Die Kolumne

Mit der Kolumne wird der Artikel-Charakter von BASKULTUR erweitert um Aktualität und kritische Kommentare. Der monatliche Beitrag wird (fast) täglich ergänzt mit derzeitigen Ereignissen.

kolu74x00Menschenrechte

Dezember ist der Monat der Buch- und Musikmesse in Durango. Er beginnt mit dem Tag der baskischen Sprache – welches Land muss einen Tag der eigenen Sprache feiern, wenn sie nicht unterdrückt und marginalisiert wird. Internationale Frauentage gäbe es nicht, wenn Frauen nicht unterdrückt wären. Dem Euskara-Tag folgt der weihnachtliche Konsumterror, voran geht der Tag, an dem die Bauern ihre Produkte in die Stadt bringen – heiliger Thomas – um die Pacht zu zahlen und zur Messe zu gehen. Auf Baskisch.

kolu70x00Bis zum Umfallen

Wer im Baskenland dem Massen-Tourismus entfliehen will, macht im August Urlaub und fährt weit weg, um dem Massen-Tourismus an anderer Stelle am Laufen zu halten. Manche müssen im August Urlaub nehmen, weil der Betrieb schließt, ob sie nun Geld haben für eine Reise oder nicht. Wieder andere haben Urlaub, können aber auf keinen Fall weg, weil sie die örtlichen Fiestas auf keinen Fall verpassen wollen, das gilt für Gasteiz, Donosti und Bilbo, und für so manche anderen Orte wie Gernika oder Portugalete.

kolu73x00Zehn Jahre Besetzung

Highlight des Monats ist zweifellos das Freundschafts-Länderspiel der baskischen Fußball-Auswahl (Euskal Selekzioa) und des Palästina-Nationalteams im Stadion San Mames von Bilbao. Dabei geht es nicht um ein Ergebnis, sondern um den Ausdruck beispielloser baskischer Solidarität. Drei Wochen vor Anstoß ist das Stadion ausverkauft, der Erlös geht an das UNO-Hilfswerk Palästina. Im Schatten des Sport-Ereignisses steht das 10-jährige Jubiläum der Besetzung eines Schulgebäudes in Bilbao: Karmela.

kolu69x0700Tanz und Vergnügen

Ende Juni haben alle sozialen Bewegungen noch mal ihre letzten Reserven in die Waagschale geworfen, um ihre politischen Inhalte so heiß wie möglich durch den Sommer zu bringen. Denn im Juli ist alles anders: Ferien, Urlaub, Jaiak, Fiestas, Konpartsak, Kalimotxo, Konzerte, Thekenschichten, Entspannung. Oder Organisierung der lokalen Fiesta. Nichts ist wie vorher, nicht wie die übrigen 10 Monate. Zehn plus eins macht elf, dann kommt der August, an den sich im September niemand mehr erinnern will.

kolu72x00Palästina ist überall

Wenn die spanische Rechte den 12. Oktober als “Begegnung der Kulturen“ oder als vor ultra-Nationalismus triefenden “Tag der Hispanität“ feiert, schalten viele Ohren im Baskenland auf Durchzug. Oder sie erinnern ausdrücklich an den Völkermord an den indigenen Ureinwohner*innen des amerikanischen Kontinents, der nach 1492 auf die “Entdeckung“ durch Kolumbus folgte. Eigentlich ein bezahlter Feiertag, den jedoch viele (auch Gewerkschafter) nicht wollen und deshalb ganz bewusst arbeiten gehen.

kolu68x00Die Sorgen der Zeit

Krieg ist weit weg und doch so nah. Aus baskischer Sicht ist der weit entfernte Krieg der nächstliegende: Palästina ist dauerpräsent. Ukraine ist ein Thema aus den Nachrichten, neben Trump, seinen Zöllen und der Qualifikation von Athletic für die Champions. Besorgt sind Bask*innen wegen der Immobilien- und Miet-Preise, wegen des zunehmenden Massen-Tourismus und wegen der Pläne, alle Berge mit Windrädern vollzustellen. Unternehmer sind besorgt, dass eine 35-Stunden-Woche ihre Profitrate reduziert.

kolu71x00Zurück zur Maloche

Wer nach den Fiestas keine Zeit zur Ruhe hatte, sollte sich vor dem Wiedereintritt in die abhängige Beschäftigung (Lohnarbeit) eine kurze Entziehungskur einlegen, um sich vom exzessiven August-Alkohol-Konsum zu erholen. Neben der kapitalistischen Ausbeutung wartet im September auch das erste Bewegungs-Hoch, mit dem soziale Bewegungen ihre sommerliche Untätigkeit in Sachen Politik wieder aufzuholen trachten. Die Beschleunigung von Null auf Hundert fällt wie immer schwer. Augen zu und durch.

kolu67x00Für Frieden oder gegen Krieg

Die Rüstungs-Debatte ist definitiv auch im spanischen Staat und im Baskenland angekommen. Auf unterschiedliche Art, doch wurde beiderseits schnell entschiedener Widerstand deutlich. Die baskische Anti-Kriegs-Bewegung hat drei Ziele fixiert: die einheimische Kriegs-Industrie, die erneut drohende Wehrpflicht, den Völkermord in Gaza und die anstehenden Sozialkürzungen. Dass der Kicker-Club Athletic in diesem Monat noch Europa-Cup-Sieger werden könnte wird angesichts dessen zum historischen Detail.

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