Die Kolumne

Mit der Kolumne wird der Artikel-Charakter von BASKULTUR erweitert um Aktualität und kritische Kommentare. Der monatliche Beitrag wird (fast) täglich ergänzt mit derzeitigen Ereignissen.

kolu68x00Die Sorgen der Zeit

Krieg ist weit weg und doch so nah. Aus baskischer Sicht ist der weit entfernte Krieg der nächstliegende: Palästina ist dauerpräsent. Ukraine ist ein Thema aus den Nachrichten, neben Trump, seinen Zöllen und der Qualifikation von Athletic für die Champions. Besorgt sind Bask*innen wegen der Immobilien- und Miet-Preise, wegen des zunehmenden Massen-Tourismus und wegen der Pläne, alle Berge mit Windrädern vollzustellen. Unternehmer sind besorgt, dass eine 35-Stunden-Woche ihre Profitrate reduziert.

kolu64a00Kalt wie Grönland

Der Februar ist nicht so kalt wie er sein müsste, aber der August war schließlich auch heißer als er sein müsste. Keine Logik, heiß und kalt. Ein kalter Ofen sorgt in Laudio (Araba) für heiße Gemüter, weil ein US-Multi die Glas-Herstellung einfrieren will, 171 Arbeitsplätze schmoren dabei weg. Auch die Streiks in den Schulen gehen in die heiße Phase, zu viel Stress und Schülerinnen, zu wenig Personal. Bei so viel Kälte sorgt nur noch die Kathedrale San Mames für akzeptable menschliche Wärme.

kolu67x00Für Frieden oder gegen Krieg

Die Rüstungs-Debatte ist definitiv auch im spanischen Staat und im Baskenland angekommen. Auf unterschiedliche Art, doch wurde beiderseits schnell entschiedener Widerstand deutlich. Die baskische Anti-Kriegs-Bewegung hat drei Ziele fixiert: die einheimische Kriegs-Industrie, die erneut drohende Wehrpflicht, den Völkermord in Gaza und die anstehenden Sozialkürzungen. Dass der Kicker-Club Athletic in diesem Monat noch Europa-Cup-Sieger werden könnte wird angesichts dessen zum historischen Detail.

kolu63a00Gestern am Abgrund

Urte berri on – sagen Baskinnen, wenn sie treuherzig das alte Jahr verabschieden und für das neue von Herzen eine spürbare Besserung wünschen: “Jahr neu gut“. Nichts ist weiter von der Realität entfernt. 2025 beginnt mit einer kräftigen Preiserhöhung, Energie, Lebensmittel, Mieten – nicht jedoch bei den Einkünften. Die Armut-Reichtum-Schere der kapitalistischen Gesellschaften klafft weiter auseinander. Die Hoffnung lebt woanders: Rebellion, weil die Luft zum Atmen knapp wird (Frantz Fanon).

kolu66a00Vaterlands-Tage

Vor 39 Jahren lehnte die Bevölkerung im Baskenland den Fortbestand des spanischen Staates in der NATO ab, selbiges geschah auch in Katalonien, in Nafarroa und auf den Kanarischen Inseln. Der Staat blieb dennoch im nord-atlantischen Kriegsverband, weil die übrigen Regionen anders stimmten. Nicht nur wegen dieses Erfolgs beim Referendum bleibt die antimilitaristische Bewegung stark. Beklagt wurde zuletzt vor allem die baskische Doppelmoral zwischen Bomben-Opfer der Nazis und aktueller Militärindustrie.

kolu62a00Friede den Hütten

Weihnachten in Valencia, wo der Schlamm noch fußhoch steht. Weihnachten in Gaza, wo weiter Bomben fallen wie Sternschnuppen. Weihnachten in Bilbao, wo 500 Obdachlose verzweifelt einen trockenen Platz für die Nacht suchen. Schon alle Weihnachtsgeschenke besorgt? Black Friday in der Innenstadt. Alles billiger! Nimm drei – Zahl zwei! Kaufrausch-Rennen zum Betäuben künstlicher Konsumwünsche. Nie waren so viele flimmernde Lichter in den Straßen von Bilbao montiert, was sind wir alle doch glücklich.

kolu65a00aArbeit macht krank

Unternehmer, Politik und rechte Medien haben das Thema Krankenstand im Baskenland schon länger als Speerspitze gegen die starken baskischen Gewerk-schaften ausgemacht. Absentismus wird der Sachverhalt genannt, den Begriff “blau machen“ kennen weder die spanische noch die baskische Sprache. Die Hafen-, Kreuzfahrt- und Industriellen-Stadt Getxo schlägt in den Abwesenheits-Statistiken alle Rekorde, vermeidet aber konsequent die Ursachensuche, 16 Prozent Arbeitsausfall ist eine beachtliche Leistung.

kolu61a00Winterliche Mobilisierungen

Die gesellschaftliche Rechts-Entwicklung findet nicht allein in xenophoben oder homophoben Diskursen ihren Ausdruck, auch “mangelnde Sicherheit“ wird in die Schlacht geworfen. Dass Donostia “erstickt“ ist keine fehlgeleitete Metapher, sondern Ausdruck der Folgen des Massentourismus. Das Guggenheim-Projekt im Urdaibai-Schutzgebiet wurde vorübergehend auf Eis gelegt: wegen Hindernissen oder zur Vorbereitung einer Attacke aus dem Hinterhalt. In Grönland schmilzt das ewige Eis. Grönland ist überall.

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