Die Kolumne

Mit der Kolumne wird der Artikel-Charakter von BASKULTUR erweitert um Aktualität und kritische Kommentare. Der monatliche Beitrag wird (fast) täglich ergänzt mit derzeitigen Ereignissen.

kolu58a00Das Meer lacht sich kaputt

“Unser Sommer ist nur ein grün angestrichener Winter, sogar die Sonne muss bei uns eine Jacke von Flanell tragen, wenn sie sich nicht erkälten will“, schrieb Heinrich Heine einst über die wärmste Jahreszeit, zwischen 1797 und 1856 hatte er das Vergnügen eines Erdbewohners. Wie sich die Zeiten ändern. Heute müsste Heine schreiben: “Unser Winter ist nur ein weiß angestrichener Sommer, sogar die Schneeflocke muss bei uns in Isoliertüten gepackt werden, wenn sie nicht vor dem Niedergang schmelzen will.“

kolu54x00Zeit der Erinnerungen

Durango, Elgeta, Eibar, Zornotza, Gernika – die Reihe der baskischen Orte, die im April 1937 von den faschistischen Putschisten erobert wurden, ist lang. Die Überwindung des antifaschistischen Bollwerks an den Intxorta-Bergen ließ den Franquisten freie Bahn auf dem Vormarsch Richtung Bilbao, wo in einer Stiefelfabrik von Legion-Condor-Bomben 100 Schutzsuchende getötet wurden. Am 1. April 1939 war der Krieg definitiv beendet. Sonst: Eibar ruft die Republik aus, die Ertzaintza tötet einen Fußballfan.

kolu57x00Fiesta Stiere Tod

Europa hat gewählt, nun ist Frankreich an der Reihe, die Ultrarechte darf sich auf einen neuen Wahlerfolg freuen. Faschisten kommen nicht mehr per Militärputsch an die Macht, sondern über Wahlen. Nachdem das Wahlvolk vorher ordentlich belogen und getäuscht wurde. Nur im Baskenland funktioniert dieses Konzept noch nicht. Hier wird aus rechts und links, aus Krieg und Frieden mit einem Mal Fiesta, Fiesta, Fiesta. In Pamplona werden Stiere durch Straßen getrieben, zum Spaß der internationalen Macho-Welt.

kolu53x00Für die Sprache laufen

Alle Jahre wieder – alle zwei Jahre, wenn keine Pandemie dazwischen kommt – rennen Zehntausende von Baskinnen und Basken. Nicht um ihr Leben (oder vielleicht auch), sondern für ihre Sprache. Die ist zwar hoch-offiziell, aber dennoch im südlichen Staat wenig beliebt, wird nach wie vor diffamiert und bekämpft, sei es mit Beleidigungen oder richterlichen Entscheidungen, die verhindern, dass das Baskische den Vorsprung des Spanischen einholt, auf dem Weg zur gleichberechtigten Sprache. 10 Tage Korrika.

kolu56x00Der Vorkriegs-Sommer

Der Sommer kann beginnen. Vorher erwarten wir die Europa-Wahlen. Oder: Europa erwartet, dass wir wählen gehen. Deutsche Unternehmer meinen: auf keinen Fall Ausländer-Feinde, denn Migranten sind wichtig für die Produktion (und die Profite). Doch 100 Millionen Wähler*innen aus 27 Ländern sind da anderer Ansicht: Grenzen zu, gegen Islam, gegen Feminismus, gegen Klima-Katastrophismus. Im Baskenland sind auf der Straße immer mehr Stimmen gegen den Krieg zu hören. Vor allem gegen den Völkermord in Gaza.

kolu52x00Karneval Ituren, Zubieta

Nach dem Winterschluss-Verkauf ist kommerzielle Langeweile angesagt, österliche Sonnenfreuden erscheinen Lichtjahre entfernt. Genau die Zeit, sich bei Minusgraden im leichten Karnevals-Kostüm den Arsch abzufrieren. Die baskische Welt schaut auf Ituren und Zubieta. Figuren mit Schafsfellen, Spitzhüten und Riesenglocken marschieren vor einem Dutzend Kamerateams im Gleichschritt durch die Straßen. Zanpanzar, der Inbegriff baskischer, bäuerlicher und widerständischer Kultur. Dong-Dong-Dong-Dong-Dong.

kolu55x00Düstere Aussichten in Rot

Endlich Mai. Der erste Tag des Monats findet die baskischen Geister in unterschiedlicher Erwartungshaltung vor. Die einen gehen an den Strand, weil arbeitsfrei ist. Die andern fühlen sich zu den Demonstrationen getrieben, die von ihren Gewerkschaften organisiert werden. Der Kampftag der Arbeiterklasse ist ausgerufen, doch Klassenbewusstsein scheint ein Begriff von vorgestern. PS: Der imminente Angriff Israels gegen das palästinensische Rafah liegt der Mehrheit der Erdbevölkerung hart im Magen.

kolu51x00Wo zum Teufel ist der Schneemann?

Jahresrückblicke haben Hochkonjunktur, Pamplona hat einen neuen sozialdemokratischen Bürgermeister, zur Monatsmitte gehen Tausende auf die Straße für die Rechte der politischen Gefangenen. 2024 ist das Jahr der baskischen Regionalwahlen, zumindest im Westen, in Euskadi – dabei wird ein neuer Regierungs-Chef gewählt, zur Wahl stehen nur Männer. Zwar wird die Mehrheit im Baskenland häufig als nationalistisch beschimpft, in den Fenstern hängen derzeit jedoch mehr palästinensische als baskische Symbole.

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