hosteltur1aUrsachen und Auswirkungen

Hosteltur ist ein Internet-Portal in spanischer Sprache, das alle Aspekte von Tourismus, speziell Hotel-Tourismus beleuchtet und für jede Erscheinung eindrucksvolle Zahlen präsentiert. Obwohl dabei zweifellos die Förderung der Branche im Vordergrund steht, bietet Hosteltur auch Einblicke in kritische Diskussionen um die Auswirkungen des aktuellen weltweiten Massentourismus. Was – so fragt sich Hosteltur – ist Tourismus-Phobie und worauf basiert sie? Es folgen Antworten, die in ihrer Klarheit überraschen.

Tourismusphobie: Was sie ist, Ursachen und Auswirkungen auf den Tourismus, Sättigung von Reisezielen oder Verdrängung von Einwohnern sind einige der Probleme.

Aktuelle Nachrichten im Portal Hosteltur: Spanien könnte 10 Millionen mehr Touristen empfangen als im vergangenen Jahr. Die Zahl der Touristen in Spanien wächst um 7,3% im Juli und ihre Ausgaben um 12%. Der Klimawandel beeinträchtigt bereits die Reisepläne der Europäer. Die Beschäftigung im Bereich Tourismus in Spanien steigt im Juli um 3,5%. Tourismus-Perspektive 2040: Wachstum gegen soziale Beunruhigung. US-Touristen am meisten an Spanien interessiert. Der Tourismus in Spanien wächst um 13% und übertrifft die die Auswirkungen der Proteste. Sicherheit und Preise bremsen die Erholung der Zahl der Reisen nach Europa. Die 15 Länder, in denen am meisten für Tourismus ausgegeben wird: China erneut Nummer Eins. Die Pro-Kopf-Ausgaben pro Tourist und Tag in Madrid steigen auf 294€, die höchste Zahl im Staat. – So viel als Kostprobe der Branchen-Information, die Hosteltur aktuell bietet.

Hosteltur im Wortlaut:

Der Tourismus ist ein wichtiger globaler Wirtschaftszweig, der die Volkswirtschaften ankurbelt, Arbeitsplätze schafft und den kulturellen Austausch fördert. Doch in den letzten Jahren hat das exponentielle Wachstum des Massen-Tourismus begonnen, ein anderes Gesicht zu zeigen. In vielen beliebten Reisezielen hat der übermäßige Zustrom von Besuchern zu einem tiefen Unbehagen in der einheimischen Bevölkerung geführt und ein Phänomen hervorgerufen, das als Tourismus-Phobie bekannt ist.

Was ist Tourismus-Phobie?

hosteltur2Unter Tourismus-Phobie versteht man die Ablehnung von Touristen und Massen-Tourismus. Sie entspringt der Besorgnis der einheimischen Bevölkerung, die befürchtet, dass der massive Zustrom von Besuchern negative soziale, wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen haben könnte. In diesem Sinne hat sich die Touristen-Feindlichkeit in stark touristisch geprägten Städten wie Barcelona, Venedig und Mallorca gezeigt, wo die Übersättigung mit Touristen zu Protesten und Unruhen unter Touristen und Einwohnern geführt hat.

Der Massen-Tourismus entstand zwischen den 1950er und 1970er Jahren, als das weltweite Wirtschafts-Wachstum das Reisen für eine größere Zahl von Menschen zugänglich machte. Länder wie Deutschland, Japan und die Vereinigten Staaten waren die ersten Adressaten dieser wachsenden Welle des internationalen Tourismus.

Ursachen der Tourismus-Phobie

Die Ursachen der Tourismus-Phobie sind vielfältig, hängen aber im Wesentlichen mit der unkontrollierten Ausbeutung von Reisezielen zusammen. Die häufigsten davon werden im Folgenden aufgelistet:

Übersättigung des Reiseziels

Dies ist der Fall, wenn die Zahl der Besucher die Aufnahme-Fähigkeit eines Ortes übersteigt, was zu einer Überlastung der lokalen Infrastrukturen wie Straßen, öffentliche Verkehrsmittel und Touristen-Attraktionen führt. Dieses Phänomen betrifft sowohl Touristen als auch Einwohner. Die Besucher sehen sich mit langen Warteschlangen und Menschenmassen konfrontiert, die ihnen das Erlebnis verderben, während die Einwohner mit Lärm, Platzmangel und Störungen ihres Alltags zu kämpfen haben, was zu einem Unbehagen führt, das die Touristen-Feindlichkeit schürt.

Erhöhte Lebenshaltungskosten

Der Massen-Tourismus kann zu einem erheblichen Anstieg der Lebenshaltungs-Kosten für die Einheimischen führen. Die hohe Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen durch Touristen führt zu Preis-Steigerungen in Schlüsselbereichen wie Wohnen, Lebensmittel und Verkehr. Dieser Anstieg betrifft vor allem die Einwohner, die ihre täglichen Ausgaben in die Höhe schnellen sehen, was zu Ressentiments gegenüber den Touristen führt, die als indirekt verantwortlich für diese wirtschaftliche Notlage angesehen werden.

Verdrängung von Einwohnern

Steigende Mieten und Immobilien-Preise aufgrund des Tourismus können zur Verdrängung von Einwohnern führen. Die Nachbarschaften werden umgestaltet, wobei die Zahl der ständigen Bewohner abnimmt und die Zahl der zur kurzfristigen Vermietung bestimmten Immobilien zunimmt. Dieser Prozess beeinträchtigt nicht nur den sozialen Zusammenhalt, sondern führt auch dazu, dass lokale Geschäfte und Dienstleistungen verschwinden und durch touristisch orientierte Einrichtungen ersetzt werden, was zu einer weiteren Entwurzelung von Gemeinschaften führt.

Verschlechterung der lokalen Umwelt

Der massive Zustrom von Touristen trägt zur Verschlechterung der lokalen Umwelt bei. Natürliche Ressourcen können übernutzt werden, und die zunehmende Vermüllung und Verschmutzung beeinträchtigt sowohl die städtische Landschaft als auch die Naturgebiete. Auch die Infrastruktur wird durch die intensive Nutzung schneller abgenutzt, und historische Denkmäler und Stätten sind der Gefahr ausgesetzt, durch übermäßige Besucherzahlen beschädigt zu werden. Diese Verschlechterung beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität der Einwohner, sondern schadet auch langfristig dem Ruf des Reiseziels und beeinträchtigt seine touristische Attraktivität.

Auswirkungen des Massen-Tourismus

hosteltur3Die Auswirkungen der Touristen-Feindlichkeit auf die Tourismus-Branche und die lokalen Gemeinschaften sind erheblich. In vielen Reisezielen hat die wachsende Unzufriedenheit zu Protesten und sozialen Konflikten geführt. In einigen Gemeinden kam es zu Demonstrationen gegen den Massen-Tourismus, die auch zu “Vandalismus-Akten“ führten (Behauptung ohne nähere Angaben – etwa der Einsatz von Wasserpistolen, der als Nachricht um die Welt ging). Solche Konflikte unterstreichen die Notwendigkeit, das Tourismus-Modell in Richtung eines nachhaltigeren und ausgewogeneren Modells zu überdenken.

Neben den sozialen Konflikten kann die Tourismus-Feindlichkeit auch negative wirtschaftliche Auswirkungen haben. Beschränkungen, die zur Begrenzung des Zustroms von Touristen verhängt werden, können zu einem Rückgang der Besucherzahlen führen, was sich auf Unternehmen, Restaurants und Hotels auswirkt, deren Lebensunterhalt (Besser: Profit) vom Tourismus abhängt. Andererseits kann die Übersättigung mit Touristen auch zum Verlust der kulturellen Identität lokaler Gemeinschaften führen, die gezwungen sind, ihre Traditionen an die Erwartungen der Touristen anzupassen, was zu einer kulturellen Homogenisierung beiträgt und das Zugehörigkeits-Gefühl der Einwohner schwächt.

Nachwort:

Dem ist, abgesehen von der Klärung der Vandalismus-Vorwürfe, wenig hinzuzufügen. Der Text macht deutlich, dass es nicht generell um die Ablehnung von Reisetätigkeit geht, sondern um deren Massen-Charakter, die auf die besuchten Ziele und die besuchten Bevölkerungen schwerwiegende Auswirkungen haben, die so weit gehen, dass die Lebensgrundlage von Teilen dieser Bevölkerungen in Frage gestellt werden. Ein Basis-Aspekt fehlt – die Frage der Gegenseitigkeit. Das heißt: Wenn die vom Tourismus lebenden Angestellten (oder vom Tourismus Betroffenen) ausreichend verdienen würden, damit sie den Besuch erwidern könnten … die Zimmermädchen, Pförtner, Kellnerinnen, Köche, Gondolieres oder Busfahrerinnen … dann würde sich die Situation ziemlich anders darstellen. Tatsache ist jedoch, dass gerade die im Bereich Tourismus, Dienstleistung und Hotelwesen Angestellten oft nicht einmal genug zum Überleben verdienen und an eigenes Reisen nicht zu denken ist. Sie sind allein für den Profit der Reise-Unternehmer zuständig.

ANMERKUNGEN:

(1) “Turismofobia: qué es, causas e impacto en el turismo” (Tourismus-Phobie: was ist das, Ursachen und Auswirkungen für den Tourismus) Hosteltur, 2024-09-08 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) Tourismus-Phobie

(2) Massen (istock)

(3) Massen (123rf)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-09-11)

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