meer Land abzugewinnen, etwa 200.000 Kubikmeter Beton sowie 1.000 Tonnen Eisen wurden verbaut, wodurch die Bucht für immer verschüttet wurde. Die Anwohner*innen wussten zunächst nichts vom Zweck der Bauarbeiten, sie wurden von den franquistischen Behörden getäuscht. Später wurden sie gezwungen, ihre Gehöfte und Grundstücke abzugeben, entweder durch Zwangsverkauf zum Schätzpreis oder durch Enteignung.
Die Gesamtfläche betrug 180 Hektar: (A) Städtisches Industriegebiet (35 Hektar), begrenzt durch die Straße BI-3152: (A.1) Plattform von Basordas (7 Hektar): die dem Meer abgewonnene Fläche mit den Hauptgebäuden der Anlage. (A.2) Interner Sicherheitsbereich (28 Hektar): Straßen, Werkstätten, Büros und Sicherheits-Korridor mit doppelter Umzäunung von 1.600 Quadratmetern. (B) Nicht bebaubares Gebiet / Schutzgürtel (145 Hektar): aus Sicherheitsgründen enteignetes Gelände. Dazu gehörten Waldgebiete, Hänge, landwirtschaftliche Flächen und zwei alte Gehöfte.
Lemoiz-Lemóniz liegt Straßen 30 Kilometer von Bilbao entfernt und 15 Kilometer Luftlinie, was die Risiken bei einem möglichen Unfall erheblich verschärfte. Im Zuge der Baufortschritte und der Bekanntgabe weiterer Projekte wuchs der Widerstand der Bevölkerung, der sich in Umwelt- und Anti-Atomkraft-Gruppen organisierte und von den Anwohnern sowie den Gemeinden der Region unterstützt wurde.
1975 / 1976: Dem Anti-Atomkraft-Widerstand gelang es, die Projekte in Deba und Ispaster zu stoppen. Lemoiz blieb das einzige im Bau befindliche Kernkraftwerk-Projekt im südlichen Baskenland. Es wurde die „Kommission zur Verteidigung einer atomkraft-freien baskischen Küste“ gegründet, die mehr als 140.000 Unterschriften sammelte, in denen der Baustopp und eine Volksbefragung gefordert wurden. Der Slogan „Nuklearrik ez, eskerrik asko“ (AKW nein danke) verbreitete sich im gesamten Baskenland.
Die Ablehnung war breit gefächert: Intellektuelle wie der Regisseur Imanol Uribe und der Bildhauer Eduardo Chillida, der das Emblem des Anti-Atomkraft-Kampfes entwarf, schlossen sich an. Für das Kraftwerk sprachen sich die franquistischen Behörden, die Franquisten-Partei Acción Popular (AP), die Franquisten-Partei Unión Centro Democrático (UCD) und die PNV aus (Baskisch Nationalistische Partei). Deren Vorsitzender Xabier Arzalluz ging so weit, vorherzusagen, dass man im Baskenland ohne das Kraftwerk „bei Kerzenschein leben“ würde. Der entschlossenste Widerstand kam von der linken Euskadiko Ezkerra (Partei der 1980 aufgelösten ETA-politico-militar) und Herri Batasuna, der Koalition der baskischen Linken. Am 29. August 1976 versammelten sich bei einem Marsch zwischen Plentzia und Gorliz 50.000 Menschen.
1977: Am 14. Juli fand in Bilbao eine Demonstration mit 200.000 Teilnehmern gegen das Kraftwerk statt, die als die bis dahin größte Anti-Atomkraft-Demonstration der Welt galt. Im August stellte sich die Provinzregierung von Bizkaia auf die Seite des Energie-Unternehmens Iberduero und ignorierte dabei alle Forderungen der Bevölkerung.
1978: Am 17. März platzierte die ETA eine Bombe in einem der Reaktoren, wodurch zwei Arbeiter – Andrés Guerra und Alberto Negro – ums Leben kamen und erheblicher Sachschaden entstand.
1979: Am 3. Juni 1979 wurde die AKW-Gegnerin Gladys del Estal während einer Kundgebung gegen die Kernenergie in Tudela (Nafarroa) von der Guardia Civil durch einen gezielten Schuss in den Kopf ermordet. Am 28. März 1979 löste der Unfall von Three Mile Island (Harrisburg, Pennsylvania) weltweit Alarm hinsichtlich der nuklearen Sicherheit aus. Am 13. Juni platzierte die ETA eine zweite Bombe im Turbinenbereich, wodurch der Arbeiter Ángel Baños ums Leben kam.
1981: Die ETA entführte José María Ryan, den technischen Leiter des Kraftwerks, und stellte der Regierung ein Ultimatum: Die Bauarbeiten müssten innerhalb von sieben Tagen eingestellt werden, sonst würde er hingerichtet. Die Techniker legten die Arbeiten freiwillig nieder. Nachdem die Frist ohne Antwort abgelaufen war, wurde Ryan ermordet. Die Regierung übertrug die Zuständigkeiten im Energiebereich an die baskische Exekutive, die das Projekt Ende des Jahres mit Unterstützung von PNV, UCD und AP durch die Gründung einer öffentlich-privaten Partnerschaft wieder aufnahm.
1982: Der Ingenieur Ángel Pascual trat die Nachfolge von Ryan als Kraftwerksleiter an. Am 5. Mai 1982 wurde er von der ETA ermordet, als er seinen Sohn zur Schule brachte. Die Techniker weigerten sich, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Am 13. Mai 1982 kündigte Iberduero alle Verträge. Die Bauarbeiten wurden endgültig eingestellt. Ohne die Aktionen der ETA wäre das Projekt nach Ansicht mehrerer Experten angesichts der politischen Unterstützung, über die es verfügte, nicht zum Stillstand gekommen. Der reale und massive gesellschaftliche Druck wurde von den Institutionen systematisch ignoriert.
1.3. PROJEKT-ENDE
1984: Offiziell wurde der Bau aufgrund des Atom-Moratoriums der Zentral-Regierung unter Felipe González eingestellt, begründet wurde es mit der Sicherheit der Anlagen und der Unmöglichkeit der Entsorgung radioaktiver Abfälle.
1986: Am 26. April 1986 zerstörte der Unfall von Tschernobyl in der Ukraine – verursacht durch einen fehlgeschlagenen Sicherheitstest, gravierende Konstruktionsmängel und menschliches Versagen – den Reaktor und setzte radioaktives Material in die Atmosphäre frei. Die 30-Kilometer-Sperrzone betraf 350.000 Menschen, radioaktive Wolken wurden bis nach Mitteleuropa getrieben, Lebensmittel und Wildtiere vergiftet.
2002: Iberdrola – Nachfolge-Unternehmen von Iberduero – verkaufte die Anlagen und demontierte Teile des Kraftwerks. Übrig blieben die großen, leeren Gebäude. Im Jahr 2017 bekundete ein Unternehmen Interesse daran, diese in eine Fischzuchtanlage umzuwandeln, die Initiative kam jedoch nicht zustande.
2011: Am 11. März setzten das Erdbeben und der Tsunami in Fukushima die Kühlsysteme des japanischen Kraftwerks außer Betrieb, was zur teilweisen Kernschmelze in drei Reaktoren führte. Die Sperrzone betraf 80.000 Menschen. In jenem Jahr genehmigte die spanische Regierung Entschädigungen an die Energieversorger wegen der nicht gebauten Kraftwerke, die die Verbraucher über ihre Stromrechnungen bis 2015 bezahlten.
2019: Die spanische Regierung übertrug das Eigentum an den Lemoiz-Anlagen an die baskische Regierung.
1.4. GESCHÄTZTE KOSTEN UND ZAHLUNGSWEISE
Der vor der Stilllegung in Lemoiz investierte Betrag belief sich auf rund 2,103 Milliarden Euro (350.000 Millionen Peseten). Durch das Gesetz zur Ordnung des Stromversorgungs-Systems von 1994 legte der Staat die Entschädigung für Iberdrola auf 2,273 Millirden Euro fest. Die Gesamtkosten aller im Staat verhinderten Kernkraftwerks-Projekte beliefen sich auf über 5,7 Milliarden. Diese Schulden wurden bis Oktober 2015 vollständig von den Verbrauchern über einen Aufschlag auf die Stromrechnung über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg beglichen.
2026: Im April des Jahres kündigten die baskische Regierung und die valencianische Investorengruppe Atitlan eine Investition in Höhe von 170 Millionen Euro an, um auf dem Gelände des verhinderten Kraftwerks in eine Zuchtanlage für Seezungen zu bauen, die voraussichtlich 2030 den Betrieb aufnehmen soll.
2. AKTUELLE LAGE
2.1. Bürgerinitiativen zur Sanierung
Seit 2002 sind in der Bucht nur noch leerstehende Gebäude und eine Hochspannungsleitung übrig, die keinen Zweck mehr erfüllt. Bei keinem der angekündigten Projekte würde mehr als die ehemalige Bucht von Basordas (35 Hektar) genutzt. Ungeklärt bleibt, was mit den verbleibenden 145 Hektar geschehen soll, die 1972 enteignet wurden und für industrielle Nutzungen nicht mehr benötigt werden. Da der Grund für die Enteignung weggefallen ist, wäre es sinnvoll, diese Flächen gegen eine entsprechende Entschädigung an die Nachkommen der betroffenen Anwohner oder an die Gemeinden zurückzugeben.
2.1.1. Projekt der betroffenen Anwohner
Valentín Elortegi, Sohn der ehemaligen Eigentümer eines Teils dieser Grundstücke, setzt sich dafür ein, das Areal als Kulturerbe wiederherzustellen, und organisiert jedes Jahr im September ein Volksfest, das das Leben in der verschwundenen Bucht von Basordas nachstellt.
2.1.2. Architektonisches Projekt
Die Architektin Carmen Abad vertritt die Notwendigkeit, „dem Dorf einen Raum zurückzugeben, der ihm entrissen wurde“. Sie schlägt vor, die Reaktorgebäude als historisches Denkmal zu erhalten und den Rest der Bucht mit einem Aussichtspunkt mit öffentlich zugänglichen Bereichen zu sanieren.
3. Abschließende Analyse des Prozesses
Der Betrieb des Kraftwerks wurde eingestellt, als die ETA Führungskräfte von Iberduero zu Anschlagszielen machte. Solange die Opfer einfache Arbeiter waren, reichte der Druck nicht aus. Die Unfälle von Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima widerlegen die oft behauptete Sicherheit, die den Kernkraftwerken zugeschrieben wurde. Das Gelände wurde nicht renaturiert. Die Verbraucher zahlten die Entschädigung an Iberdrola sowie die Kosten für alle nicht gebauten Projekte. Eine Rückgabe der widerrechtlich enteigneten 145 Hektar wurde nie in Betracht gezogen. Weder wurden die Vorschläge der Bevölkerung berücksichtigt, noch wurden die Bürger zu den Plänen befragt, die ihr Gebiet betrafen.
4. WEITERE PROJEKTE DER BASKISCHEN REGIERUNG
4.1. Deponie von Zaldibar
Die 2020 auf die Autobahn abgerutschte und teilweise illegal geführte Mülldeponie weist seither 29 neue, ungelöste Warnmeldungen auf. Der Einsturz am 6. Februar 2020 führte zum Tod von Alberto Sololuze und zum Verschwinden von Joaquín Beltrán, da die Vorschriften, zu deren Einhaltung die baskische Regierung verpflichtet war, nicht eingehalten wurden. Kontrollen wurden nur sehr unzureichend durchgeführt.
4.2. Guggenheim in Urdaibai
Das Projekt, im Biosphären-Reservat ein zweites Doppe-Museum zu bauen, scheiterte am Widerstand der Anwohnerschaft und Institutionen sowie an Studien zu den Auswirkungen auf das Marschland. Es entbehrte jeder Logik, da es in Bilbao bereits ein Guggenheim gibt und stellte die einzigartige Naturlandschaft Urdaibai durch Massentourismus in Frage.
4.3. Petronor
In der Erdöl-Verarbeitungs-Anlage, direkt am Arenas-Strand von Muskiz, kam es am 27. Februar 2026 zu einem Benzolaustritt mit Konzentrationen zwischen 20 und 200 Mikrogramm/m³, was weit über dem Grenzwert von 2 Mikrogramm lag. Das Vorgehen der Behörden wurde heftig kritisiert. Bis heute sind die zugesagten Abhilfemaßnahmen nicht bekannt. Die giftige Anlage produziert seit Jahrzehnten regelmäßig Störfälle.
4.4. Weitere Maßnahmen
Die PNV hat massive Forderungen der Bevölkerung ignoriert: die Forderung nach einem Stopp des Lemoiz-Projekts (140.000 Unterschriften, Demonstration mit 200.000 Teilnehmern); die Volksinitiative der Renten-Bewegung (145.142 Unterschriften); die Gewerkschafts-Initiative für einen Mindestlohn von 1.500 Euro (138.495 Unterschriften). Dagegen hat sie die Fischzucht-Anlage genehmigt, deren Nichteinrichtung Greenpeace gefordert hat.
Am 18. Juni 2026 legte die baskische Regierung das Gesetz über dringende Maßnahmen zur Vereinfachung nachhaltiger Wirtschaftstätigkeit vor, das eine „regulatorische Überholspur“ für Projekte von übergeordnetem öffentlichem Interesse schaffen soll: Stromnetze, Windparks, Solarparks und Deponien. Es enthält auch Bestimmungen zu Urdaibai, ohne zu erläutern, was die Regierung in den letzten vierzig Jahren unternommen hat, um die aktuelle Situation zu verhindern. Mit diesem Gesetz sollen umstrittene Makro-Projekte einfacher durchsetzbar gemacht und die Beteiligung der Bevölkerung umgangen werden.
WER STECKT HINTER DER FISCHZUCHTANLAGE?
Der Projektträger ist weder ein baskisches Unternehmen noch eine lokale Initiative. Es handelt sich um die Investorengruppe Atitlan, eine Holding mit Sitz in Valencia, die von Roberto Centeno – dem Schwiegersohn von Juan Roig, dem Eigentümer der Mercadona-Supermarkt-Kette – und Aritza Rodero gegründet wurde. Atitlan agiert über ihre Aquakultur-Sparte Sea Eight, die bereits Anlagen in Gijón, Cambados und an zwei Standorten in Portugal betreibt. Der Konzessions-Nehmer für dieses Projekt heißt Aquacría Basordas. Das Modell ist eine öffentlich-private Partnerschaft: Die baskische Regierung stellt die Grundstücke zur Verfügung und finanziert die Erschließung mit 26 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln (über Azpilur), während Atitlan das Geschäft betreibt. Geschätzte Gesamtinvestition: 170 Millionen in zehn Jahren.
Unbeantwortete Fragen: Warum gab es keine Bürgerbeteiligung? Warum wird Iberdrola von der Wiederherstellung dessen, was sie zerstört hat, befreit (geschätzte Einsparung: 17 Millionen)? Warum wurde nicht geprüft, ob lokales oder baskisches unternehmerisches Interesse bestand? Und warum spricht niemand davon, dass der Beton der Reaktoren nicht abgerissen wird, was die Tür für eine hypothetische zukünftige nukleare Nutzung offen lässt?
ANMERKUNGEN:
(*) “Evolución de la central nuclear de Lemoiz” (Entwicklung des Kernkraftwerks Lemoiz), gaurgeroa.eus, 2026-06-26 (LINK)
ABBILDUNG:
(*) Lemoiz (gaurgeroa)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-07-08)
