Menschenrechte
Dezember ist der Monat der Buch- und Musikmesse in Durango. Er beginnt mit dem Tag der baskischen Sprache – welches Land muss einen Tag der eigenen Sprache feiern, wenn sie nicht unterdrückt und marginalisiert wird. Internationale Frauentage gäbe es nicht, wenn Frauen nicht unterdrückt wären. Dem Euskara-Tag folgt der weihnachtliche Konsumterror, voran geht der Tag, an dem die Bauern ihre Produkte in die Stadt bringen – heiliger Thomas – um die Pacht zu zahlen und zur Messe zu gehen. Auf Baskisch.
Baskische Ansichten: Dezember auf Baskisch ist Abendua, das hat mit dem deutschen Abend nichts zu tun. Dennoch bedeuten Abend und Abendua jeweils ein Ende, des Tages und des Jahres.
(2025-12-31)
WEITER HERZLICH WILLKOMMEN FLÜCHTLINGE
Wie jedes Jahr am 31. Dezember hat die Migrations-Plattform Ongi Etorri Errefuxiatuak (Herzlich willkommen Flüchtlinge) in Bilbo eine Kundgebung organisiert. Sie diente dazu, Bilanz zu ziehen über die Jahresereignisse, qualitativ hochwertige soziale Dienstleistungen zu fordern und daran zu erinnern, dass Rechte, wenn sie nicht für alle Menschen gelten, keine Rechte mehr sind, sondern zu Privilegien werden. Thema war auch, dass es keinen so genannten „“Attraktions-Effekt“ gebe, wie Reaktionäre und Faschisten gerne behaupten – danach wären die Aufnahme-Bedingungen für Flüchtlinge im Baskenland zu gut, das spräche sich herum und führe dazu, dass besonders viele nach Euskal Herria kämen. Eine rassistisch-faschistische Argumentation. Die Kundgebung verdeutlichte eine gesellschaftliche Wahrnehmung, die sich deutlich von anderen gängigen politischen Stellungnahmen unterscheidet. Bilbao verabschiedete das Jahr erneut mit einer unbequemen Kundgebung.
Das Resümee war leicht optimistisch, obwohl die Daten nicht gerade zum Anstoßen einladen. Die Plattform betonte, dass die Zahl der Menschen, die bei dem Versuch, die europäischen Grenzen zu erreichen, ums Leben gekommen sind, im Jahr 2025 zurückgegangen ist, was als Grund zur Hoffnung interpretiert werden könnte. Aber nicht, so warnten sie, weil sich die Gesetzgebung geändert hat oder weil es ein neues, humaneres Immigrations-Gesetz gibt, sondern als direkte Folge der Verschärfung der Grenzpolitik (die neue Strategie der Abschottung besteht darin, die Überfahrt der Fluchtwilligen bereits im Startland zu hindern, in Tunesien, Libyen). Weniger Tote, ja; mehr Mauern und mehr unsichtbare Abschiebungen, ebenfalls.
Der Blick richtete sich bereits auf das Jahr 2026, wenn der Europäische Migrations- und Asyl-Pakt vollständig in Kraft tritt. Nach Ansicht der Plattform deutet alles darauf hin, dass die Menschen wieder aus dem Mittelpunkt der Politik geraten und zu Akten, Zahlen und Kontrollmechanismen degradiert werden. Angesichts dieser Aussichten verwies Ongi Etorri Errefuxiatuak auf eine Zahl, die mit der üblichen Alarm-Darstellung bricht. Das Barometer 2025 von Ikuspegi bestätigt, dass die baskische Gesellschaft Einwanderung in der Mehrheit weder als soziales noch als persönliches Problem wahrnimmt. Mehr noch: Sie vertritt eine weitgehend integrative Haltung in Migrationsfragen und erkennt den Beitrag der Einwanderung zur wirtschaftlichen Entwicklung, zur Aufrechterhaltung des Arbeitsmarktes und zur Bewältigung der Herausforderung der alternden Bevölkerung an. Das sagen die Daten.
Ausgehend davon stellte die Plattform Forderungen an die Institutionen: die baskische Regierung, die Provinzialräte und die Stadtverwaltungen. Die Erfüllung ihrer Verpflichtungen, so erinnerten sie, bedeute, qualitativ hochwertige Sozialleistungen zu gewährleisten, die an unterschiedliche Realitäten angepasst sind, insbesondere an die derjenigen Personen, die in besonders prekären Situationen leben. Heute sind viele dieser Menschen Migranten.
Die Zahlen zur Obdachlosigkeit sind der negativste Spiegel. Mehr als 1.500 Menschen leben und schlafen jeden Tag auf den Straßen des Baskenlandes, doppelt so viele wie 2022, und weitere 2.700 übernachten in Notunterkünften oder Obdachlosen-Heimen. Acht von zehn sind ausländischer Herkunft. Anstatt die Betreuung zu verbessern, betrachte die Stadtverwaltung von Bilbao diese Situation nicht mehr als sozialen Notfall und strich sie aus dem Zuständigkeitsbereich des SMUS (Migrationsbehörde). Das Ergebnis: bis zu drei Monate Wartezeit für den Zugang zu einer Suppenküche und etwa ein Jahr für einen Platz in einer Notunterkunft, während sich die Zahl der Obdachlosen verdoppelt.
Die Plattform stellte ironisch ein immer wiederkehrendes Konzept in Frage: den angeblichen “Attraktions-Effekt”. “Den gibt es nicht”, betonten sie. Was es jedoch gibt, ist eine Struktur der Ungleichheit, die Millionen von Menschen dazu zwingt, ein würdiges Leben zu suchen. Das, fügten sie hinzu, sei kein Attraktions-Effekt, sondern ein Antriebs-Effekt. Es gab auch Vorwürfe wegen nicht eingehaltener Verpflichtungen. Im vergangenen Frühjahr verabschiedete Eudel (baskischer Gemeindeverband) Maßnahmen zur Erleichterung der allgemeinen Registrierung. Kurz vor 2026 sind diese noch immer nicht umgesetzt. Ohne Registrierung, so erinnerten sie, gibt es jedoch keinen Zugang zu Grundrechten: die Leute existieren einfach nicht.
Die Kundgebung endete mit einer doppelten Forderung: Verantwortung der Politik, wenn sie über Migration spricht, und Strenge gegenüber den Medien, die zu öffentlichen Richtigstellungen aufgefordert werden, wenn sie falsche Informationen verbreiten. Die baskische Gesellschaft, so verteidigten sie, verdiene eine Politik und eine Sprache, die einer überwiegend inklusiven Realität entsprechen. Denn Badalona (Katalonien, Massen-Zwangsräumung) und Torre Pacheco (Murcia, rassistische Pogrome) entstehen nicht von heute auf morgen und nicht wegen eines einzigen Aufrufs. Die abschließende Botschaft war klar, fast schon hartnäckig: Weiter voranschreiten in Richtung eines Euskal Herria, das wirklich ein Harrera Herria ist: Empfangs-Land. Auch wenn das am letzten Abend des Jahres stört. (ecuadoretxea-baskultur)
(2025-12-30)
RASSISMUS IN BILBO
Was Rassismus ist, weiß jeder Idiot, was unter Aporofobia zu verstehen ist, jedoch nicht unbedingt. Rassismus macht sich breit, leider auch im Baskenland. In Bilbao, zum Beispiel, wurde der Sambou Diaby aus einer Kneipe geworfen, weil er für einen Straßenverkäufer gehalten wurde: „Hier darfst du nicht verkaufen.“ Sambou, wie der Name nahe legt, ist Afrikaner, viele seiner Kontinental-Kollegen verdienen sich ihr prekäres Leben mit dem Verkauf gefälschter Hemden, die sie in der Straße auf Teppiche legen und deshalb Manteros, Teppichhändler genannt werden. Beliebt in der Bevölkerung, vom Gewerbe verhasst, von der Polizei verfolgt.
“Hier darfst du nicht verkaufen, raus hier.“ Mit diesen Worten wurde der im Baskenland bekannte Schauspieler Sambou, bekannt für seine Rollen in “Miñan“ und “La isla de los faisanes“ (Die Fasanen-Insel), von einem Kellner aus einer Bar in Bilbao geworfen (wir wüssten gerne den Namen) – weil er für einen Straßenverkäufer gehalten wurde. Seine Partnerin, eine weißhäutige Baskin, hat den Vorfall in einem Beitrag in den sozialen Netzwerken angeprangert, die beiden saßen auf der Terrasse des besagten Lokals. Wie Diabys Partnerin Nahikari in einem in den sozialen Netzwerken verbreiteten Video ausführlich schildert, ereignete sich der Vorfall in einer Bar in der belebten Calle Ledesma in der Hauptstadt der Provinz Bizkaia. Als sie dort saßen und etwas tranken, kam einer der Kellner auf sie zu und forderte Diaby auf zu gehen, weil er ihn mit einem Straßenverkäufer verwechselt hatte.
“Ich finde das schlimm, in diesem Fall hat es einen Schauspieler getroffen, aber es wäre mir egal, wenn er Straßenkehrer oder Straßenverkäufer wäre. Was ist los, darf ein Straßenverkäufer nichts trinken gehen?”, kritisierte Nahikari außer sich. Danach ging sie zur Theke, um das Beschwerdeformular zu verlangen, was der Geschäftsführer des Lokals jedoch ablehnte. “Er sagte mir, dass es ein Fehler gewesen sei, den jeder mal machen könne. Ein Fehler ist es, einen Wein falsch zu servieren, aber nicht ein solches Verhalten“, meinte sie, der Geschäftsführer habe sich für den Vorfall entschuldigt.
Entschuldigung wofür? Für Rassismus oder Aporofobie? Rassismus ist die Ablehnung von Menschen anderer Herkunft oder Hautfarbe, Aporofobie ist der Hass auf Arme – eine relativ neue Errungenschaft der faschistischen Rechten. Die Mischung von beidem ist tödlich. “Ich fühle mich gedemütigt und enttäuscht darüber, wie der Kellner mir vor allen Leuten gesagt hat, dass ich nichts verkaufen darf. Ich fand das total daneben“, schilderte Diaby selbst in dem Video. Am Rande bemerkt: Bekannt durch seine Rollen in verschiedenen Filmen baskischer Produktion erhielt Sambou Diaby 2024 den Besarkada-Preis der Union der baskischen Schauspieler als bester Nachwuchsdarsteller. (naiz-baskultur)
(2025-12-29)
FRAUEN LEBEN LÄNGER
Frauen in der baskischen Provinz Bizkaia (nennen wir sie Bizkainerinnen) leben fünf Jahre länger als Männer, und fast die Hälfte hat keine Kinder. Das bedeutet: Die Lebenserwartung erreicht nach dem Stillstand aufgrund der Pandemie einen neuen Rekordwert, während die Geburtenrate weiterhin auf einem Tiefstand bleibt. Eine Reihe von Indikatoren für demografische Phänomene, dienen über die Zahlen hinaus zur Analyse, woher die Gesellschaft kommt und wohin sie sich entwickelt. Frauen aus Bizkaia folgen weiterhin dem Trend der letzten Jahre. Positiv ist die Lebenserwartung mit einem Rekordwert; negativ wie üblich mit der Geburtenrate, die sich nicht erholt.
Was die Lebenserwartung der Bevölkerung in Bizkaia betrifft (laut Baskischem Institut für Statistik): sie betrug im Jahr 2024 im Durchschnitt 84,4 Jahre, was sich aufteilt in 81,7 Jahre bei Männern und 86,9 Jahre bei Frauen. Beide Werte stellen historische Höchststände dar, ein Anstieg um einen halben Punkt gegenüber 2023. Der Anstieg gleicht die vermehrten Todesfälle bei alten Menschen aus, die durch die Pandemie und die Hitzewellen verursacht wurden, sie hatten zwischen 2020 und 2023 zu einem Rückgang der Lebenserwartung geführt. Die Analyse des Eustat zeugt von einer Lebenserwartung deutlich über dem europäischen Durchschnitt: 2,5 Jahre bei Männern und 2,6 Jahre bei Frauen. Die Statistik begann 1976. Damals kam der Tod viel früher und die Zahlen zeigten eine Lebenserwartung von 69,6 Jahren für Männer und 76,9 Jahren für Frauen. Der Unterschied zur heutigen Situation beträgt plus 12,1 Jahre bei Männern und plus 10,1 Jahre bei Frauen.
In entwickelten Gesellschaften führen unter anderem medizinische Fortschritte, Arbeitssicherheit und die größere Bedeutung, die der Selbstfürsorge beigemessen wird, dazu, dass die Menschen immer länger leben. (Die Region Madrid macht dabei eine Ausnahme, nachdem das dortige öffentliche Gesundheits-System von den Rechtsregierungen zugrunde gerichtet wurde und nur noch die private Versorgung funktioniert). Externe Faktoren oder Krankheiten haben eine geringere Bedeutung als vor Jahren. Könnten Tumore beseitigt werden, würde sich die Lebenserwartung von Männern um 4 und die von Frauen um 2,8 Jahre verlängern. Externe Todesursachen (Verkehrs- und Arbeitsunfälle) verkürzen die Lebenserwartung von Männern um 9 Monate, die von Frauen um 4.
Gleichzeitig bleibt die Geburtenrate “auf einem sehr niedrigen Niveau“. Nach den Prognosen sollte die Kinderzahl pro Frau im gebärfähigen Alter in Bizkaia bei 1,17 liegen, um die Bevölkerungszahl zu erhalten. Tatsächlich liegt er bei 1,09, dem niedrigsten Wert des letzten Jahrzehnts, weit entfernt von der EU mit 1,38, entfernt davon, den Generationswechsel zu gewährleisten (2,1), entfernt von den Daten von 1976 (2,7).
33,4 Jahre bei der Erstgeburt
Der Rückgang der Geburtenrate ist ein Phänomen, das überrascht und beunruhigt. Bis Mitte der 1990er Jahre war die Rate sehr tief, begann aber zu steigen. Von den Mitte der 90er Jahre geborenen Frauen wurde erwartet, dass der Mutter-Wunsch wieder höher sein sollte. Im Schnitt sind Frauen bei ihrer Erstgeburt 33,4 Jahre alt, (ähnlich den Vorjahren), im Vergleich zu 31,2 Jahren in der EU. In Bizkaia selbst waren Frauen vor fünf Jahrzehnten (1970er) bei der Geburt 4,8 Jahre jünger. Wer zu spät beginnt, erfüllt das Soll nicht, so oder ähnlich bewertet die Statistik die Zahlen, die selbstverständlich ihre Hintergründe haben. Derzeit haben 41% der Frauen überhaupt keine Kinder. Das Eisen aus dem Feuer reißen nur noch zugewanderte Frauen, die deutlich mehr Kinder bekommen und dafür sorgen, dass die Bizkaia nicht ausstirbt.
Hintergründe
Weniger Bevölkerung müsste kein Problem sein. Doch wenn der produktive Teil der Bevölkerung kleiner wird im Vergleich zur Renten-Bevölkerung entsteht ein Finanzierungs-Problem. Weil die Lebenshaltungs-Kosten deutlich mehr gestiegen sind als die Familieneinkommen, sind heute zwei Familien-Einkünfte notwendig, um Basis-Ansprüche wie eine eigene Wohnung zu erfüllen. Alle Welt spricht von Reisen, wer will da zurückstehen – Kinder sind dabei hinderlich. Frauen- und Kinder-Feindlichkeit sind kein Anreiz für den Nachwuchs. Das gilt umso mehr für die Zukunft. Ein bevorstehender Krieg, wie die europäische Politik dies mehrheitlich befürwortet, hätte zweierlei Folgen: die Kinder würden im Krieg verheizt, die Lebenserwartung der Männer deutlich reduziert. Wer in den Krieg geht, ist klar: sicherlich nicht die Sprösslinge derer, die am Krieg arbeiten und verdienen. Es gab Zeiten, als Frauen den Gebärstreik propagierten … (baskultur)
(2025-12-28)
DIE SKLAVINNEN DER OPUS-SEKTE
Opus Dei ist eine ultrarechte Prälatur der katholischen Kirche, die 1928 in Madrid gegründet wurde und im spanischen Staat einen Machtfaktor darstellt, vor allem in Nafarroa, wo die Sekte eine Universität betreibt. Dort und in der Region Baskenland verfügt die Sekte über Dutzende von Schulen. Dutzende Frauen, die Teil dieser kirchlichen Realität waren, klagen über Ausbeutung am Arbeitsplatz und Manipulation, was die Prälatur jedoch kategorisch bestreitet. “Wir haben im Opus Dei arbeitsrechtlich und wirtschaftlich Missbrauch erlitten. Nachdem wir es endlich geschafft haben, auszusteigen und sich dem Leben zu stellen, bleiben die Folgen bestehen, weil es uns schwerfällt, einen normalen Arbeitsalltag zu bewältigen und uns auszuruhen. Weil wir nur gelernt haben, wie man sich abrackert. Wir waren ein gefundenes Fressen für Ausbeuter und Betrüger.“
Fátima Navarro, die von ihrem 14. bis zu ihrem 34. Lebensjahr als Hilfs-Mitglied dieser Einrichtung tätig war und sich dort mit einem anstrengenden Arbeitsplan häuslichen Aufgaben widmete, war Teil des Opus Dei und machte während des Treffens in Buenos Aires ihre Aussagen. Das Treffen wurde von der Organisation ECA Global (Ending Clergy Abuse) organisiert, die sich dem Kampf gegen Missbrauch in der katholischen Kirche widmet.
Protagonistinnen der Veranstaltung waren einige der 43 Frauen, die bei der argentinischen Justiz Anzeige erstatteten, weil sie Opfer von Menschenhandel und Ausbeutung am Arbeitsplatz wurden, während sie wie Navarro als Hilfsmitglieder tätig waren. Die Prälatur des Opus Dei weist diese Anschuldigung kategorisch zurück und behauptet, die Anzeige “basiere auf einer Verfälschung der Berufung, die diese Frauen frei gewählt hätten”.
Im Laufe des Strafverfahrens, das sich derzeit in der Ermittlungsphase befindet, hat die Staatsanwaltschaft Mariano Fazio, derzeit “Nummer zwei” der Organisation und ehemals oberster Verantwortlicher in Argentinien, zur Aussage vorgeladen. Der Anwalt der 43 Klägerinnen hat beantragt, auch gegen Fernando Ocáriz, Prälat des Opus Dei, zu ermitteln. Papst Leo XIV. hat sich bislang nicht zu diesem Fall geäußert, der zeitgleich mit der von Papst Franziskus geforderten Reform der Statuten dieser kirchlichen Einrichtung bekannt wurde. Der argentinische Pontifex schränkte die Autonomie des Opus Dei ein, indem er dessen Abhängigkeit betonte und festlegte, dass der Prälat ein “Moderator” sei.
Für die Opfer liegt die Ursache für den Missbrauch in der Manipulation, der sie ausgesetzt waren, um Hilfsmitglieder zu werden. “Sie sagten mir, Gott rufe mich dazu auf, mich um meine Familie zu kümmern, die das Werk Gottes sei. Sie drängten mich so lange, bis ich Ja sagte. Wer war ich schon, dass ich zu Gott nein sagen konnte”, erzählte Navarro bei dem Treffen. Sie wirkte auch an dem Dokumentarfilm “El minuto heroico” (Die heroische Minute) mit, in dem 13 ehemalige Opus-Frauen über die Zustände berichten. “Es gibt eine teuflische Manipulation, mit der sie dich brechen. Es ist absurd, deine Berufung innerhalb des Opus Dei mit deiner Arbeits-Berufung gleichzusetzen. Denn wenn du austrittst, stellst du fest, dass du nichts hast”, beklagte Navarro.
Das Endziel ist “die Macht”
Die ebenfalls aus Spanien stammende Teresa del Romero, ehemaliges Hilfsmitglied und aufgewachsen in einer Familie des “Werkes“, wie die von Josemaría Escrivá de Balaguer gegründete Organisation genannt wird, prangerte an, dass diese kirchliche Realität “sich als spiritueller Weg präsentiert, aber als eine Art Zugehörigkeits-Mechanismus funktioniert, der im Dienste der Institution steht”. Ihrer Meinung nach handelt es sich um ein “gut orchestriertes” System, das einer Organisation zu Gute kommt, deren letztendliches Ziel “Macht” ist und die keine internen Fragen zulässt. “Wenn dir etwas nicht passt, wird das System nicht in Frage gestellt, sondern dir wird dies als Mangel an Glauben, Demut oder Hingabe vorgeworfen”.
Del Romero verließ Opus Dei, nachdem bei ihr mehrere Alarmglocken angingen. “Zum Beispiel der Machismo. Ich konnte nicht verstehen, dass die Zahlen-Mitglieder rauchen durften und wir nicht. Es gibt einen enormen internen Unterschied zwischen Männern und Frauen“, berichtete sie und prangerte die angebliche “Kultur der Reinheit“ an, der sich Frauen unterwerfen müssen.
Der Fall von Visi Villa Mayor ist paradigmatisch für die Realität, die die 43 Klägerinnen in Argentinien innerhalb des Opus Dei erlebt haben. Sie wurde in Paraguay in einer armen und kinderreichen Familie geboren und trat als Teenager dem Werk bei, mit dem Versprechen, dass sie eine Schule besuchen könne. Stattdessen arbeitete sie jahrelang von 6 bis 22 Uhr in verschiedenen Wohnheimen der Organisation in ihrem Land und in Argentinien. “Man sagte mir, ich hätte die Berufung zum Hilfs-Mitglied, ich wusste nicht einmal, was das war”, berichtete sie. Als sie es schaffte, auszusteigen, stellte sie fest, dass sie keine Ausbildung und kaum Geld hatte und dass auch die Beiträge für ihre Arbeit nicht gezahlt worden waren.
„Es dauerte vier Jahre, bis sie mich gehen ließen. Das hat mich ein Vermögen gekostet“, erzählte Villa Mayor. Ausschlaggebend für sie war der Besuch einer Freundin: “Ich sah, dass sie frei war. Sie konnte ausgehen und wiederkommen, eine Schokolade oder ein Eis essen gehen, aber uns durften nicht einmal meine Eltern besuchen. Sie durfte Musik hören, und mir war es nicht erlaubt, das Radio anzumachen. Nach diesem Besuch wurde mir klar, dass ich gefangen war, und ich schmiedete Pläne, um zu fliehen.“ (elcorreo-baskultur)
(2025-12-27)
DIE BESETZUNG VON ASTRA
Das Sozialzentrum Astra in Gernika feiert sein 20-jähriges Bestehen seit seiner Besetzung. In der Weihnachtsnacht 2005 besetzte eine Gruppe junger Menschen die verlassene Waffenfabrik in Gernika, um sie in ein selbstverwaltetes Sozialzentrum umzuwandeln. Am Heiligabend 2005 besetzte eine Gruppe junger Menschen aus Gernika, die sich um Ieup Gazte Asanblada und Iparragirre Rock Elkartea versammelt hatte, die verlassene Waffenfabrik Astra, um sie in ein selbstverwaltetes Sozialzentrum umzuwandeln.
Nach einer Räumung und einer erneuten Besetzung kämpften sie erfolgreich für die Enteignung und die Bereitstellung des Gebäudes für eine Koordinierungsstelle von Personen und Gruppen, die es seitdem selbst verwalten. Das Gebäude wurde mit einer Subvention der baskischen Regierung renoviert, ohne dass dadurch seine organisatorische Autonomie oder seine programmatische Radikalität beeinträchtigt wurden.
Zwei Jahrzehnte später, nach langen Lernprozessen und über Gernika und seine Region hinaus, hat sich Astra als Referenzort im Baskenland etabliert und dient zahlreichen täglichen Aktivitäten sowie politischen und sozialen Initiativen aller Art. Wir blicken mit einer Auswahl von Fotos aus verschiedenen Momenten des langen Organisations- und Kampfprozesses, der heute sein 20-jähriges Jubiläum feiert, auf seine Entwicklung zurück. Auswahl von Fotos (!!!), ursprünglich veröffentlicht in Argia. (elsalto-baskultur)
(2025-12-26)
MÄNNERGEWALT – FRÖHLICHE WEIHNACHT
48 Frauen pro Woche erstatten in der Autonomen Region Baskenland (CAV) Anzeige wegen Männer-Gewalt. Die Zahl der Opfer sexueller Gewalt steigt in Bizkaia um 14,2% und in Araba um 11,4% bei denjenigen Frauen, die aus ihrem familiären Umfeld (außer Partner oder Ex-Partner) angegriffen werden. Die familiäre Enge um Weihnachten wird diese Situation sicher noch verschärfen, wie jedes Jahr. Bis November meldeten insgesamt 5.242 Frauen in Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Opfer einer Straftat gegen die sexuelle Freiheit geworden zu sein, von ihrem Partner oder Ex-Partner angegriffen oder von ihrem familiären Umfeld angegriffen worden zu sein. Das bedeutet, dass 48 Frauen pro Woche bei der Polizei oder den CAV-Gerichten Anzeige wegen sexistischer Gewalt erstatten.
Nach Art der Straftat gaben von Januar bis November 686 Frauen an, Opfer einer Straftat gegen die sexuelle Freiheit geworden zu sein, was laut Daten des baskischen Frauen-Instituts Emakunde einem Anstieg von 0,4% gegenüber dem gleichen Zeitraum des Jahres 2024 entspricht. Nach Provinzen betrachtet ist der Anstieg von 14,2% bei den Frauen, die Opfer dieser Art von Straftaten in Bizkaia wurden, besonders auffällig (316 im Jahr 2024 gegenüber 361 in diesem Jahr). In Araba wurde ein Anstieg von 6,7% verzeichnet (104 im Jahr 2024 gegenüber 111 ein Jahr später), während in Gipuzkoa ein Rückgang von 18,6% zu verzeichnen war (263 Fälle im Januar-November des vergangenen Jahres gegenüber 214 in diesem Jahr).
Im Gegensatz dazu sank die Zahl der Frauen, die Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner erlitten, um 0,1%, nachdem in den ersten elf Monaten des Jahres 3.548 Angriffe gezählt wurden, gegenüber 3.554 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der einzige Anstieg war in Bizkaia (+0,9%) zu verzeichnen, wo 1.812 Fälle registriert wurden, was 16 mehr als im Vorjahr sind. In Gipuzkoa wurden 1.130 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner angegriffen (-1,8%), während die Zahl in Araba um 0,1 % zurückging (606 angegriffene Frauen).
Gleichzeitig nahm die Gewalt innerhalb der Familie zu (die von Angehörigen des Opfers ausgeübt wird, mit von Partner oder Ex-Partner) und erreichte 1.008 Opfer, was einem Anstieg von 3,4% gegenüber den 975 Opfern des Vorjahres entspricht. Auffällig ist, dass die Zahl der Opfer von Gewalt durch das familiäre Umfeld in Araba um 11,4% gestiegen ist. Nackte Zahlen, hinter denen brutale Schicksale stehen. Auch und gerade an Weihnachten sollte das nicht vergessen werden. Die Welt ist ein Patriarchat, in dem Frauen nichts zu feiern haben, wenn sie nicht von der Leyen oder Thatcher heißen. (naiz-baskultur)
(2025-12-25)
DER VERRÄTER VON ELORRIO
Der Verräter von Elorrio, der die Pläne des Eisernen Gürtels an die Franco-Anhänger weitergab. Am 27. Februar jährt sich zum 89. Mal der Tag, an dem Alejandro Goicoechea Omar während des Bürgerkriegs von der republikanischen Seite zu den Aufständischen überlief und die legitime Zweite Republik verriet. Der in Elorrio geborene und späterer Ingenieur des Talgo-Zugs hatte laut den befragten Forschern bereits mit den Faschisten vereinbart, an diesem Tag zu den Stellungen der IV. Brigade von Navarra zu kommen. Die Fundación Nacional Francisco Franco widmet ihm auf ihrer Website eine Biografie, aus der wir am Ende dieses antifaschistischen Textes einen Auszug in MUGA veröffentlichen.
Der Verrat wurde nachts in Ventabarri – Schreibweise der damaligen Zeit – am Pass von Arlaban vollzogen. Neben ihm schlossen sich auch andere Personen diesem Verrat an. Einer von ihnen war Unceta, Sohn des Marquis von Casa Jara, ebenfalls aus Elorrio stammend. Goicoechea nahm die Pläne des Eisernen Gürtels mit, einem Befestigungssystem der baskischen Regierung zum Widerstand gegen den Vormarsch der putschenden Militärs und ihrer Verbündeten. Dieses System aus Schützengräben, Unterständen, betonierten Maschinengewehr-Nestern und anderen Befestigungsanlagen wurde von Kommandant Alberto Montaud y Noguerol entworfen. Die Kapitäne Alejandro Goicoechea und Pablo Murga, der erschossen wurde, setzten es für die baskische Regierung praktisch in die Tat um. In Abwesehnheit dieser beiden übernahm Vicente Aguirre, Straßenbauingenieur der Diputación de Bizkaia, die technische Verantwortung. Die Provisorische Regierung von Euzkadi der Aufständischen verlieh dem Überläufer Goicoechea noch am selben Tag den Rang eines Hauptmanns, den er in der republikanischen Armee erreicht hatte und den der Mann aus Bizkaier in Madrid aufgegeben hatte, um bei der Eisenbahn La Robla in Balmaseda zu arbeiten. Fast vier Monate nach dem Verrat am 27. Februar besetzten die Faschisten am 19. Juni 1937 die Stadt Bilbao, der Eiserne Verteidigungs-Gürtel wurde überrant, das republikanische Baskenland war am Ende.
URSPRÜNGE
Der Franco-Anhänger Alejandro Goicoechea Omar wurde am 23. März 1895 in Elorrio geboren und starb am 30. Januar 1984 in Madrid. Er besuchte das Gymnasium der Jesuiten in Orduña. Als Sohn eines Apothekers aus Vizcaya trat er in die Ingenieursschule der Armee in Guadalajara ein. Nach Abschluss seines Studiums wurde er im Rang eines Leutnants zum Eisenbahnregiment von Madrid versetzt.
Mit 25 Jahren verließ er die Armee im Rang eines Hauptmanns und trat in die Eisenbahngesellschaft La Robla in Balmaseda ein, wo er zwanzig Jahre lang arbeitete. In der Stadt in der Provinz Vizcaya stand er kurz davor, bei den Wahlen vom 12. April 1931 für die Monarchistische Partei zum Stadtrat gewählt zu werden. Die Stadtverwaltung von Balmaseda überprüfte die Informationen und bestätigte, dass in den städtischen Protokollen kein Hinweis auf seine Anwesenheit zu finden sei. Goicoechea verließ die Gemeinde, um nach den folgenden Wahlen, an denen er nicht mehr teilnahm, in Bilbao zu leben.
Der Bürgerkrieg brach aus, und nachdem er am Eisernen Gürtel gearbeitet hatte, schloss er sich am 27. Februar 1937 der Putschistenseite an. Ein Jahr später stellte Goicoechea seine Theorien auf dem Wissenschaftskongress von Santander 1938 vor. Später setzte er seine Forschungen in Madrid fort, mit finanzieller Unterstützung von José Luis Oriol, dem Vater von José María und Lucas María von Oriol y Urquijo, mit denen er 1942 die Firma Patentes Talgo S.A. gründete. Goicoechea vollzog jedoch erneut eine Kehrtwende und trennte sich von dem Unternehmen, noch bevor die offizielle Einweihung der ersten Talgo-Einheit stattfand. Der Zug wurde in den Vereinigten Staaten gebaut und fuhr am 14. Juli 1950 zum ersten Mal auf der Strecke Madrid-Hendaia. Er wurde präsentiert als "höchster Ausdruck spanischer Technologie”.
LEBENSLAUF
Andere Projekte des Faschisten aus Elorri kamen nicht zustande, beispielsweise ein Tren Vertebrado (Wirbeltierzug) auf Gran Canaria oder ein Plan zur Überquerung der Straße von Gibraltar. In einem Interview mit RTVE bezeichnete sich Alejandro Goicoechea wenige Jahre vor seinem Tod in der spanischen Hauptstadt als "Feind der Kriege” und als Mensch, der sich nichts vorschreiben ließ. Eine weitere Kuriosität über den von ihm entworfenen Talgo-Zug ist, dass es im Baskenland einen Versuch gab, einen Talgo für die Schmalspur zu bauen, wie Juanjo Olaizola vom Eisenbahnmuseum berichtet. Der Ursprung dieses Vorhabens geht auf die Anfänge dieser technologischen Entwicklung zurück, als noch Tests mit dem ersten Prototyp, dem sogenannten Talgo I, im Netz der Renfe durchgeführt wurden. "Im Herbst 1943 nahmen die Verantwortlichen der neu gegründeten Firma Patentes Talgo S. A. Kontakt zu den Verantwortlichen der Compañía de los Ferrocarriles Vascongados (baskische Eisenbahn-Gesellschaft) auf, um ihnen den Einsatz ihrer Züge auf der wichtigen Schmalspurstrecke von Bilbao nach Donostia vorzuschlagen”. Das Projekt wurde schließlich aufgegeben, und wie Olaizola betont, "ist trotz der vergangenen Jahre nie ein Talgo-Zug auf Schmalspur-Gleisen gefahren”.
Die Fundación Nacional Francisco Franco sagt Folgendes über ihn: "Der Kreuzzug zur nationalen Befreiung legte alles lahm. Im Februar 1937 wurde Goicochea als Ingenieurskapitän in die baskische Armee aufgenommen und mit den Befestigungsanlagen von Bilbao betraut. Im März desselben Jahres wechselte er zur Nationalen Zone und brachte die Pläne des Eisernen Gürtels von Bilbao und der ihn umgebenden Befestigungsanlagen mit, wodurch er wertvolle Informationen lieferte, die für die spätere Befreiung der Stadt entscheidend waren. Er stellte seine Theorien 1938 auf dem Wissenschaftskongress in Santander vor." (mugakultura-baskultur)
(2025-12-24)
WAHLPROGNOSEN: LINKS IM AUFWIND
Bei der linksliberalen Unabhängigkeits-Koalition EH Bildu wird seit Jahren davon geträumt, die rechten Nationalisten von der PNV endlich zu distanzieren und möglicherweise eine Regierung zu übernehmen. Umfragen scheinen eine entsprechende Tendenz zu betätigen. Bedeutungsvoll bleibt dennoch, wer welche Umfrage in Auftrag gegeben hat. EH Bildu würde laut einer Umfrage von Aztiker in der Autonomen Gemeinschaft Baskenland gewinnen und in Navarra zulegen. Das zeigt eine von EH Bildu in Auftrag gegebene Umfrage von Aztiker. Für die Umfrage wurden 993 Personen in Navarra und weitere 2.990 in Araba, Bizkaia und Gipuzkoa befragt.
Im baskischen Parlament, das diese drei letzten Herrialdes (Araba, Bizkaia, Gipuzkoa) umfasst, würde die linksliberale Formation die Wahlen gewinnen, indem sie zum Nachteil von Sumar einen weiteren Sitz in Araba (9) hinzu gewinnen würde, Sumar würde ihren einzigen Vertreter in der Kammer verlieren. Die übrigen Parteien würden die Sitze behalten, die sie bei den letzten Wahlen in dieser Herrialde gewonnen haben (7 PNV, 4 PSE-Sozialdemokraten, je 1 die spanische rechte PP und für die Faschisten von Vox).
Gipuzkoa: Bildu gegen PNV 40% zu 30,1%
Ein weiterer Sitz würde in Bizkaia die Partei wechseln, da die Vox-Faschisten ihre Ergebnisse deutlich verbessern und den Sozialdemokraten einen Vertreter abnehmen, der PSE blieben 3 Sitze. Die übrigen Parteien würden die Ergebnisse von 2024 wiederholen (PNV, 11; EH Bildu, 8; PP, 2). In Gipuzkoa wäre die Verteilung der Sitze der letzten Wahl entsprechend (EH Bildu 11, PNV 9, PSE 4 und PP 1). In diesem Fall würde sich jedoch die Führung der Unabhängigkeits-Bewegung festigen, die 40% der Stimmen auf sich vereint, gegenüber 30,1% für die PNV.
Kontrast zur Regierungs-Umfrage
Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen dieser Umfrage und der halbjährlichen Umfrage der baskischen Regierung, die am 1. Dezember veröffentlicht wurde. In dieser wurde der PNV mit 29 Sitzen der Sieg zugesprochen, zwei mehr als derzeit und zwei mehr als EH Bildu, die ihre Vertretung im Parlament behalten würde.
Den Ergebnissen dieser Studie zufolge würden die Wähler*innen der Autonomen Gemeinschaft Baskenland die Arbeit der Regierung von Imanol Pradales und die Führung von Aitor Esteban an der Spitze der PNV belohnen. Die Jeltzales würden ihre Vertretung auf Kosten der PSE und der PP ausbauen, die jeweils 1 Sitz verlieren und auf 11 bzw. 6 Sitze kommen würden. Vox und Sumar würden ihren jeweiligen Sitz behalten, die extreme Rechte würde zur fünftstärksten Partei im Parlament aufsteigen, da sie die linke Formation, die auf staatlicher Ebene von Yolanda Díaz angeführt wird, um zwei Zehntel überträfe.
Somit zeichnet die von der baskischen Regierung in Auftrag gegebene Umfrage nicht nur ein anderes Szenario zwischen den beiden meistgewählten baskischen Kräften, sondern berücksichtigt auch nicht die Stärkung der spanischen extremen Rechten mit einer größeren Vertretung. Sie sagt auch nicht voraus, dass dies Auswirkungen auf die rechte PP haben könnte, und prognostiziert auch keinen Rückgang der PSE, dem Koalitions-Partner in Vitoria-Gasteiz. Es ist offensichtlich, dass das Ergebnis in beiden Umfragen für den jeweiligen Auftraggeber günstig ausfällt.
Nafarroa konsolidiert die Regierung
Laut der von EH Bildu in Auftrag gegebenen Umfrage würde die rechte Regional-Partei UPN zwei Sitze im Parlament von Navarra verlieren und hätte nur noch 13 Sitze, was es ihr erneut unmöglich machen würde, trotz des Wahlsiegs eine Regierung zu bilden. Auch der Abstand zur sozialdemokratischen PSN und EH Bildu würde sich verringern. Die Unabhängigkeits-Partei EH Bildu wäre die einzige der drei Parteien, die einen Stimmenzuwachs (+1,7%) verzeichnet, und würde einen weiteren Vertreter hinzugewinnen, wodurch sie ihre Bedeutung mit 10 Abgeordneten festigen würde. Die Sozialdemokraten von der PSN, die aktuell die Ministerpräsidentin stellen, würde trotz sinkender Wahlabsichten ihre 11 Sitze behalten, die Partner der Regionalregierung, Geroa Bai (rechtsliberal) und Contigo-Zurekin (Podemos), würden jeweils einen Sitz verlieren und 6 bzw. 2 Vertreter stellen.
Die UPN minus zwei Sitze, PP und Vox jeweils plus eins
Die spanische Rechte würde somit weiter an Boden gewinnen. Sowohl die PP als auch Vox würden ihre Vertretung ausbauen. Die 3,4 Prozentpunkte, die die UPN verlieren würde, würden vollständig von der Partei des Faschisten Santiago Abascal aufgefangen, die ihre derzeitige Vertretung auf 4 Sitze verdoppeln würde. Schließlich würde die PP ihre Zahlen halten, aber bei der Sitzverteilung begünstigt. Der in dieser neuen Umfrage prognostizierte Vormarsch von EH Bildu bestätigt einen Trend, der bereits in früheren Umfragen zu beobachten war, und zwar nicht nur in Bezug auf die Regionalwahlen. Laut der Umfrage von EITB Focus, die von Gizaker zwischen dem 15. und 23. September anhand von 1.600 Telefon-Interviews durchgeführt wurde, würde EH Bildu in Hego Euskal Herria (Süd-Baskenland: CAV und Nafarroa) gewinnen und sich in den vier Herrialdes als stärkste Kraft bei den Direktwahlen positionieren. (naiz)
(2025-12-23)
RASSISTEN-KAMPAGNE
Wegen “Verbreitung rassistischer Falschmeldungen” fordern die Parteien des linksliberalen Regierungsteams von Pamplona den Rücktritt der beiden Sprecher*innen der rechten Opposition. Dabei geht es um die Reaktionen nach einer Vergewaltigung im Oktober in der Stadt. Was war passiert? Die Polizei hatte vier Verdächtige festgenommen unter dem Verdacht, die Mehrfach-Vergewaltigung begangen zu haben. Nach einem DNA-Test wurde jedoch klar, dass der Verdacht falsch war. Das Opfer hatte über feministische Kreise ausdrücklich darum gebeten, keine Daten in die Öffentlichkeit zu bringen – doch darum kümmerten sich die beiden rechten Vertreter*innen nicht. Im Gegenteil, sie schickten Erklärungen an die Presse, in denen Migranten der Vergewaltigung beschuldigt wurden, in der üblich faschistischen Art, Migranten für alles Schlechte der Gesellschaft verantwortlich zu machen. Die Faschisten-Partei VOX hat diese rassistische Praxis zur Tagesrealität im gesamten Staat gemacht. Auf diesen Zug sind PP und UPN jetzt aufgesprungen.
Die Sprecher von EH Bildu, Geroa Bai und Podemos machten deutlich, dass mit dem unverantwortlichen Vorgehen der Rechten das Opfer zum zweiten Mal in die Opferrolle gedrängt wurde. Deshalb sollten Cristina Ibarrola (UPN) und Carlos García Adanero (PP) von ihren Sprecherposten zurücktreten. In einer ungewöhnlichen Pressekonferenz, an der auch der linke Bürgermeister Joseba Asiron teilnahm, wurde betont, dass “beide Sprecher unbestätigte Informationen nutzten, um fremdenfeindliche und hasserfüllte Reden zu halten, mit denen sie das Regierungsteam attackierten und darüber hinaus einen Teil der Migrations-Gemeinschaft kriminalisierten”.
Reviktimisierung
Die Rechten hatten den ausdrücklichen Wunsch des Opfers, keine Daten weiterzugeben, ignoriert. “Es handelt sich um eine Prämisse der feministischen Bewegung, die Wünsche der Opfer zu priorisieren, die Ibarrola und García Adanero nicht respektiert haben. Die absolute Priorität der Stadtregierung war es, den Wunsch des Opfers zu respektieren, dass keine Informationen an die Öffentlichkeit gelangen“, betonte Asiron. Dies sei in einer Sprecherrunde den Vertretern der UPN und der PP mitgeteilt worden, aber beide haben dies ignoriert und wurden bei mehreren Fernseh- und Radiosendern vorstellig, um die rassistische Botschaft zu verbreiten, auch in den sozialen Netzwerken.
Asiron kritisierte die “Verantwortungslosigkeit“ der Rechten, sowie ihre Angriffe auf Migranten und auf die feministische Bewegung. Die Rechten hatten der Stadtregierung “Informationsverschleierung“ vorgeworfen. Der Bürgermeister erklärte, dass sie bisher aus “institutioneller Verantwortung” und um “nicht zu einer Eskalation von Lärm, Spekulationen und irreparablen Schäden beizutragen” geschwiegen haben. “Die Ungeheuerlichkeiten, die diese beiden Politiker in jenen Tagen von sich gaben, sind ungenaue, unüberprüfte Aussagen, die mit fremdenfeindlichen Diskursen einhergehen, und darauf abzielen, Migranten in einem besonders ernsten Kontext zu kriminalisieren”. Doch genau das ist die Strategie der Ultrarechten: rassistische Beschuldigung, auch wenn sich am Ende herausstellt, dass die Vorwürfe falsch sind, nach dem Motto: irgendwas bleibt immer hängen. Tatsache ist, dass solche falschen Vorwürfe, Fake News, schnell Kreise ziehen, am Ende macht sich niemand die Mühe, die Dinge klarzustellen. Rassisten-Strategie. (baskultur)
(2025-12-22)
VETO GEGEN MILITÄR-INDUSTRIE AUFHEBEN
40 Kollektive beklagen, dass die baskische Regierung ein Veto gegen die Rüstungsindustrie aufheben will. Die Kollektive haben beklagt, dass die Regierung von Lakua im Rahmen der Haushaltsabstimmung “den antimilitaristischen und pazifistischen Inhalt” des Gesetzes über Zusammenarbeit und Solidarität aufheben will, das die Zusammenarbeit des öffentlichen Sektors mit der Finanzierung von Waffen oder Militärtechnologie verbietet.
Die sozialen und gewerkschaftlichen Kollektive haben angeprangert, dass die Regierung am Dienstag im Parlament von Gasteiz beabsichtigt, “den antimilitaristischen und pazifistischen Inhalt” des Gesetzes über Zusammenarbeit und Solidarität, das im Februar 2024 vom Parlament verabschiedet wurde, zu deaktivieren. In einer Mitteilung erinnern sie daran, dass Artikel 10.4 dieses Gesetzes festlegt, dass der öffentliche Sektor der Autonomen Gemeinschaft Baskenland „nicht mit natürlichen oder juristischen Personen zusammenarbeitet, die sich mit der Herstellung, Vermarktung und Finanzierung von Waffen oder Technologien für militärische Zwecke befassen”. Ihnen zufolge ist es das Ziel von der Regierung, „durch einen geheimen und in letzter Minute eingebrachten Antrag“ diesen Artikel zu ändern, um die Unterstützung der militärischen Produktion zu ermöglichen, „wenn sie im Rahmen der Europäischen Sicherheitsstrategie liegt, das heißt, immer oder fast immer“.
325 Millionen Investitionen auf dem Spiel
„Das traurige Argument, mit dem diese Änderung gerechtfertigt wird, ist, dass 325 Millionen Euro an Industrie-Investitionen im Baskenland gefährdet sind. Wir fragen uns, ob dies der Wert der Kohärenz der Friedens- und Solidaritätspolitik unserer Regierung und der Preis für die unzähligen Menschenleben ist, die durch Kriege zerstört werden“, erklären sie. „Hören Sie auf, die militärische Eskalation als Sicherheit zu bezeichnen. Frieden lässt sich nicht mit Waffen erreichen. Internationale Zusammenarbeit darf keinen Krieg finanzieren. Denn Frieden duldet keine Ausnahmen. Denn Krieg darf keine rechtlichen Alibis haben“, fordern sie. Angesichts dieser Situation wurde für heute früh zu einer Kundgebung vor dem Parlament in Gasteiz aufgerufen. (naiz-baskultur)
(2025-12-21)
BILBO: VON EISEN ZU TITAN
Vor dem Titan hatten wir Eisen – Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Stollen unter Ihrem Haus, aber niemand weiß, wem er gehört. Genau das passiert gerade in einem Stadtteil von Bilbao. Ihre Häuser stehen auf einem großen unterirdischen Gang, der die Eisenlager der Mine San Luis mit der Verladestation am Kai von Marzana verband. Das ist ein Rätsel in Bilbao und sicherlich ein Problem für die Gemeinde. Ein Rätsel, das jedoch mehr über die geringe Bedeutung aussagt, die wir unserer eigenen Vergangenheit beimessen, als über die Geschichte der Mine selbst. Wie ist es möglich, dass niemand weiß, wem dieser Stollen gehört, dessen Verzweigungen sich über neunzig bis hundertvierzig Meter erstrecken?
Im Mai 2022 reichte die Nachbarschafts-Vereinigung von Bilbao La Vieja zusammen mit der Initiative Bilbo Zaharreko Memoria Taldea einen Antrag beim Stadtrat ein: Sie forderten, dass die Stadtverwaltung die Verantwortung für den Stollen übernimmt. Sie forderten, die Sicherheit zu prüfen, notwendige Reparaturen durchzuführen und den Stollen zumindest teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Vorschlag wurde von mehr als 785 Personen unterzeichnet und vertrat eine einfache Idee: einem bereits existierenden Raum einen Sinn und eine Zukunft zu geben, um die Bergbau- und Hafengeschichte des Stadtviertels bekannt zu machen und zu verhindern, dass die Erinnerung daran verloren geht.
Bislang mussten die Nachbarn, die sich für die Wiederbelebung der Erinnerung an dieses Gebiet einsetzen, das Gitter im Boden, über das man einige Meter in die Galerie hineingehen kann, selbst kaufen. Dass die einzige materielle Maßnahme aus der Tasche der Nachbarn bezahlt wurde, sagt viel darüber aus, welchen Stellenwert diese Erinnerung auf der institutionellen Agenda hat.
Ein Besuch der Mine San Luis ermöglicht es, diesen Widerspruch fast physisch zu verstehen. Der Besuch, der von niemand genehmigt wurde und einen halblegalen Charakter aufweist, weil die Mine nicht im Besitz der Stadt ist, hat nichts Episches an sich: Es gibt Schlamm, Feuchtigkeit, Dunkelheit. Dort liegt die Industrie-Geschichte Bilbaos begraben. Heutzutage ist die Stadt vom Image des Guggenheim-Museums geblendet. Bilbao als Marke wurde mit einer neuen avantgardistischen Architektur von internationalem Prestige aufgebaut. Seit den 1990er Jahren hat die Stadterneuerung in der Kreation namhafter Architekten ihr wichtigstes Symbol gefunden. Aber was machen wir mit unserem Erbe, wenn es nicht in diese Erfolgsgeschichte der Stadt als Marke passt? Die Geschichte Bilbaos, die Geschichte der Arbeit, der Migration und der sozialen Konflikte, ist auch in feuchten und dunklen Stollen an die Wand geschrieben. Eine Stadt, die sich ihrer Zukunft rühmt, sollte keine Angst haben, die Türen zu ihrer Vergangenheit zu öffnen: die Galerie der Mine von San Luis. Nicht als Touristenattraktion, sondern als Übung des kollektiven Gedächtnisses.
Der Zugang zu dieser Galerie erfolgt durch eine unscheinbare Metalltür. Wenn man es nicht weiß, würde niemand jemals vermuten, dass sich hinter dieser Tür Spuren der Bergbau-Vergangenheit Bilbaos befinden. Daneben befindet sich zwar ein riesiges Wandgemälde zur selben Thematik, aber diese Tür? Wie kann diese kleine Tür das verbergen, was sich dahinter befindet? Tatsächlich wissen viele Menschen gar nicht, dass Bilbao auch eine Stadt des Eisens ist. Die Stadtteile Bilbao La Vieja, San Francisco und Zabala, im Volksmund als Barrios Altos bekannt (die oben gelegenen Stadtteile), sind von der Bergbau-Vergangenheit der Stadt geprägt. Es handelt sich zweifellos um ein Bergbau-Gebiet, aber heute sieht es nicht mehr so aus.
Der 2004 restaurierte und wie ein Totem dastehende primitive Hochofen der Mine San Luis ist eines der wenigen sichtbaren Überbleibsel dieser Bergbau-Vergangenheit. Nach der schrittweisen Schließung der Minen wurden viele dieser Anlagen versiegelt, abgerissen oder direkt zugeschüttet. So verschwindet durch Nachlässigkeit ein wichtiger Teil der Vergangenheit der Stadt aus dem kollektiven Gedächtnis. Der Bergbau war entscheidend für die physische und soziale Gestaltung und Zukunft von Bilbao und anderer Gemeinden wie Ortuella. Hier wurde die baskische Arbeiterbewegung geboren, hier wurden die ersten sozialistischen Parteien und Gewerkschaften, später die kommunistische Partei Spaniens gegründet.
Der Stollen war Teil eines Bergbau-Gefüges, das bis 1995 viel größer war, als wir uns heute vorstellen können. Nach dem Erwerb der Abbau-Konzession durch den englischen Kaufmann Luis Lewison wurden der allgemeine Betrieb und die Eröffnung des Stollens vom Ingenieur Luis Núñez Arteche geleitet. Der Stollen verband jahrzehntelang den Kai von Marzana mit dem Bereich des Saralegi-Platzes und verzweigte sich unter den Barrios Bilbao La Vieja und Miribilla. Heute ist diese Verbindung nach der Urbanisierung und Bebauung des Platzes im Jahr 2006 verschlossen.
“Die Struktur des Bergwerks ist beeindruckend”, schreibt Juanjo Marcos. Die Stollen sind fast drei Meter hoch und zwischen zwei und drei Meter breit. Noch immer sind “Elemente erhalten, die von ihrer industriellen Geschichte erzählen: die Gleise, auf denen die Loren fuhren, Überreste dieser alten Fahrzeuge und ein Bach, der bei Ebbe über die Überreste der alten Verladestelle in die Ría mündet”.
Niemand kannte diesen Stollen besser als Emiliano Valdizán, der letzte Bergmann der Mine San Luis. Er starb im März 2025 mit mehr als 90 Jahren, aber auch dank ihm lebt die Erinnerung an das Viertel weiter. Man kann ihn noch immer hören in EMILIANO VALDIZÁN: El último minero de Bilbao (EMILIANO VALDIZÁN: Der letzte Bergmann von Bilbao), einem Dokumentarfilm von Arturo Izarzelaia Izagirre. Der Stollen, dessen Nutzung sich im Laufe der Jahre immer wieder änderte, wurde 1983 überflutet, und bis heute hat niemand den Schlamm beseitigt.
Die Galerie der Mine San Luis am Nervion-Fluss wirft eine unangenehme Frage auf: Was machen wir mit dem, was nicht in die Erfolgsgeschichte des modernen Bilbao passt? Was machen wir mit dem Erbe, das nicht dazu dient, die Stadt auf einem Luftbild zu präsentieren? Das nicht wie Titan in der Sonne leuchtet? Was machen wir mit dem, was unter der Erde liegt? Hier hatten wir vor dem Titan erst einmal ein weltberühmtes, weil hochgradig reines Eisenerz. (publico-baskultur)
(2025-12-20)
DIE SCHLAGZEILEN VON CAF
CAF ist eines der bekanntesten Unternehmen im Baskenland, kein Monat vergeht oder positive oder negative Schlagzeilen. Die letzte Nachricht war positiv für “Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles” (CAF), die Firma in Beasain (Gipuzkoa), die Züge und Straßenbahnen baut für die halbe Welt. Dazu kam jetzt ein Groß-Auftrag aus Belgien. Positiv für die Betriebsleitung wegen der zu erwartenden Profite, positiv auch für die Arbeiter*innen und die Gewerkschaften, weil Aufträge Arbeitsplatz-Sicherheit bedeuten. “CAF sichert sich mit dem Zuschlag für den Vertrag des Jahrhunderts, Aufträge für mehr als zehn Jahre“, so oder ähnlich durfte die baskische Presse die Nachricht verbreiten, dass CAF einen Mammut-Auftrag vom belgischen Staat erhalten hat. Dort soll die alte Zug-Flotte ersetzt werden in den kommenden 10 Jahren. Der Zuschlag umfasst einen Auftrag im Wert von bis zu 3,4 Milliarden Euro.
Damit liefert CAF die erste positive Nachricht des laufenden Jahres. Denn seit dem zionistischen Völkermord in Gaza und im West-Jordanland steht CAF im Kreuzfeuer der internationalen Kritik. Denn das Unternehmen baut eine Straßenbahn, die von Jerusalem durch die besetzten Gebiete führt. Das verstößt laut UNO gegen das Völkerrecht, weil es die Besetzung verstärkt und Palästinenser*innen selbstverständlich nicht mitfahren dürfen. So ist neben der französischen Supermarkt-Kette Carrefour das Beasain-Unternehmen der Fokus der baskischen Solidaritäts-Bewegung. Mit Massen-Unterstützung fordert die Boykott-Bewegung BDS die Aufgabe des Auftrags, dazu wurden eine Riehe von Kundgebungen, Protestaktionen und Demonstrationen gegen CAF organisiert. Sogar der rechte baskische Ministerpräsident fand kürzlich kritische Worte zu dem Israel-Auftrag.
Diese notwendige Kritik wird nun hoffentlich im Freudentaumel um den neuen Auftrag. Dem größten Auftrag aller Zeiten für das Unternehmen: ein Festauftrag im Wert von 1,7 Milliarden Euro vom belgischen staatlichen Betreiber (SNCB - Société Nationale des Chemins de Fer Belges), der auf nicht weniger als 3,4 Milliarden Euro erweitert werden könnte. Angesichts von Wirtschaftskrisen ein Triumph auf dem europäischen Markt, der wegen seines Umfangs hervorgehoben wird, und in einer Zeit voller Unsicherheiten für die europäische Industrie mehr als zehn Jahre Arbeits-Auslastung sichert.
Das Unternehmen selbst äußerte sich nicht zur Vergabe. Eine Stellungnahme gab hingegen der Betriebsrat ab, dessen Sprecher von der Gewerkschaft LAB die Vergabe begrüßte. “Wichtige Neuigkeiten, über die wir uns freuen. Das Volumen bedeutet einen Meilenstein für CAF”. Gleichzeitig forderte die Gewerkschaft die Unternehmens-Leitung auf, die belgischen Züge im Baskenland bauen zu lassen, wo 5.000 Menschen beschäftigt sind, denn CAF hat auch Niederlassungen in anderen Ländern. “Große Schlagzeilen nützen wenig, wenn hier keine hochwertigen Arbeitsplätze geschaffen werden“. Der Zuschlag bedeutet, dass das Auftragsvolumen des Unternehmens auf über 17 Milliarden Euro steigen wird.
Die belgische Eisenbahn hat eine Erneuerung dringend nötig, um bis zu 50% ihrer veralteten Flotte zu erneuern. Dennoch hat sie drei Jahre gebraucht, um den Auftrag zu vergeben. Der Entscheidungsprozess zog in die Länge wegen der Einsprüche der Konkurrenten Alstom und Siemens. Die Kontroverse in Belgien drehte sich um mögliche Auswirkungen auf die lokale Beschäftigung, wenn der Auftrag nicht an ein Unternehmen mit Werken im Land vergeben würde. Durchaus verständlich.
Erneuerung der Zug-Flotte
So bald wie möglich sollen nach und nach “die ältesten und störanfälligsten Fahrzeuge“ ersetzen werden. “Die Züge bieten den Fahrgästen allen notwendigen Komfort, einschließlich Zugang für Personen mit eingeschränkter Mobilität, Ruhezonen, Informations-Bildschirmen und ausreichend Platz für den Transport von Fahrrädern“, betonte die SNCB. Die Behörde betonte, dass die Bestellung “auch batteriebetriebene Züge umfasst, die Dieselfahrzeuge ersetzen sollen”.
Die erste feste Bestellung bei CAF umfasst 180 neue Triebwagen des Modells AM30 mit einer Kapazität von 54.000 Plätzen. Die Vereinbarung “sieht die Inbetriebnahme der ersten Züge im Jahr 2030 vor“. Die Vereinbarung mit dem belgischen Betreiber ist ein sogenannter Rahmenvertrag, der in der Praxis nicht zeitlich, sondern inhaltlich erweiterbar ist. Die Vereinbarung hat eine Laufzeit von zwölf Jahren. Während dieses Zeitraums hat der Kunde jederzeit die Möglichkeit, seine Bestellung auf bis zu 170.000 Sitzplätze zu erweitern, wodurch sich der Wert auf 3,2 Milliarden erhöhen könnte. Bei solchen Aussichten könnte auf die Straßenbahn in Jerusalem locker verzichtet werden, ohne Arbeitsplätze zu gefährden. Das sagen schon lange auch die Betriebsräte und die Belegschaft von CAV, die sich mehrfach für eine Absage nach Israel stark gemacht haben. (baskultur)
(2025-12-19)
WEIHNACHTEN FÜR GEWOHNHEITSTRINKER
Alle mitteleuropäischen Autofahrer*innen, die harte Verkehrsregeln kennen und deren strikte Überwachung, dürfen sich im Baskenland wundern über die Art, Geschwindigkeits-Limits durchzusetzen. Denn alle Radaranlagen werden ein paar Kilometer vorher mit Schildern angekündigt. Die Blitzer sind also bekannt, ohnehin stehen sie immer am selben Ort. Das führt zur folgenden Fahrpraxis: allen düsen so schnell wie sie es für richtig halten, oder was der Motor eben hergibt, hundert Meter vor dem Radar dann die Vollbremsung, ordnungsgemäß vorbeifahren, und zehn Meter danach wieder Vollgas. Eine Mischung zwischen Treppenwitz und Schawchsinn, die Raser können getrost 200 fahren wenn 80 vorgeschrieben sind.
Zu dieser Lächerlichkeit gesellt sich in der Provinz Bizkaia nun ein ganz besonderes Weihnachts-Präsent für alle, die gerade von der feucht-fröhlichen Betriebs- oder Familienfeier kommen. Denn die Verkehrspolizei der baskischen Polizei Ertzaintza hat mitten in der Weihnachtskampagne gegen Alkohol und Drogen am Steuer keine Alkoholtester mehr, wie interne Quellen berichten. Die meisten Alkoholtester sind abgelaufen oder defekt und müssen überprüft werden. „Aus Mangel an Weitsicht und Budget”, heißt es aus vertraulichen Quellen. Das kann ja heiter werden!
Anstatt diese Tatsache geheim zu halten und weiter so zu tun als ob, wurde diese Nachricht in den bürgerlichen Presse breitgetreten. Mit der üblichen Breitseite gegenüber der wenig voraussehenden Polizei-Direktion und in völliger Übereinstimmung mit den ultrarechten Polizeigewerkschaften, die übel schimpfen über den Notstand. Das Ganze lässt sich einfach als Aufforderung an alle Gewohnheitstrinker verstehen, die sich ansonsten mit aller zur Verfügung stehenden Selbstkontrolle noch zurückgehalten hätten, den Gerätemangel zu nutzen und die Sau rauszulassen. Ein Prosit auch!
Eigentlich verfügen die Verkehrsspezialisten der Regional-Polizei über zwei Arten von Alkoholtest-Geräten: die Stichproben-Geräte, die als Schnelltest zur Überprüfung auf Alkohol verwendet werden, und die zertifizierten Geräte, die einen positiven Befund bestätigen und ein Bußgeld nach sich ziehen. Dieser schriftliche Nachweis dient dazu, gegen den Fahrer auf administrativem Wege (bei einem Blutalkoholgehalt von mehr als 0,25 Milligramm) oder strafrechtlich (bei einem Blutalkoholgehalt von mehr als 0,60 Milligramm) vorzugehen.
Derzeit müssen alle zwanzig Orientierungsgeräte, über die die Verkehrspolizei von Bizkaia verfügt, noch ihre jährliche Überprüfung durchlaufen. Diese Geräte sind einfacher zu handhaben. Die Präzisionsgeräte hingegen sind in einem Lieferwagen installiert. Von den fünf großen Geräten, die von den Streifenpolizisten verwendet werden, ist nur eines betriebsbereit. Die anderen vier sind “defekt oder müssen überprüft werden”.
Der Mangel an Alkoholtestgeräten zwingt die Beamten, Kollegen zu Hilfe zu rufen, die sich möglicherweise an einem anderen Ort im Gebiet befinden. Wenn sie beispielsweise in Barakaldo eine Kontrolle durchführen und die Streife, die über einen Alkoholtester verfügt, aus Durango anreisen muss, sind das fast 40 Kilometer. „Das kann lange dauern, in der Zwischenzeit kann sich der Promille-Wert ändern. Das kann für den Fahrer von Vorteil sein, wenn der Wert sinkt, oder von Nachteil, wenn er steigt”.
Tragbare Geräte
„Das ist Wahnsinn. Jede Streife sollte ein Beweismittel-Alkoholtestgerät haben. Es kann nicht sein, dass eine Verkehrseinheit, die morgens, mittags und abends Kontrollen durchführt, die Anwesenheit einer anderen Einheit anfordern muss, während die Geräte im Büro liegen und darauf warten, dass Mittel für ihre Reparatur bereitgestellt werden“. Einige Alkoholtester wurden bereits von Polizeidienststellen ausgeliehen, wo die Geräte weniger häufig zum Einsatz kommen. Im Jahr 2020 schlugen die Beamten die Anschaffung von tragbaren Alkoholtestgeräten der neuesten Generation vor, die „mit Batterien betrieben werden, nicht an das Stromnetz angeschlossen werden müssen und mit ins Krankenhaus oder in den Krankenwagen genommen werden können“. Die drei territorialen Einheiten haben positive Gutachten erstellt, aber die neuen Geräte sind noch nicht eingetroffen.
Das Gleiche gilt für die Bußgeld-Apparate. “Wir erstatten weiterhin Anzeige wie 1982, mit Papier und Stift, während andere Behörden bereits die dritte Generation von Tablets einsetzen, die die Anzeige an einen Drucker im selben Motorrad senden und dem Fahrer das Papier aushändigen.” Sollte an Weihnachten die Zahl der Verkehrstoten mit Alkoholbeteiligung steigen, wäre das kein Wunder. Falls der durchgesickerte Mangel nicht eine große Finte ist, damit sich die Trinker in Sicherheit wiegen und massenhaft erwischt werden. Denkbar ist alles. Frohe Weihnachten jedenfalls an alle Trinkfesten! (baskultur)
(2025-12-18)
WO DER REICHTUM HERKOMMT
Wenn in einem Ort durchschnittlich die reichsten Leute leben, heißt das nicht, dass dort besonders viel oder fleißig gearbeitet würde, oder dass alle ständig Überstunden machen. Denn lokaler Reichtum kommt vielmehr durch orts-ansässige Unternehmen oder Industrie. Der kleine Ort Zierbena ist laut baskischer Statistik der reichste Ort in der Region Baskenland, nach Einkommen pro Kopf gerechnet. Die Arbeiter*innen in Restaurants, Werkstätten, in der Hauspflege oder im Hafen verdienen sicher nicht mehr als Gleichgestellte in anderen Orten. Doch die Tatsache, dass in Zierbena der Hafen Bilbao ist und dass entsprechend viele Unternehmen dort ihren Sitz haben und ihre Steuern bezahlen, macht den Ort reich. Relativ reich, denn dieser Reichtum ist, wie so oft, schlecht verteilt.
Zierbena ist laut Eustat (baskisches Statistik-Institut) die Gemeinde mit dem höchsten Pro-Kopf-BIP der Region Baskenland. Mit 539.311 Euro pro Einwohner ist der Ort in Bizkaia der dem höchsten Bruttoinlandsprodukt (BIP). Diese Daten basieren auf der Produktion und Verteilung von elektrischer Energie. Dahinter folgen Zamudio und Olaberria in der Rangliste. Im Vergleich zum Vorjahr gab es zwei wesentliche Veränderungen: Zierbena hat vor allem aufgrund der Aktivitäten im Zusammenhang mit der Stromerzeugung und -verteilung den ersten Platz erreicht, sodass Zamudio (mit Indutrie-ansiedlungen und Technologie-Park) nun auf dem zweiten Platz liegt. Darüber hinaus hat sich Berantevilla aus dem Bezirk Añana (Araba) dank der verarbeitenden Industrie, vor allem der Herstellung von Transportmitteln für die Luftfahrt-Industrie, unter die Top 10 geschoben. Es folgen Aduna (4), Ajangiz (5), Loiu (6), Mallabia (7), Arama (8), Berantevilla (9) und Etxebarria (10).
In Bezug auf das BIP insgesamt – also ohne Berücksichtigung der Einwohnerzahl der Gemeinde – ist Barakaldo in der Region Gran Bilbao nach den drei Hauptstädten die Gemeinde mit dem höchsten BIP innerhalb der Region Baskenland (CAPV) mit 2,884 Milliarden Euro, was 3,1% des BIP der CAPV entspricht. Hinter Barakaldo folgen Irun mit 2,143 Milliarden und 2,3% des Gesamt-BIP sowie Getxo mit 1,987Milliarden und 2,1% des Gesamt-BIP. Auf diese drei Gemeinden und die Hauptstädte der drei historischen Territorien entfallen 44% des baskischen BIP. Bilbao ist mit 14,252 Miliarden Euro die Hauptstadt mit dem höchsten BIP im Jahr 2023, was 15,3% der Wirtschaftstätigkeit der Region entspricht, gefolgt von Vitoria-Gasteiz mit 10,717 Milliarden und Donostia-San Sebastián mit 9,019 Milliarden Euro, was 11,5% bzw. 9,7% der Wirtschaftstätigkeit der Region entspricht.
Araba: Industrie
Die Industrie ist der dominierende Sektor in den Regionen mit dem höchsten Pro-Kopf-BIP in Araba Die Region Rioja Alavesa macht 5,2% des gesamten BIP des historischen Territoriums von Álava aus, und ist die Region mit dem höchsten Pro-Kopf-BIP sowohl im Territorium als auch in der Region Baskenland. Die sektorale Verteilung der Gemeinden dieser Region weist im Vergleich zu den übrigen Regionen Besonderheiten auf, da der Weinbau dort stark vertreten ist, die landwirtschaftliche Produktion proportional höher ist als in den übrigen Regionen und die Industrie eng mit der Weinherstellung verbunden ist. Dies zeigt sich deutlich in der Gemeinde Laguardia, wo die Landwirtschaft 5,7% ausmacht und eine gleichmäßigere Verteilung zwischen dem Industriesektor (46,3%) und dem Dienstleistungssektor (46,6%) zu beobachten ist, die beide in engem Zusammenhang mit dem Weinbau stehen: im industriellen Bereich durch die Herstellung von Getränken und deren Verpackungen und im Dienstleistungs-Sektor durch das große Angebot im Gastgewerbe.
Bizkaia: Gran Bilbao
Drei der Gemeinden mit dem höchsten Pro-Kopf-BIP in Bizkaia gehören zur Region Gran Bilbao. In diesem Gebiet stechen neben Zierbena auch Zamudio und Loiu aufgrund ihres hohen BIP pro Kopf hervor. Zamudio, das mit den Aktivitäten des Technologieparks verbunden ist, verteilt seine Produktionsstruktur innerhalb der verarbeitenden Industrie, wobei der Sektor Transportmittel-Herstellung und der Dienstleistungs-Sektor, insbesondere die mit der Industrie verbundenen technischen Tätigkeiten, von besonderer Bedeutung sind. Loiu hingegen hat eine auf Dienstleistungen basierende Branchenstruktur. Diese Dienstleistungen erwirtschaften 64,7% des kommunalen BIP und unterstützen die Flughafen-Aktivitäten (Luftverkehr und damit verbundene Dienstleistungen), die 29,4% ausmachen.
Gipuzkoa: Goierri und Tolosaldea
Goierri und Tolosaldea sind die Landkreise mit dem höchsten Pro-Kopf-BIP in Gipuzkoa. Die fünf Gemeinden mit dem höchsten Pro-Kopf-BIP in Gipuzkoa befinden sich in diesen Landkreisen. Die drei Kreise mit dem höchsten Pro-Kopf-BIP sind Donostialdea, Goierri und Alto Deba, die zusammen 68% des gesamten BIP von Gipuzkoa ausmachen. Im Fall von Donostialdea konzentriert sich die Wirtschafts-Tätigkeit eindeutig auf den Dienstleistungs-Sektor (Tourismus), der 78,6% der Wirtschaftsstruktur ausmacht. Goierri und Alto Deba weisen hingegen ein ausgeglicheneres Verhältnis zwischen Industrie und Dienstleistungen auf. (naiz-baskultur)
(2025-12-17)
GUGGENHEIM URDAIBAI STOP (GUS)
Das Proket Doppel-Museum Urdaibai der Guggenheim-Stiftung ist gescheitert. Das haben die Betreiber des Projekts eingestanden. Mit teilweise fadenscheinigen Begründungen. Die Bewegung Guggenheim Urdaibai Stop hat die Erklärungen der Behörden nach der Aufgabe des Projekts scharf kritisiert. “Jetzt wollen sie ihre mangelnde Reflexion mit simplen Argumenten rechtfertigen”, so die Organisation. GUS ist der Ansicht, dass die Übertragung einer Entscheidung dieser Tragweite an einen Stiftungsrat “mit privaten Interessen” und die Rechtfertigung der Aufgabe mit Argumenten wie Bürokratie, Bodenverschmutzung oder der Weigerung der Werft, das Grundstück zu verkaufen, von “mangelnder Seriosität und Verantwortungslosigkeit” zeugen.
Die Bewegung tdaran, dass die Bürger *innen “von Anfang an die Gründe für die Ablehnung des Projekts Guggenheim Urdaibai kannten”. Einerseits die ökologischen Auswirkungen auf ein Schutzgebiet, “auf die die Wissenschaft von Anfang an hingewiesen hat”. Andererseits sei der Plan mit den Gesetzen zum Schutz des Biosphärenreservats unvereinbar, “trotz wiederholter Versuche der Behörden, diese zu manipulieren”, versicherten sie. “Außerdem würde ein Projekt dieser Art die sozioökonomische Situation unserer Region keineswegs beleben, sondern uns zu Prekarität und zum Verlust unserer Identität verdammen”.
“Aus diesen Gründen haben wir gekämpft, sind wir immer wieder auf die Straße gegangen. Das ist es, was das Projekt gestoppt hat: der Widerstand der Bürger“, wird von GUS unterstrichen. “Das Volk hat gewonnen, Urdaibai hat gewonnen”. “Busturialdea hat Nein gesagt, und diese Botschaft werden wir nun in alle Ecken des Baskenlandes tragen, und as werden wir unseren Nachkommen erzählen.” Die Gruppe bedankte sich ausdrücklich für “die Arbeit aller an der Mobilisierung beteiligten Personen und Netzwerke“: vom Volksnetzwerk (Herri Sarea) über die Propagandagruppe und die Mitarbeiter bis hin zu Freunden und Familien-Angehörigen, die den Kampf unterstützt haben. “Dank Ihrer Arbeit sind wir heute hier“, betonten Eider Gotxi und Ramón Gezuraga, die bekannten Gesichter der Plattform Guggenheim Urdaibai Stop, die ankündigten, dass die nächste Herausforderung darin bestehen werde, “die von der Murueta-Werft besetzten Flächen an wieder zur Marschlandschaft zu machen“.
Die Initiative warnt jedoch davor, dass der Kampf um die Verteidigung der Region “nicht zu Ende ist“, und bekräftigt ihr Engagement für den Schutz der Natur und Umwelt. Sie fordert die Institutionen auf, sich für “seriöse, realisierbare und wirksame Projekte“ zur Verbesserung der sozioökonomischen Lage von Busturialdea einzusetzen und dabei die Meinung der sozialen Akteure der Region zu berücksichtigen. Schließlich wurden alle Nachbar*innen zu einer Feier am 7. Februar 2026 in Gernika eingeladen, wo in festlicher Atmosphäre denr erzielte Erfolg gefeiert und das Engagement für Urdaibai bekräftigen werden soll. “Um zu zeigen, dass die organisierte Gesellschaft in der Lage ist, sich gegen institutionelle Missbräuche zu wehren”. (baskultur)
(2025-12-16)
TOD WEGEN OBDACHLOSIGKEIT
Donostia – in keiner anderen baskischen Stadt sind Wohnungen so teuer hier. Es existiert eine Warteliste kaufwilliger Millionäre, die eine Immobilie ergattern wollen mit Blick auf den Concha-Strand. Geld ist im Umlauf, wohnungen wären vorhanden. Doch auf der Straße sterben Menschen, neben den Millionären. Ein Obdachloser ist am Dienstag auf dem Easo-Platz in Donostia gestorben. Nach Angaben des Innen-Senats der baskischen Regierung und in Erwartung der Autopsie starb er “eines natürlichen Todes“, nachdem er die Nacht in einem Unterstand verbracht hatte. Laut Etxebizitza Sindikatua (Wohnungs-Gewerkschaft) starb am 20. November eine weitere Person. Die Ertzaintza-Polizei wurde gegen 9.10 Uhr alarmiert. Polizeikräfte und Krankenwagen kamen zu spät. Der Mann war auf dem Platz zusammengebrochen, wo er offenbar die Nacht verbracht hatte. Ein Arzt stellte seinen Tod fest.
Der letzte Bericht des Sozial-Informations-Dienstes (SIIS), der am 27. Oktober in Donostia vorgestellt wurde, enthüllte besorgniserregende Daten. Konkret wies er auf einen beispiellosen Anstieg der Zahl der Menschen hin, die in der Region Baskenland auf der Straße leben. In Zahlen ausgedrückt heißt es im Dossier, dass im Jahr 2024 mehr als 1.556 Menschen als obdachlos gezählt wurden. Diese Daten wurden in punktuellen Zählungen erhoben, die alle zwei Jahre durchgeführt werden, sodass “die tatsächlichen Zahlen viel höher sind, da weder die Personen gezählt werden, die in der Nacht der Zählung nicht gesehen wurden, noch alle Orte, an denen sie schlafen”, warnten damals mehrere soziale Gruppen. Diese prangerten “die dramatische Situation von Hunderten von Menschen, die auf der Straße schlafen” sowie die Wohnungspolitik der Behörden an, “die den Zugang zu angemessenem Wohnraum unmöglich macht”.
Aus all diesen Gründen forderten sie, dass Wohnen ein Recht ist und außerhalb der Logik des Marktes stehen muss: “Es müssen die notwendigen und ausreichenden Ressourcen geschaffen werden, um zu verhindern, dass Menschen auf der Straße schlafen müssen oder ihre Rechte verletzt werden”, wird gefordert. „Die Institutionen müssen ein ausreichendes und erschwingliches Angebot an Sozialwohnungen gewährleisten, deren Miete nicht mehr als 20% des Familien-Einkommens ausmacht. Derzeit liegt dieser Prozentsatz in einigen Fällen bei 40% oder mehr“, fügten sie hinzu. Außerdem erinnerten sie daran, dass die Institutionen eine Politik der Kriminalisierung von verarmten Menschen, die auf der Straße leben, betreiben, indem sie die Orte, an denen die am stärksten gefährdeten Menschen leben, räumen lassen.
Eine weitere Person am 20. November gestorben
Die Sozialistische Wohnungsgewerkschaft von Donostia hat am Dienstag über den Tod einer weiteren obdachlosen Person am 20. November in Donostia berichtet, die “obwohl sie der Stadtverwaltung von Donostia und den Sozialdiensten bekannt war, wurde ihr Tode weder der Öffentlichkeit mitgeteilt noch von den Medien aufgegriffen”. In einer Pressekonferenz vor dem Rathaus forderte Etxebizitza Sindikatua öffentliche Erklärungen zu den Geschehnissen und zu den “Gründen für dieses institutionelle Schweigen”.
Wie sie angaben, ist in einem Kontext, in dem „ausreichende Ressourcen vorhanden sind, um der gesamten Bevölkerung Wohnraum zu garantieren“. Jeder Tod auf der Straße sei vermeidbar und habe daher politische und wirtschaftliche Ursachen”. Die Todesfälle werden „in einen größeren Zusammenhang von struktureller Verarmung und Verschärfung des politischen Diskurses gestellt. In Krisenzeiten tauchen reaktionäre Diskurse auf, um zu verschleiern, dass die Grundbedürfnisse ein Geschäft sind“.
Etxebizitza Sindikatua prangerte an: “während mehr als 500 Menschen auf der Straße leben und Tausende aufgrund der Wohnkosten aus der Stadt vertrieben werden“, seien “Kürzungen bei den Sozialleistungen und eine absichtliche Intransparenz hinsichtlich der Folgen der Kommunalpolitik“ zu beobachten. Um den Tod dieser beiden Obdachlosen anzuprangern, „politische Verantwortung einzufordern, menschenwürdige Lebensbedingungen zu fordern und reaktionäre Diskurse abzulehnen“, hat Etxebizitza Sindikatua für diesen Sonntag, den 21. Dezember, um 12.30 Uhr zu einer Demonstration aufgerufen, die am Boulevard beginnt. (naiz-baskultur)
(2025-12-15)
AGGRESSIVE TOURISMUS-VERMIETUNG
Ein Richter hat die Stadtverwaltung von Bilbao dazu verurteilt, den Eigentümern eines Gebäudes in Zorrozaurre, in dem zwei Ferienwohnungen vermietet werden, 12.000 Euro zu zahlen. Der Richter hat ihr Recht anerkannt, kommunale Beihilfen für den Einbau von Aufzügen in Wohngebäuden in Anspruch zu nehmen. Die Stadtverwaltung hat keine Berufung gegen das Urteil eingelegt und muss daher diesen Betrag in Kürze zahlen. Es ist jedoch so, dass das Tourismusgeschäft, das in diesem Block betrieben wird, laut Aussage der Stadtverwaltung selbst “nicht genehmigt” ist. Auch die baskische Regierung stellt fest, dass es sich um eine “illegale” und “heimliche” Tätigkeit handelt, weshalb sie kürzlich ein Strafverfahren eingeleitet hat.
Diese Sichtweise steht in krassem Widerspruch zu der Version der Eigentümer, die behaupten, dass alles vor Gericht angefochten wurde und dass die Justiz ihnen “nach und nach” Recht gibt. “Wie man an diesem Urteil zum Aufzug sehen kann”, behaupten sie. Das betreffende Unternehmen verfügt über zwei Ferienwohnungen mit dem Namen El Toisón de Oro. Und obwohl es nicht über die erforderlichen behördlichen Genehmigungen verfügt, nimmt es seit Monaten weiterhin Buchungen über große Internet-Plattformen entgegen, wie festgestellt werden konnte. Tatsächlich hat das Tourismus-Ministerium der Regionalregierung im vergangenen Monat ein Strafverfahren gegen ACP Management, die für die Vermietung beider Apartments zuständige Einrichtung, wegen ihrer nicht den Vorschriften entsprechenden Tätigkeit eingeleitet.
Der Fall dieses Gebäudes in der Calle Ribera de Deusto ist komplex. Einerseits gibt es einen städtebaulichen Konflikt, andererseits eine Reihe von Verstößen wie die Nutzung als Touristenunterkunft, was bei einem Teil der Anwohner in der Umgebung für Unmut sorgt. Beide Probleme überschneiden sich in mehreren Verfahren, die größtenteils noch offen sind.
Um mit der Geschichte des Gebäudes zu beginnen, muss gesagt werden, dass es sich um ein Gebäude mit einem Erdgeschoss für Geschäftsräume, zwei Wohnetagen (auf denen sich die beiden Wohnungen befinden) und einem Dachboden mit Abstellräumen handelt. Der Steinbau hat eine mehr als hundertjährige Geschichte. Tatsächlich wird angenommen, dass er bereits um 1900 erbaut wurde. Die Eigentümer behaupten jedoch, dass er noch älter ist. „Er stammt aus dem Jahr 1500”, sagen sie. Im Jahr 2019 wurde er teilweise von der Gesellschaft ACP Management und privat von deren Direktor erworben. (baskultur)
(2025-12-14)
PEIOTXO IST GESTORBEN
José Manuel Pagoaga “Peixoto“, ein bekannter abertzaler Aktivist, ist verstorben. Als junger Mann trat er der ETA bei und hinterließ in der Geschichte der Organisation deutliche Spuren. Er erlebte eine Reihe von Ereignissen hautnah mit, die die Geschichte dieses Landes geprägt haben. 1979 wurde er durch eine vom Staat gesteuerte Todesschwadron schwer verletzt. In einer Bewegung, die stark von Kollektivität geprägt ist, dass es oft peinlich war, einzelne Namen hervorzuheben, gibt es dennoch Persönlichkeiten, die tiefe Spuren hinterlassen haben und deren Werdegang allgemein anerkannt ist. Peixoto ist ohne Zweifel einer von ihnen. Er ist gestern nach langer Krankheit verstorben.
José Manuel Pagoaga wurde 1944 geboren, wenige Jahre nachdem die Faschisten unter Franco, unterstützt von Deutschland und Italien, den Krieg gewonnen hatten. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in dieser Gesellschaft in einer schwierigen Situation, geprägt von einer bitteren Atmosphäre des Scheiterns, im Weiler Aranguren im Stadtteil Musakola von Arrasate-Mondragon. Als aus dem Jugendlichen ein Erwachsener wurde, begann sich jedoch etwas im Baskenland zu ändern, und er beschloss, nicht nur Zeuge dieser Veränderung zu sein, sondern auch eine aktive Rolle zu übernehmen.
Mit 18 Jahren trat er zusammen mit mehreren Freunden und Nachbarn aus dem Ort der ETA bei, als die Organisation noch in den Kinderschuhen steckte. Und so erlebten sie unweigerlich gemeinsam einen schnellen Reifeprozess. Der Franquismus war noch weit von seinem letzten Atemzug entfernt, das Regime war rigide und brutal, aber dennoch, oder gerade deshalb, weil Unterdrückung und Repression ein guter Nährboden für Revolutionen sind, schlugen viele junge Basken diesen Weg ein. Peiotxo erlitt 1979 einen Anschlag durch eine vom postfranquistischen Staat gesteuerte Terrorgruppe. Er wurde nicht ermordet, verlor aber durch den Anschlag einen Großteil seines Augenlichts und seine Hand wurde schwer verletzt. Bis zu seinem Todwidmete er sich der baskischen Sprache Euskara. (naiz-baskultur)
(2025-12-13)
DER ATHLETIC-FEIND IN OURENSE
Der Bürgermeister von Ourense mag den Pokalgegner nicht, der der Club seiner Stadt zugelost wurde: “Athletic hat eine illegale Philosophie”. Gonzalo Pérez Jácome, ein bekannter Provokateur, reagierte auf die Pokalauslosung, die eine Begegnung zwischen dem galicischen Club und Athletic Bilbao ergab. Er wies darauf hin, dass der baskische Verein “eine diskriminierende Politik” betreibe, die “eine klare Parallele zur Fremdenfeindlichkeit” darstelle. Was er damit meint (für Nichteingeweihte der Materie) ist, dass bei Athletic seit 100 Jahren nur Baskinnen und Basken spielen und solche aus aller wetl, die im Baskenland das Kicken gelernt haben - aber keine Brasilianer, Franzosen oder Japaner. Und keine Spanier, das tut dem spanischen Ultra-Nationalismus besonders weh.
Der Vorwurf ist so alt wir der spanische Nationalismus. Dass dieses Modell auch noch erfolgreich ist, macht die Sache besonders bitter. Dabei sticht ins Auge, dass die bei Xenophobie ansonsten ziemlich unempfindlichen spanischen Nationalisten ausgerechnet in Bilbao “Fremdenfeindlichkeit“ ausmachen, weil dort auf eigene Talente gesetzt wird. Zur Tatsache, dass der Teamkapitän des baskischen Clubs ein in Ghana geborener Afrikaner ist, der eben im Baskenland den Sport erlernt hat, sagt der Galicier nichts. Über des Bürgermeisters Partei – Democracia Ourensana, eine Abspaltung der migrationsfeindlichen PP – schweigen wir besser. Jedenfalls hat der rechte Politiker so kurz vor dem Pokalspiel nächste Woche die Aufmerksamkeit der Medien auf seiner Seite.
Der für seine kontroversen Äußerungen bekannte Politiker begann seine Überlegungen mit dem Hinweis, dass Ourense bei der Auslosung “das kleine Los” gezogen hätte, da er lieber gegen Barça oder Madrid gespielt hätte. “Ich wollte, dass Real Madrid kommt, um mehr Geld zu verdienen”. Dem ist nichts hinzuzufügen. Dass das Stadion O Couto mit einer Kapazität von 5.658 Zuschauer*innen auch beim Besuch von Athletic ausverkauft sein wird, steht außer Frage.
Damit nicht zufrieden, wies er auf die Philosophie von Athletic hin, nur mit Spielern anzutreten, die im Baskenland geboren oder ausgebildet wurden. “Der Athletic Club verfolgt eine diskriminierende Politik, obwohl es nach spanischem Arbeitsrecht verboten ist, jemanden aufgrund seines Geburtsortes zu diskriminieren, ebenso wie im öffentlichen Beschaffungs-Wesen. In Sportvereinen geschieht dies jedoch völlig straffrei”, schimpfte er scheinheilig. Vor einem Jahr erklärte er, dass “Fremdenfeindlichkeit Athletic daran hindert, mehr Titel zu gewinnen“. Diesmal ging er noch weiter und wies darauf hin, dass dies sogar illegal sei: “Es handelt sich um eine klare Parallele zur Fremdenfeindlichkeit. Hier dürfen nur diejenigen spielen, die hier geboren sind. Das ist eine unerträgliche Diskriminierung.“
Polemiker und wegen Rechtsbeugung unter Untersuchung
Tatsächlich macht der Bürgermeister von Ourense die Kontroverse zu seiner politischen Strategie, eine Taktik, die von Amtsträgern zunehmend angewendet wird. Er wiederholt Muster wie tägliche Konfrontationen mit der Presse, der er nur während der ersten fünf Minuten Zugang zu den Stadtrats-Sitzungen gewährt. Das dient der Ablenkung von den Korruptions-Vorwürfen gegen ihn. Denn gegen Pérez Jácome wird seit September wegen des Verdachts auf fortgesetzten Amts-Missbrauch und Veruntreuung öffentlicher Gelder ermittelt gestellt: Es wird untersucht, ob kommunale Gelder an Auria Televisión umgeleitet wurden, ein Sender seiner eigenen Partei. (naiz-baskultur)
(2025-12-11)
KEINE ERINNERUNG AN AITOR ZABALETA
Bultzada TxuriUrdina beklagt, dass der baskische Club Real Sociedad ein Transparent zum Gedenken an Aitor Zabaleta verboten hat. Die Fangruppe hat in den sozialen Netzwerken beklagt, dass der Verein verboten habe, am Freitag (12.12.) ein Transparent zu entrollen, das den antifaschistischen Kampf und das Andenken an den vor 27 Jahren von Madrider Faschisten ermordeten jungen Fan würdigt. Aitor Zabaleta war zu einem Spiel seines Teams gegen Atletico Madrid gefahren, er und seine Freundin waren von der Polizei in einen Hinterhalt von Neofaschisten geschickt worden, Aitor wurde mit mehreren Messerstichen ermordet. Daran zu erinnern scheint dem vom Rüstungs-Industriellen Aperribay präsidierten Club egal zu sein, vor allem der antifaschistische Kontext stößt auf Ablehnung.
Die Fangruppe Bultzada TxuriUrdina, die den Aitor-Zabaleta-Block besetzt, hat in den sozialen Netzwerken angeprangert, dass der Verein das Transparent, das sie für das Spiel am Freitag gegen Girona (21h) vorbereitet hatten, “zensiert und verboten” habe. Diese Woche jährt sich zum 27. Mal die tödliche Messerattacke auf den jungen Fan, nach dem dieser Teil des Stadions benannt ist.
In ihrer Mitteilung erklärt Bultzada, dass in der Mitte des Bildes der legendäre Aizkolari (Holzfäller) vom Cover des ersten Albums von Kortatu zu sehen ist, jedoch mit dem Gesicht von Aitor Zabaleta. Außerdem ist auf der einen Seite ein Wappen von Euskal Herria und auf der anderen Seite eine rote Nelke zu sehen. In großen Buchstaben sind die Worte “Oroimena” (Erinnerung) und “Borroka” (Kampf) zu lesen, und in kleineren Buchstaben die Sätze “Anai arrebak defendatuko ditugu” (Wir verteidigen unsere Brüder und Schwestern) und „Kolore biziak faxismoaren aurka” (Lebendige Farben gegen den Faschismus), die ebenfalls auf einen Song von Negu Gorriak zurückgehen.
Bultzada versichert, dass der Verein der Gruppe verboten hat, dieses Transparent vor dem Spiel gegen das katalanische Team zu zeigen, “ohne dafür einen Grund zu nennen. Das Transparent wurde mit großem Einsatz in Nachbarschaftsarbeit fertiggestellt. Wir haben beschlossen, weiterzumachen und werden alles tun, um es trotz des Verbots zu zeigen”. (baskultur)
(2025-12-09)
POLIZEI ZENSIERT IM OSASUNA-STADION
Der Song “No hay tregua” (Kein Waffenstillstand) von der ehemaligen Rockgruppe Barricada wird im Stadion El Sadar des Erstliga-Clubs FC Osasuna (Pamplona) nicht mehr zu hören sein, und zwar aufgrund einer polizeilichen Anordnung. Dies erklärte der Geschäftsführer von Osasuna in Beantwortung einer Frage, die ihm auf der Versammlung von Osasuna gestellt wurde.
Bisher wurde der Song „No hay tregua” gespielt, wenn die Spieler von Osasuna nach der Halbzeitpause auf den Platz zurückkehrten. Auf Anordnung der Polizei wird dies nicht mehr der Fall sein. “Es gibt einen Polizeikoordinator, der die höchste Sicherheitsbehörde im Stadion darstellt. Er teilte uns mit, dass es einzelne Personen gäbe, die Parolen riefen, für die der Verein schwer bestraft werden könnte”, erklärte er. Doch das erklärt noch nicht die Zensur. “Wir sind einer der Vereine, die am häufigsten wegen nicht sportlicher Themen bestraft werden. Das Verbot geschah nicht auf Initiative von Osasuna, sondern nach Aufforderung der Polizei”. Wenn die Erklärung so diffus ausfällt, lohnt sich ein Blick auf den Ursprung. Barricada war seit den 1980err Jahren die bekannteste und beliebteste Gruppe aus Pamplona, als Vertreterin des Rock Radikal Vasco. Diese Stilrichtung stand nicht nur für gute Musik, sondern auch für kämpferische, sprich linke Texte. So handelt der Liedtext von Kindheitsträumen, Untergrund und Widerstand, vertraute Themen im Baskenland. Themen die der spanischen Polizei ganz und gar nicht gefallen können. Möglicherweise haben sie 10 Jahre gebraucht, um den Text zu übersetzen und zu verstehen, falls letzteres überhaupt denkbar ist. Der Groschen scheint gefallen. Die Macht, von der im Lied gesagt wird, dass sie niemals Recht behalten werde, hat ihre Macht ausgespielt und das Lied verboten. Dadurch wird es mit Sicherheit noch populärer werden.
Das Lied der legendären Gruppe aus dem Pamplona-Stadtteil Txantrea erklang seit vielen Jahren zu Beginn der zweiten Halbzeit im Stadion. Auf diese Art wurde es zur inoffiziellen Hymne des Teams, als beispielsweise 2016 in Girona mit den Spielern der Aufstieg gefeiert wurde. Auch der ehemalige Trainer von Osasuna, der Baske Jagoba Arrasate, griff das Thema in einigen improvisierten Bertso-Gedichten bei einem Konzert von Jon Maia im Gayarre-Theater auf: “Ai Sadar! Zer pasada topera jartzen dutenean Barricada! Atsedenalditik bueltan, aurkariak jartzen dira txarrenean ‘No hay tregua‘ entzuten dutenean” (Wie cool, wenn das Barricada-Lied voll aufgedreht wird! Nach der Pause müssen sich die Gegner auf das Schlimmste vorbereiten, wenn sie “No hay tregua“ hören).
Auch auf Auswärtsfahrten war das Barricada-Stück eines der Lieblingslieder der Osasuna-Fans. Doch seit Beginn der neuen Saison wurde es ohne Vorwarnung durch ein anderes Lied von Barricada ersetzt: “Blanco y negro” (Schwarz und Weiß), das laut Vereinsführung den Filter der Polizei passiert hat. Allerdings wird es nicht mehr über die Lautsprecheranlage gespielt. Dennoch ist “No hay tregua“ weiterhin im Stadion zu hören, jetzt wird es eben a cappella gesungen, wenn die zweite Halbzeit beginnt. Und zwar von der Südtribüne, wo sich die linken Ultras von Indar Gorri befinden. Indar Gorri ist Baskisch und bedeutet “rote Kraft“. (baskultur)
(2025-12-08)
ERDBEBEN IN SÜD-ARABA
Ein Erdbeben der Stärke 4,5 mit Epizentrum in Iruña de Oca erschüttert das Herz von Álava. Das Beben ereignete sich kurz nach Mitternacht und war in Vitoria und Dutzenden von Orten in der Region, in Burgos und La Rioja zu spüren. Die baskische Regierung teilt mit, dass „keine weiteren Nachbeben zu erwarten sind” und bestätigt, dass es keine Verletzten gibt. Das Zentrum von Álava bebte kurz nach Mitternacht. Das Erdbeben war in weiten Teilen der Provinz zu spüren und hatte sein Epizentrum in der Gemeinde Iruña de Oca, wie die Feuerwehr mitteilte, die bislang keine nennenswerten Zwischenfälle mit Personenschäden infolge des Bebens meldete. Die Auswirkungen waren im Inneren von Gebäuden und vor allem in höheren Wohnhäusern stärker zu spüren als auf der Straße. Tatsächlich waren einige Passanten überrascht, als sie die Warnmeldung auf ihren Mobiltelefonen erhielten.
Viele Anwohner erhielten eine Warnmeldung auf ihren Telefonen, in der sie aufgefordert wurden, Vorsichtsmaßnahmen für mögliche Nachbeben zu treffen. Ein Bewohner des Zentrums von Vitoria berichtete fassungslos, was passiert war. „Es war wie eine lautlose Explosion, das ganze Gebäude hat gewackelt, und in meiner Wohnung hat sich die ganze Küche und im Schlafzimmer das Bett bewegt. In meiner Straße sind alle sehr verängstigt auf ihre Balkone gegangen”, berichtete ein Anwohner. Die Sicherheitsabteilung der baskischen Regierung teilte der Stadtverwaltung von Vitoria um ein Uhr morgens mit, dass mögliche Nachbeben weniger stark sein könnten als das Hauptbeben.
Andere in der Gegend von Sancho el Sabio verließen vorsichtshalber direkt ihre Wohnungen. „Das ganze Gebäude hat gewackelt“, beschrieb ein Bewohner. „Ich hatte mich gerade schlafen gelegt, als plötzlich das Bett wackelte“, fügte ein anderer hinzu. Der Bürgermeister von Iruña de Oca erklärte, er sei „überrascht“ von dem, was passiert war. Er versicherte, dass man im Dorf „zwei Explosionen“ gespürt habe. „Ich habe mir mit Kopfhörern eine Serie am Computer angesehen und bin plötzlich aufgesprungen, weil sich der Tisch bewegt hat“, berichtete er aus erster Hand. Das Nationale Geografische Institut (IGN) teilte mit, dass das Erdbeben in einer „sehr geringen“ Tiefe von 5 Kilometern stattfand. Das Beben war auch mehr oder weniger stark in Miranda de Ebro, Haro, Treviño, Logroño und sogar in einigen Teilen von Bilbao zu spüren.
Das stärkste Beben seit 1967
Das letzte Beben dieser Stärke ereignete sich am 13. August 1967. Experten zufolge befindet sich Álava in einer Zone mit mittlerem Risiko für solche geologischen Phänomene. Das andere große Erdbeben ereignete sich am 18. März 1817 mit einer Stärke von VIII, ähnlich der aktuellen Einstufung, und erschütterte die Stadt Arnedo, 84 Kilometer von Vitoria entfernt, war aber praktisch in der gesamten nördlichen Hälfte des Landes zu spüren. Es handelt sich nicht um einen Einzelfall. In den letzten Wochen wurden zwei Erdbeben in der Gegend von Iruña de Oca registriert. Dieses Mal war das Beben aufgrund seiner geringen Tiefe stärker zu spüren. Trotz seiner Auswirkungen wird es als leichtes Erdbeben eingestuft, der dritten Stufe auf einer Skala von acht Kategorien.
Es handelt sich auch nicht um einen Fall, der nur das Gebiet von Álava betroffen hat, da auch in anderen Teilen des Landes Erdbeben registriert wurden. Nach Angaben des IGN wird derzeit „eine konstante seismische Aktivität in verschiedenen Gebieten Spaniens registriert”. Vor zwei Tagen wurde beispielsweise in Málaga ein Erdbeben der Stärke 4,9 gemeldet. Die Gebiete mit relativer seismischer Aktivität auf der Halbinsel sind Galicien und die Pyrenäen, letztere aufgrund der Tatsache, dass sie vor Millionen von Jahren eine Kontaktzone zwischen der iberischen und der europäischen Subplatte war. (elcorreo-baskultur)
(2025-12-07)
IMMOBILIENPREISE IN DEN WOLKEN
Die Preise für Wohnungen steigen im Baskenland um 11% und damit stärker als während des Immobilien-Booms vor der Wirtschaftskrise von 2008. Der neue Boom hat seinen Ursprung im Gebrauchtmarkt, der einen Anstieg von 12,5% gegenüber 7,3% im Jahr 2007 verzeichnet.
Die Immobilienpreise im Baskenland scheinen keine Obergrenze zu kennen. In einer Zeit, in der der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum für immer mehr Baskinnen und Basken zum größten Problem geworden ist, steigen die Immobilien-Kosten erneut. Im dritten Quartal verteuerten sich Wohnungen um 11,6% gegenüber dem gleichen Zeitraum des Jahres 2024. Im Jahr 2007, als der Marktwert von Wohnraum seinen Höchststand erreichte, betrug der Anstieg 8%.
Die am Freitag vom spanischen nationalen Statistik-Institut INE veröffentlichten Daten bestätigen einen Aufwärtstrend, der sich vor allem auf dem Markt von Altwohnungen widerspiegelt, auf dem sich der Großteil der Kauf- und Verkaufs-Transaktionen konzentriert. Die Preise für Gebraucht-Wohnungen stiegen im letzten Geschäftsjahr um 12,5%, während die Preissteigerungen bei Neubauten Anzeichen einer Eindämmung zeigen. Die zwischen Juli und September angebotenen Neubau-Immobilien waren 8% teurer als im Vorjahr. Die Veränderung ist nach wie vor beeindruckend, aber geringer als die zwischen 2024 und 2023. Damals verteuerten sich die Neubauwohnungen um 14%.
Aber warum sind die Preise für Gebraucht-Wohnungen so stark gestiegen? Der Präsident der Immobilienmakler-Kammer von Bizkaia: “Da fast nichts gebaut wird, sind alle Interessenten auf der Suche nach einer Gebraucht-Wohnung, was zu einem Preisanstieg führt”. Weiter: “Es passiert etwas Ähnliches wie 2007. Wir schätzen der Wert einer Immobilie, der Eigentümer bietet sie 20% teurer an und schafft es auch noch, sie zu verkaufen”. Der Immobilien-Experte weist darauf hin, dass “das Angebot so knapp ist, dass die Interessenten nicht einmal verhandeln. Sie nehmen das Erste, was ihnen gefällt, aus Angst, dass jemand anderes ihnen das Objekt wegschnappt. Was bei den Mieten passiert ist, überträgt sich nun auf den Kauf.“
Dass die Preise weiter steigen werden, haben Experten der Branche bereits angekündigt. Der Verband der Bauunternehmer und Bauträger von Bizkaia (Ascobi) verteidigte bei der Vorstellung seines Jahresberichts, dass “die Preise für Wohnungen weiter steigen, wenn keine Gesetzes-Änderungen zur Beschleunigung des Baus vorgenommen würden“. “Die Produktionsrate im Baskenland liegt bei 2,8 Wohnungen pro tausend Einwohner, was es unmöglich macht, den aktuellen Bedarf zu decken”, beklagte der Sekretär des Verbandes. Neben dem Bauunternehmer-Verband vertritt auch das Unternehmer-Forum Zedarriak die Ansicht, dass das Baskenland “seit Jahren ein Bauniveau unterhalb des geschätzten Bedarfs aufrechterhält”. Sie warnen vor einem strukturellen Defizit von 1.500 Wohnungen.
Werden die Preise 2026 weiter steigen?
Experten sind sich einig, dass die Preise auch im nächsten Jahr weiter steigen werden. González versichert, dass “leider bis sich die Bauwirtschaft erholt hat“ der Markt für Gebrauchtimmobilien “weiter steigen wird, sogar über die Lebenshaltungs-Kosten hinaus“. Diese Prognose deckt sich mit der einiger Immobilienportale wie Pisos.com oder Fotocasa und sogar einiger Banken. Die BBVA prognostiziert, dass das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bis 2026 zu weiteren Preissteigerungen führen wird. Das Unternehmen weist darauf hin, dass zwar ein Aufschwung im Bauwesen in Spanien zu erwarten ist, dieser jedoch “weiterhin unzureichend sein wird und einen Preisanstieg von etwa 7% im nächsten Jahr nicht verhindern kann”. (elcorreo)
(2025-12-06)
DAS GUGGENHEIM URDAIBAI WACKELT
Nach einem abschließenden Anhörungs-Prozess fällt die Entscheidung über das umstrittene Doppel-Museum zwischen Gernika und Murueta am 16. Dezember bei einem Treffen am 16. Dezember in Bilbao. Trotz der Vorsicht der verschiedenen beteiligten Akteure deutet alles darauf hin, dass die Pläne der PNV erneut in der Schublade verschwinden werden. Der von einem Umfrageunternehmen durchgeführte Anhörungsprozess war zu eindeutig.
Deshalb wird sich der Stiftungsrat des Guggenheim-Museums Bilbao zusammensetzen, um die Zukunft des Projekts im Naturschutzgebiet zu analysieren, wie ein Fernseh-Portal berichtet. Wie andere Medienberichte der letzten Tage deutet alles darauf hin, dass dieser zweite Versuch der Provinz-Regierung von Bizkaia, zwei weitere Filialen des Museum in Busturialdea zu errichten, erneut in der Schublade verschwinden wird, obwohl er diesmal von der baskischen Regierung unterstützt wurde.
Am vergangenen Donnerstag antwortete die Direktorin der Pinakothek, Miren Arzalluz, auf Fragen der Medien knapp, dass “in Kürze eine Entscheidung über die Zukunft dieses Projekts getroffen wird”. Wenige Tage zuvor hatte der Bizkaia-Präsident der rechten PNV in pessimistischem Tonfall und vorbehaltlich der endgültigen Entscheidung des Kuratoriums darauf hingewiesen, dass “administrative Hindernisse”, die er als “bedeutend” erachtete, diese Initiative der PNV bremsen könnten.
Die Worte der Provinz-Präsidentin in der Plenarsitzung zur allgemeinen Politik, die im September von den Generalversammlungen in Gernika abgehalten wurde, waren hingegen eindeutig. Elixabete Etxanobe wies auf die Schwierigkeiten für die mittelfristige Durchführbarkeit des Projekts hin und erwähnte dabei Gerichtsverfahren, Dekontaminierungs-Arbeiten und städtebauliche Verfahren.
Diese Erklärungen erfolgten, nachdem das Umfrage-Institut Agirre Lehendakaria Center (ALC) Ende August den vorläufigen Bericht über den vom Provinzrat Bizkaia und der baskischen Regierung in Auftrag gegebenen Anhörungsprozess zur möglichen Erweiterung des Guggenheim Bilbao Museoa in Urdaibai vorgelegt hatte. Obwohl der Bericht eher vage formuliert war, zeigte er eine breite Ablehnung des Projekts in der Bevölkerung, was die Institutionen, die das Projekt vorantreiben, sprachlos machte.
“Vorherrschende” ablehnende Haltung
Am Freitag gab es weitere Einzelheiten. ALC hat im Rahmen des Anhörungsprozesses 950 Stellungnahmen gesammelt, die “vorherrschend” eine ablehnende Haltung gegenüber der Erweiterung des Museums in Urdaibai darstellt. Die Studie legte jedoch den Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region Bizkaia, nicht direkt auf das Museums-Projekt.
Dies geht aus den Schlussfolgerungen des internationalen Seminars hervor, das das Agirre Lehendakaria Center diese Woche abgehalten hat und das auf seiner Website veröffentlicht ist. Es lässt sich mit “Nein zur Erweiterung, Ja zur Entwicklung” zusammenfassen. “Das bedeutet nicht, dass dies quantitativ gesehen die Mehrheit ist, da es sich um eine qualitative Studie handelt, weshalb die Schlussfolgerungen von Prävalenz sprechen, das ist der Fachbegriff ”, erklärte das Forschungszentrum. Die endgültigen Ergebnisse des Anhörungsprozesses werden im kommenden Januar vorgestellt, und die internationalen Experten, die am Seminar teilgenommen haben, laden die Institutionen ein, die Ergebnisse zu berücksichtigen.
Das Agirre Lehendakaria Center hat diese Woche in Zusammenarbeit mit AC4 der Columbia University das akademische Seminar “Gemeinschaftliches Zuhören im Dienste sozio-ökologischer Übergangsprozesse” in Ekoetxea Urdaibai veranstaltet. Unter Beteiligung internationaler Wissenschaftler, die sich auf Governance-Systeme und partizipative Prozesse, Rechte der Natur, Stadtplanung, Architektur, Kunst und Tourismus spezialisiert haben, brachte das Treffen lokale Vertreter und Mitglieder der Gemeinschaft zusammen, um die Methodik und die Ergebnisse des Zuhörprozesses zu vergleichen und zu bereichern.
“Nachhaltige menschliche Entwicklung” im Eskualde
Zu den Schlussfolgerungen des Seminars, die auch die Columbia University in New York auf ihrer Website veröffentlicht, gehört, dass der Zuhörprozess einen Raum geschaffen hat, in dem die Bürger von Urdaibai ihre Meinungen darüber austauschen können, “wie solche Entscheidungen getroffen werden sollten, welche Stimmen einbezogen werden können und sollten und wie sichergestellt werden kann, dass ihre Bedürfnisse und Wünsche berücksichtigt werden”.
Darüber hinaus weisen sie darauf hin, dass das Museum “ein wichtiger Teil der Diskussion ist, aber der Prozess des Zuhörens uns dazu einlädt, den Fokus auf die Herausforderungen und Möglichkeiten für eine nachhaltige menschliche Entwicklung der Region zu legen. Die Befragung hat aus verschiedenen Perspektiven den Willen der Bürger deutlich gemacht, eine aktive Rolle in der Zukunft von Urdaibai zu spielen”.
Die Experten, die sich in diesen Tagen in Urdaibai versammelt haben, betonen, dass “es gut wäre, wenn die öffentlichen Institutionen die vorherrschenden Narrative für die zu treffenden Entscheidungen berücksichtigen würden“. Eine weitere Schlussfolgerung lautet, dass die Bereitschaft der öffentlichen Institutionen, diesen “offenen und tiefgreifenden“ Zuhörprozess zu schaffen, “ihre Überzeugung zeigt, sich für eine innovative und kooperative Regierungsführung einzusetzen“. “Unter Berücksichtigung der internationalen Erfahrungen, die auf dem internationalen Seminar vorgestellt wurden, wäre es gut, wenn die öffentlichen Institutionen (die diesen Prozess vorangetrieben haben) die vorherrschenden Narrative anhören und sie bei künftigen Entscheidungen berücksichtigen würden”, fügt er hinzu.
Außerdem weisen sie darauf hin, dass „niemand die Notwendigkeit in Frage stellt, den Umweltschutz mit der sozio-ökonomischen Entwicklung von Busturialdea zu verbinden”. “Die Institutionen engagieren sich für diese Entwicklung und werden versuchen, die bestehenden Bemühungen (Strategieplan) mit dem Zuhörprozess zu verbinden”. An dem Seminar nahmen renommierte internationale Experten und Wissenschaftler teil.
Neben der internationalen Delegation nahmen auch lokale Experten (EHU, Lokales Sekretariat 2030 der Vereinten Nationen), Forschungszentren (BC3, Arantzazu Lab), soziale Einrichtungen (Gernika Gogoratuz, EMUN, TZBZ), Bürgermeister der Region teil sowie Vertreter von Institutionen wie Ibone Bengoetxea, Vize-Präsidentin der baskischen Regierung, Elixabete Etxanobe, Provinz-Chefin von Bizkaia; Asier Aranbarri, Direktor für soziale Innovation; oder Alex Boto, Direktor von Ihobe. (naiz-baskultur)
(2025-12-05)
DEN LETZTEN STIER ZERSÄGT
Um die Jugend der baskischen Linken ist es still geworden in den letzten Jahren. Im parlamentarischen Dreigestirn zwischen Sortu, LAB und Ernai war nach den wilden Jahren der Kale Borroka keine Action mehr angesagt, dazu kam die harte Konkurrenz neuer Jugend-Organisationen wie Kontseilu Sozialista, die der Jugend ein deutlich spannenderes Aktionsfeld bietet, ohne grauhaarige Zeigefinger-Lehrer.
Jetzt hat die abertzale Jugend eine Kampagne in Gang gesetzt, die mediale Spuren hinterlässt und den Akteuren einen Hauch von Rebellentum und Revolution vermittelt, um einen vorläufigen Zwischenstopp der Tristesse einzuläuten. Als Objekte von solchem Aktionismus dienen bevorzugt spanische Symbole, von denen auch das Baskenland noch zu viele aufweist. Erst wurde auf einem Berg bei Elgoibar ein franquistisches Kreuz zu Fall gebracht, was einem Großteil der Bevölkerung ein “endlich“ entlockt hat oder zumindest ein “nicht schade darum“. Nur die katholische Rechte bäumt sich auf nach dem Verlust eines ihrer Symbole, ein solches Vorgehen sei einer Demokratie nicht würdig. Eben! Wer redet hier noch von Demokratie.
Die zweite Attacke galt einem Grenzposten Richtung Frankreich, der mit roter Farbe bemalt wurde, mit der “Unabhängigkeit“ gefordert wurde. Danach kam es zu einer Plakataktion gegen spanische Politiker, mehr oder weniger rechtsgerichtet, deren Köpfe in Visiere geklebt waren, dazu wollte sich niemand bekennen. Und schließlich wurde über eigene Kanäle der Angriff auf eines der ältesten Symbole des spanischen Staates dokumentiert, bei dem es sich auf den ersten Blick noch nicht mal um ein politisches Symbol handelt: der Osborne-Stier, der Ibero-Touristen seit Jahrzehnten an den Autobahnen begleitet. Dabei handelt es sich um weithin sichtbare, überdimensionale Metallgestänge, die das Firmen-Logo der Schnaps-Firma darstellen, in Anlehnung an den Stierkampf ein Macho-Symbol erster Klasse.
Der letzte dieser Metall-Stiere krönte einen kleinen Hügel in Rivabellosa, im baskischen Rioja-Gebiet. Ein Schandfleck weniger für die einen, ein “Akt des Vandalismus“ für alle, die rechts, spanisch oder beides auf einmal eingestellt sind. In den frühen Morgenstunden war der letzte Osborne-Stier im Baskenland fällig, der Fall der Konstruktion bedeutet freie Sicht auf die Autobahn A-1.
Den Umsturz, zu dem Ernai sich selbst in den sozialen Netzwerken bekannte, sie wurde mit der Begründung gerechtfertigt, dass “spanische Symbole im Baskenland keinen Platz haben”. Die Tat fand laut Video selbstverständlich nachts statt. Darin ist zu sehen, wie die Metallbasis des Alkohol-Tieres zersägt wird. Doch Vorsicht: was da jetzt flach auf der Schnauze liegt war nicht nur ein Stück Schrott, dieses Element gilt als kulturelles und künstlerisches Erbe, realistisch dargestellt bis zu den kräftigen Hoden.
Diese Aktion erfolgte nur wenige Tage, nachdem der Name José Lejarreta von einem Straßenschild im Stadtteil Judiendi in Gasteiz entfernt wurde, eines faschistischen Bürgermeisters; entfernt wurde ebenso die spanische Flagge vom Gebäude der Sozialversicherung, ebenfalls in Gasteiz. In einer Erklärung war von “Aktionen zugunsten der Unabhängigkeit und gegen das Spaniertum” die Rede. Ziel sei es, “die Zukunft von Euskal Herria zu sichern und ein Land ohne Unterdrückung aufzubauen”.
Diese Stier-Silhouette der Rioja Alavesa war eine der letzten einer Liste von insgesamt neunzig, die über das nationale Straßennetz verteilt waren. Diese Werbetafeln der Firma Osborne wurden in den 60er Jahren aufgestellt. In den 80er Jahren wurde jedoch ein Gesetz erlassen, das Werbung an Straßen verbot, was zunächst das Ende für diese Stiere bedeutete. Schließlich wurde diese Art von Matschismus und Alkohol-Werbung begnadigt, da die Gestelle zu einem Symbol erklärt wurden, die als Teil der Geschichte der spanischen Straßen erhalten bleiben sollten.
In Tudela hatte Ernai im Oktober 2024 die gleiche Aktion durchgeführt: das Ende des letzten Macho-Stieres in Navarra war besiegelt. Mit derselben Begründung. Alle Aktionen sind mit Sicherheit begrüßenswert, und von großem symbolischem Wert. Ob damit der Weg in die Unabhängigkeit asphaltiert werden kann, ist eine andere Frage. Die Jugend braucht eben Abenteuer, die es im Parlament nicht zu erleben gibt. (baskultur)
(2025-12-04)
DIE GOTTLOSEN BASKEN
Das Baskenland ist die autonome Region mit den meisten Atheisten. Vier von zehn Menschen sind nicht gläubig, obwohl “andere spirituelle Realitäten” und “die Kraft der Natur” an Bedeutung gewinnen. Die heutige Gesellschaft ist in Bezug auf Glauben von einer “fragmentierten religiösen Landschaft” geprägt, die durch einen “Niedergang” traditioneller Glaubensrichtungen und das Aufkommen anderer “diffuser” und “heterodoxer” Glaubensrichtungen gekennzeichnet ist. Diese neue Art der Spiritualität gewinnt auch im Baskenland an Boden. Kennzeichnend ist jedoch, dass sich nirgendwo anders mehr Menschen offen als Atheisten bekennen.
Dies geht aus dem ersten Barometer über Religion und Weltanschauung im spanischen Staat hervor, das kürzlich von der Stiftung Pluralismus und Zusammenleben vorgestellt wurde, die dem Ministerium für Präsidentschaft, Justiz unterstellt ist. Bis zu 40% der Basken bezeichnen sich als Atheisten oder Nichtgläubige, gegenüber 28% auf staatlicher Ebene. “Immer mehr Personen hören auf mit dem Glauben”, erklärt Gorka Urrutia, Direktor des Instituts für Menschenrechte der Universität Deusto und Doktor für Internationale und Interkulturelle Studien. Der Experte, der an der Ausarbeitung der Fragen für die Makroumfrage beteiligt war, geht davon aus, dass der Rückgang in den letzten Jahrzehnten vor allem mit dem katholischen Christentum zusammenhängt und beeinflusst wird durch “Antiklerikalismus, Skandale und die Tatsache, dass viele Menschen die Kirche als altmodisch empfinden“.
Trotzdem bezeichnen sich immer noch “34%” der Basken als katholisch (der nationale Durchschnitt liegt bei 46%). Er vermutet, dass dieser Prozentsatz “weiter sinken wird”, betont jedoch das Engagement der Gläubigen für ihre Religion. Dennoch würden auch in der stark säkularisierten Gesellschaft “33%“ der im Baskenland Befragten ihre Kinder taufen lassen würden (oder einen ähnlichen Ritus in ihrer Religion durchführen würden). Von Befragten hatten noch 96% diese Zeremonie durchlaufen. Neben einem Glauben an einen “Gott“ halten sich mittlerweile viele an andere Elemente wie “Mutter Erde, die Natur”. Dieser “Wandel der Bezugspunkte” wird auch in der Analyse der Stiftung aufgegriffen, die jedoch nicht im Detail auf das Aufkommen anderer Konfessionen im Baskenland eingeht und deren Anteil auf 4% beziffert.
Das Dokument erwähnt, dass 25% der Basken davon ausgehen, dass es eine einzige Gottheit gibt. Weitere 23% sind jedoch der Meinung, dass “es eine Art spirituelle Realität oder Lebenskraft gibt”, und 9% glauben “an die Kraft der Natur und Mutter Erde”. Daher glauben 29% an die Existenz der Seele, 33% an Energien, 22% an ein Leben nach dem Tod. Diese Zahlen liegen jedoch weit unter dem spanischen Durchschnitt, der zwischen 35% und 45% liegt. Obwohl es sich beim Baskenland um die am stärksten säkularisierte Gemeinschaft handelt, zeigen die Daten des Berichts, dass es dennoch einer der Orte mit der geringsten religiösen Diskriminierung ist. Nur 1% stellt fest, wegen Kleidung oder Symbolen, die mit Glauben in Verbindung stehen, ausgegrenzt oder misshandelt worden zu sein, drei Prozentpunkte weniger als im Landes-Durchschnitt. Nur weitere 1% (der Durchschnitt liegt bei 4%) sind auf “Hindernisse” bei der Ausübung religiöser Aktivitäten im öffentlichen Raum gestoßen.
Nur 45% (52% auf Landesebene) befürworten die religiöse Betreuung durch Angehörige aller Konfessionen in Krankenhäusern und Gefängnissen, weitere 60% stehen dem Tragen von Kleidung oder Symbolen, die mit einem bestimmten Glauben in Verbindung stehen, positiv gegenüber, was ebenfalls unter dem Landesdurchschnitt (65%) liegt. Diese Unterschiede zwischen der Praxis, also der Nichtdiskriminierung, und der Theorie, also dem, was die Gesellschaft glaubt, sind nach Ansicht von Urrutia darauf zurückzuführen, dass bei der Beantwortung der Fragen vor allem an die katholische Religion gedacht wird. “Im Baskenland gibt es stark antiklerikale Kreise, die entweder aus Ablehnung des Katholizismus oder weil sie offener für Vielfalt sind, befürworten, dass andere Konfessionen die Möglichkeit haben, ihre Religion “so zu leben, wie sie wollen”. Er stellt fest, dass in anderen Regionen (im Gegensatz zum Baskenland) zwar Riten der katholischen Kirche respektiert werden, nicht aber solche von anderen Religionen“. (elco-baskultur)
(2025-12-03)
DER MÜLL IST IMMER UND ÜBERALL
Umweltschützer fordern Maßnahmen gegen die 1.562 illegalen Müllkippen in Araba, Bizkaia und Gipuzkoa. Die Ökologie-Gruppe Ekologistak Martxan (Ökologinnen Marschieren) fordert die verschiedenen Behörden auf, Maßnahmen gegen die 1.562 verlassenen Müllkippen zu ergreifen, von denen 1.120 als gefährlich eingestuft werden. Die Organisation stellt ein IT-Tool vor, mit dem Informationen über diese kontaminierten Böden zugänglich gemacht werden sollen. Die Organisation hat mehrere Fälle angeführt, in denen trotz der seit Jahren vorgebrachten Beschwerden die verschiedenen Behörden nicht handeln und wenn sie es doch tun, dann nur, weil es Projekte von wirtschaftlichem Interesse in diesen Gebieten gibt.
Die Situation der potenziell kontaminierten Böden gibt Anlass zur Sorge wegen ihrer Auswirkungen auf die Luft-, Boden- und Wasser-Qualität sowie die Gesundheit der Menschen. Um dieses Problem zu lösen, “das unsere Zukunft belastet”, hat Ekologistak Martxan ein IT-Tool entwickelt, um deutlich zu machen, wie diese Deponien zu behandeln sind. „Es ist notwendig, diese Böden zu untersuchen, um ihren Inhalt und ihre Auswirkungen zu kennen, sie als kontaminierte Böden zu deklarieren und ihre Schließung und Versiegelung oder Regenerierung vorzunehmen, was seit 2008 vorgeschrieben ist”.
Die verwendeten Basis-Informationen stammen von Ihobe, zu denen die Umweltschützer ihre eigenen Daten hinzugefügt haben, die sie im Laufe ihrer jahrelangen Arbeit gesammelt haben. Nun möchten sie, dass die Bürger Zugang zu diesen Informationen erhalten, um Beiträge zu leisten und Lösungen zu fordern. Darüber hinaus erwarten sie, dass die Regierung und andere Behörden die Gesetze und Vorschriften einhalten und durchsetzen, und dass sie gemeinsam und in Zusammenarbeit mit allen beteiligten Akteuren einen Aktionsplan mit einem Zeitplan aufstellen.
Gerade die Tatsache, dass bei der Sanierung und Versiegelung der verlassenen Deponien keine Fortschritte erzielt werden, bereitet ihnen Sorge. Das Verzeichnis der Böden, auf denen potenziell umweltverschmutzende Aktivitäten oder Anlagen betrieben werden oder wurden, umfasst 1.562 Deponien in der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlandes: 258 in Araba, 616 in Bizkaia, 451 in Gipuzkoa und 237 ohne Dokumentation oder ohne Datenblatt, nur mit einer registrierten Parzelle.
Wenn alle Fristen für Maßnahmen an den Mülldeponien überschritten wurden, gilt Ähnliches für eine andere Richtlinie, die Vorschriften festlegte, um die Verschlechterung des Zustands der Gewässer in der EU zu stoppen und bis 2015 einen “guten Zustand” von Flüssen, Seen und Grundwasser zu erreichen. “Es wurde eine Verlängerung nach der anderen beantragt. Es gibt viele schöne Worte, aber dieses ungelöste Problem wird nicht angegangen”, erklärte Javi Vázquez, der die Institutionen dazu aufforderte, “sich endlich an die Arbeit zu machen”.
Vier Beispiele
Der erfahrene Umweltaktivist und Anwalt Carlos Alonso hat vier Beispiele angeführt, darunter die ehemalige Mülldeponie von Artxanda auf dem Berg San Bernabé, die 1976 geschlossen wurde und auf der das Unternehmen Berriz Recycling ein neues Projekt gestartet hat, das aufgrund von Erdrutschen und dem Auftreten von giftigem Lindan die Sanierung der alten Deponie erforderlich gemacht hat. In der Nähe des Ortes wurde 2019 ebenfalls das Vorhandensein dieses gefährlichen Schadstoffs gemeldet.
Laut Ekologistak Martxan gibt es auf dem Bergkamm von Artxanda zwischen Enekuri und Santo Domingo 15 Müllkippen, davon vier für gefährliche Abfälle. Nicht weit davon entfernt, in Sondika, befindet sich die ehemalige Deponie für Industrieabfälle des Unternehmens Asua Products, auf der vor etwas mehr als zwei Jahrzehnten Materialien abgelagert wurden, die zur Stabilisierung von Farben und Kunststoffen verwendet wurden. Trotz der im März 2021 eingereichten Anzeige gelangen die Sickerwässer weiterhin in den Fluss Asua, einen der am stärksten verschmutzten Flüsse der Autonomen Gemeinschaft Baskenland.
Ein weiteres Beispiel ist die ehemalige Deponie von Etxe-Uli in Santurtzi, durch die der Fluss Ballonti fließt. Vázquez hat angeprangert, dass jahrzehntelang „nichts unternommen wurde” und dass verschiedene Verwaltungen 2024 eine Vereinbarung unterzeichnet haben, die den Bau eines neuen Industriegebiets ermöglicht. “Sehen heißt glauben. Wir werden sehen, ob der Fluss gereinigt und wiederhergestellt wird”, fügte er hinzu.
Er erwähnte auch eine weitere Deponie in Jata, auf der bis vor einigen Jahrzehnten die festen Siedlungsabfälle von Mungia gelagert wurden und wo nach einem Erdrutsch im Jahr 2017 Lindan nachgewiesen wurde. Wie er angab, sind für 2026 verschiedene Maßnahmen zur Sammlung von Sickerwasser geplant. “All dies ist den Behörden seit Jahrzehnten bekannt, und seit Jahrzehnten verschmutzen sie die Umwelt, ohne dass etwas unternommen wird; es ist kein Problem der Unkenntnis, sondern des mangelnden politischen Willens“, betonte Alonso.
Darüber hinaus kritisierte die Vereinigung, dass “Maßnahmen an diesen kontaminierten Böden nur aus wirtschaftlichem Interesse ergriffen werden, nicht um diese Böden zu sanieren und zu renaturieren, sondern um neue wirtschaftlich interessante Aktivitäten zu ermöglichen, wie beispielsweise die Sanierung der Böden in Barakaldo für die Entwicklung des Megaparks, die Erweiterung des Flughafens in Loiu oder das Projekt eines Industriegebiets auf dem Gelände der Deponie von Etxe Uli“. (naiz-baskultur)
(2025-12-02)
910 MENSCHEN AUF DER STRASSE
Mindestens 910 Menschen in Bizkaia sind gezwungen, in Parks, Wäldern und Pavillons zu schlafen. Das sind fast dreimal so viele wie im Jahr 2022, als 340 Menschen ausgemacht wurden, die an ungeeigneten Orten übernachten mussten. Ein Park, ein Geldautomat, ein Tunnel, ein Auto, ein Abstellraum, ein Wald, ein Gebäude in Ruinen ... das sind einige der Orte, an denen fast Tausend Personen in in der baskischen Provinz Bizkaia übernachten müssen. Es handelt sich um so genannte Obdachlose, die aus unterschiedlichen Gründen kein regelmäßiges Dach über dem Kopf haben. Obwohl die Studie über schwere Ausgrenzung, die alle zwei Jahre von der baskischen Regierung in Zusammenarbeit mit den Gemeinden erstellt wird, auch diejenigen erfasst, die die Nacht in öffentlichen Einrichtungen und sozialen Einrichtungen verbringen, hat sich diese Zahl zwischen 2022 und 2024 kaum verändert, sie stieg von 1.329 auf 1.372.
Diese Analyse wurde gestern im Rahmen der Tagung zu diesem Phänomen vorgestellt, die das Ministerium für Soziales, Jugend und Demografie seit 2014 alle zwei Jahre veranstaltet. Die Daten stammen aus einer Zählung, die Ende Oktober letzten Jahres durchgeführt wurde, als fast 800 Freiwillige und Fachleute etwa 30 Gemeinden – darunter 16 in Bizkaia – durchstreiften, um Obdachlose ausfindig zu machen. Es handelt sich also um eine Schätzung, da die Teilnehmer nicht die gesamte Provinz abdeckten und auch keine “unsicheren“ Orte aufsuchten.
Die meisten der in jenem Moment in Bizkaia in ungeeigneten Unterkünften lebenden Personen, nämlich 605, wurden in Bilbao ausfindig gemacht. Weitere 130 wurden in Getxo verortet, gefolgt von Barakaldo (60), Erandio (25) ... Drei von zehn übernachteten an üblichen Orten wie Plätzen, Parks oder Geldautomaten, obwohl auffällig ist, dass die gleiche Anzahl von Menschen (266) in bewaldeten, natürlichen und ländlichen Gebieten Schutz suchte. Diese Siedlungen, die in Bizkaia (29,2% aller Obdachlosen) häufiger vorkommen als in Álava (1,6%) und Gipuzkoa (21%), haben in den letzten zwei Jahren in der Region stark zugenommen. Im Jahr 2022 konnten die Freiwilligen nur 61 Obdachlose in dieser Situation ausfindig machen, viermal weniger als zuvor.
2.282 Menschen leben in Bizkaia in Wohnverweigerung
304 schlafen in Notunterkünften, 910 auf der Straße und 1.068 in speziellen Einrichtungen für Flüchtlinge, Opfer häuslicher Gewalt. Männer unter 30 Jahren mit ausländischer Herkunft machen 40% der Obdachlosen in Bizkaia aus.
Bei der Zählung im Jahr 2024 wurde die Mehrheit derjenigen, die in kleinen Gruppen in Zelten oder Hütten in abgelegenen Gebieten außerhalb der Stadtzentren übernachteten, in Bilbao gezählt, 186 an der Zahl. In Getxo wurden weitere 64 Personen gezählt. Dieser Anstieg bei diesem Profil von Obdachlosen (336% in zwei Jahren), der über dem Anstieg derjenigen liegt, die an anderen Orten übernachten (130,8%), hängt auch mit Faktoren wie Alter und Herkunft zusammen. Obwohl das Dokument selbst hervorhebt, dass insbesondere seit 2018 “ein signifikanter und anhaltender Anstieg” der Obdachlosigkeit “sowohl in den drei baskischen Hauptstädten als auch in einigen Gemeinden des Großraums Bilbao” zu verzeichnen ist, betrifft dieser Anstieg vor allem Personen, die zwei ganz bestimmte Merkmale aufweisen: Sie sind unter 30 Jahre alt und in einem anderen Land geboren.
Der Bericht befasst sich mit dieser Frage auf der Ebene des Baskenlandes insgesamt und berücksichtigt sowohl diejenigen, die auf der Straße schliefen (1.556 in der Autonomen Gemeinschaft), als auch diejenigen, die in Nachtunterkünften schliefen (558), insgesamt 2.114 Personen. Während 2016 die jüngsten 25% der in diesen Einrichtungen lebenden Personen ausmachten (etwa 180 Personen), waren es bei der letzten Zählung bereits 42% (777 Personen). In Bezug auf die Herkunft zeigt die Analyse, dass im Ausland geborene Menschen bereits 84% ausmachen, während es 2012 noch 69% waren.
Innerhalb von zwei Jahren ist die Zahl der in Wäldern des Landes aufgefundenen Personen von 61 auf 266 gestiegen. Fast die Hälfte der 864 befragten Obdachlosen, nämlich 48,6%, absolvieren eine Ausbildung, um einen Arbeitsplatz zu finden. Zählt man beide Gruppen zusammen, machen junge Männer aus anderen Ländern 40% der Obdachlosen aus. Der Anteil der bis zu 30-jährigen Männer spanischer Herkunft liegt hingegen zwischen 1 und 3%. Die meisten im Ausland geborenen Menschen, die von Wohnraum-Ausgrenzung betroffen sind, stammen aus dem Maghreb (79,4%), gefolgt von Menschen aus dem übrigen Afrika (9,5%), Amerika (5,3%) und anderen europäischen Ländern (4,6%).
Dieses jüngere Profil bedeutet auch, dass der Anteil derjenigen, die studieren, hoch ist. Die im Rahmen der nächtlichen Zählung durchgeführten Interviews mit 864 Personen zeigen, dass 48,6% derjenigen, die den Freiwilligen geantwortet haben, “studieren oder eine Ausbildung absolvieren, um ihre Beschäftigungs-Fähigkeit zu verbessern”, ein Prozentsatz, der “fast gleich” ist mit dem Anteil derjenigen, die nicht studieren.
Arbeit und Studium
Bei den unter 30-Jährigen befinden sich fast 65% in einer Ausbildung. Zwei von zehn Obdachlosen gehen außerdem “irgendeiner bezahlten Arbeit oder Tätigkeit” nach, vor allem im Schrottgeschäft (47,1%, Sammeln von Metallmüll), im Baugewerbe (7,1%) und in der Instandhaltung (6,5%). Die persönlichen Interviews geben auch Aufschluss über ihre Situation – 80% der Menschen aus anderen Ländern haben beispielsweise keine Aufenthalts-Genehmigung – und darüber, wie sie auf der Straße gelandet sind. In diesem Zusammenhang machen 74,5% strukturelle Faktoren für ihre Obdachlosigkeit verantwortlich. Als Gründe für ihre Obdachlosigkeit nennen sie wirtschaftliche Probleme (46,5%), Probleme am Arbeitsplatz (35,1%) und Hindernisse aufgrund ihres irregulären Aufenthalts-Status (31,3%). Nur 21,3% geben persönliche Gründe an, wie Alkohol- und Drogenprobleme (7,3%), familiäre Probleme (10,3%).
Auf die Frage nach den verschiedenen Unterstützungs-Maßnahmen, die sie benötigen würden, um von der Straße wegzukommen, nannten 43,8% der Befragten als erste Option eine Wohnung oder ein Zimmer, gefolgt von der Regularisierung ihres Aufenthalts-Status (17,8%) und dem Zugang zu einem Arbeitsplatz (16,9%).
Drei von zehn haben “schwere oder chronische” Gesundheitsprobleme
Bei der letzten Zählung nahmen 864 der 2.111 Personen, die auf der Straße oder in Notunterkünften im Baskenland aufgefunden wurden, an einem Einzelinterview teil. Und drei von zehn haben „schwere oder chronische Gesundheitsprobleme”. Unter denjenigen, die Erkrankungen angaben, sind in 26 % der Fälle Traumata und osteoartikuläre Erkrankungen sowie Probleme der Atemwege (24,8 %) hervorzuheben, wie aus dem letzten Bericht über die Situation von Menschen mit schwerer sozialer Ausgrenzung im Baskenland hervorgeht. Ebenfalls häufig vertreten (22,4 % unter denjenigen, die an einer Erkrankung leiden) sind „psychische Störungen und Erkrankungen”. Erkrankungen, die seit Jahren bestehen, sind bei Frauen (45,5% der Befragten) häufiger als bei Männern (27,3%). Es gibt auch einen großen Unterschied zwischen im Ausland geborenen Personen (25%) und Einheimischen (45,6%). Einer der auffälligsten Aspekte ist jedoch, dass unter denjenigen, die angeben, an einer schweren oder chronischen Krankheit zu leiden, diejenigen, die versichern, eine Behandlung für alle ihre Probleme zu erhalten (34,6%), weniger sind als diejenigen, die angeben, keine Behandlung zu erhalten (39%). 60,9% der Befragten hatten in den letzten drei Monaten jedenfalls öffentliche Gesundheitsdienste in Anspruch genommen, sowohl in der Grundversorgung als auch in der Facharzt- und Krankenhaus-Versorgung. (elcorreo-baskultur)
(2025-12-01)
MENSCHENRECHTS-PREIS FÜR FRANCESCA ALBANESE
Francesca Albanes wird den René-Cassin-Menschenrechtspreis 2025 erhalten. Die UN-Sonder-Berichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, wird von der baskischen Regierung den René-Cassin-Preis 2025 als Anerkennung für ihren Einsatz für die Menschenrechte erhalten: “für ihr unermüdliches Eintreten für die Grundrechte und das humanitäre Völkerrecht”.
Mit dieser Auszeichnung möchte die Jury ihre berufliche Laufbahn und ihre Unabhängigkeit würdigen und anerkennen. “Geleitet von den Grundsätzen der Legalität, Gerechtigkeit und Menschenwürde hat sie dazu beigetragen, die Situation der von der Besatzung und dem Konflikt betroffenen Menschen in Palästina sichtbar zu machen und die Rechenschaftspflicht und die wirksame Achtung der universellen Rechte zu fördern”, erklärte die Vergabe-Jury. Die baskische Regierung erinnerte daran, dass der René-Cassin-Preis 2003 ins Leben gerufen wurde, um herausragende Aktivitäten zur Verteidigung der Menschenrechte öffentlich anzuerkennen.
Wahrheit und Schutz der Schwachen
Nach Prüfung der eingereichten Vorschläge hat die Jury beschlossen, die Sonder-Berichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete auszuzeichnen, „weil sie eine Verteidigerin der Menschenrechte ist, die sich für die Wahrheit und den Schutz der Schwächsten einsetzt“. Nach Ansicht der Jury “verrichtet die Italienerin Francesca Albanese ihre Arbeit mit Sorgfalt, Mut und Treue zu den Werten, auf dem das internationalen Menschenrechts-System basiert”.
Arbeit bei der UNO
“Durch ihre Arbeit bei den Vereinten Nationen hat Francesca Albanes dazu beigetragen, Menschenrechts-Verletzungen sichtbar zu machen, Straflosigkeit anzuprangern und die wirksame Einhaltung internationaler Normen zu fordern, um Menschen in Konflikt- und Besatzungs-Situationen zu schützen“, heißt es in der Begründung für die Preisvergabe. Die Mitglieder der Jury erklärten, dass die Arbeit der Preisträgerin auf “juristischer Strenge, unabhängigem Urteilsvermögen und der festen ethischen Überzeugung“ beruht, die die Aufgabe der Wahrung der Menschenrechte auf internationaler Ebene leiten müsse.
Ebenso erinnerte die Jury an “die bewaffneten Konflikte, die die Welt erschüttern und die Einhaltung der Menschenrechte verhindern“. Insbesondere “wenn das humanitäre Völkerrecht verletzt wird oder zivile Ziele absichtlich angegriffen werden, was Tod und Leid verursacht, wie es in der Ukraine, im Sudan und in Palästina der Fall ist“. Aus diesem Grund hat die Jury zu “Frieden und Gerechtigkeit in diesen und anderen Konflikten und zur Achtung des Völkerrechts sowie zur Beendigung der Straflosigkeit aller internationalen Verbrechen, unabhängig von deren Urhebern“ aufgerufen.
In den vergangenen zwei Jahren des Völkermordes in Gaza ist Francesca Albanese zu einer wichtigen Stimme der Stimmlosen geworden, die die fortwährenden zionistischen Menschenrechts-Verbrechen beständig verurteilte. Wegen dieser Arbeit wurde sie in den USA zur “unerwünschten Person“ erklärt, in Deutschland wurde ihr öffentliches Auftreten bei Informations-Veranstaltungen be- und verhindert. Diese Aggressionen sind nicht nur als persönliche Angriffe auf die Person Francesca Albanese zu interpretieren, sondern auch als Diffamierung der Arbeit der Vereinten Nationen, von denen Albanese beauftragt wurde. Im Baskenland hingegen wird die Arbeit der UN-Beauftragten hoch geschätzt, weit über die aktive Solidaritäts-Bewegung hinaus, was seinen Niederschlag fand in dem Vorschlag, Francesca Albanese den Cassin-Preis zu verleihen.
Die Verleihung des René-Cassin-Preises 2025 findet am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, in den Räumen des öffentlichen baskischen Fernsehens EITB in Bilbao statt. Die Veranstaltung wird vom baskischen Ministerpräsidenten Imanol Pradales geleitet und findet in Anwesenheit der Senatorin für Justiz und Menschenrechte statt.
René Cassin
Der Preis ist nach René Cassin benannt, der am 5. Oktober 1887 in Baiona (französisches Baskenland) geboren wurde und als wichtigster Inspirator der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gilt. Cassin erhielt 1968 den Friedens-Nobelpreis für seinen unermüdlichen Einsatz für die Menschenrechte. Zu den Personen und Organisationen, die mit dem René-Cassin-Preis ausgezeichnet wurden, gehören die UNRWA, die Zivilgesellschaftliche Vereinigung Abuelas Plaza de Mayo aus Argentinien, Federico Mayor Zaragoza, der nordirische Pastor Alec Reid, Koro Erdozia Lasa, Elisa Loncon Antileo, Dora María Téllez und die Internationale Kommission gegen die Todesstrafe ICDP. (naiz-baskultur)
FOTOS:
(*) Tagespresse
(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-12-01)
